[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verminderung einer Vertikalbewegung eines
Wasserfahrzeugs.
[0002] Bei Wasserfahrzeugen, beispielsweise bei Frachtschiffen, aber auch bei Unterseebooten,
ist es erforderlich, die Schiffsstabilität während der Fahrt zu gewährleisten. Es
ist bekannt, dass bei bestimmten Seegangsbedingungen Schwingungsbewegungen des Wasserfahrzeugs
mit vertikalem Bewegungsanteil angeregt werden können, insbesondere Rollschwingungen.
Derartige Vertikalbewegungen führen im Resonanzfall zu stark erhöhten Abweichungen
von der Solllage des Wasserfahrzeugs. So treten beispielsweise bei parametererregten
Rollschwingungen bisweilen Rollwinkel größer als 20° auf. Insbesondere bei Unterseebooten
können aufgrund der massengeometrischen Eigenschaften des Schiffrumpfes starke parametererregte
Rollbewegungen auftreten. So sind bei Unterseebooten sogar Rollwinkel von mehr als
40° bekannt geworden.
[0003] Aus den "Richtlinien für die Überwachung der Schiffsstabilität" des Bundesministeriums
für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und der See-Berufsgenossenschaft der Bundesrepublik
Deutschland vom 31. März 2004 ist ein Verfahren zur Verminderung der Gefährdung durch
parametrische Rollresonanz bekannt, bei welchem durch vorherige Abschätzung der Rollzeit
des Schiffes und der Kenntnis seiner Rolleigenperiode ein Resonanzbereich für gefährliche
Begegnungsperioden mit dem einkommenden Seegang bestimmt werden kann. Befindet sich
das Wasserfahrzeug innerhalb des Resonanzbereichs, so kann als Gegenmaßnahme entweder
die Fahrgeschwindigkeit oder der Kurs angepasst werden, bis der Resonanzbereich verlassen
ist. Die Begegnungsperiode mit dem einkommenden Seegang kann dabei beispielsweise
mit Hilfe der Stampfbewegungen des Wasserfahrzeugs gemessen werden. Dabei ist nachteilig,
dass der ermittelte Resonanzbereich derart groß ist, dass teils unnötige Steuer- und
Antriebseingriffe durchgeführt werden.
[0004] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren bereitzustellen, mit welchem die
Vertikalbewegung eines Wasserfahrzeugs mit wenigen Steuer- und Antriebseingriffen
vermindert werden kann.
[0005] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den in Anspruch 1 angegebenen Merkmalen
gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen, der nachfolgenden
Beschreibung und der Zeichnung angegeben.
[0006] Das erfindungsgemäße Verfahren dient der Verminderung einer Vertikalbewegung eines
Wasserfahrzeugs. Hierzu wird zunächst ein Vertikalbewegungsresonanzbereich für Bewegungszustände
des Wasserfahrzeugs bestimmt. Dann wird während der Fahrt der Bewegungszustand des
Wasserfahrzeugs zumindest teilweise erfasst und ermittelt, ob dieser im Vertikalbewegungsresonanzbereich
liegt.
[0007] Unter einer Bestimmung des Vertikalbewegungsresonanzbereichs im Sinne dieser Erfindung
ist eine, insbesondere wiederholte bzw. kontinuierliche, Bestimmung des Vertikalbewegungsresonanzbereichs
während der Fahrt zu verstehen. Der Vertikalbewegungsresonanzbereich kann erfindungsgemäß
allerdings auch implizit bestimmt werden, indem festgestellt wird, ob ein Aufklingen
der Vertikalbewegung erfolgt, d. h. es wird durch Beobachtung der Bewegung des Wasserfahrzeugs
festgestellt, ob der Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs mit einem Bewegungszustand
im Vertikalbewegungsresonanzbereich übereinstimmt.
[0008] Erfindungsgemäß bildet die Rollbewegung des Wasserfahrzeugs die Vertikalbewegung
und ein Rollbewegungsresonanzbereich den Vertikalbewegungsresonanzbereich. Auf diese
Weise werden gerade Rollbewegungen vermindert, die Fahrsicherheit und Fahrkomfort
besonders häufig gefährden.
[0009] Wenn festgestellt wird, dass der Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs im Vertikalbewegungsresonanzbereich
liegt, wird gemäß der Erfindung die Fahrgeschwindigkeit und/oder der Kurs des Wasserfahrzeugs
geändert, bis der Vertikalbewegungsresonanzbereich verlassen ist. Auf diese Weise
können Vertikalbewegungen vermindert bzw. ihr Anwachsen vermieden werden. Die verminderte
Vertikalbewegung erhöht die Fahrsicherheit enorm. So wird ein Kentern des Wasserfahrzeugs
sowie ggf. das Verrutschen bzw. der Verlust von Ladung sicher vermieden. Zudem erhöht
sich bei verminderter Vertikalbewegung der Fahrkomfort für die Besatzung.
[0010] Ist der Vertikalbewegungsresonanzbereich verlassen, so werden bevorzugt der ursprünglich
vorgesehene Kurs und die ursprünglich vorgesehene Geschwindigkeit für das Wasserfahrzeug
wieder eingenommen. Auf diese Weise muss von dem geplanten Fahrtverlauf nur kurzzeitig
abgewichen werden, so dass sich bei der Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens
auch die vorgesehene Gesamtfahrtdauer allenfalls unwesentlich ändert.
[0011] Unter einer Vertikalbewegung im Sinne dieser Erfindung ist jede Dreh-bzw. Versatzbewegung
um bzw. entlang einer Hauptträgheitsachse des Wasserfahrzeugs zu verstehen, die einen
vertikalen Bewegungsanteil aufweist. So fallen beispielsweise die Hub- sowie die Stampfbewegung
unter die Vertikalbewegung.
[0012] Bevorzugt wird bzw. werden bei dem Verfahren der Kurs und/oder die Fahrgeschwindigkeit
des Wasserfahrzeugs abhängig von der zuvor ermittelten Ausbreitungsgeschwindigkeit
und/oder der Ausbreitungsrichtung der Wasserwellen geändert. Auf diese Weise können
beispielsweise bestimmte Begegnungsfrequenzen der Wasserwellen mit dem Wasserfahrzeug
vermieden werden, bei welchen ein großer Anteil der Bewegungsenergie des Seegangs
in die Vertikalbewegung einkoppeln kann.
[0013] Vorzugsweise wird bei dem Verfahren zumindest durch Ermittlung der Begegnungsfrequenz
der Wasserwellen mit dem Wasserfahrzeug festgestellt, ob der Bewegungszustand des
Wasserfahrzeugs im Vertikalbewegungsresonanzbereich liegt. So können Wasserwellen
insbesondere dann Vertikalbewegungen im Vertikalbewegungsresonanzbereich anregen,
wenn die Begegnungsfrequenz der Wasserwellen mit dem Wasserfahrzeug nahe einer Resonanzfrequenz
einer Vertikalbewegungsresonanz liegt. Die Begegnungsfrequenz der Wasserwellen mit
dem Wasserfahrzeug kann beispielsweise gemessen werden, indem periodische Bewegungen
des Wasserfahrzeugs selbst erfasst werden, etwa durch Messung der Stampfbewegung des
Wasserfahrzeugs.
[0014] Bevorzugt wird bei dem Verfahren der Vertikalbewegungsresonanzbereichs durch Ermittlung
zumindest einer Resonanzfrequenz der Vertikalbewegung bestimmt. Insbesondere stellt
der Vertikalbewegungsresonanzbereich ein Frequenzintervall dar, welches die Resonanzfrequenz
einschließt. Alternativ oder zusätzlich kann der Vertikalbewegungsresonanzbereich
durch einen ganzzahligen Bruchteil, beispielsweise der Hälfte, bzw. durch ein ganzzahliges
Vielfaches der Resonanzfrequenz der Vertikalbewegung bestimmt sein. Ferner ist der
Vertikalbewegungsresonanzbereich in bevorzugten Weiterbildungen des Verfahrens durch
eine oder mehrere Frequenzen gebildet, welche mit zumindest einer Resonanzfrequenz
der Vertikalbewegung in einem rationalen Verhältnis stehen.
[0015] In einer bevorzugten Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird ggf. die
Phase der dem Wasserfahrzeug begegnenden Wasserwellen relativ zu schwingungsartigen
Vertikalbewegungen des Wasserfahrzeugs durch Kurs- bzw. Fahrgeschwindigkeitsänderungen
des Wasserfahrzeugs geändert. Beispielsweise können schwingungsartige Vertikalbewegungen
des Wasserfahrzeugs bei geeigneter Phase durch den Seegang gedämpft werden.
[0016] Erfindungsgemäß wird bei dem Verfahren der Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs zumindest
teilweise erfasst, indem zumindest eine Komponente des Ortes und/oder der Orientierung
des Wasserfahrzeugs und/oder ihre - insbesondere erste - zeitliche Ableitung bestimmt
wird. In bevorzugten Weiterbildungen der Erfindung wird alternativ oder zusätzlich
zumindest eine weitere, insbesondere die zweite, zeitliche Ableitung der Komponente
bestimmt. Unter der Bestimmung der vorgenannten Größen kann erfindungsgemäß zum einen
eine rechnerische Bestimmung zu verstehen sein, etwa derart, dass eine zeitliche Ableitung
der zu bestimmenden Größen zeitlich integriert wird. Eine alternative rechnerische
Bestimmung kann derart erfolgen, dass die zu bestimmende Größe selbst eine zeitliche
Ableitung einer erfassten Größe darstellt und aus dem zeitlichen Verlauf dieser erfassten
Größe errechnet wird. Zum anderen kann unter Bestimmung auch eine Messung zu verstehen
sein, beispielsweise mittels Sensoren wie Beschleunigungssensoren oder Rollratenmessern.
Besonders bevorzugt wird der Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs erfasst, indem zumindest
zwei der oben genannten Komponenten zueinander in Beziehung gesetzt werden. Idealerweise
werden dazu der Verlauf des Rollwinkels und die Vertikalposition des Wasserfahrzeugs
miteinander verknüpft.
[0017] Bevorzugt werden zur zumindest teilweisen Erfassung des Bewegungszustandes des Wasserfahrzeugs
und/oder der Ausbreitungsrichtung und/oder -geschwindigkeit der Wasserwellen Daten
eines satellitengestützten Navigationssystems herangezogen. Somit können die erfassten
Daten zum Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs bzw. der Bewegung der Wasserwellen
beispielsweise ins erdfeste Koordinatensystem transformiert werden. Auf diese Weise
kann der Einfluss von Kurs- und/oder Geschwindigkeitsönderungen des Wasserfahrzeugs
aus den Daten zum Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs bzw. zur Bewegung der Wasserwellen
herausgerechnet werden. Beispielsweise können dann diese Daten mit einem Hochpassfilter
gefiltert werden, dessen Zeitkonstante nicht durch Zeitskalen, auf welchen Kursänderungen
geschehen, nach oben begrenzt ist. Beispielsweise kann eine Filterung auf langen Zeitskalen
zweckmäßig sein, um eine möglichst genaue Bestimmung der Ausbreitungsrichtung der
Wasserwellen zu erreichen.
[0018] Zweckmäßigerweise erfolgt bei dem Verfahren die Änderung von Kurs und/oder Fahrgeschwindigkeit
des Wasserfahrzeugs mittels zumindest einer Maschine und/oder zumindest eines Aktors
des Wasserfahrzeugs selbsttätig. Beispielsweise handelt es sich bei diesen Aktoren
um das oder die Seitenruder, insbesondere bei Kreuzfahrtschiffen und Yachten um seitlich
angebrachte Flossen zur Rollstabilisierung, sowie bei Unterseebooten zusätzlich oder
alternativ um das bzw. die Tiefenruder. Bevorzugt werden sämtliche verfügbaren Aktoren
und/oder die Maschine des Wasserfahrzeugs zu diesem Zweck eingesetzt.
[0019] In einer vorteilhaften Weiterbildung wird bei dem Verfahren die Vertikalbewegungsdämpfung
erhöht, sofern der Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs innerhalb des Vertikalbewegungsresonanzbereichs
gelegen ist. Beispielsweise wird die Vertikalbewegungsdämpfung über ein unterlagertes
Regelungsverfahren erhöht, welches der Vertikalbewegung entgegenwirkt.
[0020] Zweckmäßigerweise wird die Vertikalbewegungsdämpfung mittels zumindest einer oder
mehrerer Einrichtungen aus der Gruppe Maschine, Seitenflossen, Seitenruder, Tiefenruder
beispielsweise geteilte, gegenläufig bewegte Tiefenruder und/oder ggf. weitere Aktoren
erhöht. Diese Aktoren müssen bei dem erfindungsgemäßen Verfahren nicht allein zur
Dämpfung der Vertikalbewegung zur Verfügung stehen, sondern können zugleich auch zur
Änderung von Kurs und/oder Fahrgeschwindigkeit des Wasserfahrzeugs wie oben beschrieben
eingesetzt werden. Dazu werden ggf. die Ansteuerungen der Maschine bzw. der Aktoren
- beispielsweise zur Einstellungen von Ruder-/Flossenwinkeln, Maschinenleistung, etc.
- zwecks Änderung von Kurs bzw. Fahrgeschwindigkeit des Wasserfahrzeugs sowie zwecks
Vertikalbewegungsdämpfung geeignet überlagert. Beispielsweise kann die Dämpfung durch
die Maschine bzw. durch die Aktoren in Regelkreisen berücksichtigt werden, welche
zur Änderung von Kurs bzw. Fahrgeschwindigkeit des Wasserfahrzeugs ausgebildet sind.
Umgekehrt können die Ansteuerungen zur Änderung von Kurs bzw. Fahrgeschwindigkeit
auch in unterlagerten Regelkreisen zur Dämpfung der Vertikalbewegung mittels der Maschine
bzw. der Aktoren erfolgen. Beispielsweise können die jeweiligen Ansteuerungen in einer
entsprechenden Regelung addiert werden.
[0021] Vorteilhafterweise wird bei dem Verfahren die Stärke der Erregung der Vertikalbewegung
bei einem Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs innerhalb des Vertikalbewegungsresonanzbereichs
durch die Änderung der Stampfamplitude des Wasserfahrzeugs verringert, vorzugsweise
durch ein unterlagertes Regelungsverfahren, welches der Stampfbewegung entgegenwirkt.
Relevant ist dies insbesondere in dem Fall, in welchem der Vertikalbewegungsresonanzbereich
durch einen Rollbewegungsresonanzbereich gebildet ist. Gerade Stampfbewegung und Rollbewegung
koppeln untereinander häufig stark, so dass Stampfbewegungen bei entsprechender Frequenz
Rollbewegungen resonant treiben können. Ferner bevorzugt wird bei einem Bewegungszustand
des Wasserfahrzeugs innerhalb des Vertikalbewegungsresonanzbereichs die Stärke der
Erregung der Vertikalbewegung durch die Änderung des Gierwinkels des Wasserfahrzeugs
verringert, vorzugsweise durch eine unterlagerte Regelung.
[0022] Zweckmäßigerweise wird die Stampfamplitude mittels zumindest eines Tiefenruders des
Wasserfahrzeugs beeinflusst.
[0023] Geeigneterweise wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren der Bewegungszustand des
Wasserfahrzeuges über eine Trägheitsplattform ermittelt.
[0024] Vorzugsweise wird das erfindungsgemäße Verfahren zur Verminderung der Vertikalbewegung
eines Unterseebootes ausgeführt. Gerade bei Unterseebooten können bei Überwasserfahrt
insbesondere parametererregte Rollschwingungen in verstärkter Form auftreten, da ihr
Schiffsrumpf regelmäßig nicht zur Vermeidung von Rollbewegungen optimiert ist. Vielmehr
weisen Unterseeboote für das Rollverhalten ungünstige massengeometrische Verhältnisse
auf. Diese ungünstigen Umstände werden durch das erfindungsgemäße Verfahren geeignet
kompensiert.
[0025] Die Erfindung ist nachfolgend anhand von in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispielen
näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch ein Signalschaltbild einer Regelung zur Ausführung eines eine Grundlage
für die Erfindung bildenden Verfahrens und
- Fig. 2
- schematisch ein Signalschaltbild einer alternativen Regelung.
[0026] Das in den Signalschaltbildern dargestellte, die Grundlage für die Erfindung bildende
Verfahren vermindert die Rollbewegung eines Schiffes. Beispielsweise handelt es sich
dabei um ein Kreuzfahrtschiff, ein Frachtschiff oder ein Unterseeboot. Ferner kann
das beschriebene Verfahren in entsprechender Weise auch zur Verminderung der Stampfbewegung
eingesetzt werden.
[0027] Bei dem Verfahren wird zunächst der Bewegungszustand des Schiffes erfasst. Hierzu
sind Sensoren vorgesehen, welche den Bewegungszustand des Schiffes hinsichtlich seiner
sechs Freiheitsgrade vermessen, d. h. die Lage des Schiffes in den drei Raumrichtungen
sowie die Orientierung des Schiffes werden mittels der Sensoren bestimmt. Darüber
hinaus werden die zeitlichen Ableitungen der vorgenannten Größen ermittelt, d. h.
es werden die Geschwindigkeit des Schiffes entlang der drei Raumrichtungen sowie die
Winkelgeschwindigkeiten der Drehbewegungen des Schiffes um seine Hauptträgheitsachsen
bestimmt. Die Bestimmung dieser zeitlichen Ableitungen geschieht entweder durch eine
direkte Messung über eigens zu diesem Zweck vorgesehene Sensoren oder aber rechnerisch
aus jeweils zeitlich aufeinander folgend gemessenen Werten von Position und/oder Orientierung
des Schiffes. Beispielsweise können die Eingangsdaten zur Position bzw. zur Orientierung
des Schiffes auch aus der zeitlichen Integration der zeitlichen Ableitungen von Position
und Orientierung des Schiffes gewonnen werden. Über Beschleunigungssensoren werden
ferner die zweiten zeitlichen Ableitungen der Position und der Orientierung des Schiffes
gemessen, so dass die Beschleunigung des Schiffes entlang der drei Raumrichtungen
sowie die Winkelbeschleunigungen um die Hauptträgheitsachsen des Schiffes Bestandteil
der Eingangsdaten sind.
[0028] Der vorgenannte Satz von Eingangsdaten bildet einen Zustandsvektor
x, der den Bewegungszustand des Schiffs beschreibt. Zusätzlich werden bei dem Verfahren
Positionsdaten aus den Daten eines satellitengestützten Navigationssystems, wie beispielsweise
dem Global Positioning System (GPS), bestimmt. Diese Positionsdaten bilden einen weiteren
Satz von Eingangsdaten, der in einem Vektor
GPS zusammengefasst ist. Die beiden vorgenannten Sätze von Eingangsdaten
x und
GPS werden einer Filtereinrichtung 1 zugeführt. In der Filtereinrichtung 1 werden die
Datensätze
x und
GPS geeignet gefiltert und somit von Störungen befreit. Ferner stehen der Filtereinrichtung
1 über weitere Sensoren ermittelte, redundante Daten zu den Eingangsdaten
x und
GPS zur Verfügung, mit welchen die Filtereinrichtung 1 Mittelwertbildungen zu den Eingangsdaten
vornimmt. Die derart durch Filterung bzw. Mittelung bereinigten Eingangsdaten stehen
als Datensätze
x̃ und
GP̃S zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung.
[0029] Auf ähnliche Weise werden in einer zweiten Filtereinrichtung 2 von weiteren, unterlagerten
Regeleinrichtungen vorgegebene Sollgrößen für Aktoren des Schiffes bereinigt. Diese
Sollgrößen umfassen u. a. die Solldrehzahl einer Maschine
n, den Sollwinkel einer Seitenruderfläche δ
1, im Falle eines Unterseebootes den Sollwinkel des Tiefenruders δ
2 sowie Sollgrößen weiterer Aktoren. Die Filtereinrichtung 2 stellt die bereinigten
Sollgrößen
ñ, δ̃
1 und δ̃
2 zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung.
[0030] In der Auswerteinrichtung 3 wird anhand eines oder mehrerer definierter Kriterien
die Nähe des bereinigten Bewegungszustands
x̃ zum Zustand einer parametererregten Rollschwingung ermittelt. Die Nähe des Bewegungszustands
zum Rollresonanzzustand wird durch einen als Resonanzlevel
RL bezeichneten Datensatz gekennzeichnet.
[0031] In einer zweiten Auswerteinrichtung 4 werden aus dem bereinigten Bewegungszustand
x̃ die Ausbreitungsrichtung der Wasserwellen relativ zum Schiff, die Wellenausbreitungsgeschwindigkeit
sowie weitere charakteristische Größen der Wellenanregung bestimmt. Diese Parameter
werden in einem Datensatz zusammengefasst, der hier als Wellenanregung
qw bezeichnet ist. Ferner werden der Auswerteinrichtung 4 die bereinigten GPS-Daten
GP̃S übergeben, auf deren Basis die Wellenanregung
qw in ein erdfestes Koordinatensystem transformiert wird, so dass der Einfluss von Kurs
und Geschwindigkeit des Schiffes herausgerechnet wird. In diesem erdfesten Koordinatensystem
wird die Wellenanregung
qw gefiltert. Insbesondere erlaubt diese Filterung eine erhöhte Genauigkeit bei der
Bestimmung der Ausbreitungsrichtung der Wasserwellen.
[0032] Der Resonanzlevel
RL, der bereinigte Bewegungszustand des Schiffes
x̃ sowie die Wellenanregung
qw werden einer Regeleinrichtung 6 übergeben, die den Resonanzlevel
RL daraufhin überprüft, ob der Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs
x̃ eine kritische Nähe zur parametererregten Rollschwingung aufweist, d. h. ob der Bewegungszustand
innerhalb eines Rollresonanzbereichs gelegen ist. Falls der Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs
im Rollresonanzbereich liegt, wird mittels eines Regelgesetzes die Geschwindigkeit
sowie der Gierwinkel des Schiffes derart geändert, dass der Abstand des Bewegungszustands
x̃ zum Zustand der parametererregten Rollschwingung wächst. Eine geeignete Vorgabe zur
Änderung des Gierwinkels hängt dabei wesentlich von der Wellenanregung
qw ab, insbesondere von der Ausbreitungsrichtung der Wasserwellen. Bei dem Regelgesetz
stellt damit der Bewegungszustand
x̃ die Regelgröße dar. Die Stellgrößen zur Geschwindigkeits- und Gierwinkeländerung
sind durch Sollgrößen
O1 für die Maschine sowie Sollgrößen
O2 für ein Seitenruder gebildet, welche den bereits an Bord vorhandenen, unterlagerten
Aktorreglern 7 und 8 zur Bedienung dieser Aktoren zugeführt werden. Auch den weiteren
Aktoren werden durch die Regeleinrichtung 6 Sollgrößen
O5 vorgegeben.
[0033] Resonanzlevel
RL und bereinigter Bewegungszustand
x̃ werden zudem einer weiteren Regeleinrichtung 5 übermittelt. Die Regeleinrichtung
5 ermittelt zunächst anhand des Resonanzlevels
RL, ob der Bewegungszustand des Schiffes
x̃ derart nah an einem Zustand einer parametererregten Rollschwingung liegt, dass die
Schiffsbewegung gedämpft werden muss. Sofern dies der Fall ist, werden auf Basis des
Bewegungszustandes
x̃ gemäß einem Regelgesetz Sollwerte für Aktoren des Schiffes berechnet, welche zur
Dämpfung eingesetzt werden. In dem gezeigten Ausführungsbeispiel sind dies z. B. Sollgrößen
O3 für die Seitenflossen. Zudem ermittelt die Regeleinrichtung 5 Sollgrößen
O4 für weitere direkt auf das Roll- und Stampfverhalten des Schiffes wirkende Aktoren,
im Falle von Unterseebooten beispielsweise die Tiefenruder.
[0034] Die zuvor beschriebenen Aktorsollgrößen
ñ, δ̃
1, δ̃
2 werden in dem in Fig. 1 gezeigten Ausführungsbeispiel intern in den Reglern 5 und
6 berücksichtigt. Alternativ (Fig. 2) können die Sollgrößen
O1, O2, ...,
O5 für die Aktoren auch in den unterlagerten Aktorregiern 7, 8 und 9 hinzu addiert werden,
wobei die Filterung der Aktorsollgrößen ñ, δ̃
1, δ̃
2 über die Filtereinrichtung 2 vollständig separat erfolgen kann.
Bezugszeichenliste
[0035]
- x
- - gemessener Bewegungszustand des Schiffes
- x̃
- - bereinigter Bewegungszustand des Wasserfahrzeugs
- GPS
- - GPS-Daten
- GP̃S
- - bereinigte GPS-Daten
- RL
- - Resonanzlevel
- qw
- - Wellenanregung
- n
- - Solldrehzahl Maschine
- δ1
- - Sollwinkel Seitenruder
- δ2
- - Sollwinkel Tiefenruder
- ñ
- - bereinigte Solldrehzahl Maschine
- δ̃1
- - bereinigter Sollwinkel Seitenruder
- δ̃2
- - bereinigter Sollwinkel Tiefenruder
- O1
- - Sollgrößen Maschine
- O2
- - Sollgrößen Seitenruder
- O3
- - Sollgrößen Seitenflossen
- O4
- - Sollgrößen Tiefenruder
- O5
- - Sollgrößen
- 1
- - Filtereinrichtung
- 2
- - Filtereinrichtung
- 3
- - Auswerteinrichtung
- 4
- - Auswerteinrichtung
- 5
- - Regeleinrichtung
- 6
- - Regeleinrichtung
- 7
- - Unterlagerter Aktorregler
- 8
- - Unterlagerter Aktorregler
- 9
- - Unterlagerter Aktorregler
1. Verfahren zur Verminderung einer Vertikalbewegung eines Wasserfahrzeugs, bei welchem
zunächst ein Vertikalbewegungsresonanzbereich für Bewegungszustände (x) des Wasserfahrzeugs während der Fahrt des Wasserfahrzeugs neu bestimmt wird, bei
dem dann während der Fahrt der Bewegungszustand (x) des Wasserfahrzeugs zumindest teilweise erfasst wird, indem zumindest eine Komponente
des Ortes und/oder der Orientierung des Wasserfahrzeugs und/oder ihre zeitliche Ableitung
bestimmt wird und ermittelt wird, ob dieser Bewegungszustand (x) im Vertikalbewegungsresonanzbereich liegt, wonach dann, wenn festgestellt wird,
dass dieser Bewegungszustand (x) im Vertikalbewegungsresonanzbereich liegt, die Fahrgeschwindigkeit des Wasserfahrzeugs
und/oder der Kurs geändert wird, bis der Vertikalbewegungsresonanzbereich verlassen
ist, wobei eine Rollbewegung die Vertikalbewegung bildet und der Vertikalbewegungsresonanzbereich
durch einen Rollbewegungsresonanzbereich gebildet ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei welchem der Vertikalbewegungsresonanzbereich durch
Ermittlung zumindest einer Resonanzfrequenz der Vertikalbewegung bestimmt wird.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei welchem zur zumindest teilweisen
Erfassung des Bewegungszustandes (x) des Wasserfahrzeugs die erste zeitliche Ableitung einer Komponente des Ortes und/oder
der Orientierung des Wasserfahrzeugs bestimmt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei welchem zur zumindest teilweisen
Erfassung des Bewegungszustandes (x) des Wasserfahrzeugs Daten (GPS) eines satellitengestützten Navigationssystems herangezogen werden.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei welchem die Änderung von Kurs
und/oder Fahrgeschwindigkeit des Wasserfahrzeugs mittels zumindest einer Maschine
und/oder zumindest eines Aktors des Wasserfahrzeugs selbsttätig erfolgt.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei welchem bei einem Bewegungszustand
(x) des Wasserfahrzeugs innerhalb des Vertikalbewegungsresonanzbereichs die Vertikalbewegungsdämpfung
erhöht wird, vorzugsweise über ein unterlagertes Regelungsverfahren, welches der Vertikalbewegung
entgegenwirkt.
7. Verfahren nach Anspruch 6, bei welchem die Vertikalbewegungsdämpfung mittels zumindest
einer oder mehrerer der folgenden Einrichtungen erhöht wird: Maschine, Seitenflossen,
Seitenruder, Tiefenruder und/oder weiterer Aktoren des Wasserfahrzeuges.
8. Verfahren nach Anspruch 5 und 7, bei welchem bei einem Bewegungszustand (x) des Wasserfahrzeugs innerhalb des Vertikalbewegungsresonanzbereichs ein oder mehrere
Aktoren und/oder eine oder mehrere Maschinen des Wasserfahrzeugs zugleich sowohl zur
Änderung von Kurs und/oder Fahrgeschwindigkeit des Wasserfahrzeugs als auch zur Erhöhung
der Vertikalbewegungsdämpfung eingesetzt werden.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei welchem bei einem Bewegungszustand
(x) des Wasserfahrzeugs innerhalb des Vertikalbewegungsresonanzbereichs die Stärke der
Erregung der Vertikalbewegung durch die Änderung der Stampfamplitude des Wasserfahrzeugs
verringert wird, vorzugsweise durch ein unterlagertes Regelungsverfahren, welches
der Stampfbewegung entgegenwirkt.
10. Verfahren nach Anspruch 9, bei welchem die Stampfamplitude mittels zumindest eines
Tiefenruders des Wasserfahrzeugs beeinflusst wird.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei welchem der Bewegungszustand
(x) des Wasserfahrzeugs mittels einer Trägheitsplattform ermittelt wird.
1. A method for reducing a vertical movement of a vessel, with which firstly a vertical
movement resonance region for movement conditions (x) of the vessel is determined
afresh during the travel of the vessel, with which the movement condition (x) of the
vessel is then at least partly detected during the travel by way of at least one component
of the location and/or of orientation of the vessel, and/or its temporal derivative
being determined, and determining whether this movement condition (x) lies in the
vertical movement resonance region, whereupon if one ascertains that this movement
condition (x) lies in the vertical movement resonance region, the travel speed of
the vessel and/or the course is changed until the vertical movement resonance region
has been left, wherein a roll movement forms the vertical movement, and the vertical
movement resonance region is formed by the roll movement resonance region.
2. A method according to claim 1, with which the vertical movement resonance region is
determined by way of evaluating at least one resonance frequency of the vertical movement.
3. A method according to one of the preceding claims, with which the first temporal derivative
of a component of the location and/or of the orientation of the vessel is determined
for the at least partial detection of the movement condition (x) of the vessel.
4. A method according to one of the preceding claims, with which data (GPS) of a satellite-supported
navigation system is used for the at least partial detection of the movement condition
(x) of the vessel.
5. A method according to one of the preceding claims, with which the change of the course
and/or of the travel speed of the vessel is effected automatically by way of at least
one engine and/or at least one actuator of the vessel.
6. A method according to one of the preceding claims, with which, with a movement condition
(x) of the vessel within the vertical movement resonance region, the vertical movement
damping is increased, preferably via a secondary closed-loop control method, which
counteracts the vertical movement.
7. A method according to claim 6, with which the vertical movement damping is increased
by way of at least one or more of the following devices: engine, side fins, side rudder,
depth rudder and/or further actuators of the vessel.
8. A method according to claim 5 and 7, with which, with a movement condition (x) of
the vessel within the vertical movement resonance region, one or more actuators and/or
one or more engines of the vessel together are applied for changing the course and/or
travel speed of the vessel as well as for increasing the vertical movement damping.
9. A method according to one of the preceding claims, with which, with a movement condition
(x) of the vessel within the vertical movement resonance region, the strength of the
excitation of the vertical movement is reduced by way of changing the pitch amplitude
of the vessel, preferably by way of a secondary closed-loop control method, which
counteracts the pitch movement.
10. A method according to claim 9, with which the pitch amplitude is influenced by way
of at least one depth rudder of the vessel.
11. A method according to one of the preceding claims, with which the movement condition
(x) of the vessel is determined by way of an inertia platform.
1. Procédé de réduction d'un mouvement vertical d'un bateau, dans lequel on redéfinit
tout d'abord une plage de résonance du mouvement vertical pour des états de mouvement
(x) du bateau au cours de sa navigation, dans lequel, ensuite on détecte, au moins
partiellement, l'état de mouvement (x) du bateau pendant la navigation en définissant
au moins une composante de la position et/ou de l'orientation du bateau et/ou sa dérivée
temporelle et en déterminant si cet état de mouvement (x) se situe dans la plage de
résonance du mouvement vertical, après quoi, s'il est constaté que cet état de mouvement
(x) se situe dans la plage de résonance du mouvement vertical, on modifie la vitesse
de déplacement du bateau et/ou la route jusqu'à ce que l'on quitte la plage de résonance
du mouvement vertical, un mouvement de roulis formant le mouvement vertical et la
plage de résonance du mouvement vertical étant formée par une plage de résonance du
mouvement de roulis.
2. Procédé selon la revendication 1, dans lequel on définit la plage de résonance du
mouvement vertical en déterminant au moins une fréquence de résonance du mouvement
vertical.
3. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel, pour détecter au
moins partiellement l'état de mouvement (x) du bateau, on détermine la première dérivée
temporelle d'une composante de la position et/ou de l'orientation du bateau.
4. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel, pour détecter au
moins partiellement l'état de mouvement (x) du bateau, on utilise des données (GPS)
d'un système de navigation par satellite.
5. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la modification de
la route et/ou de la vitesse de déplacement du bateau s'effectue automatiquement au
moyen d'au moins une machine et/ou d'au moins un actionneur du bateau.
6. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel, en présence d'un
état de mouvement (x) du bateau se situant dans la plage de résonance du mouvement
vertical, on augmente l'amortissement du mouvement vertical, de préférence via un
procédé de régulation subordonné qui s'oppose au mouvement vertical.
7. Procédé selon la revendication 6, dans lequel l'amortissement du mouvement vertical
est augmenté au moyen d'au moins l'un ou plusieurs des dispositifs suivants : machine,
dérives, gouvernes de direction, gouvernes de profondeur et/ou autres actionneurs
du bateau.
8. Procédé selon la revendication 5 et 7, dans lequel, en présence d'un état de mouvement
(x) du bateau se situant dans la plage de résonance du mouvement vertical, on utilise
un ou plusieurs actionneurs et/ou une ou plusieurs machines du bateau tant pour modifier
la route et/ou la vitesse de déplacement du bateau que pour augmenter l'amortissement
du mouvement vertical.
9. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel, en présence d'un
état de mouvement (x) du bateau se situant dans la plage de résonance du mouvement
vertical, on diminue la force d'excitation du mouvement vertical en modifiant l'amplitude
de tangage du bateau, de préférence par un procédé de régulation subordonné qui s'oppose
au mouvement de tangage.
10. Procédé selon la revendication 9, dans lequel on influe sur l'amplitude de tangage
au moyen d'au moins une gouverne de profondeur du bateau.
11. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel on détermine l'état
de mouvement (x) du bateau au moyen d'une plateforme inertielle.