[0001] Die vorliegende Erfindung befasst sich mit dem Gebiet der chemischen Nassentschichtung
von Werkstücken, insbesondere von Werkzeugen und Komponenten, die mit einer Hartstoffschicht
belegt sind. Ein besonderer Fokus liegt auf der Entschichtung von Hartstoffschichten,
die Oxide enthalten, insbesondere Chromaluminiumoxide (AlCrO-Schichten).
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
[0002] In der Metallbearbeitung ist es seit langem üblich, beschichtete Werkzeuge einzusetzen,
da diese gegenüber unbeschichteten Werkzeugen in vielerlei Hinsicht verbesserte Eigenschaften
aufweisen: erhöhte Einsatztemperaturen, höhere Schnittgeschwindigkeiten, längere Standzeiten,
Kantenstabilität, Korrosionsbeständigkeit usw. Auf Verschleissschutz und Härte optimierte
Schichten werden aber auch auf anderen Komponenten eingesetzt, die im Gebrauch vergleichbaren
Bedingungen ausgesetzt sind und folglich ebensolche Eigenschaften erfordern; Beispiel
sind Lagerteile und Komponenten für die Automobilindustrie wie beschichtete Kolben,
Einspritzdüsen, etc.
[0003] Einhergehend mit der Beschichtung stellt sich das Problem der Entschichtung, hier
vor allem für Teile, deren Beschichtung entweder fehlerhaft ist oder - bei Werkzeugen
- die entschichtet, aufgearbeitet und erneut beschichtet werden sollen.
[0004] Die vielfältigen Einsatzanforderungen resultieren in einer ganzen Reihe von spezialisierten
Schichten und Schichtsystemen, die wiederum unterschiedliche Entschichtungsanforderungen
nach sich ziehen. Die Entschichtung soll wirtschaftlich sein (schnell, keine komplizierten
Apparaturen, günstige Verbrauchsmaterialien, für möglichst viele Schichten anwendbar),
sicher (möglichst wenig Gefahrstoffe), umweltfreundlich und nicht zuletzt soll das
schichttragende Werkzeug bzw. die Komponente durch die Entschichtung nicht geschädigt
werden.
STAND DER TECHNIK
[0005] Aus dem Stand der Technik sind, insbesondere für titanhaltige Beschichtungen wie
TiN, TiCN, TiAlN, eine Vielzahl von Ansätzen für nasschemische Entschichtungsverfahren
und -Lösungen bekannt. Diese basieren zumeist auf Wasserstoffperoxid mit einem Stabilisator.
Die
EP 1 029 117 schlägt ein Entschichtungsverfahren vor, bei dem Wasserstoffperoxid, eine Base und
mindestens eine Säure oder das Salz einer Säure Verwendung finden.
[0006] Die Patentanmeldung
DE 4339502 beschreibt die zerstörungsfreie Entschichtung von Hartmetallsubstraten, beschichtet
mit u.a. TiAlN-Schichten. Die Vorteile gegenüber früheren Verfahren werden damit angegeben,
dass neben den gebräuchlichen Komplexbildnern und Stabilisatoren, Inhibitoren zwecks
Korrosionsschutz auch andere Hilfsstoffe eingesetzt werden, sowie die Lösung auf einen
pH-Wert eingestellt wird, der im Zusammenwirken mit den anderen Reagenzien eine Auslösung
von Co aus dem Werkstück verhindert. Nachteile dieser Lösung sind die vergleichsweise
lange Entschichtungsdauer für TiAlN und andere Beschichtungen, der relativ hohe Chemikalieneinsatz
und die damit verbundenen Kosten, die relativ komplizierten (weil genau einzuhaltenden)
Formulierungen und Reaktionsbedingungen sowie die Verwendung von fluorhaltigen Reagenzien.
[0007] In der
WO 2005/073433 wird vorgeschlagen, zur Verbesserung des Entschichtungsverhaltens eine chrom- oder
aluminiumhaltige Schicht auf ein Substrat aufzubringen und das Werkstück mit einer
alkalischen Lösung, die ein starkes Oxidationsmittel enthält, z. B. eine Permanganatlösung,
zu entschichten. Insbesondere wird vorgeschlagen, falls man Schichten von gegenüber
allzu alkalischem Milieu empfindlichen Hartmetallen ablösen will, bei hohen Permanganatkonzentrationen
wie etwa 20 bis 50 g/l einen pH-Wert von ca. 7 einzustellen, um die Schichten abzulösen.
Zur Entschichtung von gegenüber alkalischen Lösungen unempfindlichen Werkstücken,
wie Stahlsubstraten und vielen anderen eisenhaltigen Legierungen wird ein höherer
pH-Bereich zwischen 9 und 14 empfohlen, wobei eine geringere Permanganatkonzentration,
beispielsweise zwischen 10 und 30 g/l, ausreicht, um auch bei Raumtemperatur (ca.
15 bis 30°C) eine vollständige Entschichtung von 2 bis 10 µm dicken AlCrN-Schichten
innerhalb 15 bis 60 Minuten zu erreichen. Für eine Permanganatkonzentration über 30
g/l wird angegeben, dass die Entschichtungsgeschwindigkeit nochmals erhöht sei.
[0008] US 2005/241679 A1 offenbart die vollständige Entschichtung von 2 bis 10 µm dicken AlCrN-Schichten bei
Rautemperatur, innerhalb 15 bis 60 Minuten mit einer alkalischen Permanganatlösung,
die 1-3 Gew.% KMnO4, enthält.
[0009] DE 23 39 608 A1 offenbart eine alkalische Permanganatlösung, die 4-6 Gew.% KMnO4, 8-11 Gew.% NaOH,
8-11 Gew.% Na2CO3, und als Rest Wasser enthält.
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0010] In der Praxis hat sich herausgestellt, dass die in der
WO 2005/073433 vorgeschlagenen Lösungen, z. B. Beispiel 5 mit den Hauptbestandteilen 20g/l NaOH
und 20g/l KMnO
4, für moderne AlCrN Schichten wie die am Markt bekannte Balinit Alcrona nicht optimal
sind. Da diese Schichten eine maximale Anwendungstemperatur von über 1000°C erlauben,
wird vermutet, dass sich, je nach tatsächlichem Einsatz, Sauerstoff in die AlCrN Schicht
einlagert und diese sich dadurch verdichtet. Dadurch verschlechtert sich das Entschichtungsverhalten
markant.
[0011] Grundsätzlich dasselbe Problem tritt bei AlCrO Schichten (Aluminium-Chrom-Oxide)
auf, die sich mit einer Lösung gemäss Beispiel 5 wie vorbeschrieben, gar nicht entschichten
lassen.
[0012] Ferner war bekannt, dass wegen der Empfindlichkeit von Hartmetallen gegenüber stark
alkalischen Lösungen keine wirtschaftliche, universelle Entschichtungslösung für Stähle
und Hartmetalle für diesen Bereich der Hartstoffbeschichtungen erzielbar ist.
[0013] Daher besteht die Aufgabe der Erfindung darin, ein Verfahren zur Entschichtung bzw.
eine Entschichtungslösung anzugeben, welche es erlauben, auf wirtschaftliche Weise
Hartstoffschichten aus zumindest AlCr, AlCrN und/oder AlCrO von einem Werkstück zu
entfernen, ohne das Werkstück selbst substantiell zu schädigen.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0014] Erfindungsgemäss wird diese Aufgabe gelöst mit einem Verfahren gemäß Anspruch 1,
wobei das Stoffsystem zum Ablösen eines Schichtsystems von einem Werkstück als wässrige,
alkalische Lösung mit 4 Gweichtsprozent KMnO4 dastellbar ist, wobei gleichzeitig der
alkalische Anteil zwischen 8 und
11 Gewichtsprozent, bevorzugt bei 10 Gewichtsprozent, liegt. Der alkalische Anteil
wird in einer Ausführungsform durch KOH oder NaOH gebildet, wobei der pH-Wert der
Lösung über 13 liegt, bevorzugt über 13.5.
[0015] Ein Werkstück, das einem erfindungsgemässen Verfahren unterworfen werden soll weist
ein Schichtsystem auf dem Werkstück auf, das mindestens eine Schicht umfasst, die
wiederum zumindest eines der folgenden Werkstoffe aufweist: metallisches TiAlCr sowie
andere AlCr Legierungen; oder eines deren Nitride, Carbide, Boride, Oxide bzw. deren
Kombination sowie Aluminiumoxide. Das erfindungsgemässe Verfahren zum Ablösen dieses
Schichtsystems sieht vor, das Werkstück in eine Entschichtungslösung gemäss obiger
Beschreibung einzubringen und es dort eine vorbestimmte Zeit zu behandeln. Die Lösung
kann während der Behandlung bewegt werden, z. B. durch Rühren oder Bewegen des Werkstückes.
Die Behandlung erfolgt bevorzugt bei Raumtemperatur, e. g. zwischen 15 und 30°C, ist
aber auch bei höheren Temperaturen e. g. bis 60 bzw 70°C möglich. Ferner können Vor-
bzw. Nachbehandlungsschritte vorgesehen werden, die z. B. chemische oder mechanische
Oberflächenbehandlungen mitumfassen. Darunter fallen zumindest eine der folgenden
Behandlungsmöglichkeiten: Spülen, Reinigen, Ultraschallbadbehandeln, Trocknen, Strahlen,
Bürsten, Wärmebehandeln.
EXPERIMENTELLE RESULTATE
[0016] Im folgenden werden verschiedene Abkürzungen benutzt. Die Werkstoffe 1.2379, ASP2023
(1.3343), 1.2344, SDK (1.3344) und QRS (1.2842) bezeichnen verschiedene Stahlsorten,
darunter hochlegierte Stähle und Schnellarbeitsstähle. TTX, THM und TTR bezeichnen
Wendeschneidplatten aus Wolframcarbiden unterschiedlicher Zusammensetzung. "Helica"
verweist auf ein AlCr-basiertes Schichtmaterial, das am Markt unter dem Handelsnamen
Balinit® Helica bekannt ist. "Alcrona" bezeichnet eine AlCrN Beschichtung, die als
Balinit® Alcrona am Markt ist.
[0017] Als Entschichtungslösungen wurden verwendet:
- eine Lösung gemäss Stand der Technik wie oben beschrieben mit 2% KMnO4 und 2% NaOH, Bezeichnung im Folgenden: 2K/2Na
- Eine erste Lösung gemäss vorliegender Erfindung mit 4% KMnO4 und 10% NaOH, Bezeichnung im folgenden 4K/10Na
- Eine zweite Lösung gemäss vorliegender Erfindung mit 4% KMnO4 und 10% KOH und, Bezeichnung im folgenden 4K/10K
Versuch 1: Wirksamkeit
[0018] Angegeben ist, wie viele Probekörper jeweils in 50mL Lösung vollständig entschichtet
werden konnten.
| Tabelle 1 |
|
|
| Lösung: |
Werkstück/Werkstoff Probekörper: |
Entschichtet: |
| 2K/2Na |
SDK |
11 |
| 4K/10Na |
SDK |
27 |
| 4K/10K |
SDK |
28 |
| 2K/2Na |
THM |
6 |
| 4K/10Na |
THM |
11 |
| 4K/10K |
THM |
12 |
Versuch 2: Einfluss auf das Substrat
[0019] Ein wichtiges Kriterium ist darüberhinaus, wie stark eine Lösung die Oberfläche des
jeweiligen Basismaterials bzw. Werkstücks angreift. In den nachfolgenden Tabellen
ist angegeben, welche Oberflächenzusammensetzung unbeschichtete Probekörper aufwiesen,
die eine Stunde der jeweiligen Lösung ausgesetzt waren. Zum Vergleich werden auch
Werte einer Lösung 2K/2Na angegeben. Die Anteile bestimmter Elemente in der Oberfläche
des Probenkörpers wurden mittels EDX (energiedispersive Röntgenspektroskopie, ein
Verfahren der Materialanalytik) gemessen.
Lösung 2K/2Na. Alle Zahlenangaben in Wt%
[0020]
| Tabelle 2 |
|
|
|
|
|
|
|
| |
Si |
Mn |
Cr |
Mo |
V |
W |
Fe |
| SDK |
0.41 |
0.48 |
4.14 |
4.97 |
1.67 |
9.58 |
78.74 |
| QRS |
0.37 |
2.55 |
0.58 |
|
0.27 |
|
96.24 |
| ASP2023 |
0.72 |
0.85 |
4.27 |
3.35 |
1.97 |
6.42 |
82.43 |
| 1.2379 |
0.65 |
0.5 |
11.83 |
1 |
1.09 |
|
84.93 |
| 1.2344 |
1.13 |
0.55 |
5.41 |
1.49 |
1.07 |
|
90.35 |
Lösung 4K/10K. Alle Zahlenangaben in Wt%
[0021]
| Tabelle 3 |
|
|
|
|
|
|
|
| |
Si |
Mn |
Cr |
Mo |
V |
W |
Fe |
| SDK |
0.35 |
0.39 |
4.07 |
3.33 |
1.32 |
6.73 |
83.81 |
| QRS |
0.41 |
2.33 |
0.68 |
|
0.38 |
|
96.2 |
| ASP2023 |
0.72 |
0.52 |
4.18 |
2.5 |
1.35 |
5.99 |
84.75 |
| 1.2379 |
0.71 |
0.97 |
8.13 |
0.78 |
0.71 |
|
88.7 |
| 1.2344 |
1.13 |
0.55 |
5.18 |
1.26 |
0.95 |
3.49 |
87.44 |
Lösung 4K/10Na. Alle Zahlenangaben in Wt%
[0022]
| Tabelle 4 |
|
|
|
|
|
|
|
| |
Si |
Mn |
Cr |
Mo |
V |
W |
Fe |
| SDK |
0.2 |
0.68 |
3.96 |
3.16 |
1.27 |
7.17 |
83.56 |
| QRS |
0.4 |
2.17 |
0.49 |
|
0.19 |
|
96.76 |
| ASP2023 |
1.4 |
0.89 |
3.87 |
2.59 |
1.53 |
|
89.72 |
| 1.2379 |
0.67 |
0.41 |
7.78 |
0.69 |
0.47 |
|
89.98 |
| 1.2344 |
1.02 |
0.6 |
5.48 |
1.27 |
1.07 |
0.85 |
89.71 |
Lösung 2K/2Na. Alle Zahlenangaben in Wt%
[0023]
| Tabelle 5 |
|
|
|
|
| |
W |
Co |
Ti |
Ta |
| THM |
91.74 |
8.26 |
|
|
| TTX |
42.41 |
24.18 |
19.27 |
14.15 |
| TTR |
42.97 |
39.84 |
8.04 |
9.15 |
Lösung 4K/10K. Alle Zahlenangaben in Wt%
[0024]
| Tabelle 6 |
|
|
|
|
| |
W |
Co |
Ti |
Ta |
| THM |
81.12 |
18.88 |
|
|
| TTX |
56.62 |
22.02 |
13.02 |
8.33 |
| TTR |
28.72 |
53.08 |
10 |
8.2 |
Lösung 4K/10Na. Alle Zahlenangaben in Wt%
[0025]
| Tabelle 7 |
|
|
|
|
| |
W |
Co |
Ti |
Ta |
| THM |
72.45 |
27.55 |
|
|
| TTX |
33.6 |
34.86 |
17.47 |
14.07 |
| TTR |
9.48 |
64.57 |
11.63 |
14.31 |
Versuch 3: Entschichtungszeiten
[0026] Hierzu wurden für verschiedene Probenkörper und verschiedene Schichten die Entschichtungszeiten
unter standardisierten, vergleichbaren Bedingungen ermittelt. Die Tabelle gibt an,
in welcher Zeit (minuten) eine 4µm dicke Schicht vom Werkstück vollständig entfernt
wird.
Alle Tabellenwerte in Minuten:
[0027]
| Tabelle 8 |
|
|
|
|
|
| Lösung |
Helica SDK |
Helica THM |
Alcrona SDK |
Alcrona THM |
Aluminiumoxid |
| 2K/2Na |
83 |
347 |
31 |
31 |
./. |
| 4K/10Na |
31 |
136 |
12 |
26 |
93 |
| 4K/10K |
26 |
90 |
12 |
19 |
130 |
Versuch 4: Entschichtung von WC/C
[0028] Probekörper (Kolben) mit einer 0.8 µm Wolframcarbidbeschichtung mit hohem Kohlenstoffanteil
wurden mit 4K/10Na und 4K/10K entschichtet. Nach 12 Stunden Einwirkzeit mit 4K/10K
war der Probekörper entschichtet, mit 4K/10Na noch nicht.
Versuch 5: Abtrag bei Hartmetall
[0029] Die Probekörper (2-lippige Hartmetallfräser Durchmesser 8mm, Schicht Alcrona) wurden
der Entschichtungslösung 30min ausgesetzt und danach mit Strahlmittel F500 bei 3bar
gestrahlt. Der Abtrag in µm wurde gemessen. Danach wurde das Werkzeug erneut beschichtet,
entschichtet, gemessen, usw. Die folgende Tabelle zeigt den Abtrag in µm.
| Tabelle 9 |
|
|
| Lösung |
1 x Entschichten und Strahlen |
5 x Entschichten und Strahlen |
| 2K/2Na |
2 |
11 |
| 4K/10K |
4.5 |
12 |
| 4K/10Na |
5.5 |
15 |
Ergebnis:
[0030] Konventionelle Hartmetalle bzw. gesinterte Carbidmetalle bestehen aus 90-94% Wolframcarbid
als Verstärkungsphase und 6-10% Cobalt als Bindemittel/Bindephase. Beim Sinterprozess
schmilzt aufgrund seines niedrigeren (im Vergleich zum Carbid) Schmelzpunktes das
Bindemittel auf und verbindet die Carbidkörner. Es gibt Werkstoffvarianten, die neben
Wolframcarbid darüberhinaus TiC (Titancarbid), TiN (Titannitrid) oder TaC (Tantalcarbid)
enthalten, mit einer Bindephase aus Ni, Co oder Mo. Beispiele für solche als Cermets
bezeichneten Hartmetalle sind die in dieser Anmeldung aufgeführten TTX und TTR Werkstoffe
(TTX: 60% WC, 31% TiC+Ta(Nb)C+9% Co).
Beim Entschichtungsprozess ist daher vor allem der Erhalt der Bindephase kritisch,
die Entschichtungslösung darf nicht das Werkzeug selbst auflösen. Darum schlägt auch
der Stand der Technik vor, beim Ablösen von Hartstoffschichten von Hartmetallen stark
alkalisches Milieu zu meiden.
[0031] Wie in obigen Versuchen belegt, kann trotz des Vorurteils der Fachwelt, Hartmetalle
nicht stark alkalischen Entschichtungslösungen auszusetzen, eine solche Lösung angegeben
werden. 4K/10Na und 4K/10K weisen beide einen pH-Wert von über 13 auf und beeinträchtigen
dennoch die Cobalt-Bindephase in den Hartmetall-Probekörpern gemäss Tabelle 4 und
5 bis auf einen Fall (TTX bei 4K/10K) deutlich weniger als die Lösung gemäss Stand
der Technik 2K/2Na.
[0032] Tabelle 7 zeigt, dass zwar bei der Erstanwendung der Lösungen 4K/10Na und 4K/10K
ein stärkerer Abtrag vom Substrat stattfindet als bei der Lösung gemäss Stand der
Technik. Über die Zeit ergibt sich jedoch, dass insbesondere die Lösung 4K/10K nur
einen unwesentlich höheren Abtrag verursacht als 4K/10Na. Dies ist erstaunlich, da
eigentlich der hohe Anteil an Kaliumhydroxid das Basismaterial stärker angreifen sollte
als die ansonsten vergleichbare Lösung mit Natriumhydroxid.
[0033] Als Erklärungshypothese könnte folgende Überlegung dienen: Bei der Herstellung der
Lösung 4K/10K bilden sich im frischen Ansatz grüne Kristalle, die ein Anzeichen für
die Bildung von Manganaten (VI) sind, durch Reaktion in der Permanganatlösung mit
viel Alkalihydroxid. Diese Kristalle lösen sich bei Gebrauch der Entschichtungslösung
wieder auf.
[0034] Es ist somit zu vermuten, dass damit aus einer frischen Lösung Permanganat über die
Reaktion zu Manganat (VI) entzogen wird, was die vom Fachmann eigentlich erwartete
höhere Aggressivität von 4K/10K mindert. Während des Gebrauchs lösen sich die Manganat
(VI) Kristalle wieder auf, stehen in Lösung somit als Oxidationsmittel einerseits
direkt zur Verfügung; andererseits kann in der Kalilauge auch eine weitere Umsetzung
zu Permanganat erfolgen. Mit anderen Worten, die Entschichtungslösung 4K/10K regeneriert
sich im Gebrauch selbst. Diese Hypothese wird durch die experimentellen Befunde von
Tabelle 7 wie auch Tabelle 1 gestützt.
[0035] Bei der Anwendung auf Stahl ist das Bild uneinheitlicher, aber auch hier ist festzuhalten,
dass die erfindungsgemässen Lösungen selektiv weniger aggressiv sind, als dies von
der chemischen Zusammensetzung her zu erwarten wäre.
[0036] Was die Wirksamkeit betrifft, so zeigt Tabelle 1, dass die erfindungsgemässen Lösungen
im Schnitt doppelt so wirksam sind und bedeutend kürzere Einwirkzeiten zulassen (Tabelle
1).
[0037] Bekanntermassen fällt beim Ablösevorgang aus der Permanganatlösung Braunstein aus.
Daher kann es fallweise notwendig sein, nach der chemischen Nassentschichtung MnO
2-Rückstände von der Werkstückoberfläche zu entfernen. Dies kann in bekannter Weise
mittels eines Ultrschallbades erfolgen, wobei zur Unterstützung eine schwache Säure
oder eine Pufferlösung im sauren bis leicht alkalischen Bereich Nachbearbeitung angewendet
werden kann.
1. Verfahren zum Ablösen eines Schichtsystems von einem Werkstück, wobei das Schichtsystem
auf dem Werkstück mindestens eine Schicht umfasst, die wiederum zumindest eines der
folgenden Werkstoffe aufweist: metallisches AlCr, TiAlCr sowie andere AlCr Legierungen;
oder eines deren Nitride, Carbide, Boride, Oxide bzw. deren Kombination, sowie Aluminiumoxide,
dadurch gekennzeichnet, dass das Werkstück in eine Entschichtungslösung eingebracht wird und dort eine vorbestimmte
Zeit zur Behandlung verbleibt, wobei die Entschichtungslösung eine wässrige, alkalische
Lösung mit Kaliumpermanganat KMnO4 ist, welche 4 Gewichtsprozent KMnO4 enthält und bei der gleichzeitig der alkalische Anteil zwischen 8 und 11 Gewichtsprozent
liegt.
2. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der alkalische Anteil durch KOH oder NaOH gebildet wird, wobei der pH-Wert der Lösung
über 13 liegt.
3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Entschichtungslösung während der Behandlung Raumtemperatur zwischen 15 und 30°C
aufweist.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Entschichtungslösung während der Behandlung eine Temperatur bis 60°C aufweist.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Entschichtungslösung während der Behandlung eine Temperatur bis 70°C aufweist.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass ferner mindestens ein Nachbehandlungsschritt nach dem Ablösen des Schichtsystems
vorgesehen wird, der eine Oberflächenbehandlung des Werkstücks mitumfasst.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass ferner mindestens ein Vorbehandlungsschritt vor dem Ablösen des Schichtsystems vorgesehen
wird, der eine Oberflächenbehandlung des Werkstucks mitumfasst.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächenbehandlung zumindest eine der folgenden Behandlungsmöglichkeiten ist:
Spülen, Reinigen, Ultraschallbadbehandeln, Trocknen, Strahlen, Bürsten, Wärmebehandeln.
1. Method for stripping a film system from a workpiece, wherein the film system on the
workpiece comprises at least one film which in turn displays at least one of the following
materials: metallic TiAlCr and other AlCr alloys; or one of their nitrides, carbides,
borides, oxides or a combination of such, and aluminum oxides, characterized in that the workpiece is placed in a stripping solution and remains there for treatment for
a predetermined time, wherein the stripping solution is an aqueous, alkaline solution
with potassium permanganate KMnO4 which contains 4 per cent in weight KMnO4, and at the same time the alkaline content is between 8 and 11 per cent in weight.
2. Method according to one of the preceding claims characterized in that the alkaline content is formed by KOH or NaOH, wherein the ph-value of the solution
is above 13.
3. Method according to one of the preceding claims 1 to 2, characterized in that, during the treatment, the stripping solution is at room temperature between 15°
and 30°.
4. Method according to one of the preceding claims 1 to 2, characterized in that, during the treatment, the stripping solution is at a temperature up to 60°.
5. Method according to one of the preceding claims 1 to 2, characterized in that, during the treatment, the stripping solution is at a temperature up to 70°.
6. Method according to one of the preceding claims 1 to 5, characterized in that furthermore at least one postprocessing step is provided after the stripping of the
film system that also comprises a surface treatment of the workpiece.
7. Method according to one of the preceding claims 1 to 6, characterized in that furthermore at least one pretreatment step is provided before the stripping of the
film system that also comprises a surface treatment of the workpiece.
8. Method according to one of the claims 6 or 7, characterized in that the surface treatment is at least one of the following possible treatments: rinsing,
cleaning, treatment in an ultrasound bath, drying, irradiation, brushing, heat treatment.
1. Procédé d'enlever un système de couches d'une pièce, le système de couches sur la
pièce comprenant du moins une couche qui à son tour comprend du moins un des matériaux
suivants: AlCr métallique, TiAlCr ainsi que d'autres alliages AlCr; ou un de leurs
nitrures, carbures, borures, oxydes ou leur combinaison, et alumines, caractérisé en ce que la pièce est mise dans une solution enlevant la ou les couches et y reste pendant
une durée prédéterminée pour le traitement, la solution enlevant la ou les couches
étant une solution aqueuse , alcaline avec du permanganate de potassium KMnO4 qui contient 4 pour cents en poids de KMnO4 et dont la teneur alcaline est en même temps comprise entre 8 et 11 pour cents en
poids.
2. Procédé selon l'une des revendications précédentes caractérisé en ce que la teneur alcaline est formée par KOH ou NaOH, la valeur pH de la solution étant
supérieure à 13.
3. Procédé selon l'une des revendications précédentes 1 ou 2 caractérisé en ce que, pendant le traitement, la solution enlevant la ou les couches a une température
ambiante comprise entre 15 et 30°C.
4. Procédé selon l'une des revendications précédentes 1 ou 2 caractérisé en ce que, pendant le traitement, la solution enlevant la ou les couches a une température
jusqu'à 60°C.
5. Procédé selon l'une des revendications précédentes 1 ou 2 caractérisé en ce que, pendant le traitement, la solution enlevant la ou les couches a une température
jusqu'à 70°C.
6. Procédé selon l'une des revendications précédentes 1 à 5 caractérisé en ce que, en outre, du moins une étape d'après-traitement est prévue après l'enlèvement du
système de couches, ladite étape d'après-traitement comprenant le traitement de la
surface de la pièce.
7. Procédé selon l'une des revendications précédentes 1 à 6 caractérisé en ce que, en outre, du moins une étape de prétraitement est prévue avant l'enlèvement du système
de couches, ladite étape de prétraitement comprenant le traitement de la surface de
la pièce.
8. Procédé selon l'une des revendications 6 ou 7 caractérisé en ce que le traitement de la surface est du moins une des possibilités de traitement suivantes
: rincer, nettoyer, traitement dans un bain à ultrasons, sécher, rayonner, brosser,
traitement thermique.