[0001] Die Erfindung beschäftigt sich mit einer Schutzeinrichtung zum Schutz gegen Projektile,
Munitionen und andere Geschosse. Gegenstand des Schutzkonzeptes ist, eine zu schützende
Fläche mit vielen kleinen Platten abzudecken, deren Befestigung aber so labil ausgelegt
ist, dass eine einzelne Platte bei Beschuss nicht durchschlagen sondern vom Geschoss
beschleunigt wird. Dabei nimmt die Platte die vom Geschoss übertragene kinetische
Energie auf bzw. bremst das Geschoss. Beide werden danach von einer zweiten Schicht
Platten oder einem anderen konventionellen Schutz aufgefangen. Dabei kann die Schutzplatte,
je nach Material brechen, knicken oder einreißen. Dadurch wird Energie umgewandelt.
[0002] Im Rahmen von out-of-area Einsätzen werden eine Vielzahl von leichten und mittelschweren
gepanzerten Fahrzeugen eingesetzt. Die Panzerung dieser Fahrzeuge muss dabei verschiedenen
Bedrohungen widerstehen können und trotzdem möglichst klein sein. Bevorzugt werden
Panzerungen, die auch an kleineren Fahrzeugen eingesetzt werden. Zu den verschiedenen
Bedrohungen zählen auch die EFP- Explosive Formed Projectiles. Die EFP durchschlagen
aufgrund ihrer Masse und Geschwindigkeit oft herkömmliche Panzerungen. Für EFP, die
aus einzelnen Projektilen bestehen, so genannte "Monoslug -EFP", besteht theoretisch
die Möglichkeit, durch dickere Panzerungen einen wirksamen Schutz zu schaffen. Bei
EFP, die aus mehreren, nacheinander an der gleichen Stelle einschlagenden Projektilen
bestehen, so genannte "Multislug -EFP", ist ein derartiger Schutz nicht ausreichend,
da die Projektile die Panzerung an dieser Stelle durchschlagen.
[0003] Eine Schutzverkleidung von vielen ist der
DE 10 2007 026 545 A1 zu entnehmen. Diese ist lösbar an einer Fahrzeugwand einbindbar.
[0004] Die
DE 10 2004 044 541 B4 schlägt einen Druckgasbehälter sowie einen beschussfesten Mantel dafür vor zur Anwendung
bei einem Flugzeug. Die Bewegungsenergie des Geschosses wird durch Verformung des
Mantels aufgenommen und in Umfangsrichtung umgeleitet, sodass eine Zerstörung des
Behälters verhindert wird. Der Mantel ist seinerseits vom Behälter beabstandet.
[0005] Hier stellt sich die Erfindung die Aufgabe, ein Schutzelement bzw. Schutzsystem insbesondere
zum Schutz von Multislug -EFP aufzuzeigen, das einen Einsatz an leichten und mittelschweren
Fahrzeugen und anderen Objekten ermöglicht.
[0006] Gelöst wird die Aufgabe durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 bzw.10. Vorteilhafte
Ausführungen sind in den jeweiligen Unteransprüchen aufgeführt.
[0007] Der Erfindung liegt die Idee zugrunde, eine zu schützende Fläche mit vielen (kleinen)
Platten etc. abzudecken, deren Befestigung aber so labil ausgelegt ist, dass eine
einzelne Platte bei Beschuss (oder Beaufschlagung durch eine Mine) nicht durchschlagen
sondern vom Geschoss bzw. den Fragmenten (auch der Mine) beschleunigt wird. Dabei
nimmt die Platte die vom Geschoss übertragene kinetische Energie auf bzw. bremst das
Geschoss. Beide werden danach von einer zweiten Schicht Platten oder einem anderen
konventionellen Schutz aufgefangen.
[0008] Dadurch werden zwei wichtige Eigenschaften durch den ballistischen Schutz erfüllt,
die Fragmente werden abgebremst und bereits das erste Fragment versetzt das vereinzelte
Schutzelement in Bewegung. Für das Abbremsen ist es wichtig, dass die Schutzelemente
nicht zu schwer und nicht zu stabil gelagert bzw. gehalten sind, damit die kinetische
Energie von den Fragmenten an die Schutzelemente abgegeben werden kann. Damit bereits
das erste Fragment das / die Schutzelement(e) in Bewegung versetzen kann, ist es ebenfalls
wichtig, dass die Lagerung der Schutzelemente möglichst wenige Reaktionskräfte aufbauen
kann. Die Schutzelemente sind hochfeste Platten, vorzugsweise aus Verbundmaterial,
wie Dyneema etc. Es kann auch organisches Material, wie z.B. Biobeton (auf Mais-Basis)
eingesetzt werden. Diese Platten werden in einer beispielsweise mit Pressluft ausgeblasenen
Gummiblase oder dergleichen gelagert. Das Grundprinzip des Schutzkonzeptes ist somit
die Lagerung der Schutzplatten in je einer mit Luft etc. gefüllten Gummiblase pro
Schutzplatte. Die mit (Press-)Luft gefüllte Gummiblase hat eine stabile Form und trägt
die Schutzplatte. Die Gummiblase lässt sich mit weiteren Gummiblasen zusammen stecken
(solange die unter Überdruck steht). Alternativ können diese Mittel zum Zusammenstecken
voluminös an der Gummiblase angeformt sein, beispielsweise als Gummielemente. Neben-
und übereinander angeordnete Gummiblasen mit Schutzplatten ergeben eine (geschützte)
Fläche. In mehreren Ebenen hintereinander und vorzugsweise versetzt angeordnete Gummiblasen
ermöglichen in Weiterführung der Erfindung einen Schutzdeckungsgrad von 100 %.
[0009] Trifft ein EFP- Fragment auf eine so geschützte Fläche, wird als erstes die getroffene
Gummiblase platzen. Das führt dazu, dass die zugehörige Schutzplatte keine Lagerung
mehr besitzt. Nur noch die eigene Massenträgheit hält sie für kurze Zeit in Position.
Die Schutzplatte wird durch das Fragment beschleunigt, da keine Reaktionskräfte aus
einer Lagerung aufgebaut werden. Dadurch können nachfolgende Fragmente einer Multislug
-EFP zwangsläufig nicht auf dieselbe sondern auf eine andere Stelle der in Bewegung
befindlichen bzw. versetzten Platte auftreffen.
[0010] Das Gewicht der Schutzelemente liegt bei 12 kg/m
2 pro Schicht sehr niedrig. Als Schnittstelle zur Fahrzeugwanne oder einem anderen
Objekt würde dabei ein leichter Rahmen aus Aluminiumbleche ausreichen.
[0011] Anhand eines Ausführungsbeispiels mit Zeichnung soll die Erfindung näher erläutert
werden. Es zeigt:
- Fig. 1
- ein AMPA-Schutzelement,
- Fig. 2
- das Schutzelement aus Fig. 1 mit einer transparent dargestellten Gummiblase und einer
innen liegenden Schutzplatte,
- Fig. 3
- ein aufgetrenntes Schutzelement aus Fig. 2,
- Fig. 4
- ein möglicher Schutzaufbau mit den Schutzelementen aus Fig. 1 oder Fig. 2,
- Fig. 5
- eine Art weiter Darstellung (seitlich oder von oben) auf die Schutzplatten.
[0012] In Fig. 1 ist ein AMPA ((Air Mounted Protection Array) Schutzelemente 1 aufgezeigt,
dass eine Art Gummiblase 2 als Gehäuse (Fig. 2) umfasst, in dem eine Schutzplatte
3 (Fig. 3) aufgenommen und gelagert wird. Mehrere Schutzelemente 1 können ihrerseits
zu einem Schutzsystem 10 (Fig. 3) zusammengesteckt oder dergleichen werden. Durch
die Gummiblasen 2 werden die Schutzplatten 3 labil gelagert, sodass keine Reaktionskräfte
bedingt aus einer festen Lagerung aufgebaut werden und lediglich die Massenträgheit
der einzelnen Platten 3 überwunden werden muss.
[0013] Vorzugsweise jede einzelne Schutzplatte 3, bestehend aus einem Faserverbundmaterial,
wird in eine mit beispielsweise Luft befüllte und unter Überdruck stehende Gummiblase
2 eingelegt. Die Gummiblase 2 hält die Schutzplatte 3 und erlaubt über entsprechend
ausgeformte Mittel, wie Nasen 5 und Nuten 6 das Zusammenstecken mehrerer Schutzelemente
1 nebeneinander und in mehreren (Schutz-)Schichten 7, 8. Die Schichten 7, 8 werden
dabei bevorzugt versetzt angeordnet, sodass keine ballistischen "Löcher" entstehen.
Bei Bedarf kann alternativ oder auch zusätzlich zum Zusammenstecken Klettband oder
ähnliches verwendet werden.
[0014] Für das Zusammenfügen der Gummiblasen 2 werden die ausgeformten Mittel 5, 6 mit Luft
befüllt, das Zusammenstecken erfolgt unter Überdruck. Für eine Alternative sorgen
beispielsweise seitlich (auch vorne und hinten) an der Gummiblase 2 angeformt vollgummiartige
oder dergleichen Mittel mit ähnlicher Form wie die ausgeformten Mittel 5, 6.
[0015] Die einzelnen Schutzelemente 1 sind jeweils mit einem konventionellen Luftventil
versehen und werden separat befüllt. Das Material der Gummiblase 2 muss die Belastungen
im Fahrbetrieb ohne Beschäftigung aufnehmen, jedoch bei Beschuss schlagartig zerplatzen.
Vorgesehen ist daher bevorzugt ein dünnwandiger Aufbau aus abriebfestem, elastischem
Material.
[0016] Sobald das erste Fragment eines nicht näher dargestellten, beispielsweise Multislug-EFP
auf die Gummiblase 2 tritt, zerplatzt diese. Die dazugehörige Schutzplatte 3 wird
nicht mehr im System 10 gehalten und kann auf den Boden fallen. Vorher jedoch erreicht
das aufschlagende Fragment die noch frei schwebende Schutzplatte 3 und beschleunigt
diese, wobei das Fragment gebremst wird. Zumindest ein Teil der nachfolgenden Fragmente
treffen auf dieselbe Schutzplatte 3, jedoch an anderen Stellen. Nicht aufgefangene
Fragmente werden zumindest durch die nachfolgende Schicht 8 aufgehalten.
[0017] Eine weitere Ansicht ist in Fig. 5 dargestellt. Mit 20 sind Befestigungsplatten (zusätzliche
oder die fahrzeugeigene Wand / Wandung) gekennzeichnet, an denen die AMPA 1 befestigt
werden. Die Art der Befestigung - beispielsweise Einklemmen der AMPA 1 zwischen zwei
Vorsprüngen 21, 22 - ist individuell gestaltbar. Beachtet werden sollte nur, dass
die Gummiblasen nicht beim Anbau bereits zerstört werden.
1. Schutzelement (1) mit zumindest einer Schutzplatte (3) gekennzeichnet dadurch, dass die Schutzplatte (3) in einer Gummiblase (2) eingebunden ist.
2. Schutzelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzplatten (3) aus Faserverbundmaterial bestehen.
3. Schutzelement nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Gummiblase (2) mit Luft oder dergleichen befüllt ist.
4. Schutzelement nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel (5, 6) Nasen und Nute sind.
5. Schutzelement nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel (5, 6) in der Gummiblase (2) ausgeformt oder an ihr angeformt sind.
6. Schutzsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Gummiblase (2) aus einem abriebfesten sowie elastischen Material besteht.
7. Schutzelement nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Gummiblasen (2) mit wenigstens einem Luftventil versehen und separat befüllt
werden.
8. Schutzelement nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass zur Befüllung ein Überdruck eingestellt wird.
9. Schutzelement nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Überdruck der Gummiblase (2) bei ca. 1-2 bar liegt.
10. Schutzsystem (10), bestehend aus mehreren Schutzelementen (1) nach einem der Ansprüche
1 bis 9.
11. Schutzsystem nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass es aus mehreren Schichten (7, 8) gebildet wird, wobei keine ballistischen "Löcher"
entstehen.
12. Schutzsystem nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Schichten (7, 8) versetzt angeordnet sind.
13. Schutzsystem nach einem der Ansprüche 10 bis 12 zum Schutz gegen Beschuss oder Minen
oder dergleichen.
14. Schutzsystem nach einem der Ansprüche 10 bis 12 zum Schutz vor insbesondere Multislug-EFP.