[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Verformung eines auf einen Buchblockrücken
eines Buchblocks etwa gleichmässig verteilt auszurichtenden, gegebenenfalls eine Rückeneinlage
aufweisenden Buchdeckerückens einer liegend ausgestreckt positionierten Buchdecke,
bestehend aus einem auf die dem Buchblockrücken zugewandte Innenseite des Buchdeckerückens
bewegbaren, diesen zwischen zwei seitlichen, entgegenstehenden Falzformschienen aushebenden,
einen Steg an dem Buchdeckerücken erzeugenden leistenförmigen Verformungswerkzeug.
[0002] In der industriellen Buchfertigung für Hartdeckenbücher werden nach einem vorausgehenden
Teilprozess, bei dem ein Buchblock am Rücken bearbeitet wird, eine Buchdecke und ein
Buchblock im Rückenbereich vereint werden, bevor das anschliessende Abpressen und
Falzeinbrennen erfolgt. Diese Vorgehensweise bestimmt im Wesentlichen die Formstabilität
eines Buches beim Lesen und Aufbewahren im Büchergestell.
[0003] Die hier beschriebene Vorrichtung befindet sich in nächster Nachbarschaft einer Einhängemaschine
einer Buchfertigungslinie. Für eine hohe Buchqualität spielt das Verformen einer Buchdecke
im Mittenbereich resp. eines Buchdeckerückens eine wichtige Rolle. Hierzu ist ein
kantengenaues Fügen von Buchblock und Buchdecke für eine ästhetische Verbindung entscheidend.
[0004] Die deutsche Offenlegungsschrift
1'436'086 beschreibt und zeigt eine Buchbindemaschine mit einer Station zum serienweisen Zusammenfügen
von Buchbestandteilen, insbesondere eine Anordnungsweise einer Vorrichtung der eingangs
beschriebenen Art. Die in einem Magazin gestapelten Buchdecken werden einzeln von
der Stapelunterseite abgezogen und in eine den Buchdeckerücken formende Form- und
Faltstation A transportiert. Entlang von Seitenführungen wird die am Rücken verformte
Buchdecke in die Binde- oder Einhängestation weitertransportiert, so dass der von
unten zugeführte Buchblock eingehängt werden kann.
[0005] Die
DE 198 53 254 A1 vermittelt eine Vorrichtung zum Runden von Buchdecken, die sich von einer Vorrichtung
zur Verformung eines Buchdeckerückens mit gerader Rückenform durch einen rechteckigen
Verformungssteg unterscheidet. Der Verformungssteg wird bei einer Aenderung der Buchblockdicke
jeweils ausgewechselt und die Verformungsvorrichtung resp. die Falzformschienen der
Aenderung entsprechend eingestellt. Durch den manuellen Wechsel der Verformungswerkzeuge
entsteht eine entsprechend längere Umrüstzeit an der Einhängemaschine und eine Verarbeitung
von Büchern mit unterschiedlicher Dicke in Folge lässt sich wirtschaftlich nicht durchführen.
[0006] Es stellt sich somit die Aufgabe, eine Vorrichtung der eingangs genannten Art zu
schaffen, die für unterschiedliche Buchdicken verwendbar und einfach bedienbar ist.
[0007] Erfindungsgemäss wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass das Verformungswerkzeug zwei
beabstandete und parallel zu den Falzformschienen verlaufende Stützleisten aufweist,
welche zur Einstellung der Stegbreite des Buchdeckerückens quer zur Erstreckung der
Falzformschienen gemeinsam den gegenseitigen Abstand verändernd verstellbar ausgebildet
sind.
[0008] Damit werden die erwähnten Nachteile behoben und es ist eine Vorrichtung verfügbar,
die für gerade Buchdeckerücken universell verwendbar ist.
[0009] Nachfolgend wird die Erfindung unter Bezugnahme auf den zitierten resp. den zitierenden
Stand der Technik und die Zeichnung, auf die bezüglich aller in der Beschreibung nicht
näher erwähnten Einzelheiten verwiesen wird, anhand eines Ausführungsbeispiels erläutert.
In der Zeichnung zeigen:
- Fig. 1
- einen schematischen Querschnitt durch die in Fig.3 dar- gestellte erfindungsgemässe
Vorrichtung, eingestellt für eine maximale Buchdicke,
- Fig. 2
- einen schematischen Querschnitt durch die in Fig.3 ge- zeigte Vorrichtung, eingestellt
für eine minimale Buchdicke,
- Fig. 3
- eine räumliche Darstellung der erfindungsgemässen Vor- richtung eingestellt für eine
minimale Buchdicke und
- Fig. 4
- eine räumliche Darstellung der erfindungsgemässen Vor- richtung, eingestellt für eine
maximale Buchdicke und
- Fig. 5
- eine räumliche Darstellung der erfindungsgemässen Vor- richtung mit einem drehwinkelgesteuerten
Antriebsmotor.
[0010] Die Fig. 1 bis 5 stellen eine Vorrichtung 1 zur Verformung eines auf einen Buchblockrücken
3 eines Buchblocks etwa gleichmässig verteilt auszurichtenden, gegebenenfalls eine
Rückeneinlage (nicht sichtbar) aufweisenden Buchdeckerückens 5 einer Buchdecke 4.
Die Rückeneinlage, auch Schrenz bezeichnet, befindet sich zwischen Vorder- und Rückendeckel
im Bucheinband resp. an dem Bezugsnutzen und besteht aus Graupappe bzw. Altpapier.
Weitere Hinweise zur Rückeneinlage oder zum Bezugsnutzen sind der
DE 10057600 und/oder
DE 10057602 im Zusammenhang mit der Herstellung von Bucheinbanddecken zu entnehmen. In "
Industrielle Buchbinderei" von Libau/Heinz, Ausgabe 2001, ISBN 3-88013-596-7 ist mit einem Bild 5.35 und zugehörigem Text auf eine Rückeneinlage, allerdings nach
dem Rundeprinzip, bei Buchdecken hingewiesen.
[0011] Die Fig. 1 bis 5 zeigen weiterhin die Vorrichtung 1 bei bevorzugter gerader Rückenbildung,
nachdem die Buchdecke 4 vor der Verformung des Mittenbereichs resp. des Buchdeckerückens
5 flach liegend ausgestreckt positioniert war. Zum Zweck der Verformung besteht die
Vorrichtung 1 aus einem Verformungswerkzeug 6, das sich senkrecht zur Zeichnungsebene
der Fig. 1 und 2 wenigstens über die Höhe einer Buchdecke 4 erstreckt und eine durch
zwei, das Verformungswerkzeug 6 bildende Stützleisten 7, 8, eine auf die nach unten
gerichtete Innenseite des Buchdeckerückens 5 oder Buchdeckemittenbereichs diesen/diesen
aushebend in etwa senkrechter Richtung anheb- und absenkbar aufweist.
[0012] Die Fig. 1 und 2 zeigen das leistenförmige Verformungswerkzeug 6 in einer Arbeitsstellung,
in der letzteres den Buchdeckerücken 5 zu einem Steg aushebend angehoben ist, wobei
beidseits aussenliegend von den Stützleisten 7, 8 jeweils eine Falzformschiene 9,
10 ein Scharnier zwischen jeweils einem Buchdeckel 11, 12 und dem Buchdeckerücken
5 der Buchdecke 4 bildend entgegenstehen, so dass der Buchdeckerücken 5 umgelenkt
wird. Dabei bildet der Bezugsnutzen 13 einen Steg 14 der sich über die Stützleisten
7, 8 des leistenförmigen Verformungswerkzeuges 6 erstreckt. Die an einer Sockelleiste
15, 16 jeweils hochstehenden relativ schmalen Stützleisten 7, 8 übertragen die Wärme
der Heizkanäle 17 in den Sockelleisten 15, 16 auf den Buchdeckerücken 5, insbesondere
in die Endbereiche 18 des Steges 14.
[0013] Die Breite der Stützleisten 7, 8 an ihrer Oberseite resp. der Innenseite des Buchdeckerückens
5 zugewandten Seite ist mitbestimmend resp. massgebend für die Dicke der mit einer
Buchdecke 4 zu verarbeitenden Buchblöcke; dies lässt sich beispielsweise der Fig.
2 deutlich entnehmen. Die Sockelleisten 15, 16 liegen vorzugsweise auf Trägern 19,
20, die jeweils auf einem zweiten Führungselement 21, 22 einer Führungsvorrichtung
23, 24 befestigt sind, auf. Ein erstes Führungselement 25, 26 der Führungsvorrichtung
23, 24, der einfachheitshalber eine zylindrische Führungsstange, ist an den Enden
jeweils in einer Seitenwange 27, 28 eines die Vorrichtung 1 aufnehmenden Gestells
29 befestigt. Das jeweils verstellbare zweite Führungselement 21, 22, auf dem die
die Stützelemente 7, 8 aufweisenden Sockelleisten 15, 16 durch die Träger 19, 20 abgestützt
sind, ist an den ersten Führungselementen 25, 26 längsverschiebbar gleit- oder wälzgelagert.
Die Sockelleisten 15, 16 der Stützleisten 7, 8 sind somit jeweils über die Träger
19, 20 mit den zweiten Führungselementen 21, 22 verbunden. Fig. 3 zeigt, dass die
in Abständen entlang der Falzformschienen 9, 10 mit einer Stützleiste 7, 8 verbundenen
Führungsvorrichtungen 23, 24 der einfachheithalber etwa gleich ausgebildet sind. Die
Fig. 1 und 2 stellen die Führungsvorrichtung 23, 24 mit gestrichelten Linien seitlich
betrachtet dar, wobei Fig. 1 die Stützleisten 7, 8 mit maximalem Abstand zeigen und
Fig. 2 die Stützleisten 7, 8 aneinander anliegend, also für den schmalsten Buchdeckerücken
5 veranschaulicht.
[0014] Die Fig. 1 und 2 zeigen die Ausbildung der Träger 19, 20, die die Stützleisten 7,
8 über die Sockelleisten 15, 16 verbinden und die Ausnehmungen 30, 31, etwa nach einem
liegenden U, in den Trägern 19, 20. Der untere Schenkel der Ausnehmungen 30, 31, oder
in Richtung der Falzformschienen 9, 10 versetzt, ist jeweils eine Zahnstange 32, 33
mit dem zweiten Führungselement 21, 22 verbunden, in die jeweils ein an einer parallel
zu den Falzformschienen 9, 10 im Gestell 29 gelagerte, die U-förmige Ausnehmung 30,
31 durchsetzende Antriebswelle 34, 35 befestigtes Zahnrad 36, 37 eingreift.
[0015] Zum besseren Verständnis der Anordnung der Einzelteile der Vorrichtung 1, ist in
Fig. 3 die Antriebswelle 34 unterbrochen dargestellt. Die Lagerung der Antriebswellen
34, 35 ist in einer Stirnplatte 38, 39 des Gestells 29 vorgesehen. Selbstverständlich
ist es möglich, anstelle der in den Fig. 3 bis 5 gezeigten Ausführung, jeweils jeder
der beiden Führungsvorrichtungen 23, 24 einer Stützleiste 7, 8 eine Antriebseinheit,
beispielsweise ein Zahnstangenantrieb über die Antriebswellen 34, 35 zuzuordnen, wodurch
ein höherer Aufwand mit sich auf die Genauigkeit positiv auswirkende, bessere Funktionalität
entsteht.
[0016] Bei der Ausführung nach den Fig. 3 bis 5 sind den Stützleisten 7, 8 jeweils nur auf
eine Führungsvorrichtung 23, 24 einwirkende Antriebseinheiten zugeordnet. Damit eine
kompakte Bauweise erreicht werden kann, decken sich die den Stützleisten 7, 8 zugeordneten
Zahnstangen 32, 33 in der Position, in der die Stützleisten 7, 8 aneinander anliegen.
Zum Austausch der Stützleisten 7, 8 sind diese, wie in den Fig. 1 und 2 erkennbar,
durch Schrauben 45 mit den zweiten Führungselementen 21, 22 verbunden.
[0017] Die Antriebswelle 34 ist, wie in Fig. 4 dargestellt, durch ein Zahnrad 41 eines Riemenvorgeleges
40 mit einem an dem Gestell 29 befestigten Elektromotor42, vorzugsweise einem drehwinkelgesteuerten
Motor antriebsverbunden. Weiterhin ist in Fig. 5 ein Teil eines Maschinengestells
43 ersichtlich, auf dem die Vorrichtung 1 befestigt ist. Der Antrieb auf die Antriebswelle
35 erfolgt mittels Zahnradvorgelege 44 durch die Antriebswellen 34, 35 ausserhalb
des Gestells 29 (siehe Fig. 3 bis 5).
1. Vorrichtung (1) zur Verformung eines auf einen Buchblockrücken eines Buchblocks etwa
gleichmässig verteilt auszurichtenden, gegebenenfalls eine Rückeneinlage aufweisenden
Buchdeckerückens (5) einer liegend ausgestreckt positionierten Buchdecke (4), bestehend
aus einem auf die dem Buchblockrücken zugewandte Innenseite des Buchdeckerückens (5)
bewegbaren, diesen zwischen zwei seitlichen, entgegenstehenden Falzformschienen (9,
10) aushebenden, einen Steg (14) an dem Buchdeckerücken (5) erzeugenden leistenförmigen
Verformungswerkzeug (6), dadurch gekennzeichnet, dass das Verformungswerkzeug (6) zwei beabstandete und parallel zu den Falzformschienen
(9, 10) verlaufende Stützleisten (7, 8) aufweist, welche zur Einstellung der Stegbreite
des Buchdeckerückens (5) quer zur Erstreckung der Falzformschienen (9, 10) gemeinsam
den gegenseitigen Abstand verändernd verstellbar ausgebildet sind.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützleisten (7, 8) motorisch ein- und verstellbar angetrieben sind.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützleisten (7, 8) jeweils durch wenigstens eine Führungsvorrichtung (23, 24)
verstellbar ausgebildet sind.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Führungsvorrichtung (23, 24) durch jeweils ein mit einem Gestell (29) verbundenen
ersten Führungselement (25, 26) und einem an diesem beweglich geführten zweiten, eine
Stützleiste (7, 8) aufweisenden Führungselement (21, 22) ausgebildet ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein einer Stützleiste (7, 8) zugeordnetes zweites Führungselement (21,
22) einer Führungsvorrichtung (23, 24) angetrieben ist.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützleisten (7, 8) elektromechanisch oder pneumatisch verstellbar angetrieben
sind.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützleisten (7, 8) durch einen Zahnstangenantrieb ein- und verstellbar sind.
8. Vorrichtung nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützleisten (7, 8) durch einen drehwinkelgesteuerten Elektromotor (42) ein-
und verstellbar angetrieben sind.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass jeweils das zweite Führungselement (21, 22) eine mit einem antreibbaren Zahnrad (36,
37) verbundene Zahnstange (32, 33) aufweist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass entlang des Verformungswerkzeuges (6) wenigstens zwei voneinander beabstandete, jeweils
einer Stützleiste (7, 8) zugeordnete Führungsvorrichtungen (23, 24) an dem Gestell
(29) angeordnet sind
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass jeweils wenigstens eine der einer Stützleiste (7, 8) zugeordneten Führungsvorrichtung
(23, 24) mit einer aus Zahnstange (32, 33) und Zahnrad (36, 37) bestehenden Antriebseinheit
ausgebildet ist.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Zahnräder (36, 37) einer Antriebseinheit jeweils an einer Antriebswelle (34,
35) befestigt sind.
13. Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Verformungswerkzeug (6) durch zwei parallele Antriebswellen (34, 35) ausgebildet
ist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 4 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützleisten (7, 8) mit den zweiten Führungselementen (21, 22) austauschbar verbunden
sind.