[0001] Die Erfindung betrifft einen pneumatischen Zylinder nach dem Oberbegriff des Anspruchs
1.
[0002] Aus dem deutschen Gebrauchsmuster
DE 92 07 582 ist ein Arbeitszylinder bekannt, der ein Gehäuse aus einem Innenrohr und einem das
Innenrohr radial außen umgebenden Außenrohr besitzt. Das Außenrohr ist dabei ein Kunststoffrohr,
welches aus Polyvinylchlorid, einem Polyacetat oder einem Polyoxymethylen bestehen
kann. Das Außenrohr ist als Strangpressteil oder als Extrudierteil ausgebildet. Insbesondere
lehrt diese Druckschrift die Verwendung eines festigkeitsmäßig geringwertigeren Kunststoffes
für das Außenrohr, das das Außenrohr keinen dynamischen Belastungen ausgesetzt ist.
Die Verwendung der erwähnten Kunststoffe für das Außenrohr haben lediglich die Aufgabe,
eine vielfältige Konturierung des Außenumfanges mit geringem Aufwand sicherzustellen.
[0003] Aus der
EP 12 55 046 B1 ist ein Druckmittelzylinder, insbesondere zum Einsatz in der Lebensmittelindustrie
bekannt, bei dem ein Zylinderrohr von einem Kunststoff ummantelt ist, wobei der Kunststoff
ein transparentes Material ist. Dies soll den Zweck haben, gegebenenfalls vorhandene
Lagesensoren für die die Kolbenstange von außen besser erkennen zu können. Der transparente
Kunststoff des Gehäuses trägt nichts oder nur geringfügig zur Festigkeit und Stabilität
des Zylinders bei. Das Zylinderrohr und zwei endseitige Zylinderverschlussdeckel werden
durch Gewindestangen miteinander verblockt und bilden so einen stabilen Zylinder.
[0004] Die vorgenannten Zylinder eignen sich nicht als pneumatische Zylinder zur Verwendung
in einer Schweißanlage, insbesondere in einer Portalschweißanlage oder Vielpunktschweißanlage
einem Schweißroboter oder dergleichen. Für diese Anwendungszwecke besitzen bekannte
Zylinder ein Stahlrohr als Zylinderrohr, in dem die Kolbenelemente und die Kolbenstange
axial verschieblich geführt sind, da derartige Zylinder sehr widerstandsfähig, insbesondere
hinsichtlich mechanischer Beanspruchung sein müssen. Üblicherweise werden derartige
Schweißzylinder mit Drücken von bis zu 12 bar betrieben und weisen Hübe bis etwa 180
mm auf. Derartige Zylinder werden eingesetzt als Stoßpunkter in Schweißanlagen sowie
auch als Antrieb von Punktschweißzangen, die stationär aufgestellt oder an einem Roboter
befestigt sein können und z.B. in der Automobilindustrie zum Einsatz kommen. Da die
Forderungen in der Automobilindustrie nach Verkürzung der Produktionstaktzeiten immer
größer werden, bedeutet dies, dass sich die Roboter mit den Schweißzangen insbesondere
während der Leerwege immer schneller bewegen müssen. Um möglichst im Schnellgang und
möglichst zeitnah von einer Position eines ersten Schweißpunktes zu einer Position
eines zweiten Schweißpunktes zu gelangen, müssen die Schweißzangen möglichst leicht
ausgebildet sein. Stahlzylinder weisen bauartbedingt ein relativ hohes Eigengewicht
auf, so dass die zugehörigen Schweißzangen ein entsprechend hohes Gewicht aufweisen,
was die dynamische Belastung der Roboter erhöht.
[0005] Außerdem sind derartige Stahlzylinder sehr aufwendig in der Herstellung, da beispielsweise
ein Zylinderrohr endseitig mit einem Verschluss versehen werden muss. Endseitig wird
dieser Verschluss üblicherweise geschweißt. Die Druckmittelversorgung, in diesem Fall
Druckluftzufuhr- und Abführeinrichtungen müssen mittels angelöteten Anschlussmitteln
zur Verfügung gestellt werden. Des Weiteren ist es relativ aufwendig, Befestigungseinrichtungen
für den Stahlzylinder an diesem anzubringen. Üblicherweise werden dort Halter angeschweißt,
was bei der Herstellung zu unerwünschtem Wärmeverzug führt. Hieraus und auch aus den
Lötvorgängen ergibt sich bei der Herstellung eines solchen Zylinders eine unerwünschte
Belastung und unerwünschte thermische Verzüge. Um die hohen Anforderungen an die Koaxialität
und die engen Toleranzen eines Druckluftzylinders erfüllen zu können, ist es daher
erforderlich, nach Abschluss aller Wärmebehandlungen eines solchen Zylinders ein maßgenaues
Honen oder Ausspindeln durchzuführen.
[0006] Des Weitern müssen üblicherweise auch ausführliche galvanische Maßnahmen, wie z.B.
Phosphatieren durchgeführt werden, um ausreichenden Korrosionsschutz sicherzustellen.
[0007] Aufgabe der Erfindung ist es daher, einen geeigneten pneumatischen Zylinder u.a.
zur Verwendung in Schweißvorrichtungen, beispielsweise in Schweißzangen oder Schweißportalen
zur Verfügung zu stellen, welcher zum einen ein verringertes Gewicht besitzt und zum
anderen hinsichtlich der Bauteilfestigkeit bei den gegebenen Randbedingungen die Werte
eines Stahlzylinders erreicht. Insbesondere soll die Anzahl der Herstellschritte und
der bei der Herstellung benötigten Einzelteile deutlich reduziert werden.
[0008] Des Weiteren soll ein pneumatischer Zylinder angegeben werden, der in einfacher Art
und Weise in unterschiedlichen Einbausituationen anpassbar ist und insbesondere eng
beabstandet nebeneinander angeordnet werden kann, so dass der Abstand zweier Zylindermittelachsen
möglichst klein gewählt werden kann. Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist es, einen
pneumatischen Zylinder anzugeben, der im Betrieb geräuscharm läuft und insbesondere
für den Einbau in einer Schweißanlage/Schweißzange in einfacher Art und Weise eine
elektrische Isolierung des Zylinders, insbesondere dessen Kolbenstange gegenüber der
restlichen Schweißzange einfach ermöglicht.
[0009] Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist es, einen pneumatischen Zylinder anzugeben,
welcher in einer Querrichtung des Zylinders besonders schmal baut und trotzdem eine
für den Betrieb üblichen Schweißzangen oder anderer Betätigungsmittel notwendige Druckkraft/Zugkraft
aufbringen kann.
[0010] Diese Aufgaben werden mit einem pneumatischen Zylinder mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0011] Erfindungsgemäß wurde erkannt, dass die Vielzahl der spezifischen Anforderungen an
Pneumatikzylinder, die in Schweißvorrichtungen eingesetzt werden, durch die Auswahl
eines bestimmten Kunststoffes für ein Zylindergehäuse erfüllt werden kann, wobei als
Kunststoff ein Polyamid gewählt ist, welches drucklos vergossen ist. Unter drucklos
vergossen im Sinne der Erfindung ist zu verstehen, dass das Polyamid nicht wie üblicherweise
im Spritzguss- oder Strangpressverfahren unter Druck in Form gebracht wird, sondern
in einem gießfähigen flüssigen Zustand ohne Aufbringen externen Druckes in eine offene
Gießform gegossen wird. Überraschender Weise hat sich herausgestellt, dass die Auswahl
des Kunststoffes und die Art der Verarbeitung zu einem besonders festen Kunststoffgefüge
und auch zu einer besonders beanspruchbaren kristallinen Ausgestaltung des Kunststoffes
führt, so dass alle anwendungsspezifischen Anforderungen nunmehr erstmals mittels
eines Kunststoffzylindergehäuses für die Anwendung des pneumatischen Zylinders in
einer Schweißanlage sichergestellt werden können.
[0012] Es hat sich sogar gezeigt, dass ein derartiges Zylindergehäuse ausreichend stabil
ist, um auch ohne metallisches Innenrohr, welches eine Laufbuchse für Kolbenelemente
des pneumatischen Zylinders bildet, funktionieren zu können. Selbstverständlich kann
es jedoch für bestimmte Anwendungsfälle zweckmäßig sein, dass im Zylindergehäuse ein
Metallzylinder als Laufbuchse für das Kolbenelement angeordnet ist.
[0013] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist das Zylindergehäuse im Bereich
eines ersten Endes des Zylindergehäuses mit Befestigungseinrichtungen versehen, welche
bevorzugt einstückig am Zylindergehäuse angebracht sind. Es bietet sich ebenfalls
an, einendig das Zylindergehäuse verschlossen auszubilden, so dass beispielsweise
ein Bodenstück des Zylindergehäuses und entsprechende Befestigungsvorrichtungen zusammen
mit dem Zylindergehäuse einstückig ausgebildet sind.
[0014] Um eine möglichst enge Packung und eine möglichst dicht aufeinanderfolgende Anordnung
mehrerer erfindungsgemäßer pneumatischer Zylinder zu erreichen, empfiehlt es sich,
das Zylindergehäuse mittels Abflachungen zu versehen, so dass eine engstmögliche Anordnung
der Zylinder nebeneinander gewährleistet ist. Zweckmäßig ist es ebenfalls, in verdickten
Bereichen des Zylindergehäuses Messmittel vorzusehen, mittels denen die Lage der Kolbenelemente
bzw. der Kolbenstange im Inneren des Zylinders bestimmbar ist. Die Messmittel können
ohne Weiteres mit eingegossen sein und/oder in einer Nut gelagert sein.
[0015] Am zweiten Ende des Zylindergehäuses ist dieses mittels eines, z.B. metallischen
Verschlusses abgedeckt und abgedichtet, wobei der Verschluss einerseits an einem Absatz
im Zylindergehäuse anliegt und andererseits durch einen sogenannten Seegerring axial
festgehalten wird. Der Seegerring sitzt in einer Nut im Kunststoff des Zylindergehäuses.
[0016] Als bevorzugter Werkstoff für die Ausbildung des Zylindergehäuses kommt ein PA12,
PA12G oder ein PA6 in Frage. Zweckmäßiger Weise bietet es sich an, auch Kolbenelemente
oder die Kolbenstange aus dem drucklos vergossenem Polyamid herzustellen. Dies führt
zu einer weiteren Gewichtsreduzierung und insbesondere zu einem leisen und verschleißarmen
Lauf. Weiterhin bietet diese Ausgestaltung der Kolben/Kolbenstangen die Möglichkeit,
Dichtungselemente im Randbereich der Kolben einstückig in die Kolben einzugießen und
somit den erforderlichen Montageaufwand zu verringern.
[0017] Bei dem erfindungsgemäßen pneumatischen Zylinder ist es in einfacher Art und Weise
möglich das Gehäuse zur Ausbildung eines Mehrfachzylinders mit einer Mehrzahl, d.h.
zwei oder mehr Zylinderkammern zu versehen, so dass ein mehrfach wirkender pneumatischer
Zylinder erzielbar ist. Dies ist bei dem ausgewählten Werkstoff besonders einfach
zu erreichen, da sich der ausgewählte Werkstoff in der erfindungsgemäß ausgewählten
Verarbeitungsart, nämlich dem Drucklosgießen besonders einfach zerspanen lässt und
insbesondere Bohrungen für Zylinderkammern mit einem sehr großen Hub im Verhältnis
zum Bohrungsdurchmesser einfach und maßgenau herstellbar sind. Problemlos sind Bohrungs-/Hubverhältnisse
im Bereich bis zu 1:12 herstellbar.
[0018] Beim erfindungsgemäßen pneumatischen Zylinder wird also das Zylindergehäuse aus einem
Stück gegossen, wobei das Gießen derart erfolgt, dass das dünnflüssige Polyamid einen
Starter für die Polymerisationsreaktion aufweist. In diesem dünnflüssigen Zustand
wird das Polyamid in eine offene Form vergossen. Die Polymerisation des Kunststoffes
erfolgt dann in der Form, d.h. die Molekülkettenbildung erfolgt ebenfalls in der Form,
wodurch ein sehr homogener und eigenspannungsarmer Aufbau des Gießrohlings erreicht
wird. Dies unterscheidet das drucklose Gießen beispielsweise vom üblichen Spritzgießen,
wo es z.B. zu bestimmten Orientierungen der schon fertigen Molekülketten kommt und
insbesondere im Bereich des Aufeinandertreffens zweier Gießfronten Schwachstellen
geben kann, etwa weil sich auf der Rückseite eines beidseitig von der Schmelze umflossenen
Kerns die beiden Schmelzeströme wieder treffen. Beim Spritzgießen kann es vorkommen,
dass sich solche Schmelzströme nicht mehr 100%-ig verbinden, da an ihrer Oberfläche
unterwegs schon eine Abkühlung/Orientierung der Ketten eingetreten ist. Diese Problematik
ist beim Spritzgießen als das Entstehen einer Bindenaht bekannt. Dem gegenüber ist
bei der erfindungsgemäßen Ausbildung des Zylindergehäuses aus einem drucklos vergossenen
Polyamid auch eine Bildung von längeren Molekülketten beobachtbar, da ein Pressen
in die Form oder Durchdrücken durch eine Strangpressmatrize nicht erfolgt. Nach der
Aushärtung der Polyamidmasse in der Gussform kann beispielsweise der Gießrohling getempert
werden. Dies dient der weiteren Homogenisierung und kann in der Praxis, je nach Anforderung,
etwa 2 bis 6 Stunden in Anspruch nehmen.
[0019] Sofern als Laufbuchse für den Kolben ein Stahlrohr eingesetzt ist, sitzt das Stahlrohr
bevorzugt mittels einer Spielpassung im Zylindergehäuse, wobei die Spielpassung einerseits
durch Bearbeitung der Buchse und der Innenfläche des Zylindergehäuses erzielt wird.
[0020] Es hat sich gezeigt, dass falls eine Metallbuchse/Metallzylinder eingesetzt wird,
diese endseitig an beiden Enden offen sein kann und die im Betrieb des pneumatischen
Zylinders durch Druckbeaufschlagung entstehenden Axialkräfte auf den Bodenbereich
des Zylindergehäuses und den Verschluss des Zylindergehäuses wirkenden Kräfte ohne
Weiteres durch das Zylindergehäuse selbst, also den Polyamidkunststoff aufgenommen
werden können.
[0021] Sofern das Gehäuse verdickte Bereiche oder Bereiche mit ausreichender Wandstärke
aufweist, können die Anschlusseinrichtungen für das Zu- und Abführen des Druckfluides,
hier Druckluft, direkt im Kunststoff des Zylindergehäuses angebracht sein. Ein zusätzliches
Vorsehen von Fittingen oder dergleichen ist nicht mehr erforderlich. Die Druckluftversorgungsleitungen
können direkt in das Zylindergehäuse eingeschraubt werden.
[0022] Besonders zweckmäßig ist es, aus einer Vielzahl von Abflachungen aufweisenden Zylindergehäusen
und hieraus gebildeten erfindungsgemäßen pneumatischen Zylindern ein Zylinderpaket
zu bilden und dieses Zylinderpaket beispielsweise mit einer geeigneten Bündelungseinrichtung
zu versehen. Eine solche Bündelungseinrichtung kann beispielsweise eine Formführung
besitzen, so dass jeweils zwei benachbarte Pneumatikzylinder mittels formschlüssig
eingreifender Verbindungselemente mechanisch verbindbar sind. Derartige Formführungen
sind beispielsweise eine Schwalbenschwanzführung oder T-Nuten.
[0023] Insgesamt ist bei dem erfindungsgemäßen pneumatischen Zylinder ein großer Vorteil
darin zu sehen, dass eine Vielzahl sich primär widersprechender Anforderungen an einen
pneumatischen Zylinder zum Einsatz in einer Schweißanlage durch die Auswahl des Werkstoffes
erfüllt werden konnte. Insbesondere ist herauszustellen, dass typischerweise bei dem
Einsatz eines pneumatischen Zylinders in einer Schweißanlage auftretende Schweißspritzer
und Schweißperlen in üblicher Häufigkeit das Zylindergehäuse nicht wesentlich beschädigen
konnten. Dies ergaben entsprechende Versuche.
[0024] Des Weiteren ist von besonderen Vorteil, dass bei der Herstellung eines solchen Druckluftzylinders
eine Vielzahl von Arbeitsschritten, insbesondere ein Anlöten von Anschlusseinrichtungen
für die Druckmittelleitungen, ein Anschweißen von entsprechenden Haltevorrichtungen,
ein Phosphatieren oder anderweitig galvanisches Behandeln zum Zwecke des Rostschutzes
oder/und aufwendige spanende Nachbearbeitungen zum Sicherstellen der Zylinderlaufflächengenauigkeit
entfallen konnten. Hierdurch ist ein wesentlicher Kostenvorteil gegenüber bekannten
Zylindergehäuse aus Metall erreicht und eine erhebliche Vereinfachung der Herstellung
des Zylinders möglich.
[0025] Des Weiteren ist es in besonders einfacher Art und Weise möglich Sonderformen und
Sondergrößen der Zylinder für Anwender zur Verfügung zu stellen, da das ausgewählte
Material auch in großen Blöcken lunkerfrei gießbar ist, so dass Sondergrößen von Zylindern
durch Zerspanen von entsprechend gegossenen Polyamidblöcken zur Verfügung gestellt
werden können. Dies gelingt in einem vernünftigen Kostenrahmen, da sich der ausgewählte
Kunststoff einfach und maßgenau spanend bearbeiten lässt.
[0026] Insbesondere vorteilhaft ist es beim Einsatz eines erfindungsgemäßen Druckluftzylinders
ohne innerer metallischer Laufbuchse, dass das verwendete Material eine hohe Eigenschmierungseigenschaft
aufweist, so dass der Betrieb auch über lange Zeit hin mit unbeölter Druckluft erfolgen
kann.
[0027] Im Folgenden wird die Erfindung anhand der Zeichnung beispielhaft erläutert. Es zeigen:
- Figur 1:
- eine teilweise geschnittene Seitenansicht eines erfindungsgemäßen pneumatischen Zylinders;
- Figur 2:
- eine Draufsicht auf den Zylinder gemäß Figur 1;
- Figur 3:
- eine isometrische Ansicht auf einen erfindungsgemäßen Zylinder;
- Figur 4:
- eine Ansicht eines aus zwei Einzelzylindern gebildeten Zylinderverbund;
- Figur 5:
- einen Längsschnitt durch eine zweite Ausführungsform des pneumatischen Zylinders in
der Ausführungsform als Mehrfachzylinder;
- Figur 6:
- eine Draufsicht auf den Mehrfachzylinder gemäß Figur 5;
[0028] Ein erfindungsgemäßer pneumatischer Zylinder 1 gemäß Figuren 1 bis 4 besitzt ein
Zylindergehäuse 2, in dem zumindest ein Kolbenelement 3 zusammen mit einer Kolbenstange
4 axial verschieblich gelagert sind. Im Zylindergehäuse 2 sitzt als Laufbuchse für
das Kolbenelement 3 ein Metallzylinderrohr 5. Im Bereich eines ersten Endes 6 des
Zylindergehäuses 2 besitzt das Zylindergehäuse 2 Befestigungseinrichtungen 7, welche
zusammen mit einem Bodenstück 8 das Zylindergehäuse 2 einendig verschließen. Das Zylindergehäuse
2, das Bodenstück 8 und die Befestigungseinrichtung 7 sind dabei einstückig ausgebildet.
Am gegenüberliegenden zweiten Ende 9 des Zylindergehäuse 2 ist das Zylindergehäuse
offen ausgebildet. Im Bereich des zweiten Endes 9 verschließt ein Verschluss, insbesondere
ein Metallverschluss 10 die Zylinderkammer des Zylindergehäuses 2. Der Verschluss
10 stützt sich einseitig beispielsweise stirnseitig am Metallzylinder 5 ab. Gleichwohl
kann auch entsprechender Absatz im inneren des Zylindergehäuses 2 vorhanden sein,
gegen den der Verschluss 10 gesetzt ist. Anderendig ist der Verschluss 10 mittels
eines Sicherungsrings 11, insbesondere einem Seegerring, welcher in einer korrespondierenden
Nut 12 im Zylindergehäuse 2 sitzt, festgelegt. Der Verschluss 10 weist eine Durchtrittsöffnung
13 für die Kolbenstange 4 auf. Vom zweiten, offenen Ende 9 her erstreckt sich im Zylindergehäuse
2 eine weitere Nut 14, in die ein Vorsprung 15 des Verschlusses 10 eingreift, so dass
der Verschluss 10 bzgl. des Zylindergehäuses 2 drehfest gelagert ist. Die Durchtrittsöffnung
13 weist zumindest eine gradlinige Begrenzung 16 auf, die mit einer korrespondierenden
Flachseite 17 der Kolbenstange 4 korrespondiert und somit die Kolbenstange 4 drehfest
bzgl. des Zylindergehäuses 2 festgelegt ist.
[0029] Im Bereich des ersten Endes 6 und/oder im Bereich der freien Zylinderwandung des
Zylindergehäuses 2 sind Zuführ/Abführeinrichtungen 18 für Druckfluid, insbesondere
für Druckluft vorgesehen.
[0030] Das Zylindergehäuse 2 des erfindungsgemäßen pneumatischen Zylinders 1 ist aus einem
drucklos vergossenen Polyamid ausgebildet und besteht insbesondere aus einem PA6,
PA12 oder PA12G.
[0031] In einer bevorzugten Art und Weise weist das Zylindergehäuse 2 Abflachungen 19a,
19b, auf welche etwa gegenüberliegend und parallel zueinander angeordnet sind. Im
Bereich der Abflachungen 19a, 19b können Formführungen 20 vorgesehen sein, beispielsweise
eine Schwalbenschwanzführung, so dass benachbart angeordnete pneumatische Zylinder
1 mittels eines geeignet geformten Verbindungselements nach Art eines zu den Formführungen
20 korrespondierenden Stecksteins 21 miteinander verbunden werden können.
[0032] Durch das Vorsehen der Abflachungen 19a, 19b besitzt das Zylindergehäuse 2 verdickte
Bereiche 22a, 22b, in denen zweckmäßiger Weise Messmittel (nicht gezeigt) zur Lagebestimmung
des Kolbens 3 bzgl. des Zylindergehäuses 2 eingegossen sind.
[0033] Figur 4 zeigt ein Beispiel für einen Verbund aus zwei erfindungsgemäßen pneumatischen
Zylindern 1, welche mittels eines Stecksteins 21 zusammengesetzt sind.
[0034] Gemäß einer besonderen Ausführungsform der Erfindung (Figuren 5 und 6) ist der erfindungsgemäße
pneumatische Zylinder als Mehrfachzylinder mit einem einstückig ausgebildeten Zylindergehäuse
2 ausgebildet. Im einstückig ausgebildeten Zylindergehäuse 2 sitzt eine Mehrzahl,
insbesondere drei Zylinderbohrungen 30, welche jede zur Aufnahme zumindest eines Kolbenelements
3 und einer Kolbenstange 4 dienen. Die Zylinderbohrungen 30 dienen entweder zur Aufnahme
eines Metallzylinderrohres 5 oder lagern direkt, ohne Zwischenschaltung eines Metallzylinderrohres
5 die Kolbenstangen/Kolbenelementeinheit axial verschieblich. Zweckmäßiger Weise sind
die Zylinderbohrungen 30 mittels einer kommunizierenden Leitung miteinander verbunden,
so dass durch Druckmittelbeaufschlagungseinrichtung 18 alle drei Zylinderbohrungen
30 gleichmäßig mit Druckfluid beaufschlagbar sind. Durch eine solche Anordnung, welche
sich insbesondere mit einem Zylindergehäuse 2 aus einem drucklos vergossenen Polyamid
leicht ausbilden lässt, sind besonders schmal bauende Mehrfachzylinder möglich, die
bei einer geringen Breite b eine hohe Druckkraft ermöglichen.
[0035] Hierbei ist es insbesondere möglich, Zylinderbohrungen 30 auszubilden, deren Durchmesser-/Längenverhältnis
d/l besonders klein ist. Insbesondere sind Durchmesserlängenverhältnisse von 1:8 bis
1:12 im Vergleich zu Zylindergehäusen aus Metall besonders einfach herstellbar, da
sich der erfindungsgemäß ausgewählte drucklos vergossene Polyamidkunststoff besonders
leicht zerspanen lässt und auch bei solch ungünstigen Durchmesser/Längenverhältnissen
noch ausreichende Fertigungsgenauigkeit erzielbar ist.
[0036] Mit einem pneumatischen Mehrfachzylinder gemäß den Figuren 5 bis 7 gelingt es insbesondere,
hohe Druckkräfte zu erzielen, obwohl die Breite b des Zylindergehäuses gegenüber der
Höhe h sehr gering ist. Durch die Kopplung der jeweiligen Kolbenstangen außerhalb
des Zylindergehäuses wird es auf einfache Art und Weise ermöglicht, hohe Druckkräfte
zu erzielen, da alle Kolben parallel wirken. Die resultierenden Flächen der einzelnen
Kolben sind relativ klein und können im Querschnitt rund ausgestaltet werden, so dass
sich im Vergleich zu einem ovalen oder sonstwie frei geformten Kolben eine verminderte
Dichtungsproblematik ergibt. Insbesondere können Zylinder gemäß der Figuren 5 bis
7 besonders eng aneinander geschachtelt angeordnet werden. Hierdurch gelingt es beispielsweise
Schweißzangen oder Schweißportale mit besonders engen Punktraster zu realisieren.
Im Bereich der Schweißzangen kann ein derart schmal bauender Zylinder oftmals Zugänglichkeitsprobleme
wie sie eine übermäßig große Schweißzange z.B. im Karosseriebau bedingt, reduziert
werden.
Bezugszeichenliste:
[0037]
- 1
- pneumatischer Zylinder
- 2
- Zylindergehäuse
- 3
- Kolbenelement
- 4
- Kolbenstange
- 5
- Metallzylinderrohr
- 6
- Erstes Ende
- 7
- Befestigungseinrichtungen
- 8
- Bodenstück
- 9
- Zweites Ende
- 10
- Verschluss
- 11
- Sicherungsring
- 12
- Nut
- 13
- Durchtrittsöffnung
- 14
- Nut
- 15
- Vorsprung
- 16
- Begrenzung
- 17
- Flachseite
- 18
- Druckmittelzuführ-/-abführeinrichtung
- 19a, 19b
- Abflachungen
- 20
- Formführung
- 21
- Steckstein
- 30
- Zylinderbohrung
1. Pneumatischer Zylinder, insbesondere zum Einsatz in einer Schweißeinrichtung, z.B.
einer Punktschweißzange oder eines Punktschweißportals, mit einem Zylindergehäuse
(2) und einer zumindest ein Kolbenelement (3) aufweisende Kolbenstange (4), wobei
das Kolbenelement (3) und die Kolbenstange (4) relativ zum Zylindergehäuse (2) axial
verschieblich gelagert sind, dadurch gekennzeichnet, dass das Zylindergehäuse (2) aus einem drucklos vergossenen Polyamid ausgebildet ist.
2. Pneumatischer Zylinder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet dass in dem Zylindergehäuse (2) ein Metallzylinderrohr (5) als Laufbuchse für das Kolbenelement
(3) angeordnet ist, in dem das Kolbenelement (3) axial verschieblich gelagert ist.
3. Pneumatischer Zylinder nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Zylindergehäuse (2) im Bereich eines ersten Endes (6) des Zylindergehäuses (2)
Befestigungseinrichtungen (7) zum Befestigen des Pneumatikzylinders (1) an einer Schweißvorrichtung,
z.B. einer Schweißzange oder einem Schweißportal aufweist und die Befestigungseinrichtung
(7) und das Zylindergehäuse (2) einstückig ausgebildet sind.
4. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Zylindergehäuse (2) entlang seiner Längserstreckung zumindest eine Abflachung
(19a, 19b) aufweist.
5. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in verdickten Bereichen des Zylindergehäuses (2) Messmittel, insbesondere Lagesensoren
eingegossen oder in eine Nut eingesetzt sind.
6. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Zylindergehäuse (2) Formführungen (20) besitzt, so dass jeweils zwei benachbarte
Pneumatikzylinder (1) mittels formschlüssig eingreifenden Verbindungsmitteln (21)
mechanisch verbindbar sind.
7. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Zylindergehäuse (2) anderendig mit einem Verschluss (10) verschlossen ist, welcher
einseitig an einem Vorsprung/Absatz oder stirnseitig an dem Metallzylinderrohr (5)
anliegt und anderseitig mittels eines Seegerrings (11) festgelegt ist, der in einer
Nut (12) im Zylindergehäuse (2) sitzt und den Verschluss (10) gegen den Absatz axial
festlegt.
8. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Zylindergehäuse (2) zur Ausbildung eines Mehrfachzylinders zumindest zwei Zylinderkammern
(30) besitzt.
9. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das drucklos vergossene Polyamid ein PA12, ein PA12G oder ein PA6 ist.
10. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine Kolbenelement (3) und/oder die Kolbenstange (4) aus einem drucklos
vergossenen Polyamid ausgebildet ist, insbesondere aus demselben Werkstoff wie das
Zylindergehäuse (2) ausgebildet ist.
11. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass Dichtungselemente der Kolbenelemente (3) einstückig mit dem Kolben (3) ausgebildet
sind.
12. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Dichtungselemente als weiche Lippendichtung ausgebildet ist.
13. Pneumatischer Zylinder nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Dichtungselemente zumindest bereichsweise in die Kolbenelemente (3) eingegossen
sind.
14. Schweißeinrichtung aufweisend zumindest einen pneumatischen Zylinder nach einem der
Ansprüche 1 bis 13.
15. Schweißvorrichtung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Schweißeinrichtung eine Schweißzange, eine Portalschweißanlage oder eine Vielpunktschweißanlage
ist.