[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Auslösen eines automatischen
Notrufs, bei dem das Notrufsignal bei Erreichen einer Auslöseschwelle abgesetzt wird,
die auf der Grundlage eines Sensorsignals oder vorzugsweise mehrerer verschiedener
Sensorsignale ermittelt wird und eine Art Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines
schweren Unfalls bedeutet.
[0002] Mit dem Einführen telematischer Systeme wurde insbesondere in Verbindung mit Navigationssystemen,
denen die Position eines Fahrzeugs bekannt ist, vorgesehen, im Falle eines schweren
Unfalls, bei dem mit Verletzungen der in dem verunfallten Fahrzeug befindlichen Personen
zu rechnen ist, automatisch einen Notruf abzusetzen, um wertvolle Zeit bei der Rettung
der verunfallten Personen zu sparen. Dazu werden häufig Mobilfunkverbindungen genutzt.
[0003] Dabei muss darauf geachtet werden, dass in den Fahrzeugen eine geeignete Sensorik
vorgesehen ist, welche einerseits im Falle eines schweren Unfalls zuverlässig das
Absetzen eines Notrufs veranlasst, andererseits jedoch keine fehlerhaften Notrufe
absetzt, beispielsweise wenn es nach einer kritischen Fahrsituation überhaupt nicht
zu einem Unfall kommt. Hierzu wurden bereits verschiedene Systeme vorgeschlagen.
[0004] In der
EP 1 372 324 A2 ist ein tragbares Funkkommunikationsterminal beschrieben, welches einen Funksender
und -empfänger, ein Mikrofon, einen Lautsprecher und einen Lichtemitter aufweist.
In einem normalen Betriebsmodus wird bei Aktivierung des Systems der Lautsprecher,
das Mikrofon und der Lichtemitter angeschaltet, um eine Kommunikation mit einem vorausgewählten
Call-Center zu ermöglichen. In einem statischen Betriebsmodus wird der Lautsprecher
und der Lichtemitter im Falle einer Aktivierung aus- und das Mikrofon eingeschaltet,
damit der Nutzer das Call-Center auch in einer Lage, in der er das Gerät nicht mehr
ohne weiteres bedienen kann, über seinen Zustand informieren kann.
[0005] Aus der
DE 10 2005 018 234 B3 sind Notrufssysteme bekannt, bei denen im Falle einer Gefahrensituation eine erste
Gefahrenmeldung mit der Position des Fahrzeugs an eine Leitstelle gemeldet werden.
Führt diese Gefahrenmeldung nicht zu einem Unfall, wird kurz darauf eine Entwarnungsmeldung
gesendet. Dieses Vorgehen ist jedoch sehr störanfällig. Ferner ist bekannt, den Wahrscheinlichkeitsgrad
für einen Unfall zu ermitteln und als Grenzwert für das Absetzen eines Notrufsignals
einzusetzen. Nach Absetzen des Notrufs wird ein Timer aktiviert. Wenn zu dessen Ablaufzeitpunkt
keine konkrete Unfallmeldung vorliegt, wird der Notruf automatisch widerrufen. Als
von der Fahrzeugelektronik vollkommen autarkes System wird ein Notrufsystem vorgeschlagen,
welches das Auslösen eines Airbags mittels eines Mikrofons detektiert und ggf. autark
einen Notruf absondert.
[0006] Die
DE 34 21 416 A1 offenbart ein Fahrzeug-Notrufsystem, bei dem das Fahrzeug mit einer aktiven Positionsbestimmungseinrichtung,
mit einem Crashsensor und mit einem Notrufsender ausgestattet ist. Die Positionsbestimmungseinrichtung
ermittelt fortlaufend die aktuellen Position des Fahrzeugs und übermittelt diese dem
Notrufsender, der die Position bis zur Übermittlung einer aktuelleren Position speichert.
Im Falle eines Unfalls prüft der Crashsensor, ob ein Notruf abzusetzen ist, und gibt
den Notruf ggf. frei. Daraufhin sendet der Notrufsender den Notruf mit der aktuell
gespeicherten Position aus.
[0007] US 6073004 Offenbart ein weiteres Fahrzeug-Notrufystem.
[0008] Nachteilig hieran ist, dass das Aussenden des Notrufs von einem Crashsensor, typischer
Weise dem Airbagsensor, veranlasst wird, so dass bei einem Defekt des Sensors kein
Notruf ausgesandt wird. Ferner muss zur Vermeidung von Fehlalarmen die Auslöseschwelle
recht hoch gesetzt werden. Dies hat zur Folge, dass in einigen Notsituationen, in
denen der Sensor (noch) nicht auslöst, kein Notruf ausgesendet wird, obwohl dies sinnvoll
wäre. Die anderen Systeme, in denen bereits bei niedrigerer Unfallwahrscheinlichkeit
Notrufe abgesondert werden, die ggf. zu widerrufen sind, sind in der Praxis nicht
handhabbar, da Rettungsstationen auf einen eingehenden Notruf unmittelbar reagieren
müssen und nicht erst abwarten können, ob ein Notruf widerrufen wird.
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein System zur Notrufauslösung mit
einem verbesserten Ansprechverhalten vorzuschlagen, das in Gefahrensituationen zuverlässig
einen Notruf absetzt und Fehlalarme vermeidet.
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen der Ansprüche 1 und 8 gelöst.
Dazu ist bei dem eingangs beschriebenen Verfahren vorgesehen, dass bei Erreichen der
Auslöseschwelle ein Notruf ausgelöst und zusätzlich die Verlässlichkeit der die Auslösung
bewirkenden Sensorsignale bewertet wird, wobei der Notruf bei nicht eindeutig interpretierbaren
Sensorsignalen, d.h. einer nicht ausreichend hohen Verlässlichkeit, erst nach einer
Verzögerungszeit ausgesendet wird und dass während dieser Verzögerungszeit die Aussendung
des Notrufs abgebrochen werden kann. Dieses Vorgehen ermöglicht es, auch für sich
genommen nicht zuverlässige Sensorsignale zur Auslösung eines Notrufs heranzuziehen,
beispielsweise Meldedaten eines ESP-Stabilisierungssystems, das auf gefährliche Fahrsituationen
hinweist, ohne dass daraus unmittelbar auf das Eintreten oder die Schwere eines Unfalls
geschlossen werden kann, wie dies bei dem Auslösen eines Airbags typischerweise möglich
ist. Durch die Berücksichtigung auch derartiger Sensorsignale und insbesondere eine
Kombination verschiedener Sensorsignale, die gegebenenfalls auch erst in ihrer Kombination
die Höhe der Auslöseschwelle erreichen, wird die Verlässlichkeit des automatischen
Notrufsystems zum einen erheblich verbessert und zum anderen die Absendung von Fehlalarmen
vermieden, da die Aussendung des einmal ausgelösten Notrufs während der Verzögerungszeit
noch abgebrochen werden kann. Dieses Abbrechen kann in jedem Fall manuell erfolgen.
Zusätzlich kann erfindungsgemäß ein automatischer Abbruch vorgesehen werden, beispielsweise
wenn durch die Sensorik festgestellt wird, dass das Fahrzeug nach einer unfallträchtigen
Gefahrensituation in einen normalen Betriebszustand zurückkehrt und einen normalen
Fahrbetrieb wieder aufgenommen hat. Umgekehrt kann die zunächst verzögerte Aussendung
eines Notrufs aufgrund weiterer Sensorsignale auch unmittelbar erfolgen, gegebenenfalls
nach einer Bestätigung durch den Fahrer.
[0011] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung des Verfahrens hängt die Dauer der Verzögerungszeit
von der Verlässlichkeit der die Auslösung bewirkenden Sensorsignale ab. Der Grad der
Verlässlichkeit kann nach vorgebbaren Kriterien für verschiedene Sensorsignale einstellbar
sein. Die Verzögerungszeit wird dabei umso länger gewählt, je unsicherer die Sensorsignale
zu bewerten sind. Dazu kann die Dauer der Verzögerungszeit in einer Lookup-Tabelle
einer Steuereinrichtung für das Auslösen des automatischen Notrufs in Abhängigkeit
des Grades der Verlässlichkeit und/oder der Wahrscheinlichkeit des Unfalls ermittelt
werden. Erfindungsgemäß kann die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls und der Grad der
Verlässlichkeit übereinstimmen. Vorzugsweise erfolgt jedoch eine gesonderte Bewertung,
da auf diese Weise besser zwischen fahrdynamisch kritischen Situationen und der Verlässlichkeit
der einzelnen Sensoren, welche diese Situationen anzeigen, unterschieden werden kann.
Wenn zum Beispiel mehrere in ihrer Verlässlichkeit nur niedrig eingestufte Sensoren
übereinstimmend eine kritische Fahrsituation bzw. einen Unfall anzeigen, ist die Wahrscheinlichkeit
für das Vorliegen eines Unfalls in der entsprechenden Schwere sehr groß. Dies kann
besser ermittelt werden, wenn erfindungsgemäß zwischen der Verlässlichkeit des Sensors
und der Unfallwahrscheinlichkeit unterschieden wird. Umgekehrt ist die Verzögerungszeit
natürlich umso kürzer, je höher die Verlässlichkeit der Sensoren und/oder die Wahrscheinlichkeit
eines Unfalls bewertet wird. Typische Verzögerungszeiten liegen erfindungsgemäß im
Bereich weniger Sekunden bis hin zu etwa einer halben Minute, vorzugsweise im Bereich
von etwa 4 bis 10 Sekunden. Typischerweise sind diese Verzögerungszeiten ausreichend,
um entweder dem Fahrer oder dem System aufgrund weiter gewonnener Sensorinformationen
die Möglichkeit zu geben, einen Notruf abzubrechen. Andererseits wird durch die vorgeschlagene
Verzögerungszeit dieser Länge die Absendung des Notrufs nur unwesentlich verlängert.
Dies führt in der Praxis nicht zu nennenswerten Problemen
[0012] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung des Verfahrens wird vorgeschlagen, auch während
der Verzögerungszeit weitere Sensorsignale auszuwerten und bei Vorliegen eines verlässlichen
beziehungsweise verlässlicheren Sensorsignals die Verzögerungszeit zu verkürzen. Bei
einem verlässlichen Sensorsignal, das mit Sicherheit auf das Vorliegen eines schweren
Unfalls schließen lässt, kann die Verzögerungszeit auch sofort abgebrochen beziehungsweise
der Countdown gestoppt werden. Hierdurch wird erreicht, dass das Notrufsignal nach
Vorliegen eines verlässlichen Signals sofort ausgesendet wird und keine unnötige Zeit
abgewartet werden muss.
[0013] In Weiterentwicklung des Erfindungsgedankens kann vorgesehen sein, das Aussenden
eines Notrufs vor Ablauf der Verzögerungszeit zu bestätigen. Auch dies führt zu einem
sofortigen Abbrechen der Verzögerung und zu einer unmittelbaren Aussendung des Notrufsignals.
Dies ist vor dem Hintergrund zu verstehen, dass gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung
des Verfahrens den Fahrzeuginsassen, insbesondere dem Fahrer bei Erreichen der Auslöseschwelle
unmittelbar mitgeteilt wird, dass ein Notruf ausgelöst wurde und in der ebenfalls
mitgeteilten Verzögerungszeit ausgesendet wird, welche vorzugsweise im Sinne eins
Countdowns auch heruntergezählt werden kann. Diese Ausgabe kann über das HMI (Human-Machine-Interface)
des Fahrzeugs beispielsweise in einem Fahrerinformationsdisplay und/oder durch Ausgabe
über Lautsprecher des Audiosystems des Fahrzeugs erfolgen. Durch eine vorzeitige Bestätigung
kann der Fahrer die Verzögerungszeit also verkürzen, wenn er die Aussendung eines
Notrufs wünscht.
[0014] Aus Sicherheitsgründen wird gemäß einer besonders bevorzugten Ausgestaltung des Verfahrens
ferner vorgesehen, dass das Abbrechen eines automatisch ausgebildeten Notrufs einer
doppelten Bestätigung bedarf. Dies setzt vorzugsweise mehrere verschiedene Aktionen
des Fahrers oder eines Fahrzeuginsassen voraus. Beispielsweise die Betätigung einer
bestimmten Tastenkombination in dem HMI (Human-Machine-Interface), die Eingabe eines
Passworts mittels Tasten und/oder Spracherkennung oder ein sonstiges gestaffeltes
Betätigungssignal, um ein unbeabsichtigtes Abbrechen eines Notrufs mit Sicherheit
ausschließen zu können.
[0015] Da auch ohne Unfall überstandene Gefahrensituationen in der Regel zu einer großen
Aufregung des Fahrers führen, kann erfindungsgemäß vorgeschlagen werden, dass nach
einer ersten Bestätigung des Abbrechens eines automatisch ausgelösten Notrufs die
Verzögerungszeit verlängert wird, damit mehr Zeit für die notwendige zweite Bestätigung
zur Verfügung steht. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass der Fahrer nach einer
Gefahrensituation unter Umständen nicht beide Bestätigungen in der vorgesehenen Weise
zeitgerecht erledigen kann.
[0016] Um keine unnötigen Verzögerungen auftreten zu lassen, kann erfindungsgemäß vorgesehen
sein, dass während der Verzögerungszeit eine Kommunikationseinrichtung zum Aussenden
des Notrufs aktiviert wird, die sich zuvor beispielsweise in einem Standby- oder Schlafmodus
befunden hat. Häufig wird die Kommunikationseinrichtung eine Mobilfunkeinrichtung
des Fahrzeugs sein. Somit kann bereits während der Countdown-phase, d.h. der Verzögerungszeit,
eine sich noch im Schlafmodus befindende SIM-Karte (Sleeping-SIM) des Netzwerkbetreibers
aufgeweckt werden und sich in dem Mobilfunknetz registrieren. Eine Sleeping-SIM ist
normalerweise nicht im Mobilfunknetz angemeldet. Ihre Anmeldung bzw. Registrierung
dauert aber eine gewisse Zeit. Hierfür kann die Verzögerungszeit sehr gut genutzt
werden, da die Registrierung ohnehin vor dem Aussenden des Notrufs (Ecall) erfolgen
muss. Damit kann der Notruf erfindungsgemäß nach Ablauf der Verzögerungszeit in der
Regel ohne weitere Wartezeiten versendet werden. Umgekehrt ausgedrückt wird die bei
der Registrierung einer Sleeping-SIM-Karte ohnehin entstehende Wartezeit genutzt,
um die Zusatzfunktion eines Abbrechens des Notrufs unter bestimmten Bedingungen zu
realisieren.
[0017] Die Erfindung betrifft auch eine Vorrichtung zum Auslösen eines automatischen Notrufs
mit einer Steuereinrichtung, welche dazu eingerichtet ist, das Notrufsignal bei Erreichen
einer Auslöseschwelle abzusetzen und die Auslöseschwelle auf der Grundlage eines oder
mehrerer gegebenenfalls auch verschiedener Sensorsignale zu ermitteln. Insbesondere
ist die vorgeschlagene Vorrichtung zur Durchführung der vorbeschriebenen Verfahrensschritte,
einzeln oder in beliebiger Kombination, eingerichtet. Dazu ist erfindungsgemäß vorgesehen,
dass die Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist, bei Erreichen der Auslöseschwelle
einen Notruf auszulösen und zusätzlich die Verlässlichkeit des beziehungsweise der
die Auslösung bewirkenden Sensorsignale zu bewerten, wobei der Notruf bei nicht eindeutig
interpretierbaren Sensorsignalen durch eine Verzögerungseinrichtung erst nach einer
Verzögerungszeit durch eine Sendeeinrichtung ausgesendet wird. Während der Verzögerungszeit
kann die Aussendung des Notrufs abgebrochen werden.
[0018] Um ein versehentliches Abbrechen eines zurecht ausgelösten Notrufs zu vermeiden,
kann erfindungsgemäß vorgesehen werden, dass eine Eingabeeinrichtung zum Abbrechen
der Aussendung eines Notrufs mit zwei verschiedenen Betätigungseinrichtungen vorgesehen
ist, die vorzugsweise beide betätigt werden müssen, um das Aussenden des Notrufsignals
abzubrechen. Beispielsweise können eine Tasteneingabe und mittels Mikrofon eine Spracheingabe
eines Passworts hierfür notwendig sein. Natürlich ist es auch möglich, verschiedene
Tasten des HMI in einer vorgegebenen Reihenfolge zu betätigen, um das Aussenden des
Notrufs abzubrechen.
[0019] Weitere Vorteile, Merkmale und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung
ergeben sich auch aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels und
der Zeichnung. Dabei bilden alle beschriebenen und/oder bildlich dargestellten Merkmale
für sich oder in beliebiger Kombination den Gegenstand der vorliegenden Erfindung,
auch unabhängig von ihrer Zusammenfassung in den Ansprüchen oder deren Rückbezügen.
[0020] Die einzige Fig. 1 zeigt schematisch ein Flussdiagramm über den erfindungsgemäß vorgeschlagenen
Verfahrensablauf.
[0021] Fig. 1 stellt schematisch eine erfindungsgemäße Vorrichtung 1 zur automatischen Absendung
eines Notrufs auf der Grundlage verschiedener Sensorsignale dar, die durch Sensoren
2, 3 und 4 ermittelt werden. Bei den Sensoren 2, 3, 4 kann es sich beispielsweise
um einen Airbag-Sensor handeln, welcher das Auslösen eines Airbags feststellt. Ferner
können die Sensoren Sensoren eines ESP-Stabilitätssystems sein, welches fahrdynamische
Eigenschaften des Fahrzeugs ermitteln. Auch kann ein Sensor ein Überschlagssensor
sein, welcher das Überschlagen eines Kraftfahrzeugs ertastet. Die Erfindung ist nicht
auf spezielle Sensortypen beschränkt, sondern kann mit sämtlichen Sensoren eines Kraftfahrzeugs
eingesetzt werden, die geeignet sind, gefährliche Situationen beziehungsweise Unfälle
des Kraftfahrzeugs zu detektieren.
[0022] Neben möglicherweise anderen Einrichtungen, an welche die Sensoren 2, 3 und 4 angeschlossen
sind und zu denen sie gehören, werden die Sensorsignale auch einer Steuereinrichtung
5 zugeleitet, welche dazu eingerichtet ist, die Sensorsignale auszuwerten und einen
automatischen Notruf auszulösen, wenn aufgrund der Sensorsignale eine Alarm- bzw.
Auslöseschwelle erreicht wird, die auf der Grundlage eines oder mehrerer verschiedener
Sensorsignale ermittelt wurde.
[0023] Die Steuereinrichtung 5 löst bei Erreichen der Auslöseschwelle also einen Notruf
S aus und bewertet zusätzlich die Verlässlichkeit der die Auslösung bewirkenden Sensorsignale
der Sensoren 2, 3 und 4. Je nach Verlässlichkeit der Sensoren wird ein Notrufsignal
S zur unmittelbaren Aussendung an eine Sendeeinrichtung 6 übermittelt, welche den
Notruf beispielsweise über eine Mobilfunkkommunikationseinrichtung aussendet. Dies
erfolgt bei Sensorsignalen, die mit Sicherheit auf das Vorliegen eines Unfalls schließen
lassen, beispielsweise dem Auslösen eines Airbags.
[0024] Bei Sensorsignalen, die nicht dieselbe Verlässlichkeit aufweisen, wird das Notrufsignal
S nach dem Auslösen zunächst einer Verzögerungseinrichtung 7 übermittelt, welche erfindungsgemäß
eine Verzögerungszeit abwartet, bevor das Notrufsignal S an die Sendeeinrichtung 6
weitergeleitet und von dieser ausgesendet wird. Dies ist in Fig. 1 durch eine unterschiedliche
Länge der Verzögerungseinrichtungen 7 für verschiedene Verzögerungszeiten dargestellt.
[0025] Die erfindungsgemäß vorgeschlagenen Verzögerungszeiten liegen vorzugsweise in einem
Bereich zwischen 3 bis 4 und 8 bis 12 Sekunden. Es sind beliebige Abstufungen und
im Einzelfall auch längere Verzögerungszeiten anwendbar. Vorzugsweise kann die Verzögerung
stufenlos gewählt werden. Während der Verzögerungszeit kann die Aussendung des Notrufs
S durch eine in der Steuereinrichtung 5 vorgesehene Abbrucheinrichtung 8 abgebrochen
werden, die ein entsprechendes Abbruchsignal A aussendet, welches zur Folge hat, dass
das Notrufsignal S nicht durch die Sendeeinrichtung 6 ausgesendet wird.
[0026] Die Abbrucheinrichtung 8 wird vorzugsweise durch eine durch den Fahrer des Kraftfahrzeugs
oder sonstige Fahrzeuginsassen betätigbare Eingabeeinrichtung 9 gesteuert, welche
beispielsweise über das HMI (Human-Machine-Interface) des Kraftfahrzeugs die Möglichkeit
bietet, Abbruchsignale A für das Abbrechen des Aussendens der Notrufsignale zu erzeugen.
Dazu gibt die Steuereinrichtung 5 nach Auslösen eines Notrufs S und Übersendung an
die Verzögerungseinrichtung 7 optische und/oder akustische Hinweise an die Fahrzeuginsassen
aus, dass der Notruf ausgelöst wurde und nach einer vorzugsweise im Sinne eines Countdown
herunter gezählten Verzögerungszeit ausgesendet wird, sofern die Aussendung nicht
durch einen manuellen Eingriff noch abgebrochen wird. Dann hat der Fahrer die Möglichkeit,
die Eingabeeinrichtung 9 zu betätigen und das Aussenden des Notrufs zu verhindern.
[0027] Hierzu kann vorzugsweise vorgesehen sein, dass eine doppelte Betätigung verschiedener
Betätigungselemente der Eingabeeinrichtung 9 vorzunehmen ist, damit die Abbrucheinrichtung
8 das Abbruchsignal A erzeugt, um eine versehentliche Deaktivierung des Notrufs durch
den Fahrer im Zuge der bei einem Unfall herrschenden Aufregung zu vermeiden.
[0028] Ferner kann die Abbrucheinrichtung 8 weiterhin die Signale der Sensoren 2, 3 und
4 auswerten und automatisch ein Abbruchsignal A erzeugen, wenn die Abbrucheinrichtung
8 feststellt, dass das Fahrzeug nach einer durch die Sensoren 2, 3 und 4 signalisierten
Gefahrensituation, welche die Auslöseschwelle zur Aussendung eines Notrufs erreicht
hatte, doch wieder einen normalen Fahrbetrieb aufnimmt, so dass es offensichtlich
zu keinem Unfall gekommen ist.
[0029] Die Erfindung sieht also vor, bei der Auslösung eines Notrufs zwischen verschiedenen
Verlässlichkeiten der Auslösung zu unterscheiden. Bei Signalen der Sensoren 2, 3 und
4, die eindeutig genug sind, um einen Unfall anzuzeigen, wird das Notrufsignal S sofort
durch die Sendeeinrichtung 6 abgesetzt. Ist das Signal jedoch nicht eindeutig beziehungsweise
besteht die Möglichkeit, dass das Auslösesignal auch dann anschlägt, wenn kein Notruf
abgesetzt werden sollte, so wird das Notrufsignal S ausgelöst und erst verzögert ausgesendet.
Während dieser Verzögerung bekommt der Fahrer eine Nachricht über die bevorstehende
Auslösung und kann diese abbrechen.
[0030] Diese Verzögerungs- beziehungsweise Countdown-Phase ist immer kürzer, je höher die
Verlässlichkeit der Auslösung aufgrund der Auswertung der Sensorsignale ist. Dadurch
wird der Dringlichkeit einer sicheren Auslösung im Falle eines tatsächlichen Unfalls
Rechnung getragen.
[0031] Wenn der Fahrer die Aussendung des Notrufsignals abbricht, baut die Sendeeinrichtung
6 keine Verbindung zu dem davor vorgesehenen Serviceprovider auf und senden keinen
Ecall aus. Daten werden keine übertragen. Dadurch besteht keine Gefahr, dass der Serviceprovider
den abgebrochenen Notruf erkennt und deshalb Kontakt zum Fahrer aufnimmt oder eine
Rettungsaktion einleitet. Dies vereinfacht die Arbeit auf Seiten des Serviceproviders.
[0032] Nachfolgend wird das unterschiedliche Vorgehen anhand eines Beispiels erläutert.
Beispielsweise erzeugt ein Überschlagssensor 4 ein Signal, das von einer Auswertelogik
der Steuereinrichtung 5 zu 80% als Unfall bewertet wird. Diese Unfallwahrscheinlichkeit
ist bereits recht hoch. Daher wird ein Notrufsignal mit einer Verzögerungszeit von
nur 4 Sekunden gestartet. Der Fahrer wird über den ausgelösten Notruf und den Countdown
informiert und bricht diesen nicht ab, wenn er durch den tatsächlich stattgefundenen
Unfall verletzt wurde. Die Sendeeinrichtung setzt dann nach 4 Sekunden den Notruf
ab. Dies führt zu keinen nennenswerten Verzögerungen.
[0033] Erzeugt der Überschlagssensor 4 dagegen ein Signal, dass von der Auswertelogik der
Steuereinrichtung ebenfalls zu 80% als Unfall bewertet wird, so dass der Notruf mit
einer Countdown-Phase von 4 Sekunden startet wird, ohne das anschließend jedoch ein
Unfall stattfindet, kann der Fahrer aufgrund der Information, dass der Notruf ausgelöst
und der Countdown gestartet wurde, diesen innerhalb von 4 Sekunden abbrechen, sofern
er unverletzt aus der Situation hervorgegangen ist. In diesem Fall wird kein Notruf
ausgesendet und die Nachteile des Stands der Technik werden vermieden, wonach ein
abgesendeter Notruf gegebenenfalls wieder storniert werden kann.
[0034] Hierdurch ist es erfindungsgemäß möglich, auch nicht eindeutige Auslösesignale für
das Absenden eines Notrufs zu verwenden, so dass erfindungsgemäß mehr Sensorsignale
der Sensoren 2, 3, 4 beachtet werden können und damit ein grö-βerer Bereich von Notfällen
abgedeckt werden kann. Da der Fahrer oder ein Fahrzeuginsasse einen Notruf auf Grundlage
nicht eindeutiger Auslösesignale innerhalb der Verzögerungszeit abbrechen kann, wird
die Anzahl der unnötigen Notrufe trotzdem gering gehalten, die das Rettungssystem
unter Umständen insgesamt lahm legen könnten.
Bezugszeichenliste:
[0035]
- 1
- Vorrichtung zur automatischen Absendung eines Notrufs
- 2
- Sensor
- 3
- Sensor
- 4
- Sensor
- 5
- Steuereinrichtung
- 6
- Sendeeinrichtung
- 7
- Verzögerungseinrichtung
- 8
- Abbrucheinrichtung
- 9
- Eingabeeinrichtung
- S
- Notrufsignal
- A
- Abbruchsignal
1. Verfahren zum Auslösen eines automatischen Notrufs, bei dem das Notrufsignal (S) bei
Erreichen einer Auslöseschwelle abgesetzt wird, die auf der Grundlage eines Sensorsignals
ermittelt wird,
dadurch kennzeichnet,
dass bei Erreichen der Auslöseschwelle ein Notruf ausgelöst und zusätzlich die Verlässlichkeit
der die Auslösung bewirkenden Sensorsignale bewertet wird, wobei der Notruf bei einer
nicht ausreichend hohen Verlässlichkeit der Sensorsignale erst nach einer Verzögerungszeit
ausgesendet wird und dass während der Verzögerungszeit die Aussendung des Notrufs
abgebrochen werden kann.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch kennzeichnet,
dass die Dauer der Verzögerungszeit von der Verlässlichkeit der die Auslösung bewirkenden
Sensorsignale abhängt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch kennzeichnet,
dass während der Verzögerungszeit weitere Sensorsignale ausgewertet werden und bei Vorliegen
eines verlässlichen Sensorsignals die Verzögerungszeit verkürzt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch kennzeichnet,
dass das Aussenden eines Notrufs vor Ablauf der Verzögerungszeit bestätigt werden kann.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch kennzeichnet,
dass das Abbrechen eines automatisch ausgelösten Notrufs einer doppelten Bestätigung bedarf.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch kennzeichnet,
dass nach einer ersten Bestätigung die Verzögerungszeit verlängert wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch kennzeichnet,
dass während der Verzögerungszeit eine Kommunikationseinrichtung zum Aussenden des Notrufs
aktiviert wird.
8. Vorrichtung zum Auslösen eines automatischen Notrufs mit einer Steuereinrichtung (5),
welche dazu eingerichtet ist, das Notrufsignal (S) bei Erreichen einer Auslöseschwelle
abzusetzen und die Auslöseschwelle auf der Grundlage eines Sensorsignale zu ermitteln,
dadurch kennzeichnet,
dass die Steuereinrichtung (5) dazu eingerichtet ist, bei Erreichen der Auslöseschwelle
einen Notruf auszulösen und zusätzlich die Verlässlichkeit der die Auslösung bewirkenden
Sensorsignale zu bewerten, wobei der Notruf bei einer nicht ausreichend hohen Verlässlichkeit
der Sensorsignale durch eine Verzögerungseinrichtung (7) erst nach einer Verzögerungszeit
durch eine Sendeinrichtung (6) ausgesendet wird und während der Verzögerungszeit die
Aussendung des Notrufs abgebrochen werden kann.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8,
dadurch kennzeichnet,
dass eine Eingabeeinrichtung (9) zum Abbrechen der Aussendung eines Notrufs mit zwei verschiedenen
Betätigungseinrichtungen vorgesehen ist.
1. Method for initiating an automatic emergency call, in which the emergency signal (S)
is sent when an initiation threshold is reached which is ascertained on the basis
of a sensor signal,
characterized
in that when the initiation threshold is reached an emergency call is initiated and additionally
the reliability of the sensor signals prompting the initiation is assessed, wherein
when the sensor signals are not sufficiently reliable, the emergency call is transmitted
only after a delay time, and during the delay time the transmission of the emergency
call can be terminated.
2. Method according to Claim 1,
characterized
in that the duration of the delay time is dependent on the reliability of the sensor signals
prompting the initiation.
3. Method according to Claim 1 or 2,
characterized
in that during the delay time further sensor signals are evaluated, and if a reliable sensor
signal is present then the delay time is shortened.
4. Method according to one of the preceding claims,
characterized
in that the transmission of an emergency call can be confirmed before the delay time elapses.
5. Method according to one of the preceding claims,
characterized
in that the termination of an automatically initiated emergency call requires double confirmation.
6. Method according to Claim 5,
characterized
in that after a first confirmation the delay time is extended.
7. Method according to one of the preceding claims,
characterized
in that during the delay time a communication device is activated to transmit the emergency
call.
8. Apparatus for initiating an automatic emergency call having a control device (5) which
is set up to send the emergency signal (S) when an initiation threshold is reached
and to ascertain the initiation threshold on the basis of a sensor signal,
characterized
in that the control device (5) is set up to initiate an emergency call when the initiation
threshold is reached and additionally to assess the reliability of the sensor signals
prompting the initiation, wherein the emergency call is transmitted by a transmission
device (6) only after a delay time by means of a delay device (7) when the sensor
signals are not sufficiently reliable, and during the delay time the transmission
of the emergency call can be terminated.
9. Apparatus according to Claim 8,
characterized
in that an input device (9) is provided for the purpose of terminating the transmission of
an emergency call using two different actuation devices.
1. Procédé de déclenchement d'un appel automatique d'urgence dans lequel le signal d'urgence
(S), qui est obtenu sur la base d'un signal de capteur, est délivré lorsqu'un seuil
de déclenchement est atteint,
caractérisé en ce que,
lorsque le seuil de déclenchement est atteint, un signal d'urgence est déclenché et
la fiabilité des signaux de capteurs provoquant le déclenchement est en outre évalué,
dans lequel le signal d'urgence, lorsque la fiabilité des signaux de capteurs n'est
pas suffisamment élevée, n'est envoyé qu'après une temporisation et en ce que pendant la temporisation, l'envoi de l'appel d'urgence peut être interrompu.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que
la durée de la temporisation dépend de la fiabilité des signaux de capteurs provoquant
le déclenchement.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2,
caractérisé en ce que
d'autres signaux de capteurs sont évalués pendant la période de retard et en ce que le temps de retard est raccourci en présence d'un signal de capteur fiable.
4. Procédé selon les revendications précédentes,
caractérisé en ce que
l'émission d'un appel d'urgence peut être confirmée avant que la temporisation se
soit écoulée.
5. Procédé selon les revendications précédentes,
caractérisé en ce que
l'interruption d'un appel d'urgence déclenché automatiquement nécessite une double
confirmation.
6. Procédé selon la revendication 5,
caractérisé en ce que
la temporisation est prolongée après une première confirmation.
7. Procédé selon les revendications précédentes, caractérisé en ce qu'un dispositif de communication est activé pour émettre l'appel d'urgence pendant la
temporisation.
8. Dispositif de déclenchement d'un appel automatique d'urgence comprenant un dispositif
de commande (5) qui est conçu pour délivrer le signal d'urgence (S) lorsqu'un seuil
de déclenchement est atteint, et pour déterminer le seuil de déclenchement sur la
base d'un signal de capteur,
caractérisé en ce que
le dispositif de commande (5) est conçu pour déclencher un appel d'urgence lorsque
le seuil de déclenchement est atteint et pour évaluer en outre la fiabilité des signaux
de capteurs provoquant le déclenchement, dans lequel l'appel d'urgence n'est émis
par un dispositif d'émission (6), en cas de fiabilité insuffisamment élevée des signaux
de capteurs, qu'après une temporisation produite par un dispositif de temporisation
(7) et en ce que l'émission de l'appel d'urgence peut être interrompue pendant la temporisation.
9. Dispositif selon la revendication 8,
caractérisé en ce qu'un dispositif d'entrée (9) est prévu pour l'interruption de l'émission d'un appel
d'urgence au moyen de deux dispositifs de confirmation différents.