[0001] Die Erfindung betrifft eine Schlichte, welche insbesondere für den Großguss geeignet
ist, ein Verfahren zur Herstellung eines Gussstücks sowie eine Gießform mit einem
Formüberzug.
[0002] Die meisten Erzeugnisse der Eisen- und Stahlindustrie sowie der Nichteisenmetallindustrie
durchlaufen zur ersten Formgebung Gießprozesse. Dabei werden die Schmelzflüssigwerkstoffe,
Eisenmetalle bzw. Nichteisenmetalle, in geometrisch bestimmte Gegenstände mit bestimmten
Werkstückeigenschaften überführt. Für die Formgebung der Gussstücke müssen zunächst
zum Teil sehr komplizierte Gießformen zur Aufnahme der Schmelze hergestellt werden.
Die Gießformen werden unterteilt in verlorene Formen, die nach jedem Guss zerstört
werden, sowie Dauerformen, mit denen jeweils eine große Anzahl von Gussstücken hergestellt
werden kann.
[0003] Die verlorenen Formen bestehen meist aus einem mineralischen, feuerfesten, körnigen
Formstoff, der oft noch mit verschiedenen weiteren Zusätzen versetzt wird, z.B. zur
Erzielung guter Gussoberflächen, der mit Hilfe eines Bindemittels verfestigt wird.
Als feuerfester, körniger Formstoff wird meist gewaschener, klassierter Quarzsand
verwendet. Für bestimmte Anwendungen, bei denen besondere Anforderungen erfüllt werden
müssen, wird auch Chromit-, Zirkon- und Olivinsand eingesetzt. Daneben werden noch
Formstoffe auf Schamotte-, sowie Magnesit-, Silimanit- oder Korundbasis benutzt. Die
Bindemittel, mit welchen die Formstoffe verfestigt werden, können anorganischer oder
organischer Natur sein. Kleinere verlorene Formen werden überwiegend aus Formstoffen
hergestellt, welche durch Bentonit als Bindemittel verfestigt werden, während für
größere Formen meist organische Polymere als Bindemittel verwendet werden. Die Herstellung
der Gießformen verläuft meist in der Weise, dass der Formstoff zunächst mit dem Bindemittel
vermengt wird, sodass die Körner des Formstoffs mit einem dünnen Film des Bindemittels
überzogen sind. Diese Formstoffmischung wird dann in eine entsprechende Form eingebracht
und ggf. verdichtet, um eine ausreichende Standfestigkeit der Gießform zu erreichen.
Anschließend wird die Gießform ausgehärtet, beispielsweise indem sie erwärmt wird
oder indem ein Katalysator zugegeben wird, der eine Aushärtungsreaktion bewirkt. Hat
die Gießform zumindest eine gewisse Anfangsfestigkeit erreicht, so kann sie ggf. aus
der Form entnommen werden und zur vollständigen Aushärtung beispielsweise in einen
Ofen überführt werden, um dort für eine vorbestimmte Zeit auf eine bestimmte Temperatur
erhitzt zu werden.
[0004] Dauerformen werden für die Herstellung einer Vielzahl von Gusstücken verwendet. Sie
müssen daher den Gießvorgang und die damit verbundenen Belastungen unbeschädigt überstehen.
Als Werkstoff für Dauerformen haben sich je nach Anwendungsbereich besonders Gusseisen
sowie unlegierte und legierte Stähle, aber auch Kupfer, Aluminium, Graphit, Sintermetalle
und keramische Materialien bewährt. Zu den Dauerformverfahren zählen das Kokillen-,
Druck-, Schleuder- und Stranggießverfahren.
[0005] Gießformen sind während des Gießvorgangs sehr hohen thermischen und mechanischen
Belastungen ausgesetzt. An der Kontaktfläche zwischen flüssigem Metall und Gießform
können daher Fehler entstehen, beispielsweise indem die Gießform reißt oder indem
flüssiges Metall in das Gefüge der Gießform eindringt. Meist werden daher diejenigen
Flächen der Gießform, die mit dem flüssigen Metall in Berührung gelangen, mit einer
schützenden Beschichtung versehen, die auch als Schlichte bezeichnet wird. Eine solche
Schlichte besteht meist aus einem anorganischen feuerfesten Stoff und einem Bindemittel,
die in einem geeigneten Lösungsmittel, beispielsweise Wasser oder Alkohol, gelöst
oder aufgeschlämmt sind.
[0006] Durch diese Beschichtungen kann also die Oberfläche der Gießform modifiziert und
auf die Eigenschaften des zu verarbeitenden Metalls abgestimmt werden. So kann durch
die Schlichte das Aussehen des Gussstücks verbessert werden, indem eine glatte Oberfläche
erzeugt wird, da durch die Schlichte Unregelmäßigkeiten ausgeglichen werden, die durch
die Größe der Körner des Formstoffs verursacht werden. Weiter kann die Schlichte das
Gussstück metallurgisch beeinflussen, indem beispielsweise über die Schlichte selektiv
an der Oberfläche des Gusstücks Zusätze in das Gusstück übertragen werden, welche
die Oberflächeneigenschaften des Gusstücks verbessern. Ferner bilden die Schlichten
eine Schicht, welche die Gießform beim Gießen vom flüssigen Metall chemisch isoliert.
Dadurch wird jegliche Haftung zwischen Gussstück und Gießform verhindert, sodass sich
das Gussstück ohne Schwierigkeiten aus der Gießform entfernen lässt. Darüber hinaus
gewährleistet die Schlichte eine thermische Trennung von Gießform und Gussstück. Dies
ist insbesondere bei Dauerformen von Bedeutung. Wird diese Funktion nicht erfüllt,
erfährt z.B. eine Metallform im Laufe der aufeinander folgenden Gießvorgänge solch
hohe thermische Belastungen, dass sie vorzeitig zerstört wird. Die Schlichte kann
aber auch dazu genutzt werden, die Wärmeübertragung zwischen flüssigem Metall und
Gießform gezielt zu steuern, um beispielsweise durch die Abkühlungsrate die Ausbildung
eines bestimmten Metallgefüges zu bewirken.
[0007] Die üblicherweise verwendeten Schlichten enthalten als Grundstoffe z.B. Tone, Quarz,
Kieselgur, Cristobalit, Tridymit, Aluminiumsilicat, Zirkonsilicat, Glimmer, Schamotte
oder auch Koks bzw. Graphit. Diese Grundstoffe bedecken die Oberfläche der Gießform
und verschließen die Poren gegen ein Eindringen des flüssigen Metalls in die Gießform.
Wegen ihres großen Isoliervermögens werden häufig Schlichten verwendet, welche Siliziumdioxid
oder Kieselgur als Grundstoffe enthalten, da diese Schlichten mit geringem Kostenaufwand
hergestellt werden können und in großen Mengen verfügbar sind.
[0008] Man hat bereits versucht, über eine Schlichteschicht gezielt Legierungsbestandteile
in die Oberfläche eines Gussstücks einzubringen, um beispielsweise die Härte der Oberfläche
zu verbessern. So beschreiben
K. Herfurth und S. Pinkert, Technische Zeitschrift für das Gießereiwesen, 19, 1973,
365 - 400, sowie
K. Herfurth, S. Pinkert, K. Nowak, "Oberflächenlegierungen von Stahlguss in der Gießform",
Freiberger Forschungsbericht, B 184 1975, 203 - 215, Pasten, die große Mengen an Übergangsmetallen, wie Chrom, Nickel oder Mangan in
Form von beispielsweise Ferrochrom oder Ferromangan enthalten. Der Anteil dieser Metalle
oder Legierungen an der Paste liegt dabei deutlich über 50 Gew.-%. Daneben ist in
der Paste noch ein Bindemittel enthalten, üblicherweise Wasserglas. Diese Pasten werden
auf Flächen der Gießform aufgetragen, die beim Abguss mit dem flüssigen metallischen
Werkstoff, üblicherweise Stahl, in Berührung kommen. Beim Abguss sollen die in der
Paste enthaltenen Metalle durch die Hitze des flüssigen metallischen Werkstoffs schmelzen
und mit diesem lokal an der Oberfläche des Gussstücks eine Legierung bilden, die dann
als Randschale erstarrt. Je nach Verfahrensführung können dabei Randschalen mit einer
Dicke von bis zu 10 mm erzeugt werden. Diese Randschalen können dann eine sehr hohe
Härte aufweisen. Um eine Gussform herstellen zu können, beispielsweise eine Baggerschaufel,
wäre es mit diesem Verfahren also nicht mehr erforderlich, das gesamte Gussstück aus
der entsprechenden Legierung herzustellen. Vielmehr wäre es ausreichend, lediglich
die besonders beanspruchten Abschnitte der Gussform, beispielsweise die Zähne der
Baggerschaufel, mit Hilfe der in der Paste enthaltenen Legierungsbestandteile gezielt
während des Abgusses aus einer Legierung herzustellen, die eine besonders hohe Härte
der Oberfläche ermöglicht. Problematisch ist bei diesem Verfahren jedoch der unterschiedliche
Schrumpfungskoeffizient der verschiedenen Werkstoffe. Die gehärtete Oberflächenschicht
weist dadurch nicht durchgehend die gleiche Dicke auf oder es werden Unregelmäßigkeiten
der Oberfläche beobachtet, wie Risse, Abplatzungen oder Vertiefungen.
[0009] Beim Eisen- und Stahlguss bilden sich gelegentlich an der Oberfläche des Gussstücks
Fehler aus, wie eine narbige, raue oder vererzte Oberfläche, Abplatzungen, Grübchen,
Löcher oder Pinholes oder es bilden sich weiße oder schwarze Beläge aus. Die Ursachen
für diese Fehler sind noch nicht vollständig verstanden. Man versucht sie zu bekämpfen,
indem man beispielsweise die Gießparameter verändert, das Bindemittelsystem der Gießform
modifiziert oder auch verschiedene Additive zur Schlichte gibt. Der Erfolg dieser
Maßnahmen ist jedoch meist unbefriedigend. Zwar verschwindet der Fehler zunächst.
Er tritt nach einiger Zeit jedoch wieder auf, wobei Zeitpunkt, Intensität und Ausmaß
des Fehlers jedoch nicht vorhergesagt werden kann.
[0010] Die
US 1678931 offenbart eine Beschichtung für Schleudergussformen, deren Hauptbestandteil entweder
Graphit oder eine Eisen-Mangan-Aluminium-Legierung ist. Die Beschichtung bildet mit
dem Gussmetall (Stahl) eine Legierung mit einem erniedrigten Schmelzpunkt aus. Diese
Legierung verzögert das Abkühlen des Gussmetalls an der Formoberfläche, so dass eine
gleichmäßige Verteilung und Abkühlung des Gussstücks erreicht wird.
[0011] Treten die oben beschriebenen Fehler auf, ist eine aufwändige Nachbearbeitung der
Oberfläche des Gussstücks erforderlich, um die gewünschten Oberflächeneigenschaften
zu erreichen. Dies erfordert zusätzliche Arbeitsschritte und damit ein Absinken der
Produktivität bzw. ein Ansteigen der Kosten. Treten die Fehler an Flächen des Gussstücks
auf, die schlecht oder überhaupt nicht zugänglich sind, kann dies auch zu einem Verlust
des Gussstücks führen.
[0012] Der Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde, Maßnahmen vorzuschlagen, durch welche
beim Metallguss eine Verbesserung der Oberfläche des Gussstücks erreicht werden kann,
sodass das Ausmaß der Oberflächenbearbeitung des Gussstücks nach dem Abguss verringert
werden kann.
[0013] Diese Aufgabe wird mit einer Schlichtezusammensetzung mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der erfindungsgemäßen Schlichtezusammensetzung
sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0014] Überraschend wurde gefunden, dass bei Zugabe eines bestimmten metallischen Additivs
zu einer Schlichtezusammensetzung die Qualität der Oberfläche des Gussstücks nachhaltig
verbessert werden kann, und beispielsweise eine Narbenbildung auf der Oberfläche des
Gussstücks weitgehend bis vollständig unterdrückt wird. Dabei wird nicht beobachtet,
dass größere Mengen des metallischen Additivs bzw. seiner Komponenten in das Gussstück
übertreten. Es treten daher auch keine Schwierigkeiten durch unterschiedliche Ausdehnungs-
bzw. Schrumpfungskoeffizienten zwischen Gussstück und Randschale auf.
[0015] Das in der Schlichtezusammensetzung enthaltene metallische Additiv enthält erfindungsgemäß
zumindest ein Metall oder eine Verbindung eines Metalls, wobei das Metall ausgewählt
ist aus der Gruppe umfassend Mangan und Kupfer.
[0016] Das metallische Additiv kann ein Metall enthalten, also das Metall in der oxidationsstufe
Null, wobei das Metall sowohl in reiner Form eingesetzt werden kann oder auch in Form
einer Legierung mit anderen Metallen. Das metallische Additiv kann aber auch in Form
eines oxidierten Metalls vorliegen, also in Form eines Oxids oder eines Salzes, wie
eines Carbonates, eines Nitrats oder Chlorids, wobei das Oxid bevorzugt ist.
[0017] An sich ist bevorzugt, das Metall in reduzierter Form, also in der Oxidationsstufe
Null einzusetzen.
[0018] Es können mehrere der genannten Metalle bzw. Verbindungen dieser Metalle im metallischen
Additiv enthalten sein. Bevorzugt ist jedoch nur eines der Metalle, in reduzierter
oder oxidierter Form, im metallischen Additiv enthalten.
[0019] Es werden im metallischen Additiv Metalle bzw. deren Verbindungen verwendet, die
aus der Gruppe von Mangan und Kupfer ausgewählt sind.
[0020] Das metallische Additiv kann lediglich aus den genannten Metallen bzw. deren Verbindungen
gebildet sein. Es ist aber auch möglich, dass neben diesen Metallen bzw. deren Verbindungen
noch weitere Metalle bzw. Verbindungen im metallischen Additiv enthalten sind.
[0021] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das Metall oder die metallische Verbindung,
berechnet als Metall und bezogen auf das Gewicht des metallischen Additivs, in einem
Anteil von zumindest 10 Gew.-%, vorzugsweise in einem Anteil von zumindest 20 Gew.-%,
bevorzugt in einem Anteil von zumindest 30 Gew.-%, besonders bevorzugt in einem Anteil
von zumindest 40 Gew.-%, insbesondere bevorzugt in einem Anteil von zumindest 50 Gew.-%
in dem metallischen Additiv enthalten.
[0022] Gemäß einer Ausführungsform wird das metallische Additiv nur von zumindest einem
der genannten Metalle, insbesondere Mangan oder Kupfer, gebildet. Es ist aber gemäß
einer Ausführungsform ausreichend, wenn das Metall bzw. seine Verbindung in einem
Anteil von weniger als 90 Gew.-%, gemäß einer weiteren Ausführungsform in einem Anteil
von weniger als 80 Gew.-%, gemäß noch einer weiteren Ausführungsform in einem Anteil
von weniger als 70 Gew-% in dem metallischen Additiv enthalten ist.
[0023] Die Schlichtezusammensetzung kann neben dem metallischen Additiv noch weitere für
Schlichten übliche Bestandteile enthalten. Um einen nachhaltigen Einfluss auf die
Oberfläche des Gussstücks zu erzielen ist gemäß einer bevorzugten Ausführungsform
vorgesehen, dass das metallische Additiv, bezogen auf den Feststoffanteil der Schlichtezusammensetzung,
in einem Anteil von zumindest 10 Gew.-%, bevorzugt zumindest 15 Gew.-%, besonders
bevorzugt zumindest 20 Gew.-% in der Schlichtezusammensetzung enthalten ist.
[0024] Wie bereits erläutert, soll mit der Schlichte nicht bevorzugt eine Legierung einer
Oberflächenschicht eines Gussstücks erreicht werden sondern die Oberfläche bzw. eine
Randschale soll im Wesentlichen die gleiche Zusammensetzung aufweisen, wie Abschnitte
des Gussstücks, die beabstandet zur Oberfläche des Gussstücks, d.h. in dessen Volumen
angeordnet sind.
[0025] Es ist daher vorgesehen, dass der Anteil des metallischen Additivs an der Schlichtezusammensetzung,
bezogen auf den Feststoffgehalt der Schlichtezusammensetzung, geringer als 50 Gew.-%,
vorzugsweise geringer als 40 Gew.-%, besonders bevorzugt geringer als 35 Gew.-% gewählt
ist.
[0026] Wie bereits erläutert, kann das metallische Additiv lediglich zumindest eines der
oben erwähnten Metalle enthalten, bevorzugt zumindest eines der Metalle Mangan oder
Kupfer. Es ist jedoch gemäß einer Ausführungsform auch möglich, dass das zumindest
eine Metall in Form einer Legierung in dem metallischen Additiv enthalten ist. Gemäß
einer Ausführungsform ist das Metall in Form einer Eisenlegierung in dem metallischen
Additiv enthalten. Der Anteil des Eisens an dem metallischen Additiv, berechnet als
elementares Eisen, wird bevorzugt im Bereich von 20 bis 80 Gew.-%, vorzugsweise 30
bis 70 Gew.-% gewählt.
[0027] Neben dem Metall und dem Eisen kann die Legierung auch noch weitere Bestandteile
enthalten.
[0028] Gemäß einer weiteren Ausführungsform enthält das metallische Additiv Aluminium als
Bestandteil, wobei der Anteil des Aluminiums am metallischen Additiv, berechnet als
elementares Aluminium, vorzugsweise geringer als 10 Gew.-%, bevorzugt geringer als
8 Gew.-% gewählt wird. Gemäß einer Ausführungsform enthält des metallische Additiv
Aluminium in einem Anteil von mehr als 2 Gew.-%. Gemäß einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Schlichte umfasst metallische Additiv einen Anteil an Aluminium im Bereich von 2 bis
8 Gew.-%, vorzugsweise 3 bis 6 Gew.-%, insbesondere bevorzugt 3 bis 5 Gew.-%.
[0029] Das metallische Additiv kann gemäß einer Ausführungsform auch in Form einer Siliziumlegierung
verwendet werden. Der Siliciumanteil einer solchen Siliciumlegierung wird dabei bevorzugt
im Bereich von 20 bis 80 Gew.-%, insbesondere bevorzugt 50 bis 70 Gew.-% gewählt.
[0030] Das metallische Additiv kann noch weitere Bestandteile umfassen, insbesondere Metalle,
wobei deren Anteil vorzugsweise geringer als 2 Gew.-%, bevorzugt geringer als 1 Gew.-%
gewählt wird.
[0031] Diese weiteren Bestandteile sind bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe von Cer, Magnesium,
Chrom, Molybdän.
[0032] Die Anteile dieser Legierungsbestandteile betragen bevorzugt zwischen 0,01 und 2
Gew.-%, bevorzugt 0,1 bis 1 Gew.-% bezogen auf das metallische Additiv. Als weiteren
Legierungsbestandteil kann das metallische Additiv auch Calcium enthalten. Der Gehalt
an Calcium wird dabei bevorzugt im Bereich von 0,2 bis 2 Gew.-%, insbesondere bevorzugt
0,5 bis 1,5 Gew.-% gewählt.
[0033] Die Korngröße des metallischen Additivs sollte bevorzugt nicht zu gering gewählt
sein, insbesondere wenn die Metalle, bevorzugt Mangan und Kupfer, in elementarer Form
in dem metallischen Additiv enthalten sind, da dann eine erhöhte Gefahr besteht, dass
das metallische Additiv mit weiteren Komponenten der Schlichtezusammensetzung reagiert
und beispielsweise oxidiert wird. Andererseits sollte die Korngröße bevorzugt nicht
zu groß gewählt werden, da sonst das metallische Additiv beispielsweise in der Schlichtezusammensetzung
absinken kann und damit ein inhomogener Auftrag des metallischen Additivs auf die
Fläche einer Gießform erfolgt.
[0034] Das metallische Additiv weist vorzugsweise eine mittlere Korngröße (D
50) von weniger als 0,5 mm bevorzugt weniger als 0,4 mm, besonders bevorzugt weniger
als 0,3 mm auf. Die mittlere Korngröße (D
50) lässt sich beispielsweise durch Siebanalyse oder durch Lasergranulometrie ermitteln.
Das in der erfindungsgemäßen Schlichte enthaltene metallische Additiv weist gewöhnlich
eine relativ hohe Dichte auf und sinkt daher in der Schlichte rasch ab. Dieses Absinken
kann zwar durch Zugabe eines Stellmittels abgebremst werden. Durch eine Verkleinerung
der Korngröße kann jedoch das Absinken des Impfmittels weiter verringert werden, so
dass das Impfmittel homogen in der Schlichte suspendiert verbleibt. Als weiterer Vorteil
verstopft bei Verwendung einer Sprühvorrichtung zum Aufbringen der Schlichte die Düse
der Sprühvorrichtung bei Verwendung eines metallischen Additivs mit feiner Körnung
weniger leicht. Insbesondere bevorzugt weist das Impfmittel eine mittlere Korngröße
von weniger 0,3 mm auf. Mit abnehmender Körnung nimmt jedoch die spezifische Oberfläche
des metallischen Additivs zu und damit auch die Reaktivität mit der in der Schlichte
enthaltenen Flüssigkeit, beispielsweise Wasser. Bei einer Reaktion des metallischen
Additivs mit beispielsweise Wasser wird eine Gasbildung beobachtet, was zu einer Schaumbildung
führt. Die Schlichte lässt sich dann nicht mehr zuverlässig pumpen bzw. versprühen.
Vorzugsweise wird daher die mittlere Korngröße größer als 50 µm, insbesondere bevorzugt
größer als 80 µm gewählt. Besonders bevorzugt wird das metallische Additiv mit einer
Körnung im Bereich von 20 bis 1000 µm, weiter bevorzugt von 80 bis 300 µm verwendet.
[0035] Die erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung wird bevorzugt in Form einer Paste
oder einer Suspension bereitgestellt. Bei dieser Ausführungsform enthält die Schlichtezusammensetzung
eine Trägerflüssigkeit. Diese Trägerflüssigkeit wird geeignet so ausgewählt, dass
sie bei den im Metallguss üblichen Bedingungen vollständig verdampft werden kann.
Die Trägerflüssigkeit sollte daher bevorzugt bei Normaldruck einen Siedepunkt von
weniger als etwa 130°C, vorzugsweise weniger als 110°C aufweisen.
[0036] Die Trägerflüssigkeit kann anteilig oder vollständig von Wasser gebildet sein. Insbesondere
wenn das metallisch Additiv jedoch in Form elementarer Metalle bzw. einer Legierung
elementarer Metalle vorliegt, wird jedoch gelegentlich eine Oxidation des metallischen
Additivs beobachtet. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform enthält die Schlichtezusammensetzung
daher ein Lösungsmittel, welches zumindest zu einem Anteil von einem organischen Lösungsmittel
gebildet wird.
[0037] Die Oxidation des metallischen Additivs wird durch einen hohen Anteil des organischen
Lösungsmittels, beispielsweise eines Alkohols, an der Trägerflüssigkeit zurückgedrängt.
Als weiterer Vorteil lässt sich die Schlichte nach dem Auftrag sehr leicht trocknen,
indem das Lösungsmittel abgebrannt wird.
[0038] Sofern ein organisches Lösungsmittel in der Schlichtezusammensetzung enthalten ist,
so wird dessen Anteil an der Trägerflüssigkeit vorzugsweise größer als 20 Gew.-%,
bevorzugt größer als 30 Gew.-%, besonders bevorzugt größer als 40 Gew.-% gewählt.
[0039] Die Trägerflüssigkeit kann vollständig von dem organischen Lösungsmittel gebildet
sein. Gemäß einer Ausführungsform kann der Anteil des organischen Lösungsmittels an
der Trägerflüssigkeit jedoch auch kleiner gewählt werden. Gemäß einer Ausführungsform
beträgt der Anteil des organischen Lösungsmittels an der Trägerflüssigkeit weniger
als 90 Gew.-%, gemäß einer weiteren Ausführungsform weniger als 80 Gew.-% und gemäß
einer weiteren Ausführungsform weniger als 70 Gew.-%.
[0040] Geeignete Lösungsmittel sind beispielsweise aliphatische, cycloaliphatische oder
aromatische Kohlenwasserstoffe, die bevorzugt 5 bis 15 Kohlenstoffe umfassen, Ester
aliphatischer Carbonsäuren, wobei die Carbonsäuren bevorzugt 2 bis 20 Kohlenstoffatome
und die Alkoholkomponente des Esters bevorzugt 1 bis 4 Kohlenstoffatome umfasst. Weitere
bevorzugt organische Lösungsmittel sind beispielsweise Ketone mit vorzugsweise 4 bis
20 Kohlenstoffatomen. Weiter sind Ether als Lösungsmittel geeignet, wobei hier auch
Polyglykole verwendet werden können.
[0041] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das Lösungsmittel zumindest anteilig
von zumindest einem Alkohol gebildet, der vorzugsweise 1 bis 10 Kohlenstoffatome umfasst.
Beispielhafte Alkohole sind Ethanol, n-Propanol, Isopropanol und Butanol.
[0042] Sofern ein Alkohol als Bestandteil der Trägerflüssigkeit verwendet wird, wird dessen
Anteil, bezogen auf das Gewicht der Trägerflüssigkeit, vorzugsweise größer als 50
Gew.-%, bevorzugt größer als 60 Gew.-% gewählt.
[0043] Neben den bereits genannten Bestandteilen kann die erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung
weitere für Schlichten übliche Bestandteile enthalten.
[0044] So umfasst die erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung gemäß einer bevorzugten
Ausführungsform zumindest einen pulverförmiger Feuerfeststoff. Dieser Feuerfeststoff
dient dazu, die Poren in einer Gießform gegen das Eindringen des flüssigen Metalls
zu verschließen. Weiter wird durch den Feuerfeststoff eine thermische Isolierung zwischen
Gießform und flüssigem Metall erreicht. Als Feuerfeststoff können im Metallguss übliche
Feuerfeststoffe verwendet werden. Beispiele für geeignete Feuerfeststoffe sind Quarz,
Aluminiumoxid, Zirkonoxid, Aluminiumsilicate, wie Pyropyllit, Kyanit, Andalusit oder
Schamotte, Zirkonsande, Zikonsilikate, Olivin, Talk, Glimmer, Grafit, Koks, Feldspat,
Diatomit, Kaoline, kalzinierte Kaoline, Kaolinit, Metakaolinit, Eisenoxid, Bauxit.
[0045] Der Feuerfeststoff wird in Pulverform bereitgestellt. Die Korngröße wird dabei so
gewählt, dass in der Beschichtung ein stabiles Gefüge entsteht und dass sich die Schlichte
vorzugsweise mit einer Sprühvorrichtung problemlos auf der Wand der Gießform verteilen
lässt. Geeignet weist der Feuerfeststoff eine mittlere Korngröße im Bereich von 0,1
bis 500 µm, insbesondere bevorzugt im Bereich von 1 bis 200 µm auf. Als Feuerfeststoff
sind insbesondere Materialien geeignet, welche einen Schmelzpunkt aufweisen, der zumindest
200°C oberhalb der Temperatur des flüssigen Metalls liegt und die keine Reaktion mit
dem Metall eingehen.
[0046] Der Anteil des Feuerfeststoffs, bezogen auf den Feststoffanteil der Schlichtezusammensetzung,
wird vorzugsweise größer als 10 Gew.-%, bevorzugt größer als 20 Gew.-%, besonders
bevorzugt größer als 30 Gew.-% gewählt. Gemäß einer Ausführungsform wird der Anteil
des Feuerfeststoffs geringer als 80 Gew.-%, gemäß einer weiteren Ausführungsform geringer
als 70 Gew.-% und gemäß einer weiteren Ausführungsform geringer als 60 Gew.-% gewählt.
[0047] Die erfindungsgemäße Schlichte kann gemäß einer Ausführungsform mindestens ein Stellmittel
umfassen. Das Stellmittel bewirkt eine Erhöhung der Viskosität der Schlichte, so dass
die festen Bestandteile der Schlichte in der Suspension nicht bzw. nur in geringem
Ausmaß absinken. Zur Erhöhung der Viskosität können sowohl organische als auch anorganische
Materialien oder Gemische dieser Materialien eingesetzt werden. Geeignete anorganische
Stellmittel sind beispielsweise starke quellfähige Tone.
[0048] Um ein Absinken der festen Bestandteile der Schlichte zu verhindern und gleichzeitig
einen gleichmäßigen Auftrag auf der Gießform erreichen zu können, wird die Viskosität
der Schlichte vorzugsweise im Bereich von 1000 bis 3000 mPas, insbesondere bevorzugt
1200 bis 2000 mPas gewählt.
[0049] Das metallische Additiv kann dann annähernd homogen in der Schlichte verteilt und
daher auch gleichmäßig auf eine Wand einer Gießform aufgebracht werden. Dadurch lässt
sich die Menge an metallischem Additiv, welches auf der Oberfläche der Gießform aufgebracht
wird, sehr genau steuern.
[0050] Als hochquellfähiges Schichtsilikat können sowohl Zwei-Schicht-Silikate als auch
Drei-Schicht-Silikate verwendet werden, wie z.B. Attapulgit, Serpentine, Kaoline,
Smektite, wie Saponit, Montmorillonit, Beidellit und Nontronit, Vermiculit, Illit,
Hectorit und Glimmer. Hectorit verleiht der Schlichte auch thixotrope Eigenschaften,
wodurch die Ausbildung der Schutzschicht auf der Gießform erleichtert wird, da die
Schlichte nach dem Aufbringen nicht mehr fließt. Da Schichtsilicate in den Zwischenschichten
Wasser enthalten, welches beim Aufbringen der Schlichte auf die heiße Gießform, welche
eine Temperatur im Bereich von etwa 250 bis 350°C aufweist, nicht verdampft, wird
die Menge des Tons vorzugsweise möglichst gering gewählt. Die Menge des hochquellfähigen
Schichtsilicats wird bevorzugt im Bereich von 0,01 bis 5,0 Gew.-%, insbesondere bevorzugt
im Bereich von 0,1 bis 1,0 Gew.-% ausgewählt, bezogen auf Feststoffgehalt der Schlichte.
[0051] Vorzugsweise werden als Stellmittel organische Verdickungsmittel ausgewählt, da diese
nach dem Aufbringen der Schutzbeschichtung soweit getrocknet werden können, dass sie
beim Kontakt mit dem flüssigen Metall kaum noch Wasser abgeben. Als organische Stellmittel
kommen beispielsweise quellfähige Polymere in Frage, wie Carboxymethyl-, Methyl-,
Ethyl-, Hydroxyethyl- und Hydroxyproylcellulose, Pflanzenschleime, Polyvinylalkohole,
Polyvinylpyrrolidon, Pektin, Gelatine, Agar Agar und Polypeptiden, Alginaten.
[0052] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform umfasst die erfindungsgemäße Schlichte als
weiteren Bestandteil zumindest ein Bindemittel. Das Bindemittel ermöglicht eine bessere
Fixierung der Schlichte bzw. des aus der Schlichte hergestellten Schutzüberzugs auf
der Wand der Gießform. Außerdem wird durch das Bindemittel die mechanische Stabilität
der Schutzbeschichtung erhöht, so dass eine geringere Erosion unter der Einwirkung
des flüssigen Metalls beobachtet wird. Vorzugsweise härtet das Bindemittel irreversibel
aus, sodass eine abriebfeste Beschichtung erhalten wird. Insbesondere bevorzugt sind
Bindemittel, die bei Kontakt mit Luftfeuchtigkeit nicht rückerweichen. Es können an
sich alle Bindemittel enthalten sein, die in Schlichten verwendet werden. Dabei können
sowohl anorganische als auch organische Bindemittel verwendet werden. Als Bindemittel
können beispielsweise Tone werden, insbesondere Bentonit.
[0053] Bevorzugt werden härtbare Bindemittel verwendet. Zum Beispiel kann bei Acrylatsystemen
eine Härtung durch Radikalbildner erreicht werden, die bei Bestrahlung mit hochenergetischer
Strahlung, beispielsweise ultraviolette Strahlung unter Bildung von Radikalen zerfallen.
[0054] Andere beispielhafte Bindemittel sind Stärke, Dextrin, Peptide, Polyvinylalkohol,
Polyvinylacetatcopolymere, Polyacrylsäure, Polystyrol- und/oder Polyvinylacetat-Polyacylatdispersionen.
Allgemein werden bevorzugt Bindemittelsysteme verwendet, die sich in wässrigen, alkoholischen
oder wässrig-alkoholischen Systemen einsetzen lassen und die nach dem Aushärten unter
Einwirkung von Luftfeuchtigkeit nicht rückerweichen.
[0055] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird als Bindemittel ein Alkydharz verwendet,
wobei dieses vorzugsweise so ausgewählt wird, dass es sowohl in Wasser als auch in
niedrigen Alkoholen, die bevorzugt 2 bis 4 Kohlenstoffatome aufweisen, wie Ethanol,
n-Propanol und Isopropanol, löslich ist.
[0056] Gemäß einer weiteren Ausführungsform enthält die erfindungsgemäße Beschichtungsmasse
Kieselsol als Bindemittel. Das Kieselsol wird bevorzugt durch Neutralisieren von Wasserglas
hergestellt. Die erhaltene amorphe Kieselsäure weist dabei bevorzugt eine spezifische
Oberfläche im Bereich von 10 bis 1000 m
2/g, insbesondere bevorzugt im Bereich von 30 bis 300 m
2/g auf.
[0057] Der Anteile des Bindemittels wird bevorzugt im Bereich von 0,1 bis 20 Gew.-%, besonders
bevorzugt 0,5 bis 5 Gew.-%, bezogen auf das Feststoffgewicht der Schlichtezusammensetzung
gewählt.
[0058] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthält die Schlichte einen Anteil
an Graphit. Dies unterstützt die Ausbildung von Lamellenkohlenstoff an der Grenzfläche
zwischen Gussstück und Gießform. Der Anteil des Graphits wird vorzugsweise im Bereich
von 1 bis 30 Gew.-%, insbesondere bevorzugt 5 bis 15 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht
der Schlichte, gewählt.
[0059] Die erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung kann gegebenenfalls auch noch weitere,
für Schlichten übliche Komponenten enthalten, wie beispielsweise Netzmittel, Entschäumer,
Pigmente, Farbstoffe oder Biozide. Der Anteil dieser weiteren Bestandteile an der
gebrauchsfertigen Beschichtungsmasse wird bevorzugt geringer als 1 Gew.-% gewählt.
[0060] Als Netzmittel können beispielsweise anionische und nichtanionische Tenside mittlerer
und hoher Polarität verwendet werden, welche einen HSB-Wert von mindestens 7 aufweisen.
Ein Beispiel für ein derartiges Netzmittel ist Dinatrium-dioctylsulfosuccinat. Das
Netzmittel wird vorzugsweise in einer Menge von 0,01 bis 1 Gew.-%, bevorzugt 0,05
bis 0,3 Gew.-%, bezogen auf die gebrauchsfertige Schlichtezusammensetzung eingesetzt.
[0061] Entschäumer oder Antischaummittel können verwendet werden, um bei der Herstellung
der Schlichtezusammensetzung oder beim Auftragen derselben eine Schaumbildung zu verhindern.
Schaumbildung beim Auftragen der Schlichtezusammensetzung kann zu einer ungleichmäßigen
Schichtdicke und zu Löchern in der Beschichtung führen. Als Entschäumer können beispielsweise
Silikon- oder Mineralöl verwendet werden. Vorzugsweise ist der Entschäumer in einer
Menge von 0,01 bis 1 Gew.-%, bevorzugt von 0,05 bis 0,3 Gew.-% enthalten, bezogen
auf die gebrauchsfertige Schlichtezusammensetzung.
[0062] In der erfindungsgemäßen Schlichtezusammensetzung können gegebenenfalls üblicherweise
verwendete Pigmente und Farbstoffe verwendet werden. Diese werden zugesetzt, um einen
anderen Kontrast, z.B. zwischen verschiedenen Schichten zu erreichen, beziehungsweise
einen stärkeren Trenneffekt der Schlichte vom Guss zu bewirken. Beispiele für Pigmente
sind rotes und gelbes Eisenoxid sowie Graphit. Beispiele für Farbstoffe sind handelsübliche
Farbstoffe wie die Luconyl
® Farbreihe der BASF AG, Ludwigshafen, DE. Die Farbstoffe und Pigmente sind vorzugsweise
in einer Menge von 0,01 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise von 0,1 bis 5 Gew.-% enthalten,
bezogen auf den Feststoffgehalt der Schlichtezusammensetzung.
[0063] Gemäß einer weiteren Ausführungsform enthält die Schlichtezusammensetzung ein Biozid,
um einen bakteriellen Befall zu verhindern und damit einen negativen Einfluss auf
die Rheologie und die Bindekraft der Bindungsmittel zu vermeiden. Dies ist insbesondere
bevorzugt, wenn die in der Schlichtezusammensetzung enthaltene Trägerflüssigkeit im
Wesentlichen aus Wasser gebildet wird, also die erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung
in Form einer sogenannten Wasserschlichte bereitgestellt wird. Beispiele für geeignete
Biozide sind Formaldehyd, 2-Methyl-4-isothiazolin-3-on (MIT), 5-Chlor-2-methyl-4-iosthiazolin-3-on
(CIT) und 1,2-Benzisothiazolin-3-on (BIT). Vorzugsweise werden MIT, BIT oder ein Gemisch
davon eingesetzt. Die Biozide werden üblicherweise in einer Menge von 10 bis 1000
ppm, vorzugsweise von 50 bis 500 ppm verwendet, bezogen auf das Gewicht der gebrauchsfertigen
Schlichtezusammensetzung.
[0064] Der Feststoffgehalt der gebrauchsfertigen Schlichtezusammensetzung wird vorzugsweise
im Bereich von 10 bis 60 Gew.-%, bevorzugt 20 bis 50 Gew.-% gewählt.
[0065] Die erfindungsgemäßen Schlichtezusammensetzung kann nach üblichen Verfahren hergestellt
werden. Beispielsweise kann eine erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung hergestellt
werden, indem Wasser vorgelegt und hierin ein als Stellmittel wirkender Ton unter
Verwendung eines hochscherenden Rührers aufgeschlossen wird. Anschließend werden die
Feuerfestkomponenten, Pigmente und Farbstoffe sowie das metallische Additiv eingerührt,
bis eine homogene Mischung entsteht. Zum Schluss werden Netz-, Antischaummittel, Biozide
und Bindemittel eingerührt.
[0066] Die erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung kann als gebrauchsfertig formulierte
Schlichte hergestellt und vertrieben werden. Die erfindungsgemäße Schlichte kann aber
auch in konzentrierter Form hergestellt und vertrieben werden. Im diesem Fall wird
zur Bereitstellung einer gebrauchsfertigen Schlichte die Menge der Trägerflüssigkeit
zugegeben, die nötig ist, um die gewünschte Viskosität und Dichte der Schlichte einzustellen.
Darüber hinaus kann die erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung auch in Form eines
Kits bereitgestellt und vertrieben werden, wobei z.B. die Feststoffkomponenten und
die Lösungsmittelkomponente nebeneinander in getrennten Behältnissen vorliegen. Die
Feststoffkomponenten können als pulverförmiges Feststoffgemisch in einem separaten
Behältnis bereitgestellt werden. Gegebenenfalls zu verwendende weitere flüssige Komponenten,
wie z.B. Bindemittel, Netzmittel, Netzer/Entschäumer, Pigmente, Farbstoffe und Biozide,
können in diesem Kit wiederum in einem getrennten Behältnis vorliegen. Die Lösungsmittelkomponente
kann entweder die gegebenenfalls zusätzlich zu verwendenden Komponenten umfassen,
z.B. in einem gemeinsamen Behältnis, oder sie kann getrennt von weiteren optionalen
Bestandteilen in einem separaten Behältnis vorhanden sein. Zur Herstellung einer gebrauchsfertigen
Schlichte werden die geeigneten Mengen der Feststoffkomponente, der optionalen weiteren
Komponenten und der Lösungsmittelkomponente miteinander vermengt. Eine erfindungsgemäße
Schlichte umfasst im gebrauchsfertigen Zustand vorzugsweise einen Feststoffgehalt
von 20 bis 80 Gew.-%, vorzugsweise 30 bis 70 Gew.-%, bezogen auf die gebrauchsfertige
Schlichtezusammensetzung. Es ist ferner auch möglich, eine erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung
bereitzustellen, deren Lösungsmittelkomponente zunächst nur aus Wasser besteht. Durch
Zugabe beispielsweise eines flüchtigen Alkohols oder Alkoholgemischs, vorzugsweise
Ethanol, Propanol, Isopropanol und Gemische davon, in vorzugsweise Mengen von 40 bis
200 Gew.-% bezogen auf die Wasserschlichte kann aus dieser Wasserschlichte eine gebrauchsfertige
Alkoholschlichte bereitgestellt werden. Der Feststoffgehalt einer solchen Alkoholschlichte
beträgt dabei vorzugsweise 20 bis 60 Gew.-%, bevorzugt 30 bis 40 Gew.-%.
[0067] Je nach gewünschter Verwendung der Schlichtezusammensetzung, z.B. als Grundbeschichtung
oder als Deckbeschichtung, und gewünschter Schichtdicke der aus der Schlichtezusammensetzung
hergestellten Beschichtung können weitere charakteristische Parameter der Schlichtezusammensetzung
eingestellt werden. So weisen erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzungen, die zur
Beschichtung von Formen und Kernen in der Gießereitechnik verwendet werden, in einer
bevorzugten Ausführungsform eine Viskosität von 11 bis 25 s, stärker bevorzugt 12
bis 15 s auf (bestimmt nach DIN 53211; Auslaufbecher 4mm, Ford-Cup). Bevorzugte Dichten
einer gebrauchsfertige Schlichtezusammensetzung liegen im Bereich von 0 bis 120°Bé,
stärker bevorzugt von 30 bis 50°Bé (bestimmt nach der Baume-Auftriebsmethode; DIN
12791).
[0068] Die erfindungsgemäßen Schlichtezusammensetzungen eignen sich zum Beschichten von
Gießformen. Der hier verwendete Ausdruck "Gießform" umfasst alle Arten von Körpern,
welche zur Herstellung eines Gussstücks notwendig sind, wie etwa Kerne, Formen und
Kokillen. Die erfindungsgemäße Verwendung der Schlichtezusammensetzungen umfasst auch
ein teilweises Beschichten von Gießformen.
[0069] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung betrifft daher ein Verfahren zur Herstellung
einer Gießform, wobei zumindest ein in der Gießform vorgesehener Formhohlraum mit
der erfindungsgemäßen Schlichtezusammensetzung beschichtet wird.
[0070] Dabei wird:
- eine Formstoffmischung bereitgestellt, welche zumindest einen feuerfesten Formstoff
und ein Bindemittel enthält,
- die Formstoffmischung zu einer Grundform geformt, welche einen Formhohlraum umfasst;
und
- zumindest die Flächen des Formhohlraums der Grundform mit einer Schlichtezusammensetzung
beschichtet, wie sie oben beschrieben wurde.
[0071] Zunächst wird in an sich bekannter Weise aus einer Formstoffmischung eine Grundform
hergestellt. Zur Herstellung der Formstoffmischung wird ein feuerfester Formstoff
mit einem Bindemittel vermischt und dann zu einer Grundform oder zu einem Teilstück
einer Grundform geformt. Die Grundform entspricht in ihrer Form im Wesentlichen der
Gießform bzw. einem Teil der Gießform. Sie weist jedoch noch keine Beschichtung mit
einer Schlichte auf.
[0072] Als feuerfester Formstoff können an sich alle feuerfesten Stoffe verwendet werden,
die für die Herstellung von Formkörpern für die Gießereiindustrie üblich sind. Beispiele
geeigneter feuerfester Formstoffe sind Quarzsand, Zirkonsand, Olivinsand, Aluminiumsilikatsand
und Chromerzsand bzw. deren Gemische. Bevorzugt wird Quarzsand verwendet. Der feuerfeste
Formstoff sollte eine ausreichende Partikelgröße aufweisen, so dass der aus der Formstoffmischung
hergestellte Formkörper eine ausreichend hohe Porosität aufweist, um ein Entweichen
flüchtiger Verbindungen während des Gießvorgangs zu ermöglichen. Bevorzugt weisen
mindestens 70 Gew.-%, insbesondere bevorzugt mindestens 80 Gew.-% des feuerfesten
Formstoffs eine Partikelgröße ≤ 290 µm auf. Die durchschnittliche Partikelgröße des
feuerfesten Formstoffs soll vorzugsweise zwischen 100 und 350 µm betragen. Die Partikelgröße
lässt sich beispielsweise durch Siebanalyse ermitteln. Der feuerfeste Formstoff soll
in rieselfähiger Form vorliegen, sodass sich ein Bindemittel oder ein flüssiger Katalysator
beispielsweise in einem Mischer gut auf die Körner des feuerfesten Formstoffs auftragen
lässt.
[0073] Gemäß einer Ausführungsform können als feuerfester Formstoff regenerierte Altsande
verwendet werden. Aus dem Altsand werden größere Aggregate entfernt und der Altsand
ggf. kornvereinzelt. Nach einer mechanischen bzw. thermischen Behandlung werden die
Altsande entstaubt und können dann wiederverwendet werden. Vor der erneuten Verwendung
wird bevorzugt die Säurebilanz des regenerierten Altsandes geprüft. Insbesondere während
einer thermischen Regenerierung können im Sand enthaltene Nebenprodukte, wie Carbonate,
in die entsprechenden Oxide umgewandelt werden, die dann alkalisch reagieren. Werden
Bindemittel verwendet, die unter Katalyse durch eine Säure ausgehärtet werden, kann
in diesem Fall die als Katalysator zugesetzte Säure durch die alkalischen Komponenten
des regenerierten Altsandes neutralisiert werden. Ebenso kann, beispielsweise bei
einer mechanischen Regenerierung eines Altsandes, Säure im Altsand verbleiben, welche
bei der Herstellung des Bindemittels berücksichtigt werden muss, da sonst beispielsweise
die Verarbeitungszeit der Formstoffmischung verkürzt werden kann.
[0074] Der feuerfeste Formstoff sollte trocken sein. Vorzugsweise enthält der feuerfeste
Formstoff weniger als 1 Gew.-% Wasser. Um eine vorzeitige Aushärtung des Bindemittels
durch die Einwirkung von Wärme zu verhindern, sollte der feuerfeste Formstoff nicht
zu warm sein. Bevorzugt sollte der feuerfeste Formstoff eine Temperatur im Bereich
von 20 bis 35 °C aufweisen. Ggf. kann der feuerfeste Formstoff gekühlt bzw. erwärmt
werden.
[0075] Als Bindemittel können an sich alle Bindemittel verwendet werden, wie sie für die
Herstellung von Gießformen für den Metallguss üblich sind. Es können sowohl anorganische
als auch organische Bindemittel verwendet werden. Als anorganisches Bindemittel kann
beispielsweise Wasserglas verwendet werden, welches thermisch oder durch Einleiten
von Kohlendioxid ausgehärtet werden kann. Beispielhafte organische Bindemittel sind
Polyurethan-No-Bake- und Cold-Box-Bindmittel, Bindemittel auf der Basis von Furanharzen
oder Phenolharzen, oder auch Epoxy-Acrylatbindemittel.
[0076] Bindemittel auf der Basis von Polyurethanen sind im Allgemeinen aus zwei Komponenten
aufgebaut, wobei eine erste Komponente ein Phenolharz und eine zweite Komponente ein
Polyisocyanat enthält. Diese beiden Komponenten werden mit dem feuerfesten Formstoff
gemischt und die Formstoffmischung durch Rammen, Blasen, Schießen oder ein anderes
Verfahren in eine Form gebracht, verdichtet und anschließend ausgehärtet. Je nach
dem Verfahren, mit welchem der Katalysator in die Formstoffmischung eingebracht wird,
unterscheidet man zwischen dem "Polyurethan-No-Bake-Verfahren" und dem "Polyurethan-Cold-Box-Verfahren".
[0077] Beim No-Bake-Verfahren wird ein flüssiger Katalysator, im Allgemeinen ein flüssiges
tertiäres Amin, in die Formstoffmischung eingebracht, ehe diese in eine Form gebracht
und ausgehärtet wird. Für die Herstellung der Formstoffmischung werden Phenolharz,
Polyisocyanat und Aushärtungskatalysator mit dem feuerfesten Formstoff gemischt. Dabei
kann beispielsweise in der Weise vorgegangen werden, dass der feuerfeste Formstoff
zunächst mit einer Komponente des Bindemittels umhüllt wird, und dann die andere Komponente
zugegeben wird. Der Aushärtungskatalysator wird dabei einer der Komponenten zugegeben.
Die fertig zubereitete Formstoffmischung muss eine ausreichend lange Verarbeitungszeit
aufweisen, sodass die Formstoffmischung ausreichend lange plastisch verformt und zu
einem Formkörper verarbeitet werden kann. Die Polymerisation muss dazu entsprechend
langsam verlaufen, sodass nicht bereits in den Vorratsbehältern oder Zuführungsleitungen
eine Aushärtung der Formstoffmischung erfolgt. Andererseits darf die Aushärtung nicht
zu langsam erfolgen, um einen ausreichend hohen Durchsatz bei der Herstellung von
Gießformen zu erreichen. Die Verarbeitungszeit kann beispielsweise durch Zugabe von
Verzögerern beeinflusst werden, welche die Aushärtung der Formstoffmischung verlangsamen.
Ein geeigneter Verzögerer ist beispielsweise Phosphoroxychlorid.
[0078] Beim Cold-Box-Verfahren wird die Formstoffmischung zunächst ohne Katalysator in eine
Form gebracht. Durch die Formstoffmischung wird anschließend ein gasförmiges tertiäres
Amin geleitet, welches gegebenenfalls mit einem inerten Trägergas versetzt sein kann.
Bei Kontakt mit dem gasförmigen Katalysator bindet das Bindemittel sehr schnell ab,
so dass ein hoher Durchsatz bei der Herstellung von Gießformen erzielt wird.
[0079] Die Bindemittelsysteme auf Basis von Polyurethanen enthalten eine Polyolkomponente
sowie eine Polyisocyanatkomponente, wobei hier an sich auf bekannte Komponenten zurückgegriffen
werden kann.
[0080] Die Polyisocyanatkomponente des Bindemittelsystems kann ein aliphatisches, cycloaliphatisches
oder aromatisches Isocyanat umfassen. Das Polyisocyanat enthält vorzugsweise mindestens
2 Isocyanatgruppen, vorzugsweise 2 bis 5 Isocyanatgruppen pro Molekül. Je nach den
gewünschten Eigenschaften können auch Mischungen von Isocyanaten eingesetzt werden.
Die verwendeten Isocyanate können aus Gemischen von Monomeren, Oligomeren und Polymeren
bestehen und werden deshalb im Folgenden als Polyisocyanate bezeichnet.
[0081] Als Polyisocyanatkomponente kann an sich jedes Polyisocyanat eingesetzt werden, das
in Polyurethan-Bindemitteln für Formstoffmischungen für die Gießereiindustrie üblich
ist. Geeignete Polyisocyanate umfassen aliphatische Polyisocyanate, z.B. Hexamethylendiisocyanat,
alicyclische Polyisocyanate, wie z.B. 4,4'-Dicyclohexylmethandiisocyanat, und Dimethylderivate
hiervon. Beispiele geeigneter aromatischer Polyisocyanate sind Toluol-2,4-diisocyanat,
Toluol-2,6-diisocyanat, 1,5-Naphthalindiisocyanat, Xylylendiisocyanat und Methylderivate
hiervon, Diphenylmethan-4,4'-diisocyanat und Polymethylen-Polyphenyl-Polyisocyanat.
[0082] Obwohl prinzipiell alle herkömmlichen Polyisocyanate mit dem phenolischen Harz unter
Bildung einer vernetzten Polymerstruktur reagieren, werden bevorzugt aromatische Polyisocyanate
eingesetzt, besonders bevorzugt Polymethylen-Polyphenyl-Polyisocyanat, wie z.B. kommerziell
erhältliche Gemische von Diphenylmethan-4,4'-diisocyanat, seinen Isomeren und höheren
Homologen.
[0083] Die Polyisocyanate können sowohl in Substanz als auch gelöst in einem inerten oder
reaktiven Lösungsmittel eingesetzt werden. Unter einem reaktiven Lösungsmittel wird
dabei ein Lösungsmittel verstanden, welches eine reaktive Gruppe aufweist, so dass
es beim Abbinden des Bindemittels in das Gerüst des Bindemittels eingebaut wird. Bevorzugt
werden die Polyisocyanate in verdünnter Form eingesetzt, um wegen der niedrigeren
Viskosität der Lösung die Körner des feuerfesten Formstoff besser mit einem dünnen
Film des Bindemittels umhüllen zu können.
[0084] Die Polyisocyanate oder ihre Lösungen in organischen Lösungsmitteln werden in ausreichender
Konzentration eingesetzt, um die Aushärtung der Polyolkomponente zu bewerkstelligen,
üblicherweise in einem Bereich von 10 bis 500 Gew.-% bezogen auf das Gewicht der Polyolkomponente.
Bevorzugt werden 20 bis 300 Gew.-%, bezogen auf die gleiche Basis, eingesetzt. Flüssige
Polyisocyanate können in unverdünnter Form eingesetzt werden, während feste oder viskose
Polyisocyanate in organischen Lösungsmitteln gelöst werden. Bis zu 80 Gew.-%, vorzugsweise
bis zu 60 Gew.-%, besonders bevorzugt bis zu 40 Gew.-% der Isocyanatkomponente können
aus Lösungsmitteln bestehen.
[0085] Bevorzugt wird das Polyisocyanat in einer Menge eingesetzt, dass die Anzahl der Isocyanatgruppen
80 bis 120 % bezogen auf die Anzahl der freien Hydroxylgruppen der Polyolkomponente
beträgt.
[0086] Als Polyolkomponente können an sich alle in Polyurethanbindemitteln verwendeten Polyole
eingesetzt werden. Die Polyolkomponente enthält mindestens 2 Hydroxylgruppen, die
mit den Isocyanatgruppen der Polyisocyanatkomponente reagieren können, um eine Vernetzung
des Bindemittels beim Aushärten erreichen zu können, und dadurch eine bessere Festigkeit
des ausgehärteten Formkörpers.
[0087] Als Polyole werden vorzugsweise Phenolharze verwendet, die durch Kondensation von
Phenolen mit Aldehyden, vorzugsweise Formaldehyd, in flüssiger Phase bei Temperaturen
bis zu etwa 180°C in Gegenwart katalytischer Mengen von Metall, erhalten werden. Die
Verfahren zur Herstellung derartiger Phenolharze sind an sich bekannt.
[0088] Die Polyolkomponente wird vorzugsweise flüssig bzw. in organischen Lösungsmitteln
gelöst eingesetzt, um eine homogene Verteilung des Bindemittels auf dem feuerfesten
Formstoff zu ermöglichen. Die Polyolkomponente wird vorzugsweise in wasserfreier Form
eingesetzt, weil die Reaktion der Isocyanatkomponente mit Wasser eine unerwünschte
Nebenreaktion ist. Nicht-wässrig oder wasserfrei soll in diesem Zusammenhang einen
Wassergehalt der Polyolkomponente von vorzugsweise kleiner als 5 Gew.-%, bevorzugt
kleiner als 2 Gew.-%, bedeuten.
[0089] Unter "Phenolharz" wird das Reaktionsprodukt von Phenol, Phenolderivaten, Bisphenolen
sowie höherer Phenol-Kondensationsprodukte mit einem Aldehyd verstanden. Die Zusammensetzung
des Phenolharzes ist abhängig von den spezifisch ausgewählten Ausgangsstoffen, dem
Verhältnis der Ausgangsstoffe und den Reaktionsbedingungen. So spielen z.B. die Art
des Katalysators, die Zeit und die Reaktionstemperatur eine wichtige Rolle, ebenso
wie die Anwesenheit von Lösungsmitteln und anderen Stoffen.
[0090] Das Phenolharz liegt typischerweise als Gemisch verschiedener Verbindungen vor und
kann in sehr unterschiedlichen Verhältnissen Additionsprodukte, Kondensationsprodukte
und nicht umgesetzte Ausgangsverbindungen, wie Phenole, Bisphenol und/oder Aldehyd
enthalten.
[0091] Als "Additionsprodukt" werden Reaktionsprodukte verstanden, in denen eine organische
Komponente wenigstens einen Wasserstoff an einem vorher nicht substituierten Phenol
oder einem Kondensationsprodukt substituiert. Unter "Kondensationsprodukt" werden
Reaktionsprodukte mit zwei oder mehr Phenolringen verstanden.
[0092] Als Kondensationsreaktionen von Phenolen mit Aldehyden resultieren Phenolharze, die
in Abhängigkeit von den Mengenverhältnissen der Edukte, den Reaktionsbedingungen und
den eingesetzten Katalysatoren in zwei Produktklassen, die Novolake und Resole, eingeteilt
werden:
[0093] Novolake sind lösliche, schmelzbare, nicht selbsthärtende und lagerstabile Oligomere
mit einem Molekülgewicht im Bereich von ungefähr 500 bis 5.000 g/Mol. Sie fallen bei
der Kondensation von Aldehyden und Phenolen im Molverhältnis von 1 : >1 in Gegenwart
saurer Katalysatoren an. Novolake sind methylolgruppenfreie Phenolharze, in denen
die Phenylkerne über Methylenbrücken verknüpft sind. Sie können nach Zusatz von Härtungsmitteln,
wie Formaldehyd spendenden Mitteln, bevorzugt Hexamethylentetramin, bei erhöhter Temperatur
unter Vernetzung gehärtet werden.
[0094] Resole sind Gemische von Hydroxymethylphenolen, die über Methylen- und Methylenetherbrücken
verknüpft sind und durch Reaktion von Aldehyden und Phenolen im Molverhältnis von
1 : <1, gegebenenfalls in Gegenwart eines Katalysators, z.B. eines basischen Katalysators,
erhältlich sind. Sie weisen ein Molgewicht M
w von ≤ 10.000 g/mol auf.
[0095] Die als Polyolkomponente besonders geeigneten Phenolharze sind unter der Bezeichnung
"o-o"' oder "high-ortho"-Novolake bzw. Benzyletherharze bekannt. Diese sind durch
Kondensation von Phenolen mit Aldehyden in schwach saurem Medium unter Verwendung
geeigneter Katalysatoren erhältlich.
[0096] Zur Herstellung von Benzyletherharzen geeignete Katalysatoren sind Salze zweiwertiger
Ionen von Metallen, wie Mn, Zn, Cd, Mg, Co, Ni, Fe, Pb, Ca und Ba. Bevorzugt wird
Zinkacetat verwendet. Die eingesetzte Menge ist nicht kritisch. Typische Mengen an
Metallkatalysator betragen 0,02 bis 0,3 Gew.-%, bevorzugt 0,02 bis 0,15 Gew.-%, bezogen
auf die Gesamtmenge an Phenol und Aldehyd.
[0097] Zur Herstellung der Phenolharze sind alle herkömmlich verwendeten Phenole geeignet.
Neben unsubstituierten Phenolen können substituierte Phenole oder Gemische hiervon
eingesetzt werden. Die Phenolverbindungen sind entweder in beiden ortho-Positionen
oder in einer ortho- und in der para-Position nicht substituiert, um eine Polymerisation
zu ermöglichen. Die verbleibenden Ring-Kohlenstoffatome können substituiert sein.
Die Wahl des Substituenten ist nicht besonders beschränkt, sofern der Substituent
die Polymerisation des Phenols oder des Aldehyds nicht nachteilig beeinflusst. Beispiele
substituierter Phenole sind alkylsubstituierte Phenole, alkoxysubstituierte Phenole
und aryloxysubstituierte Phenole.
[0098] Die vorstehend genannten Substituenten haben beispielsweise 1 bis 26, bevorzugt 1
bis 15 Kohlenstoffatome. Beispiele geeigneter Phenole sind o-Kresol, m-Kresol, p-Kresol,
3,5-Xylol, 3,4-Xylol, 3,4,5-Trimethylphenol, 3-Ethylphenol, 3,5-Diethylphenol, p-Butylphenol,
3,5-Dibutylphenol, p-Amylphenol, Cyclohexylphenol, p-Octylphenol, p-Nonylphenol, 3,5-Dicyclohexylphenol,
p-Crotylphenol, p-Phenylphenol, 3,5-Dimethoxyphenol und p-Phenoxyphenol.
[0099] Besonders bevorzugt ist Phenol selbst. Auch höher kondensierte Phenole, wie Bisphenol
A, sind geeignet. Darüber hinaus eignen sich auch mehrwertige Phenole, die mehr als
eine phenolische Hydroxylgruppe aufweisen. Bevorzugte mehrwertige Phenole weisen 2
bis 4 phenolische Hydroxylgruppen auf. Spezielle Beispiele geeigneter mehrwertiger
Phenole sind Brenzkatechin, Resorcin, Hydrochinon, Pyrogallol, Fluoroglycin, 2,5-Dimethylresorcin,
4,5-Dimethylresorcin, 5-Methylresorcin oder 5-Ethylresorcin.
[0100] Es können auch Gemische aus verschiedenen ein- und mehrwertigen und/oder substituierten
und/oder kondensierten Phenolkomponenten für die Herstellung der Polyolkomponente
verwendet werden.
[0101] In einer Ausführungsform werden Phenole der allgemeinen Formel I:

zur Herstellung der Phenolharzkomponente verwendet, wobei A, B und C unabhängig voneinander
aus einem Wasserstoffatom, einem verzweigten oder unverzweigten Alkylrest, der beispielsweise
1 bis 26, vorzugsweise 1 bis 15 Kohlenstoffatome aufweisen kann, einem verzweigten
oder unverzweigten Alkoxyrest, der beispielsweise 1 bis 26, vorzugsweise 1 bis 15
Kohlenstoffatome aufweisen kann, einem verzweigten oder unverzweigten Alkenoxyrest,
der beispielsweise 1 bis 26, vorzugsweise 1 bis 15 Kohlenstoffatome aufweisen kann,
einem Aryl- oder Alkylarylrest, wie beispielsweise Bisphenyle, ausgewählt sind.
[0102] Als Aldehyd zur Herstellung der Phenolharzkomponente eignen sich Aldehyde der Formel:
R-CHO,
wobei R ein Wasserstoffatom oder ein Kohlenstoffatomrest mit vorzugsweise 1 bis 8,
besonders bevorzugt 1 bis 3 Kohlenstoffatomen ist. Spezielle Beispiele sind Formaldehyd,
Acetaldehyd, Propionaldehyd, Furfurylaldehyd und Benzaldehyd. Besonders bevorzugt
wird Formaldehyd eingesetzt, entweder in seiner wässrigen Form, als para-Formaldehyd
oder Trioxan.
[0103] Um die Phenolharze zu erhalten, sollte eine mindestens äquivalente Molzahl an Aldehyd,
bezogen auf die Molzahl der Phenolkomponente, eingesetzt werden. Bevorzugt beträgt
das Molverhältnis Aldehyd zu Phenol 1 : 1,0 bis 2,5 : 1, besonders bevorzugt 1,1 :
1 bis 2,2 : 1, insbesondere bevorzugt 1,2 : 1 bis 2,0 : 1.
[0104] Die Herstellung der Phenolharzkomponente erfolgt nach dem Fachmann bekannten Verfahren.
Dabei wird das Phenol und der Aldehyd unter im Wesentlichen wasserfreien Bedingungen
in Gegenwart eines zweiwertigen Metallions bei Temperaturen von vorzugsweise weniger
als 130°C umgesetzt. Das entstehende Wasser wird abdestilliert. Dazu kann der Reaktionsmischung
ein geeignetes Schleppmittel zugesetzt werden, beispielsweise Toluol oder Xylol, oder
die Destillation wird bei reduziertem Druck durchgeführt.
[0105] Für das Bindemittel der Formstoffmischung wird die Phenolkomponente mit einem Aldehyd,
bevorzugt zu Benzyletherharzen, umgesetzt. Die Umsetzung mit einem primären oder sekundären
aliphatischen Alkohol zu einem alkoxymodifizierten Phenolharz im Einstufen- oder Zweistufenverfahren
(
EP-B-0 177 871 und
EP 1 137 500 ) ist ebenfalls möglich. Beim Einstufenverfahren werden das Phenol, der Aldehyd und
der Alkohol in Gegenwart eines geeigneten Katalysators zur Reaktion gebracht. Beim
Zweistufenverfahren wird zunächst ein nicht modifiziertes Harz hergestellt, das anschließend
mit einem Alkohol umgesetzt wird. Bei der Verwendung alkoxymodifizierter Phenolharze
besteht bezüglich des Molverhältnisses an sich keine Beschränkung, jedoch wird die
Alkoholkomponente bevorzugt in einem Molverhältnis Alkohol : Phenol von weniger als
0,25 eingesetzt, so dass weniger als 25 % der Hydroxymethylgruppen verethert sind.
Geeignete Alkohole sind primäre und sekundäre aliphatische Alkohole mit einer Hydroxygruppe
und 1 bis 10 Kohlenstoffatomen. Geeignete primäre und sekundäre Alkohole sind beispielsweise
Methanol, Ethanol, Propanol, n-Butanol und n-Hexanol. Besonders bevorzugt sind Methanol
und n-Butanol.
[0106] Das Phenolharz wird bevorzugt so gewählt, dass eine Vernetzung mit der Polyisocyanatkomponente
möglich ist. Für den Aufbau eines Netzwerkes sind Phenolharze, die Moleküle mit mindestens
zwei Hydroxylgruppen im Molekül umfassen, besonders geeignet. Die Phenolharzkomponente
bzw. die Isocyanatkomponente des Bindemittelsystems wird bevorzugt als Lösung in einem
organischen Lösungsmittel oder einer Kombination von organischen Lösungsmitteln eingesetzt.
Lösungsmittel können erforderlich sein, um die Komponenten des Bindemittels in einem
ausreichend niedrigviskosen Zustand zu halten. Dieser ist u.a. erforderlich, um eine
gleichmäßige Vernetzung des feuerfesten Formstoffes und dessen Rieselfähigkeit zu
erhalten.
[0107] Als Lösungsmittel für die Polyisocyanat- bzw. die Polyolkomponente des Bindemittelsystems
auf Basis von Polyurethanen können an sich alle Lösungsmittel eingesetzt werden, die
konventionell in derartigen Bindemittelsystemen für die Gießereitechnik Verwendung
finden. Als Lösungsmittel eignen sich beispielsweise sauerstoffreiche, polare, organische
Lösungsmittel. Geeignet sind vor allem Dicarbonsäureester, Glykoletherester, Glykoldiester,
Glykoldiether, cyclische Ketone, cyclische Ester oder cyclische Carbonate. Bevorzugt
werden Dicarbonsäureester, cyclische Ketone und cyclische Carbonate verwendet. Dicarbonsäureester
weisen die Formel R
aOOC-R
b-COOR
3 auf, wobei die Reste R
a jeweils unabhängig voneinander eine Alkylgruppe mit 1 bis 12, bevorzugt 1 bis 6 Kohlenstoffatomen
darstellen und R
b eine Alkylengruppe, also eine zweibindige Alkylgruppe, mit 1 bis 12, bevorzugt 1
bis 6 Kohlenstoffatomen ist. R
b kann auch ein oder mehrere Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen umfassen. Beispiele
sind Dimethylester von Carbonsäuren mit 4 bis 10 Kohlenstoffatomen, die z.B. unter
der Bezeichnung "dibasic ester" (DBE) von Invista International S.à.r.l., Genf, CH,
erhältlich sind. Glykoletherester sind Verbindungen der Formel R
c-O-R
d-OOCR
e, wobei R
c eine Alkylgruppe mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, R
d eine Ethylengruppe, eine Propylengruppe oder ein oligomeres Ethylenoxid bzw. Propylenoxid
und R
e eine Alkylgruppe mit 1 bis 3 Kohlenstoffatomen ist. Bevorzugt sind Glykoletheracetate,
z.B. Butylglykolacetat. Glykoldiester weisen entsprechend die allgemeine Formel R
eCOO-R
dOOCR
e auf, wobei R
d und R
e wie vorstehend definiert sind und die Reste R
e jeweils unabhängig voneinander ausgewählt werden. Bevorzugt sind Glykoldiacetate,
wie beispielsweise Propylenglykoldiacetat. Glykoldiether lassen sich durch die Formel
R
c-O-R
d-O-R
c charakterisieren, wobei R
c und R
d wie vorstehend definiert sind und die Reste R
c jeweils unabhängig voneinander ausgewählt werden. Ein geeigneter Glykoldiether ist
beispielsweise Dipropylenglykoldimethylether. Cyclische Ketone, cyclische Ester und
cyclische Carbonate mit 4 bis 5 Kohlenstoffatomen sind ebenfalls geeignet. Ein geeignetes
cyclisches Carbonat ist beispielsweise Propylencarbonat. Die Alkyl- und Alkylengruppen
können jeweils verzweigt oder unverzweigt sein.
[0108] Der Anteil des Lösungsmittels am Bindemittelsystem wird bevorzugt nicht zu hoch gewählt,
da das Lösungsmittel während der Herstellung und Anwendung des aus der Formstoffmischung
hergestellten Formkörpers verdampft und damit beispielsweise zu Geruchsbelästigungen
führen kann oder beim Abguss zu einer Rauchentwicklung führt. Bevorzugt wird der Anteil
des Lösungsmittels am Bindemittelsystem geringer als 50 Gew.-%, besonders bevorzugt
kleiner als 40 Gew.-%, insbesondere bevorzugt kleiner als 35 Gew.-%, gewählt.
[0109] Zur Herstellung des Formkörpers wird zunächst wie oben beschrieben das Bindemittel
mit dem feuerfesten Formstoff zu einer Formstoffmischung vermischt. Soll die Herstellung
des Formkörpers nach dem PU-No-Bake-Verfahren erfolgen, kann der Formstoffmischung
auch bereits ein geeigneter Katalysator zugegeben werden. Bevorzugt werden dazu flüssige
Amine zur Formstoffmischung gegeben. Diese Amine weisen bevorzugt einen pK
b-Wert von 4 bis 11 auf. Beispiele geeigneter Katalysatoren sind 4-Alkylpyridine, wobei
die Alkylgruppe 1 bis 4 Kohlenstoffatome umfasst, Isochinolin, Arylpyridine, wie Phenylpyridin,
Pyridin, Acrylin, 2-Methoxypyridin, Pyridazin, 3-Chlorpyridin, Chinolin, n-Methylimidazol,
4,4'-Dipyridin, Phenylpropylpyridin, 1-Methylbenzimidazol, 1,4-Thiazin, N,N-Dimethylbenzylamin,
Triethylamin, Tribenzylamin, N,N-Dimethyl-1,3-propandiamin, N,N-Dimethylethanolamin
sowie Triethanolamin. Der Katalysator kann gegebenenfalls mit einem inerten Lösungsmittel
verdünnt werden, beispielsweise 2,2,4-Trimethyl-1,3-pentandiol-diisobutyrat, oder
einem Fettsäureester. Die Menge des zugegebenen Katalysator wird, bezogen auf das
Gewicht der Polyolkomponente, im Bereich von 0,1 bis 15 Gew.-% gewählt.
[0110] Die Formstoffmischung wird dann mit üblichen Mitteln in eine Form eingebracht und
dort verdichtet. Die Formstoffmischung wird anschließend zu einem Formkörper ausgehärtet.
Bei der Härtung sollte der Formkörper bevorzugt seine äußere Form behalten.
[0111] Sofern die Aushärtung nach dem PU-Cold-Box-Verfahren erfolgen soll, wird ein gasförmiger
Katalysator durch die geformte Formstoffmischung geleitet. Als Katalysator können
die üblichen Katalysatoren auf dem Gebiet des Cold-Box-Verfahrens verwendet werden.
Besonders bevorzugt werden Amine als Katalysatoren verwendet, insbesondere bevorzugt
Dimethylethylamin, Dimethyl-n-propylamin, Dimethylisopropylamin, Dimethyl-n-butylamin,
Triethylamin und Trimethylamin in ihrer gasförmigen Form oder als Aerosol.
[0112] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird als Bindemittel ein Furanharz
oder ein Phenolharz eingesetzt, wobei die Formstoffmischung gemäß dem "Furan-No-Bake"-Verfahren
unter Katalyse durch eine starke Säure ausgehärtet wird.
[0113] Furan- und Phenolharze zeigen beim Guss sehr gute Zerfallseigenschaften. Unter der
Hitzeeinwirkung des flüssigen Metalls zersetzt sich das Furan- oder Phenolharz und
die Festigkeit der Gießform geht verloren. Nach dem Guss lassen sich daher Kerne,
ggf. nach vorherigem Rütteln des Gussstücks, sehr gut aus Hohlräumen ausgießen.
[0114] Die als erste Komponente in "Furan-No-Bake-Bindemitteln" enthaltenen reaktiven Furanharze
umfassen als wesentliche Komponente Furfurylalkohol. Furfurylalkohol kann unter saurer
Katalyse mit sich selbst reagieren und ein Polymer ausbilden. Für die Herstellung
von Furan-No-Bake-Bindemitteln wird im Allgemeinen nicht reiner Furfurylalkohol verwendet
sondern dem Furfurylalkohol weitere Verbindungen zugesetzt, die in das Harz einpolymerisiert
werden. Beispiele für derartige Verbindungen sind Aldehyde, wie Formaldehyd oder Furfural,
Ketone, wie Aceton, Phenole, Harnstoff oder auch Polyole, wie Zuckeralkohole oder
Ethylenglykol. Den Harzen können noch weitere Komponenten zugegeben werden, welche
die Eigenschaften des Harzes beeinflussen, beispielsweise dessen Elastizität. Melamin
kann beispielsweise zugesetzt werden, um freies Formaldehyd zu binden.
[0115] Furan-No-Bake-Bindemittel werden meist in der Weise dargestellt, indem zuerst furfurylhaltige
Vorkondensate aus beispielsweise Harnstoff, Formaldehyd und Furfurylalkohol bei sauren
Bedingungen erzeugt werden. Die Reaktionsbedingungen werden dabei so gewählt, dass
nur eine geringfügige Polymerisation des Furfurylalkohols eintritt. Diese Vorkondensate
werden dann mit Furfurylalkohol verdünnt. Zur Herstellung von Furan-No-Bake-Bindemitteln
können auch Resole verwendet werden. Resole werden durch Polymerisation von Gemischen
aus Phenol und Formaldehyd hergestellt. Diese Resole werden dann mit Furfurylalkohol
verdünnt.
[0116] Die zweite Komponente der Furan-No-Bake-Bindemittel bildet eine Säure. Diese Säure
neutralisiert zum Einen alkalische Komponenten, die im feuerfesten Formstoff enthalten
sind und katalysiert zum Anderen die Vernetzung des reaktiven Furanharzes.
[0117] Als Säuren werden meist aromatische Sulfonsäuren und in einigen speziellen Fällen
auch Phosphorsäure oder Schwefelsäure verwendet. Phosphorsäure wird in konzentrierter
Form, d.h. bei Konzentrationen von mehr als 75 % verwendet. Sie eignet sich jedoch
nur für die katalytische Aushärtung von Furanharzen mit einem relativ hohen Anteil
an Harnstoff. Der Stickstoffgehalt derartiger Harze liegt bei mehr als 2,0 Gew.-%).
Schwefelsäure kann als relativ starke Säure als Starter für die Aushärtung der Furanharze
schwächeren Säuren zugesetzt werden. Beim Abguss entwickelt sich dann jedoch ein für
Schwefelverbindungen typischer Geruch. Außerdem besteht die Gefahr, dass vom Gusswerkstoff
Schwefel aufgenommen wird und dessen Eigenschaften beeinflusst. Meist werden aromatische
Sulfonsäuren als Katalysatoren eingesetzt. Wegen ihrer guten Verfügbarkeit und ihrer
hohen Säurestärke werden vor allem Toluolsulfonsäure, Xylyolsulfonsäure sowie Benzolsulfonsäure
verwendet.
[0118] Phenolharze als zweite große Gruppe säurekatalysiert aushärtbarer No-Bake-Bindemittel
enthalten als reaktive Harzkomponente Resole, also Phenolharze, die mit einem Überschuss
an Formaldehyd hergestellt wurden. Phenolharze zeigen im Vergleich zu Furanharzen
eine deutlich geringere Reaktivität und erfordern als Katalysatoren starke Sulfonsäuren.
Phenolharze zeigen eine relativ hohe Viskosität, die bei längerem Lagern des Harzes
noch zunimmt. Insbesondere bei Temperaturen unterhalb von 20 °C nimmt die Viskosität
stark zu, sodass der Sand erwärmt werden muss, um das Bindemittel gleichmäßig auf
der Oberfläche der Sandkörner auftragen zu können. Nachdem das Phenol-No-Bake-Bindemittel
auf dem feuerfesten Formstoff aufgetragen wurde, sollte die Formstoffmischung möglichst
umgehend verarbeitet werden, um keine Verschlechterung der Qualität der Formstoffmischung
durch vorzeitige Aushärtung in Kauf nehmen zu müssen, was zu einer Verschlechterung
der Festigkeit der aus der Formstoffmischung hergestellten Gießformen führen kann.
Bei Verwendung von Phenol-No-Bake-Bindemitteln ist die Fließfähigkeit der Formstoffmischung
meist schlecht. Bei der Herstellung der Gießform muss die Formstoffmischung daher
sorgfältig verdichtet werden, um eine hohe Festigkeit der Gießform erreichen zu können.
[0119] Die Herstellung und Verarbeitung der Formstoffmischung sollte bei Temperaturen im
Bereich von 15 bis 35 °C erfolgen. Bei zu niedriger Temperatur lässt sich die Formstoffmischung
wegen der hohen Viskosität des Phenol-No-Bake-Harzes schlecht verarbeiten. Bei Temperaturen
von mehr als 35 °C verkürzt sich die Verarbeitungszeit durch vorzeitige Aushärtung
des Bindemittels.
[0120] Nach dem Abguss lassen sich Formstoffmischungen auf der Basis von Phenol-No-Bake-Bindemitteln
ebenfalls wieder aufarbeiten, wobei auch hier mechanische oder thermische bzw. kombinierte
mechanisch/thermische Verfahren verwendet werden können.
[0121] Auf den rieselfähigen Feuerfeststoff wird dann eine Säure aufgebracht, wobei ein
säurebeschichteter feuerfester Formstoff erhalten wird. Die Säure wird mit üblichen
Verfahren auf den feuerfesten Formstoff aufgebracht, beispielsweise indem die Säure
auf den feuerfester Formstoff aufgesprüht wird. Die Menge der Säure wird bevorzugt
im Bereich von 5 bis 45 Gew.-%, besonders bevorzugt im Bereich von 20 bis 30 Gew.-%
gewählt, bezogen auf das Gewicht des Bindemittels und berechnet als reine Säure, also
ohne Berücksichtigung eines ggf. verwendeten Lösungsmittels. Sofern die Säure nicht
bereits in flüssiger Form vorliegt und eine ausreichend niedrige Viskosität aufweist,
um in Form eines dünnen Films auf den Körnern des feuerfesten Formstoffs verteilt
werden zu können, wird die Säure in einem geeigneten Lösungsmittel gelöst. Beispielhafte
Lösungsmittel sind Wasser oder Alkohole oder Gemische aus Wasser und Alkohol. Insbesondere
bei Verwendung von Wasser wird die Lösung jedoch möglichst konzentriert hergestellt,
um die in das Bindemittel bzw. die Formstoffmischung eingeschleppte Wassermenge möglichst
gering zu halten. Zur gleichmäßigen Verteilung der Säure auf den Körnern wird das
Gemisch aus feuerfestem Formstoff und Säure gut homogenisiert.
[0122] Auf den mit Säure beschichteten feuerfesten Formstoff wird dann ein durch Säure aushärtbares
Bindemittel aufgebracht. Die Menge des Bindemittels wird bevorzugt im Bereich von
0,25 bis 5 Gew.-%, besonders bevorzugt im Bereich von 1 bis 3 Gew.-% gewählt, bezogen
auf den feuerfesten Formstoff und berechnet als Harzkomponente. Als durch Säure aushärtbares
Bindemittel können an sich alle Bindemittel verwendet werden, die durch Säure aushärtbar
sind, insbesondere solche durch Säure aushärtbare Bindemittel, die bereits für die
Herstellung von Formstoffmischungen für die Gießereiindustrie üblich sind. Das Bindemittel
kann neben einem vernetzbaren Harz auch noch weitere übliche Komponenten enthalten,
beispielsweise Lösungsmittel zur Einstellung der Viskosität oder Streckmittel, die
einen Teil des vernetzbaren Harzes ersetzen.
[0123] Das Bindemittel wird auf den mit Säure beschichteten feuerfesten Formstoff aufgegeben
und durch Bewegen der Mischung auf den Körnern des feuerfesten Formstoffs in Form
eines dünnen Films verteilt.
[0124] Die Mengen an Bindemittel und Säure werden so gewählt, dass einerseits eine ausreichende
Festigkeit der Gießform und andererseits eine ausreichende Verarbeitungszeit der Formstoffmischung
erreicht wird. Geeignet ist beispielsweise eine Verarbeitungszeit im Bereich von 5
bis 45 Minuten.
[0125] Der mit dem Bindemittel beschichtete feuerfeste Formstoff wird dann mit üblichen
Verfahren zu einem Formkörper geformt. Dazu kann die Formstoffmischung in eine geeignete
Form eingebracht und dort verdichtet werden. Der dabei erhaltene Formkörper wird dann
aushärten gelassen.
[0126] Als Furan-No-Bake-Bindemittel können an sich alle Furanharze verwendet werden, wie
sie bereits in Furan-No-Bake Bindemittelsystemen verwendet werden.
[0127] Die in technischen Furan-No-Bake-Bindemitteln eingesetzten Furanharze sind meist
Vorkondensate oder Mischungen von Furfurylalkohol mit weiteren Monomeren oder Vorkondensaten.
Die in Furan-No-Bake-Bindemitteln enthaltenen Vorkondensate werden in an sich bekannter
Weise hergestellt.
[0128] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird Furfurylalkohol in Kombination mit Harnstoff
und/oder Formaldehyd bzw. Harnstoff / Formaldehyd-Vorkondensaten eingesetzt. Formaldehyd
kann sowohl in monomerer Form eingesetzt werden, beispielsweise in Form einer Formalinlösung,
als auch in Form seiner Polymeren, wie Trioxan oder Paraformaldehyd. Neben bzw. an
Stelle von Formaldehyd können auch andere Aldehyde oder auch Ketone verwendet werden.
Geeignete Aldehyde sind beispielsweise Acetaldehyd, Propionaldehyd, Butyraldehyd,
Acrolein, Crotonaldehyd, Benzaldehyd, Salicylaldehyd, Zimtaldehyd, Glyoxal und Gemische
dieser Aldehyde. Formaldehyd ist bevorzugt, wobei dieser vorzugsweise in Form von
Paraformaldehyd eingesetzt wird.
[0129] Als Ketonkomponente können alle Ketone eingesetzt werden, die eine ausreichend hohe
Reaktivität aufweisen. Beispielhafte Ketone sind Methylethylketon, Methylpropylketon
und Aceton, wobei Aceton bevorzugt verwendet wird.
[0130] Die genannten Aldehyde und Ketone können als einzelne Verbindung aber auch im Gemisch
miteinander eingesetzt werden.
[0131] Das Molverhältnis von Aldehyd, insbesondere Formaldehyd, bzw. Keton zu Furfurylalkohol
kann innerhalb weiter Bereiche gewählt werden. Bei der Herstellung der Furanharze
können pro Mol Aldehyd vorzugsweise 0,4 bis 4 Mol Furfurylalkohol, bevorzugt 0,5 bis
2 Mol Furfurylalkohol verwendet werden.
[0132] Zur Herstellung der Vorkondensate können Furfurylalkohol, Formaldehyd und Harnstoff
beispielsweise nach Einstellung eines pH-Werts von mehr als 4,5 zum Sieden erhitzt
werden, wobei kontinuierlich Wasser aus dem Reaktionsgemisch abdestilliert wird. Die
Reaktionszeit kann dabei mehrere Stunden betragen, beispielsweise 2 Stunden. Bei diesen
Reaktionsbedingungen tritt nahezu keine Polymerisation des Furfurylalkohols ein. Der
Furfurylalkohol wird jedoch zusammen mit dem Formaldehyd und dem Harnstoff in ein
Harz einkondensiert.
[0133] Nach einem alternativen Verfahren werden Furfurylalkohol, Formaldehyd und Harnstoff
bei einem pH-Wert von deutlich unterhalb 4,5, beispielsweise bei einem pH-Wert von
2,0, in der Hitze umgesetzt, wobei das bei der Kondensation entstehende Wasser unter
reduziertem Druck abdestilliert werden kann. Das Reaktionsprodukt weist eine relativ
hohe Viskosität auf und wird zur Herstellung des Bindemittels mit Furfurylalkohol
verdünnt, bis die gewünschte Viskosität eingestellt ist.
[0134] Mischformen dieser Herstellungsverfahren können ebenfalls angewandt werden.
[0135] Es ist auch möglich, Phenol in das Vorkondensat einzuführen. Dazu kann das Phenol
unter alkalischen Bedingungen zunächst mit Formaldehyd zu einem Resolharz umgesetzt
werden. Dieses Resol kann dann mit Furfurylalkohol oder einem furangruppenhaltigen
Harz umgesetzt oder vermischt werden. Solche furangruppenhaltigen Harze können beispielsweise
mit den oben beschriebenen Verfahren erhalten werden. Für die Herstellung des Vorkondensats
können auch höhere Phenole eingesetzt werden, beispielsweise Resorcin, Kresole oder
auch Bisphenol A. Der Anteil des Phenols bzw. der höheren Phenole am Bindemittel wird
vorzugsweise im Bereich von bis zu 45 Gew.-%, bevorzugt bis zu 20 Gew.-%, besonders
bevorzugt bis zu 10 Gew.-% gewählt. Gemäß einer Ausführungsform kann der Anteil des
Phenols bzw. der höheren Phenole größer als 2 Gew.-%, gemäß einer weiteren Ausführungsform
größer als 4 Gew.-% gewählt werden.
[0136] Weiter ist auch möglich, Kondensate aus Aldehyden und Ketonen zu verwenden, die zur
Herstellung des Bindemittels dann mit Furfurylalkohol vermischt werden. Solche Kondensate
lassen sich durch Umsetzung von Aldehyden und Ketonen unter alkalischen Bedingungen
herstellen. Als Aldehyd wird bevorzugt Formaldehyd, insbesondere in Form von Paraformaldehyd
verwendet. Als Keton wird bevorzugt Aceton eingesetzt. Andere Aldehyde bzw. Ketone
können jedoch ebenfalls verwendet werden. Das relative Molverhältnis von Aldehyd zu
Keton wird vorzugsweise im Bereich von 7 : 1 bis 1 : 1, bevorzugt 1,2 : 1 bis 3,0
: 1 gewählt. Die Kondensation wird vorzugsweise unter alkalischen Bedingungen bei
pH-Werten im Bereich von 8 bis 11,5, bevorzugt 9 bis 11 durchgeführt. Eine geeignete
Base ist beispielsweise Natriumcarbonat.
[0137] Die Menge des Furfurylalkohols, welche im Furan-No-Bake-Bindemittel enthalten ist,
wird einerseits bestimmt von dem Bestreben, den Anteil aus Kostengründen möglichst
gering zu halten. Andererseits wird durch einen hohen Anteil an Furfurylalkohol eine
Verbesserung der Festigkeit der Gießform erreicht. Bei sehr hohem Anteil an Furfurylalkohol
im Bindemittel werden jedoch sehr spröde Gießformen erhalten, welche sich schlecht
verarbeiten lassen. Vorzugsweise wird der Anteil des Furfurylalkohols am Bindemittel
im Bereich von 30 bis 95 Gew.-%, bevorzugt 50 bis 90 Gew.-%, besonders bevorzugt 60
bis 85 Gew.-% gewählt. Der Anteil an Harnstoff und/oder Formaldehyd am Bindemittel
wird vorzugsweise im Bereich von 2 bis 70 Gew.-%, bevorzugt 5 bis 45 Gew.-%, besonders
bevorzugt 15 bis 30 Gew.-% gewählt. Die Anteile umfassen sowohl die im Bindemittel
enthaltenen ungebundenen Anteile dieser Verbindungen als auch die Anteile, die im
Harz gebunden sind.
[0138] Den Furanharzen können weitere Zusätze zugesetzt werden, wie Ethylenglycol oder ähnliche
aliphatische Polyole, beispielsweise Zuckeralkohole, wie Sorbitol, die als Streckmittel
dienen und einen Teil des Furfurylalkohols ersetzen. Ein zu hoher Zusatz derartiger
Streckmittel kann im ungünstigen Fall zu einer Verringerung der Festigkeit der Gießform
und Absenkung der Reaktivität führen. Der Anteil dieser Streckmittel am Bindemittel
wird daher vorzugsweise geringer als 25 Gew.-%, bevorzugt geringer als 15 Gew.-% und
besonders bevorzugt geringer als 10 Gew.-% gewählt. Um eine Kostenersparnis zu erreichen
ohne dabei einen übermäßigen Einfluss auf die Festigkeit der Gießform in Kauf nehmen
zu müssen, wird der Anteil der Streckmittel gemäß einer Ausführungsform größer als
5 Gew.-% gewählt.
[0139] Die Furan-No-Bake-Bindemittel können weiterhin Wasser enthalten. Da Wasser die Aushärtung
der Formstoffmischung jedoch verlangsamt und bei der Aushärtung Wasser als Reaktionsprodukt
entsteht, wird der Anteil des Wassers bevorzugt möglichst gering gewählt. Vorzugsweise
beträgt der Anteil des Wassers am Bindemittel weniger als 20 Gew.-%, bevorzugt weniger
als 15 Gew.-%. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kann eine Wassermenge von mehr
als 5 Gew.-% im Bindemittel toleriert werden.
[0140] Als Phenolharze werden im erfindungsgemäßen Verfahren Resole verwendet. Resole sind
Gemische von Hydroxymethylphenolen, die über Methylen- und Methylenetherbrücken verknüpft
sind und durch Reaktion von Aldehyden und Phenolen im Molverhältnis von 1 : <1, gegebenenfalls
in Gegenwart eines Katalysators, z.B. eines basischen Katalysators, erhältlich sind.
Sie weisen ein Molgewicht M
w von ≤ 10.000 g/mol auf.
[0141] Zur Herstellung der Phenolharze sind alle herkömmlich verwendeten Phenole geeignet,
wobei Phenol besonders bevorzugt ist. Als Aldehydkomponente wird bevorzugt Formaldehyd
eingesetzt, insbesondere in form von Paraformaldehyd. Alternative Phenole und Aldehyde
wurden bereits in Zusammenhang mit den Polyurethanbindemitteln erläutert. Auf die
entsprechenden Passagen wird Bezug genommen.
[0142] Die Bindemittel können weitere übliche Zusätze enthalten, beispielsweise Silane als
Haftvermittler. Geeignete Silane sind beispielsweise Aminosilane, Epoxysilane, Mercaptosilane,
Hydroxysilane und Ureidosilane, wie γ-Hydroxypropyltrimethoxysilan, γ-Aminopropyltrimethoxysilan,
3-Ureidopropyltriethoxysilan, γ-Mercaptopropyltrimethoxysilan, γ-Glycidoxypropyltrimethoxysilan,
β-(3,4-Epoxycyclohexyl)trimethoxysilan, N-β-(Aminoethyl)-γ-aminopropyltrimethoxysilan.
[0143] Sofern ein solches Silan verwendet wird, wird es dem Bindemittel in einem Anteil
von 0,1 bis 3 Gew.-%, vorzugsweise 0,1 bis 1 Gew.-% zugegeben.
[0144] Die Bindemittel können auch noch weitere übliche Komponenten enthalten, wie beispielsweise
Aktivatoren oder Weichmacher.
[0145] Die Formstoffmischung kann neben dem feuerfesten Formstoff, dem Bindemittel und ggf.
dem Katalysator noch weitere übliche Bestandteile enthalten. Beispielhafte weitere
Bestandteile sind Eisenoxid, gemahlene Flachsfasern, Holzmehlgranulate, gemahlene
Kohle oder Ton.
[0146] Die Formstoffmischung wird dann mit üblichen Verfahren zu einer GGrundform oder einem
Teil einer Grundform geformt und ggf. ausgehärtet. Die Grundform kann dann ggf. ganz
oder teilweise zusammengebaut werden und der in der Grundform vorgesehene Formhohlraum
mit der oben beschriebenen Schlichtezusammensetzung insgesamt oder abschnittsweise
beschichtet werden. Hierzu können übliche Verfahren verwendet werden. Die Schlichtezusammensetzung
kann beispielsweise durch Tauchverfahren, Fluten, Aufpinseln oder durch Aufsprühen
aufgetragen werden.
[0147] Bei Tauchen als Aufbringungsverfahren wird die Gießform, in deren Formhohlraum gegebenenfalls
eine Grundbeschichtung aufgebracht worden ist, für etwa 2 Sekunden bis 2 Minuten in
ein Behältnis eingetaucht, das mit einer gebrauchsfertigen, erfindungsgemäßen Schlichtezusammensetzung
gefüllt ist. Die Gießform wird dann aus der Schlichtezusammensetzung herausgenommen
und überschüssige Schlichtezusammensetzung von der Gießform ablaufen gelassen. Die
Zeit, die das Ablaufen der überschüssigen Schlichtezusammensetzung nach dem Tauchen
in Anspruch nimmt, richtet sich nach dem Ablaufverhalten der verwendeten Schlichtezusammensetzung.
[0148] Beim Sprühen als Aufbringungsverfahren werden handelsübliche Druckkesselsprühgeräte
verwendet. Hierbei wird die Schlichtezusammensetzung im verdünnten Zustand in einen
Drückkessel gefüllt. Über den einzustellenden Überdruck kann die Schlichte in eine
Sprühpistole gedrückt werden, wo Sie mit Hilfe von separat regulierbarer Zerstäuberluft
versprüht wird. Beim Sprühen werden die Bedingungen vorzugsweise so gewählt dass der
Druck für Schlichtezusammensetzung und Zerstäuberluft so an der Pistole eingestellt
ist, dass die versprühte Schlichtezusammensetzung noch nass auf der Form oder dem
Kern auftrifft, aber einen gleichmäßigen Auftrag ergibt.
[0149] Die in der Schlichte enthaltene Trägerflüssigkeit wird anschließend verdampft, sodass
eine trockene Schlichteschicht erhalten wird. Als Trocknungsverfahren können alle
konventionellen Trocknungsverfahren verwendet werden, wie beispielsweise Trocknen
lassen an der Luft, Trocknung mit entfeuchteter Luft, Trocknen mit Mikrowellen- oder
Infrarotstrahlung, Trocknen im Konvektionsofen, und vergleichbare Verfahren.
[0150] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird die beschichtete Gießform
bei 100 bis 250 °C, bevorzugt bei 120 bis 180 °C, in einem Konvektionsofen getrocknet.
Bei der Verwendung von Alkoholschlichten wird die erfindungsgemäße Schlichtezusammensetzung
bevorzugt durch Abbrennen des Alkohols oder Alkoholgemischs getrocknet. Hierbei wird
die beschichtete Gießform durch die Verbrennungswärme zusätzlich erwärmt. In einer
weiteren bevorzugten Ausführungsform wird die beschichtete Gießform ohne weiter Behandlung
an der Luft getrocknet.
[0151] Ggf. kann die Schlichteschicht anschließend noch gehärtet werden, beispielsweise
durch Bestrahlen mit UV-Strahlung, wenn ein entsprechendes härtbares Bindemittel in
der Schlichtezusammensetzung enthalten ist.
[0152] Die Schlichte kann in Form einer einzelnen Schicht oder auch in Form mehrerer übereinander
angeordneter Schichten aufgebracht werden. Dabei können die einzelnen Schichten in
ihrer Zusammensetzung gleich oder verschieden sein. Beispielsweise kann zunächst eine
Grundbeschichtung aus einer handelsüblichen Schlichte hergestellt werden, welche kein
erfindungsgemäßes metallisches Additiv enthält. Als Grundbeschichtung können beispielsweise
Wasserschlichten oder auch Alkoholschlichten verwendet werden. Es ist aber auch möglich,
alle Schichten aus der erfindungsgemäßen Schlichtezusammensetzung herzustellen. Die
Schicht, welche später mit dem flüssigen Metall in Berührung gelangt, wird jedoch
immer aus der erfindungsgemäßen Schlichte hergestellt. Beim Aufbringen mehrerer Schichten
kann jede einzelne Schicht nach dem Aufbringen vollständig oder teilweise getrocknet
werden.
[0153] Die aus der Schlichtezusammensetzung hergestellte Beschichtung weist vorzugsweise
eine Trockenschichtdicke von zumindest 0,1 mm, bevorzugt zumindest 0,2 mm, besonders
bevorzugt zumindest 0,45 mm, insbesondere bevorzugt zumindest 0,55 mm auf. Gemäß einer
Ausführungsform wird die Dicke der Beschichtung kleiner als 1,5 mm gewählt. Die Trockenschichtstärke
ist hierbei die Schichtstärke der getrockneten Beschichtung, welche durch Trocknen
der Schlichtezusammensetzung durch im Wesentlichen vollständiges Entfernen der Lösungsmittelkomponente
und gegebenenfalls anschließendem Härten erhalten wurde. Die Trockenschichtstärke
der Grundbeschichtung und der Deckbeschichtung werden vorzugsweise durch Messung mit
dem Nassschichtdickenkamm ermittelt.
[0154] Die Gießform kann anschließend ggf. vollständig zusammengebaut werden.
[0155] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung betrifft die Verwendung der oben beschriebenen
Gießform zur Herstellung eines Gussstücks.
[0156] Dazu wird zunächst eine Gießform bereitgestellt. Dies kann eine verlorene Form sein,
die wie oben beschrieben aus einem Feuerfestmaterial, beispielsweise Quarzsand, und
einem Bindemittel hergestellt wurde, oder auch eine Dauerform, wie sie üblicherweise
zur Herstellung von Rohren, Lagern oder Hülsen verwendet wird, wobei der Formhohlraum
mit der oben beschriebenen Schlichtezusammensetzung ausgekleidet wurde. Die Gießform
weist auf zumindest den Flächen, welche mit dem flüssigen Metall in Kontakt gelangen,
eine Schutzbeschichtung auf, welche das flüssige Metall von der Gießform isoliert
und welche die Oberflächenbeschaffenheit des Gussstücks positiv beeinflussen kann.
In die vorbereitete Gießform wird nun flüssiges Metall eingeleitet, vorzugsweise Eisen
oder einer Eisenlegierung. Das flüssige Metall wird anschließend zu einem Gussstück
erstarren gelassen und dann das Gussstück von der Gießform getrennt. Dazu werden übliche
Verfahren angewendet. Bei verlorenen Formen wird die Gießform mechanisch zerstört,
beispielsweise durch Rütteln. Bei Dauerformen wird das Gussstück mit üblichen Verfahren
aus der Gießform gezogen.
[0157] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung betrifft eine Gießform, welche einen Formüberzug
aufweist, der aus der oben beschriebenen Schlichte hergestellt worden ist. Eine derartige
Gießform weist vorteilhaft eine Isolierung zwischen dem flüssigen Metall und der Gießform
auf, wodurch die thermische Belastung der Gießform beim Gussvorgang vermindert wird
und sich dadurch die Haltbarkeit der Gießform erhöht. Als weiterer Vorteil weist der
Formüberzug ein metallisches Additiv auf, welches die Oberflächeneigenschaften des
Gussstücks positiv beeinflussen kann, insbesondere die Ausbildung einer narbigen Oberfläche
auf dem Gussstück zurückdrängt.
[0158] Gießformen, welche eine Deckbeschichtung aufweisen, welche aus der erfindungsgemäßen
Schlichtezusammensetzung hergestellt wurde, werden unter anderem zur Herstellung von
Windkraftnarben, Mahlschüsseln, Motoren und Motorkomponenten, Maschinenbetten und
Turbinen, allgemeine Maschinenkomponenten oder Presswerkzeuge verwendet.
[0159] Die Erfindung wird im weiteren anhand von Beispielen näher erläutert.
Beispiel 1
[0160] Die in den nachstehenden Beispielen verwendete Kernschlichte weist die in Tabelle
1 angegebene Zusammensetzung auf.
Tabelle 1:
| Zusammensetzung der Schlichte |
| Komponente |
Gew.-% |
| Zirkonsilikat 75 µm |
50,00 |
| Mangan (325 mesh) |
20,00 |
| Tonmineral |
03,00 |
| Kunstharze |
02,00 |
| Rheologische Additive |
00,50 |
| Ethanol |
14,50 |
| Isopropanol |
10,00 |
[0161] Die Formgussschlichte wurde wie folgt hergestellt: Isopropanol wird vorgelegt und
hierin wird der Ton durch Verwendung eines hochscherenden Rührers mindestens 15 Minuten
aufgeschlossen. Anschließend werden die Feuerfestkomponenten, Pigmente, Mangan und
Farbstoffe mindestens 15 Minuten eingerührt, bis eine homogene Mischung entsteht.
Zum Schluss werden Ethanol, rheologische Additive und Bindemittel eingerührt.