[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Betriebsverfahren für ein Walzwerk zum Walzen
eines flachen Walzguts von einer Anfangsdicke auf eine Enddicke,
- wobei zunächst das Walzgut von der Anfangsdicke auf eine Zwischendicke gewalzt wird,
sodann eine Walzpause eingelegt wird und erst dann das Walzgut von der Zwischendicke
auf die Enddicke gewalzt wird,
- wobei zum Walzen des Walzguts von der Anfangsdicke auf die Zwischendicke eine Anzahl
von Walzstichen ermittelt wird und das Walzgut entsprechend den ermittelten Walzstichen
gewalzt wird.
[0002] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin ein Computerprogramm, das Maschinencode
aufweist, der von einer Steuereinrichtung für ein Walzwerk für ein flaches Walzgut
unmittelbar abarbeitbar ist und dessen Abarbeitung durch die Steuereinrichtung bewirkt,
dass die Steuereinrichtung das Walzwerk gemäß einem derartigen Betriebsverfahren steuert.
[0003] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin eine Steuereinrichtung für ein Walzwerk
für ein flaches Walzgut, die derart ausgebildet ist, dass sie im Betrieb das Walzwerk
gemäß einem derartigen Betriebsverfahren steuert.
[0004] Schließlich betrifft die vorliegende Erfindung ein Walzwerk für ein flaches Walzgut,
das von einer derartigen Steuereinrichtung gesteuert wird.
[0005] Beim sogenannten thermomechanischen Walzen von Grobblech wird versucht, ein möglichst
feinkörniges Gefüge einzustellen, um die mechanischen Eigenschaften des Endprodukts
zu optimieren. Es gilt die Faustregel, dass die mechanischen Eigenschaften um so besser
sind, je feiner das Korn ist. Das Prinzip des thermomechanischen Walzens besteht darin,
das grobe Korn, welches sich bei der Aufheizung des zu walzenden Grobblechs oder beim
Walzen bei hohen Temperaturen bildet, durch Umformen auf die Zwischendicke zu zerstören
und ein Kornwachstum durch Temperaturabsenkung zu verhindern. Besonders wichtig ist
in diesem Zusammenhang, das Material vollständig durchzuformen (strain penetration),
um auch das Gefüge im Materialkern zu beeinflussen. Am effektivsten geschieht dies
durch möglichst große Umformungen pro Stich. Falls es nicht möglich ist, in allen
Stichen mit maximaler Umformung zu arbeiten, sollten vorzugsweise die Stiche vor den
Kühlpausen und in den Walzphasen mit niedriger Temperatur maximiert werden.
[0006] Um möglichst hohe Umformgrade zu erreichen, ist im Stand der Technik bekannt, besonders
große und starke Walzgerüste und Walzantriebe einzusetzen. Diese Maßnahmen sind jedoch
sehr kostenintensiv und insbesondere bei Modernisierungsprojekten nicht einsetzbar.
Alternativ oder zusätzlich kann mit Stellgliedern, welche den Walzspaltverlauf beeinflussen
(beispielsweise Walzenverschiebung und Walzenrückbiegung) versucht werden, das Walzkraftniveau
bis in die letzten Stiche hochzuhalten. Beide Maßnahmen verschieben zwar die Grenze,
bis zu der umgeformt werden kann. Dennoch besteht weiterhin eine Umformgrenze, welche
nicht überschritten werden kann.
[0007] Es ist weiterhin ein Verfahren bekannt, bei dem versucht wird, das Walzgut in aufeinander
folgenden Stichen mit steigenden Walzkräften auf die Zwischendicke zu walzen. Dieses
Verfahren ist nach seinem Erfinder (Malcolm Gray) benannt. Die Grundidee dieses Verfahrens
ist, die Umformung von Stich zu Stich und damit die strain penetration bis zum Ende
des Walzens zu maximieren, da hier der Effekt hinsichtlich der Gefügebildung am stärksten
ist. Das Verfahren führt, wenn es ohne Abwandlung durchgeführt werden kann, zu Ergebnissen,
die besser als die des obenstehend beschriebenen konventionellen Verfahrens sind.
Falls jedoch Walzstörungen eintreten, die zu einer unvorhergesehenen Erhöhung der
erforderlichen Walzkraft oder dergleichen führen, ist das Verfahren erheblich schlechter
als der Stand der Technik. Denn in diesem Fall muss an den letzten, mit hohem Umformgrad
durchgeführten Stich ein weiterer Stich mit in der Regel nur geringem Umformgrad angefügt
werden, damit die gewünschte Zwischendicke erreicht wird.
[0008] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, Möglichkeiten zu schaffen,
mittels derer auf einfache und zuverlässige Weise eine gute strain penetration erreicht
werden kann.
[0009] Die Aufgabe wird durch ein Betriebsverfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Betriebsverfahrens sind Gegenstand
der abhängigen Ansprüche 2 bis 8.
[0010] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, ein Betriebsverfahren der eingangs genannten Art
derart auszugestalten, dass vor dem Walzen des Walzguts anhand technologischer Randbedingungen
ein zulässiger Dickenbereich festgelegt wird, innerhalb dessen die Zwischendicke liegen
soll, und dass die Ermittlung der Walzstiche derart erfolgt, dass die Zwischendicke
innerhalb des zulässigen Dickenbereichs liegt und
- entweder bei allen Walzstichen die Leistungsgrenzen des Walzwerks vollständig ausgenutzt
werden
- oder zwar bei mindestens einem der Walzstiche die Leistungsgrenzen des Walzwerks nicht
vollständig ausgenutzt werden, jedoch in dem Fall, dass die Anzahl an Walzstichen
um eins verringert würde, die Zwischendicke außerhalb des zulässigen Dickenbereichs
liegen würde, obwohl bei allen der um eins verringerten Anzahl von Walzstichen die
Leistungsgrenzen des Walzwerks vollständig ausgenutzt würden.
[0011] Bei der vorliegenden Erfindung wird somit ein Fenster für die Zwischendicke geschaffen.
Dadurch wird in den meisten Fällen ermöglicht, alle Walzstiche vor der Walzpause mit
maximaler Umformung durchzuführen. Die ohne dieses Dickenfenster notwendige Reduktion
der Umformung kann unterbleiben.
[0012] Das Dickenfenster (in der Terminologie der vorliegenden Erfindung: der zulässige
Dickenbereich) darf nicht mit der unvermeidbaren Fertigungstoleranz verwechselt werden.
Denn die Fertigungstoleranz ist ein (relativ kleiner) Fehler, der sich herstellungsbedingt
nicht vermeiden lässt. Es soll beispielsweise eine Materialdicke von 70 mm eingestellt
werden. Trotz aller Genauigkeit schwankt die Materialdicke jedoch beispielsweise zwischen
69,5 mm und 70,5 mm. Bei dem zulässigen Dickenbereich hingegen wird vorgegeben, dass
beispielsweise die Zwischendicke in einem Bereich liegen soll, der erheblich größer
als fertigungsbedingte Toleranzen ist. Beispielsweise wird festgelegt, dass die Zwischendicke
zwischen 65 mm und 75 mm liegen soll. Die fertigungsbedingte Toleranz ist hierbei
nicht mit berücksichtigt. Es handelt sich bei dem zulässigen Dickenbereich also nicht
um einen Bereich, innerhalb dessen die tatsächliche Ist-Zwischendicke des Walzguts
liegt, sondern um einen zulässigen Solldickenbereich, innerhalb dessen die Soll-Zwischendicke
des Walzguts liegt.
[0013] In vielen Fällen ist eine Zieldicke vorgegeben, die nach Möglichkeit angefahren werden
sollte. Die Zieldicke liegt in diesem Fall selbstverständlich innerhalb des zulässigen
Dickenbereichs beziehungsweise - andersherum ausgedrückt - der zulässige Dickenbereich
ist um die Zieldicke herum definiert. Wenn bei einer derartigen Gestaltung der Fall
auftritt, dass mehrere Anzahlen von Walzstichen möglich sind, so dass bei allen Walzstichen
die Leistungsgrenzen des Walzwerks vollständig ausgenutzt werden und die sich jeweils
ergebende Zwischendicke innerhalb des zulässigen Dickenbereichs liegt, wird die Anzahl
von Walzstichen vorzugsweise derart bestimmt, dass eine Differenz der sich ergebenden
Zwischendicke von der Zieldicke minimiert wird.
[0014] In dem Fall, dass bei mindestens einem der Walzstiche die Leistungsgrenzen des Walzwerks
nicht vollständig ausgenutzt werden, liegt die Zwischendicke vorzugsweise an der Untergrenze
des zulässigen Dickenbereichs. Denn in diesem Fall ist es möglich, die Ausnutzung
der Leistungsgrenzen des Walzwerks nur so wenig wie nötig zu reduzieren.
[0015] In dem Fall, dass bei mindestens einem der Walzstiche die Leistungsgrenzen des Walzwerks
nicht vollständig ausgenutzt werden, ist weiterhin bevorzugt, dass die die Leistungsgrenzen
des Walzwerks nicht vollständig ausnutzenden Walzstiche die letzten der Walzstiche
sind. Dadurch kann erreicht werden, dass im Falle unvorhergesehener Störungen des
Walzbetriebs eine (wenn meist auch nur geringe) Reserve verbleibt.
[0016] Es ist möglich, dass das Walzgut beim Walzen von der Anfangsdicke auf die Zwischendicke
längs gewalzt wird und beim Walzen von der Zwischendicke auf die Enddicke zumindest
teilweise quer gewalzt wird. In diesem Fall tritt oftmals der Fall auf, dass die Länge
und/oder die Breite des Walzguts innerhalb eines zulässigen Längs- oder Querbereichs
des Walzguts liegen muss. Insbesondere in diesem Fall ist es möglich, dass der zulässige
Dickenbereich durch den entsprechenden zulässigen Längs- oder Querbereich des Walzguts
bestimmt ist, innerhalb dessen die entsprechende Abmessung des Walzguts nach den Walzen
auf die Enddicke liegen soll.
[0017] Alternativ ist es möglich, dass das Walzgut sowohl beim Walzen von der Anfangsdicke
auf die Zwischendicke als auch beim Walzen von der Zwischendicke auf die Enddicke
längs gewalzt wird. In diesem Fall ist der zulässige Dickenbereich in der Regel durch
die technologischen Möglichkeiten des Walzwerks bestimmt, das Walzgut nach der Walzpause
auf die Enddicke zu walzen.
[0018] Das Walzen von der Anfangsdicke auf die Zwischendicke erfolgt in der Regel in einem
ersten Temperaturbereich. Während der Walzpause kühlt das Walzgut ab. Das Walzen von
der Zwischendicke auf die Enddicke erfolgt nachfolgend in mindestens einem zweiten,
niedrigeren Temperaturbereich.
[0019] In manchen Fällen erfolgt das Walzen von der Zwischendicke auf die Enddicke in mehr
als einem zweiten Temperaturbereich. In diesem Fall liegt zwischen jeweils zwei unmittelbar
aufeinander folgenden zweiten Temperaturbereichen jeweils eine weitere Walzpause,
in der das Walzgut abkühlt. Auch die in jeweils einem der zweiten Temperaturbereiche
erfolgenden Walzvorgänge können erfindungsgemäß ausgestaltet sein. Die Zwischendicke
des jeweils vorhergehenden Walzvorgangs entspricht in diesem Fall der Anfangsdicke
des jeweiligen Walzvorgangs.
[0020] Die Aufgabe wird weiterhin durch ein Computerprogramm der eingangs genannten Art
gelöst, dessen Maschinencode derart ausgestaltet ist, dass seine Abarbeitung durch
die Steuereinrichtung bewirkt, dass die Steuereinrichtung das Walzwerk gemäß einem
erfindungsgemäßen Betriebsverfahren steuert. Das Computerprogramm kann insbesondere
auf einem Datenträger in maschinenlesbarer Form (insbesondere in ausschließlich maschinenlesbarer
Form, beispielsweise elektronisch) gespeichert sein.
[0021] Die Aufgabe wird weiterhin durch eine Steuereinrichtung für ein Walzwerk für ein
flaches Walzgut gelöst, die derart ausgebildet ist, dass sie im Betrieb das Walzwerk
gemäß einem erfindungsgemäßen Betriebsverfahren steuert.
[0022] Schließlich wird die Aufgabe durch ein Walzwerk für ein flaches Walzgut gelöst, das
von einer erfindungsgemäßen Steuereinrichtung gesteuert wird.
[0023] Weitere Vorteile und Einzelheiten ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
von Ausführungsbeispielen in Verbindung mit den Zeichnungen. Es zeigen in Prinzipdarstellung:
- FIG 1
- ein Walzwerk von der Seite,
- FIG 2
- das Walzwerk von FIG 1 von oben,
- FIG 3
- ein Ablaufdiagramm,
- FIG 4
- ein Zeitdiagramm,
- FIG 5
- ein Ablaufdiagramm,
- FIG 6 bis 8
- Zeitdiagramme,
- FIG 9
- ein Walzgut von oben und
- FIG 10
- ein Dickendiagramm.
[0024] Gemäß den FIG 1 und 2 weist ein Walzwerk mindestens ein Walzgerüst 1 aus. Dargestellt
ist in den FIG 1 und 2 ein einziges Walzgerüst 1. Es ist jedoch möglich, dass mehr
als ein Walzgerüst 1 vorhanden ist.
[0025] In dem Walzwerk wird ein flaches Walzgut 2 gewalzt. Der Begriff "flaches Walzgut"
dient der Unterscheidung zu profiliertem Walzgut, stabförmigem Walzgut und rohrförmigem
Walzgut.
[0026] Gemäß FIG 1 ist das Walzwerk als Reversierwalzwerk ausgebildet, in dem das flache
Walzgut 2 reversierend gewalzt wird. Diese Ausgestaltung stellt den Regelfall der
vorliegenden Erfindung dar. Alternativ wäre es jedoch möglich, dass das flache Walzgut
2 nacheinander mehrere Walzgerüste 1 durchläuft, ohne seine Transportrichtung zu ändern.
[0027] Das Walzwerk weist eine Steuereinrichtung 3 auf, von der es gesteuert wird. Die Steuereinrichtung
3 ist derart ausgebildet, dass sie im Betrieb das Walzwerk gemäß einem Betriebsverfahren
steuert, das nachfolgend detailliert erläutert werden wird. Insbesondere kann die
Steuereinrichtung 3 mit einem Computerprogramm 4 programmiert sein, das Maschinencode
5 aufweist, der von der Steuereinrichtung 3 unmittelbar abarbeitbar ist. Das Abarbeiten
des Maschinencodes 5 durch die Steuereinrichtung 3 bewirkt in diesem Fall, dass die
Steuereinrichtung 3 das Walzwerk entsprechend dem erfindungsgemäßen Betriebsverfahren
steuert.
[0028] Das Computerprogramm 4 kann der Steuereinrichtung 3 auf verschiedene Weise zugeführt
werden. Insbesondere ist es möglich, dass das Computerprogramm 4 auf einem Datenträger
6 in maschinenlesbarer Form gespeichert ist. Als Beispiel eines Datenträgers 6 ist
in FIG 1 ein USB-Stick dargestellt. Diese Ausgestaltung ist jedoch rein beispielhaft.
Auch kann das Computerprogramm 4 der Steuereinrichtung 3 auf andere Weise als über
den Datenträger 6 zugeführt werden. Beispielsweise ist es möglich, das Computerprogramm
4 der Steuereinrichtung 3 über eine Rechner-Rechner-Verbindung zuzuführen, insbesondere
ein local area network oder das world wide web.
[0029] Das flache Walzgut 2 soll in dem Walzwerk von einer Anfangsdicke dA auf eine Enddicke
dE gewalzt werden. Zur Bestimmung der zum Walzen des flachen Walzguts 2 erforderlichen
Walzstiche und der entsprechenden Ansteuerung des Walzwerks führt die Steuereinrichtung
3 ein Verfahren aus, dass nachfolgend in Verbindung mit FIG 3 näher erläutert wird.
[0030] Gemäß FIG 3 nimmt die Steuereinrichtung 3 in einem Schritt S1 Leistungsgrenzen des
Walzwerks entgegen. Beispielsweise kann die Steuereinrichtung 3 für jedes Walzgerüst
1 des Walzwerks dessen maximal mögliche Walzkraft, dessen maximal mögliches Walzmoment,
dessen maximal mögliche Rückbiegekraft usw. entgegennehmen.
[0031] In einem Schritt S2 nimmt die Steuereinrichtung 3 die (tatsächliche) Anfangsdicke
dA, die (gewünschte) Enddicke dE sowie die technologische Randbedingungen des Walzgutes
2 und des Walzprozesses entgegen. Alternativ zu einer expliziten Vorgabe der genannten
Größen könnten die Größen auch anderweitig bestimmt sein. Entscheidend ist, dass sie
der Steuereinrichtung 3 bekannt sind.
[0032] In einem Schritt S3 ermittelt die Steuereinrichtung 3 eine Anzahl von Walzstichen,
so dass das Walzgut 2 von der Anfangsdicke dA auf eine Zwischendicke dZ gewalzt wird.
Diese Walzstiche werden nachfolgend zur sprachlichen Unterscheidung von anderen Walzstichen
als Basisstiche bezeichnet. Die Wortwahl dient jedoch lediglich der sprachlichen Unterscheidung.
Ein weitergehender Bedeutungsinhalt soll mit dieser Wortwahl nicht verbunden sein.
[0033] In der Regel ermittelt die Steuereinrichtung 3 im Rahmen des Schrittes S3 weitere
Stiche, so dass das Walzgut 2 von der Zwischendicke dZ auf die Enddicke dE gewalzt
wird. Diese Walzstiche werden nachfolgend zur sprachlichen Unterscheidung von den
Basisstichen als Zusatzstiche bezeichnet. Auch diese Wortwahl dient lediglich der
sprachlichen Unterscheidung.
[0034] In einem Schritt S4 steuert die Steuereinrichtung 3 das Walzwerk entsprechend den
im Schritt S3 ermittelten Walzstichen an, also gemäß den Basisstichen und gegebenenfalls
auch den Zusatzstichen.
[0035] Gemäß FIG 4 werden die Basisstiche in einem ersten zeitlichen Walzabschnitt 7 durchgeführt,
die Zusatzstiche in mindestens einem weiteren zeitlichen Walzabschnitt 8. Sowohl die
Basisstiche als auch die Zusatzstiche sind in FIG 4 als vertikale Linien angedeutet.
Zwischen dem ersten zeitlichen Walzabschnitt 7 und dem ersten der weiteren zeitlichen
Walzabschnitte 8 liegt eine Walzpause 9, in der das Walzgut 2 nicht gewalzt wird.
Die Walzpause 9 ist eine willkürlich eingelegte Walzpause 9. Es handelt sich bei der
Walzpause 9 nicht lediglich um die unvermeidbare Pause zwischen zwei unmittelbar aufeinander
folgenden Walzstichen, die beispielsweise zum Reversieren des Walzguts 2 benötigt
wird. Falls mehrere weitere Walzabschnitte 8 vorhanden sind, liegt zwischen benachbarten
der weiteren Walzabschnitte 8 jeweils eine weitere Walzpause 9' .
[0036] In aller Regel erfolgt das Walzen im ersten zeitlichen Walzabschnitt 7 bei einer
ersten Temperatur des Walzguts 2, die relativ hoch ist. Von Walzabschnitt 7 zu Walzabschnitt
8 (und gegebenenfalls auch von Walzabschnitt 8 zu Walzabschnitt 8) kühlt das Walzgut
2 in der jeweiligen Walzpause 9, 9' ab.
[0037] Zum Ermitteln der Basisstiche wird vor dem Walzen des Walzguts 2 gemäß FIG 5 in einem
Schritt S11 ein zulässiger Dickenbereich DB festgelegt, innerhalb dessen die Zwischendicke
dZ liegen soll. Der Dickenbereich DB ist durch eine Obergrenze dZmax und eine Untergrenze
dZmin definiert. Der Dickenbereich DB kann zwar nicht willkürlich gewählt werden,
da die technologischen Randbedingungen eingehalten werden müssen. Es handelt sich
bei dem Dickenbereich DB jedoch nicht lediglich um einen Toleranzbereich, der im Betrieb
des Walzwerks unvermeidbar ist. Vielmehr handelt es sich um einen Bereich, dessen
Größe erheblich größer als die Genauigkeit ist, mit der das Walzgut 2 auf eine bestimmte
Dicke gewalzt werden kann. Beispielsweise kann die Differenz von Obergrenze dZmax
und Untergrenze dZmin, bezogen auf die Untergrenze dZmin, zwischen 5 Prozent und 25
Prozent liegen. Beispiele von möglichen Dickenbereichen DB sind in den Figuren 6 und
7 dargestellt.
[0038] Sodann wird in einem Schritt S12 innerhalb des ersten zeitlichen Walzabschnitts 7
eine Anzahl von vorläufigen Walzstichen bestimmt, also vorläufige Basisstiche. Bei
jedem der vorläufigen Basisstiche werden die Leistungsgrenzen des Walzwerks vollständig
ausgenutzt. Die vorläufigen Basisstiche werden somit als "limit passes" angesetzt,
bei denen die maximal mögliche Umformung bewirkt wird. Die Basisstiche werden also
nach dem Motto "Walzgerüst, tu was du kannst" angesetzt. Hierbei können sich zwei
unterschiedliche Fälle ergeben.
[0039] Zum einen ist es entsprechend der Darstellung von FIG 6 möglich, dass nach mindestens
einem der vorläufigen Basisstiche - in der Darstellung gemäß FIG 6 nach vier Walzstichen
- eine Zwischendicke dZ erreicht wird, die innerhalb des zulässigen Dickenbereichs
DB liegt. Wenn dies der Fall ist, werden die vorläufigen Basisstiche bis zu dem zuletzt
erwähnten vorläufigen Basisstich 1:1 als endgültige Basisstiche übernommen. Dies ist
in FIG 5 in einem Schritt S13 dargestellt.
[0040] Zum anderen ist es möglich, dass keine derartige Anzahl von vorläufigen Basisstichen
existiert. In diesem Fall existieren zwei vorläufige Basisstiche - gemäß der Darstellung
von FIG 7 der vierte und der fünfte Basisstich - wobei die jeweils erreichte Zwischendicke
dZ nach dem vierten Basisstich noch oberhalb der Obergrenze dZmax des zulässigen Dickenbereichs
DB liegt, nach dem fünften vorläufigen Basisstich jedoch bereits unterhalb der Untergrenze
dZmin des zulässigen Dickenbereichs DB. Der zulässige Dickenbereich DB wird also von
diesen beiden unmittelbar aufeinander folgenden Basisstichen eingegabelt.
[0041] In diesem Fall ist die Anzahl an endgültigen Basisstichen gemäß einem Schritt S14
gleich derjenigen Anzahl von vorläufigen Basisstichen, bei welcher der zulässige Dickenbereich
DB erstmals unterschritten wird (in der Darstellung gemäß FIG 7 also fünf Basisstiche).
Die endgültigen Basisstiche können jedoch nicht 1:1 mit den vorläufigen Basisstichen
korrespondieren. Vielmehr ist es erforderlich, bei mindestens einem der endgültigen
Basisstiche die Leistungsgrenzen des Walzwerks nicht vollständig auszunutzen. Dies
ist in FIG 5 in einem Schritt S15 dargestellt.
[0042] Auch wenn die zuletzt erläuterte Vorgehensweise ergriffen werden muss, wenn also
bei mindestens einem der Basisstiche die Leistungsgrenzen des Walzwerks nicht vollständig
ausgenutzt werden, soll dennoch eine möglichst hohe strain penetration erreicht werden.
Das Reduzieren des Ausnutzens der Leistungsgrenzen des Walzwerks sollte also so niedrig
wie möglich sein. Aus diesem Grund wird das Ausnutzen der Leistungsgrenzen des Walzwerks
vorzugsweise nur soweit reduziert, dass die Zwischendicke dZ entsprechend der Darstellung
von FIG 7 an der Untergrenze dZmin des zulässigen Dickenbereichs DB liegt. Beispielsweise
kann die Zwischendicke dZ direkt der Untergrenze dZmin entsprechen oder - bezogen
auf den gesamten zulässigen Dickenbereich DB - zumindest im unteren Drittel liegen,
vorzugsweise weit darunter, beispielsweise in den unteren 5 Prozent oder den unteren
10 Prozent des zulässigen Dickenbereichs DB.
[0043] Prinzipiell ist es weiterhin möglich, die Reduktion des Ausnutzens der Leistungsgrenzen
des Walzwerks auf beliebige der Basisstiche zu verteilen, beispielsweise auf alle
Basisstiche oder auf die zeitlich frühen Basisstiche. Bevorzugt ist entsprechend der
Darstellung von FIG 7 jedoch, dass diejenigen der Basisstiche, bei denen die Leistungsgrenzen
des Walzwerks nicht vollständig ausgenutzt werden, die zeitlich letzten Basisstiche
sind. Gemäß der Darstellung von FIG 7 sind dies beispielsweise der dritte, vierte
und fünfte endgültige Basisstich. Dies ist in FIG 7 dadurch angedeutet, dass bei diesen
Basisstichen sich jeweils Auslaufdicken des Walzguts 2 ergeben, die immer stärker
von der bei dem jeweiligen Stich minimal möglichen Auslaufdicke abweichen. Diese Auslaufdicken
sind in FIG 7 gestrichelt dargestellt.
[0044] Wenn es möglich ist, bei allen Basisstichen die Leistungsgrenzen des Walzwerks vollständig
auszunutzen, kann es geschehen, dass die Anzahl an Basisstichen nicht eindeutig bestimmt
ist. Beispielsweise können entsprechen der Darstellung von FIG 8 die jeweils erreichten
Zwischendicken dZ nach 4, 5 und 6 Basisstichen alle innerhalb des zulässigen Dickenbereichs
DB liegen. In diesem Fall ist es prinzipiell möglich, die Anzahl an Basisstichen alternativ
mit 4, 5 oder 6 anzusetzen. In vielen Fällen wird jedoch eine Zieldicke dZ* vorgegeben
sein, die innerhalb des zulässigen Dickenbereichs DB liegt. In diesem Fall wird die
Anzahl an Basisstichen vorzugsweise derart bestimmt, dass eine Differenz der sich
ergebenden Zwischendicke dZ von der Zieldicke dZ* minimiert wird. Gemäß der Darstellung
von FIG 8 würden beispielsweise fünf Basisstiche ausgeführt werden. Dies ist in FIG
8 mit einem Pfeil A angedeutet.
[0045] Während des Ausführens der Basisstiche wird das Walzgut 2 in aller Regel längs gewalzt,
das heißt es wird zwischen den Basisstichen nicht gedreht. In der Walzpause 9 ist
es jedoch möglich, dass das Walzgut 2 entsprechend der Darstellung von FIG 2 um 90°
gedreht und danach quer gewalzt wird. Alternativ ist es möglich, dass das Walzgut
2 in der Walzpause 9 nicht gedreht wird, so dass es auch während der Zusatzstiche
längs gewalzt wird. Aus diesem Grund, nämlich weil beide Möglichkeiten gegeben sind,
ist das Drehen des Walzguts 2 um 90° in FIG 2 nur gestrichelt angedeutet.
[0046] Der guten Ordnung halber wird darauf hingewiesen, dass die Begriffe "längs" und "quer"
nur zur Unterscheidung der Walzrichtungen voneinander in Bezug auf das Walzgut 2 dienen.
Es könnten ebenso die Basisstiche als Querstiche und die Zusatzstiche als Längsstiche
bezeichnet werden. Wie bereits erwähnt, geht es lediglich um die Unterscheidung in
der Wortwahl.
[0047] Wenn das Walzgut 2 beim Walzen von der Anfangsdicke dA auf die Zwischendicke dZ längs
gewalzt wird und beim Walzen von der Zwischendicke dZ auf die Enddicke dE - zumindest
teilweise - quer gewalzt wird, korrespondiert der zulässige Dickenbereich DB gemäß
FIG 9 mit einem entsprechenden Längenbereich LB, innerhalb dessen eine Länge 1 des
Walzguts 2 nach dem Walzen des Walzguts 2 auf die Enddicke dE liegen muss. In diesem
Fall kann es möglich sein, dass die Steuereinrichtung 3 im Rahmen der Ermittlung des
zulässigen Dickenbereichs DB zunächst den zulässigen Längsbereich LB ermittelt und
sodann auf den zulässigen Dickenbereich DB zurückrechnet.
[0048] In analoger Weise korrespondiert der zulässige Dickenbereich DB mit einem zulässigen
Querbereich QB, in dem eine Breite b des Walzguts 2 nach dem Walzen auf die Enddicke
dE liegen muss. In analoger Weise kann daher auch anhand des zulässigen Querbereichs
QB auf den zulässigen Dickenbereich DB zurückgerechnet werden.
[0049] Wenn das Walzgut 2 stets - also sowohl beim Walzen von der Anfangsdicke dA auf die
Zwischendicke dZ als auch beim Walzen von der Zwischendicke dZ auf die Enddicke dE
- längs gewalzt wird, kann es entsprechend der Darstellung von FIG 10 möglich sein,
dass aufgrund von technologischen Möglichkeiten des Walzwerks, das Walzgut 2 nach
der Walzpause 9 auf die Enddicke dE zuwalzen, die Zwischendicke dZ innerhalb bestimmter
Grenzen liegen muss. In diesem Fall ist der zulässige Dickenbereich DB durch genau
diese Grenzen bestimmt.
[0050] Die vorliegende Erfindung weist viele Vorteile auf. Insbesondere ist sie rechentechnisch
einfach zu implementieren, arbeitet effizient und ist zuverlässig. Es besteht keine
Gefahr, das Walzwerk zu überlasten oder nachträglich sozusagen "Kleinstiche" durchführen
zu müssen, bei denen das Walzgut 2 nur in geringfügigem Umfang umgeformt wird. Auch
ist ein Nachrüsten bestehender Walzwerke ohne weiteres möglich.
[0051] Die obige Beschreibung dient ausschließlich der Erläuterung der vorliegenden Erfindung.
Der Schutzumfang der vorliegenden Erfindung soll hingegen ausschließlich durch die
beigefügten Ansprüche bestimmt sein.
1. Betriebsverfahren für ein Walzwerk zum Walzen eines flachen Walzguts (2) von einer
Anfangsdicke (dA) auf eine Enddicke (dE),
- wobei zunächst das Walzgut (2) von der Anfangsdicke (dA) auf eine Zwischendicke
(dZ) gewalzt wird, sodann eine Walzpause (9) eingelegt wird und erst dann das Walzgut
(2) von der Zwischendicke (dZ) auf die Enddicke (dE) gewalzt wird,
- wobei zum Walzen des Walzguts (2) von der Anfangsdicke (dA) auf die Zwischendicke
(dZ) eine Anzahl von Walzstichen ermittelt wird und das Walzgut (2) entsprechend den
ermittelten Walzstichen gewalzt wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass vor dem Walzen des Walzguts (2) anhand technologischer Randbedingungen ein zulässiger
Dickenbereich (DB) festgelegt wird, innerhalb dessen die Zwischendicke (dZ) liegen
soll, und dass die Ermittlung der Walzstiche derart erfolgt, dass die Zwischendicke
(dZ) innerhalb des zulässigen Dickenbereichs (DB) liegt und
- entweder bei allen Walzstichen die Leistungsgrenzen des Walzwerks vollständig ausgenutzt
werden
- oder zwar bei mindestens einem der Walzstiche die Leistungsgrenzen des Walzwerks
nicht vollständig ausgenutzt werden, jedoch in dem Fall, dass die Anzahl an Walzstichen
um eins verringert würde, die Zwischendicke (dZ) außerhalb des zulässigen Dickenbereichs
(DB) liegen würde, obwohl bei allen der um eins verringerten Anzahl von Walzstichen
die Leistungsgrenzen des Walzwerks vollständig ausgenutzt würden.
2. Betriebsverfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine innerhalb des zulässigen Dickenbereichs (DB) liegende Zieldicke (dZ*) vorgegeben
ist und dass in dem Fall, dass bei allen Walzstichen die Leistungsgrenzen des Walzwerks
vollständig ausgenutzt werden, die Anzahl von Walzstichen derart bestimmt wird, dass
eine Differenz der sich ergebenden Zwischendicke (dZ) von der Zieldicke (dZ*) minimiert
wird.
3. Betriebsverfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass in dem Fall, dass bei mindestens einem der Walzstiche die Leistungsgrenzen des Walzwerks
nicht vollständig ausgenutzt werden, die Zwischendicke (dZ) an der Untergrenze (dZmin)
des zulässigen Dickenbereichs (DB) liegt.
4. Betriebsverfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass in dem Fall, dass bei mindestens einem der Walzstiche die Leistungsgrenzen des Walzwerks
nicht vollständig ausgenutzt werden, die die Leistungsgrenzen des Walzwerks nicht
vollständig ausnutzenden Walzstiche die letzten der Walzstiche sind.
5. Betriebsverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Walzgut (2) beim Walzen von der Anfangsdicke (dA) auf die Zwischendicke (dZ)
längs gewalzt wird und beim Walzen von der Zwischendicke (dZ) auf die Enddicke (dE)
zumindest teilweise quer gewalzt wird und dass der zulässige Dickenbereich (DB) durch
einen zulässigen Längs- oder Querbereich (LB, LQ) des Walzguts (2) bestimmt ist, innerhalb
dessen die entsprechende Abmessung (l, b) des Walzguts (2) nach dem Walzen auf die
Enddicke (dE) liegen soll.
6. Betriebsverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Walzgut (2) sowohl beim Walzen von der Anfangsdicke (dA) auf die Zwischendicke
(dZ) als auch beim Walzen von der Zwischendicke (dZ) auf die Enddicke (dE) längs gewalzt
wird und dass der zulässige Dickenbereich (DB) durch die technologischen Möglichkeiten
des Walzwerks, das Walzgut (2) nach der Walzpause (9) auf die Enddicke (dE) zu walzen,
bestimmt ist.
7. Betriebsverfahren nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Walzen von der Anfangsdicke (dA) auf die Zwischendicke (dZ) in einem ersten Temperaturbereich
erfolgt, dass das Walzgut (2) während der Walzpause (9) abkühlt und dass das Walzen
von der Zwischendicke (dZ) auf die Enddicke (dE) in mindestens einem zweiten Temperaturbereich
erfolgt.
8. Betriebsverfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Walzen von der Zwischendicke (dZ) auf die Enddicke (dE) in mehr als einem zweiten
Temperaturbereich erfolgt und dass zwischen jeweils zwei unmittelbar aufeinander folgenden
zweiten Temperaturbereichen jeweils eine weitere Walzpause (9') liegt, in der das
Walzgut (2) abkühlt.
9. Computerprogramm, das Maschinencode (5) aufweist, der von einer Steuereinrichtung
(3) für ein Walzwerk für ein flaches Walzgut (2) unmittelbar abarbeitbar ist und dessen
Abarbeitung durch die Steuereinrichtung (3) bewirkt, dass die Steuereinrichtung (3)
das Walzwerk gemäß einem Betriebsverfahren mit allen Schritten eines Betriebsverfahrens
nach einem der obigen Ansprüche steuert.
10. Computerprogramm nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass es auf einem Datenträger (6) in maschinenlesbarer Form gespeichert ist.
11. Steuereinrichtung für ein Walzwerk für ein flaches Walzgut (2),
dadurch gekennzeichnet,
dass sie derart ausgebildet ist, dass sie im Betrieb das Walzwerk gemäß einem Betriebsverfahren
mit allen Schritten eines Betriebsverfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 8 steuert.
12. Walzwerk für ein flaches Walzgut (2),
dadurch gekennzeichnet,
dass es von einer Steuereinrichtung (3) nach Anspruch 11 gesteuert wird.