[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Förderung eines partiell zu
oxidierenden Materials zur Beschickung eines bedruckten Reaktors, insbesondere eines
Vergasungsreaktors.
[0002] Aus dem Vergaserreaktor kann durch die partielle Oxidation in weiterer Folge Prozessgas
erzeugt werden, welches dann entweder zu Synthesegas für wertvolle Chemikalien eingesetzt
oder über eine Gasturbine unter weit umweltschonenderem alternativem Verfahren die
genannten Ausgangsstoffe unter CO2-Sequestration zur Energieerzeugung benutzen.
[0003] In der Vergasungstechnik werden organische Stoffe wie Kohle, Öle, Erdgas und anderen
Materialien unter hohem Druck und höher Temperatur einer partiellen Oxidation unterzogen,
wodurch man Prozessgas erzeugt, das im wesentlichren aus CO und H2 besteht.
[0004] Um die Einsatzstoffe in den Reaktor zuzuführen, müssen die Ausgangsstoffe eine Druckerhöhung
erfahren. Dabei werden in der Regel die Ausgangsstoffe 2 bis 5 bar über den Reaktorbetriebsdruck
gebracht, bevor sie in den Reaktor überführt werden.
[0005] Während die Zuführung gasförmiger Ausgangsstoffe über einen Kompressor oder die flüssigen
Ausgangsstoffe wie Öle über eine Pumpe leicht erfolgen kann, bereitet die Druckerhöhung
der festen Ausgangsstoffe besondere Schwierigkeiten.
[0006] Für die Versorgung des Reaktors mit festen Bestandsteilen, die meist aus Kohlepulver
bestehen, werden im Wesentlichen zwei Methoden angewandt, womit man das Fördergut
auf höheren erforderlichen Druck bringt.
[0007] Das eine verbreitete Methode besteht darin, dass man zuerst eine Suspension aus Kohlepulver
und sonstigen partiell oxidierbaren Materialien mit einer Flüssigkeit wie Öl oder
nur mit Wasser vorbereitet, welche dann mittels einer Pumpe auf höheren Druck gebracht
wird und dann in den Reaktor eingesprüht wird.
[0008] Da für die Vergasungsreaktoren sehr viel Kohle als Ausgangsstoff einzusetzen ist,
bedient man sich bei diesen Verfahren meistens das Wasser als Begleitmittel. Das Zuführen
von Wasser reduziert die Reaktorleistung doch wesentlich, da das einzusetzende Wasser
die erforderliche hohe Reaktionstemperatur durch die Verdampfung reduziert. Dies kann
nur durch Verbrennungsreaktion der Kohle zu unerwünschten CO2 kompensiert werden,
womit sich die Reaktorausbeute im Bezug auf eingesetzten Kohlenstoff zur Bildung der
erwünschten Hauptprodukte CO und H2 herabsetzt.
[0009] Um die Probleme mit dem Wassereintrag in den Reaktor zu vermeiden, hat man eine trockene
Kohleförderung in diskontinuierlichem Chargenbetrieb entwickelt.
[0010] In trockenen Förderverfahren wird der Kohlestaub oder sonstiges Feedmaterial in verschiedenen
Korngrößen und Formen (Briketts, Pellets, etc.) in diskontinuierlichen Taktschritten
aus einem drucklosen Hauptsilo chargenweise und periodisch zuerst in ein Zwischensilo
überführt, welches je nach Taktvorgang mit Feedmaterial gefüllt, dann mit einem Trägergas
zeitgesteuert aufgedruckt wird. Danach wird das Feedmaterial in ein Drucksilo (genannt
"Pressurized Surge Hopper") entleert und anschließend wird das Zwischnsilo wieder
zeitgesteuert entspannt, bevor der nächste Füllvorgang eingeleitet wird. Um den diskontinuierlichen
Förderungsprozess mit Taktschritten unterschiedlicher Zeitdauer an den kontinuierlichen
Betrieb der Folgeapparate in der Anlage anzupassen, ist eine Reihe intermittierend
arbeitender Zwischensilos notwendig.
[0011] Daher müssen die Zwischensilos einerseits für Aufnahme großer Mengen und andererseits
für Druckwechselbeanspruchung ausgelegt werden. Diese Faktoren erfordern eine hohe
Investition.
[0012] Ebenso erfordert die diskontinuierliche Prozessführung eine Vielzahl von Armaturen
und Leitungen mit großen Nennweiten, die auch für eine Druckwechselbeanspruchung ausgelegt
werden müssen.
[0013] Ein weiterer Nachteil dieses Verfahrens besteht darin, dass die vielen ferngesteuerten
Armaturen je nach Taktvorgang in AUF- oder ZU-Stellung gesetzt werden müssen, was
nicht nur das gesamte Verfahren störanfällig macht, sondern auch einen hohen Aufwand
an Betriebspersonal und Instandhaltung erfordert.
[0014] Die außerordentlich großen Armaturen und Einrichtungen benötigen eine große Anzahl
an Messungen und Regelkreisen, die in das Plant Control System integriert werden müssen.
Andererseits bedingt die erforderliche Vielzahl an Messeinrichtungen eine Störanfälligkeit,
die nur durch mehrfach (in der Regel 2 von 3 oder 2 von 4) Messungen kompensiert werden.
[0015] Obwohl sich diese Art der Prozessführung aus Kostengründen üblicherweise nur für
Versuchsanlagen im Labor oder in Technikumsanlagen eignet, hat sie sich überraschenderweise
auch in verschiedenen industriellen Anlagen für die Vergasungstechnik durchgesetzt.
[0016] Die Übertragung der ursprünglich für Laborbetriebe geeigneten Verfahren auf industrielle
Anlagen bereitet enorm hohen technischen Aufwand. Zur Verarbeitung großer Mengen an
Fördergut sind sehr große Hauptsilos, eine Reihe intermittierend arbeitende Zwischensilos
und ein sehr großes Drucksilo mit einer außergewöhnlich hohe Anzahl an ferngesteuerten
Armaturen, Messeinrichtungen und viele Förderund Ausgleichleitungen notwendig.
[0017] Der Umstand wird zusätzlich dadurch erhöht, dass man zum Handling großer Mengen an
Gut in großen Silos das Fördergut ständig mit einem Trägergas im Fliessbett erhalten
muss. Dafür ist ebenso eine große Menge an Inertgas notwendig, ebenso wie für die
diskontinuierliche Druckerhöhung in den Zwischensilos und dem Drucksilo.
[0018] Ebenso ist ein hoher Bedarf an Inertgas notwendig, damit man das Fördergut aus dem
Drucksilo durch ein pneumatisches Feststofffördern zum Reaktor führt.
[0019] Für die beiden oben angeführten Zwecke ist ein entsprechend großer Kompressor notwendig,
der das nötige Inertgas (meist den anfallenden Stickstoff aus einer Luftzerlegungsanlage)
unter hohem Energieverbrauch und Wartungsaufwand bereitstellen muss. Für den Schutz
des Kompressors vor Pumpstößen, die durch die Druckstöße in den Inertgasversorgungssystemen
entstehen, sind einige große Gaspuffertanks notwendig, die sowohl das Niederdrucksilo
als auch das Zwischenund Drucksilo unterstutzen sollen.
[0020] Da der Inertgaskompressor aus Kosten- und Wartungsgründen einfach ohne Redundanz
eingesetzt werden kann, erfolgt ein gesamter shut-down der Anlage, sobald der Kompressor
ausfällt. Bei einem solchen Ausfall sind umfassende Schritte zum Re-start der gesamten
Anlage unabdingbar.
[0021] Weiter ist zu berücksichtigen, dass diese alle Apparate und Einrichtungen einen ebenso
großen Platzbedarf im Stahlbau und am Standort erfordern. Aufgabe der vorliegenden
Erfindung ist es, ein verbessertes Verfahren zur Förderung eines partiell zu oxidierenden
Materials zur Beschickung eines bedruckten Reaktors zur Verfügung zu stellen.
[0022] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß von einem Verfahren gemäß Anspruch 1 gelöst. Die
Erfindung zeigt dabei ein Verfahren zur kontinuierlichen trockenen Förderung eines
partiell zu oxidierenden Materials zur Beschickung eines bedruckten Reaktors, insbesondere
eines Vergasungsreaktors, zur Verfügung, wobei das Material aus einem drucklosen Silo
mindestens einem Extruder zugeführt wird, wodurch das Material in der Kompressionszone
des Extruders eine Verdichtung bis über den aktuellen Betriebsdruck des Reaktors erfährt.
[0023] Als partiell zu oxidierendes Material kann dabei Kohlestaub oder Kohlepulver, Granulate,
Peletts aus verschiedenen Ausgangsmaterialien oder eine Mischung verschiedener Kohlesorten,
Abfallstoffe der Raffinerien wie Teerreste, Pet-Coke, organischen Abfälle aus Chemieanlagen,
getrocknete pulverisierte Biomasse, Holzabfälle verschiedener Art, getrocknete pulverisierte
Schwarzlauge aus Papier- und Zellstoffindustrie und sonstige nachhaltige Materialien
eingesetzt werden.
[0024] Bei einem Extruder handelt es sich um ein Fördergerät, welches nach dem Funktionsprinzip
eines Schneckenförderers Material aufnimmt und unter Druckerhöhung aus einer Auslassöffnung
herauspresst. Ein Extruder weist dabei eine Schneckenwelle bzw. Schnecke auf, welche
in einem Schneckenzylinder drehbar angeordnet ist. Der Nenndurchmesser des Schneckenzylinders
entspricht dabei im wesentlichen dem Außendurchmesser der Schnecke. An einem Ende
der Schnecke befindet sich ein Antrieb, in den meisten Fällen ein Elektromotor mit
Getriebeeinheit (Extrudergetriebe), der für die Rotation der Schnecke sorgt. Zu verarbeitende
Materialien werden der Schnecke auf dieser Seite meist über einen Trichter von oben
zugeführt. Am anderen Ende des Schneckenzylinders befindet sich die Auslassöffnung.
[0025] Die Schnecke selbst wird im Allgemeinen in drei Zonen aufgeteilt, die unterschiedliche
Aufgaben übernehmen. Im hinteren Bereich des Schneckenzylinders befindet sich die
sogenannte Einzugszone. In dieser wird das zu extrudierende Material z.B. über einen
Trichter eingespeist und verdichtet. An diese schließt sich die Kompressionszone an,
in der das Material durch die verringerte Gangtiefe der Schnecke weiter verdichtet
und damit der für den Austrag notwendige Druck aufgebaut wird. Abschließend sorgt
die Austragszone für einen homogenen Materialstrom.
[0026] Bei dem Extruder kann es sich beispielweise um einen Einschneckenextruder, Doppelschneckenextruder
(gleichläufig od. gegenläufig), Vielwellenextruder , Kskadenextruder oder Planetenextruder
handeln. Die Förderung und der Druckaufbau werden beim Einschnecken- und gleichläufigen
Doppelschneckenextruder durch die Friktion der mit der Schnecke rotierenden Masse
an der stehenden Gehäusewand (Zylinder) bewirkt - man spricht in diesem Zusammenhang
von Friktionsförderung. Die so in der Rotation zurückbleibende Masse wird von den
wendelförmigen Schneckengängen zur Auslassöffnung geschoben. Beim gegenläufigen Doppelschneckenextruder
überwiegt das Prinzip der Zwangsförderung.
[0027] Die Erfindung stellt damit eine kontinuierliche Hochdruckförderung von trockenem
Material, insbesondere von Kohlenstaub, für die partielle Oxidation in einem Kohlevergasungsreaktor
zur Erzeugung vom Prozessgas zur Verfügung. Dabei handelt es sich um einen kontinuierlichen
Prozess zur trockenen Förderung von Kohlenstaub und/oder einer Mischung von partiell
zu oxidierenden Materialien, bei dem das Fördergut aus einem drucklosen Silo mittels
eines geeigneten Förderorgans über einen oder mehrere Extrudereinspeisebehälter einem
oder mehreren Extruder(n) zugeführt wird, wodurch der pulverisierte Feed in der Kompressionszone
des Extruders eine Verdichtung erfährt und anschließend einem ersten Überdruckbehälter
zugeführt wird.
[0028] Weiterhin kann das Material von dem ersten Überdruckbehälter mit einem und/oder mehreren
in Reihe geschalteten Überdruck-Rohrkettenförderer(n) in einen zweiten Hochdruckbehälter
überführt werden, von wo aus das Material durch eine oder mehrere Feed-Einspeiseeinheit(en)
- umfassend je eine Zellenradschleuse, eine Reaktor-Feedleitung sowie eine Eindüseleitung
für den pneumatischen Förderguttransport mittels eines Fördergases (Sattdampf, überhitzten
Dampf, Inertgas, Kohlendioxid, Erdgas oder eine Mischung aus diesen Gasen in beliebigem
Volumenverhältnis) in den Vergasungsreaktor eingedüst wird, wo das Material bei hohen
Temperaturen und hohem Druck zu Prozessgas, Asche und Schlacke umgesetzt wird.
[0029] Vorteilhafterweise ist vorgesehen, dass das Material für die partielle Oxidation
hauptsächlich aus Kohlestaub beliebiger Art und Korngrößenverteilung mit einem Restfeuchtegehalt
von 0,1 bis 10 Gew% besteht. Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass das
Material aus einem Silo nach Mahlvorgang durch einen Schneckenförderer, Bandförderer
oder einen Rohrkettenförderer zu einem oder mehreren Extrudervorlagebehälter(n) zugeführt
wird.
[0030] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass dem Extruder auch andere geeignete
Materialien, wie Petroleum Coke, Kohle- oder Kohlenwasserstoffgranulate in beliebigem
Verhältnis derart zugeführt wird, dass das Fördergut in einem Temperaturbereich von
5 °C bis 100 °C unter N2, CO2 oder sonstigem Inertgaspolster für die partielle Oxidation
in einem Vergasungsreaktor zugemischt werden können.
[0031] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass das Fördergut in einem einstufigen
und oder mehrstufigen Extrusionsprozess bei Einsatz von einem und oder mehreren hintereinander
geschalteten Extruder(n) geeigneter Bauart -und/oder Zwischenkühlung des Fördergutes-
auf einen Überdruck zwischen 0,1 bis 100 barü verdichtet wird und der Extruderenddruck
wie der herrschender Betriebsdruck in den darauffolgenden Behältern und Rohrkettenförderer(n)
zwischen 0,1 bis 20 bar über den Druck des Vergasungsreaktors gebracht wird,
[0032] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass die Kompressions- und Reibungswärme
des Extrusionsprozesses kontinuierlich aus dem Fördergut mit einem Kühlmittel wie
Wasser, Kühlsole, Kältemittel indirekt über die Mantelfläche des Extruders und/oder
über die Welle(n) des Extruders derart abgeführt wird, wobei das Fördergut in einem
Temperaturbereich zwischen 20 °C und maximal 100 °C derart gehalten wird, dass sich
dort nicht zur Ausdampfung der Restfeuchte stattfinden wird.
[0033] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass der Extruder im wesentlichen nur
aus einer Kompressionszone und einem nachgeschalteten integrierten Grob- und Feinbrecherzone
mit Siebeinsatz (Nibbler-Zone) besteht, worin die verpressten Kohlestücke wieder zu
Kohlestaub verrieben und in einen ersten Überdruckbehälter überführt werden.
[0034] Die vorliegende Erfindung umfasst weiterhin ein Verfahren zur Förderung eines partiell
zu oxidierenden Materials zur Beschickung eines bedruckten Reaktors, insbesondere
eines Vergasungsreaktors, wobei das Material aus einem Überdruckbehälter über mindestens
eine Einspeiseeinheit, welche eine Zellenradschleuse, eine Eindüsleitung für den pneumatischen
Förderguttransport und einer Reakor-Feedleitung umfaßt, pneumatisch zu dem Reaktor
transportiert wird, wobei vorteilhafterweise in die Zellradschleuse in der zu entladenen
Position ein Fördergas eingedüst wird, wodurch das Material mit dem Fördergas in der
Reaktor-Feedleitung einen pneumatischen Betriebszustand ausbildet und somit zur Brennkammer
des Reaktors geführt wird.
[0035] Ein solches Verfahren kann dabei unabhängig von dem Einsatz eines Extruders eingesetzt
werden und ist unabhängig davon Gegenstand der vorliegenden Erfindung.
[0036] Vorteilhafterweise kann dieses Verfahren dabei aber auch in Kombination mit einem
Extruder eingesetzt werden.
[0037] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass das Fördergut aus einem ersten
Überdruckbehälter über Rohrweiche- und Schnellschlussarmaturen mittels eines und/oder
mehreren in Serie geschalteten Überdruck-Rohrkettenförderer(s) zu einem zweiten Überdruckbehälter
transportiert wird, wobei der zweite Überdruckbehälter als der Reaktor-Einspeisebehälter
mittelbar in der Nähe des Reaktors montiert ist und dabei im unteren Teil mit einer
oder mehreren Feed-Einspeiseeinheit(en) bestehend aus je einer Zellenradschleuse,
einer Fördergas-Eindüseleitung und einer Reaktor-Feedleitung, das Fördergut pneumatisch
zum zugeordneten Reaktor fördert.
[0038] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass die Zellenradschleuse(n) mit einem
drehzahlgeregelten Antrieb versehen sind, die je nach Lastfall des Reaktors das Fördergut
in Abstimmung mit der zugeführten Feedmenge aus dem Hauptsilo und Extruderfördermenge(n)
aus dem zweiten Überdruckbehälter austragen und in der unteren Position der Zellradschleuse
(Blasschuh) einem pneumatischen Gasstrom bestehend aus Sattdampf, überhitzten Dampf,
Erdgas, einem Inertgas wie N2 oder CO2 oder eine Mischung der genannten Trägergase
beliebigem Verhältnis aussetzen, wodurch das Fördergut in die Brennkammer des zugeordneten
Reaktors eingeschleust wird.
[0039] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass die Fördergutführung mittels einer
gravimetrischen und/oder Feststoffvolumenmessung durch die Drehzahlregelung des ersten
Förderorgans (z. B. Schneckenförderer, Bandförderer oder Rohrkettenförderer) und Abstimmungssteuerung
der folgenden Förderapparate derart geregelt wird, dass es sich im Extrudervorlagebehälter,
im ersten und zweiten Überdruckbehältern stets einen minimalen Mindeststand bilden
kann, bei dem Reaktorlastfälle von 5% bis 100% Normallastfall variabel eingestellt
werden können.
[0040] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass das Fördergut kontinuierlich aus
dem ersten Überdruckbehälter durch einen und/oder mehreren in Reihe installierten
Rohrkettenförderer in einen Reaktor zugeteilten zweiten Überdruckbehälter überführt
wird, von dem das Fördergut über eine und/oder mehrere Feed-Einspeiseeinheit(en),
die sich jeweils gemeinsam mit einer Zellenradschleuse, einer Eindüseleitung für pneumatische
Förderung sowie eine Reaktor-Feedleitung zusammenbilden, wobei je nach Bedarf und
Anlagenzustand die Feed-Einspeiseeinheiten in Betriebgesetzt werden, während sich
das Fördergut in der Reaktor-Feedleitung verschieden beliebigen Transportzusatand
(z. B. Dense Flow Phase) ausbilden kann, bevor das Fördergut in die Brennkammer des
Reaktors mundet.
[0041] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass die Wellendurchführung in allen
rotierenden Komponenten (Extruderwelle, Rohrkettenförderer, Zellenradschleusen, etc)
die Wellendurchführung über Gleitringdichtung mit Inertgasschmierung und/oder zusätzlich
mit Latternenschutz und Sperrgas und Staubausschleusung ausgestattet sind.
[0042] Die vorliegende Erfindung umfasst weiterhin ein Verfahren zur Förderung eines partiell
zu oxidierenden Materials zur Beschickung eines bedruckten Reaktors, insbesondere
eines Vergasungsreaktors, wobei das Material mit einem Trägergas wie z.B. Sattdampf,
Inertgas, Erdgas, Kohlenwasserstoffe, CO2, insbesondere mit überhitztem Dampf in den
Reaktor eingestrahlt wird, wobei das Trägergas selbst als Reaktant zur partiellen
Oxidation des Materials dient.
[0043] Ein solches Verfahren ist dabei unabhängig von der sonstigen Förderung des Material
von Vorteil und unabhängig Gegenstand der vorliegenden Erfindung.
[0044] Das Verfahren wird jedoch vorteilhafterweise in Kombination mit einem Extruder und/oder
einer Einspeiseinheit, wie sie oben beschrieben wurden, eingesetzt.
[0045] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass das Fördergut mit einem Überdruck
von 0,1 barü bis 100 barü und einem Differenzdruck zum Betriebsdruck des Vergasungsreaktors
zwischen 0,1 bis 20 bar und einer Beladungskennzahl von 0,1 bis 50 kg Kohlestaub per
kg Fördergas bei Temperaturen zwischen 20°C bis 100°C in den Reaktor mit einem Träger
gas (Sattdampf, Inertgas, Erdgas, Kohlenwasserstoffe, CO2), insbesondere mit überhitztem
Dampf eingestrahlt wird, der selbst als Reaktant zur partiellen Oxidation von Kohle
dient.
[0046] Vorteilhafterweise ist weiterhin vorgesehen, dass im Silo für Kohlenstaub Zwischenlagerung
ein Austragorgan (z. B. Oszillomaten) eingebaut wird, der die kontinuierliche trockene
Förderung des Fördergutes durch den Förderungsprozess ohne Einsatz von Fliess- oder
Wirbelschichtgas ermöglicht.
[0047] In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung handelt es sich erfindungsgemäß um
einen kontinuierlichen Prozess zur trockenen Förderung von Kohlenstaub und/oder einer
Mischung von partiell zu oxidierenden Materialien (Mischung des Fördergutes bestehend
aus unterschiedlichen Kohlearten, Petroleum Coke, rezirkulierende Asche und chemische
Additive als "Co-Feed" in beliebigem Mischungsverhältnis) ohne Einsatz von Fliess-
oder Wirbelschichtgas in Silos, bei dem das Fördergut aus einem drucklosen Silo, welches
für die Zwischenlagerung des Kohlenstaubes unter inerter Atmosphäre dient und sich
durch ein eingebautes Austragsorgan (z. B. Osszilomaten) auszeichnet, das Fördergut
mittels eines geeigneten Förderorgans (z. B. Schneckenförderer, Bandförderer oder
Rohrkettenförderer prozessgesteuert unter gravimetrischen oder Feststoffvoulmenmessung)
und über einen oder mehrere Extrudereinspeisebehälter zuerst zu einem oder mehreren
Extruder(n) - ggf. mit Zwischenkühlung des Fördergutes- zugeführt wird, wodurch der
pulverisierte Feed in der Kompressionszone des Extruders eine Hochdruckverdichtung
bis über den aktuellen Betriebsdruck des Vergasungsreaktors erfährt und anschließend
in einen ersten Überdruckbehälter abgeworfen wird, aus welchem das Fördergut unter
Überdruck mittels eines Überdruckförderorgans (z. B. einen und/oder mehreren in Serie
installierten Überdruck - Rohrkettenförderern) in einen - unter inertem Gasdruckpolster
stehenden - zweiten Überdruckbehälter überführt wird, wobei der zweite Überdruckbehälter
dem Kohlevergasungsreaktor mittelbar zugeteilt ist und sich durch eine oder mehrere
Einspeiseeinheit(en) - bestehend aus je einer Zellenradschleuse, einer Eindüseleitung
für pneumatischem Förderguttransport sowie einer Reaktor-Feedleitung - die im unteren
Teil des Behälters installiert sind, so auszeichnet, dass in eine jede der Zellradschleusen
in der zu entladenen Position ein Fördergas (Sattdampf, überhitzten Dampf, Inertgas,
Kohlendioxid, Erdgas oder eine Mischung aus diesen Gasen in beliebigem Volumenverhältnis)
eingedüst wird, womit das Fördergut mit dem Eindüsungsgas in der Reaktor-Feedleitung
einen beliebigen pneumatischen Betriebszustand (z. B. Dense flow phase) ausbildet
und somit zur Brennkammer des Reaktors geführt wird, wo sich das Fördergut mit Luft,
reinem Sauerstoff, Erdgas oder sonstigem Kohlenwasserstoffverbindungen und/oder auch
mit flüssigen Brennmaterialien (Naphta, Öl, Leicht- und Mittelfraktionen, desgl.),
die jeweils durch eigene separate Leitungen in die Brennkammer des Reaktors geführt
sind, in Kontakt gebracht und dabei unter hoher Temperatur und hohem Reaktorbetriebsdruck
durch eine Reihe chemischer Reaktionen für partielle Oxidation zu Prozessgas mit den
Hauptbestandteilen CO und H2, Asche und Schlacke umgesetzt wird.
[0048] Dabei ist der eingesetzte Extruder durch zwei Merkmale ausgezeichnet, nämlich dass
er zum einen die durch die Kompression und Reibung entstehende Wärme aus dem Fördergut
indirekt mit einem Kühlmittel durch die Mantelkühlung des Extruders und/oder durch
die Welle des Extruders derart abgeführt wird, so dass die Restfeuchte im Feed während
der Kompression nicht zu verdampfen beginnt und in absorbiertem bzw. in dem flüssigen
Aggregatzustand erhalten bleibt und zum anderen durch das Merkmal, dass der Extruder
zum Brechen der eventuell eingesetzten agglomerierten Materialien in einer zweiten
Extrusionszone mit einem integrierten Grob- und Feinbrecher mit Siebeinsatz (Nibbler)
ausgestattet ist.
[0049] Die vorliegende Erfindung umfaßt weiterhin ein System zur kontinuierlichen trockenen
Förderung eines partiell zu oxidierenden Materials zur Beschickung eines bedruckten
Reaktors, mit mindestens einem drucklosen Silo, einem Extruder und einem ersten Überdruckbehälter,
wobei das Material aus dem drucklosen Silo dem Extruder zuführbar ist, wodurch das
Material in der Kompressionszone des Extruders bis über den aktuellen Betriebsdruck
des Reaktors verdichtet und in den ersten Überdruckbehälter transportiert werden kann.
[0050] Die vorliegende Erfindung umfaßt weiterhin Systeme zur Durchführung eines der Verfahren,
welche oben dargestellt wurden.
[0051] Die vorliegende Erfindung wird nun anhand von Ausführungsbeispielen und Zeichnungen
näher erläutert. Dabei zeigen:
- Fig. 1
- ein erstes Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung und
- Fig. 2
- ein zweites Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung.
[0052] Erfindungsgemäß handelt es sich hier gemäß Figur 1 um Verfahren für einen kontinuierlichen
Prozess zur trockenen Förderung von Kohlenstaub 1 und/oder eine Mischung von partiell
zu oxidierenden Materialien (Mischung des Fördergutes bestehend aus unterschiedlichen
Kohlearten, Petroleum Coke, rezirkulierende Asche und chemische Additive, genannt
Co-Feed 2 in beliebigem Mischungsverhältnis) ohne Einsatz von Fliess- oder Wirbelschichtgas
in Silos, bei dem das Fördergut aus einem drucklosen Silo 3, welches für die Zwischenlagerung
des Kohlenstaubes unter inerter Atmosphäre dient und sich durch ein eingebautes Austragorgan
3a (z. B. Osszilomaten) auszeichnet, das Fördergut mittels eines geeigneten Förderorgans
4 (z. B. Schneckenförderer, Bandförderer oder Rohrkettenförderer prozessgesteuert
unter gravimetrischen oder Feststoffvoulmenmessung) und über einen oder mehreren Extrudereinspeisebehälter
5 zuerst zu einem und/oder mehreren Extruder(n) 6 - und/oder mit Zwischenkühlung des
Fördergutes- zugeführt wird, wobei der pulverisierten Feed in der Kompressionszone
des Extruders eine Hochdruckverdichtung bis über den aktuellen Betriebsdruck des Vergasungsreaktors
erfährt und anschließend in einen ersten Überdruckbehälter 7 abgeworfen wird.
[0053] Aus diesem wird das Fördergut unter Überdruck mittels eines Überdruckförderorgans
10 (z. B. Überdruck-Rohrkettenförderer und/oder mehrere in Reihe geschaltete Überdruck-Rohrkettenförderer)
in einen -unter inertem Gasdruckpolster stehenden - zweiten Hochdruckbehälter 11 überführt,
wobei der zweite Überdruckbehälter 11 dem Kohlevergasungsreaktor 17 mittelbar zugeteilt
ist und sich durch einen oder mehrere Zellenradschleuse(n) 12 kombiniert mit Reaktor-Feedleitung(n)
14 im unteren Teil des Behälters in der Weise auszeichnet, dass in eine jede der Zellenradschleusen
12 in der zu entladenen Position ein Fördergas 13 (Sattdampf, überhitzten Dampf, Inertgas,
Kohlendioxid, Erdgas oder eine Mischung aus diesen Gasen in beliebigem Volumenverhältnis)
eingedüst wird, womit das Fördergut mit dem Eindüsungsgas 13 in der Reaktor-Feedleitung
14 einen beliebigen pneumatischen Betriebszustand (z. B. Dense flow phase) bildet
und somit zur Brennkammer des Reaktors 17 geführt wird.
[0054] Dort wird das Fördergut mit Luft, reinem Sauerstoff 16, Erdgas oder sonstigem Kohlenwasserstoffverbindungen
und/oder auch mit flüssigen Einsatzmaterialien (Naphta, Öl, Leicht- und Mittelfraktionen,
desgl.) 15, die jeweils durch eigene separate Leitungen in die Brennkammer des Reaktors
geführt sind, in Kontakt gebracht und dabei unter hoher Temperatur und hohem Reaktorbetriebsdruck
durch eine Reihe chemischer Reaktionen für partielle Oxidation zu Prozessgas mit den
Hauptbestandteilen CO und H2 und Asche und Schlacke umgesetzt wird.
[0055] Der eingesetzte Extruder 6 weist ein Kühlsystem auf, so dass die durch die Kompression
und Reibung entstehende Wärme aus dem Fördergute indirekt mit einem Kühlmittel durch
die Mantelkühlung des Extruders und/oder auch zusätzlich durch die Wellen des Extruders
6a derart abgeführt wird, dass die Restfeuchte im Feed während der Kompression nicht
zu verdampfen beginnt und in absorbiertem bzw. in dem flüssigen Aggregatzustand erhalten
bleibt. Weiterhin ist der Extruder zum Brechen der eventuell eingesetzten agglomerierten
Kohlepulver in einer zweiten Extrusionszone mit einem integrierten Grob- und Feinbrecher
mit Siebeinsatz (Nibbler) ausgestattet, bevor das Fördergut in die erste Überdruckvorlage
7 abgegeben wird.
[0056] Um im kontinuierlichen Betrieb eine lange Betriebsdauer ohne Betriebsunterbrechung
gewährleisten zu können, sollte der Kohlenstaubdruckerhöhungseinrichtung bestehend
aus Extrudereinspeisebehälter 5 und Extruder 6 (ggf. mit erstem Überdruckbehälter
7 mit Rohrweiche 8 und Schnellschluss 9) gemeinsam redundant gebaut werden, wobei
eine Einrichtung (genannt "Skid") als Betriebsskid und die andere als Stand-by fungiert.
Zum Zwecke einer Wartung und Reparatur kann z. B. eine Entspannung des Überdruckbehälters
über eine separate Gasleitung wie auch Kohleentleerung über Entleerungsarmatur 18
erforderlich sein.
[0057] Das vorliegende erfindungsgemäße Verfahren wendet eine Reihe von Antrieben an, derer
Welle mit dem Fördergut unter Überdruck in Kontakt steht. Daher bietet sich an, eine
geeignete Wellendichtung wie Labyrinthdichtung mit beaufschlagtem inertem Sperrgas
oder besonders geeignet Gleitdichtungen mit inertem Schmiergas als Dichtungsorgan
anzuwenden. Gegebenenfalls kann die Wellendichtung mit einer zusätzlichen Laterne
gestutzt werden, durch die der eindringende Kohlestaub mit einem inerten Spülgas aus
dem Laternenraum ausschleust werden kann.
[0058] Zur zusätzlichen Betriebsunterstützung könnte auch der Rohrkettenförderer (oder der
Satz von hintereinander geschalteten Überdruckrohrkettenförderern) eventuell in doppelter
Ausführung installiert werden, obwohl diese Einrichtung als wartungsund reparaturarm
erachtet wird. Alle sonstigen Komponenten können dank ihrer ausgezeichneten gewährten
Funktion einfach installiert werden.
[0059] Erfindungsgemäß bietet sich im kontinuierlichen Betrieb an, im Extrudervorlagebehälter
5 sowie im ersten und zweiten Überdruckbehälter 7 und 11 einen Mindeststand an Fördergut
zu gewährleisten, damit das inerte Polstergas nicht unnötiger Weise über Zellenradschleuse
in den Reaktor gelangt und damit einen hohen Verbrauch aufweist.
[0060] Zur Harmonisierung des kontinuierlichen Betriebes kann z. B. der erste Förderorgan
4 mit einer frequenzgesteuerten Drehzahlregelung ausgestattet werden, die über eine
geeignete Fördergutmengenmessung (Standregelung, gravimetrischen oder Feststoffvolumenmessung
desgl.) gesteuert werden kann. Insbesondere, wenn mehrere Extrusionsmaschinen und/oder
(mehrere in Serie geschaltete) Überdruckrohrkettenförderer 10 eingesetzt werden sollen,
bietet sich erfindungsgemäß an, die Antriebe der Extruder - und/oder Rohrkettenförderer
10 - ebenso mit Drehzahlregelung auszustatten.
[0061] Beim zweiten Überdruckbehälter 11 bilden die Komponenten Zellenradschleuse, Eindüsungsleitung
13 und Reaktor-Feedleitung 14 zusammen je eine Feed-Einspeiseeinheit. Je nach Typ
des Vergasungsreaktors oder gewünschten Lastfalls des Reaktors kann der zweite Überdruckbehälter
11 mit einem oder mehreren Feed-Einspeiseeinheit(en) versehen werden.
[0062] Eine Anzahl von Feed-Einspeiseeinheiten ermöglichen erfindungsgemäß, dass sich der
Vergasungsreaktor variable Lastfälle der Anlage annehmen kann. Solche Betriebszustände
sind wie z. B. bei Minderlast, Anfahr- oder Abfahrlast leicht einstellbar. Ebenso
ist ein Wiederanfahren der Anlage z. B. nach einem Anlagenausfall oder nach Warmhaltebetrieb
des Reaktors eventuell mit Erdgas leicht und rasch möglich.
[0063] Somit wird aus dem zweiten Überdruckbehälter 11 das Fördergut unterschiedlicher Güteklasse
oder eine Mischung aus verschiedenen Ausgangsmaterialien, welche die Apparate 3 bis
10 passiert haben, über eine oder mehrere Feed-Einspeiseeinheit(en) in den Reaktor
geführt.
[0064] Das Fördergut wird unmittelbar vor dem Reaktoreintritt in Reaktor-Feedleitung in
einen pneumatischen Transportzustand versetzt.
[0065] Hier können sich je nach Eindüsungsmenge (besonders vorteilhaft mit dem überhitzten
Dampf) und Kohlenstaubmassenstrom grundsätzlich verschiedene pneumatische Betriebszustände
wie Dilute Phase Conveying, Dense Phase Convying with Bypass, Dense Phase Pressure
Conveying, ausbilden, wobei der letztere Förderungsmechanismus sich mit einer Beladungskennzahl
von 0,1 bis 50 kg Kohlestaub per kg Fördergas und einem Druckgefälle zwischen dem
zweiten Überdruckbehälter und dem Reaktorbetriebsdruck von 0,1 bis 20 bar als besonders
geeignet für Vergasungsreaktoren auszeichnet.
[0066] Da im Gegensatz zu inerten Fördergasen der eingesetzte Dampf als ein aktiver Reaktionsteilnehmer
die partielle Oxidation unterstutzt, kann in der Reaktor-Feedleitung grundsätzlich
ein beliebiger pneumatischer Betriebszustand in jedem beliebigen Lastzustand der Anlage
eingestellt werden, ohne dass das interte Fördergas den Fortschritt der gewünschten
chemischen Reaktionen nachteilig beeinflusst.
[0067] Nach Ablauf der Reaktionen kann nun leicht der überschüssige Dampf nach Quenchvorgang
oder Kondensation aus dem Prozessgas abgezogen werden, ohne dass die Folgeapparate,
wie im Falle des Einsatzes von interten Fördergasen, unnötig belastet werden.
[0068] Einige der besonderen Vorteile des neuen Verfahrens können exemplarisch wie folgt
angeführt werden.
[0069] Der pneumatische Transportszustand kann in einfacher Weise anhand gravimetrischer
Feststoffzuführung und einer Mengenmessung in dem Trägergasstrom 13 mittels eines
Regelventils (oder für jede Trägergaskomponente wie Inertgas, Erdgas etc.) eingestellt
werden.
[0070] Durch die oben beschriebene Prozessführung ist nun der wünschenswerte Flexibilitätsbedarf
nach beliebig variierenden Anlagenlasten erfindungsgemäß erfüllt. Dadurch können Anlagenlastfälle
von 5% bis über maximalen Lastfall, z. B. 105% oder 110% realisiert werden.
[0071] Einer der wesentlichen Merkmale des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht darin, dass
die Feststoffführung im trockenen Zustand erfolgt. Die übliche Prozessführung durch
eine Kohlesuspension (Slurry Feed) mit einer Trägerflüssigkeit - meist Wasser - ist
nicht mehr erforderlich. Das für die Reaktion und Reaktorlast nachteilige Wasser entfällt.
[0072] Damit können künftige Reaktoren in ihrer Auslegung optimiert werden. Ebenso ist eine
Kapazitätserhöhung der vorhandenen Anlagen nach einer Umrüstung zum neuen Verfahren
nun möglich.
[0073] Ebenso entfallen die umfangreichen Apparate unter Betriebsführung mit Wirbelschicht-,
Fliessbett-Kohleversorgung mit kompliziertem Gasversorgungssystem. Allein der erforderliche
Umfang in Menge sowie Betriebsdruck für das notwendige Inertgas, welches als Fliessbett-,
Wirbelbett- und Fördergas mit einem System für Inertgasstaubfiltration einzusetzen
ist, erfordert neben Aufwendungen für Energie und Kühlwasser einen hohen Aufwand in
Investition, Betrieb und Instandhaltung.
[0074] Wie oben angedeutet, wird der einzudüsende überhitzte Dampf 13 zum einen Teil im
Reaktor chemisch zu Prozessgas umgesetzt, zum anderen kann der chemisch nichtreagierte
Dampf in dem folgenden Quentcher und Kondensatoren leicht auskondensiert werden. Damit
werden die Folgeapparate nicht unnötig durch Inertgase belastet. Das letzte Merkmal
trägt dazu bei, dass die Größe der Folgeapparate (insbesondere für die Gasreinigung
und eventuell für die CO2 Trennung) kleiner ausfallen und die Investition verringert
wird.
[0075] Sollte das Prozessgas zu chemischen Produkten weiterverarbeitet werden, so ist das
letztere Merkmal von besonderem Interesse. Durch vorliegende Verfahren werden die
Partialdrücke der reaktiven Komponenten (CO und H2) für die CO-Konvertierung nicht
unnötig herabgesetzt. Das wirkt sich positiv auf die Auslegung der katalytischen Folgereaktoren
aus, wenn z. B. das Prozessgas zur Ammoniaksynthese, Methanol, SNG oder zu Fischer-Tropsch
Synthese verwendet werden soll. Herbei ergibt sich zum Beispiel, dass bei vorhandenen
Ammoniaksynthesewie auch bei Methanolsyntheseanlagen sind nun höhere Reaktorleistungen
möglich.
[0076] Es soll hier erwähnt werden, dass der Anteil von Inertgasen (insbesondere für Methanol)
auch den Synthesegaskompressor teilweise entlastet.
[0077] Ebenso, wenn das erzeugte Synthesegas für chemische Produkte (wie Ammoniak, Methanol,
Fischer Tropsch, MTG, Methanol to Gasolin) verwendet werden sollte, kann die Höhe
der Ausschleusungsgase (Purge Gas) aus dem Synthesekreislauf reduziert werden, wenn
das Prozessgas von vornherein mit weniger Inertgaskomponenten belastet ist.
[0078] Falls das erzeugte Prozessgas nach vorliegendem erfindungsgemäßen Verfahren für eine
Gasturbine mit besonders geeigneten Überdruck CO2-Trennung eingesetzt werden soll,
so führt das Verfahren zu einer enormen Erleichterung, wenn das Prozessgas nicht mehr
durch die Kohleversorgung mit inertem Trägergas wie z. B. N2 zusätzlich belastet ist.
In diesem Fall wird die Größe und Umfang der CO2-Trennung kleiner ausfallen.
[0079] Aus diesen Gründen erfordert dieses Verfahren wesentlich niedrigere Investitionsvolumen,
Wartungskosten etc., welche auf die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage positiv
auswirken.
[0080] Wie oben beschrieben, laufen bereits mehrere Anlagen weltweit mit den vorhandenen
Technologien für Kohleversorgung, die entweder die Einsatzkohle als Kohlesuspension
mittels einer Pumpe in den Reaktor führen oder die trockene Kohle mit einem Komplex
von Silos und sehr aufwendiger Inertgasführung in den Vergasungsreaktor eindüsen.
[0081] Um diese Schwierigkeiten nicht nur für künftige Anlagen zu vermeiden, sondern auch
die Möglichkeit zur Nachrüstung vorhandener Anlagen auf das vorliegende Verfahren
zu eröffnen, wird erfindungsgemäß auf ein Fallbeispiel anhand Figur 2 hingewiesen.
[0082] In den Anlagen mit dem alten Kohleversorgungsverfahren sind vor dem Reaktor ein Drucksilo
vorhanden, welches z. B. als sog. Pressurized Surge Hopper (Figur 2, Element 3) bezeichnet
wird.
[0083] Das vorliegende Verfahren kann dort z. B. durch einen Austragorgan (ähnlich wie oben
beschrieben, Schneckenförderer und eine zusätzliche Gaspendelleitung zurück zum Drucksilo
3) ausgerüstet werden, dessen Abwurf in den ersten Überdruckbehälter geführt wird.
Von dort aus nun kann das neue Verfahren integriert werden, womit eine Reihe von oben
erwähnten Vorteile (wie Reaktorentlastung durch Wegfall der inerten Transportgase
für die Kohleversorgung etc.) erfindungsgemäß angewendet werden können.
[0084] Ebenso können auch einzelne Komponenten der erfindungsgemäßen Anlage einzeln oder
in Kombination mit bekannten Anlagen eingesetzt werden.
Liste der Komponenten in Figur 1
[0085]
| 1 |
Kohlepulver, Kohlepellet, Pet-Coke, etc. |
| 2 |
Getrocknete zerkleinerte Biomasse, Beimittel für Vergasung |
| 3 |
Druckloser Hauptsilo |
| 3a |
Austragsorgan zum Entleerungsraum von Silo, z. B. Oszillomatten |
| 4 |
Feedförderer (z. B. Schneckenförderer, Rohrkettenförderer, etc.) |
| 5 |
Vorlagebehälter zum Extruder |
| 6 |
Extruder |
| 6a |
Kühlkreislauf des Extruders |
| 7 |
Erster Überdruckbehälter |
| 8 |
Rohrweiche |
| 9 |
Schnellschlussarmatur |
| 10 |
Satz aus einem oder mehreren in Reihe geschalteten Rohrkettenförderer für Über-druckförderung |
| 11 |
Zweiter Überdruckbehälter |
| 12 |
Zellenradschleuse mit Leckgas-, und Leckstaubsammler und Blasschuh |
| 13 |
Pneumatischer Fördergasleitung für Sattdampf, überhitzten Dampf, Inertgas, Erdgas
oder sonstiges Fördergas |
| 14 |
Reaktor-Feedleitung |
| 15 |
Zusatzgas für Vergasung (Erdgas, Naphtadampf, Offgase sonstige Kohlenwasserstoffe) |
| 16 |
Oxidationsgas (z. B. Luft, reiner Sauerstoff) |
| 17 |
Vergasungsreaktor |
| 18 |
Notentleerung von Fördergut für Wartungszwecke |
Liste der Komponenten in Figur 2
[0086]
| 1 |
Kohlepulver, Kohlepellet, Pet-Coke, etc. |
| 2 |
Getrocknete zerkleinerte Biomasse, Beimittel für Vergasung |
| 3 |
Druckbeausschlagter Hauptsilo |
| 3a |
Austragsorgan zum Entleerungsraum von Silo, z. B. Oszillomatten |
| 4 |
Feedförderer (z. B. Schneckenförderer, Rohrkettenförderer, etc.) |
| 5 |
Austragsvorrichtung (z. B. drehzahlgeregelter Hohlraumschneckenförderer |
| 6 |
Erster Überdruckbehälter mit Druckausgleichleitung |
| 7 |
Austragorgan (z. B. Zellenradschleuse) |
| 8 |
Rohrweiche |
| 9 |
Schnellschlussarmatur |
| 10 |
Satz aus einem oder mehreren in Reihe geschalteten Rohrkettenförderer für Über-druckförderung |
| 11 |
Zweiter Überdruckbehälter |
| 12 |
Zellenradschleuse mit Leckgas-, und Leckstaubsammler und Blasschuh |
| 13 |
Pneumatischer Fördergasleitung für überhitzten Dampf, Sattdampf, Inertgas, Erdgas
oder sonstiges Fördergas |
| 14 |
Zusatzgas für Vergasung (Erdgas, Naphtadampf, Offgase sonstige Kohlenwasserstoffe) |
| 15 |
Reaktor-Feedleitung |
| 16 |
Vergasungsreaktor |
| 17 |
Notentleerung von Fördergut für Wartungszwecke |
1. Verfahren zur kontinuierlichen trockenen Förderung eines partiell zu oxidierenden
Materials zur Beschickung eines bedruckten Reaktors, insbesondere eines Vergasungsreaktors,
wobei das Material aus einem drucklosen Silo mindestens einem Extruder zugeführt wird,
wodurch das Material in der Kompressionszone des Extruders eine Verdichtung bis über
den aktuellen Betriebsdruck des Reaktors erfährt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die durch die Kompression und Reibung entstehende
Wärme im Extruder aus dem Fördergut mittels eines Kühlsystems derart abgeführt wird,
dass die Restfeuchte im Material während der Kompression nicht zu verdampfen beginnt,
wobei die Wärme vorteilhafterweise kontinuierlich mit einem Kühlmittel über die Mantelfläche
des Extruders und/oder über die Welle(n) des Extruders derart abgeführt wird, dass
das Fördergut im Extruder in einem Temperaturbereich zwischen 5 °C und maximal 100
°C, vorteilhafterweise zwischen 20°C und maximal 100 °C gehalten wird.
3. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei das Material in einer Abreibungszone
des Extruders gebrochen wird, bevor es in den Überdruckbehälter abgegeben wird, insbesondere
über einen in den Extruder integrierten Grob- und/oder Feinbrecher mit Siebeinsatz
(Nibbler).
4. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch ausgezeichnet, dass das Material für die partielle Oxidation als Hauptbestandteil
Kohlestaub beliebiger Art und Korngrößenverteilung umfaßt und einen Restfeuchtegehalt
von 0,1 bis 10 Gew% aufweist, wobei dem Extruder vorteilhafterweise auch andere geeignete
Materialien, wie Petroleum Coke, Kohle- oder Kohlenwasserstoffgranulate in beliebigem
Verhältnis zugeführt werden können.
5. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch ausgezeichnet, dass das Material nach einem Mahlvorgang durch einen Fördermittel,
insbesondere durch einen Schneckenförderer, Bandförderer oder einen Rohrkettenförderer
mindestens einem Extrudervorlagebehälter zugeführt wird.
6. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei das Material in mindestens
einem Extruder auf einen Überdruck zwischen 0,1 bis 100 barü verdichtet wird und der
Extruderenddruck sowie ggf. der Betriebsdruck in darauffolgenden Überdruckbehältern
und/oder Förderern zwischen 0,1 bis 20 bar über dem Betriebsdruck des Reaktors liegt.
7. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei das Material aus einem Überdruckbehälter
über mindestens eine Einspeiseeinheit, welche eine Zellenradschleuse, eine Eindüsleitung
für den pneumatischen Förderguttransport und einer Reakor-Feedleitung umfaßt, pneumatisch
zu dem Reaktor transportiert wird, wobei vorteilhafterweise in die Zellradschleuse
in der zu entladenen Position ein Fördergas eingedüst wird, wodurch das Material mit
dem Fördergas in der Reaktor-Feedleitung einen pneumatischen Betriebszustand ausbildet
und somit zur Brennkammer des Reaktors geführt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, wobei das Material über den Extruder einem ersten Überdruckbehälter
zugeführt wird, wobei vorteilhafterweise das Material von dem ersten Überdruckbehälter
über ein Überdruckfördermittel zu einem zweiten Überdruckbehälter transportiert wird,
von welchem aus das Material über die mindestens eine Einspeiseeinheit zu dem Reaktor
transportiert wird, wobei vorteilhafterweise das Fördergut aus dem ersten Überdruckbehälter
über Rohrweiche- und/oder Schnellschlussarmaturen mittels eines und/oder mehreren
in Serie geschalteten Überdruck-Rohrkettenförderer(s) zu dem zweiten Überdruckbehälter
transportiert wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 oder 8, dadurch ausgezeichnet, dass die Zellenradschleuse mit einem drehzahlgeregelten Antrieb versehen
ist, der je nach Lastfall des Reaktors das Fördergut aus dem zweiten Überdruckbehälter
austragen und in einer unteren Position der Zellradschleuse (Blasschuh) einem pneumatischen
Gasstrom, welcher insbesondere aus Sattdampf, überhitzten Dampf, Erdgas, einem Inertgas
wie N2 oder CO2 oder einer Mischung der genannten Trägergase bestehen kann, aussetzen, wodurch das
Fördergut in die Brennkammer des zugeordneten Reaktors eingeschleust wird, wobei vorteilhafterweise
die Ansteuerung des Antriebs in Abstimmung mit der zugeführter Feedmenge aus dem unbedruckten
Behälter und der Extruderfördermenge erfolgt.
10. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch ausgezeichnet, dass die Fördergutführung mittels einer gravimetrischen und/oder Feststoffvolumenmessung
durch die Ansteuerung der Fördermittel, insbesondere eine Drehzahlregelung eines ersten
Förderorgans und Abstimmungssteuerung der folgenden Förderapparate derart geregelt
wird, dass sich im Extrudervorlagebehälter und/oder im ersten Überdruckbehälter und/oder
im zweiten Überdruckbehälter stets ein minimaler Mindeststand befindet, welcher die
Versorgung des Reaktors bei variabel einstellbaren Reaktorlastfällen von 5% bis 100%
Normallastfall erlaubt.
11. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch ausgezeichnet, dass die Wellendurchführungen in allen rotierenden Komponenten wie
z.B. Extruderwelle, Rohrkettenförderer, Zellenradschleusen über eine Gleitringdichtung
mit Inertgasschmierung und/oder zusätzlich mit Laternenschutz und/oder Sperrgas und/oder
Staubausschleusung ausgestattet sind.
12. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch ausgezeichnet, dass das Fördergut mit einem Überdruck von 0,1 barü bis 100 barü und
einem Differenzdruck zum Betriebsdruck des Reaktors zwischen 0,1 bis 20 bar und einer
Beladungskennzahl von 0,1 bis 50 kg Kohlestaub per kg Fördergas bei Temperaturen zwischen
20°C bis 100°C in den Reaktor eingestrahlt wird.
13. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei das Material mit einem Trägergas
wie z.B. Sattdampf, Inertgas, Erdgas, Kohlenwasserstoffe, CO2, insbesondere mit überhitztem Dampf in den Reaktor eingestrahlt wird, wobei das Trägergas
selbst als Reaktant zur partiellen Oxidation des Materials dient.
14. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei in einem Silo für die Zwischenlagerung
des Materials, insbesondere in dem drucklosen Silo, ein Austragorgan wie z.B. ein
Oszillomaten vorgesehen ist, der die kontinuierliche trockene Förderung des Fördergutes
ohne Einsatz von Fliess- oder Wirbelschichtgas ermöglicht.
15. System zur kontinuierlichen trockenen Förderung eines partiell zu oxidierenden Materials
zur Beschickung eines bedruckten Reaktors, insbesondere nach einem der vorangegangenen
Ansprüche, mit mindestens einem drucklosen Silo, einem Extruder und einem ersten Überdruckbehälter,
wobei das Material aus dem drucklosen Silo dem Extruder zuführbar ist, wodurch das
Material in der Kompressionszone des Extruders bis über den aktuellen Betriebsdruck
des Reaktors verdichtet und in den ersten Überdruckbehälter transportiert werden kann.