[0001] Die Erfindung betrifft ein Knochenleitungshörgerät.
[0002] Knochenleitungshörgeräte umfassen im Allgemeinen einen Vibrationskonduktor, der mit
einer hinreichenden Anpresskraft bzw. einen Anpressdruck an den Kopf des Benutzers
angedrückt wird und Vibrationen abgibt, die über Knochen des Kopfes als Schallwellen
zum Innenohr geleitet werden. Somit können sie auch z.B. bei einem verschlossenen
Außenohr oder bei Ausfluss aus dem Ohr verwendet werden. Die Anlage kann insbesondere
an einem Knochen des Kopfes des Benutzers erfolgen, im Allgemeinen dem etwas hinter
dem Ohr gelegenen Mastoid.
[0003] Die Befestigung des Vibrationskonduktors erfolgt im Allgemeinen durch eine Brille
oder ein geeignetes anderes Head-Set. Die
EP 1 967 893 A1 zeigt eine derartige Hörbrille mit einem Vibrationskonduktor, bei der die Befestigung
zur Gewährleistung der Anlagekraft durch das Brillengestell erfolgt.
[0004] Weiterhin sind bone anchored hearing instruments bekannt, bei denen das Hörgerät
in einem Knochen verankert wird, im Allgemeinen durch eine in den Knochen gedrehte
Schraube. Die Verankerung ragt somit aus dem Knochen und der Kopfhaut nach oben heraus
und gewährleistet eine feste Anbindung des Vibrationskonduktors. Eine derartige Verankerung
kann nur durch eine Operation, jedoch nicht z.B. von einem Akustiker vorgenommen werden.
Weiterhin ist die Infektionsgefahr relativ groß.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Knochenleitungshörgerät zu schaffen,
dass eine sichere Anbindung und Ausbildung der Anpresskraft des Vibrationskonduktors
mit relativ geringem Aufwand ermöglicht.
[0006] Diese Aufgabe wird durch ein Knochenleitungshörgerät nach Anspruch 1 gelöst. Die
Unteransprüche beschreiben bevorzugte Weiterbildungen.
[0007] Erfindungsgemäß wird ein Formpassstück, insbesondere eine Otoplastik, in den Gehörgang
und/oder die Concha gesetzt, wobei das Formpassstück zur Abstützung der Anpresskraft
des Vibrationskonduktors vorgesehen ist, d.h. zur Ausbildung der Gegenkraft dient,
um die Anpresskraft des Vibrationskonduktors an einem geeigneten Knochen des Kopfes
des Benutzers auszubilden. Zwischen dem Formpassstück und dem Vibrationskonduktor
ist ein elastischer Haltearm angebracht, der zum einen in verschiedene Stellungen
bzw. Biegestellungen einstellbar ist, und zum anderen in diesen jeweils eingestellten
Biegestellungen dann jeweils zur Ausbildung einer elastischen Biegekraft bzw. Rückstellkraft
geeignet ist.
[0008] Hierbei ist das Formpassstück bzw. die Otoplastik offen, d.h. mit einer durchgängigen
Öffnung ausgebildet, so dass das Innenohr weiterhin belüftet wird und gegebenenfalls
ein Ausfluss von Sekret aus dem Innenohr ermöglicht wird. Somit wird der Einsatz des
erfindungsgemäßen Knochenleitungssystems auch bei denjenigen Krankheiten ermöglicht,
bei denen eine Schalleinleitung in den Gehörgang problematisch oder unmöglich ist,
z.B. bei Ausfluss aus dem Mittelohr, Otitis media.
[0009] Hierbei liegt das Formpassstück vorteilhafterweise druckfrei bzw. ohne Verspannung
im Gehörgang an. Das Formpassstück kann nicht nur an der Wandung des Gehörgangs, sondern
ergänzend etwas an der Concha anliegen, z.B. mit einem ringförmigen Bereich.
[0010] Erfindungsgemäß ist somit eine überraschend einfach ausgebildete Lösung gefunden.
Durch Einsetzen eines Formpassstücks in den Gehörgang wird bereits eine sichere Befestigung
erreicht, ohne aufwändige Head-Sets oder Brillen einzusetzen und weiterhin auch ohne
eine Knochenverankerung durch Einschrauben eines Ankers in einen Knochen vorzunehmen.
Es wird erfindungsgemäß erkannt, dass ein Formpassstück bzw. eine Otoplastik nicht
nur zur sicheren Aufnahme z.B, eines Schallschlauchs dienen kann, sondern durch seine
Passform und die hierdurch bewirkte gleichmäßige Kraftverteilung auch zur Abstützung
eines Haltearms geeignet ist, der aus der Concha bzw. dem Außenohr heraus zu einem
Knochen des Kopfes des Benutzers außerhalb des Außenohrs geführt wird. Durch Verwendung
des erfindungsgemäßen Haltearms kann hierbei die elastische Anlagekraft bzw. Anpresskraft
ausgeübt werden, wobei das Formpassstück als Gegenlager zum Abfangen der Anpresskraft
dient.
[0011] Somit sind im Wesentlichen drei funktionell relevante Teile, nämlich der Vibrationskonduktor,
der elastische und einstellbare Haltearm sowie das In den Gehörgang einzusetzende
Formpassstück erforderlich. Ergänzend können eine Elektrik-Einheit, d.h. insbesondere
eine Steuereinrichtung, vom Benutzer zu betätigende Stellglieder z.B. zur Einstellung
der Lautstärke sowie weiterhin ein Verstärker, gemäß unterschiedlicher Ausführungsformen
am Formpassstück, im Bereich des Vibrationskonduktors oder auch in einem zusätzlichen
HdO-Bereich angeordnet werden. Das Mikrofon kann auch in der Elektrik-Einheit aufgenommen
sein; vorteilhaft ist jedoch eine Anbringung in oder an dem Formpassstück, insbesondere
im Bereich der durchgängigen Öffnung, so dass ein natürliches Hörempfinden erreicht
werden kann.
[0012] Ein besonderer Vorteil der Erfindung ist die Variabilität der Positionierung des
Vibrationskonduktors, die an unterschiedlichen Knochen erfolgen kann. Erfindungsgemäß
kann er zum einen an dem Mastoid bzw. hinter dem Ohr angebracht werden, so dass der
Haltearm z.B. von dem Formpassstück zunächst nach vorne und oben über den oberen Ohrmuschelrand
und hinter dem Außenohr bzw. der Ohrmuschel nach hinten zur Anlagestelle an den Mastoid
geführt wird. Weiterhin Ist es erfindungsgemäß auch möglich, dass der Haltearm von
dem Formpassstück nach vorne geführt wird, z.B. zur Anlage am Jochbein oder einem
Kieferknochen, z.B, im Bereich des Kiefergelenks. Die jeweilige Auswahl der Anlagestelle
kann in Abhängigkeit von der Anatomie des Benutzers und/oder von ästhetischen Gesichtspunkten
erfolgen.
[0013] Somit ist erfindungsgemäß eine leichte Anpassung möglich, wobei das Formpassstück
selbst als standardisiertes Bauteil oder auch durch einen individuellen Abdruck ausgebildet
werden kann, den z. B. ein Akustiker in an sich üblicher Weise anfertigen kann. Der
Haltearm wird hierbei entweder direkt fest an das Formpassstück bzw. die Otoplastik
angebunden oder auch lösbar durch z.B. eine Steckverbindung angekoppelt, wobei diese
Steckverbindung vorteilhafterweise hinreichend steif ist, um die Übertragung der Gegenkraft
bzw. die Aufnahme des elastischen Haltearms nicht durch eine zu hohe Nachgiebigkeit
zu beeinträchtigen. Die weitere Einstellung erfolgt durch entsprechendes Biegen und
Einstellen des Haltearms, was durch den Benutzer selbst oder eine Hilfskraft z.B.
auch den Akustiker erfolgen kann.
[0014] Hierbei kann ein standardisierter Haltearm verwendet oder ein Haltearm mit geeigneter
Länge aus einem entsprechenden Satz von Haltearmen gewählt werden. Die elektrische
Signalübertragung kann insbesondere durch den Haltearm selbst erfolgen, der z.B. aus
mehreren miteinander verdrillten Einzeldrähten gebildet sein kann, wobei die Leitungen
gegebenenfalls als Teil der Drähte mit aufgedrillt werden können. Insbesondere eine
derartige Ausbildung des Haltearms durch Verdrillen mehrerer Einzeldrähte ermöglicht
die gewünschte Verstellbarkeit in unterschiedilche Biegestellungen, bei denen dennoch
jeweils eine Elastizität zur Ausbildung einer Rückstellkraft vorhanden ist. Insbesondere
können bei einem derartigen Haltearm auch mehrere Verstellungen ohne Materialermüdung
erfolgen.
[0015] Eine weitere erfindungsgemäße Weiterbildung umfasst den zusätzlichen Einsatz eines
weiteren schalleinleitenden Systems, das direkt akustische Wellen ausgibt. Dieses
weitere System kann insbesondere ein Hörschlauchsystem sein, das durch einen z. B.
im Elektrik-Bereich angeordneten Hörer und einen vom Hörer abgehenden Schallschlauch
gebildet wird. Der Schallschlauch wird z. B. wiederum durch die Otoplastik geführt
und mit seinem freien Ende im Gehörgang platziert, wobei der Durchgang durch die Otoplastik
nicht vollständig verschlossen wird. Alternativ hierzu ist auch eine Platzierung im
Bereich der Concha möglich.
[0016] Alternativ zu einem Schallschlauchsystem ist auch der Einsatz eines Außenhörers (Ex-Hörers)
möglich, der ohne Schallschlauch direkt akustische Signale ausgibt und mit dem Elektrik-Bereich
über Leitungen verbunden ist.
[0017] Es zeigt sich, dass eine derartige Kombination eines Vibrationssystems mit einem
schallausgebenden System, insbesondere einem Schallschlauchsystem, einige weitere
Vorteile ergibt. Insbesondere können Frequenzbereiche unterschiedlich eingeleitet
werden. So können Schallwellen eines niedrigeren Frequenzbereichs, z. B. bis ca. 1300
Hz, zumindest überwiegend über den Vibrationskonduktor und Schallwellen eines höheren
Frequenzbereichs, z. B. oberhalb von ca. 1300 Hz, zumindest ergänzend über den Hörer
und den Schallschlauch eingeleitet werden. Hierzu kann eine Frequenzweiche irn Elektrik-Bereich
vorgesehen oder in einem anderen Bauteil integriert sein.
[0018] Da die Schalleinleitung eines Vibrationssystem für höhere Töne oftmals qualitativ
nachlässt, kann erfindungsgemäß durch die Kombination mit einem schallausgebenden
System, insbesondere Schallschlauchsystem, eine vorteilhafte Gesamtwirkung erreicht
werden.
[0019] Die Erfindung wird im Folgenden anhand der beiliegenden Zeichnungen an einigen Ausführungsformen
erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1:
- ein Knochenleitungshörgerät gemäß einer ersten Ausfüh- rungsform bei Anbringung am
Außenohr eines Benutzers in Seitenansicht;
- Fig. 2
- eine zu Fig. 1 alternative Ausführungsform;
- Fig. 3
- eine Schnittdarstellung der Außenohranordnung aus Fig. 1 oder 2 gemäß einer Ausführungsform.
- Fig. 4
- einen Schnitt IV - IV durch den Haltearm in Fig. 1 und 2;
- Fig. 5
- ein Knochenleitungshörgerät gemäß einer weiteren Ausfüh- rungsform;
- Fig. 6
- ein Knochenleitungshörgerät gemäß einer weiteren Ausfüh- rungsform mit gegenüber Fig.
1 und 2 zusätzlichem Hör- schlauch; und
- Fig. 7
- eine Schnittdarstellung der Außenohranordnung aus Fig. 6.
[0020] Ein erfindungsgemäßes Knochenleitungshörgerät 1 ist gemäß Fig. 1 an einem Außenohr
2 eines Benutzers angebracht. Das Knochenleitungshörgerät 1 weist als Befestigungseinrichtung
eine Otoplastik 3 auf, die in einen Gehörgang 4 des Benutzers gesetzt ist und somit
an der Gehörgangwandung 4a anliegt. Die Otoplastik 3 ist als Formpassstück ausgebildet
und kann insbesondere individuell für den jeweiligen Benutzer bzw. die Anatomie seines
Außenohres 2 und Gehörgangs 4 angefertigt werden, z.B. durch einen Abdruck; es sind
jedoch auch Otoplastiken 3 als standardisierte Bauteile einsetzbar. Gemäß dem Schnitt
der Fig. 3 kann die Otoplastik 3 z. B. zweiteilig sein. Die Anlage der Otoplastik
3 an der Gehörgangwandung 4a kann insbesondere druckfrei bzw. ohne direkte Verspannung
erfolgen. Die Otoplastik 3 Ist offen, d.h. sie weist eine durchgehende Öffnung 6 auf,
die somit den direkten Durchtritt von Schallwellen von außen in den Gehörgang 4 zum
Mittelohr 5 und weiter zum Innenohr und gegebenenfalls einen Austritt von Flüssigkeiten
oder Sekreten aus dem Mittelohr 5 durch den Gehörgang 4 nach außen ermöglicht. Die
durchgängige Öffnung 6 verläuft vorteilhafterweise mittig und axial. Sie kann sich
z.B. zum Mittelohr 5 hin trichterförmig verjüngen.
[0021] Die Otoplastik 3 ist vorteilhafterweise aus einem steifen Material, z.B. einem hinreichend
steifen Kunststoff- oder Kautschukmaterial, oder auch aus Metall hergestellt. Hinreichend
steif bedeutet hierbei, dass die Gegenkraft zur Abstützung des Haltearms gewährleistet
wird. Hierbei kann die Otoplastik 3 gegebenenfalls auch gemäß Fig. 3 in der Concha
2a des Außenohres 2 anliegen, z.B. mit einem ringförmigen Bereich 7.
[0022] An die Otoplastik 3 schließt sich ein Haltearm 10 an, der aus dem Außenohr 2 heraus
verläuft und gemäß den Figuren 1 und 2 unterschiedliche Verläufe, gegebenenfalls auch
unterschiedliche Längen aufweisen kann. Gemäß der Ausführungsform der Fig. 1 verläuft
der Haltearm 10 nach (in Bezug auf die Blickrichtung des Benutzers) vorne über den
tragus oder die incisura anterior weiter nach vorne, wobei am Ende des Haltearms 10
ein Vibrationskonduktor 12 zur Anlage an einem Knochen 13a des Kopfes des Benutzers
angebracht ist. Bei der Ausführungsform der Fig. 1 kann dieserhier nur angedeutete
- Knochen 13a Insbesondere das Jochbein oder ein Knochen im Bereich des Kiefers sein,
z.B. die Kiefergelenkverankerung.
[0023] Bei der Ausführungsform der Fig. 2 verläuft der Haltearm 10 gekrümmter, wobei er
z.B. zunächst wiederum nach vorne über den tragus oder die incisura anterior verläuft
und dann verdeckt hinter dem oberen Ohrmuschelrand, d.h. hinter dem Außenohr 2 nach
hinten verläuft, wobei der Vibrationskonduktor 12 z.B. am hier nur angedeuteten Mastoiden
13b des Kopfes des Benutzers anliegt.
[0024] Erfindungsgemäß wird eine Anlagekraft oder Anpresskraft von z.B. 100g auf den Vibrationskonduktor
12 ausgeübt, wobei diese Anlagekraft bzw. dieser Anpressdruck über den Haltearm 10
ausgeübt wird. Erfindungsgemäß wird hierbei erkannt, dass diese Anpresskraft bereits
durch die Abstützung der Otoplastik 3 im Gehörgang 4 bzw. die hierdurch ausgeübte
Gegenkraft und gegebenenfalls ergänzend durch Anlage des Bereichs 7 an der Concha
2a ausgeübt bzw. abgestützt werden kann.
[0025] Erfindungsgemäß kann der elastische Haltearm 10 von dem Benutzer oder einem die Anpassung
vornehmenden Helfer zunächst durch Kaltbiegen individuell an die Form und Anatomie
des menschlichen Kopfes angepasst werden, nach dieser Verformung in der jeweils eingestellten
Position bzw. Formgebung ist er jedoch jeweils elastisch verstellbar. Der Haltearm
10 kann insbesondere gemäß Fig. 4 durch mehrere miteinander verdrillte Einzeldrähte
11 ausgebildet sein, wobei elektrische Leitungen 11a zu dem Vibrationskonduktor 12
mit aufgedrillt sind, Alternativ hierzu ist grundsätzlich jedoch z.B. auch ein biegsames
und in seinen Biegestellungen elastisches bzw. eine Rückstellkraft aufbauendes Rohr
einsetzbar.
[0026] Eine Steuereinrichtung 14 und vom Benutzer zu betätigende Stellglieder 15 sowie ein
Verstärker 17 können insbesondere gemäß Fig. 1, 2 in einem Elektrik-Bereich 16 hinter
dem Außenohr 2 bzw. der Ohrmuschel bzw. dem oberen Ohrmuschelrand angeordnet sein.
Sie können hierbei je nach Ausführungsform direkt auf dem Haltearm 10, oder als verdickter
Bereich entsprechend herkömmlichen HdO- Hörgeräten ausgebildet sein. Somit ist dieser
Elektrik-Bereich 16 z.B. mit der Otoplastik 3 verbunden, so dass die Otoplastik 3
zum einen mit diesem hinter dem Außenohr liegenden Elektrik-Bereich 16 und weiterhin
mit dem Haltearm 10 verbunden ist. Hierbei kann der Elektrik-Bereich 16 gemäß Fig.
1 von dem Haltearm 10 abzweigen, oder gemäß Fig. 1 als Verdickung in dem Haltearm
10 ausgebildet sein.
[0027] Beim Anpassen des erfindungsgemäßen Knochenleitungshörgeräts 1 wird z.B. zunächst
bei eingesetzter Otoplastik 3 eine Biegestellung gewählt, bei der der Vibrationskonduktor
12 an dem betreffenden Knochen 13a, 13b ohne Vorspannung anliegt, nachfolgend wird
eine weitergehende Verbiegung des Haltearms 10 eingestellt, z.B. bei aus dem Gehörgang
4 genommener Otoplastik 3, und nachfolgend die Otoplastik 3 wieder eingesetzt, so
dass der Haltearm 10 durch seine Vorspannung die gewünschte Anpresskraft von z.B.
100g auf den Vibrationskonduktor 12 ausübt.
[0028] Erfindungsgemäß kann gemäß Fig. 3 ein Mikrofon 18 an der Otoplastik 3, insbesondere
auch im Bereich ihrer Öffnung 6 angebracht sein, so dass sie Schallwellen im Bereich
des Gehöhrgangs 4 aufnimmt, so dass eine übliche Schallaufnahme bzw. ein übliches
akustisches Hörvermögen nachgebildet werden kann.
[0029] Gemäß der Ausführungsform der Fig. 5 ist der Elektrik-Bereich als Tell oder zusammen
mit der Otoplastik 3 vorgesehen, so dass kein HdO-Bereich erforderlich ist.
[0030] Gemäß der Ausführungsform der Fig. 6 und 7 ist zusätzlich ein Hörschlauchsystem vorgesehen.
Hierfür ist in dem Elektrik-Bereich 16 bzw. HdO-Bereich 16 ein Hörer 20 als elektroakustischer
Wandler vorgesehen, an den ein Schallschlauch 21 mit einem Ende angeschlossen ist,
dessen anderes Ende 21 b als Schallaustritt dient und gemäß Fig. 7 durch die durchgängige
Öffnung 6 der Otoplastik 3 gelegt ist. Hierbei wird die durchgängige Öffnung 6 durch
den Schallschlauch 21 nicht vollständig verschlossen, sondern das System bleibt offen.
Alternativ hierzu kann das Ende 21b auch vor der Concha 2a angeordnet sein und somit
der Schall durch die durchgängige Öffnung 6 in das Mittelohr 5 gelangen.
[0031] Bei der Ausführungsform der Fig. 6 und 7 ist es vorteilhaft, wenn Schallwellen eines
niedrigeren Frequenzbereichs, z. B. bis ca. 1300 Hz, (zumindest überwiegend) über
den Vibrationskonduktor 12 und Schallwellen eines höheren Frequenzbereichs, z. B.
oberhalb von ca. 1300 Hz, (zumindest ergänzend) über den Hörer 20 und den Schallschlauch
21 eingeleitet werden. Hierzu kann eine Frequenzweiche vorgesehen sein, die z. B.
in der Steuereinrichtung und/oder dem Verstärker integriert sein kann.
[0032] Die Ausführungsform der Fig. 6 und 7 kann anstelle eines Hörers 20 und Schallschlauchs
21 auch mit einem Außenhörer verwirklicht werden, der über eine elektrische Leitung
mit dem Elektrik-Berreich 16 verbunden ist und entweder im Bereich der Concha 2a angeordnet
ist und dort Schallwellen ausgibt, oder in den Gehörgang 4 gesetzt ist, wobei dann
die elektrische Leitung (wie der in Fig. 7 gezeigte Schallschlauch 21) durch die Öffnung
6 der Otoplastik 3 verläuft.
[0033] Der Schallschlauch 21 und der Haltearm 10 können bei allen Ausführungsformen kombiniert
bzw. zusammenverlegt sein. Bei einem Außenhörer können entsprechend dessen elektrische
Leitungen im oder am Haltearm 10 verlaufen.
1. Knochenleitungshörgerät, das mindestens aufweist:
eine Befestigungseinrichtung (3) zur Befestigung am Kopf des Benutzers, und
einen Vibrationskonduktor (12) zur Anlage an einem Knochen (13a, 13b) des Kopfes eines
Benutzers mit einer Anpresskraft,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Befestigungseinrichtung als Formpassstück (3) zum Einsatz In den Gehörgang (4)
und/oder die Concha des Benutzers ausgebildet ist,
das Formpassstück (3) eine durchgängige Öffnung (6) aufweist zur Ausbildung eines
freien Durchgangs in dem Gehörgang (4),
der Vibrationskonduktor (12) mit dem Formpassstück (3) über einen Haltearm (10) verbunden
ist, der in verschiedene Biegepositionen einstellbar und in den eingestellten Biegepositionen
unter Ausbildung einer Rückstellkraft elastisch verformbar ist, und
das Formpassstück (3) zur Abstützung der Anpresskraft des Vibrationskonduktors (12)
vorgesehen ist.
2. Knochenleitungshörgerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Formpassstück (3) als Otoplastik (3) ausgebildet ist.
3. Knochenleitungshörgerät nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Formpassstück (3) einen Bereich zum Einsatz in den Gehörgang (4) und weiterhin
einen Bereich (7) zur Anlage an der Concha (2a) des Außenohres (2) des Benutzers aufweist.
4. Knochenleitungshörgerät nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Formpassstück (3) druckfrei und ohne Verspannung im Gehörgang (4) anliegt.
5. Knochenleitungshörgerät nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es einen Elektrik-Bereich (16) mit einem Verstärker (17), einer Steuereinrichtung
(14) und mindestens einem Stellglied (15) zur Einstellung des Knochenleitungshörgeräts
(1) durch den Benutzer aufweist.
6. Knochenleitungshörgerät nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Elektrik-Bereich (16) ganz oder teilweise als HdO-Bereich zur Anordnung hinter
dem Außenohr (2) des Benutzers ausgebildet ist.
7. Knochenleitungshörgerät nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Elektrik-Bereich (16) ganz oder teilweise am Formpassstück (3) ausgebildet ist.
8. Knochenleitungshörgerät nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Haltearm (10) derartig einstellbar Ist, dass der Vibrationskonduktor (12) an
einen Knochen (13a) des Kopfes des Benutzers vor dem Außenohr (2), z.B. am Jochbein
oder einem Kieferknochen, anlegbar ist.
9. Knochenleitungshörgerät nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Haltearm (10) derartig einstellbar ist, dass der Vibrationskonduktor (12) an
einem Knochen des Kopfes des Benutzers hinter dem Außenohr (2), z.B. dem Mastoid (13b),
anlegbar ist.
10. Knochenleitungshörgerät nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Haltearm (10) mit dem Formpassstück (3) und/oder dem Vibrationskonduktor (12)
über eine lösbare Steckverbindung verbunden ist.
11. Knochenleitungshörgerät nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Mikrofon (18) aufweist, das im oder am Formpassstück (3) angebracht ist.
12. Knochenleitungshörgerät nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Mikrofon (18) in der durchgängigen Öffnung (6) des Formpassstückes (3) angeordnet
ist.
13. Knochenleitungshörgerät nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Haltearm (10) aus mehreren miteinander verdrillten Einzeldrähten (11) gebildet
ist, wobei die Leitungen (11a) Teil der Drähte sind.
14. Knochenleitungshörgerät nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es zusätzlich zu dem Vibrationskonduktor (12) ein weiteres schalleinleitendes System
(20, 21), z. B. ein Schallschlauchsystem (20, 21) oder ein Außenhörersystem, aufweist,
das einen Schallausgabebereich (21b), z. B. ein Ende eines Schallschlauchs oder ein
Außenhörer, zur Ausgabe von Schallwellen aufweist, der zur Anordnung im Bereich der
Concha (2a) oder im Gehörgang (3) vorgesehen ist.
15. Knochenleitungshörgerät nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass das weitere schalleinleitende System (20, 21) im wesentlichen für Schallsignale in
einem höheren Frequenzbereich und der Vibrationskonduktor (12) im wesentlichen für
Schallsignale in einem niedrigeren Frequenzbereich vorgesehen ist.