[0001] Die Druckschrift
US 2004/0239346 A1 betrifft ein Verfahren zum Ermitteln einer Strom-/Spannungskennlinie eines zu testenden
Bauteils. Zum Ermitteln des Strom-/Spannungszusammenhangs wird das zu testende Bauteil
mit ESD-Pulsen unterschiedlicher Amplitude gestresst, bis das Bauteil zerstört ist.
[0002] Die Druckschrift
US 5,675,260 betrifft ein Verfahren zur Auswahl eines gegenüber einer elektrostatischen Entladung
möglichst robusten Bauteildesigns. Dabei werden Bauteile von unterschiedlicher Struktur
mit ESD-Pulsen gestresst, wobei die Amplitude der Pulse verändert wird, bis ein Bauteilversagen
auftritt.
[0003] Eine zu lösende Aufgabe ist es, ein Verfahren anzugeben, bei dem die ESD-Pulsstabilität
eines elektrischen Bauelements erhöht wird.
[0004] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren nach Patentanspruch 1 gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen des Verfahrens sind Gegenstand von Unteransprüchen.
[0005] Es wird ein Verfahren zur Erhöhung der ESD- (Electrostatic Discharge) Pulsstabilität
eines elektrischen Bauelements angegeben. Ein bereitgestelltes elektrisches Bauelement
wird mittels eines Alterungspulses, der durch einen Pulsgenerator erzeugt wird, vorgealtert.
Durch den Alterungspuls wird die Degradation einer elektrischen Kennlinie des Bauelements
für weitere ESD-Pulse, die während des Betriebs des elektrischen Bauelements auftreten
können, verringert.
[0006] Während des Betriebs von den elektrischen Bauelementen können transiente Spannungspulse,
wie beispielsweise ESD-Pulse, zu einer deutlichen Degradation der Stromspannungskennlinie
von elektrischen Bauelementen führen. Durch eine Degradation der Stromspannungskennlinie
erreichen die Bauelemente somit nicht mehr die von den Kunden gewünschten Spezifikationen.
[0007] Für das elektrische Bauelement werden bevorzugt lineare oder nichtlineare Widerstände
verwendet. Gerade bei diesen Bauelementen treten Probleme durch transiente Pulse auf,
die zu einer deutlichen Degradation der Stromspannungskennlinie führen können.
[0008] Durch den Alterungspuls wird wenigstens eine elektrische Kenngröße des elektrischen
Bauelements verändert. Durch den Alterungspuls wird die ESD-Degradation des elektrischen
Bauelements verbessert.
[0009] Als lineare oder nichtlineare Widerstände werden beispielsweise Varistoren, diskrete
und integrierte Widerstände verstanden.
[0010] Bei einem Varistor kann sich bei einem ESD-Puls beispielsweise die Varistorspannung
ändern. Die Varistorspannung stellt eine typische Kenngröße von Varistoren dar. Eine
typische Kenngröße von nichtlinearen Widerständen ist beispielsweise das Verhältnis
vom Strom der durch den Widerstand fließt und der Spannung die am Widerstand anliegt.
[0011] Integrierte Widerstände können beispielsweise in einem Vielschichtbauelement integriert
sein, das mittels LTCC- (Low Temperature Cofired Ceramics = Niedertemperatur-Einbrand-Keramiken)
Technologie hergestellt wurde.
[0012] Des Weiteren werden unter nichtlinearen Widerständen beispielsweise temperaturabhängige
Widerstände wie NTCs oder PTCs verstanden. Bei NTCs oder PTCs kann sich durch einen
ESD-Puls beispielsweise die Abhängigkeit des Widerstands von der Temperatur verändern.
[0013] Durch den Alterungspuls wird beispielsweise bei einem Varistor die ESD-Degradation
der Varistorspannung, die durch beispielsweise einen 15 kV ESD-Puls hervorgerufen
wird, von wenigstens 35 % bei einem ungealterten Varistor auf maximal 1 % verringert.
Als Varistorspannung wird dabei die Spannung eines Varistors bezeichnet, die an dem
Varistor bei einer Stromstärke von 1 mA abfällt.
[0014] Bei diskreten Widerständen tritt durch einen ESD-Puls eine Änderung des Widerstands
auf, die durch das Beaufschlagen mit einem Alterungspuls vorweggenommen wird.
[0015] Bei PTCs oder NTCs wird durch einen ESD-Puls die temperaturabhängige Widerstandskennlinie
beeinflusst. Durch die Voralterung mittels eines Alterungspulses wird diese Veränderung
vorweggenommen. Somit tritt bei einer Voralterung des elektrischen Bauelements durch
das Anlegen eines Alterungspulses im weiteren Betrieb nur noch eine geringfügige Alterung
des Bauelements auf.
[0016] Der Alterungspuls weist vorzugsweise eine Pulshöhe von etwa 500 V bis 8000 V auf,
wobei der Puls eine Länge von ungefähr 10 ns bis 1000 ns aufweist. Der Alterungspuls
weist vorzugsweise eine Anstiegszeit von 0,1 ns bis 10 ns auf. Unter der Anstiegszeit
ist die Zeit zu verstehen, die der Puls benötigt, um seinen Signalpegel zwischen zwei
definierten Zwischenwerten (üblich sind 10 % und 90 %) zu ändern. Die zuvor angegebenen
Werte des Alterungspulses sind sehr stark von dem Design und den Materialien, wie
beispielsweise den für das Bauelement verwendeten Keramiken, abhängig.
[0017] Die Pulsdegradation der Kennlinie des elektrischen Bauelements wird somit über einen
Alterungspuls vorgehalten, wobei die Zielspezifikationswerte des elektrischen Bauelements
bei einer Designanpassung eingestellt werden. Die Pulsform des Alterungspulses wird
vorzugsweise derart ausgewählt, dass das Bauteil über den Energieeintrag des Alterungspulses
vorgealtert, jedoch nicht geschädigt wird. Die in der weiteren Verwendung des elektrischen
Bauelements hervorgerufene Alterung durch transiente Pulse, wie ESD, wird durch den
zuvor eingetragenen Alterungspuls vorweggenommen, wodurch sich die elektrische Spezifikation
des Bauteils verbessern.
[0018] In einer Ausführungsform wird der Alterungspuls an einem Varistor angewandt.
[0019] Durch den Alterungspuls wird die Varistorspannung des Varistors stabilisiert. Bei
einem Varistor handelt es sich um einen spannungsabhängigen Widerstand, der oberhalb
einer bestimmten Schwellspannung, die typisch für den jeweiligen Varistor ist, abrupt
einen kleinen Widerstand aufweist.
[0020] Des Weiteren wird ein elektrisches Bauelement angegeben, das nach Anwendung eines
wie oben beschriebenen Verfahrens eine maximale ESD-Degradation einer elektrischen
Kennlinie von 1 % aufweist. Bei dem elektrischen Bauelement handelt es sich um einen
linearen oder nichtlinearen Widerstand. Unter linearen beziehungsweise nichtlinearen
Widerständen werden beispielsweise Varistoren, PTC-Elemente, NTC-Elemente beziehungsweise
diskrete oder integrierte Widerstände verstanden. Integrierte Widerstände werden beispielsweise
in Vielschichtbauelementen integriert, die in LTCC-Technologie hergestellt sind.
[0021] Durch ein zuvor beschriebenes Verfahren kann beispielsweise die Klemmspannung eines
Varistors um ungefähr 20 % reduziert werden, falls bei einem Varistor eine Voralterung
stattgefunden hat.
[0022] Unter der Klemmspannung ist der Spannungsabfall des Varistors zu verstehen, den der
Varistor bei einem Stromstoß von mehr als 1 A erfährt.
[0023] Das oben beschriebene Verfahren und die Gegenstände werden anhand der folgenden Figuren
und Ausführungsbeispiele näher erläutert.
[0024] Die nachfolgend beschriebenen Zeichnungen sind nicht als maßstabsgetreu aufzufassen.
Vielmehr können zur besseren Darstellung einzelne Dimensionen vergrößert, verkleinert
oder auch verzerrt dargestellt sein. Elemente, die einander gleichen oder die die
gleiche Funktion übernehmen, sind mit den gleichen Bezugszeichen bezeichnet.
Figur 1 zeigt ein schematisches Profil eines Alterungspulses,
Figur 2 zeigt ein Diagramm der Varistorspannung für gealterte und ungealterte Bauteile.
[0025] In der Figur 1 ist ein schematisches Profil eines Alterungspulses gezeigt. Auf der
x-Achse ist Zeit aufgetragen, auf der y-Achse die Spannung des Alterungspulses U
p. Der Alterungspuls weist vorzugsweise eine maximale Pulshöhe 4 von ungefähr 500 V
bis 8000 V auf, wobei der Alterungspuls innerhalb einer Zeit 5 von ca. 0,1 ns bis
10 ns von 10% der Pulshöhe 1 auf 90% der Pulshöhe 3 ansteigt. Die Pulslänge 6 beträgt
bevorzugt zwischen 10 ns und 1000 ns. Die Pulslänge 6 ist die Breite des Pulses, die
der Puls bei 50% der Pulshöhe 2 aufweist.
[0026] Der Alterungspuls wird vorzugsweise mittels eines Pulsgenerators erzeugt. Ein elektrisches
Bauelement wird mit einem derartigen Alterungspuls vorgepulst. Dadurch wird das elektrische
Bauelement durch den Alterungspuls vorgealtert, wobei das Bauelement jedoch nicht
geschädigt wird. Die Alterung, die beim nachfolgenden Betrieb des Bauelements auftreten
kann, wird durch den Alterungspuls somit nahezu vollständig vorweggenommen.
[0027] Die Figur 2 zeigt ein Diagramm, in dem die Änderung der Varistorspannung nach dem
Einwirken eines ESD-Pulses auf ein elektrisches Bauelement, in diesem Fall ein Varistor,
dargestellt ist. Auf der y-Achse ist die Änderung der Varistorspannung ΔU
v in Prozent dargestellt.
[0028] Als Varistorspannung wird die Spannung eines Varistors bezeichnet, die der Varistor
beim Einbringen eines Stroms von 1mA aufweist.
[0029] Auf der x-Achse sind die Bauelemente mit Alterungspuls A und ohne Alterungspuls B
aufgetragen. Bei einem Bauelement B, das nicht mit einem Alterungspuls vorgealtert
wurde, fällt beispielsweise wie in Figur 2 gezeigt, die Varistorspannung bei einem
ESD-Puls von ungefähr 15 kV um wenigstens 35% ab. Wenn das Bauelement A mittels eines
Alterungspulses, von beispielsweise 4 kV, vorgealtert wurde, fällt die Varistorspannung
dagegen nur um maximal 1% ab.
[0030] Obwohl in den Ausführungsbeispielen nur eine beschränkte Anzahl möglicher Weiterbildung
der Erfindung beschrieben werden konnte ist die Erfindung nicht auf diese beschränkt.
Es ist prinzipiell möglich, dass das Verfahren auch auf andere elektrische Bauelemente
angewendet werden kann, die durch transiente Pulse altern.
Bezugszeichenliste:
[0031]
- 1
- 10% Pulshöhe
- 2
- 50% Pulshöhe
- 3
- 90% Pulshöhe
- 4
- maximale Pulshöhe
- 5
- Anstiegszeit
- 6
- Pulslänge
- A
- Bauelement mit Voralterung
- B
- Bauelement ohne Voralterung
1. Verfahren zur Erhöhung der ESD-Pulsstabilität eines elektrischen Bauelements,
- wobei von einem Pulsgenerator ein Puls erzeugt wird und ein bereitgestelltes Bauelement
mit dem Puls vorgepulst wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
- der Puls ein Alterungspuls mit einer Pulsform ist, wobei die Pulsform derart gewählt
ist, dass das Bauteil über den Energieeintrag des Alterungspulses vorgealtert und
nicht beschädigt wird,
- wodurch die Degradation einer elektrischen Kennlinie des Bauelements durch ESD-Pulse,
die während des Betriebs des elektrischen Bauelements auftreten, verringert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei als elektrisches Bauelement ein linearer oder nichtlinearer
Widerstand verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, wobei wenigstens eine elektrische Kenngröße des elektrischen
Bauelements durch den Alterungspuls verändert wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, wobei das elektrische Bauelement nach Anlegen des Alterungspulses
im Betrieb nur noch geringfügig altert.
5. Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Alterungspuls eine Pulshöhe von 500V bis 8000V
aufweist.
6. Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Alterungspuls eine Pulslänge von 10ns bis 1000ns
aufweist.
7. Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Alterungspuls eine Anstiegszeit von 0,1ns bis
10ns aufweist.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei der Alterungspuls auf einen Varistor
angewandt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, wobei der Varistor eine Varistorspannung aufweist, die
durch den Alterungspuls stabilisiert wird.
10. Elektrisches Bauelement, das nach Anwendung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche
1 bis 7 eine maximale ESD-Degradation einer elektrischen Kennlinie von 1% aufweist.
11. Elektrisches Bauelement nach Anspruch 10, wobei es sich um einen Varistor, ein PTC-Element
oder ein NTC-Element handelt.
1. Method for increasing the ESD pulse stability of an electrical component,
- wherein a pulse is generated by a pulse generator and a component provided is pre-pulsed
with the pulse,
characterized in that
- the pulse is an ageing pulse having a pulse shape, wherein the pulse shape is chosen
in such a way that the component is pre-aged and not damaged by means of the energy
input of the ageing pulse,
- as a result of which the degradation of an electrical characteristic curve of the
component by ESD pulses which occur during the operation of the electrical component
is reduced.
2. Method according to Claim 1, wherein a linear or non-linear resistor is used as the
electrical component.
3. Method according to Claim 1, wherein at least one electrical characteristic variable
of the electrical component is altered by the ageing pulse.
4. Method according to Claim 1, wherein the electrical component ages only slightly during
operation after the application of the ageing pulse.
5. Method according to Claim 1, wherein the ageing pulse has a pulse height of 500 V
to 8000 V.
6. Method according to Claim 1, wherein the ageing pulse has a pulse length of 10 ns
to 1000 ns.
7. Method according to Claim 1, wherein the ageing pulse has a rise time of 0.1 ns to
10 ns.
8. Method according to any of Claims 1 to 7, wherein the ageing pulse is applied to a
varistor.
9. Method according to Claim 8, wherein the varistor has a varistor voltage that is stabilized
by the ageing pulse.
10. Electrical component which has a maximum ESD degradation of an electrical characteristic
curve of 1% after the application of a method according to any of Claims 1 to 7.
11. Electrical component according to Claim 10, wherein a varistor, a PTC element or a
NTC element is involved.
1. Procédé pour augmenter la stabilité aux impulsions ESD d'un composant électrique,
- une impulsion étant générée par un générateur d'impulsions et un composant mis à
disposition étant pré-exposé à l'impulsion,
caractérisé en ce que
- l'impulsion est une impulsion de vieillissement ayant une forme d'impulsion, la
forme d'impulsion étant choisie de telle sorte que l'élément structural est vieilli
prématurément par l'apport d'énergie de l'impulsion de vieillissement et n'est pas
endommagé,
- la dégradation d'une courbe caractéristique électrique du composant par les impulsions
ESD qui se produisent pendant le fonctionnement du composant électrique étant ainsi
réduite.
2. Procédé selon la revendication 1, le composant électrique utilisé étant une résistance
linéaire ou non linéaire.
3. Procédé selon la revendication 1, une grandeur caractéristique électrique du composant
électrique étant modifiée par l'impulsion de vieillissement.
4. Procédé selon la revendication 1, le composant électrique ne vieillissant plus que
légèrement en fonctionnement après l'application de l'impulsion de vieillissement.
5. Procédé selon la revendication 1, l'impulsion de vieillissement possédant une hauteur
d'impulsion de 500 V à 8000 V.
6. Procédé selon la revendication 1, l'impulsion de vieillissement possédant une durée
d'impulsion de 10 ns à 1000 ns.
7. Procédé selon la revendication 1, l'impulsion de vieillissement possédant un temps
de montée de 0,1 ns à 10 ns.
8. Procédé selon l'une des revendications 1 à 7, l'impulsion de vieillissement étant
appliquée sur une varistance.
9. Procédé selon la revendication 8, la varistance possédant une tension de varistance
qui est stabilisée par l'impulsion de vieillissement.
10. Composant électrique qui, après l'utilisation d'un procédé selon l'une des revendications
1 à 7, présente une dégradation ESD maximale d'une courbe caractéristique électrique
de 1 %.
11. Composant électrique selon la revendication 10, celui-ci étant une varistance, un
élément à CTP ou un élément à CTN.