[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein neuartiges Verfahren zur Herstellung eines
Druckerzeugnisses mit einem zumindest teilweise taktilen Aufdruck auf einem Druckträger,
sowie nach dem neuartigen Verfahren hergestellte Druckerzeugnisse.
[0002] Taktile Kommunikation wird in der Wissenschaft synonym mit haptischer Kommunikation
verwendet. Der taktilen Kommunikation liegen der Tastsinn sowie die haptische Wahrnehmung
mit Kitzel, Berührung, Bewegung, Vibration, Temperatur, Druck und Spannung zugrunde.
Besondere Bedeutung kommt der taktilen Kommunikation bei sehbehinderten bzw. blinden
Personen zu.
[0003] Zur Darstellung von Punktschrift, der sogenannten Brailleschrift, auf Druckträgern,
beispielsweise auf Informationstafeln, war man bisher auf die Verwendung von Gravuren,
Prägungen oder Ätzungen zur taktilen Gestaltung des Druckträgers angewiesen. Um derartige
Druckträger mit leicht tastbaren Erhöhungen zu versehen, werden diese beispielsweise
auch reliefartig aus gefrästen Einzelteilen aufgebaut.
[0004] Alternativ dazu werden zur Herstellung gattungsgemäßer Informationstafeln beispielsweise
vorgefertigte Buchstaben oder Symbole verwendet, die in Halterungstafeln eingesteckt
werden.
[0005] Diese bekannten Verfahren haben allerdings den Nachteil, dass die Herstellung derartiger
Druckträger aufwendig ist und die tastbaren Erhebungen eine gewisse Mindestgröße besitzen
müssen. Die Darstellung eines Textes oder einer Grafik mit derartig hergestellten
Erhebungen erfordert weiters einen hohen Platzbedarf. Eine einfache und kostengünstige
Reproduktion dieser in Handarbeit hergestellten Informationstafeln sowie eine stufenlose
Veränderung oder Anpassung der Schriftgrößen sind nicht möglich.
[0006] DE 10 2006 003 310 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung eines Lentikularbildes zu entnehmen, wobei die
tastbaren Erhebungen durch mehrere jeweils linsenförmige Schichten, die auf den Druckträger
aufgedruckt oder aufgeklebt werden, gebildet werden. Die Linsenkörper können auch
für die Verwendung als Blindenschrift (Braille) dienen und sind vorzugsweise aus einem
transparenten Material hergestellt.
[0007] Als weiterer Stand der Technik ist beispielsweise aus der
DE 100 21 774 A1 ein Verfahren zur Darstellung von Blindenschrift bekannt, bei dem in einer Druckmaschine
zunächst auf einem Druckträger ein Druckbild erzeugt wird. Auf das noch druckfrische
Druckbild wird anschließend ein blähfähiges Granulat aufgebracht, welches an den druckfrischen,
feuchten Stellen haften bleibt. Überschüssiges, nicht haftendes Granulat wird sodann
vom Druckträger wieder entfernt und in einem anschließenden weiteren Arbeitsschritt
wird das blähfähige Granulat bei Temperaturen zwischen 60°C und 200°C aufgebläht.
Als blähfähiges Granulat wird dazu ein Gemisch aus Harz und Quarz verwendet, das zusätzlich
Hilfsmittel wie Stabilisatoren, Bindemittel, Fotopolymere und Initiatoren enthalten
kann.
[0008] Nachteilig an diesem Herstellungsverfahren ist, dass die Druckqualität maßgeblich
von der Haftung des Granulats an den druckfrischen Stellen des Druckbilds abhängt
und dass jedenfalls ein Überschuss an blähfähigem Granulat auf den Druckträger aufgebracht
werden muss. Das Herstellungsverfahren ist aufgrund des hohen Verbrauchs des blähfähigen
Granulats, das auch entsorgt werden muss, sehr aufwendig. Durch das erforderliche
Aufheizen des mit Granulat bestreuten Druckträgers, um das Harz zum Schmelzen zu bringen,
werden die Betriebskosten zur Herstellung der Druckträger zusätzlich erhöht. Aufgrund
der hohen Temperaturen, die für das Schmelzen des Harzes erforderlich sind, können
nicht beliebige bedruckbare Materialien eingesetzt werden, was einen weiteren Nachteil
dieses Herstellungsverfahrens darstellt.
[0009] Weiters sind aus der
DE 20 2004 015 355 U1 Druckfarben bekannt, die auf beliebige Druckträger aufgebracht werden und anschließend
beispielsweise mittels eines Markier-Lasers lokal erhitzt werden. Durch diese Erwärmung
werden im Druckfarbstoff eine oder mehrere chemische Reaktionen ausgelöst, die zu
einem Aufblähen oder Aufplatzen von im Farbstoff eingeschlossenen Mikrokapseln und
somit zu einer das Volumen des Farbstoffs vergrößernden Aufschäumung führen. Beispielsweise
werden durch die Zerstörung von Mikrokapseln katalytisch wirkende Substanzen im Farbstoff
freigesetzt, die ein chemisches Vorprodukt wie beispielsweise Polyurethan lokal zu
irreversiblen, harten Mikroblasen von wenigen mm Durchmesser aufschäumen.
[0010] Nachteilig an solchen Druckfarben ist, dass damit keine exakten, feinstrukturierten
taktilen Konturen erzielbar sind. Weiters ist von Nachteil, dass die lokale Erhitzung
der Druckfarben mittels eines Markier-Lasers sehr aufwendig ist und die Bedienung
des Lasers besonders geschulte Fachkräfte erfordert.
[0011] Es ist somit die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein neuartiges Verfahren zur
Herstellung eines Druckerzeugnisses mit einem zumindest teilweise taktilen Aufdruck
auf einem Druckträger bereitzustellen, das die geschilderten Nachteile des Standes
der Technik vermeidet.
[0012] Diese Aufgabe wird bei einem Herstellungsverfahren gemäß dem Oberbegriff des Anspruches
1 mit den Merkmalen des kennzeichnenden Teiles des Anspruchs 1 gelöst. Die Unteransprüche
betreffen besonders /weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung.
[0013] Weiters ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, nach dem neuartigen Verfahren
hergestellte Druckerzeugnisse bereitzustellen.
[0014] Vorteilhaft wird bei einem erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung eines Druckerzeugnisses
mit einem zumindest teilweise taktilen Aufdruck auf einem Druckträger, ein Druckfarbstoff
schichtweise ohne Versatz in mehreren Druckdurchgängen auf den Druckträger aufgedruckt,
bis eine tastbare Erhebung des Aufdrucks gebildet ist.
[0015] Als Druckträger kommen vorzugsweise Aluminiumplatten, Aluminium-Verbundmaterialien
(Dibond) sowie Acryl- oder Kunststoffplatten zum Einsatz, die im Innen- und/oder Außenbereich
beispielsweise von Gebäuden befestigbar sind. Auch sämtliche andere bedruckbare flächige
Materialien sind prinzipiell als Druckträger geeignet.
[0016] Unter Druckfarbstoffen sind sämtliche Druckfarben bzw. deren Mischungen zu verstehen.
Weiters ist die Verwendung von weißen, schwarzen und/oder transparenten Druckfarbstoffen
ebenfalls von der Erfindung mitumfasst.
[0017] Besonders anwenderfreundlich können beispielsweise Abschnitte mit taktilem Aufdruck
sowie Abschnitte mit rein optisch lesbarem Aufdruck gemeinsam auf einem Druckträger
angeordnet sein.
[0018] Beispielsweise kann es erforderlich sein, eine Fläche des Druckerzeugnisses mit einer
tastbaren, charakteristischen Struktur zu versehen. Diese Struktur kann beispielsweise
eine tastbare Querstreifung, Längsstreifung oder Punktierung sein.
[0019] Zweckmäßig wird bei einem erfindungsgemäßen Verfahren bei jedem Druckdurchgang jeweils
eine Druckschicht auf den Druckträger aufgedruckt.
[0020] Eine Druckschicht, die bei einem Druckdurchgang aufgetragen wird, kann wiederum beispielsweise
vier Farbschichten umfassen. Schwarze Elemente können beispielsweise entweder nur
mit einem schwarzen Druckfarbstoff, oder aus einer Mischung von vier einzelnen Druckfarbstoffen
(CMYK; cyan, magenta, yellow, black) gedruckt werden. Überraschenderweise hat sich
dabei gezeigt, dass sich Farbmischungen aus mehreren Druckfarbstoffen besonders gut
mit dem Aufdruck verbinden.
[0021] Besonders zweckmäßig ist bei einem erfindungsgemäßen Verfahren vorgesehen, dass sich
eine Kontur der in mehreren Druckdurchgängen erhaltenen Erhebung des Aufdrucks von
einer auf den Druckträger aufgedruckten untersten Druckschicht nach oben hin verjüngt.
[0022] Die Erhebungen des Aufdrucks lassen sich somit besonders gut taktil unterscheiden.
Beim Aufdruck von punktförmigen Braille-Schriftzeichen ist es so möglich, dass die
aufgedruckten Punkte besonders exakt in Halbkugelform hergestellt werden können.
[0023] In einer vorteilhaften Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens verjüngt sich
die Kontur des Aufdrucks von der untersten Druckschicht nach oben hin nach jeweils
5 bis 25, vorzugsweise nach jeweils 10 bis 20 Druckschichten.
[0024] Insbesondere für blinde oder sehbehinderte Personen, die Informationen in Punktschrift
(Braille) nicht lesen können, ist es erforderlich, Informationen in Normalschrift
taktil besonders gut unterscheidbar abzubilden. Im Wesentlichen pyramidenförmige Erhebungen
des Aufdrucks erleichtern dabei die Ertastbarkeit der Informationen.
[0025] Eine Variante der Erfindung bietet ein Verfahren, bei dem die Erhebung des Aufdrucks
je Druckschicht um mindestens 0,01 mm, vorzugsweise um mindestens 0,03 mm zunimmt.
[0026] In Regelwerken für tastbare Beschriftungen sind die geometrischen Abmessungen für
tastbare Erhebungen des taktilen Aufdrucks festgelegt. Vorteilhaft können beim erfindungsgemäßen
Herstellungsverfahren die Kontur bzw. Reliefhöhe der tastbaren Erhebungen sowie Abstände
zwischen benachbarten Erhebungen sehr genau an die jeweiligen Erfordernisse angepasst
werden. Die Erhebungen des Aufdrucks können beliebig hoch, beispielsweise 0,6 mm,
1 mm oder 2 mm hoch, gestaltet werden. Die Kontur bzw. Reliefhöhe der Erhebungen hängt
im Wesentlichen von der Anzahl der Druckdurchgänge ab. In der bisherigen Praxis haben
sich Erhebungen mit Reliefhöhen von rund 1,2 mm als sehr gut tastbar für taktile Aufdrucke
bewährt.
[0027] In einer weiteren Fortbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird ein unter Lichteinwirkung
aushärtender Druckfarbstoff verwendet.
[0028] Im Stand der Technik sind unterschiedlichste Druckfarbstoffe bekannt, die unter Lichteinwirkung,
beispielsweise unter Einwirkung von ultraviolettem Licht oder von Infrarot-Licht,
besonders rasch aushärten. Derartige Druckfarbstoffe sind besonders zum Einsatz für
die Herstellung von Druckerzeugnissen nach dem erfindungsgemäßen Verfahren geeignet.
[0029] Ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Verfahrens sieht vor,
dass nach jedem Druckdurchgang der Druckfarbstoff durch Lichteinwirkung, insbesondere
durch Einwirkung von UV-Licht, ausgehärtet wird.
[0030] Zum raschen Aushärten des Druckfarbstoffs können - je nach Art und Zusammensetzung
des Druckfarbstoffs - unterschiedlichste Arten an Lichtquellen verwendet werden. Beispielsweise
können UV-Lichtstrahler oder Infrarot-Lampen eingesetzt werden. Auch der Einsatz von
LED-Lampen, die Licht im jeweils entsprechenden Wellenlängenbereich emittieren, ist
dazu denkbar.
[0031] Zweckmäßig wird bei einem erfindungsgemäßen Verfahren nach dem Bedrucken der zumindest
teilweise taktile Aufdruck mit einem Klarlack versiegelt.
[0032] Der verwendete Klarlack sollte auf die Art des Druckfarbstoffs abgestimmt sein und
sich mit diesem besonders abriebfest verbinden. Es ist auch denkbar, mehrere Schichten
an Klarlack auf dem Aufdruck anzubringen. Weiters ist es denkbar, beispielsweise Mehrkomponentenlacke
als Klarlack einzusetzen.
[0033] In einer weiteren Fortbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden vorgegebene
Druckdaten des Aufdrucks in schichtweise Druckdaten zur Erzeugung der Kontur des taktilen
Aufdrucks für eine vorgegebene Anzahl von Druckdurchgängen umgerechnet.
[0034] Je nach Anforderung wird entweder für jeden einzelnen Druckdurchgang eine eigene
Kontur des taktilen Aufdrucks berechnet, oder aber eine Kontur wird jeweils für mehrere
Druckdurchgänge verwendet. Vorteilhaft an diesem erfindungsgemäßen Verfahren ist weiters,
dass sämtliche Druckdaten als digitale Information zu Verfügung stehen. Somit können
nicht nur die vorgegebenen Druckdaten eines zweidimensionalen Bildes in eine dreidimensionale
Bildinformation mit den entsprechenden Konturen der Erhebungen des taktilen Aufdrucks
umgerechnet werden, sondern die Bildinformation kann beliebig oft reproduziert werden
bzw. können Schriftgrößen einfach an jeweils unterschiedliche Anforderungen oder Größen
des Druckträgers angepasst werden.
[0035] Besonders vorteilhaft wird bei einem Verfahren gemäß der Erfindung zum Bedrucken
des Druckträgers ein Flachbettdrucker verwendet.
[0036] Um überhaupt in mehrfachen Druckdurchgängen mehrere Druckschichten ohne Versatz übereinander
drucken zu können, muss der Druckträger unbeweglich fixiert auf einem Drucker liegen
bleiben und sich ein Druckkopf des Druckers in beide Achsenrichtungen beweglich über
den Druckträger bewegen, um den Druckfarbstoff schichtweise exakt übereinander aufzutragen.
Diese Anforderung wird besonders gut von einem Flachbettdrucker bzw. Flachbettplotter
erfüllt.
[0037] Im Rahmen der Erfindung ist es auch möglich, ein Druckerzeugnis, welches gemäß eines
erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt ist, einzusetzen, wobei das Druckerzeugnis
eine oder mehrere Volltonflächen und/oder Farbverläufe und/oder Rasterbilder und/oder
Druckeffekte aufweist.
[0038] Vorteilhaft sind mit dem erfindungsgemäßen Verfahren dreidimensionale, taktile Informationen
enthaltende Druckerzeugnisse, beispielsweise Informationstafeln, herstellbar, die
je nach Anforderung auch mehrfärbig ausgeführt sein können. Weiters ist es einfach
möglich, die Druckfarben des Aufdrucks je Druckschicht zu variieren und somit Farbverläufe
zu erzielen.
[0039] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren lassen sich auch besonders effektvoll Druckerzeugnisse
mit Rasterbildern, d.h. mit mehrfärbigen Fotos oder Bildern, realisieren.
[0040] Insbesondere bei komplexen Bildinformationen, die einfach verständlich sowie gut
tastbar auf einem Druckerzeugnis abgebildet werden sollen, können auch weitere Druckeffekte,
beispielsweise schraffierte oder punktierte taktile Aufdrucke, eingesetzt werden.
So können beispielsweise auf Hinweistafeln, die einen Grundriss eines Gebäudes zeigen,
einzelne Abschnitte des Gebäudes mit einer bestimmten, tastbaren Struktur taktil eindeutig
gekennzeichnet werden. Blinde oder sehbehinderte Personen können sich mit derartigen
erfindungsgemäßen Hinweistafeln beispielsweise in öffentlichen Gebäuden, Museen, Theatern,
Hotels und Gaststätten, Stationsbereichen öffentlicher Verkehrsmittel oder Kaufhäusern
einfach und sicher orientieren.
[0041] Die Erfindung wird nun anhand von beispielhaften Ausführungsformen unter Bezugnahme
auf die Zeichnungen näher erläutert.
[0042] Es zeigen jeweils in schematischer Darstellung:
- Fig. 1 in einer Schrägansicht ein erfindungsgemäßes Druckerzeugnis mit einem taktilen
Aufdruck auf einem Druckträger;
- Fig. 2 in einer Frontalansicht das in Fig. 1 dargestellte Druckerzeugnis;
- Fig. 3 in einer Schnittansicht den schichtweise gestalteten Aufbau des taktilen Aufdrucks
eines erfindungsgemäßen Druckerzeugnisses;
- Fig. 4A bis 4D die Herstellung des in Fig. 1 gezeigten erfindungsgemäßen Druckerzeugnisses
in mehreren Arbeitsschritten;
- Fig. 5A bis 5C die Herstellung eines weiteren erfindungsgemäßen Druckerzeugnisses
in mehreren Arbeitsschritten.
[0043] Fig. 1 zeigt ein Detail einer bedruckten Informationstafel als Beispiel eines erfindungsgemäßen
Druckerzeugnisses 1. Ein Druckträger 2, der beispielsweise aus einem abriebfesten
Kunststoffmaterial hergestellt ist, ist dazu mit einer Druckfarbe 3 bedruckt, die
unter Einwirkung von UV-Licht aushärtbar ist. Der Aufdruck 4 der Druckfarbe 3 erfolgt
schichtweise ohne Versatz in mehreren Druckdurchgängen, sodass tastbare Erhebungen
5 gebildet werden. Vorteilhaft können beispielsweise Zeilen in Blindenschrift mit
den erforderlichen Erhebungen 5 abwechselnd mit Zeilen in nur optisch lesbarer Schrift
gedruckt werden. In Fig. 1 sind sämtliche aufgedruckten Informationen als tastbare
Erhebungen 5 ausgeführt. Somit wird es auch sehbehinderten Personen, die nicht in
der Lage sind, die Punktschrift (Braille) zu entziffern, ermöglicht, die Informationen
zu ertasten.
[0044] Die tastbaren Erhebungen 5 der optisch lesbaren Schrift weisen eine Kontur 6 auf,
die sich pyramidenförmig von einer untersten, direkt auf den Druckträger 2 aufgedruckten
untersten Druckschicht 7 nach oben hin verjüngt. Die tastbaren Erhebungen 5 der Punktschrift
(Braille) sind als halbkugelförmige Konturen 6 aufgedruckt. Die Anzahl der Druckdurchgänge
bzw. die Anzahl der ohne Versatz übereinander gedruckten Druckschichten 7 bestimmt
somit die Höhe der Erhebungen 5. Die Höhe der Erhebungen 5 des taktilen Aufdrucks
4 ist somit an die jeweiligen Anforderungen oder Normen einfach anpassbar.
[0045] Mit dem erfindungsgemäßen Herstellungsverfahren sind präzise, beispielsweise halbkugelförmige
oder pyramidenförmige Konturen 6 der tastbaren Erhebungen 5 des taktilen Aufdrucks
4 erzielbar, die von Sehbehinderten oder blinden Personen besonders leicht erfühlt
werden können.
[0046] Um den taktilen Aufdruck 4 besonders haltbar auf dem Druckträger 2 anzubringen, wird
die Druckfarbe 3 nach jedem Druckdurchgang mit UV-Licht ausgehärtet, bevor eine nächste
Druckschicht 7 aufgetragen wird. Abschließend wird der taktile Aufdruck 4 mit einem
Klarlack 8 versiegelt. Dieser Klarlack 8 macht den Aufdruck 4 besonders witterungsbeständig,
schützt das Druckerzeugnis 1 vor Verschmutzung durch das Betasten und erleichtert
seine Reinigung.
[0047] Durch das präzise Herstellungsverfahren gelingt es, auch komplexe Details mit einem
taktilen Aufdruck 4 sehr kleinräumig auf einem erfindungsgemäßen Druckerzeugnis 1
darzustellen.
[0048] Fig. 2 zeigt dazu in einer Frontalansicht die in Fig. 1 dargestellte Informationstafel,
die beispielsweise einen Gebäudegrundriss mit üblichen, zusätzlichen Informationen
zu Raumbezeichnungen, Fluchtwegen, Treppenhäusern oder Sanitäreinrichtungen darstellt.
Sowohl der Gebäudegrundriss, als auch die mit Symbolen oder Schriftzeichen angegebenen
zusätzlichen Informationen sind bei dem hier gezeigten Druckerzeugnis 1 durch mit
Konturen 6 versehene, tastbare Erhebungen 5 dargestellt. Diese Erhebungen 5 wurden
ebenfalls durch mehrere Druckschichten 7 einer Druckfarbe 3, die ohne Versatz in mehreren
Druckdurchgängen übereinander gedruckt wurden, gebildet.
[0049] Fig. 3 zeigt in einer Schnittansicht ein Detail eines erfindungsgemäßen Druckerzeugnisses
1 mit einem Aufdruck 4 mit einer tastbaren Erhebung5 auf einem Druckträger 2. Die
Druckfarbe 3 wird dazu ohne Versatz in zahlreichen Druckdurchgängen bzw. in zahlreichen
Druckschichten 7 übereinander gedruckt, bis eine tastbare Erhebung 5 gebildet ist.
Wie hier gezeigt, verjüngt sich die Kontur 6 des Aufdrucks 4 von einer auf den Druckträger
2 aufgedruckten untersten Druckschicht 7.1 bis zu einer obersten Druckschicht 7.45.
Dazu wird eine erste Kontur 6.1 gewählt und in beispielsweise 15 Druckdurchgängen
bzw. in 15 Druckschichten 7.1 bis 7.15 übereinander gedruckt. Um während des oftmaligen
Bedruckens ein Abbröckeln oder Zerfließen der Druckfarbe 3 zu verhindern, wird eine
mittels UV-Licht aushärtende Druckfarbe 3 verwendet, wobei die jeweils frisch aufgetragene
Druckschicht 7 nach jedem Druckvorgang mittels UV-Licht ausgehärtet wird.
[0050] Für die nächsten Druckschichten 7.16 bis 7.30 wird eine zweite, etwas verjüngte Kontur
6.2 gewählt. Für die vom Druckträger 2 weiter oben gelegenen Druckschichten 7.31 bis
zur obersten Druckschicht 7.45 wird eine dritte, noch weiter verjüngte Kontur 6.3
gewählt, und solcherart eine pyramidenförmige Erhebung 5 des Aufdrucks 4 erhalten.
Die Schichtdicke einer Druckschicht 7 beträgt beispielsweise jeweils 0,03 mm.
[0051] Mit diesem neuartigen Verfahren sind somit unterschiedliche Konturen 6 der tastbaren
Erhebungen 5 eines taktilen Aufdrucks 4 erzielbar.
[0052] Es ist auch denkbar, für jede einzelne Druckschicht 7 eine eigene Kontur 6 zu wählen.
Somit können beispielsweise halbkugelförmige Erhebungen 5 auf einen Druckträger 2
aufgedruckt werden. Diese Anwendung wird in den Abbildungen nicht explizit gezeigt.
[0053] Die Fig. 4A bis 4D zeigen eine Abfolge an Produktionsschritten zur Herstellung des
in Fig. 1 bzw. Fig. 2 gezeigten Druckerzeugnisses 1. Fig. 4A zeigt ein erstes Zwischenprodukt,
bei dem eine erste Kontur 6.1 in beispielsweise 15 Druckschichten 7 ohne Versatz übereinander
auf den Druckträger 2 gedruckt wurde, und bereits kleine Erhebungen 5 gebildet sind.
[0054] Fig. 4B zeigt das Druckbild einer zweiten Kontur 6.2, die im Vergleich zu der in
Fig. 4A gezeigten Kontur 6.1 etwas verjüngt ist. Diese Kontur 6.2 wird, wie in Fig.
3 gezeigt, ebenfalls in beispielsweise 15 Druckschichten 7 ohne Versatz übereinander
auf den mit der Kontur 6.1 bedruckten Druckträger 2 gedruckt, wobei die Erhebungen
5 des Aufdrucks 4 vergrößert bzw. weiter erhöht werden.
[0055] Fig. 4C zeigt das Druckbild einer dritten Kontur 6.3, die im Vergleich zu den Konturen
6.1 bzw. 6.2 weiter verjüngt ist. Auch diese dritte Kontur 6.3 wird beispielsweise
ebenfalls in 15 Druckschichten 7 ohne Versatz übereinander auf den mit der Kontur
6.1 bzw. 6.2 versehenen Druckträger 2 gedruckt. Solcherart werden die Erhebungen 5
weiter erhöht und für Blinde bzw. Sehbehinderte tastbar.
[0056] Fig. 4D zeigt das Druckbild einer vierten Kontur 6.4, das beispielsweise nur der
optischen Gestaltung dient und keinerlei taktile Information enthält. Kontur 6.4 wird
beispielsweise nur in einer einfachen Druckschicht 7 auf den Druckträger 2 gedruckt,
wobei die zuvor bereits gebildeten, tastbaren Erhebungen 5 in der Kontur 6.4 ausgenommen
sind. Diese Kontur 6.4 enthält beispielsweise Volltonflächen 9 oder kann auch Farbverläufe,
Rasterbilder oder andere Druckeffekte umfassen.
[0057] Die Fig. 5A bis 5C zeigen eine weitere Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Druckerzeugnisses
1, bei dem Schriften sowie Symbole dargestellt sind. Die optisch lesbaren Schriften
und Symbole sind hier als Erhebungen 5 mit pyramidenförmigen Konturen 6 ausgeführt.
Die optisch lesbaren Schriftzeichen sind mit Punktzeichen in Blindenschrift kombiniert,
die als Erhebungen 5 mit jeweils halbkugelförmiger Kontur 6 gebildet sind. Um die
tastbaren Erhebungen 5 zu bilden, wird dazu eine erste Kontur 6.1, wie in Fig. 5A
gezeigt, in beispielsweise 20 Druckschichten 7 ohne Versatz übereinander auf den Druckträger
2 aufgedruckt, wobei zwischen den einzelnen Druckdurchgängen die aufgebrachte Druckfarbe
3 jeweils mittels UV-Licht gehärtet wird.
[0058] Anschließend wird eine gegenüber der Kontur 6.1 verjüngte Kontur 6.2, wie in Fig.
5B gezeigt, abermals in 20 Druckschichten 7 ohne Versatz übereinander auf den Druckträger
2 gedruckt.
[0059] Dieser Vorgang wird daraufhin mehrfach wiederholt, wobei eine noch weiter verjüngte
Kontur 6.3 wie in Fig. 5C dargestellt, in weiteren 20 Druckschichten 7 ohne Versatz
übereinander auf den Druckträger 2 gedruckt wird.
[0060] Volltonflächen 9, die keine taktile Information enthalten, werden daran anschließend
beispielsweise in einer einzigen Druckschicht 7 aufgedruckt. Druckeffekte, beispielsweise
schraffierte oder punktierte Flächen, die tastbar sein sollen, müssen entsprechend
in den Konturen 6.1, 6.2 bzw. 6.3 berücksichtigt werden.
[0061] Weiters können zum besonderen Schutz des Druckerzeugnisses 1, um den Aufdruck 4 besonders
wischfest und witterungsbeständig zu machen, abschließend eine oder mehrere Schichten
an Klarlack 8 aufgebracht werden.
Liste der Positionsnummern:
[0062]
- 1
- Druckerzeugnis
- 2
- Druckträger
- 3
- Druckfarbstoff
- 4
- Aufdruck
- 5
- Erhebung
- 6
- Kontur des Aufdrucks
- 6.1
- 1. Kontur
- 6.2
- 2. Kontur
- 6.3
- 3. Kontur
- 7
- Druckschicht
- 7.1
- Unterste Druckschicht
- 7.45
- Oberste Druckschicht
- 8
- Klarlack
- 9
- Volltonfläche
1. Verfahren zur Herstellung eines Druckerzeugnisses (1) mit einem zumindest teilweise
taktilen Aufdruck (4) auf einem Druckträger (2), wobei ein Druckfarbstoff (3) schichtweise
ohne Versatz in mehreren Druckdurchgängen auf den Druckträger (2) aufgedruckt wird,
bis eine tastbare Erhebung (5) des Aufdrucks (4) gebildet ist, dadurch gekennzeichnet, dass vorgegebene Druckdaten des Aufdrucks (4) in schichtweise Druckdaten zur Erzeugung
der Kontur (6) des taktilen Aufdrucks (4) für eine vorgegebene Anzahl von Druckdurchgängen
umgerechnet werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass je Druckdurchgang jeweils eine Druckschicht (7) auf den Druckträger (2) aufgedruckt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass sich eine Kontur (6) der in mehreren Druckdurchgängen erhaltenen Erhebung (5) des
Aufdrucks (4) von einer auf den Druckträger (2) aufgedruckten untersten Druckschicht
(7.1) nach oben hin verjüngt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Kontur (6) des Aufdrucks (4) nach jeweils 5 bis 25, vorzugsweise nach jeweils
10 bis 20 Druckschichten (7) von der untersten Druckschicht (7.1) nach oben hin verjüngt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Erhebung (5) des Aufdrucks (4) je Druckschicht (7) um mindestens 0,01 mm, vorzugsweise
um mindestens 0,03 mm zunimmt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein unter Lichteinwirkung aushärtender Druckfarbstoff (3) verwendet wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass nach jedem Druckdurchgang der Druckfarbstoff (3) durch Lichteinwirkung, insbesondere
durch Einwirkung von UV-Licht, ausgehärtet wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Bedrucken der zumindest teilweise taktile Aufdruck (4) mit einem Klarlack
(8) versiegelt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass zum Bedrucken des Druckträgers (2) ein Flachbettdrucker verwendet wird.
10. Druckerzeugnis hergestellt nach einem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 10.