[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur metallischen Beschichtung eines
Gussformteiles.
[0002] Metallische Werkstoffe werden, um in der Anwendung Korrosion zu verhindern, häufig
beschichtet. Einige typische Beschichtungswerkstoffe sind Glas, Email, Zinn, Zink
oder Chrom. Gussformteile, die im Automobilbau eingesetzt werden, wie beispielsweise
Radträger, Auspuffkrümmer oder Turboladergehäuse sind in der Anwendung korrosiven
Aussenbedingungen und hohen Temperaturen ausgesetzt.
[0003] Aus der
EP 848 076 A1 ist ein Verfahren zur metallischen Beschichtung von Stahlblech in einem Tauchbad
bekannt. Vor dem eigentlichen Beschichtungsvorgang wird das Stahlblech gereinigt,
thermisch geglüht, mit einer sehr dünnen Oxydschicht versehen und mit einer zweiten
metallischen Unterschicht versehen. Der Stahl enthält unter anderem Silizium, das
bei einer Wärmebehandlung vor dem Beschichtungsvorgang oxidierbar ist. Als Beschichtungsmetall
werden Zink- oder Aluminiumlegierungen vorgeschlagen. Wenn das Beschichtungsmetall
reich an Aluminium ist, beträgt der Siliziumgehalt weniger als 6%.
[0004] Ausgehend von diesem Stand der Technik ist es Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren
zur metallischen Beschichtung anzugeben, das möglichst Energie sparend durchgeführt
werden kann, das die Beständigkeit gegen Korrosion, Temperaturwechsel und Oxydation
eines Gussformteils erhöht und das das Aussehen eines Gussformteils verbessert.
[0005] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zur metallischen Beschichtung eines
Gussformteiles, wobei das Gussformteil vor dem Beschichtungsvorgang mechanisch und
chemisch gereinigt wird und wobei das Gussformteil zur Beschichtung in eine Schmelze
einer aluminiumhaltigen Legierung eingetaucht wird.
[0006] Bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
[0007] Aus Kostengründen ist es von Vorteil, dass das zu beschichtende Gussformteil möglichst
nur kurze Zeit im Beschichtungsbad verweilt, um damit Prozesskosten einzusparen. Dies
wird dadurch erreicht, dass die Eintauchzeit 2 bis 6 Minuten beträgt.
[0008] Es ist auch von Vorteil, dass die Kosten des Beschichtungsmetalls möglichst niedrig
gehalten werden. Dies wird dadurch erreicht, dass die Schichtdicke der Beschichtung
zwischen 50 und 500 µm beträgt.
[0009] Es ist auch von Vorteil, dass die zu beschichtenden Gussteiloberflächen vor dem Eintauchen
in das Beschichtungsbad frei sind von Formstoffrückständen und chemisch aktiviert
sind um eine optimale Haftung des Beschichtungsmetalls zu gewährleisten. Dies wird
dadurch erreicht, dass die mechanische Reinigung des Gussformteiles mittels Reinigungsstrahlen
durchgeführt wird und dass nach dem mechanischen Reinigungsvorgang und unmittelbar
vor dem Beschichtungsvorgang das Gussformteil mit einer Säurelösung vorbehandelt wird.
[0010] Für die Verwendung von Gussformteilen im Hochtemperaturbereich, zum Beispiel bei
Auslasskrümmer oder Turboladergehäuse, ist es weiter auch von Vorteil, dass auf dem
beschichteten Gussformteil gezielt eine hochtemperaturbeständige Aluminiumoxidschicht
erzeugt wird. Dies wird dadurch erreicht, dass das Gussformteil nach dem Beschichtungsvorgang
einer Wärmebehandlung in einer oxidierenden Atmosphäre unterzogen wird. Dies wird
auch dadurch erreicht, dass das Gussformteil nach der Wärmebehandlung einer anodischen
Oxidation unterzogen wird.
[0011] Das mit dem erfindungsgemässen Verfahren hergestellte Gussformteil wird im Fahrzeugbau
bei Temperaturen über 500 °C, beispielsweise als Turboladergehäuse oder Auslasskrümmer
eingesetzt. Das Gussformteil kann auch bei korrosiven Umgebungsbedingungen im Fahrzeugbau
eingesetzt werden. Bei Gussformteilen, die im Fahrzeugbau in Bereichen eingesetzt
werden, welche gut von Aussen einsehbar sind, kann die Beschichtung nach dem Beschichtungsvorgang
anodisch oxidiert und anschliessend galvanisch eingefärbt werden.
[0012] Das Gussformteil selbst kann aus Gusseisen mit Lamellengraphit, aus Gusseisen mit
Vermikulargraphit, aus Gusseisen mit Kugelgraphit, aus Temperguss, aus einer Aluminiumlegierung
oder aus einer Magnesiumlegierung aufgebaut sein. Wenn das Gussformteil aus einer
Al- oder Mg-Legierung aufgebaut ist, kann die Badtemperatur der Schmelze niedriger
als 600 °C sein.
[0013] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand der Figuren beschrieben. Es zeigen:
Figur 1 ein Diagramm mit den Messwerten der erfindungsgemässen Beschichtung aus einem
ersten Beispiel, verglichen mit den Messwerten anderer Hochtemperaturwerkstoffe,
Figur 2 eine mikroskopische Aufnahme der erfindungsgemässen Beschichtung,
Figur 3 ein weiteres Diagramm mit den Messwerten der erfindungsgemässen Beschichtung
aus einem zweiten Beispiel, verglichen mit den Messwerten anderer Hochtemperaturwerkstoffe,
Figur 4 eine mikroskopische Aufnahme der erfindungsgemässen Beschichtung aus Figur
3 und
Figur 5 einen vergrösserten Ausschnitt aus der Aufnahme von Figur 5.
Beispiel 1
[0014] Ein Gussformteil aus Sibodur 450-17 HS, einem Gusseisen mit Kugelgraphit und einem
mehrheitlich ferritischen Gefüge, wird in einer Schmelze, die mehrheitlich Aluminium
enthält, bei einer Temperatur von 690 °C während 3 Minuten eingetaucht. Nach dem Beschichtungsvorgang
weist das Gussformteil eine Schicht mit einer Stärke von mindestens 60 µm auf. Die
Beschichtung besteht aus einer Legierung mit 0.09 Gew. % Si, 0.24 Gew. % Fe, 0.02
Gew. % Cu, 0.12 Gew. % Mn, 0.46 Gew. % Mg, 4.67 Gew. % Zn, 0.07 Gew. % Ti, 0.0011
Gew. % Sr, Rest Aluminium und übliche Verunreinigungen. In einem Oxidationsversuch
wurde das Gussformteil nach dem Beschichtungsvorgang in einem Ofen an Luft bei 700°C
während 160 Stunden gelagert.
[0015] Die Gewichtszunahme durch Oxidation wird gemessen über einen Zeitraum von bis zu
160 Stunden und verglichen mit den Ergebnissen anderer hochtemperaturbeständigen Werkstoffe.
In Figur 1 sind die Ergebnisse zusammengestellt. Aus dem Vergleich geht hervor, dass
das erfindungsgemässe Gussformteil sogar ein leicht besseres Oxidationsverhalten hat
als ein mit Nickel und Chrom legiertes Gusseisen mit Kugelgraphit (GJSA-XNiSiCr-35-5-2),
das für Hochtemperaturanwendungen häufig eingesetzt wird und das relativ teuer ist.
[0016] Figur 2 zeigt eine mikroskopische Aufnahme der erfindungsgemässen Beschichtung. Die
Aufnahme wurde aufgenommen nach einer Auslagerung von 50 Stunden an Luft bei 700 °C.
Beispiel 2
[0017] Ein weiteres Gussformteil aus Sibodur 450-17 HS, einem Gusseisen mit Kugelgraphit
und einem mehrheitlich ferritischen Gefüge, wird in einer Schmelze, die mehrheitlich
Aluminium enthält, bei einer Temperatur von 740 °C während 5 Minuten eingetaucht.
Nach dem Beschichtungsvorgang weist das Gussformteil eine Schicht mit einer Stärke
von mindestens 90 µm auf. Die Beschichtung besteht aus einer Legierung mit 0.24 Gew.
% Si, 3.0 Gew. % Fe, 0.04 Gew. % Cu, 0.1 Gew. % Mn, 0.34 Gew. % Mg, 4.84 Gew. % Zn,
0.06 Gew. % Ti, 0.0018 Gew. % Sr, Rest Aluminium und übliche Verunreinigungen. In
einem Oxidationsversuch wurde das Gussformteil nach dem Beschichtungsvorgang in einem
Ofen an Luft bei 700°C während 160 Stunden gelagert.
[0018] Die Gewichtszunahme durch Oxidation wird gemessen und verglichen mit den Ergebnissen
anderer hochtemperaturbeständigen Werkstoffe. In Figur 3 sind die Ergebnisse zusammengestellt.
Aus dem Vergleich geht wiederum hervor, dass das erfindungsgemässe Gussformteil ein
gleich gutes Oxidationsverhalten hat als ein mit Nickel und Chrom legiertes Gusseisen
mit Kugelgraphit (GJSA-XNiSiCr-35-5-2), das für Hochtemperaturanwendungen häufig eingesetzt
wird und das relativ teuer ist.
[0019] Figur 4 zeigt eine mikroskopische Aufnahme der erfindungsgemässen Beschichtung. Figur
5 zeigt einen Ausschnitt aus der Aufnahme von Figur 4. Beide Aufnahmen wurden aufgenommen
nach einer Auslagerung von 154 Stunden an Luft bei 700 °C.
1. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles, dadurch gekennzeichnet, dass das Gussformteil vor dem Beschichtungsvorgang mechanisch und chemisch gereinigt wird
und dass das Gussformteil zur Beschichtung in eine Schmelze einer aluminiumhaltigen
Legierung eingetaucht wird.
2. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach dem Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die mechanische Reinigung des Gussformteiles mittels Reinigungsstrahlen durchgeführt
wird.
3. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach dem Anspruch 1 oder
2, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem mechanischen Reinigungsvorgang und unmittelbar vor dem Beschichtungsvorgang
das Gussformteil mit einer Säurelösung vorbehandelt wird.
4. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die aluminiumhaltige Legierung mindestens 51.5 Gew. % Al, 6.0 bis 17.2 Gew. % Si,
0.1 bis 14.2 Gew. % Fe, 0.1 bis 7.2 Gew. % Zn, 0.1 bis 5.0 Gew. % Mn, 0.05 bis 4.0
Gew. % Cu und 0.05 bis 0.9 Gew. % Mg enthält.
5. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die aluminiumhaltige Legierung mindestens 98 Gew. % Al enthält.
6. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Schmelze eine Badtemperatur zwischen 650 und 800 °C aufweist.
7. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Eintauchzeit 2 bis 6 Minuten beträgt und dass die Schichtdicke der Beschichtung
zwischen 50 und 500 µm beträgt.
8. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Gussformteil vor dem Beschichtungsvorgang eine Temperatur zwischen der Raumtemperatur
und 200 °C und nach dem Beschichtungsvorgang eine Temperatur zwischen 200 °C und der
Badtemperatur aufweist.
9. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Gussformteil nach dem Beschichtungsvorgang einer Wärmebehandlung in einer oxidierenden
Atmosphäre unterzogen wird.
10. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Gussformteil nach der Wärmebehandlung einer anodischen Oxidation unterzogen wird.
11. Verfahren zur metallischen Beschichtung eines Gussformteiles nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Gussformteil nach der anodischen Oxidation eingefärbt wird.
12. Aluminisiertes Gussformteil hergestellt durch ein Verfahren nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das zu beschichtende Gussformteil aus Gusseisen mit Lamellengraphit, aus Gusseisen
mit Vermikulargraphit, aus Gusseisen mit Kugelgraphit, aus Temperguss, aus einer Aluminiumlegierung
oder aus einer Magnesiumlegierung aufgebaut ist.
13. Aluminisiertes Gussformteil hergestellt durch ein Verfahren nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Gussformteil bei Temperaturen über 500 °C im Fahrzeugbau, beispielsweise als
Turboladergehäuse oder Auslasskrümmer eingesetzt wird.
14. Aluminisiertes Gussformteil hergestellt durch ein Verfahren nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Gussformteil bei korrosiven Umgebungsbedingungen im Fahrzeugbau eingesetzt wird.
15. Aluminisiertes Gussformteil hergestellt durch ein Verfahren nach mindestens einem
der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Gussformteil im Fahrzeugbau in Bereichen, welche gut von Aussen einsehbar sind,
eingesetzt wird.