Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung betrifft einen Abhitzekessel und ein Verfahren zum geregelten Kühlen
von heißen Gasen. insbesondere betrifft die Erfindung einen Abhitzekessel und ein
Verfahren zum geregelten Kühlen von Synthesegas, das mittels Dampfreformieren (Steamreforming)
oder autothermem Reformieren erzeugt wurde.
Stand der Technik
[0002] Bei vielen Gaserzeugungsanlagen, insbesondere bei nach dem Steamreforming-Verfahren
oder dem autothermen Reformierungsverfahren gaserzeugenden Anlagen, treten bei höheren
Gastemperaturen, insbesondere im Bereich von 820° C bis hinunter zu 520° C in den
Gaserzeugungsanlagen selbst und in den diesen nachgeschalteten Wärmetauschern Korrosionsprobleme
an den verwendeten metallischen Werkstoffen auf, z. B. beim Steamreforming-Verfahren,
wenn ein gewisses CO
2/CO/H
2O-Verhältnis erreicht wird. Dies gilt sowohl für ferritische als auch für austenitsche
Stähle. Diese unter dem Begriff metal dusting" bekannte Materialabtragung führt zu
einer Aufzehrung bzw. Zerstörung des Materials und es gibt nur beschränkt die Möglichkeit,
über Materialzusammensetzung dieser Korrosion zu widerstehen.
[0003] Bei Abhitzekesseln, die zum Kühlen der heißen Gase einer Gaserzeugungsanlage verwendet
werden, ist es an sich bekannt, zum Einstellen einer bestimmten Endtemperatur der
gekühlten Gase zwischen der Gaseinlasskammer des Wärmetauschers und der Gasauslasskammer
ein direktes Überströmen (Bypass) der heißen Gase in die von der Heizfläche des Wärmetauschers
gekühlten Gase zu ermöglichen. Beispielsweise ist bei dem in der Offenlegungsschrift
DE 3302304 A1 beschriebenen Wärmetauscher in der von einem Behältermanteiabschnitt gebildeten Gasauslasskammer
eine Einlasskammer angeordnet. Die Gaseinlasskammer weist eine mit der Gasauslasskammer
verbundene Öffnung und eine Regeleinrichtung auf, über die der Öffnung eine veränderbare
Teilmenge der eintretenden Gase zuführbar ist. Bei dem bekannten Wärmetauscher wird
das Innere der U-Rohre mit dem abzukühlenden Gas beaufschlagt. Bei dem bekannten Wärmetauscher
werden somit die Metallteile der Regeleinrichtung direkt mit dem heißen Gas beaufschlagt.
Somit ist die bekannte Anordnung nicht für das Kühlen von Gasen geeignet, wenn infolge
der Gaszusammensetzung und/oder der hohen Temperatur die oben unter dem Begriff metal
dusting" beschriebene Materialabtragung auftreten kann.
[0004] Im Stand der Technik finden sich unterschiedliche Lösungen zur Ausführung von Abhitzekesseln,
die zur Abkühlung heißer Synthesegase geeignet sein sollen und mit denen die oben
beschriebene metal dusting-Problematik vermieden werden soll.
[0005] So lehrt die europäische Patentanmeldung
EP 0356648 A1 einen Abhitzekessel mit einer Einlasskammer, einem Bündel von Wärmeaustauschrohren,
einem das Rohrbündel etwa mittig und parallel durchsetzenden Bypassrohr und einer
Auslasskammer, bei dem innerhalb der Auslasskammer ein Mischrohr angeordnet ist, das
direkt mit dem Austrittsstutzen für das gekühlte Synthesegas und dem Bypassrohr verbunden
ist. Die Stellung einer oder mehrerer innerhalb der Mischkammer angeordneten, mechanisch
betätigter Steuerplatten bestimmt die Mengenanteile an über die Wärmetauscherrohre
strömendem, gekühltem Gas und durch das Bypassrohr stömendem, ungekühltem Gas und
somit die Mischtemperatur des Produktgases. Zur Vermeidung von Korrosionserscheinungen,
wie dem oben diskutierten ,,metal dusting", werden alle medienberührten Teile innerhalb
des Mischrohres aus korrosionsresistenterem Material gefertigt oder mit einer Ausmauerung
versehen. Nachteilig ist hierbei, dass der Austausch des Mischrohres im Falle eines
Verschleißes oder aufgrund von Korrosion kostenaufwendig ist, da es sich um ein vergleichsweise
großes Bauteil handelt, das vollständig aus einem hochresistenten Werkstoff gefertigt
sein muss, und dessen Demontage zudem zeitaufwendig sein dürfte und mit langen Anlagenstillständen
verbunden ist. Ferner ist aufgrund der Regelung der Produktgastemperatur mit Steuerplatten
und der Geometrie des Mischrohres zu erwarten, dass eine lange Zeit für die Durchmischung
von gekühltem und heißem Gasstrom benötigt wird. Insbesondere im Falle einer laminaren
Strömung im Gasaustrittsstutzen besteht somit die Gefahr, dass heiße Gassträhnen aus
dem Bypassrohr in die nachgeschalteten Anlagenteile durchschlagen und dort zu Beschädigungen
führen. Diese Gefahr besteht auch bei mechanischem Versagen der Steuerplatten.
[0006] In der deutschen Patentanmeldung
DE 102005057674 A1 wird ein Abhitzekessel beschrieben, der ebenfalls eine Einlasskammer, ein Bündel
von Wärmeaustauschrohren, ein das Rohrb
ündel durchsetzendes Bypassrohr und eine Auslasskammer aufweist. Hier erfolgt die Einstellung
der Mischtemperatur des Produktgases innerhalb der Auslasskammer, wobei ein mittels
Gestänge axial verstellbarer Stopfen verwendet wird, der das in die Auslasskammer
hineinragende, sich kegelförmig erweiternde Auslassende des Bypassrohres verschließt.
Je nach Stellung des Stopfens ändert sich die Größe des Ringspalts zwischen seiner
Außenfläche und der Innenfläche des Auslassendes des Bypassrohres, somit die Mengenanteile
an über die Wärmetauscherrohre strömendem, gekühltem Gas und durch das Bypassrohr
stömendem, ungekühltem Gas und schließlich die Mischtemperatur des Produktgases. Nachteilig
ist hierbei, dass die Verschlussvorrichtung entweder aus hochkorrionsbeständigem,
teurem Material oder aber, wie als vorteilhafte Ausgestaltung vorgeschlagen, mittels
Kühlmedium gekühlt werden muss. Der Ausfall des Kühlmediums führte somit zur Zerstörung
der Verschlussvorrichtung. Ferner ist auch bei dieser Lösung zu befürchten, dass es
zur Bildung heißer Gassträhnen des Bypassgases kommt; dies dürfte insbesondere für
die Anteile des Bypassgases gelten, die über den Ringspalt in Richtung zum Gasaustrittsstutzen
entweichen. Diese Strähnen können auch die Innenwand der Auslasskammer erreichen,
so dass dort Korrosion mittels "metal dusting" auftreten kann, was wiederum zu unerwünschten
kurzen Wartungsintervallen bzw. zu einer kürzeren Lebensdauer des Abhitzekessels führt.
[0007] Insgesamt ist daher festzustellen, dass bislang keine wirklich befriedigende technische
Lösung zur Ausgestaltung eines zur Abkühlung heißer Synthesegase einsetzbaren Abhitzekessels
gefunden wurde, der sich durch Vermeidung von Korrosionserscheinungen, wie dem oben
diskutierten ,,metal dusting", sowie eine gute Vermischung des gekühlten Gasanteils
mit dem über das Bypassrohr strömenden Gasanteils zur Vermeidung heißer Gassträhnen
auszeichnet.
Beschreibung der Erfindung
[0008] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht daher darin, einen Abhitzekessel zur
Abkühlung von Synthesegas zur Verfügung zu stellen, der die beschriebenen Nachteile
vermeidet.
[0009] Die vorstehend genannte Aufgabe wird mit der Erfindung durch einen Abhitzekessel
gelöst,
- der innerhalb eines zylindrischen Mantels eine Vielzahl von Wärmeübertragungsrohren
und ein Bypassrohr umfasst, die jeweils ein Einlassende und ein Auslassende aufweisen,
- der einen Einlass zum Einleiten von Wasser auf der Mantelseite der Rohre umfasst,
- der einen Einlass und eine Einlasskammer zum Einleiten eines heißen Gasstromes in
das Einlassende der Rohre umfasst, wobei der Gasstrom durch die Wärmeübertragungsrohre
hindurchgeleitet und dabei in indirektem Wärmeaustausch mit Wasser auf der Mantelseite
gekühlt wird, wobei das Wasser mindestens teilweise verdampft wird,
- der einen Auslass zum Ableiten von erzeugtem Wasser/Dampf und einen Auslass sowie
eine Auslasskammer zum Ableiten des gekühlten Abgasstroms umfasst,
und der dadurch gekennzeichnet ist, dass das Auslassende des Bypassrohres in ein in
die Auslasskammer hineinragendes, abknickendes Mündungsstück einmündet, dessen Mittellinie
mit der Längsachse des Abhitzekessels einen Winkel α einschließt, wobei das Ende des
Mündungsstückes mit einer Verschlussvorrichtung ausgestattet ist.
[0010] Durch Verwendung des erfindungsgemäßen Abhitzekessels zur Abkühlung heißer Synthesegase
wird eine Korrosion innerhalb der Auslasskammer durch ,,metal dusting" vermieden,
da der über das Bypassrohr strömende, ungekühlte Gasanteil auf eine etwa kreisförmige
Bahn innerhalb der Auslasskammer gelenkt wird, wodurch eine rotierende Strömung erzeugt
wird. Diese sorgt für eine gute Durchmischung des gekühlten und des ungekühlten Gasanteils,
so dass der für das Auftreten von Korrosionserscheinungen relevante Temperaturbereich
rasch und vor Auftreffen von Gasanteilen auf die Behälterinnenwand in der Auslasskammer
durchlaufen wird. Für die Konstruktion der Auslasskammer können daher Materialien
mit normaler Korrosionsbeständigkeit verwendet werden.
Bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung
[0011] Besonders bevorzugt wird die Ausrichtung des abknickenden Mündungsstückes so gewählt,
dass dieses von der Position des Synthesegas-Auslasses weitmöglichst weggegerichtet
ist. Hierdurch wird der für die Durchmischung von heißen und kalten Gasanteilen zur
Verfügung stehende Weg bzw. die Durchmischungszeit verlängert, wodurch deren Durchmischung
weiter verbessert und die Gefahr der Bildung heißer Gassträhnen minimiert wird.
[0012] Die genaue Größe des Winkels a zwischen der Längsachse des Abhitzekessels und der
Mittellinie des Mündungsstücks ist von der Geometrie des Abhitzekessels, insbesondere
der der Auslasskammer abhängig. Bei üblichen Ausführungen des Abhitzekessels und der
Auslasskammer werden Winkel zwischen 0° und 45° bevorzugt.
[0013] Eine bevorzugte Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Abhitzekessels sieht vor, dass
das Bypassrohr innerhalb des Mantels etwa axial-zentrisch angeordnet ist. Diese Lösung
bietet konstruktive und mechanische Vorteile gegenüber einer nicht-axialzentrischen
Anordnung des Bypassrohres innerhalb des Mantels sowie des Wärmetauscher-Rohrbündels.
[0014] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird das Mündungsstück und/oder
die Verschlussvorrichtung aus einem keramischen Werkstoff gefertigt. Bei Verwendung
dieses Werkstoffes entfällt die Gefahr einer Korrosion innerhalb des Mündungsstückes
durch ,,metal dusting". Vorteilhaft ist zudem, dass hierdurch auf eine Kühlung des
Mündungsstückes und der Verschlussvorrichtung verzichtet werden kann, wie sie im Stand
der Technik bei Ausführung entsprechender Bauteile aus Metall beschrieben wird.
[0015] Überraschenderweise wurde gefunden, dass eine besonders gute Durchmischung der heißen
und kalten Gasanteile erhalten wird, wenn das Mündungsstück als schiefer Hohlkegelstumpf
ausgebildet ist. Diese geometrische Ausgestaltung bewirkt neben der oben beschriebenen
rotierenden Strömung auch eine Beschleunigung des heißen Gasanteils vor Austritt aus
dem Bypassrohr, wodurch die Durchmischung der heißen und kalten Gasanteile noch verstärkt
wird.
[0016] Besonders bevorzugt bilden Mündungsstück und die Verschlussvorrichtung eine einheitliche
Baugruppe, die als Ganzes ausgetauscht werden kann. Im Revisionsfalle kann diese kompakte
Baugruppe über eine Zugangsöffnung in der Wand der Auslasskammer einfach und rasch
ausgetauscht werden, wodurch die Zeitdauer der Außerbetriebnahme des Abhitzekessels
minimiert wird.
[0017] Eine besonders bevorzugte Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Abhitzekessels sieht
vor, dass die Verschlussvorrichtung als Verschlussklappe ausgebildet ist, die mittels
einer durch die Behälterwand geführten Welle betätigt wird- Vorteilhaft ist es, wenn
die Verschlussklappe so angeordnet wird, dass das Schließen der Verschlussklappe schwerkraftbedingt
selbsttätig erfolgen kann. Im Falle eines Versagens der Betätigung ist damit sichergestellt,
dass das Synthesegas vollständig durch das Rohrbündel geführt wird und damit gekühlt
den Abhitzekessel verlässt.
[0018] Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Abkühlung heißen Synthesegases, das
gekennzeichnet ist durch die Verwendung des erfindungsgemäßen Abhitzekessels. Die
gewünschte Gasaustrittstemperatur wird dabei durch eine entsprechende Größe der Betätigung
der Verschiussvorrichtung, beispielsweise der Stellung der Verschlussklappe, eingestellt.
Zur Messung der Temperatur dient eine innerhalb der Auslasskammer angebrachte Temperaturmesseinrichtung.
Die Betätigung der Verschlussworrichtung kann dann manuell oder mittels einer automatischen
Regelung erfolgen. Die gemessene Temperatur wirkt bei automatischer Regelung als Führungsgröße
über eine Regeleinrichtung auf die Größe der Betätigung der Verschlussvorrichtung,
beispielsweise auf die Stellung der Verschlussklappe.
[0019] Wefterbildungen, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der Erfindung ergeben sich
auch aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen und der Zeichnung.
Dabei bilden alle beschriebenen und/oder bildlich dargestellten Merkmale für sich
oder in beliebiger Kombination die Erfindung, unabhängig von ihrer Zusammenfassung
in den Ansprüchen oder deren Rückbeziehung.
[0020] Es zeigt die einzige Figur schematisch einen Abhitzekessel zum Kühlen heißer Synthesegase
gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung in schematischer Darstellung
im Längsschnitt. Der Abhitzekessel weist einen Mantel 11 auf, der eine Vielzahl von
als Rohrbündel ausgeführten Wärmeübertragungsrohren 4 und ein axial-zentrisch angeordnetes
Bypassrohr 3 umhüllt, wobei die Rohre 3, 4 an deren Einlass-und Auslassenden von Rohrendplatten
12 eingefasst werden, so dass innerhalb des Mantels 11 sowie zwischen den eintritts-
und austrittsseitigen Rohrendplatten 12 ein Hohlraum zum Durchleiten eines Kühlmediums
entsteht. In diesem Hohlraum findet zwischen dem durch die Wärmeübertragungsrohre
4 geleiteten Synthesegas und dem eingeführten Kühlmediums ein indirekter Wärmeaustausch
statt, wobei das Kühlmedium Wärme von dem heißen Synthesegas aufnimmt. Als Kühlmedium
kommt dabei bevorzugt Wasser zum Einsatz, das beim Aufheizen teilverdampft wird. Das
als Kühlmedium verwendete Wasser wird dem Abhitzekessel über Einlass 5 aufgegeben;
das beim Kühlen durch Teilverdampfung erzeugte Dampf/Wasser-Gemisch wird über Auslass
6 abgeleitet. Vorteilhafterweise wird der dabei erzeugte Dampf als Hochdruckdampf
in anderen Prozessen eingesetzt. Der auf der Seite des Einlasses 1 des zu kühlenden
Synthesegases zwischen Mantel 11 und eintrittsseitiger Rohrendplatte 12 gebildete
Hohlraum wird als Einlasskammer 2 bezeichnet. Der auf der Seite des Auslasses 10 des
gekühlten Synthesegases zwischen Mantel 11 und austrittsseitiger Rohrendplatte 12
gebildete Hohlraum wird als Auslasskammer 9 bezeichnet.
[0021] Das Bypassrohr 3 weist bevorzugt einen größeren Durchmesser auf als die Wärmeübertragungsrohre
und kann über seine Länge ganz oder teilweise wärmeisoliert sein, um Ober das Bypassrohr
3 gegebenenfalls heißes, über Einlass 1 in den Abhitzekessel eintretendes Synthesegas
ohne wesentliche Wärmeabgabe an das Kühlmedium strömen zu lassen.
[0022] Mit dem Austrittsende des Bypassrohres ist mit Hilfe geeigneter Verbindungsmittel,
bevorzugt einer Flanschverbindung, ein Mündungsstück 7 verbunden, das mittels einer
Verschlussvorrichtung 8 gegenüber der Auslasskammer 9 verschlossen werden kann. Das
Mündungsstück hat bevorzugt die Form eines schiefen Hohlkegeistumpfes mit etwa kreisförmiger
Basis. Die Mittellinie des Mündungsstückes schließt mit der Längsachse des Abhitzekessels
den Abknickwinkel a ein. Die Mittellinie wird dabei als Gerade definiert, die den
Mittelpunkt der Basis des schiefen Hohlkegelstumpfes sowie den Mittelpunkt einer parallel
dazu verlaufenden, von der Innenkontur des schiefen Hohlkegelstumpf eingeschlossenen,
gedachten Hilfsfläche schneidet.
[0023] Durch die geometrische Ausgestaltung des Mündungsstückes 7 als schiefer Hohlkegelstumpf
wird die aus dem Bypassrohr 3 austretende Gasströmung des ungekühlten Synthesegas-Anteils
von der Längsache des Abhitzekessels weggelenkt und auf eine etwa kreisförmige Bahn
innerhalb der Auslasskammer 9 abgelenkt, wie es in Fig 1 b) mittels Strömungspfeilen
angedeutet wird. Hierdurch wird eine rotierende Strömung erzeugt, die für eine gute
Durchmischung des gekühlten und des ungekühlten Gasanteils sorgt, so dass der für
das Auftreten von Korrosionserscheinungen relevante Temperaturbereich rasch und vor
Auftreffen von Gasanteilen auf die Innenwand des Mantels 11 in der Austrittskammmer
durchlaufen wird. Eine lokale Überhitzung der Mantelinnenwand in der Auslasskammer
insbesondere am Schnittpunkt der Längsachse mit der Mantelinnenwand (,,hot spot")
in den Temperaturbereich, in dem metal dusting" auftritt, wird vermieden. Für die
Konstruktion der Auslasskammer können daher Materialien mit normaler Korrosionsbeständigkeit
verwendet werden.
[0024] Ferner wird durch die Verjüngung des Mündungsstückes in Strömungsrichtung eine Beschleunigung
der aus dem Bypassrohr austretende Gasströmung verursacht. Idealerweise wird - im
Kompromiss mit dem sich vergrößeerden Druckverlust - die Austrittsgeschwindigkeit
des Gases aus dem Mündungsstück soweit gesteigert, dass diese im turbulenten Bereich
liegt. Hierdurch wird die Gasdurchmischung und die rasche Einstellung einer Mischtemperatur
weiter verbessert.
[0025] Um den Weg des Gases in der Auslasskammer zu verlängern, sowie die Ausbildung einer
rotierenden Strömung in der Auslasskammer zu fördern, wird die Ausrichtung des abknickenden
Mündungsstückes in Weiterbildung der Erfindung bevorzugt so gewählt, dass dieses von
der Position des Auslasses weitmöglichst weggerichtet ist. Dies entspricht einem eingeschlossenen
Winkel von 180° zwischen der Mittellinie des Mün-dungsstückes und Position des Auslasses
in Blickrichtung der Längsache des Abhitzekessels. Hierdurch wird die Vermischung
der heißen und kalten Anteile des Synthesegases optimiert. Ferner wird dadurch die
Gefahr der Bildung heißer Gassträhnen, die in nachgeschaltete Anlagenteile durchschlagen
können, minimiert.
[0026] Für einen Abhitzekessel, der in seinen Proportionen dem in Fig. 1 schematisch dargestellten
Abhitzekessel entspricht, haben Rechnungen zur Strömungssimulation einen Vorzugsbereich
des Abknickwinkels a von 0 bis 45° ergeben, wobei Abknickwinkel zwischen 20 und 40°
besonders bevorzugt werden, Der genaue Wert des Abknickwinkels hängt sowohl von der
Geometrie des Abhitzekessels als auch von den Gasgeschwindigkeiten der Synthesegasanteile
durch die Rohre 3, 4 ab. Größere Abknickwinkel über 60° sind nicht empfehlenswert,
da dann der ungekühlte Gasanteil zu steil auf die Innenwand des Mantels 11 auftrifft,
so dass dort eine lokale Überhitzung (
,,hot spot") auftreten kann, in deren Folge die oben beschriebene ,,metal dusting"-Korrosion
auftreten kann.
[0027] Das mechanische Design des erfindungsgemäßen Abhitzekessels ermöglicht eine spannungsarme
mechanische Anbindung des Mündungsstücks und der Verschlussvor richtung, wobei als
Material für das Mündungsstück und die Verschiussvorrichtung korrosionsunempfindliche
Keramik gewählt werden kann. Die Auswahl nichtmetallischer, z. B. keramischer Werkstoffe
für die Verschlusskonstruktion gestattet einen korrosionsfreien Betrieb, unabhängig
von der lokal herrschenden Mischtemperatur. Die Kühlung entfällt und Kühlmedien, beispielsweise
Prozessgas, werden eingespart. Besonders vorteilhaft ist es. Mündungsstück und Verschlussvorrichtung
als gemeinsame Baugruppe anzufertigen, so dass ein rascher Austausch der kompletten
Baugruppe im Reparaturfall in modularer Form durch eine Zugangsöffnung (nicht dargestellt
in Fig. 1) erfolgen kann.
[0028] Bei dem in Fig. 1 schematisch dargestellten Ausführungsbeispiel dient eine schwenkbare
Verschlussklappe als Verschlussvorrichtung, die mittels einer durch den Mantel 11
durchgeführten, in Blickrichtung auf Fig. 1 angeordneten Welle betätigt werden kann.
Die Betätigung der Verschlussklappe über die Welle kann manuell oder mittels Motorantrieb
erfolgen. Vorteilhafterweise wird die Verschlussklappe so angeordnet, dass sie im
Falle eines Versagens der Betätigung selbsttätig, z. B. schwerkraftgetrieben, schließt.
Im Falle eines Versagens der Betätigung ist damit sichergestellt, dass das Synthesegas
vollständig durch das Rohrbündel geführt wird und damit gekühlt den Abhitzekessel
verlässt.
Gewerbliche Anwendbarkeit
[0029] Mit der Erfindung wird somit ein verbesserter Abhitzekessel zur Abkühlung heißer
Synthesegase zur Verfügung gestellt, der sich durch robuste, einfache Ausführung,
geringe Störungsanfälligkeit, Wartungsfreundlichkeit, Betriebssicherheit sowie lange
Betriebsintervalle auszeichnet. Die Verschlussvorrichtung wird ungekühlt betrieben,
das Kühlmittel entfällt. Im Falle eines Versagens der Betätigung der Verschlussvorrichtung
ist durch schwerkraftbedingtes, selbsttätiges Schließen sichergestellt, dass das Synthesegas
vollständig durch das Rohrbündel geführt wird und damit gekühlt den Abhitzekessel
verlässt.
Bezugszeichenliste
[0030]
- 1
- Einlass Gas
- 2
- Einlasskammer
- 3
- Bypassrohr
- 4
- Wärmeübertragungsrohre
- 5
- Einlass Wasser
- 6
- Auslass Wasser/Dampf
- 7
- Mündungsstück
- 8
- Verschlussvorrichtung
- 9
- Auslasskammer
- 10
- Auslass Gas
- 11
- Mantel
- 12
- Rohrendplatte
1. Abhitzekessel, der innerhalb eines etwa zylindrischen Mantels eine Vielzahl von Wärmeübertragungsrohren
und ein Bypassrohr umfasst, die jeweils ein Einlassende und ein Auslassende aufweisen,
- der einen Einlass zum Einleiten von Wasser auf der Mantelseite der Rohre umfasst,
- der einen Einlass und eine Einlasskammer zum Einleiten eines heißen Gasstromes in
das Einlassende der Rohre umfasst, wobei der Gasstrom durch die Wärmeübertragungsrohre
hindurchgeleitet und dabei in indirektem Wärmeaustausch mit Wasser auf der Mantelseite
gekühlt wird, wobei das Wasser mindestens teilweise verdampft wird,
- der einen Auslass zum Ableiten von erzeugtem Wasser/Dampf und einen Auslass sowie
eine Auslasskammer zum Ableiten des gekühlten Abgasstroms umfasst,
dadurch gekennzeichnet, dass das Auslassende des Bypassrohres in ein in die Auslasskammer hineinragendes, abknickendes
Mündungsstück einmündet, dessen Mittellinie mit der Längsachse des Abhitzekessels
einen Abknickwinkel a einschließt, wobei das Ende des Mündungsstückes mit einer Verschlussvorrichtung
ausgestattet ist.
2. Abhitzekessel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausrichtung des abknickenden Mündungsstückes so gewählt wird, dass dieses von
der Position des Auslasses weitmöglichst weggerichtet ist.
3. Abhitzekessel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Abknickwinkel a zwischen 0° und 45° beträgt.
4. Abhitzekessel nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Bypassrohr innerhalb des Mantels etwa axial-zentrisch angeordnet ist.
5. Abhitzekessel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Mündungsstück und/oder die Verschlussvorrichtung aus einem keramischen Werkstoff
gefertigt ist.
6. Abhitzekessel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Mündungsstück als schiefer Hohlkegelstumpf ausgebildet ist.
7. Abhitzekessel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Mündungsstück und die Verschlussvorrichtung eine Baugruppe bilden, die als Ganzes
ausgetauscht werden kann.
8. Abhitzekessel nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Verschlussvorrichtung als Verschlussklappe ausgebildet ist.
9. Abhitzekessel nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Verschlussklappe mittels einer durch die Behälterwand geführten Welle betätigt
wird.
10. Abhitzekessel nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Schließen der Verschlussklappe schwerkraftbedingt selbsttätig erfolgen kann.
11. Verfahren zur Abkühlung von heißem Synthesegas, gekennzeichnet durch die Verwendung eines Abhitzekessel nach Anspruch 1 bis 10, wobei die Abhitzekessel-Gasaustrittstemperatur
durch die Stellung der Verschlussklappe geregelt wird.