[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum dynamischen Erkennen eines gefährlichen
Betriebs einer Lasthubeinrichtung, insbesondere eines Container-Krans, wobei die Lasthubeinrichtung
zumindest einen Kraftsensor aufweist, der mit einem Lastaufnahmemittel zusammenwirkt.
Die vorliegende Erfindung betrifft ferner einen Kran mit einer erfindungsgemäßen Überlastsicherung.
[0002] Herkömmliche Überlastsicherungen überwachen eine Gewichtskraft einer am Kran hängenden
Last, wobei sich die Last aus einem Lastaufnahmemittel des Krans sowie einem anzuhebenden
Gegenstand zusammensetzen kann. Kräne, mit denen Container-Schiffe in Häfen entladen
werden, weisen als Lastaufnahmemittel einen sogenannten "Spreader" auf. Ein Spreader
ist üblicherweise ein mehrarmiger Greifer, der an seinen Enden Verriegelungsstifte
aufweist, die in entsprechende Aufnahmen am Container eingreifen können, die sich
wiederum an den bzw. in den Ecken an der Oberseite oder Unterseite des Containers
befinden. In diese Verriegelungsstifte können u.U. sogenannte Messachsen integriert
werden. Eine Messachse besteht aus einem zylinderförmigen Kraftaufnehmer, der mit
einem elektrischen Messsystem, wie z.B. Dehnungsmessstreifen (DMS), versehen ist.
Sobald diese Stifte in Eingriff mit dem Container gebracht sind und der Container
mittels eines Hubwerks (z.B. Seilwinde) angehoben wird, verformen sich Messbereiche
der Messachse, was wiederum in einem entsprechenden Messsignal resultiert.
[0003] Je größer die auf die Messachsen wirkende Kraft ist, desto höher fällt das Messsignal
aus. Da der Kran üblicherweise eine maximale Nennlast heben darf, wird eine Überlastsicherung
vorgesehen, die bei einem Überschreiten der Nennlast eine Notabschaltung des Krans,
insbesondere eine Unterbrechung eines Hubvorgang, bewirkt.
[0004] Ein Container-Spreader ist exemplarisch in der
WO 02/10056 A1 beschrieben. Das Dokument
US 2006/102578 A1 zeigt einen Container-Kran mit einem lastabhängigen Regelungssystem. Auf diese beiden
Anmeldungen wird hier ausdrücklich Bezug genommen, soweit der allgemeine Aufbau eines
Spreaders bzw. eines Container-Krans betroffen ist. Ein weiterer Container-Kran ist
exemplarisch in der
DE 102 33 875 A1 beschrieben.
[0005] Üblicherweise wird die konventionelle Überlastsicherung auch zur Vermeidung eines
sogenannten "Snag-Load"-Zustands verwendet. Unter "Snag-Load" versteht man einen ungewollten
Anstieg der Belastung des Krans, z.B. durch ein Verhaken der Last bzw. des Spreaders
in einem zu entladenden oder beladenden Schiff, wodurch die Last dann nahezu ins Unendliche,
konkret bis zur maximalen Überlastabschaltung, steigen kann. Beim Hochziehen des Spreaders
aus dem Inneren eines Schiffsbauchs kann der Spreader oder der daran hängende Container
an einem anderen Container hängenbleiben, der z.B. gegenüber dem hochzuziehenden Container
vorsteht. Verkantet sich der hochzuziehende Container infolge dessen, so reagiert
die Überlastabschaltung erst, wenn die Nennlast des Krans (z.B. 60 t) überschritten
wird. In diesem. Fall zieht der Kran also mit maximalen 60 t (für den Fall, dass kein
Container am Spreader hängt) am Schiff, bevor überhaupt registriert wird, dass der
Spreader am Schiff hängt. Die dabei entstehenden Kräfte müssen entweder durch einen
Stahlbau des Krans oder des Schiffes abgefangen werden. Dabei besteht eine erhebliche
Gefahr, dass der Kran, das Schiff, der Spreader und/oder ein anzuhebender Container
beschädigt werden.
[0006] Geht man davon aus, dass ein leerer Spreader, d.h. ein Spreader ohne angehängte Last,
mit einer maximalen Hubseilgeschwindigkeit von z.B. 280 m/min gehoben werden kann,
so entspricht dies einer Hubseillänge von 2,5 cm bei einer Reaktionszeit von 5 ms.
Eine Reaktionszeit von 30 ms entspricht dann schon einer Hubseillänge von 15 cm. Diese
theoretischen Hubseillängen müssen durch den Stahlbau des Krans und/oder des Schiffs
abgefangen werden, wenn mit einer herkömmlichen Überlastsicherung gearbeitet wird.
Es bestanden deshalb Bestrebungen, die Reaktionszeit so klein wie möglich zu halten.
[0008] Die vorliegende Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, die Gefahren, selbst bei
konstanter Reaktionszeit, weiter zu verringern.
[0009] Problematisch bei dieser Aufgabenstellung ist, dass zwischen zwei Hubfällen unterschieden
werden muss. Es macht einen Unterschied, ob ein Spreader mit einer Last angehoben
wird oder ob der Spreader alleine angehoben wird. In Fig. 3 ist ein Last/Zeit-Diagramm
gezeigt, wobei im linken Teil des Diagramms, der durch die Ziffer 1 in einem Kreis
bezeichnet ist, ein normaler Hubvorgang bei Überlastabschaltung gezeigt ist. Im rechten
Teil des Diagramms, der mit der Ziffer 2 im Kreis bezeichnet ist, ist ein Hubvorgang
dargestellt, bei dem ein "Snag-Load"-Zustand tatsächlich eintritt.
[0010] Im Normalfall (vergleiche linken Teil des Diagramms) ergeben sich nach einem Anheben
einer Last Überschwinger im Messsignal der Kraftsensoren, die üblicherweise so angeordnet
sind, dass die Last bzw. Lastverteilung vorzugsweise in den Eckbereichen messbar ist.
Diese Überschwinger beruhigen sich nach einer gewissen Zeit. Während das Messsignal
schwingt, kann eine durchschnittliche Last ermittelt werden. Dies ist durch die mit
"Durchschnittslast" bezeichnete horizontale Linie im Diagramm der Fig. 3 angedeutet.
Am Ende eines normalen Hubvorgangs wird die Last wieder abgesetzt, so dass das Messsignal
auf Null abfällt.
[0011] Im rechten Teil der Fig. 3 ist ein Hubvorgang gezeigt, bei dem ein ungewollter Lastanstieg
("Snag-Load") auftritt. Nachdem die Last angehoben wurde (normaler Lastfall, parallel
zur Anstiegsflanke des normalen Hubvorgangs), steigt die Last bzw. das entsprechende
Messsignal plötzlich nochmals an. Die Last kann sich z.B. während der Fahrt des Container-Krans
verhaken. Da ein weiterer Lastanstieg im Normalbetrieb nicht auftritt, schließlich
geht die Steuerung davon aus, dass die Fahrt ohne weiteren Hubvorgang durchgeführt
wird, muss dieser weitere Anstieg durch einen Fehler verursacht sein. Dies wird von
einer konventionellen Steuerung erst dann erkannt, wenn das Messsignal die vorgegebene
Überlastschwelle überschreitet. In diesem Fall dauert es eine gewisse Zeit, bis das
Messsignal überhaupt die Überlastschwelle erreicht hat, so dass sich die tatsächliche
Reaktionszeit relativ lang hinauszögert, was in Schäden für Mensch und Maschine resultieren
kann, da der Kran dann mit Maximalkraft zieht.
[0012] Eine weitere Fallgestaltung ist in Fig. 4 dargestellt. Die weitere Fallgestaltung
ergibt sich beim Anheben und/oder Bewegen eines Spreaders, ohne dass eine Last angehängt
ist. Der Spreader allein kann sich z.B. im Inneren des Schiffs beim Bewegen verhaken.
In dem Last-/Zeit-Diagramm der Fig. 4 ist im linken Teil des Diagramms eine normale
Fahrt des Spreaders gezeigt, wobei das Messsignal dem Gewicht eines isolierten Spreaders
entspricht. Im rechten Teil des Diagramms ist eine Fahrt mit einem "Snag-Load"-Zustand
gezeigt.
[0013] Vergleicht man den Lastanstieg der rechten Kurve 2 der Fig. 4 mit dem Lastanstieg
der linken Kurve 1 der Fig. 3, so erkennt man, dass es für die Steuerung äußerst schwierig
ist, zwischen einer normalen Belastung und einem "Snag-Load"-Zustand zu unterscheiden.
Im Falle der rechten Kurve der Fig. 4 würde der Kran also soweit belastet werden,
bis die Überlastsicherung das Erreichen der Überlastschwelle erkannt hat. In diesem
Moment zieht der Kran jedoch mit maximaler Nennkraft am Spreader und kann dadurch
große Beschädigungen hervorrufen.
[0014] Die vorliegende Erfindung hat sich deshalb die Aufgabe gesetzt, eine Lösung dieses
Problems zu ersinnen.
[0015] Die vorliegende Erfindung schlägt dazu die folgenden Schritte vor: Definieren einer
Zeitdauer, die zum Anheben des Lastaufnahmemittels, mit oder ohne zusätzliche Last,
erforderlich ist; Überwachen des Signals während eines Anstiegs für die definierte
Zeitdauer auf ein Überschreiten der nominellen Überlastschwelle; wenn die Überlastschwelle
während der definierten Zeitdauer nicht überschritten wird, Bestimmen einer gemittelten
Gewichtskraft aus dem Signal, und Festlegen der gemittelten Gewichtskraft als Basislast;
Festlegen einer dynamischen Sprungschwelle als Überlastschwelle, die größer als die
Basislast und die kleiner als die nominelle Überlastschwelle ist; und Überwachen des
Signals, ob das Signal größer oder gleich der als Überlastschwelle festgelegten Sprungschwelle
wird, und Erzeugen des Abschaltsignals, wenn das Signal größer oder gleich der als
Überlastschwelle festgelegten Sprungschwelle ist.
[0016] Im Stand der Technik ist die nominelle Überlastschwelle meistens statisch definiert,
d.h., eine Anpassung des Überlastschwellenwerts an eine jeweils vorherrschende Situation
erfolgt nicht. Dies kann insbesondere in solchen Fällen, wenn keine Last am Spreader
hängt, dazu führen, dass entweder der Kran oder das Schiff erheblich beschädigt werden,
da es relativ lange dauert, bis der Überlastschwellenwert erreicht ist und eine Abschaltung
initiiert werden kann.
[0017] Bei der vorliegenden Erfindung wird der Schwellenwert dynamisch festgelegt, d.h.,
der Schwellenwert ist über die Zeit veränderlich und kann einen an eine jeweils vorherrschende
Situation angepassten Wert annehmen. Sobald die Einschwingvorgänge beim Anheben abgeschlossen
sind, wird gemäß der vorliegenden Erfindung ein gemittelter Wert bestimmt, der dem
Gewicht des Spreaders mit oder ohne angehängter Last entspricht. Der so bestimmte
Wert kann beispielsweise mit 30 % beaufschlagt werden, um die dynamische "Sprungschwelle"
zu definieren. Überspringt das Signal des Kraftsensors diese Schwelle, so ist klar,
dass sich der Spreader verhakt bzw. verkeilt hat und eine Notabschaltung erforderlich
ist. Dies erfolgt in der Regel, bevor der Kran mit maximaler Kraft am Spreader zieht.
Derartige Situationen können nicht nur beim Anheben einer Last auftreten, sondern
auch während einer Horizontalfahrt des Krans bzw. einer Krankatze, unterhalb der der
Spreader hängt, erfolgen. Die vorliegende Erfindung ist auch dazu in der Lage, zwischen
einem Anheben des Spreaders mit Last und einem Anheben des Spreaders ohne Last bzw.
einem "Snag-Load"-Zustand zu unterscheiden, da die Sprungschwelle dynamisch angepasst
wird. Wenn keine Last am Spreader hängt, ist der Absolutwert der Sprungschwelle kleiner
als für den Fall, wenn eine Last am Spreader hängt.
[0018] In allen Fällen kann vermieden werden, dass die absolute Überlastschwelle (Nennlastschwelle)
überschritten wird.
[0019] Ferner ist es bevorzugt, wenn das Signal während eines gewollten Hebevorgangs eine
Einschwingphase durchläuft, die von der definierten Zeitdauer umfasst wird, und die
Basislast einen gemittelten Wert des Signals während der definierten Zeitdauer entspricht.
[0020] Auf diese Weise ist es möglich, Einschwingvorgänge zu berücksichtigen. Der Basiswert
zur Festlegung der dynamischen Sprungschwelle stellt einen Mittelwert dar, so dass
die Sprungschwelle nicht basierend auf Extremwerten während des Einschwingvorgangs
bestimmt wird.
[0021] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird abgefragt, ob ein Hubmechanismus der
Lasthubeinrichtung, insbesondere eine Seilwinde, während eines Signalanstiegs betätigt
wird.
[0022] Durch die Abfrage liegt eine zusätzliche Informationsquelle vor. Wird der Hubmechanismus
nicht betätigt und steigt die Last trotzdem, so kann daraus geschlossen werden, dass
der Spreader und/oder die angehängte Last (z.B. Container) sich beispielsweise bei
einer Horizontalfahrt des Krans verhakt hat.
[0023] Wird der Hubmechanismus betätigt, so kann zwischen einem Anheben der Last (von einem
Untergrund) und einem Hochziehen der Last (Last schwebt zuvor mit Spreader in der
Luft) unterschieden werden. Im ersten Fall wird ein Anstieg des Messsignals des Kraftsensors
erwartet, da zusätzlich zum Gewicht des Spreaders das Gewicht der Last angehoben werden
muss. Im zweiten Fall erwartet man keinen weiteren Anstieg des Gewichts, da der Kran
sowohl den Spreader als auch die Last bereits hält.
[0024] Des Weiteren ist es bevorzugt, wenn für jeden Kraftsensor überprüft wird, ob eine
kraftsensorspezifische Überlastschwelle überschritten wird, die kleiner als die Überlastschwelle
des Gesamtsystems ist.
[0025] Insbesondere bei der Verwendung eines Spreaders zum Anheben von Containern ist für
jeder Ecke des Containers ein Kraftsensor zugeordnet, der nicht zwingend im Spreader
angeordnet sein muss. Bei der Verwendung eines Containers werden somit üblicherweise
vier Kraftsensoren (für jedes Hubseil einer) verwendet. Die Summe der Messsignale
der vier Kraftsensoren entspricht der Gesamtlast (Spreader plus Container). Da jeder
der Kraftsensoren somit zur Bestimmung der Gesamtlast beiträgt, kann für jeden der
Kraftsensoren auch ein individueller Überlastwert festgelegt werden, der kleiner als
der Überlastwert des Gesamtsystems ist. Auf Basis dieser individuellen Überlastwerte
und der Zeitdauer des Einschwingvorgangs lässt sich ein Fenster im Last-/Zeit-Diagramm
definieren, innerhalb dem sich das Messsignal während eines Einschwingvorgangs beim
Anheben einer Last bewegen darf. Verlässt das Signal den durch ein derartiges Fenster
definierten Bereich, kann - im Vergleich zu einer herkömmlichen Überlastabschaltung
bei einem nominellen Überlastwert - eine Notabschaltung relativ früh erfolgen.
[0026] Außerdem ist es von Vorteil, wenn die Überwachung der Sprungschwelle kontinuierlich
erfolgt.
[0027] Auf diese Weise kann der Absolutwert der Sprungschwelle kontinuierlich, d.h. dynamisch
angepasst werden.
[0028] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird das Lastaufnahmemittel mit
einer Geschwindigkeit von bis zu 300 m/min betrieben und die Reaktionszeit der Erkennung
ist vorzugsweise kleiner oder gleich 5 ms.
[0029] In diesem Fall beträgt die Hubseillänge 2,5 cm, um die das Hubseil weiterbewegt wird,
obwohl ein Notabschaltereignis eingetreten ist. Diese Hubseillänge wird vom Stahlbau
des Krans oder des Schiffes abgefangen und führt in der Regel zu keiner Beschädigung
des Schiffs oder des Krans.
[0030] Ferner ist es von Vorteil, wenn die dynamische Sprungschwelle bei jedem Hubvorgang
neu bestimmt wird.
[0031] Die mit der Bestimmung der dynamischen Sprungschwelle verbundenen Rechnungen können
permanent durchgeführt werden. Dies erhöht die Sicherheit.
[0032] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und werden in
der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein Last-/Zeit-Diagramm inklusive Überlastschwellen, insbesondere der dynamischen
Überlastschwelle gemäß der vorliegenden Erfindung;
- Fig. 2
- ein Flussdiagramm zum erfindungsgemäßen Verfahren;
- Fig. 3
- ein Last-/Zeit-Diagramm bei belastetem Spreader gemäß dem Stand der Technik; und
- Fig. 4
- ein Last-/Zeit-Diagramm bei unbelastetem Spreader gemäß dem Stand der Technik.
[0033] Die vorliegende Erfindung lässt sich durch Software und/oder Hardware implementieren.
Die Erfinder sind zu der Erkenntnis gelangt, dass Notabschaltungen beim Heben von
Lasten bzw. beim Bewegen von Lasten im Vergleich zu herkömmlichen Notabschaltungen,
die mit statischen Überlastschwellen arbeiten, durch Definieren einer dynamischen
Überlastschwelle schneller und besser durchgeführt werden können. Unter einer "dynamischen"
Überlastschwelle wird nachfolgend ein variabler Wert verstanden, bei dessen Überschreitung
eine Notabschaltung initiiert wird. Dies kann unabhängig davon geschehen, ob der Wert
vom System ermittelt wird oder ob der Wert aus einer fremden Quelle stammt. Dieser
Wert ist an die jeweils vorherrschende Situation angepasst. Es macht keinen Unterschied,
ob ein Spreader allein, d.h. ohne Last, bewegt wird, oder ob ein Spreader mit angehängter
Last bewegt wird. Zwischen einem Anheben des Spreaders, wenn eine Last gerade angehängt
wurde und der Spreader angehoben werden soll, und einem Hochziehen des Spreaders,
wenn die Last bereits am Spreader hängt, kann klar unterschieden werden.
[0034] Die vorliegende Erfindung ist bei Lasthubeinrichtungen, wie z.B. Containerkränen,
oder sonstigen Arten von Kränen, einsetzbar.
[0035] Zur Bestimmung der am Kran hängenden Lasten werden Kraftsensoren eingesetzt. Ein
Kraftsensor besteht üblicherweise aus einem Kraftaufnehmer und einem damit zusammenwirkenden
elektrischen Messsystem, welches die Gewichtskraft in ein elektrisches Signal umwandelt.
Als Kraftsensoren können beispielsweise Messachsen, Messlaschen, Messdosen, etc. eingesetzt
werden. Als elektrisches Messsystem können beispielsweise Dehnungsmessstreifen (DMS)
verwendet werden. Die DMS können entweder auf den Kraftaufnehmer aufgeklebt oder mit
"Sputter"-Technik aufgebracht werden.
[0036] Die vorliegende Erfindung wird insbesondere im Zusammenhang mit sogenannten Spreadern
bei Containerkränen eingesetzt. Ein Spreader dient als Greifeinrichtung zum Anheben
von beispielsweise Containern. Kraftaufnehmer, wie z.B. Messachsen, werden zum Bestimmen
von Kräften eingestezt, die auf Hubseile des Spreaders wirken. Diese Messachsen greifen
über die Hubseile üblicherweise in den Ecken des anzuhebenden Spreaders an. Die Summe
aller Messsignale stellt die Gesamtbelastung dar.
[0037] Die Kraftsensoren erzeugen Messsignale, die an eine Steuereinrichtung zur Ermittlung
eines Gesamtgewichts weitergeleitet werden. Basierend auf diesen Signalen können auch
Seitenlasten, Überlasten, Schlaffsignale, Sonderlastsignale oder Seiten- oder Kipplastfehler
bzw. Einzelseillastfehler bestimmt werden. Zur Ermittlung dieser unterschiedlichen
Informationen bzw. Signale werden die einzelnen Messsignale der Kraftsensoren auf
unterschiedliche Weise kombiniert, wie es dem Fachmann bereits bekannt ist.
[0038] Es versteht sich, dass auch nur ein einziger Kraftsensor vorgesehen sein kann.
[0039] In Fig. 1 ist ein Last-/Zeit-Diagramm für ein Anhebevorgang gezeigt. Bei einem Anhebevorgang
ist der Spreader mit dem Container verbunden. Der Container ruht währenddessen auf
einer Unterlage (Boden/weiterer Container). Sobald der Spreader mit dem Container
verbunden ist, wird mittels eines Hubwerks des Krans ein Anhebevorgang initiiert.
Dadurch steigt das Messsignal von null auf einen ersten (begrenzten) Maximalwert an,
der ein erstes Maß für die Gewichtskraft des Containers darstellt. Dies ist im linken
Teil der mit einer Ziffer 1 im Kreis bezeichneten Messkurve der Fig. 1 gezeigt. Sobald
der Container angehoben ist, d.h. vom Boden bzw. seiner Unterlage abgehoben hat, setzt
ein Einschwingvorgang ein, was sich durch ein Oszillieren des Signals um einen durchschnittlichen
Lastwert äußert, der in der Fig. 1 mit Hilfe einer horizontalen Hilfslinie angedeutet
ist. Nach einer gewissen Zeit klingt der Einschwingvorgang ab. Das Messsignal ist
danach nahezu konstant. Der Container kann versetzt und später auch abgesetzt werden.
Wenn der Container abgesetzt wird, fällt das Messsignal auf Null ab.
[0040] Je nach Größe des zu hebenden Gewichts und der Geschwindigkeit des Hubvorgangs klingt
der Einschwingvorgang langsamer oder schneller ab. In der Regel ist das maximale Gewicht
des zu hebenden Gegenstands bekannt. In Kenntnis des Gewichts des zu hebenden Gegenstands
kann die Zeitdauer eines Anhebevorgangs, zumindest ungefähr, vorab angegeben werden.
In der rechten Hälfte der Fig. 1 ist ein weiterer Anhebevorgang gezeigt. Die Zeitdauer
des Anhebevorgangs ist durch zwei vertikale Hilfslinien bei der mit einer Ziffer 2
im Kreis bezeichneten Messkurve begrenzt.
[0041] Die Zeitdauer des Anhebevorgangs kann entweder für jeden Anhebevorgang manuell in
Abhängigkeit der Größe der anzuhebenden Last in eine Steuereinrichtung gemäß der vorliegenden
Erfindung eingegeben werden. Die Zeitdauer des Anhebevorgangs kann jedoch auch vorab
in Form eines Parameters vorgegeben sein, der in einer Speichereinrichtung der Steuereinrichtung
hinterlegt ist. Es können eine Vielzahl von verschiedenen Parametern hinterlegt sein,
um sich an unterschiedliche Lasten anpassen zu können.
[0042] Gemäß der vorliegenden Erfindung wird am Anfang eines Anhebevorgangs das Zeitfenster
für den Anhebevorgang getriggert. Dieser Trigger-Zeitpunkt entspricht insbesondere
dem Zeitpunkt, bei dem das Messsignal größer als Null wird. Das Messsignal wird über
die Zeitdauer des Anhebevorgangs erfasst. Nach dem Ende der definierten Zeitdauer
wird ein Mittelwert gebildet, der der Durchschnittslast entspricht. Die Durchschnittslast
ist auch im rechten Teil der Fig. 1 mit Hilfe einer horizontalen Hilfslinie verdeutlicht.
[0043] Basierend auf diesem gemittelten Wert wird nunmehr gemäß der vorliegenden Erfindung
eine dynamische Sprungschwelle, die in der Fig. 1 mit "dynamische Snag-Load-Schwelle"
bezeichnet ist, definiert. Die Sprungschwelle kann z.B. 30% über der gemittelten Last
liegen.
[0044] In der Fig. 1 erkennt man ferner, dass die dynamische Schwelle unterhalb einer Überlastschwelle
der Gesamtlast liegt. Im Beispiel der Fig. 1 liegt diese dynamische Last sogar weit
unterhalb der Gesamtüberlastschwelle.
[0045] In der Fig. 1 ist eine weitere horizontale Hilfslinie eingezeichnet, die mit "Überlastschwelle
Eckpunkte" bezeichnet ist. Diese Hilfslinie verdeutlicht die Überlastschwellen der
einzelnen Kraftsensoren, die vorzugsweise über die Hubseile in den Ecken des Spreaders
wirken. Es versteht sich, dass diese individuellen Überlastschwellen geringer ausfallen
als die Gesamtüberlastschwelle.
[0046] Während der Zeitdauer des Anhebevorgangs, erfolgt die Überwachung der Last anhand
der Überlastschwellen der Eckpunkte sowie der Lastanstiegsflanken.
[0047] Des Weiteren ist am Ende der rechten Messkurve der Fig. 1 ein "Snag-Load"-Zustand
gezeigt. Der Container am Spreader kann sich z.B. während eines weiteren Hubvorgangs
(Container wird nach dem Anheben weiter angehoben) an einem anderen Container, der
noch im Schiff gelagert ist, verhaken. Deshalb steigt die Messkurve erneut sprunghaft
an. Da die dynamische Schwelle viel niedriger als die Gesamtüberlastschwelle liegt,
kann der "Snag-Load"-Zustand im Vergleich zur herkömmlichen Vorgehensweise viel früher
erkannt werden. In jedem Fall wird der "Snag-Load"-Zustand bereits vor dem Erreichen
der Gesamtüberlastschwelle erkannt und der Hubvorgang durch Erzeugen eines Notaus-Signals
abgebrochen. In diesem Fall kommt es zu keinerlei schädlichen Belastung des Krans
oder des Schiffs.
[0048] Bezug nehmend auf Fig. 2 ist das erfindungsgemäße Verfahren in Form eines Flussdiagramms
exemplarisch dargestellt.
[0049] In einem Schritt S1 wird abgefragt, ob grundsätzlich ein Signalanstieg vorliegt.
Bei dieser Abfrage wird nicht unterschieden, ob der Spreader allein oder mit einer
Last angehoben wird. Wenn kein Lastanstieg vorliegt, kehrt das Verfahren zum Schritt
S1 zurück. Liegt ein Lastanstieg vor, so wird in einem Schritt S2 abgefragt, ob eine
vorbestimmte Zeitdauer abgelaufen ist. Die vorbestimmte Zeitdauer kann entweder manuell
eingeben werden oder durch Abfrage einer Parameterdatenbank vorgegeben werden. Wird
in der Abfrage des Schritts S2 festgestellt, dass die vorbestimmte Zeitdauer noch
nicht abgelaufen ist, so kehrt man zum Schritt S2 zurück. Mit dieser Abfrage sollen
die in der Fig. 1 dargestellten Einschwingvorgänge umfasst werden.
[0050] Wenn im Schritt S2 die vorbestimmte Zeitdauer abgelaufen ist, wird in einem Schritt
S3 gefragt, ob die Überlastschwelle während der Zeitdauer Überschritten wurde. Die
Abfrage des Schritts S3 kann auch parallel zum Schritt S2 erfolgen.
[0051] Wenn die Überlastschwelle, insbesondere die Gesamtüberlastschwelle bzw. die kraftsensorspezifischen,
individuellen Überlastschwellen, überschritten wurden, kommt es zu einer Notabschaltung,
die von einer übergeordneten Steuereinrichtung in einem Schritt S4 durch Erzeugung
entsprechender Signale initiiert wird.
[0052] Wenn die Überlastschwelle während des Schritts S3 nicht überschritten wurde (Messsignal
liegt innerhalb des Fensters) wird eine mittlere Last (Spreader/Spreader plus Container)
bestimmt, aus der wiederum die "dynamische" Sprungschwelle bestimmt wird. Dies erfolgt
alles in einem Schritt S5.
[0053] Wenn es zuvor noch keine dynamische Sprungschwelle gab, wird in einem Schritt S6
diese Sprungschwelle als "neue" Überlastschwelle festgelegt. Gab es bereits eine Sprungschwelle,
so wird der neue Wert als "neuer" Überlastschwellenwert festgelegt.
[0054] In einer Abfrage S7 wird überprüft, ob der Hubvorgang beendet ist. Wenn er beendet
ist, wird die Überlastüberwachung gemäß der vorliegenden Erfindung beendet. Wenn der
Hubvorgang noch nicht abgeschossen ist, kehrt man zum Schritt S1 zurück.
1. Verfahren zum dynamischen Erkennen eines Fehlbetriebs einer Lasthubeinwichtung, wobei
die Lasthubeinrichtung zumindest einen Kraftsensor aufweist, der mit einem Lastaufnahmemittel
zusammenwirkt, mit den folgenden Schritten:
Überwachen eines Signals des Kraftsensors, das proportional zu einer durch das Lastaufnahmemittel
ausgeübten Kraft ist, auf einen Signalanstieg;
wenn ein Anstieg erfasst wird, Überprüfen, ob eine nominelle Überlastschwelle überschritten
wird;
wenn die nominellen Überlastschwelle überschritten wird, Erzeugen eines Abschaltsignals,
um die Lasthubeinrichtung innerhalb kürzest möglicher Zeitdauer anzuschalten;
gekennzeichnet durch:
Definieren einer Zeitdauer, die zum Anheben des Lastaufnahmemittels mit oder ohne
zusätzliche Last, erforderlich ist;
wenn der Anstieg erfasst wird, Überwachen des Signals während der definierten Zeitdauer
auf ein Überschreiten der nominellen Überlastschwelle;
wenn die Überlastschwelle während der definierten Zeitdauer nicht überschritten wird,
Bestimmen einer gemittelten Gewichtskraft aus dem Signal, und Festlegen der gemittelten
Gewichtskraft als Basislast;
Festlegen einer dynamischen Sprungschwelle als Überlastschwelle, die größer als die
Basislast und die kleiner als die nominelle Überlastschwelle ist; und
Überwachen des Signals, ob das Signal größer oder gleich der als Überlastschwelle
festgelegten Sprungschwelle wird, und Erzeugen des Abschaltsignals, wenn das Signal
größer oder gleich der als Überlastschwelle festgelegten Sprungschwelle ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Signal während eines gewollten Hebevorgangs eine
Einschwingphase durchläuft, die von einer definierten Zeitdauer umfasst wird, und
die Basislast dem gemittelten Wert des Signals entspricht.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei abgefragt wird, ob ein Hubmechanismus der
Lasthubeinrichtung, insbesondere eine Seilwinde, während eines Signalanstiegs betätigt
wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei mehrere Kraftsensoren vorgesehen
sind, mit den folgenden Schritten:
für jeden Kraftsensor Überprüfen ob eine kraftsensorspezifische Überlastschwelle überschritten
wird, die kleiner als die nominelle Überlastschwelle des Gesamtsystems ist.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Überwachung der Sprungschwelle
kontinuierlich erfolgt.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die dynamische Sprungschwelle
bei jedem Hubvorgang neu bestimmt wird.
7. Kran mit einer Überlastsicherung, die eine Steuerungseinrichtung aufweist, die zum
Durchführen von einem der Verfahrensansprüche 1 bis 6 angepasst ist.
8. Kran nach Anspruch 7 mit einem Spreader, der über Kraftsensoren verfügt, die vorzugsweise
an den Ecken des Spreaders wirken, um in Eckpunkten einer Last, insbesondere eines
Containers, eine jeweilige Eckpunktbelastung, aus der eine Gesamtbelastung ableitbar
ist, zu bestimmen.
1. Method for dynamically detecting a faulty operation of a load lifting device, wherein
the load lifting device comprises at least one force sensor cooperating with a loadhandling
device, comprising the following steps:
monitoring a signal of the force sensor for an increase, the signal being proportional
to a force exerted by the load-handling device;
if an increase is detected, checking whether a nominal overload threshold is exceeded;
if the nominal overload threshold is exceeded, generating a switch-off signal for
switching off the load lifting device within a period of time as short as possible;
characterized by:
defining a time period required for lifting the load-handling device with or without
an additional load;
if the increase is detected, monitoring the signal during the defined time period
for an exceeding of the nominal overload threshold;
if the overload threshold is not exceeded during the defined time period, determining
an average weight force from the signal, and establishing the average weight force
as a base load;
establishing a dynamic jump threshold as the overload threshold which is greater than
the base load and which is smaller than the nominal overload threshold; and
monitoring the signal whether the signal becomes greater or equal to the jump threshold,
which is established as the overload threshold, and generating the switching-off signal
if the signal is greater than or equal to the jump threshold being established as
the overload threshold.
2. Method of claim 1, wherein the signal passes a transient phase, which is included
in a defined time period, and wherein the base load corresponds to the average value
of the signal.
3. Method of claim 1 or 2, wherein it is inquired whether a lifting mechanism of the
load lifting device, in particular a grid winch, is operated during a signal increase.
4. Method of one of the preceding claims, wherein a plurality of force sensors is provided,
comprising the steps of:
checking for each of the force sensors whether a force-sensor specific overload threshold
is exceeded which is smaller than the nominal overload threshold of the overall system.
5. Method of one of the preceding claims, wherein the monitoring of the jump threshold
is continuous.
6. Method of one of the preceding claims, wherein the dynamic jump threshold is redetermined
with each lifting process.
7. Crane having an overload protection, which comprises a control device being adapted
to conduct one of the method claims 1 to 6.
8. Crane of claim 7 having a spreader which comprises force sensors, which preferably
act at the corners of the spreader, for determining a respective corner-point load,
which is derivable from the overall load, in corner points of a load, in particular
of a container.
1. Procédé de reconnaissance dynamique d'une défaillance de fonctionnement d'un dispositif
de levage de charge, le dispositif de levage de charge comportant au moins un capteur
d'effort entrant en interaction avec un moyen d'enregistrement de charge, avec les
étapes suivantes :
surveillance d'un signal du capteur d'effort, ledit signal étant proportionnel à une
force s'exerçant par le biais du moyen d'enregistrement de charge, sur une montée
du signal ;
lorsqu'une montée est détectée, contrôle de si un seuil de surcharge nominal est dépassé
;
lorsque le seuil de surcharge nominal est dépassé, émission d'un signal de déconnexion
permettant de déconnecter le plus vite possible le dispositif de levage de charge
;
caractérisé par :
définition d'une durée nécessaire au soulèvement du moyen d'enregistrement de charge
avec ou sans charge supplémentaire ;
lorsqu'une montée est détectée, surveillance du signal pendant la durée définie pour
vérifier l'absence de dépassement du seuil de surcharge nominal ;
lorsque le seuil de surcharge n'est pas dépassé pendant la durée définie, détermination
d'une force de pesanteur moyenne à partir du signal, et détermination de la force
de pesanteur moyenne comme charge de base ;
détermination d'un seuil tremplin dynamique servant de seuil de surcharge, ledit seuil
étant supérieur à la charge de base et inférieur au seuil de surcharge nominal ; et
surveillance du signal, pour savoir si le signal est supérieur ou égal au seuil tremplin
servant de seuil de surcharge et émission du signal de déconnexion lorsque le signal
est supérieur ou égal au seuil tremplin servant de seuil de surcharge.
2. Procédé selon la revendication 1, le signal traversant, pendant un processus de levage
voulu, une phase d'oscillation englobée par une durée définie et la charge de base
correspondant à la valeur moyenne du signal.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, comprenant l'interrogation de si oui ou non
le mécanisme de levage du dispositif de levage de charge, notamment un enroulement
de câble, est actionné pendant une montée du signal.
4. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, plusieurs capteurs
d'effort étant prévus, avec les étapes suivantes :
pour chaque capteur d'effort, contrôle de si un seuil de surcharge propre au capteur
d'effort est dépassé, ledit seuil étant inférieur au seuil de surcharge nominal du
système total.
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, la surveillance du
seuil tremplin se produisant en continu.
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, le seuil tremplin dynamique
étant redéfini pour chaque processus de levage.
7. Grue dotée d'une protection anti-surcharge comportant un dispositif de commande adapté
à la mise en oeuvre d'une des revendications de procédé 1 à 6.
8. Grue selon la revendication 7, avec un palonnier disposant de capteurs d'effort agissant
de préférence au niveau des coins du palonnier, pour déterminer dans les points d'angle
d'une charge, notamment d'un conteneur, une charge de point d'angle respective à partir
de laquelle la charge totale peut être déduite.