[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Teiles aus einem Blech,
welches durch aufeinanderfolgende Stanz- und Biegevorgänge geformt wird, gemäß dem
Oberbegriff des Patentanspruchs 1. Weiterhin betrifft die Erfindung ein Blechteil
gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 9.
[0002] Gattungsgemäße Verfahren und Blechteile sind beispielsweise aus der
DE 100 20 176 C2, der
DE 100 54 802 C2, der
DE 103 56 746 B4 oder der
DE 103 44 885 B3 bekannt. Mit diesen bekannten Verfahren können aus einem Blech durch entsprechende
Stanz- und Biegevorgänge komplexe dreidimensionale Werkstücke, teilweise mit unterschiedlichen
Wanddickenverläufen, hergestellt werden, welche noch vor einigen Jahren lediglich
als Schmiede- oder Gusswerkstücke herstellbar waren.
[0003] Die Herstellung derartiger komplexer Werkstücke durch Kaltumformung aus einem Blech
ist gegenüber einem Schmieden oder Gießen mit hohen Materialtemperaturen Energie sparender,
weniger arbeitsaufwändig aufgrund keiner oder geringerer Nacharbeitung wegen mangelnden
Wärmeverzuges sowie Material sparender. Aufgrund einer bei der Kaltumformung erzielbaren
hohen Werkstückfestigkeit werden bei Blechwerkstücken bei gleicher oder sogar höherer
Festigkeit geringere Materialeinsätze benötigt. Dies ist nicht nur Ressourcen sparender,
sondern führt auch zu einer Gewichtseinsparung, welche insbesondere beim Fahrzeugbau
immer wichtiger wird.
[0004] Der Erfindung liegt die
Aufgabe zugrunde, diesen bekannten Stand der Technik zur Herstellung eines Blechteiles hinsichtlich
Material- und Gewichtseinsparung noch weiter zu verbessern.
[0005] Nach der Erfindung wird diese Aufgabe zum einen durch ein Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 und zum anderen durch ein Blechteil mit den Merkmalen des Anspruchs
9 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen sind in den jeweils abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0006] Das erfindungsgemäße Verfahren ist
dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Formen des Teiles in eine Oberfläche des Blechs eine Struktur spanlos eingeprägt
wird, durch welche die Festigkeit des Bleches erhöht wird.
[0007] Eine Grundidee der Erfindung besteht darin, vor dem Bilden eines Blechteiles in das
Ausgangsblech eine definierte Struktur einzuprägen. Hierdurch tritt eine definierte
Kaltverfestigung des Bleches ein, so dass zum Erreichen gewünschter Festigkeitswerte
des Fertigteiles ein Ausgangsblech mit geringerer Blechdicke im Vergleich zur Verwendung
eines nicht vorbehandelten Ausgangsbleches verwendet werden kann. Es kann also ein
gewünschtes Endteil bei gleicher oder sogar höherer Festigkeit mit einem geringeren
Materialeinsatz und damit mit einem verringerten Gewicht erreicht werden. Dies ist
insbesondere bei der Herstellung von Fahrzeugteilen, etwa von Hebeln, Lagerteilen,
Buchsen und ähnlichem von Vorteil.
[0008] Da zudem mit dem verringerten Materialeinsatz auch der Kostenaufwand sinkt und grundsätzlich
auch Ausgangsbleche geringerer Festigkeit und damit von einer kostengünstigen Qualität
eingesetzt werden können, wird zusätzlich ein wirtschaftlicher Vorteil erzielt.
[0009] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung besteht darin, dass die Struktur durch
Einprägungen in dem Blech gebildet wird, wobei eine Tiefe der Einprägungen kleiner
als eine Dicke des Bleches ist. Es wird sozusagen eine Oberflächenstruktur durch die
Einprägungen gebildet, jedoch keine großen Umformungen, wie Abkantungen, welche die
nachfolgende Formgebung eines komplexen dreidimensionalen Teiles aus dem weiterhin
ebenen Blech beeinträchtigen. Eine geprägte Oberflächenstruktur ist insbesondere bei
von außen nicht sichtbaren Einbauteilen, etwa im Motorraum oder am Fahrgestell eines
Kraftfahrzeuges, nicht störend. Die Einprägungen sind vorzugsweise als linien- und/oder
punktförmige Vertiefungen ausgebildet.
[0010] Besonders bevorzugt ist es nach der Erfindung, dass das Blech mit einer Dicke von
1 mm bis 10 mm vorgesehen wird und dass die Einprägungen mit einer Tiefe von 0,1 mm
bis 5 mm ausgebildet werden. Insbesondere kann die Tiefe der Einprägungen zwischen
5% und 80% der Dicke des Blechs betragen, welches insbesondere aus Stahl oder einem
anderen Metall gebildet ist.
[0011] Grundsätzlich können die Einprägungen in die Oberfläche des Blechs in beliebiger
Weise gebildet werden, etwa durch Pressen. Besonders vorteilhaft ist es jedoch, dass
die Einprägungen durch Einrollen mittels mindestens einer Prägewalze in das Blech
eingebracht werden. Es kann so in einem kontinuierlichen Arbeitsprozess eine regelmäßige
Struktur erzeugt werden. Die Einprägungen können auf einer oder auf beiden Seiten
des Bleches vorgesehen werden.
[0012] Nach der Erfindung ist es dabei besonders zweckmäßig, dass als Blech ein bandförmiges
Blech verwendet wird, welches zu einem Coil aufgespult ist. Hierbei kann beim Abspulen
des Blechbandes von dem Coil, also dem aufgespulten Blechband, das Einprägen mittels
einer oder mehrerer Prägewalzen erfolgen. Die Prägewalzen können dabei nicht nur die
Vertiefungen in das Blech eindrücken, sondern durch Aufbringung einer Druckspannung
über die gesamte Breite des Blechbandes eine zusätzliche Festigkeitserhöhung über
die gesamte Oberfläche des Blechbandes erzeugen. Hierbei werden auch Oberflächenrauhigkeiten
des Ausgangsblechs in vorteilhafter Weise verringert.
[0013] Erfindungsgemäß ergibt sich ein besonders vorteilhafter Verfahrensablauf dadurch,
dass die Stanz- und Biegevorgänge entlang einer Transferstraße mit Stanz- und Biegewerkzeugen
ausgeführt werden und dass das bandförmige Blech von dem Coil von einer Abspuleinrichtung
beständig zugeführt wird, wobei mindestens eine Prägewalze zwischen der Transferstraße
und der Abspuleinrichtung zum Einbringen der Struktur angeordnet ist.
[0014] Die zum Formen des dreidimensionalen Blechteiles notwendigen Stanz- und Biegewerkzeuge,
unter welchen auch Abkant-, Präge- und andere Umformwerkzeuge zu verstehen sind, sind
als Transferwerkzeuge ausgebildet, welche nebeneinander in einer Presse angeordnet
sind. Bei jedem Pressenhub wird so ein Arbeitsschritt ausgeführt. Beim Öffnen der
Presse wird das Werkstück durch eine grundsätzlich bekannte Fördermechanik in das
jeweils nachfolgende Werkzeug übergesetzt, bis das fertig geformte Werkstück ausgestoßen
wird. Gleichzeitig erfolgt an der Eingangsseite dieser Werkzeuganordnung ein Einzug
des bandförmigen Bleches von dem auf der Abspuleinrichtung gelagerten Coil. Zwischen
dieser Abspuleinrichtung und dem Eingang zu den Umformwerkzeugen ist die Prägeeinrichtung
zum Aufbringen der festigkeitserhöhenden Oberflächenstruktur angeordnet.
[0015] Weiter ist es nach der Erfindung vorgesehen, dass entlang des bandförmigen Bleches
die Struktur zumindest entlang streifenförmiger Bereiche eingeprägt wird. Die Struktur
kann somit gleichmäßig über die gesamte Oberfläche des Ausgangsbleches vorgesehen
werden. Alternativ kann die Oberflächenstruktur nur in bestimmten Bereichen des Bleches
ausgebildet werden, so dass andere Bereiche des Bleches noch unverformt bleiben. Dies
kann etwa in den Bereichen erfolgen, welche nachfolgend in den Stanz- und Biegewerkzeugen
entweder ausgestanzt oder derart umgeformt werden, dass durch diese Umformung eine
ausreichende Kaltverfestigung erreicht ist.
[0016] Erfindungsgemäß können auch in dem Blech Bereiche mit unterschiedlichen Strukturen
geprägt werden, so dass über die Breite des Bandes Bereiche mit unterschiedlichen
Festigkeitsgraden eingestellt werden. Es lässt sich so ein Ausgangsblech mit einer
differenzierten Festigkeitsverteilung erstellen. Die Differenzierung kann durch dichtere,
tiefere oder größere Einprägungen erzeugt werden. Im Ausgangsblech kann so für die
nachfolgende Umformung ein jeweils gewünschter definierter Verfestigungsgrad in einzelnen
Bereichen gebildet werden. Keine oder eine geringe Vorverfestigung durch die Einprägungen
wird insbesondere in den Bereichen des Blechs eingestellt, welche beim nachfolgenden
Stanzen und Biegen entfernt beziehungsweise umgeformt werden.
[0017] Dies kann etwa dadurch erreicht werden, dass entsprechende Hervorhebungen auf der
vorgeschalteten Prägewalze vorgesehen sind. In diesem Fall würde der Umfang der Prägewalze
der Länge eines Blechabschnittes entsprechen, welcher zum Formen eines Teiles benötigt
und vom Blechband abgelängt wird. Die Prägestruktur würde sich somit regelmäßig in
jedem Blechabschnitt wiederholen.
[0018] Für eine einfache und kostengünstige Massenfertigung ist es erfindungsgemäß, dass
die Struktur mit netz- oder gitterartig angeordneten Vertiefungen ausgebildet ist.
Dabei ist es nach der Erfindung besonders vorteilhaft, dass die Vertiefungen oder
Einprägungen im Querschnitt einen gerundeten Vertiefungsgrund und gerundete Übergänge
zur ebenen Oberfläche aufweisen. Hierdurch wird eine besonders gute Vorverfestigung
des Bleches erreicht und es werden Kerbspannungen bei den nachfolgenden Umformvorgängen
vermieden.
[0019] Die einzelnen linienförmigen oder punktförmigen Vertiefungen können einen Abstand
zueinander im Zehntelmillimeterbereich bis in den Zentimeterbereich, vorzugsweise
zwischen 0,5 mm und 10 mm, aufweisen. Die Linien können sich über die gesamte Länge
und Breite des bandförmigen Bleches erstrecken und können eine Breite von 0,5 bis
einigen Millimetern aufweisen. Vorzugsweise beträgt die Breite der Vertiefungen etwa
das ein- bis vierfache der Tiefe der Einprägungen.
[0020] Die Erfindung umfasst auch ein Blechteil, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass
vor dem Formen des Blechteiles in eine Oberfläche des Blechs durch Einprägen mit einer
regelmäßigen Struktur versehen ist, durch welche die Festigkeit des Bleches erhöht
ist. Das Blechteil wird insbesondere durch das zuvor beschriebene Verfahren hergestellt,
wobei die vorgehend erläuterten Vorteile erzielt werden.
[0021] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen weiter
erläutert, welche schematisch in den Zeichnungen dargestellt sind.
[0022] In den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- ein Blech mit einer gitterförmigen Struktur;
- Fig. 2
- ein Blech mit einer wellenlinienförmigen Struktur; und
- Fig. 3
- eine schematische Querschnittsansicht durch ein Blech mit einer ein- geprägten Struktur.
[0023] Ein mögliches Muster für eine gleichmäßige Struktur 12, welche in ein Blech 10 eingeprägt
werden kann, ist in Fig. 1 dargestellt. Die Struktur 12 umfasst geradlinige Einprägungen,
welche gitter- oder rautenförmig gleichmäßig an einer Oberfläche eines Bleches 10
angeordnet sind.
[0024] Eine alternative Ausbildungsform ist in Fig. 2 gezeigt, bei welcher die Struktur
12 wellenlinienförmig in die Oberfläche eines Blechs 10 eingeprägt ist. Dabei sind
die wellenförmigen Vertiefungen nicht gleichmäßig über die Breite des bandförmigen
Bleches 10 ausgebildet. In einem mittleren Bereich sind die Einprägungen dichter,
also mit einem geringeren Linienabstand als in einem äußeren Bereich angeordnet. Hierdurch
wird eine definierte Festigkeitsverteilung über die Breite des bandförmigen Bleches
10 erreicht.
[0025] Ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäß vorbehandelten Bleches 10
ist in Fig. 3 gezeigt. In eine Oberflächenseite des Bleches 10 sind linien- oder punktförmige
Einprägungen 14 eingebracht. Dabei sind die Übergänge 16 der Einprägungen 14 in die
ebene Oberflächenseite gerundet ausgebildet, wie auch der Grund 18 der Vertiefungen.
Hierdurch werden Kerbspannungen beim nachfolgenden Umformen vermieden.
1. Verfahren zum Herstellen eines Teiles aus einem Blech (10), welches durch aufeinanderfolgende
Stanz- und Biegevorgänge geformt wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass vor dem Formen des Teiles in eine Oberfläche des Blechs (10) eine Struktur (12) spanlos
eingeprägt wird, durch welche die Festigkeit des Bleches (10) erhöht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Struktur (12) durch Einprägungen (14) in dem Blech (10) gebildet wird, wobei
eine Tiefe der Einprägungen (14) kleiner als eine Dicke des Bleches (10) ist.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Blech (10) mit einer Dicke von 1 mm bis 10 mm vorgesehen wird und
dass die Einprägungen (14) mit einer Tiefe von 0,1 mm bis 5 mm ausgebildet werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Einprägungen (14) durch Einrollen mittels mindestens einer Prägewalze in das
Blech (10) eingebracht werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Blech (10) ein bandförmiges Blech (10) verwendet wird, welches zu einem Coil
aufgespult ist.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Stanz- und Biegevorgänge entlang einer Transferstraße mit Stanz- und Biegewerkzeugen
ausgeführt werden und
dass das bandförmige Blech (10) von dem Coil von einer Abspuleinrichtung beständig zugeführt
wird, wobei mindestens eine Prägewalze zwischen der Transferstraße und der Abspuleinrichtung
zum Einprägen der Struktur (12) angeordnet ist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass entlang eines bandförmigen Bleches (10) die Struktur (12) zumindest entlang streifenförmiger
Bereiche eingeprägt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Struktur (12) mit netz- oder gitterartig angeordneten Vertiefungen ausgebildet
ist.
9. Blechteil, welches durch Stanzen und Biegen aus einem Blech (10) geformt ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass vor dem Formen des Blechteiles das Blech (10) durch Einprägen mit einer Struktur
(12) versehen ist, durch welche die Festigkeit des Bleches (10) erhöht ist.