[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft Mittel zum Bleichen von cellulosischen Faserstoffen
enthaltend ein Peroxid und mindestens ein kationisches Acylpyridiniumderivat als Bleichaktivator
sowie ein entsprechendes Verfahren zur Bleiche von Cellulose.
[0002] In der Papierherstellung ist Cellulose als qualitativ hochwertige Fasersubstanz die
Hauptkomponente eines jeden Papiers. Die wenige Millimeter bis zu einigen Zentimetern
langen Cellulosefasern werden technisch als sogenannter Zellstoff hauptsächlich aus
Holz gewonnen. Holz besteht zu 40 bis 50 % aus Cellulose. Diese muss im Rahmen eines
Holzaufschlussverfahrens von weiteren unerwünschten Holzbestandteilen wie Lignin,
Hemicellulosen oder Harzen abgetrennt werden.
[0003] Die Inhaltsstoffe des Holzes sind untereinander chemisch vor allem durch Wasserstoffbrücken
verbunden. Diese können durch Kationen oder durch Protonen im sauren Milieu gespalten
werden. Je nach Art der verwendeten Chemikalien können verschiedene Holzaufschlussverfahren
unterschieden werden:
Bei dem klassischen Schwefelaufschluss werden je nach Verfahren Calciumhydrogensulfit,
Natriumsulfid oder starke Säuren verwendet. Durch die Behandlung mit Schwefelverbindungen
entstehen Ligninsulfonsäuren sowie Ester zwischen Lignin und schwefliger Säure, die
- anders als Lignin selbst - in Wasser löslich sind und somit durch Ausspülen von
der Cellulose getrennt werden können.
[0004] Bei den Organosolv-Verfahren ist eine Sulfonierung von Lignin nicht erforderlich.
Anstatt der Schwefelverbindungen werden bei diesem Verfahren als Katalysator starke
Säuren und zur Abtrennung des Lignins organische Lösungsmittel eingesetzt. Da die
Cellulose jedoch selbst gegenüber Säuren und Laugen empfindlich ist, ist die mit den
vorstehend beschriebenen Prozessen gewonnene Cellulose von vorneherein bereits in
einem gewissen Umfang geschädigt.
[0005] Unabhängig vom Aufschlussverfahren ist die so erhaltene Roh-Cellulose aufgrund von
verbliebenen Lignin- und Harzsäureresten noch braun gefärbt. Für qualitativ hochwertiges
und weißes Papier ist es notwendig, die Roh-Cellulose zu bleichen und damit das für
die braune Farbe verantwortliche Lignin zu entfernen bzw. dessen Chromophore zu zerstören.
Eine Cellulosebleiche kann oxidativ durch Chlorkalk, Chlordioxid, Sauerstoff, Ozon
oder Wasserstoffperoxid erfolgen.
[0006] Üblicherweise umfasst der Bleichprozess dieser Roh-Cellulose, auch als Pulpe oder
Zellstoff bezeichnet, mehrere Prozessstufen, zwischen denen der Zellstoff auf Waschfiltern
gewaschen wird. Da im Zellstoff Spuren von Schwermetallen enthalten sind, muss vor
der Peroxidbleiche eine Metallentfernung vorgenommen werden, um eine katalytische
Zersetzung der zugesetzten Peroxidverbindungen zu verhindern. Dies kann in einer separaten
Prozessstufe bei Temperaturen von 50 bis 90 °C im schwach sauren pH-Bereich durch
Behandlung mit Komplexbildnern, wie beispielsweise Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA)
oder Diethylendiaminpentaessigsäure (DTPA) geschehen. Das Bleichen der Cellulose bzw.
Pulpe erfolgt in zahlreichen Schritten, wobei im Allgemeinen zwischen Vorbleichen
und endgültigen Bleichen unterschieden wird. Im technischen Maßstab wird für die Lignin-Oxidation
überwiegend eine Kombination von Chlordioxid- und Sauerstoffbleichverfahren verwendet,
wobei pro Tonne Papier 4 bis 40 kg Bleichmittel verbraucht werden. Deren Einsatz führt
zu starken Umweltgiften wie chlorierten Phenolen und Dioxinen, weshalb diese Verfahren
nicht mehr den ökologischen Anforderungen der zeitgemäßen industriellen Prozesse entsprechen.
[0007] Bei Einsatz von Peroxiden als Bleichmittel werden diese oft im Gemisch mit Alkalilauge
und Wasserglas eingesetzt, wobei das Wasserglas der Stabilisierung des Wasserstoffperoxids
dient. Die Temperaturen liegen üblicherweise im Bereich von 60 bis 70 °C (
H.U. Süss, H. Krüger, K. Schmidt; Papier (Bingen, Germany), (1980), 34(10), 433-438). Findet der Bleichprozess im Autoklaven statt, sind auch Temperaturen von bis zu
120 °C gängig.
[0008] Beim Einsatz von Chlor- und chlorhaltigen Chemikalien ist die Bildung von ökologisch
nachteiligen chlororganischen Verbindungen im Abwasser und im gebleichten Zellstoff
nicht zu vermeiden. Daher existiert ein zunehmender Bedarf, sämtliche bei der Papierproduktion
eingesetzten Faserrohstoffe möglichst vollständig chlorfrei mit Sauerstoff und sauerstoffhaltigen
Chemikalien wie Wasserstoffperoxid zu bleichen.
[0009] Um jedoch annähernd die gleiche Bleichwirkung wie mit chlorhaltigen Mitteln zu erzielen,
müssen bei Einsatz der sauerstoffhaltigen Oxidationsmittel drastischere Bedingungen
wie beispielsweise höhere Reaktionstemperaturen und längere Reaktionszeiten gewählt
werden. Hiermit verbunden ist eine größere Schädigung der Cellulosefasern, die in
einer Minderung der Reißfestigkeit des anschließend hergestellten Papiers sowie in
Ausbeuteverlusten resultiert. Damit besteht nach wie vor ein großer Bedarf an optimierten
Verfahren, mittels welcher Cellulosefasern selektiv und schonend von Restligninen
befreit und gebleicht werden können.
[0010] Der Einsatz von Katalysatoren und Aktivatoren zur Steigerung der Wirksamkeit des
Wasserstoffperoxids bei der Cellulosebleiche ist dem Fachmann beispielsweise aus der
DE 103 17 526 bekannt. Die in diesem Dokument als Aktivatoren beanspruchten heterozyklischen Stickstoffverbindungen
werden gemäß der veröffentlichten Beispiele in einem Temperaturbereich von 90 bis
120 °C eingesetzt. Das Dokument
EP-A 0 479 319 betrifft ein Verfahren zur chlorfreien Endbleiche eines in einer mindestens zweistufigen
Bleichsequenz vorgebleichten Zellstoffs. Als Bleichmittel wird dabei eine alkalische
Wasserstoffperoxid-Lösung eingesetzt. Das Wasserstoffperoxid wird mittels einer wässrigen
Cyanamid-Lösung als Bleichaktivator zur Erreichung höherer Endbleichgrade aktiviert.
Auch
DE 101 53 409 beansprucht eine Mischung zur Gewinnung eines gebleichten Zellstoffs enthaltend einen
Bleichmittel und einen Bleichaktivator ausgewählt aus der Gruppe der quartären N-Alkylammonium-acetonitril
Salze. Weitere Bleichaktivatoren sind Dicyanamide gemäß
US 5,766,515 oder Glycerinsäureester nach
WO 00/77297 sowie bestimmte N-Acyl-Verbindungen oder Benzolsulfonate nach
EP 0 456 032 (A1).
[0011] Trotz Einsatz dieser Bleichaktivatoren ist das Bleichergebnis in den vorgenannten
Verfahren nicht vollständig befriedigend oder es müssen unerwünscht hohe Temperaturen
angewandt werden, die sich negativ auf die Qualität des Zellstoffs auswirken, und
die sich negativ in der Energiebilanz der Papierherstellung auswirken.
[0012] Toxikologisch und ökologisch unbedenkliche Aktivatorsubstanzen, welche die Reaktivität
des Wasserstoffperoxids derart steigern, dass eine Durchführung des Bleichprozesses
auch bei niedrigeren Temperaturen möglich wird, sind dem Fachmann bislang nicht bekannt.
Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, neue Aktivatorsubstanzen bereitzustellen,
mittels welcher eine selektive und schonende Cellulosebleiche mit hohen Weißgraden
bei niedrigen Temperaturen von maximal 40 °C möglich wird. Durch den Einsatz von ökologisch
unbedenklichen Aktivatoren soll die Umweltbelastung minimiert werden.
[0013] Es wurde nun in nicht vorhersehbarer Weise gefunden, dass Roh-Cellulose durch eine
Kombination von kationischen Salzen von Acylpyridinium und Wasserstoffperoxid auch
bei niedrigen Temperaturen schonend und mit sehr gutem Ergebnis gebleicht werden kann.
[0014] Ein erster Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher eine wässrige Mischung
zur Bleiche von cellulosischen Faserstoffen, welche dadurch gekennzeichnet ist, dass
die Mischung neben den cellulosischen Faserstoffen
- (i) mindestens ein Oxidationsmittel und
- (ii) mindestens ein Acylpyridiniumderivat der Formel (I)

worin
- R1
- für eine C1-C6-Alkylgruppe, eine C2-C6-Alkenylgruppe, eine C2-C6-Hydroxy- alkylgruppe, eine C1-C6-Alkoxy-C2-C6-alkylgruppe, eine Carboxy-C2-C6- alkylgruppe, eine Aryl-C1-C6-alkylgruppe, eine Heteroaryl-C1-C6- alkylgruppe, eine Arylgruppe oder eine Heteroarylgruppe steht,
- R2, R3 und R4
- jeweils unabhängig voneinander für Wasserstoff, eine C1-C6-Alkylgruppe, ein Halogenatom oder eine C1-C6-Acylgruppe steht, mit der Massgabe, dass zumindest einer der Reste R2, R3 und R4
für eine C1-C6-Acylgruppe steht,
- und X-
- für ein Anion steht,
enthält.
[0015] Die erfindungsgemäßen Mischungen enthalten die Inhaltsstoffe in einem wässrigen Träger.
Dieser Träger ist im Sinne der Erfindung wässrig oder wässrig-alkoholisch. Unter wässrig-alkoholischen
Trägern sind im Sinne der vorliegenden Erfindung wasserhaltige Zusammensetzungen,
enthaltend 3 bis 70 Gew.-% eines C
1-C
4-Alkohols, bezogen auf das Gesamtgewicht der Mischung, insbesondere Ethanol bzw. Isopropanol,
zu verstehen. Die wässrigen Mischungen können zusätzlich noch weitere organische Lösungsmittel,
wie beispielsweise 4-Methoxybutanol, Ethyldiglykol, 1,2-Propylenglykol, n-Propanol,
n-Butanol, n-Butylenglykol, Glycerin, Diethylenglykolmonoethylether, und Diethylenglykolmono-n-butylether,
enthalten. Bevorzugt sind dabei alle wasserlöslichen organischen Lösungsmittel. Ein
wässriger Träger enthält im Sinne der Erfindung mindestens 30 Gew.-%, insbesondere
mindestens 50 Gew.-% Wasser, bezogen auf das Gesamtgewicht der Mischung.
[0016] Die eingesetzten cellulosischen Faserstoffe (auch Roh-Cellulose, Pulpe oder Zellstoff)
sind gängige, auf pflanzlichen Rohstoffen basierende Materialien.
[0017] Dieses Cellulosematerial kann auf unterschiedlicher Weise gewonnen werden. Typischerweise
wird es direkt aus dem Pflanzenmaterial auf mechanischem Weg (ground wood, thermomechanical
pulp), chemischem Weg (Sulfat Zellstoff (kraft pulp), sulfite pipe oder soda pipe),
chemisch-mechanischem Weg (chemical-mechanical pipe) als sogenannte Primärfasern und/oder
aus Altpapier (Sekundärfasern) durch mechanisches Zerkleinern und gegebenenfalls vorhergehendes
De-Inking (deinked pulp) erhalten und in der erfindungsgemäßen Mischung eingesetzt.
[0018] Die Bleichen von Primär- und Sekundärfasern unterscheiden sich in der Weise, dass
bei der Bleiche von ungebleichten Primärfasern diese während der ersten Bleichstufe
zunächst mittels Alkali und Sauerstoff weitgehend delignifiziert werden, wogegen es
sich bei der Bleiche von recyclierten Faserstoffen um ausschließlich den Weißgrad
erhöhende Bleichstufen handelt. Die erfindungsgemäße Bleichlösung kann sowohl bei
der Bleiche von Primär- als auch von Sekundärfasern Anwendung finden.
[0019] In Abhängigkeit von dem Verfahren, gemäß dem der Zellstoff erhalten wird, sind in
den cellulosischen Faserstoffen weitere Substanzen enthalten. Diese weiteren Substanzen
sind dem Fachmann bekannt und können beispielsweise
Ullmann's Encyclopedia, 6. Edition, 2001 "paper and pulp" entnommen werden.
[0020] Als wesentlichen Bestandteil enthält die erfindungsgemäße Mischung mindestens ein
Oxidationsmittel. Als Oxidationsmittel sind alle gängigen Oxidationsmittel denkbar,
wobei chlorhaltige Oxidationsmittel aufgrund ihrer problematischen Abfallstoffe bevorzugt
zu vermeiden sind. Eingesetzt werden können Wasserstoffperoxid sowie geeignete Alkalimetall-,
Erdalkalimetall-, Eisen-, Aluminium- oder Zinksalze von Perboraten, Peroxiden, Persulfaten,
Percarbonaten oder organischen Persäuren. Eine Ausführungsform der vorliegenden Erfindung
ist dadurch gekennzeichnet, dass die Mischung als Oxidationsmittel mindestens eine
Verbindung enthält, die ausgewählt ist aus der Gruppe, die gebildet wird aus Wasserstoffperoxid,
Alkalimetallperoxiden und/oder Alkalimetallperboraten. Hierzu zählen Lithiumperoxid,
Natriumperoxid, Kaliumperoxid, Natriumperborat und Kaliumperborat. Bevorzugt wird
Wasserstoffperoxid selbst als wässrige Lösung verwendet. Wasserstoffperoxid kann aber
auch in Form einer festen Anlagerungsverbindung von Wasserstoffperoxid an anorganische
oder organische Verbindungen, wie Natriumpercarbamid, Polyvinylpyrrolidinon·n H
2O
2 (n ist eine positive ganze Zahl größer 0), Harnstoffperoxid und Melaminperoxid, eingesetzt
werden. Bevorzugte Oxidationsmittel sind ausgewählt aus Wasserstoffperoxid, Natriumperoxid
und Natriumperborat, insbesondere aus Wasserstoffperoxid und Natriumperoxid.
[0021] Die Oxidationsmittel sind in der Mischung bevorzugt zu 0,001 bis 15 Gew.-%, insbesondere
bevorzugt zu 0,01 bis 5 Gew.-%, jeweils bezogen auf die Menge des cellulosischen Fasermaterials,
enthalten.
[0022] Die erfindungsgemäße Mischung enthält weiterhin mindestens eine Verbindung gemäß
Formel (I). Beispiele für die als Substituenten der Verbindungen der Formel (I) genannten
werden nachfolgend, aber nicht beschränkend genannt: Beispiele für C
1-C
6-Alkylreste sind die Gruppen -CH
3, -CH
2CH
3, -CH
2CH
2CH
3, -CH(CH
3)
2, -CH
2CH
2CH
2CH
3, -CH
2CH(CH
3)
2, -CH(CH
3)CH
2CH
3, -C(CH
3)
3. Beispiele für eine C
2-C
6-Alkenylgruppe sind eine Prop-2-enylgruppe (Allylgruppe), eine 2-Methyl-prop-2-enylgruppe,
eine But-3-enylgruppe, eine But-2-enylgruppe, eine Pent-4-enylgruppe oder eine Pent-3-enylgruppe,
wobei die Prop-2-enylgruppe bevorzugt ist. Beispiele für eine C
2-C
6-Hydroxyalkylgruppe sind -CH
2CH
2OH, -CH
2CH
2CH
2OH, -CH
2CH(OH)CH
3 und -CH
2CH
2CH
2CH
2OH, wobei die Gruppe -CH
2CH
2OH bevorzugt ist. Beispiele für C
1-C
6-Alkoxy-C
1-C
6-alkylgruppen sind die Gruppen -CH
2CH
2OCH
3, - CH
2CH
2CH
2OCH
3, -CH
2CH
2OCH
2CH
3, -CH
2CH
2CH
2OCH
2CH
3, -CH
2CH
2OCH(CH
3)
2, -CH
2CH
2CH
2OCH(CH
3)
2. Beispiele für eine Carboxy-C
1-C
6-alkylgruppe sind die Carboxymethylgruppe, die 2-Carboxyethylgruppe oder die 3-Carboxypropylgruppe.
Beispiele für Aryl-C
1-C
6-alkylgruppen sind die Benzylgruppe und die 2-Phenylethylgruppe. Beispiele für eine
Heteroaryl-C
1-C
6-alkylgruppe sind die Pyridin-2-ylmethylgruppe, die Pyridin-3-ylmethylgruppe, die
Pyridin-4-ylmethylgruppe, die Pyrimidin-2-ylmethylgruppe, die Pyrrol-1-ylmethylgruppe,
die Pyrrol-1-ylethylgruppe, die Pyrazol-1-ylmethylgruppe oder die Pyrazol-1-ylethylgruppe.
Beispiele für eine Arylgruppe sind die Phenylgruppe, die 1-Naphthylgruppe oder die
2-Naphthylgruppe. Beispiele für eine Heteroarylgruppe sind die Pyridin-2-ylgruppe,
die Pyridin-3-ylgruppe, die Pyridin-4-ylgruppe, die Pyrimidin-2-ylgruppe, die Pyrrol-1-ylgruppe,
die Pyrrol-2-ylgruppe, die Pyrazol-1-ylgruppe, die Pyrazol-3-ylgruppe oder die Pyrazol-4-ylgruppe.
Beispiele einer C
1-C
6-Acylgruppe sind Acetyl (1-Oxo-ethyl), 1-Oxo-propyl, 1-Oxo-butyl, 1-Oxo-Pentyl, 1-Oxo-2,2-dimethylpropyl
und 1-Oxo-hexyl.
[0023] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung sind solche Verbindungen gemäß
Formel (I) bevorzugt, bei welchen der Rest R1 der allgemeinen Struktur (I) für eine
C
1-C
6-Alkylgruppe, für eine C
2-C
6-Alkenylgruppe oder für eine C
2-C
6-Hydroxyalkylgruppe steht. Es ist erfindungsgemäß bevorzugt, wenn der Rest R1 für
eine C
1-C
6-Alkylgruppe, bevorzugt für Methyl, Ethyl, n-Propyl oder Isopropyl und insbesondere
bevorzugt für Methyl, steht.
[0024] Es hat sich herausgestellt, dass die Acylpyridiniumderivate gemäß Formel (I) erfindungsgemäß
besonders vorteilhafte Eigenschaften besitzen, wenn sie die Acyl-Gruppe entweder in
2- oder 4-Position am Pyridin-Ring tragen. Bevorzugte Verbindungen der Formel (I)
sind weiterhin solche Verbindungen, bei denen entweder der Rest R2 oder der Rest R4
für eine C
1-C
6-Acylgruppe, bevorzugt für eine Acetylgruppe, steht. Es ist weiterhin bevorzugt, wenn
einer der Reste R2 oder R4 für eine Acetylgruppe steht, während der andere dieser
Reste sowie der Rest R3 jeweils für Wasserstoff stehen. Eine weitere Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung ist daher dadurch gekennzeichnet, dass die Mischung als
Acylpyridiniumderivat gemäß Formel (I) mindestens ein 2-Acetylpyridiniumderivat und/oder
4-Acetylpyridiniumderivat enthält.
[0025] Geeignete Acetylpyridiniumderivate sind dabei die physiologisch verträglichen Salze,
die als Kation ein Acetylpyridiniumderivat, ausgewählt aus 4-Acetyl-1-methylpyridinium,
4-Acetyl-1-allylpyridinium, 4-Acetyl-1-(2-hydroxyethyl)pyridinium, 2-Acetyl-1-methylpyridinium,
2-Acetyl-1-allylpyridinium und 2-Acetyl-1-(2-hydroxyethyl)pyridinium, enthalten.
[0026] Es ist bevorzugt, wenn das Anion X
- gemäß Formel (I) ausgewählt wird aus Halogenid, insbesondere Chlorid, Bromid und
Iodid, Benzolsulfonat, p-Toluolsulfonat, C
1-C
4-Alkylsulfonat, Trifluormethansulfonat, Acetat, Triflluoracetat, Perchlorat, ½ Sulfat,
Hydrogensulfat, Tetrafluorborat, Hexafluorphosphat oder Tetrachlorzinkat. Erfindungsgemäß
besonders begünstigt ist es, wenn das Anion X
- für Hydrogensulfat, p-Toluolsulfonat, Benzolsulfonat oder Acetat steht.
[0027] Insbesondere sind solche Mischungen erfindungsgemäß bevorzugt, die dadurch gekennzeichnet
sind, dass das Acetylpyridiniumderivat gemäß Formel (I) ausgewählt ist aus der Gruppe,
die gebildet wird aus 4-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat, 4-Acetyl-1-methylpyridinium-benzolsulfonat,
4-Acetyl-1-methylpyridiniumhydrogensulfat, 4-Acetyl-1-methylpyridiniumacetat, 4-Acetyl-1-allylpyridinium-p-toluolsulfonat,
4-Acetyl-1-allylpyridinium-benzolsulfonat, 4-Acetyl-1-allylpyridiniumhydrogensulfat,
4-Acetyl-1-allylpyridiniumacetat, 2-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat, 2-Acetyl-1-methylpyridinium-benzolsulfonat,
2-Acetyl-1-methylpyridinium-hydrogensulfat, 2-Acetyl-1-methylpyridiniumacetat, 2-Acetyl-1-allylpyridinium-p-toluolsulfonat,
2-Acetyl-1-allylpyridinium-benzolsulfonat, 2-Acetyl-1-allylpyridiniumhydrogensulfat
und 2-Acetyl-1-allylpyridiniumacetat.
[0028] Erfindungsgemäß besonders bevorzugte Mischungen sind dadurch gekennzeichnet, dass
sie als das Acetylpyridiniumderivat gemäß Formel (I) eine Verbindung, ausgewählt aus
4-Acetyl-1-methyl-pyridinium-p-toluolsulfonat und/oder 2-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat,
insbesondere 4-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat, enthalten.
[0029] Solche Mischungen haben sich als bevorzugt herausgestellt, die dadurch gekennzeichnet
sind, dass sie das Acylpyridiniumderivat der Formel (I) in einer Gesamtmenge von 0,0001
bis 10 Gew.-%, bevorzugt von 0,01 bis 5 Gew.-% und besonders bevorzugt von 0,1 bis
2 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der anwendungsbereiten Mischung, enthalten.
[0030] Die erfindungsgemäßen Bleichaktivatoren entfalten ihre Wirkung am besten, wenn sie
in einem bestimmten Verhältnis zum Oxidationsmittel eingesetzt werden. Eine Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung ist daher dadurch gekennzeichnet, dass das molare Verhältnis
von Oxidationsmittel und Acylpyridiniumderivat der Formel (I) einen Wert von größer
als 10, bevorzugt von größer als 15, insbesondere von größer als 25, besitzt.
[0031] Die Bleichprozesse zur Bleiche von cellulosischen Fasermaterial verlaufen am besten
bei einem basischen pH-Wert, bevorzugt bei pH-Werten von größer als pH 7, weiter bevorzugt
bei pH-Werten von größer als pH 8 und insbesondere bei pH-Werten von pH 9 bis pH 14.
Bei den pH-Werten im Sinne der vorliegenden Erfindung handelt es sich um pH-Werte,
die bei einer Temperatur von 22°C gemessen wurden.
[0032] Daher ist eine Ausführungsform der vorliegenden Erfindung dadurch gekennzeichnet,
dass die Mischung zusätzlich mindestens ein Alkalisierungsmittel, welches ausgewählt
ist aus anorganischen Alkalisierungsmitteln, enthält. Solche Alkalisierungsmittel
sind dem Fachmann wohl bekannt. Geeignet sind beispielsweise Hydroxide, Carbonate,
Silikate, Oxide und Phosphate von Alkalimetallen und Erdalkalimetallen. Bevorzugte
basische Alkalisierungsmittel werden insbesondere aus ausgewählt aus Natriumhydroxid,
Kaliumhydroxid und Magnesiumoxid.
[0033] Je nach Vorbehandlung der cellulosischen Faserstoffe enthält diese Roh-Cellulose
weitere Inhaltsstoffe, die für den Bleichvorgang hinderlich sind. So können Schwermetallspuren
die Zersetzung von Oxidationsmitteln katalysieren und damit beschleunigen. Es ist
daher bevorzugt, der Mischung zur Abtrennung oder Komplexierung solcher Schwermetalle
sogenannte Komplexbildner zuzusetzen. Geeignete Stabilisatoren oder Komplexbildner
sind insbesondere sogenannte Chelatkomplexbildner, beispielsweise Polycarbonsäuren,
stickstoffhaltige Mono- oder Polycarbonsäuren, insbesondere Ethylendiamintetraessigsäure
(EDTA), Ethylendiamindibernsteinsäure (EDDS), Diethylentriaminpentaessigsäure (DTPA)
und Nitrilotriessigsäure (NTA), organische Phosphonsäuren, insbesondere 1-Hydroxyethan-1,1-diphosphonsäure
(HEDP), Aminophosphonsäuren wie Ethylendiamintetra(methylenphosphonsäure) (EDTMP),
Diethylentriamin-penta(methylenphosphonsäure) (DTPMP), Phosphonopolycarbonsäuren wie
2-Phosphonobutan-1,2,4-tricarbonsäure sowie Cyclodextrine, Alkalistannate (Natriumstannat),
Alkalipyrophosphate (Tetranatriumpyrophosphat, Dinatriumpyrophosphat), Alkaliphosphate
(Natriumphosphat), und Phosphorsäure. Erfindungsgemäß bevorzugt enthalten die Mischungen
Komplexbildner zu 0,001 bis 3 Gew.-%, bevorzugt 0,005 bis 1 Gew.-%, jeweils bezogen
auf das Gesamtgewicht der erfindungsgemäßen Mischung.
[0034] Zur weiteren Steigerung der Aufhellleistung können der erfindungsgemäßen Mischung
zusätzlich mindestens eine gegebenenfalls hydratisierte SiO
2-Verbindung zugesetzt. Obwohl bereits geringe Mengen der gegebenenfalls hydratisierten
SiO
2-Verbindungen die Bleichleistung erhöhen, kann es erfindungsgemäß bevorzugt sein,
die gegebenenfalls hydratisierten SiO
2-Verbindungen in Mengen von 0,0005 Gew.-% bis 5 Gew.-%, besonders bevorzugt in Mengen
von 0,05 Gew.-% bis 1,0 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt in Mengen von 0,01 Gew.-%
bis 0,5 Gew.-%, jeweils bezogen auf die erfindungsgemäße Mischung, einzusetzen. Die
Mengenangaben geben dabei jeweils den Gehalt der SiO
2-Verbindungen (ohne deren Wasseranteil) in den Mitteln wieder.
[0035] Hinsichtlich der gegebenenfalls hydratisierten SiO
2-Verbindungen unterliegt die vorliegende Erfindung prinzipiell keinen Beschränkungen.
Bevorzugt sind Kieselsäuren, deren Oligomeren und Polymeren sowie deren Salze. Bevorzugte
Salze sind die Alkalisalze, insbesondere die Kalium und Natriumsalze. Die Natriumsalze,
insbesondere Natriummetasilikate, sind ganz besonders bevorzugt.
[0036] Die gegebenenfalls hydratisierten SiO
2-Verbindungen können in verschiedenen Formen vorliegen. Erfindungsgemäß bevorzugt
werden die SiO
2-Verbindungen in Form von Kieselgelen (Silicagel) oder besonders bevorzugt als Wasserglas
eingesetzt. Diese SiO
2-Verbindungen können teilweise in wässriger Lösung vorliegen.
[0037] Erfindungsgemäß ganz besonders bevorzugt sind Wassergläser, die aus einem Silikat
der Formel (SiO
2)
n(Na
2O)
m(K
2O)
p gebildet werden, wobei n steht für eine positive rationale Zahl und m und p stehen
unabhängig voneinander für eine positive rationale Zahl oder für 0, mit den Maßgaben,
dass mindestens einer der Parameter m oder p von 0 verschieden ist und das Verhältnis
zwischen n und der Summe aus m und p zwischen 2:1 und 4:1 liegt. Neben den durch die
Summenformel beschriebenen Komponenten können die Wassergläser in geringen Mengen
noch weitere Zusatzstoffe, wie beispielsweise Phosphate oder Magnesiumsalze, enthalten.
[0038] Zur weiteren Verbesserung der Entfärbungsresultate kann es insbesondere bei der Verwendung
von Cellulosefasern aus Altpapier oder recycelten Fasern sinnvoll sein, der erfindungsgemäßen
Mischung zur Entfernung farbiger Verunreinigungen, wie Druckfarbrückständen, zusätzlich
als oberflächenaktive Substanz ein Emulgator bzw. ein Tensid zuzusetzen, wobei oberflächenaktive
Substanzen je nach Anwendungsgebiet als Tenside oder als Emulgatoren bezeichnet werden.
Besonders geeignete Tenside sind aus anionischen und/oder nichtionischen Tensiden
ausgewählt.
[0039] Eine weitere Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist daher eine Mischung,
die dadurch gekennzeichnet ist, dass zusätzlich mindestens ein anionisches und/oder
nichtionisches Tensid enthalten ist.
[0040] Als anionische Tenside eignen sich in erfindungsgemäßen Mischungen alle unter den
oxidativen Bedingungen stabilen, anionischen oberflächenaktiven Stoffe. Bevorzugte
anionische Tenside sind lineare und verzweigte Fettsäuren mit 8 bis 30 C-Atomen (Seifen),
Alkylphosphate, Alkyletherphosphate, Alkylsulfate, Alkylethersulfate und polyethoxylierte
Ethercarbonsäuren mit 10 bis 18 C-Atomen in der Alkylgruppe und bis zu 12 Glykolethergruppen
im Molekül.
[0041] Als nichtionische Tenside eignen sich insbesondere die Alkylenoxid-Anlagerungsprodukte
an gesättigte lineare Fettalkohole und Fettsäuren mit jeweils 2 bis 30 Mol Ethylenoxid
pro Mol Fettalkohol bzw. Fettsäure. Zubereitungen mit hervorragenden Eigenschaften
werden ebenfalls erhalten, wenn sie als nichtionische Tenside Fettsäureester von ethoxyliertem
Glycerin enthalten.
[0042] Die anionischen und/oder nichtionischen Tenside werden in Gesamtmengen von 0,01 bis
45 Gew.%, bevorzugt 0,05 bis 30 Gew.% und besonders bevorzugt von 0,1 bis 15 Gew.%,
bezogen auf die Gesamtmenge der Mischung, eingesetzt.
[0043] In Abhängigkeit vom jeweiligen Herstellungsverfahren der eingesetzten Roh-Cellulose
können weitere geeignete Substanzen sind beispielsweise Fließhilfen, Verdünnungsmittel
oder Puffersubstanzen eingesetzt werden.
[0044] Die Verbindungen der Formel (I) sind nach Kenntnis der Anmelderin zum Einsatz in
Bleichverfahren für cellulosische Faserstoffe bislang nicht bekannt.
[0045] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher die Verwendung eines
Acylpyridiniumderivats der Formel (I) des ersten Erfindungsgegenstands in einem Verfahren
zur Bleiche von cellulosischem Fasermaterial.
[0046] Die bevorzugten Ausführungsformen des ersten Erfindungsgegenstands gelten mutatis
mutandis für die erfindungsgemäße Verwendung.
[0047] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist schließlich ein Verfahren
zum Bleichen von cellulosischen Fasermaterial, welches dadurch gekennzeichnet ist,
dass eine wässrige Mischung, welche cellulosisches Fasermaterial enthält, mit mindestens
einem Oxidationsmittel und mit mindestens ein Acylpyridiniumderivat der Formel (I)
des ersten Erfindungsgegenstands behandelt wird.
[0048] Das erfindungsgemäße Verfahren kann in mehrstufigen Bleichprozessen sowohl im ersten
Bleichschritt oder auch als im letzten, abschließenden Bleichschritt eingesetzt werden,
wobei auch ein Entfärbungsschritt (De-Inking), insbesondere unter Einsatz zusätzlicher
Tenside, möglich ist.
[0049] Das erfindungsgemäße Verfahren kann bereits bei niedrigeren Temperaturen erfolgreich
durchgeführt werden. Eine bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist daher dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren bei Temperaturen von 20 bis 90°C,
bevorzugt bei Temperaturen von 20 bis 50°C durchgeführt wird.
[0050] Auch die Dauer des Verfahrens wird durch den Zusatz eines Acylpyridiniumderivat der
Formel (I) positiv beeinflusst. Erfindungsgemäß bevorzugte Verfahren sind dadurch
gekennzeichnet, dass sie für einen Zeitraum von 10 min bis 120 h, bevorzugt 60 min
bis 96 h, durchgeführt werden können.
[0051] Die bevorzugten Ausführungsformen des ersten Erfindungsgegenstands gelten mutatis
mutandis für das erfindungsgemäße Verfahren.
[0052] Die Effizienz eines Bleichschrittes kann durch die Messung des Weißgrades bestimmt
werden. Da der Weißgrad von verschiedenen Faktoren wie Lichtmenge oder Beleuchtungsfarbe
abhängig ist, müssen bei Angabe des Weißgrades die Messbedingungen, Gerätefaktoren
und Berechnungsmethoden beschrieben werden. Üblicherweise wird der Weißgrad unter
Normlicht bestimmt, welches sich vom natürlichen Tageslicht durch einen geringeren
Anteil an kurzwelliger UV-Strahlung unterscheidet. Als Qualitätsangabe für Papier
gängig ist die Bestimmung des Weißgrades nach ISO 2470 oder die Bestimmung des Weißgrades
nach Berger. Auch der L*-Wert des L*a*b*-Farbraumes ist als Weißgrad-Maß geeignet.
[0053] Die erfindungsgemäße Bleichmischung sowie das erfindungsgemäße Verfahren bieten dem
Anwender zahlreiche Vorteile. Bereits bei niedrigen Temperaturen können durch Einsatz
der Aktivatoren hohe Weißgrade erreicht werden, was sich ebenfalls positiv auf die
Energiebilanz der für die Herstellung des fertigen Papiers notwendigen Gesamtenergiemenge
auswirkt. Durch die niedrigen Temperaturen wird die Cellulosefaser weniger stark geschädigt,
die Festigkeit und Faserlänge der Cellulosefasern werden weniger beeinträchtigt und
daher hochwertigeres Material für die Weiterverarbeitung erhalten. Schließlich kommt
es durch die höhere Umweltverträglichkeit der erfindungsgemäßen Bleichmittel gegenüber
chlorhaltigen Bleichmitteln zu geringeren Abwasserbelastungen.
[0054] Die nachfolgenden Beispiele sollen bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung erläutern,
ohne sie jedoch einzuschränken.
Beispiele
1. Synthese von Bleichaktivatoren
1.1. Synthese von 4-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat (Aktivator A)
[0055]

[0056] Es wurden 30,0 g (0,25 mol) 4-Acetylpyridin und 55,8 g (0,30 mol) p-Toluolsulfonsäuremethylester
in 500 ml Toluol für 6 Stunden unter Rückfluss erhitzt. Nach Abkühlen auf 60 °C wurde
der ausgefallene Feststoff abfiltriert, mit Toluol nachgewaschen und im Vakuum getrocknet.
Ausbeute: 59,9 g (82,5 %).
[0057] 1H-NMR (400 MHz, DMSO-d
6): δ [ppm] = 2,26 (s, 3H); 2,72 (s, 3H); 3,39 (s, 3H); 7,11 (d, 2H); 7,49 (d, 2H);
8,42 (d, 2H); 9,20 (d, 2H).
[0058] 13C-NMR (400 MHz, DMSO-d
6): δ [ppm] = 20,8; 26,4; 48,1; 124,8; 125,3; 127,7; 138,9; 145,2; 146,5; 148,3; 195,8.
1.2. Synthese von 2-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat (Aktivator B)
[0059]

[0060] Es wurden 50,0 g (0,41 mol) 2-Acetylpyridin und 80,6 g (0,43 mol) p-Toluolsulfonsäuremethylester
in 250 ml Toluol für 5 Stunden unter Rückfluss erhitzt. Nach Abkühlen auf ca. 30 °C
wurde der ausgefallene Feststoff abfiltriert, mit Toluol nachgewaschen und im Vakuum
getrocknet. Ausbeute: 80,5 g (63,4 %).
[0061] 1H-NMR (400 MHz, D
2O): δ [ppm] = 2,37 (s, 3H); 2,81 (s, 3H); 4,38 (s, 3H); 7,30 (d, 2H); 7,61 (d, 2H);
8,10 (m, 1H); 8,44 (d, 1H); 8,63 (m, 1H); 8,84 (d, 1H).
[0062] 13C-NMR (400 MHz, D
2O): δ [ppm] = 23,1; 28,8; 51,0; 128,2; 128,3; 131,9; 132,0; 132,6; 142,9; 145,2; 150,0;
151,7; 198,8.
2. Bleiche von Roh-Cellulose, hergestellt mittels des Acetosolv-Verfahrens
2.1. Holzaufschluss mittels des Acetosolv Verfahrens
[0063] In einem 2000 ml Kolben wurden 50 g Eichenspäne (Kornbereich 0,75 bis 3,00 mm) in
einem Gemisch aus 650 ml Eisessig und 200 ml konzentrierter Salzsäure für 3 Stunden
unter Rückfluss erhitzt. Dieses Gemisch färbte sich schwarz. Nach dem Abkühlen wurde
der Feststoff abfiltriert und mit Essigsäure nachgewaschen. Zur Entferndung von Essigsäureresten
wurde der Feststoff nochmals in Wasser aufgeschlämmt, wieder filtriert und anschließend
getrocknet. Als Produkt des Holzaufschlusses resultierte ein schwarzer, krümeliger
Feststoff. (Ausbeute: 48,8 g).
2.2. Bleiche der Roh-Cellulose
[0064] Jeweils 5,0 g der unter 2.1. erhaltenen Roh-Cellulose wurden in 495 ml Wasser dispergiert.
Anschließend wurden die Komponenten gemäß Tabelle 1 hinzugefügt. Das Wasserstoffperoxid
wurde als 35 %-ige Lösung eingesetzt, angegeben ist die auf reines Wasserstoffperoxid
bezogene Menge.
Tabelle 1
| Versuch |
Natrium-hydroxid |
Wasserstoff-peroxid |
Aktivator |
Mol. Verhältnis [Oxidationsmittel / Aktivator] |
L*-Wert |
| A (nicht erfindungsgemäß) |
10g |
25 g |
- |
--- |
87,6 |
| B (erfindungsgemäß) |
10g |
25g |
A(5g) |
45,5 |
88,9 |
| C (nicht erfindungsgemäß) |
10g |
10g |
- |
- |
84,9 |
| D (erfindungsgemäß) |
10g |
10g |
A(5g) |
18,2 |
85,8 |
[0065] Anschließend wurde das Gemisch für 72 Stunden bei 30 °C gerührt. Nach Beendigung
des Prozesses wurde die gebleichte Cellulose filtriert und getrocknet.
[0066] Zur Bestimmung des Weißgrades wurde die Cellulose farbmetrisch mit einem Farbmessgerät
der Firma Datacolor, Typ Spectraflash 450 vermessen. Der L*-Wert des L*a*b*-Farbraumes
wurde als Maß für den Grad der Aufhellung herangezogen und in Relation zu der entsprechend
gebleichten Cellulose ohne Aktivatorzusatz betrachtet.
3. Bleiche von ungebleichtem, handelsüblichem Zellstoffpapier
[0067] Es wurden jeweils 5 g handelsüblicher, ungebleichter Lagenzellstoff in 495 ml Wasser
gegeben. Dieses Gemisch wurde unter starkem Rühren mit den in Tabelle 2 angegebenen
Komponenten versetzt. Das Wasserstoffperoxid wurde als 35 %-ige Lösung eingesetzt,
angegeben ist die auf reines Wasserstoffperoxid bezogene Menge. Anschließend wurde
das Gemisch jeweils für 72 Stunden bei 30 °C gerührt. Nach Beendigung des Prozesses
wurde die gebleichte Cellulose filtriert und getrocknet.
[0068] Zur Bestimmung des Weißgrades wurde die Cellulose farbmetrisch mit einem Farbmessgerät
der Firma Datacolor, Typ Spectraflash 450 vermessen. Der L*-Wert des L*a*b*-Farbraumes
wurde als Maß für den Grad der Aufhellung herangezogen und in Relation zu der entsprechend
gebleichten Cellulose ohne Aktivatorzusatz betrachtet.
Tabelle 2
| Versuch |
Natrium-hydroxid |
Wasserstoff-peroxid |
Aktivator |
Mol. Verhältnis [Oxidationsmittel / Aktivator] |
L*-Wert |
| E (nicht erfindungsgemäß) |
10g |
25g |
--- |
--- |
67,7 |
| F (erfindungsgemäß) |
10g |
25g |
A (5 g) |
45,5 |
71,3 |
| G (erfindungsgemäß) |
10g |
25g |
B (5 g) |
45,5 |
73,0 |
[0069] Aus einem Vergleich der L*-Werte wird ersichtlich, dass die Aufhellleistung durch
die Zugabe eines erfindungsgemäßen Aktivators signifikant gesteigert werden konnte.
1. Wässrige Mischung zur Bleiche von cellulosischen Faserstoffen,
dadurch gekennzeichnet, dass die Mischung neben den cellulosischen Faserstoffen
(i) mindestens ein Oxidationsmittel und
(ii) mindestens ein Acylpyridiniumderivat der Formel (I)

worin
R1 für eine C1-C6-Alkylgruppe, eine C2-C6-Alkenylgruppe, eine C2-C6- Hydroxyalkylgruppe, eine C1-C6-Alkoxy-C2-C6-alkylgruppe, eine Carboxy-C2-C6-alkylgruppe, eine Aryl-C1-C6-alkylgruppe, eine Heteroaryl-C1-C6-alkylgruppe, eine Arylgruppe oder eine Heteroaryl- gruppe steht,
R2, R3 und R4 jeweils unabhängig voneinander für Wasserstoff, eine C1-C6-Alkyl- gruppe, ein Halogenatom oder eine C1-C6-Acylgruppe steht, mit der Massgabe, dass zumindest einer der Reste R2, R3 und R4
für eine C1-C6-Acylgruppe steht,
und X- für ein Anion steht,
enthält.
2. Mischung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mischung als Acylpyridiniumderivat der Formel (I) mindestens eine Verbindung
enthält, bei der entweder R2 oder R4 für eine C1-C6-Acylgruppe, bevorzugt für eine Acetylgruppe, steht.
3. Mischung nach einem der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass sie als Acylpyridiniumderivat der Formel (I) mindestens eine Verbindung enthält,
die ausgewählt ist aus der Gruppe, die gebildet wird aus 4-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat,
4-Acetyl-1-methylpyridinium-benzolsulfonat, 4-Acetyl-1-methylpyridiniumhydrogensulfat,
4-Acetyl-1-methylpyridiniumacetat, 4-Acetyl-1-allylpyridinium-p-toluolsulfonat, 4-Acetyl-1-allylpyridinium-benzolsulfonat,
4-Acetyl-1-allylpyridinium-hydrogensulfat, 4-Acetyl-1-allylpyridiniumacetat, 2-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat,
2-Acetyl-1-methylpyridinium-benzolsulfonat, 2-Acetyl-1-methylpyridinium-hydrogensulfat,
2-Acetyl-1-methylpyridiniumacetat, 2-Acetyl-1-allylpyridinium-p-toluolsulfonat, 2-Acetyl-1-allylpyridinium-benzolsulfonat,
2-Acetyl-1-allylpyridinium-hydrogensulfat und 2-Acetyl-1-allylpyridiniumacetat.
4. Mischung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass sie als Acylpyridiniumderivat gemäß Formel (I) 4-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat
und/oder 2-Acetyl-1-methylpyridinium-p-toluolsulfonat enthält.
5. Mischung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass sie das Acylpyridiniumderivat der Formel (I) in einer Gesamtmenge von 0,0001 bis
10 Gew.-%, bevorzugt von 0,01 bis 5 Gew.-% und besonders bevorzugt von 0,1 bis 2 Gew.-%,
jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der anwendungsbereiten Mischung, enthält.
6. Mischung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Mischung als Oxidationsmittel mindestens eine Verbindung enthält, die ausgewählt
ist aus der Gruppe, die gebildet wird aus Wasserstoffperoxid, Alkalimetallperoxiden
und/oder Alkalimetallperboraten, insbesondere ausgewählt aus Wasserstoffperoxid und
Natriumperoxid.
7. Mischung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das molare Verhältnis von Oxidationsmittel und Acylpyridiniumderivat der Formel (I)
einen Wert von größer als 10, bevorzugt größer als 15, besitzt.
8. Verwendung eines Acylpyridiniumderivat der Formel (I) nach einem der Ansprüche 1 bis
4 in einem Verfahren zur Bleiche von cellulosischen Fasermaterial.
9. Verfahren zum Bleichen von cellulosischen Fasermaterial, dadurch gekennzeichnet, dass eine wässrige Mischung, welche cellulosisches Fasermaterial enthält, mit mindestens
einem Oxidationsmittel und mit mindestens ein Acylpyridiniumderivat der Formel (I)
nach einem der Ansprüche 1 bis 4 behandelt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren bei Temperaturen von 20 bis 90°C, bevorzugt bei Temperaturen von 20
bis 50°C durchgeführt wird.