Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Kraftwerks- und Werkstofftechnik. Sie
betrifft eine verschleiss- und oxidationsbeständige Turbinenschaufel sowie ein Herstellungsverfahren
für eine derartige verschleiss- und oxidationsbeständige Turbinenschaufel.
Stand der Technik
[0002] Die Verringerung von Leckageverlusten in Turbinen ist seit mehreren Jahrzehnten Gegenstand
intensiver Entwicklungsarbeiten. Während des Betriebes einer Gasturbine ist eine Relativbewegung
zwischen Rotor und Gehäuse unvermeidbar. Der daraus resultierende Verschleiss des
Gehäuses bzw. der Schaufeln führt dazu, dass die Dichtwirkung nicht mehr gegeben ist.
Als Lösung für dieses Problem wird eine Kombination von dicken abschleifbaren Beschichtungen
am Hitzeschild mit abrasiven Schutzschichten an den Schaufelspitzen vorgesehen.
[0003] Bereits seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts kennt man Methoden, zusätzliche
Beschichtungen auf Schaufelspitzen aufzubringen oder durch eine geeignete Modifikation
der Schaufelspitze die Verschleissbeständigkeit zu erhöhen. Es sind ebenfalls verschiedene
Methoden vorgeschlagen worden, um solche Schutzschichten durch eine Kombination von
Abrasivteilchen (Karbiden, Nitriden, etc.) mit oxidationsresistenten Materialien gleichzeitig
beständig gegenüber Reibkontakten und durch das Heissgas verursachter Oxidation zu
machen. Viele der vorgeschlagenen Methoden sind jedoch in der Herstellung kostenintensiv
und komplex, was einen kommerziellen Einsatz erschwert.
[0004] Eine der populären Strategien besteht deshalb darin, auf den Verschleissschutz der
Schaufelspitze ganz zu verzichten und das Hitzeschild mit speziellen, porösen keramischen
Einreibschichten zu versehen. Diese können auf Grund ihrer hohen Porosität in gewissem
Umfang auch von ungeschützten Schaufelspitzen eingerieben werden. Mit dieser Methode
sind jedoch erhebliche technische Risiken verbunden, da die porösen keramischen Einreibschichten
nicht die gleiche Erosionsbeständigkeit wie dichte Schichten gewährleisten. Ein weiteres
Risiko besteht in betriebsbedingten Veränderungen der porösen keramischen Einreibschichten
(Verdichtung durch Sintern), die sich negativ auf die tribologischen Eigenschaften
auswirken können. Aus diesem Grund ist bei der Verwendung keramischer Schutzschichten
auf Hitzeschildern eine Kombination mit verschleissfesten (abrasiven) Schaufelspitzen
ratsam.
[0005] In den letzten Jahrzehnten sind mehrere Verfahren zur Erzeugung abrasiver Schaufelspitzen
entwickelt und durch zahlreiche Patente geschützt worden, siehe z.B.
US 6194086 B1. Der Einsatz des Laserauftragsschweissens (Englisch: Laser Metal Forming, abgekürzt
LMF) zum Aufbau abrasiver Schaufelspitzen ist zwar seit Beginn der 90-er Jahre bekannt
(siehe beispielsweise
DE 10 2004 059 904 A1), diese Methode wird in industriellem Massstab jedoch noch selten eingesetzt.
Darstellung der Erfindung
[0006] Ziel der Erfindung ist es, die Nachteile des bekannten Standes der Technik zu vermeiden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine verschleiss- und oxidationsbeständige
Turbinenschaufel zu entwickeln, welche sowohl für die Neuteilfertigung, als auch für
das Rekonditionieren (Retrofit) anwendbar ist und für deren Herstellung der bereits
bestehende Fertigungsprozess nur minimal angepasst werden muss.
[0007] Die Besonderheit der hier beschriebenen Ausführung eines solchen Bauteils besteht
in der bestmöglichen Kompatibilität zu konventionellen Turbinenschaufeln und deren
Fertigungsprozessen. Dies erfordert nur einen geringen Aufwand für die Umstellung
derzeitiger Fertigungsabläufe und öffnet sehr interessante Perspektiven für Rekonditionierung
und Retrofit.
[0008] Erfindungsgemäss wird diese Aufgabe dadurch gelöst, dass die verschleissund oxidationsbeständige
Turbinenschaufel gemäss dem Oberbegriff des Patentanspruches 1 durch folgende Merkmale
gekennzeichnet ist:
- die mindestens eine erste oxidationsbeständige Schutzschicht ist eine metallische
Schicht, insbesondere eine MCrAlY-Schicht (M = Ni, Co oder Kombination beider Elemente)
- diese erste Schutzschicht ist zumindest an der inneren und äusseren Kronenkante bzw.
Steg kante angeordnet,
- diese erste Schutzschicht ist an der radial aussen gelegenen Schaufelspitze der Turbinenschaufel
nicht vorhanden und
- die radial aussen gelegene Schaufelspitze besteht aus einer mittels bekanntem Laserauftragsschweissen
aufgebauten zweiten mindestens einlagigen verschleiss- und oxidationsbeständigen Schutzschicht,
wobei diese zweite Schutzschicht auf der Schaufelspitze entlang der äusseren und/oder
inneren Kronenkante bzw. Stegkante zumindest teilweise mit der dort angeordneten ersten
metallischen Schutzschicht überlappt.
[0009] Das erfindungsgemässe Verfahren zur Herstellung einer Turbinenschaufel gemäss Oberbegriff
des Patentanspruches 12 ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
- die mindestens eine oxidationsbeständige Schutzschicht an der radial aussen gelegenen
Schaufelspitze wird durch kontrollierte mechanische Bearbeitung, insbesondere Abschleifen,
CNC Fräsen, und/oder chemisches Entschichten, entfernt und
- die verschleiss- und oxidationsbeständige Schutzschicht wird anschliessend mittels
bekanntem Laserauftragsschweissen in einer Lage oder in mehreren Lagen auf die Schaufelspitze
derart aufgebracht, dass sie entlang der äusseren und/oder inneren Kronenkante bzw.
Stegkante zumindest teilweise mit der vorher aufgebrachten ersten metallischen Schutzschicht,
aber nicht mit der wahlweise vorher aufgebrachten keramischen Wärmedämmschicht (TBC
= Thermal Barrier Coating) überlappt.
[0010] Die Vorteile der Erfindung bestehen darin, dass der Grundkörper der Turbinenschaufel
an allen kritischen Oberflächen, die dem Heissgas ausgesetzt sind, gegen Oxidation
geschützt wird und gleichzeitig die Schaufelspitze tolerant gegenüber Reibkontakten
mit dem Hitzeschild ist, was eine Verkleinerung des Heissgasspaltes und damit eine
Verringerung der Leckageverluste erlaubt. Auf diese Weise kann der Wirkungsgrad der
Turbine signifikant gesteigert werden.
[0011] Die erfindungsgemässe Schaufel kann durch ein kostengünstiges und einfach umsetzbares
Verfahren hergestellt werden.
[0012] Durch die erhöhte Verschleissbeständigkeit der Turbinenschaufel gegenüber Reibkontakten
können relativ dichte keramische Beschichtungen an den Hitzeschildern appliziert werden.
Somit kann ein gutes Einreibverhalten mit der erforderlichen Langzeit-Erosionsbeständigkeit
der keramischen Beschichtungen auf den Hitzeschildern kombiniert werden.
[0013] Von besonderem Vorteil ist, dass die Turbinenschaufel direkt nach dem Laserauftragsschweissen
(LMF-Schritt) ohne eine weitere Wärmebehandlung in den Rotor der Turbine eingeschaufelt
und somit für den Turbinenbetrieb eingesetzt werden kann.
[0014] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen beschrieben.
[0015] So kann beispielsweise die metallische Schutzschicht von einer keramischen Wärmedämmschicht
bedeckt sein und die durch Laserauftragsschweissen aufgebrachte zweite oxidations-
und verschleissbeständige Schutzschicht überlappt zumindest teilweise nur mit der
metallischen Schutzschicht, nicht aber mit der keramischen Wärmedämmschicht. Dadurch
wird ein optimaler Oxidationsschutz erreicht und die Integrität der TBC wird nicht
beeinträchtigt, d.h. ein Abplatzen der TBC wird verhindert.
[0016] Weiterhin ist es vorteilhaft, wenn die verschleiss- und oxidationsbeständige Schutzschicht
aus einem Abrasivmaterial, welches vorzugsweise kubisches Bornitrid (cBN) ist, und
aus einem oxidationsbeständigen metallischen Bindermaterial besteht, insbesondere
mit folgender chemischen Zusammensetzung (Angaben in Gew.- %) aufweist: 15-30 Cr,
5-10 Al, 0.3-1.2 Y, 0.1-1.2 Si, 0-2 andere, Rest Ni, Co.
[0017] Von Vorteil ist ausserdem, wenn der Anteil an Abrasivmaterial in der verschleiss-
und oxidationsbeständigen mehrlagigen Schutzschicht in radialer Richtung nach aussen
zunimmt, weil das eine optimale Anpassung an die Beanspruchungsbedingungen gewährleistet.
[0018] Die Erfindung kann für alle Schaufeltypen einer Turbine eingesetzt werden. Bei Schaufeln
ohne Deckband (shroud) wird die Abrasivschicht dabei auf die Krone (oder einen Teil
der Krone) aufgebracht. Bei Schaufeln mit Deckband kann die Methode zum besseren Verschleissschutz
des Deckbandstegs eingesetzt werden.
[0019] Die beschriebene Realisierung der Turbinenschaufel ist sowohl für die Neuteilfertigung,
als auch für das Rekonditionieren (Retrofit) anwendbar. Dabei muss der bestehende
Fertigungsprozess nur minimal angepasst werden.
[0020] Ein besonders interessantes kommerzielles Potential besteht im Retrofit bzw. Rekonditionieren
bestehender Schaufeln. Derartige Schaufeln können mit dem erfindungsgemässen Verfahren
modifiziert werden, um beim Neueinbau geringere Leckageverluste und damit einen verbesserten
Wirkungsgrad der Turbine zu erreichen. Für diese Option muss dabei vorher nicht eine
eventuell bereits bestehende Schutzschicht auf dem Schaufelblatt entfernt werden,
was ein vereinfachtes Herstellungsverfahren ermöglicht.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0021] In den Zeichnungen sind Ausführungsbeispiele der Erfindung dargestellt. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Turbinenschaufel für den Rotor einer Gasturbine mit einer als Krone ausgebildeten
Schaufelspitze gemäss einem ersten Ausführungsbeispiel der Erfindung;
- Fig. 2
- einen schematischen Schnitt entlang der Linie II-II in Fig. 1;
- Fig. 3
- fotographische Aufnahmen von mit dem LMF-Verfahren erzeugten verschleiss- und oxidationsbeständigen
Panzerungen von Turbinenschaufelspitzen in zwei erfindungsgemässen Varianten;
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung eines weiteren Ausführungsbeispieles der Erfindung anhand
einer Turbinenschaufel mit Deckband;
- Fig. 5
- die Fertigungsabfolge bei der Herstellung einer Turbinenschaufel gemäss der Erfindung
in zwei Varianten;
- Fig. 6
- die Fertigungsabfolge bei der Herstellung einer Turbinenschaufel gemäss der Erfindung
in einer weiteren Variante und
- Fig. 7
- eine beispielhafte Beschichtungsvorrichtung für das LMF Verfahren.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0022] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen und der Fig. 1 bis
6 näher erläutert.
[0023] Fig. 1 zeigt in einer perspektivischen Darstellung eine Turbinenschaufel 1 für einen
(hier nur schematisch angedeuteten) Rotor 13 einer Gasturbine, während in Fig. 2 ein
Schnitt entlang der Linie II-II in Fig. 1 vergrössert dargestellt ist. Die Turbinenschaufel
1 weist ein sich in radialer Richtung r (bezogen auf den Rotor) erstreckendes Schaufelblatt
2 auf, welches an der Schaufelspitze 9 als Krone 3 mit sich in radialer Richtung erstreckenden
innerer und äusserer Kronenkanten ausgebildet ist. Das Grundmaterial des Schaufelblattes
ist beispielsweise eine Nickel-Basis-Superlegierung. Die Oberfläche des Schaufelblattes
ist zumindest an den Kronenkanten (s. Fig. 2) mit einer oxidationsbeständigen Schutzschicht
4 beschichtet, hier einer metallischen MCrAIY-Schicht, welche bevorzugt durch an sich
bekannte Plasmaspritzverfahren aufgebracht wurde. An der radial ganz aussen gelegenen
Schaufelspitze 9 der Turbinenschaufel 1 ist diese metallische Schutzschicht 4 nicht
vorhanden, und zwar entweder deshalb, weil in den vorangegangenen Verfahrensschritten
zur Herstellung der Turbinenschaufel keine derartige Schutzschicht aufgebracht worden
ist, oder weil diese mit Hilfe mechanischer und/oder chemischer Methoden entfernt
worden ist. In einem letzten Verfahrensschritt zur Herstellung der fertigen Turbinenschaufel
wird erfindungsgemäss die radial aussen gelegene Schaufelspitze aus einer mittels
bekanntem Laserauftragsschweissen aufgebauten zweiten verschleiss- und oxidationsbeständigen
Schutzschicht 5 aufgebaut, wobei diese zweite Schutzschicht 5 auf der Schaufelspitze
9 entlang der äusseren und/oder inneren Kronenkante zumindest teilweise mit der dort
angeordneten ersten metallischen Schutzschicht 4 überlappt. Die Schutzschicht 5 kann
dabei einlagig oder auch mehrlagig sein. Insbesondere mit mehrlagigen sich überlappenden
Schutzschichten 5, welche mittels LMF aufgebracht werden, kann gut eine Variation
der Länge L der Turbinenschaufel 1 realisiert werden.
[0024] Die Schutzschicht 5 besteht aus einem Abrasivmaterial 6, welches vorzugsweise kubisches
Bornitrid (cBN) ist, und einem oxidationsbeständigen Bindermaterial, welches vorzugsweise
folgende chemische Zusammensetzung (Angaben in Gew.- %) aufweist: 15-30 Cr, 5-10 Al,
0.3-1.2 Y, 0.1-1.2 Si, 0-2 andere, Rest Ni, Co. Ein konkret angewendetes gut geeignetes
Bindermaterial ist z. B. die kommerzielle Legierung Amdry995.
[0025] Besonders gut ist das an den Fig. 3a und 3b zu sehen, die Fotos von erfindungsgemäss
beschichteten Schaufelspitzen zeigen. In der verschleissund oxidationsbeständige Schutzschicht
5 kann man sehr gut die spitzen cBN-Teilchen als Abrasivmaterial 6 erkennen, die im
Bindermaterial 7 eingebettet sind. Diese Schutzschicht 5 wurde durch LMF mit Hilfe
eines fasergekoppelten Hochleistungsdiodenlasers mit max. 1000W Ausgangsleistung realisiert.
In Fig. 3a (links) überlappt die neue Beschichtung teilweise mit einer vorgängig durch
Plasmasprayen aufgebrachten MCrAIY-Schutzschicht 4. In Fig. 3b hat die Turbinenschaufel
1 auf der MCrAIY-Schicht 4 eine zusätzliche keramische Wärmedämmschicht (TBC) 4a.
[0026] Fig. 4 zeigt schematisch ein weiteres Ausführungsbeispiel für eine erfindungsgemässe
Turbinenschaufel 1 mit einem Deckband 11, das radial aussen an der Schaufelspitze
angeordnet ist und einen Steg 12 aufweist. Auch hier kann durch die mittels LMF aufgebrachte
verschleiss- und oxidationsbeständige Schutzschicht 5, welche die metallische Schutzschicht
4 zumindest teilweise überlappt, eine qualitativ sehr gute Schaufel erreicht werden.
[0027] Das Besondere des hier beschriebenen Ansatzes besteht in der speziellen Auslegung
einer solchen verschleissfesten Schutzschicht 5. Die ein- oder mehrlagige Schicht
5 wird so appliziert, dass sie zumindest teilweise mit anderen bestehenden Schutzschichten
4 überlappt. Bei den bereits bestehenden Schutzschichten 4 handelt es sich z.B. um
aus dem Stand der Technik bekannte MCrAlY-Schichten (M= Ni, Co, oder eine Kombination
beider Elemente), die bei den meisten hochbelasteten Turbinenschaufeln die Oberflächen
des Schaufelblattes gegen Oxidation und Korrosion schützen. Weiterhin kann auf dieser
MCrAlY-Schicht zusätzlich auf dem Schaufelblatt eine keramische Dämmschicht (TBC,
Thermal Barrier Coating) aufgebracht sein, deren Integrität durch die vorgeschlagene
Methode nicht beeinträchtigt wird.
[0028] Die vorgeschlagene Ausführung einer oxidationsbeständigen Abrasivschicht auf der
Schaufelspitze gewährleistet durch die Überlappung mit den bereits bestehenden Schutzschichten
einen effizienten Schutz der gegenüber dem Heissgas exponierten Flächen der Schaufelspitze.
Eine Applikation dieser Verschleissschutzschicht durch das LMF-Verfahren ermöglicht
es zudem, diese Beschichtungsoperation als letzten Fertigungsschritt im Herstellungsprozess
anzusetzen. Damit werden die folgenden technischen Probleme umgangen:
- Bei der MCrAlY-Beschichtung muss die Oberfläche durch Sandstrahlen und/oder Reinigung
mit übertragenem Lichtbogen vorgängig von Oxiden befreit werden, um eine optimale
Anbindung zu gewährleisten. Eine mit herkömmlichen (z.B galvanischen) Verfahren aufgebrachte
Abrasivschicht, müsste während der Vorbereitung zur MCrAIY-Beschichtung durch eine
entsprechende Maskierung gegen Schädigung geschützt werden, was Zusatzaufwand und
Zusatzkosten verursachen würde.
- MCrAlY-Beschichtungen werden meist durch Plasmaspritzen hergestellt. Im Anschluss
an das Aufbringen der Beschichtung ist ein Diffusions-Wärmebehandlungsschritt bei
Temperaturen im Bereich >1050°C erforderlich. Bei diesem Prozessschritt können durch
die hohen Temperaturen die Eigenschaften von vorher aufgebrachten Abrasivbeschichtungen
negativ beeinflusst werden.
[0029] O.g. Probleme werden umgangen, wenn wie hier beschrieben, die Abrasivschicht als
letzter Schritt in der Prozesskette durch das Laserauftragsschweissen aufgebracht
wird. Eine einfache und kosteneffiziente Umsetzung besteht darin, die in radialer
Richtung aussen gelegenen MCrAlY- (ggf. auch TBC-) Schicht(en) durch Abfräsen oder
Abschleifen bzw. durch chemische Prozesses um einen definierten Betrag komplett zu
entfernen. Auf das nun exponierte Grundmaterial wird anschliessend die Verschleissschutzschicht
durch LMF aufgebracht. Entscheidend ist dabei die lokal sehr begrenzte Einwirkung
des Laserstrahls, die bei kontrollierter Prozessführung die Einwirkungen auf die benachbarten
Bereiche der Schaufel sehr gering hält. Es wird damit möglich, eine solche verschleissfeste
Schicht in unmittelbarer Nähe zu einer TBC-Schutzschicht aufzubringen, ohne diese
zu beschädigen (siehe z.B. Fig. 4b).
[0030] Im Gegensatz zu konventionellen (z.B. galvanischen) Beschichtungsmethoden, müssen
die nicht zu beschichtenden Flächen der Turbinenschaufel 1 (z.B. der Schaufelfuss)
nicht durch ein Maskierungsverfahren geschützt werden. Der LMF-Prozess ist ein Schweissverfahren
und erzeugt ohne zusätzliche Diffusions-Wärmebehandlung eine stabile metallurgische
Verbindung mit dem Grundkörper der Schaufel. Durch die geringe lokale Wärmeeinbringung
wird die lokale Aufhärtung trotz des schnellen Erstarrungsprozesses klein gehalten.
Damit kann die Komponente unmittelbar nach dem Applizieren der verschleissbeständigen
Schutzschicht ohne weitere nachfolgende Schritte eingebaut werden.
[0031] Fig. 5 zeigt verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten. Bei der ersten Designvariante
(Fig. 5a bis 5c) wird zunächst z.B. durch Plasmaspritzen die verschleissbeständige
MCrAlY-Schutzschicht 4 auf dem Schaufelblatt 1 appliziert. Anschliessend wird diese
Schutzschicht 4 lokal an der Schaufelspitze z.B. durch Abfräsen oder Abschleifen entfernt
(Fig. 5b). Als letzte Operation wird die verschleiss- und oxidationsbeständige Schutzschicht
5 durch die LMF-Methode aufgebracht. Die zuletzt aufgebrachte Schutzschicht 5 überlappt
dabei zumindest teilweise mit der vorher applizierten oxidationsbeständigen MCrAlY-Schutzschicht
4 (Fig. 5c). Dadurch wird der gesamte Schaufelkörper gegen Oxidation bei hohen Einsatztemperaturen
geschützt.
[0032] Wie oben bereits beschrieben, ist es möglich, in einem weiteren vorangehenden Herstellungsschritt
die Schaufelspitze mit einer zusätzlichen Wärmedämmschicht 4a zu versehen. In der
in Fig. 5f gezeigten Designvariante ist die verschleissbeständige Schutzschicht 5
erst nach der TBC-Beschichtung 4a (Fig. 5d) und dem Abschleifen der MCrAlY-Schicht
4 und TBC-Schicht 4a (Fig. 5e) an der Schaufelspitze durch Laser Metal Forming aufgebracht.
Dabei wird durch geeignete Führung des Beschichtungskopfes (z.B. durch einen Roboter
oder eine CNC) sichergestellt, dass während des LMF-Verfahrens keine Wechselwirkung
des Laserstrahls mit der keramischen Beschichtung erfolgt. Gleich wie in der ersten
Variante überlappt die verschleiss- und oxidationsbeständige Schutzschicht 5 jedoch
mit der vorher applizierten MCrAlY-Schutzschicht 4, um optimalen Schutz des Schaufelblattes
1 gegen Oxidation zu gewährleisten. Durch die lokal begrenzte und minimierte Wärmeeinbringung
kann die LMF-Methode in unmittelbarer Nähe zu der keramischen Wärmedämmschicht 4a
ausgeführt werden, ohne dass es zum Abplatzen des TBC kommt.
[0033] Ein weiteres Ausführungsbeispiel ist in Fig. 6 dargestellt: Diese Variante kann z.B.
dann zur Anwendung kommen, wenn die Krone 3 der Turbinenschaufel 1 so breit ist, dass
die verschleiss- und oxidationsbeständige Schutzschicht 5 nicht mit einer einzelnen
Schweissspur aufgebracht werden kann. In solchen Fällen kann zunächst mindestens eine
mehrspurige, überlappende Zwischenschicht 8 aus oxidationsbeständigem Bindermaterial
7 appliziert werden. Anschliessend wird mindestens eine weitere Spur unter kombinierter
Zufuhr von Bindermaterial 7 und Abrasivmaterial 6 auf die zuerst deponierte(n) Schicht(en)
aufgebracht. Es ist dabei nicht nötig, dass die Abrasivteilchen 6 auf der ganzen Breite
der Schaufelspitze 9 verteilt werden. Somit erlaubt die in Fig. 6 gezeigte Variante
eine kostenoptimierte Fertigung der oxidations- und verschleissbeständigen Schaufelspitze.
[0034] Fig. 7 zeigt beispielhaft eine Beschichtungsvorrichtung 14 zur Ausführung des letzten
Schrittes des erfindungsgemässen Verfahrens. Die Vorrichtung 14 ist in
EP 1 476 272 B1 im Detail beschrieben, der Inhalt dieses Dokuments ist Bestandteil der vorliegenden
Anmeldung. Beim Laserauftragsschweissen der Schaufelspitze 9 werden Abrasivmaterial
6 und oxidationsbeständiges Bindermaterial 7 in einer Pulverdüse gemischt, mittels
eines Trägergases 15 transportiert und anschliessend konzentrisch um den Laserstrahl
10 als fokussierter Pulverstrahl in das vom Laserstrahl 10 erzeugte Schmelzbad 16
an der Schaufelspitze 9 eingedüst. Zusätzlich wird während des Laserauftragsschweissens
online die Temperatur oder Temperaturverteilung im Schmelzbad erfasst (optisches Temperatursignal
17) und diese Information wird mit Hilfe eines nicht in Fig. 7 dargestellten Regelsystems
verwendet, um die Laserleistung während des Laserauftragschweissens zu kontrollieren
und/ oder die Relativbewegung zwischen dem Laserstrahl 10 und der Turbinenschaufel
1 kontrolliert zu verändern.
[0035] Die Erfindung kann auf vielfältige Weise für deckbandlose Turbinenschaufeln, aber
auch für Komponenten mit Deckband eingesetzt werden. Zu beachten ist die von den jeweiligen
Betriebsbedingungen (Temperatur, Brennstoff) abhängige Lebensdauer der Abrasivbeschichtung.
Durch eine gute Verteilung und komplette Einbettung der Abrasivteilchen in die oxidationsbeständige
Bindermatrix wird eine Lebensdaueroptimierung erreicht. Dennoch ist das Hauptziel
der Erfindung, die Turbinenschaufelspitze vor allem während der Einlaufphase zu schützen.
Dies entspricht einer Dauer von mehreren Dutzend bis mehreren Hundert Betriebsstunden.
[0036] Selbstverständlich ist die Erfindung nicht auf die beschriebenen Ausführungsbeispiele
beschränkt.
Bezugszeichenliste
[0037]
- 1
- Turbinenschaufel
- 2
- Schaufelblatt
- 3
- Krone
- 4, 4a
- erste oxidationsbeständige Schutzschicht (4 metallische Schicht, 4a keramische Wärmedämmschicht)
- 5
- zweite verschleiss- und oxidationsbeständige Schutzschicht
- 6
- Abrasivmaterial
- 7
- Bindermaterial
- 8
- Zwischenschicht aus oxidationsbeständigem Bindermaterial
- 9
- Schaufelspitze
- 10
- Laserstrahl
- 11
- Deckband
- 12
- Steg
- 13
- Rotor
- 14
- Beschichtungsvorrichtung
- 15
- Trägergas
- 16
- Schmelzbad
- 17
- optisches Temperatursignal
- r
- radiale Richtung
- L
- Länge der Turbinenschaufel
1. Turbinenschaufel (1) für den Rotor (13) einer Turbine, mit einem eine Schaufelspitze
(9) aufweisenden, sich in radialer Richtung (r) erstreckenden Schaufelblatt (2), welches
an der Schaufelspitze (9) entweder als Krone (3) mit einer sich in radialer Richtung
(r) erstreckender inneren und äusseren Kronenkante ausgebildet ist oder als Deckband
(11) mit einem sich in radialer Richtung erstreckendem Steg (12) mit seitlichen Kanten,
wobei das Schaufelblatt (2) auf seiner Oberfläche zumindest in bestimmten Zonen mit
mindestens einer ersten Schutzschicht (4, 4a) aus oxidationsbeständigem Material versehen
ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die mindestens eine erste oxidationsbeständige Schutzschicht (4) eine metallische
Schicht, insbesondere eine MCrAlY-Schicht ist,
- diese erste Schutzschicht (4) zumindest an der inneren und/oder äusseren Kronenkante
oder an den Stegkanten angeordnet ist,
- diese erste Schutzschicht (4) an der radial aussen gelegenen Schaufelspitze (9)
der Turbinenschaufel (1) nicht vorhanden ist und
- die radial aussen gelegene Schaufelspitze (9) aus einer mittels bekanntem Laserauftragsschweissen
aufgebauten zweiten mindestens einlagigen verschleiss- und oxidationsbeständigen Schutzschicht
(5) besteht, wobei diese zweite Schutzschicht (5) auf der Schaufelspitze (9) entlang
der äusseren und/oder inneren Kronenkante bzw. der Stegkanten zumindest teilweise
mit der dort angeordneten ersten metallischen Schutzschicht (4) überlappt.
2. Turbinenschaufel (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine metallische Schutzschicht (4) von einer keramischen Wärmedämmschicht
(4a) bedeckt ist und wobei die durch Laserauftragsschweissen aufgebrachte zweite oxidations-
und verschleissbeständige Schutzschicht (5) nur mit der metallischen Schutzschicht
(4), nicht aber mit der keramischen Wärmedämmschicht (4a), zumindest teilweise überlappt.
3. Turbinenschaufel (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die verschleiss- und oxidationsbeständige Schutzschicht (5) aus einem Abrasivmaterial
(6) und einem oxidationsbeständigen metallischen Bindermaterial (7) besteht.
4. Turbinenschaufel (1) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Abrasivmaterial (6) kubisches Bornitrid (cBN) ist.
5. Turbinenschaufel (1) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das oxidationsbeständige Bindermaterial (7) folgende chemische Zusammensetzung (Angaben
in Gew.- %) aufweist: 15-30 Cr, 5-10 Al, 0.3-1.2 Y, 0.1-1.2 Si, 0-2 andere, Rest Ni,
Co.
6. Turbinenschaufel (1) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an Abrasivmaterial (6) in der Schutzschicht (5), sofern diese mehrlagig
ausgebildet ist, in radialer Richtung (r) nach aussen zunimmt.
7. Turbinenschaufel (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen der ersten metallischen Schutzschicht (4) und der zweiten verschleiss- und
oxidationsbeständigen Schutzschicht (5) zusätzlich eine Zwischenschicht (8), welche
ausschliesslich aus oxidationsbeständigem Bindermaterial (7) besteht, angeordnet ist,
wobei die Zwischenschicht (8) die erste Schutzschicht (4) zumindest teilweise überlappt
und wobei die zweite Schutzschicht (5) die Zwischenschicht (8) wiederum zumindest
teilweise überlappt.
8. Turbinenschaufel (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Turbinenschaufel (1) eine rekonditionierte Turbinenschaufel ist.
9. Turbinenschaufel (1) nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Turbinenschaufel in einem vorangegangenen Serviceintervall der Turbine ohne abrasive
Schaufelspitze (9) eingesetzt worden ist.
10. Turbinenschaufel (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Turbinenschaufel (1) eine Neukomponente ist.
11. Turbinenschaufel (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 10 mit einer Länge (L), dadurch gekennzeichnet, dass die Länge (L) mittels der durch Laserauftragsschweissen aufgebauten Schichten (5)
variierbar ist.
12. Verfahren zur Herstellung einer Turbinenschaufel (1) nach einem der Ansprüche 1 bis
11, wobei in einem vorausgegangenen Herstellungsschritt das Schaufelblatt (2) der
Turbinenschaufel (1) auf seiner Oberfläche zumindest in bestimmten Zonen mit der oxidationsbeständigen
metallischen Schutzschicht (4), insbesondere MCrAlY-Schicht, beschichtet und wahlweise
auf diese Schutzschicht (4) eine oxidationsbeständige keramische Wärmedämmschicht
(4a) aufgebracht wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die mindestens eine oxidationsbeständige Schutzschicht (4, 4a) an der radial aussen
gelegenen Schaufelspitze (9) durch kontrollierte mechanische Bearbeitung, insbesondere
Abschleifen, CNC Fräsen, und/oder chemisches Entschichten, entfernt wird, und anschliessend
- die verschleiss- und oxidationsbeständige Schutzschicht (5) mittels bekanntem Laserauftragsschweissen
in einer Lage oder in mehreren Lagen auf die Schaufelspitze (9) derart aufgebracht
wird, dass sie entlang der äusseren und/oder inneren Kronenkante oder der Stegkanten
zumindest teilweise mit der vorher aufgebrachten ersten metallischen Schutzschicht
(4), aber nicht mit der wahlweise vorher aufgebrachten keramischen Wärmedämmschicht
(4a) überlappt.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass beim Schritt des Laserauftragsschweissens der Schaufelspitze (9) Abrasivmaterial
(6) und oxidationsbeständiges Bindermaterial (7) in einer Pulverdüse gemischt und
anschliessend konzentrisch um den Laserstrahl (10) als fokussierter Pulverstrahl in
das vom Laserstrahl (10) erzeugte Schmelzbad an der Schaufelspitze (9) eingedüst werden.
14. Verfahren nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich während des Laserauftragsschweissens online die Temperatur oder Temperaturverteilung
im Schmelzbad erfasst wird und dass diese Information mit Hilfe eines Regelsystems
verwendet wird, um die Laserleistung während des Laserauftragschweissens zu kontrollieren
und/ oder die Relativbewegung zwischen dem Laserstrahl (10) und der Turbinenschaufel
(1) kontrolliert zu verändern.