[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein mikrofluidisches Element zur Bestimmung eines
Analyten in einer Flüssigkeitsprobe, bevorzugt in einer Körperflüssigkeitsprobe. Das
Element umfasst ein Substrat und eine Kanalstruktur, die von dem Substrat und einer
Deckschicht umschlossen wird.
[0002] Mikrofluidische Elemente zum Analysieren einer Flüssigkeitsprobe und zum Durchmischen
einer Flüssigkeit mit einem Reagenz werden in diagnostischen Tests (In-Vitro-Diagnostik)
eingesetzt. Bei diesen Tests werden Körperflüssigkeitsproben auf einen darin enthaltenen
Analyten für medizinische Zwecke untersucht. Der Begriff Durchmischen umfasst dabei
sowohl die Möglichkeit, dass das Reagenz in flüssiger Form vorliegt, dass also zwei
Flüssigkeiten miteinander gemischt werden. Daneben umfasst der Begriff die Möglichkeit,
dass das Reagenz als Feststoff vorliegt und in einer Flüssigkeit aufgelöst und homogenisiert
wird. In vielen Anwendungsfällen wird das feste Trockenreagenz in flüssiger Form in
das fluidische Element eingebracht und in einem weiteren Schritt getrocknet, bevor
das Element zur Analyse verwendet wird. Ein wichtiger Bestandteil bei der Analyse
sind Testträger, auf denen mikrofluidische Elemente mit Kanalstrukturen zur Aufnahme
einer Flüssigkeitsprobe vorhanden sind, um die Durchführung aufwendiger und mehrstufiger
Testführungen ("Testprotokolle") zu ermöglichen. Ein Testträger kann ein oder mehrere
fluidische Elemente umfassen.
[0003] Testträger und fluidische Elemente bestehen aus einem Trägermaterial, üblicherweise
aus einem Substrat aus Kunststoffmaterial. Geeignete Materialien sind beispielsweise
COC (Cyclo-Olefin-Copolymer) oder Kunststoffe wie PMMA, Polycarbonat oder Polystyrol.
Die Testträger weisen einen Probenanalysekanal auf, der von dem Substrat und einem
Deckel oder einer Deckschicht umschlossen wird. Der Probenanalysekanal besteht häufig
aus einer Aufeinanderfolge mehrerer Kanalabschnitte und dazwischen liegender im Vergleich
zu den Kanalabschnitten erweiterter Kammern. Die Strukturen und Dimensionen des Probenanalysekanals
mit seinen Kammern und Abschnitten werden durch eine Strukturierung von Kunststoffteilen
des Substrats definiert, die beispielsweise durch Spritzgießtechniken oder andere
Verfahren zur Herstellung von geeigneten Strukturen erzeugt werden. Auch ist es möglich,
die Struktur durch materialabtragende Verfahren wie beispielsweise Fräsen einzubringen.
[0004] Fluidische Testträger werden beispielsweise bei immunchemischen Analysen mit einem
mehrstufigen Testablauf verwendet, bei dem eine Trennung von gebundenen und freien
Reaktionsbestandteilen stattfindet. Dazu ist ein gesteuerter Flüssigkeitstransport
notwendig. Die Steuerung des Prozessablaufs kann mit internen (innerhalb des fluidischen
Elements) oder mit externen (außerhalb des fluidischen Elements) Maßnahmen erfolgen.
Die Steuerung kann auf der Anwendung von Druckunterschieden oder auch der Änderung
von Kräften basieren, beispielsweise aus der Änderung der Wirkrichtung der Schwerkraft
resultieren. Bei auftretenden Zentrifugalkräften, die auf einen rotierenden Testträger
einwirken, kann eine Steuerung durch Änderung der Rotationsgeschwindigkeit oder der
Drehrichtung oder durch den Abstand von der Drehachse vorgenommen werden.
[0006] Zur Durchführung der Analysen enthält der Probenanalysekanal der mikrofluidischen
Elemente zumindest ein Reagenz, das mit einer in den Kanal eingebrachten Flüssigkeit
reagiert. Die Flüssigkeit und das Reagenz werden in dem Testträger miteinander so
vermischt, dass eine Reaktion der Probenflüssigkeit mit dem Reagenz zu einer Änderung
einer Messgröße führt, die für den in der Flüssigkeit enthaltenen Analyten charakteristisch
ist. Die Messgröße wird an dem Testträger selbst gemessen. Gebräuchlich sind optisch
auswertbare Messverfahren, bei denen eine Farbänderung oder eine andere optisch messbare
Größe detektiert werden.
[0007] Für die Durchführung der Analyse ist es entscheidend, dass das in getrockneter Form
vorliegende Reagenz von der Probenflüssigkeit gelöst und mit dieser durchmischt wird.
Im Stand der Technik werden einige Anstrengungen unternommen, um das Durchmischen
zu optimieren. Beispielsweise wird bei rotierenden Testträgern, die in einem Analysesystem
um eine Rotationsachse gedreht werden, das Durchmischen durch schnelle Änderungen
der Drehrichtung gefördert. Dieser entstehende "Schüttel-Modus" (Shake-Mode) ist in
einer besonderen Ausprägung beispielsweise bei Markus Grumann, "Readout of Diagnostic
Assays on a Centrifugal Microfluidic Platform", (Dissertation Universität Freiburg,
2005, URN (NBN): urn:nbn:de:bsz:25-opus-22723), beschrieben.
[0008] Weitere bekannte Methoden zur Verbesserung des Durchmischens von Probenflüssigkeit
und Reagenz umfassen das Einbringen von Magnetpartikeln, die durch Einwirken eines
Elektro- oder Permanentmagneten in Bewegung versetzt werden. Durch die Integration
der Partikel steigt der Aufwand bei der Herstellung der Testträger. Zusätzlich müssen
die Analysesysteme über weitere Komponenten, nämlich den Magneten, verfügen und wird
deshalb teuer.
[0009] Andere Methoden schließen z. B. Elemente ein, deren Kapillarkanäle spezielle Strömungshindernisse
enthalten. Die Herstellung derartiger Hindernisse, wie zum Beispiel Rippen, müssen
in der Mikrostruktur ausgebildet werden und sind deshalb teuer und erschweren den
Herstellungsprozess des Testträgers. Außerdem eignen sich solche Strukturen nicht
für alle Mischprozesse bzw. nicht für alle Reagenzien und Probenflüssigkeiten.
[0010] Trotz der vielfältigen Bemühungen, Mischvorgänge in mikrofluidischen Elementen, insbesondere
das Durchmischen von getrockneten festen Reagenzien und Probenflüssigkeiten zu verbessern,
besteht weiterer Bedarf an einem mikrofluidischen Element bzw. Testträger, bei dem
das Durchmischen insbesondere von kleinen Probenflüssigkeiten verbessert ist. Des
Weiteren soll das fluidische Element geeignet sein, um gleichzeitig unterschiedliche
Reagenzien, die getrennt eingebracht sind und sich z. B. an unterschiedlichen räumlichen
Stellen befinden, anzulösen und die Probenflüssigkeit mit unterschiedlichen Reagenzien
reagieren zu lassen.
[0011] Gelöst wird das bestehende Problem durch ein mikrofluidisches Element mit den Merkmalen
des Anspruchs 1.
[0012] Im Folgenden wird die Erfindung und deren Vorteile unter Bezugnahme auf einen Testträger
zur Analyse einer Körperflüssigkeitsprobe auf einen darin enthaltenen Analyten ohne
Einschränkung der Allgemeinheit eines mikrofluidischen Elements beschrieben und erläutert.
Neben Körperflüssigkeiten können auch andere Probenflüssigkeiten analysiert werden.
[0013] Im Rahmen der Erfindung wird unter einem mikrofluidischen Element ein Element mit
einer Kanalstruktur verstanden, bei dem die kleinste Dimension der Kanalstruktur mindestens
1 µm und dessen größte Dimension (beispielsweise Länge des Kanals) höchstens 10 cm
beträgt. Aufgrund der kleinen Dimensionen und der kapillaren Kanalstrukturen herrschen
in den Kanälen bzw. Kanalabschnitten vorwiegend laminare Strömungsverhältnisse. Die
daraus resultierenden schlechten Bedingungen für ein Durchmischen von Flüssigkeit
und Feststoff in solchen Kapillarkanälen werden durch das erfindungsgemäße mikrofluidische
Element deutlich verbessert.
[0014] Das mikrofluidische Element rotiert um eine Rotationsachse. Die Rotationsachse erstreckt
sich bevorzugt durch das mikrofluidische Element. Sie verläuft durch eine vorbestimmte
Position, bevorzugt z. B. durch den Schwerpunkt oder den Mittelpunkt des Elements.
In einer bevorzugten Ausgestaltung erstreckt sich die Rotationsachse senkrecht zur
Oberfläche des fluidischen Elements, das bevorzugt eine flache, scheibenartige Form
hat und z. B. eine runde Scheibe sein kann. Dazu ist das mikrofluidische Element beispielsweise
in einer Halterung eines Analysegeräts gehalten, wobei die Rotationsachse von einer
Drehwelle des Geräts gebildet wird. Durch eine entsprechende Strukturierung eines
Substrats des Elements wird eine Kanalstruktur gebildet, die einen Zuführkanal mit
einer Zuführöffnung und einen Entlüftungskanal mit einer Entlüftungsöffnung sowie
wenigstens zwei Reagenzkammern umfasst. In wenigstens einer der Reagenzkammern ist
ein Reagenz enthalten, das bevorzugt in fester Form als Trockenreagenz vorliegt und
das mit der Flüssigkeitsprobe, die in die Kanalstruktur eingebracht wird, reagiert.
Je zwei benachbarte Reagenzkammern sind über wenigstens zwei Verbindungskanäle derart
miteinander verbunden, dass ein Fluidaustausch zwischen den beiden Reagenzkammern
ermöglicht wird. Dabei hat eine der Reagenzkammern eine Einlassöffnung, die so in
Fluidverbindung mit dem Zuführkanal steht, dass eine Flüssigkeitsprobe aus dem Zuführkanal
in die Reagenzkammern einströmen kann.
[0015] Im Rahmen der Erfindung wurde erkannt, dass - im Gegensatz zu den im Stand der Technik
bekannten mikrofluidischen Elementen - mit den über wenigstens zwei Verbindungskanäle
verbundenen Reagenzkammern mehrstufiger Reaktionsführungen möglich sind und die Anordnung
vielfältige Kontrollmöglichkeiten bietet. Insbesondere ermöglicht die Anordnung, unterschiedliche
Reagenzien, die getrennt voneinander eingebracht wurden, ohne sich beim Eintrocknen
zu vermischen, in einem einzigen Prozessschritt aufzulösen, wobei das Auflösen fluidisch
nicht behindert wird.
[0016] Die wenigstens zwei Verbindungskanäle zwischen den beiden Reagenzkammern ermöglichen
einen ungehinderten und schnellen Fluidaustausch. Im Rahmen der Erfindung wurde erkannt,
dass mehr als zwei Verbindungskanäle vorteilhaft sind. Besonders bevorzugt werden
drei Verbindungskanäle eingesetzt, die z. B. im Wesentlichen parallel zueinander angeordnet
sein können. Die Reagenzkammern werden durch die beiden Verbindungskanäle fluidisch
derart hintereinander geschaltet, dass eine Fluid-Reihenschaltung entsteht. Die Reagenzkammern
sind geometrisch eigenständige Komponenten und weisen ein eigenes Aufnahmevolumen
auf. Fluidisch sind sie jedoch eine einzige Fluidkammer. Somit werden die positiven
Eigenschaften von Einzelreagenzkammern mit den Eigenschaften einer einzigen Fluidkammer
kombiniert. Die festen Trockenreagenzien werden in flüssiger Form in die Kammern eingebracht
und dann getrocknet. Dieses Eintrocknen geschieht entweder durch Erhitzen oder durch
ein Gefrieren, dass bevorzugt bei Temperaturen von unter -60 °C, besonders bevorzugt
bei ca. -70 °C stattfindet. Bevorzugt ist der Testträger, um das Eintrocknen des flüssigen
Reagenz zu verbessern, vorgekühlt. Insbesondere bei "tensidhaltigen" Reagenzien wird
das "kalte Eintrocknen" durch Gefrieren bevorzugt.
[0017] Da die Reagenzkammern geometrisch voneinander getrennt sind, lassen sich in jede
der Reagenzkammern unterschiedliche Reagenzien einbringen, ohne dass es zu einem Vermischen
der Reagenzien vor oder während dem Eintrocknen kommt. Dies wird durch eine entsprechende
geometrische Gestaltung der Reagenzkammern unterstützt. Beispielsweise können die
Kammern durch scharfe Begrenzungen wie Stege oder Kanten getrennt sein, um ein Durchmischen
("Crosstalk") durch Kriecheffekte zu verhindern. Die scharfkantigen Begrenzungen bilden
zwar für den Transport des Fluids aus einer Reagenzkammer hinaus ebenfalls eine Barriere.
Diese kann jedoch durch die auftretenden Kräfte (Zentrifugalkraft, hydrostatische
Kraft) leicht überwunden werden. Durch die Möglichkeit, jede Kammer mit einem unterschiedlichen
Reagenz zu befüllen, können in nur einem Prozessschritt mehrere (unterschiedliche)
Reagenzien angelöst und homogenisiert werden.
[0018] Die Anordnung der Reagenzkammern der Kanalstruktur ist derart ausgebildet, dass eine
der Kammern rotationsachsenferner angeordnet ist als die andere Kammer, d. h. der
Abstand der einen Reagenzkammer von der Rotationsachse ist größer als der Abstand
der anderen Kammer. Durch die Rotation des mikrofluidischen Elements wird die in die
Kanalstruktur eingegebene Flüssigkeit zunächst in die rotationsachsenferne Kammer
geleitet, so dass diese Kammer zuerst gefüllt und das in der Kammer angelagerte Reagenz
gelöst wird. Die Flüssigkeit reagiert mit dem Reagenz. Dabei sind die Flüssigkeitsmenge
und das Volumen der ersten Reagenzkammer aufeinander abgestimmt.
[0019] Erst wenn eine größere Flüssigkeitsmenge in die Kanalstruktur gegeben wird bzw. aus
dem Zuführkanal in die Reagenzkammern einströmt, wird auch die zweite (und mögliche
weitere rotationsachsennähere) Reagenzkammer gefüllt. Auf diese Weise können auch
Reagenzien mit kleinen Probenmengen sehr gut gelöst werden. Im Rahmen der Erfindung
wurde erkannt, dass in vollständig gefüllten Reagenzkammern ein Lösen der Reagenzien
zuverlässiger, vollständiger und schneller erfolgt als in nur teilgefüllten Kammern.
Durch die Anordnung einer Mehrzahl von Reagenzkammern mit relativ kleinen Teilvolumen,
z. B. 2, 3, 4, 5, 6, 8, 10, 12, 15 etc. Kammern, kann eine gute Durchmischung für
eine große Zahl unterschiedlicher Volumen erzielt werden. Beispielsweise können drei
oder fünf der z. B. 12 Reagenzkammern mit dem zu untersuchenden Volumen gefüllt werden,
wobei alle Kammern vollständig gefüllt sind. Wenn alle Reagenzkammern mit dem gleichen
Reagenz bzw. der gleichen Zusammensetzung von Reagenzien gefüllt sind, kann auf diese
Weise für unterschiedliche Volumina an Probenflüssigkeit eine sehr gute Durchmischung
mit den Reagenzien erzielt werden.
[0020] In einer bevorzugten Ausführungsform sind die jeweils zwei (oder mehreren) Verbindungskanäle
zwischen zwei benachbarten Reagenzkammern parallel angeordnet. Die beabstandeten (getrennten)
Verbindungskanäle werden bevorzugt durch gerade Kanalabschnitte gebildet. Bevorzugt
ist die Länge wenigstens eines der Verbindungskanäle kleiner als die kleinste Dimension
der Reagenzkammern in Testträgerebene (Ebene quer zur Rotationsachse).
[0021] Vorteilhafterweise ist einer der wenigstens zwei Verbindungskanäle zwischen benachbarten
Reagenzkammern zentral angeordnet. Er fluchtet mit den Zentren der beiden Reagenzkammern,
die er verbindet. Bevorzugt ist der (andere) Verbindungskanal derart seitlich mit
den Reagenzkammern verbunden, dass er außerhalb der die Zentren verbindenden Zentralachse
verläuft. Besonders bevorzugt ist er tangential an den Reagenzkammern angeordnet,
dass seine Außenseite (Außenwand) mit den Außenwänden der Reagenzkammern fluchtet.
Bevorzugt ist der zentrische Verbindungskanal breiter (er hat einen größeren Querschnitt
bei gleicher Kanalhöhe) als der seitlich angeordnete Kanal.
[0022] Die Verbindungskanäle zwischen zwei benachbarten Reagenzkammern sind so ausgebildet,
dass beim Befüllen der Reagenzkammeranordnung die Flüssigkeit durch die Verbindungskanäle
von der einen Kammer in die zweite fließen kann. Gleichzeitig kann die in der noch
nicht befüllten Kammer enthaltene Luft durch einen der beiden Kanäle entweichen, bevorzugt
durch den zentrischen Verbindungskanal.
[0023] Besonders bevorzugt ist eine Ausführungsform mit drei Verbindungskanälen zwischen
zwei benachbarten Reagenzkammern. Dabei erstreckt sich ein Verbindungskanal entlang
der Zentralachse, die die Zentren von zwei benachbarten Reagenzkammern verbindet.
Dieser bevorzugt mittig angeordnete Verbindungskanal dient zum Entlüften der Reagenzkammern
beim Befüllen mit Flüssigkeit. Die beiden anderen Verbindungskanäle sind bevorzugt
tangential an den Reagenzkammern angeordnet. Durch diese Verbindungskanäle werden
die Reagenzkammern mit Flüssigkeit gefüllt bzw. strömt die Flüssigkeit von der einen
Kammer in die benachbarte zweite Kammer ein.
[0024] Bei einer Anordnung eines fluidischen Elements mit drei oder mehr Reagenzkammern
sind die wenigstens zwei Verbindungskanäle (bevorzugt drei Verbindungskanäle) jeweils
zwischen zwei benachbarten Reagenzkammern angeordnet.
[0025] Die erfindungsgemäße Kanalstruktur mit wenigstens zwei Reagenzkammern, die durch
wenigstens zwei Verbindungskanäle direkt miteinander verbunden sind, bietet eine hohe
Flexibilität, eine platzsparende und kompakte Anordnung sowie eine Reihe von funktionalen
Vorteilen:
- 1. Mit zwei miteinander verbundenen Reagenzkammern ist eine zweistufige Reaktionsführung
möglich. In einem ersten Schritt wird dabei eine Flüssigkeitsmenge, die dem Volumen
der ersten Reagenzkammer entspricht, in die erste, rotationsachsenferne Reagenzkammer
geleitet. Das darin enthaltene Trockenreagenz wird aufgelöst, so dass die erste Reaktion
stattfinden kann. In einem weiteren Schritt wird eine zweite Flüssigkeitsteilmenge
in die Anordnung der Reagenzkammern gefüllt, wobei die zweite Teilmenge dem Volumen
der zweiten Reagenzkammer entspricht. Diese zweite Teilmenge der Flüssigkeit kann
beispielsweise ein Puffermedium sein. Der Füllvorgang findet dadurch statt, dass die
zusätzliche zweite Teilmenge durch die Zentrifugalkraft zunächst in die erste Kammer
gedrückt wird und sich mit dem dort vorhandenen Fluid vermischt und erst dann in die
zweite Reagenzkammer strömt. Durch eine entsprechende Steuerung der Rotationsgeschwindigkeit
und Rotationsrichtung beginnt ein Mischvorgang, bei dem das Reagenz in der zweiten
Reagenzkammer aufgelöst wird und eine zweite Reaktion mit dem zweiten Reagenz stattfindet.
Da bei dem Anlösen jeweils beide Reagenzkammern vollständig gefüllt sind, wird eine
gute Homogenisierung und Durchmischung in den unterschiedlichen Phasen in jeweils
beiden Kammern erzielt.
- 2. Die Reagenzkammeranordnung bietet den Vorteil, dass ein optimiertes Anlösen eines
Trockenreagenz in der rotationsachsenfernen ersten Kammer dadurch stattfindet, dass
diese Kammer jeweils von dem gesamten Füllvolumen mehrfach, beim Vorhandensein von
zwei Reagenzkammern zweifach durchströmt wird. Zunächst findet ein Durchströmen der
ersten Reagenzkammer beim Füllen der Kammer statt. Das zweite Durchströmen findet
beim Entleeren der Struktur statt. Auf diese Weise wird eine besonders gute Auflösung
der Trockenreagenzien erzielt. Dies hat den weiteren Vorteil, dass auch die beim Eintrocknen
von Reagenzien entstehenden Agglomerate, die durch die Zentrifugalkraft radial nach
außen in die erste Kammer gedrückt werden, beim anschließenden Entleeren mit dem Fluid
aus den radial innen liegenden Kammern "nachgespült" werden. Verluste an der Innenoberfläche
der ersten Reagenzkammer werden vermieden.
- 3. Mit der erfindungsgemäßen Anordnung lassen sich auf einfache Weise Verdünnungsreihen
realisieren. Da die Anordnung der Reagenzkammern eine sehr kompakte Kanalstruktur
ermöglicht, können auf einem Testträger mehrere Kanalstrukturen ausgebildet sein.
Zur Durchführung einer Verdünnungsreihe wird in den parallel angeordneten Kanalstrukturen
jeweils nur die rotationsachsenferne erste Reagenzkammer mit Reagenzien bestückt.
Zur Durchführung einer Verdünnungsreihe werden die parallelen Strukturen mit unterschiedlichen
Volumina gefüllt, so dass für eine definierte Reagenzmenge unterschiedliche Verdünnungen
in nur einem Prozessschritt erzeugt werden können. Der Vorteil einer derartigen sequentiellen
Mikroreaktorkaskade mit einer so genannten Perlenkettenstruktur (Reihenschaltung von
mehreren Kammern) liegt darin, dass die komplette Reaktion mit variablen Volumina
durchgeführt werden kann, ohne Änderungen in der Geometrie der Kanalstruktur vornehmen
zu müssen. Dabei ist das geringste Volumen der Probenflüssigkeit so groß wie das Volumen
der ersten Reagenzkammer. Bevorzugt sind die zu untersuchenden Volumina ein Vielfaches
der vorzugsweise gleichen Volumina der einzelnen Reagenzkammern.
- 4. Ein weiterer Vorteil der Reagenzkammerstruktur liegt darin, dass die einzelnen
Reagenzkammern auf die zu untersuchenden Teilvolumina abgestimmt sein können. Im Rahmen
der Erfindung wurde bei Untersuchungen zum Anlöse- und Mischverhalten erkannt, dass
bei vollständig gefüllten Kammern die Mischvorgänge optimiert ablaufen. Steht beispielsweise
in einem ersten Befüllungsschritt nur eine Teilmenge des Fluids zur Verfügung, beispielsweise
ein Verdünnungspuffer, der erst später mit einer Probenflüssigkeit aufgefüllt wird,
so würde in einem "Ein-Kammer-System" die Homogenisierung mit der ersten Teilmenge
nur sehr schlecht ablaufen, da Lufteinschlüsse gebildet werden würden. In einer Reagenzkammeranordnung
mit mehreren Reagenzkammern sind die Kammern jeweils auf das Teilvolumen der zu untersuchenden
Flüssigkeit ausgelegt und ermöglichen so ein optimiertes Anlösen und Mischen, da die
einzelne Reagenzkammer von dem Flüssigkeitsteilvolumen komplett gefüllt wird. Auch
ein Schäumen der Lösung wird verhindert.
[0026] Um die Mischvorgänge in der Reagenzkammeranordnung weiter zu verbessern umfasst die
Kanalstruktur in einer bevorzugten Ausführungsform eine Mischkammer, in der die Reagenzkammern
und die Verbindungskanäle zwischen den Reagenzkammern integriert sind. Auf diese Weise
werden die Eigenschaften der einzelnen Reagenzkammern mit den Eigenschaften einer
fluidischen Einzelkammer noch besser kombiniert. Bevorzugt sind die Reagenzkammern
in der Mischkammer derart in radialer Richtung in Reihe angeordnet, dass die Reihe
der Kammern einen Winkel von maximal 80° zur Radialrichtung, besonders bevorzugt von
maximal 60°, einschließt. Unter Radialrichtung ist dabei eine Gerade zu verstehen,
die sich von der Rotationsachse des mikrofluidischen Elements bzw. des Testträgers
nach außen erstreckt. Die Reagenzkammern müssen folglich nicht direkt radial nach
außen gerichtet sein, sondern können einen Winkel zur Radialrichtung einschließen,
der von 90° verschieden ist.
[0027] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform sind die Reagenzkammern so ausgebildet,
dass ein Befüllen mit einer Flüssigkeit und das Anlösen eines in der Reagenzkammer
enthaltenen festen Trockenreagenz erfolgt, ohne dass die Flüssigkeit in die benachbarte
Reagenzkammer strömt. Solange die Flüssigkeitsmenge das Volumen der Reagenzkammer
nicht überschreitet, verbleibt die Flüssigkeit in der Reagenzkammer, in die sie einströmt.
Dies ist beim ersten Befüllen stets die rotationsachsenferne Reagenzkammer. In der
Regel weist sie deshalb die Einlassöffnung auf, die in Fluidverbindung mit dem Zuführkanal
derart steht, dass eine Flüssigkeitsprobe in die rotationsachsenferne Reagenzkammer
fließen kann.
[0028] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von in den Figuren dargestellten besonderen
Ausführungsformen näher erläutert. Die dort dargestellten Besonderheiten können einzeln
oder in Kombination verwendet werden, um bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung
zu schaffen. Zur Verdeutlichung von Details stimmen die dargestellten Proportionen
der einzelnen Komponenten teilweise nicht überein. Die beschriebenen Ausführungen
stellen keine Einschränkung der durch die Ansprüche in ihrer Allgemeinheit definierten
Erfindung dar. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein als Testträger ausgebildetes mikrofluidisches Element mit drei identischen Kanalstrukturen;
- Fig. 2a, b, c
- Schnittbilder durch eine Kanalstruktur aus Fig. 1;
- Fig. 3
- einen alternativen Testträger;
- Fig. 4
- eine Detailzeichnung einer Kanalstruktur mit drei Reagenzkammern;
- Fig. 5
- Detailzeichnungen einer Kanalstruktur mit drei Reagenzkammern beim Befüllen;
- Fig. 6
- eine Ausführungsform mit zwei Reagenzkammern;
- Fig. 7
- eine Ausführungsform mit drei Reagenzkammern;
- Fig. 8
- eine perspektivische Ansichten der Anordnung aus Fig. 7;
- Fig. 9
- eine Anordnung mit sechs Reagenzkammern.
[0029] Figur 1 zeigt ein mikrofluidisches Element 1 mit drei identisch aufgebauten Kanalstrukturen
2, die sich im Wesentlichen radial nach außen erstrecken.
Das mikrofluidische Element 1 ist ein Testträger 3, der als runde Scheibe ausgebildet
ist und durch den sich eine Rotationsachse 4 mittig erstreckt, um die der scheibenförmige
Testträger 3 rotiert. Die Kanalstruktur 2 wird von einem Substrat 5 und einer nicht
gezeigten Deckschicht umschlossen, die den Testträger 3 von oben abdeckt.
[0030] Das mikrofluidische Element 1 ist zum Einsatz in einem Analysegerät oder einem ähnlichen
Gerät geeignet, dass eine Halterung aufweist, um das mikrofluidische Element aufzunehmen
und rotieren zu lassen. Das Gerät ist vorzugsweise so ausgebildet, dass das mikrofluidische
Element um eine Drehwelle des Geräts rotiert wird, wobei die Achse der Drehwelle mit
der Rotationsachse 4 des mikrofluidischen Elements 1 fluchtet. Dazu kann sich die
Drehwelle des Geräts durch eine Bohrung 4a des Testträgers 3 erstrecken.
[0031] Die Kanalstruktur 2 des mikrofluidischen Elements 1 schließt einen Zuführkanal 6
ein, der einen U-förmigen Kanalabschnitt 7 und einen geraden Kanalabschnitt 8 umfasst.
Am Ende der beiden U-Schenkel des U-förmigen Kanalabschnitts 7 ist je eine Zuführöffnung
9 vorgesehen, durch die eine Flüssigkeitsprobe, bevorzugt beispielsweise eine Körperflüssigkeit
wie Blut, in den Zuführkanal 6 eingegeben werden kann. Beispielsweise kann eine Probenflüssigkeit
von einem Bediener manuell (mit einer Pipette) in eine Zuführöffnung 9 dosiert werden.
Alternativ kann der Zuführkanal auch mittels einer Dosierstation eines Analysegerätes
mit einer Flüssigkeit bestückt werden. Beim Dosieren einer Flüssigkeit in den Zuführkanal
6 wird in die Flüssigkeit durch eine der beiden Zuführöffnungen 9 hineingegeben, während
die in dem Kanal enthaltene Luft durch die zweite Zuführöffnung entweichen kann.
[0032] Die Kanalstruktur 2 umfasst weiter einen Entlüftungskanal 10 mit einer Entlüftungsöffnung
11 sowie zwei Reagenzkammern 13, die über drei Verbindungskanäle 14 so miteinander
verbunden sind, dass ein Fluidaustausch zwischen den beiden Reagenzkammern 13 erfolgt.
Die Kanalstruktur 2 ist in einer bevorzugten Ausführungsform nach Figur 1 als Analysefunktionskanal
15 ausgebildet, der eine Messkammer 16, einen Messkanal 17 zwischen der Messkammer
16 und den Reagenzkammern 13 sowie eine Waste-Kammer 18, die über einen Entsorgungskanal
19 mit der Messkammer 16 verbunden ist. Die als Sammelbecken 20 ausgebildete Waste-Kammer
18 weist ein Auslassventil 21 auf, durch die Luft aus der Kanalstruktur 2 entweichen
kann.
[0033] In einer bevorzugten Ausführungsform, wie z. B. in Figur 1 gezeigt, schließt die
Kanalstruktur 2 eine Mischkammer 22 ein, in die die beiden Reagenzkammern 13 und die
drei Verbindungskanäle 14 integriert sind. Die Mischkammer 22 hat eine Einlassöffnung
23, die in Fluidverbindung mit dem Zuführkanal 6 steht, so dass eine Flüssigkeitsprobe
in die rotationsachsenferne Reagenzkammer 13a einfließen kann. Die rotationsachsennahe
Reagenzkammer 13b steht über einem Luftauslass 33 in Fluidkontakt mit dem Entlüftungskanal
10, so dass Luft aus der Reagenzkammeranordnung und der Mischkammer 22 entweichen.
[0034] Wird eine Flüssigkeit in den U-förmigen Kanalabschnitt 7 gegeben und deren Testträger
3 dann um die Rotationsachse 4 rotiert, so drückt die Zentrifugalkraft die Flüssigkeit
durch den geraden Kanalabschnitt 8 des Zuführkanals 6 bis die Flüssigkeit die Mischkammer
22 durch die Einlassöffnung 23 erreicht. Die Flüssigkeit wird dann in der rotationsachsenfernen
Reagenzkammer 13a gesammelt, bis sich diese gefüllt hat. Dabei wird ein in der Reagenzkammer
13a eingetrocknetes Trockenreagenz gelöst. Wird weiter Flüssigkeit in die Mischkammer
22 eingelassen, so fließt die Flüssigkeit nun durch die drei Verbindungskanäle 14
in die rotationsachsennähere Reagenzkammer 13b, wobei der radial am weitesten außen
liegende Verbindungskanal 14 zuerst mit Flüssigkeit gefüllt wird. Die in der Mischkammer
22 enthaltene Luft entweicht durch einen Lufteinlass 33 in den Entlüftungskanal 10
nach außen.
[0035] Durch geeignete Steuerung der Rotationsgeschwindigkeit, der Drehrichtung und der
Beschleunigung kann ein optimiertes Anlösen der Reagenzien in den Reagenzkammern 13
erfolgen, was durch die verrundeten Reagenzkammern 13 unterstützt wird.
[0036] Figur 2a zeigt einen Schnitt entlang der Linie IIA aus Figur 1 durch die zwei Reagenzkammern
13a, 13b. Die Reagenzkammern 13a, 13b sind bevorzugt halbkugelförmig ausgebildet,
wobei die offene Öffnungsfläche der Halbkugeln 24 von der Deckschicht abgeschlossen
wird. Die Reagenzkammern 13 sind an ihrem Boden so verrundet, dass keine scharfen
Kanten auftreten. Die Übergänge zu den Verbindungskanälen sind bevorzugt nicht abgerundet
sondern scharfkantig, so dass ein Zurückfließen der Flüssigkeit aus dem Verbindungskanal
in die (halbkugelförmige) Reagenzkammer 13 verhindert wird. An dem oberen Rand der
Halbkugeln 24 ist eine scharfe Kante 25 ausgebildet, wobei die Kante 25 bevorzugt
einen Winkel von 90° einschließt. Auf diese Weise wird eine Art Überlaufschutz gebildet,
da die Kante eine physikalische Barriere für den Weitertransport der Flüssigkeit darstellt.
[0037] Um die Reagenzien in die Kammer zu bringen, werden in den offenen Testträger 3 ohne
Deckschicht die in flüssiger Form vorliegenden Reagenzien eingebracht, beispielsweise
durch Pipettieren. Die scharfen Kanten dienen dann als Begrenzung, die ein Kriechen
der flüssigen Reagenzien während der Eintrocknung vermeiden. Die Struktur wird somit
unabhängiger gegenüber Störeffekten während des automatischen Prozessierens bei der
Eintrocknung. Die Oberflächenvergrößerung durch die Kanten 25 kann sich zudem verlängernd
auf die Mischzeit beim Vermischen bzw. Auflösen der Trockenreagenzien auswirken. An
die Reagenzkammern 13 schließt sich am oberen Rand ein Überlaufschutz 26 an, der verhindert,
dass Reagenzien aus der Mischkammer 22 heraustreten können.
[0038] Figur 2b zeigt den Schnitt durch die Kanalstruktur 2 aus Figur 2a, jedoch mit dargestellten
Trockenreagenzien 35 und Deckschicht 34. Die Reagenzkammern 13 und die Mischkammer
22 ist hier so ausgebildet, dass die Tiefe t des Überlaufschutz 26 etwa ein Drittel
der Tiefe T des Mischkanals 22 bildet. Die Tiefe t des Überlaufschutzes 26 beträgt
ca. 400 µm. Zwei Drittel der Tiefe T des Mischkanals 22 wird durch die Reagenzkammern
13 gebildet. Das eingetrocknete Reagenz 35 bedeckt den Boden und die Innenflächen
der Halbkugeln 24, wobei die Füllhöhe h des Trockenreagenz 35 am Boden ca. der halben
Höhe H der Halbkugel 24 entspricht. An den Rändern fließt das Reagenz 35 während der
Eintrocknung weiter hinauf; es wird jedoch durch die physikalische Barriere und die
Kante 25 von einem Weiterkriechen über den zwischen den beiden Kammern 13a, 13b gebildeten
Steg 27 gehindert. Der Steg 27 erstreckt bevorzugt zwischen zwei benachbarten Reagenzkammern
13 in Richtung zur Deckschicht 34 und trennt so die beiden Reagenzkammern 13a, 13b
der Mischkammer 22.
[0039] Figur 2c zeigt eine dreidimensionale Ansicht im Bereich der Linie IIc aus Figur 1
durch die Verbindungskanäle 14 der Kanalstruktur 2. Der Zuführkanal 6 weist eine Rücklaufsperre
28 auf, die als mikrofluidisches Ventil 29 ausgebildet ist. Die Tiefe des Zuführkanals
6 von der Oberfläche 30 des mikrofluidischen Elements 1 ist deutlich geringer, als
die Tiefe der Verbindungskanäle 14 und die Tiefe der rotationsachsenfernen Reagenzkammer
13a. Die Tiefe des Zuführkanals beträgt ca. 150 µm. Eine durch Rotationskraft aus
dem Zuführkanal 6 in den Überlaufschutz 26 der Mischkammer 22 einfließende Flüssigkeit
fließt über die Kante 25 in die halbkugelförmige Reagenzkammer 13a ein. Durch Rotation
des Testträgers 3 wird die eingeflossene Flüssigkeit in der Reagenzkammer 13a bewegt
und löst so das (hier nicht dargestellte) enthaltene Trockenreagenz an.
[0040] Beim Zuströmen weiterer Flüssigkeit wird sie durch die Verbindungskanäle 14a, 14b
und 14c auch in die nicht dargestellten weiteren Reagenzkammern 13 geleitet. Im Rahmen
der Erfindung wurde festgestellt, dass die von der als Halbkugel 24 ausgebildeten
Reagenzkammer 13 abgehenden Übergänge in die kapillaren Verbindungskanäle 14a, 14b,
14c vorzugsweise nicht kleiner als 0,4 x 0,4 mm im Querschnitt (bzw. deren Durchmesser
nicht kleiner als 0,4 mm) sein darf und sich erst später graduell verjüngen darf.
Bei Verbindungskanälen 14 mit einem kleineren Querschnitt ist die ausgeübte Kapillarkraft
so groß, dass ein Überlaufen ("Crosstalk"), insbesondere der flüssigen Reagenzien
vor dem Eintrocknen, entsteht.
[0041] Figur 3 zeigt eine weitere Ausführungsform eines Testträgers 3, mit fünf identischen
Kanalstrukturen 2. Der Zuführkanal 6 weist ebenfalls einen U-förmigen Kanalabschnitt
7 und einen geraden Kanalabschnitt 8 auf. Die Mischkammer 22 weist an ihrem rotationsachsennahen
Ende ebenfalls einen Entlüftungskanal 10 mit einer Entlüftungsöffnung 11 auf. Auch
in dieser Anordnung ist die Kanalstruktur 2 als Analysefunktionskanal 15 ausgebildet
und umfasst eine Messkammer 16.
[0042] Figur 4 zeigt eine Detailzeichnung der Mischkammer 22 mit den drei in Reihe geschalteten
Reagenzkammern 13a, b, c und je zwei Verbindungskanälen 14, nämlich je einen zentralen
Verbindungskanal 14a und einen seitlichen (rotationsachsennahen) Verbindungskanal
14b. Die Mischkammer 22 weist bevorzugt eine rotationsachsennahe Einlassöffnung 23
auf, durch die Flüssigkeit aus dem Zuführkanal 6 in die Mischkammer 22 eintritt. Ein
kapillarer Transportkanal 31 ist bevorzugt am rotationsachsenfernen langen Rand der
Mischkammer 22 angeordnet. Der Transportkanal 31 verläuft seitlich und radial außen
an den in Reihe angeordneten Reagenzkammern 13. Seine Tiefe (von der Oberfläche 30
des Testträgers 3 aus betrachtet) ist mit ca. 150 bis 200 µm geringer als die Tiefe
der Verbindungskanäle. Die eintretende Flüssigkeit wird durch den Transportkanal 31
in die Reagenzkammer 13a geleitet.
[0043] Der Entlüftungskanal 10 ist breiter als der Zuführkanal 8 und als die Verbindungskanäle
14 zwischen den Reagenzkammern 13. Auf diese Weise wird von dem Entlüftungskanal 10
eine kleinere Kapillarkraft erzeugt, so dass keine Flüssigkeit in den Entlüftungskanal
10 dringt. Zudem ist der Entlüftungskanal 10 stets rotationsachsennah angeordnet,
so dass die Flüssigkeit während der Rotation nicht aus den Reagenzkammern 13 in den
Entlüftungskanal 10 gelangen kann. Der Verbindungskanal 14b an der Außenseite der
Mischkammer 22 dient in der Regel zum Befüllen der weiteren Reagenzkammern 13 mit
der Flüssigkeit. Durch den zentral angeordneten Verbindungskanal 14a entweicht die
in den Kammern enthaltene Luft beim Befüllungsvorgang.
[0044] Die erfindungsgemäße Anordnung erlaubt ein Vermischen der Flüssigkeiten schon beim
Anlösen der Reagenzien, insbesondere beim Anlösen der Reagenzien in der zweiten und
weiteren Reagenzkammer 13. Der Grad des Anlösens ist deshalb besonders hoch und effektiv.
[0045] Das Befüllen der Reagenzkammern 13 des Mischkanals 22 wird anhand der Figuren 5a
bis 5c näher erläutert. In die Mischkammer 22 eintretende Flüssigkeit wird über den
kapillaraktiven Transportkanal 31 an den beiden rotationsachsennahen Reagenzkammern
13b, 13c vorbeigeleitet und fließt in die rotationsachsenferne Reagenzkammer 13a ein
(Pfeilrichtung). Die einströmende Flüssigkeit wird dabei durch Kapillarwirkung in
dem Transportkanal 31 gehalten. Während der Rotation des Testträgers 3 wird die Flüssigkeit
dann am rotationsachsenfernen Ende der Mischkammer 22 in die Reagenzkammer 13a gedrückt
und löst das dort enthaltene Trockenreagenz an. Sobald weitere Flüssigkeit nachfließt,
wird diese durch den Transportkanal 31 in die Reagenzkammer 13a geleitet und von dort
durch den zentralen Verbindungskanal 14a und den tangentialen Verbindungskanal 14b
in die mittlere Reagenzkammer 13c geleitet, bis auch diese gefüllt ist. Beim weiteren
Einströmen von Flüssigkeit aus dem Zuführkanal 6 wird schließlich auch die rotationsachsennahe
Reagenzkammer 13b gefüllt, indem durch die zentrischen und tangentialen Verbindungskanäle
14a, b die Flüssigkeit einfließt. Die in den Reagenzkammern 13 enthaltene Luft entweicht
durch den Luftauslass 33 und den Entlüftungskanal 10.
[0046] In dem Beispiel weisen gemäß den Figuren 4 und 5 die Reagenzkammern ein Einzelvolumen
von 3 µl auf, so dass die drei Reagenzkammern gemeinsam ein Volumen von ca. 9 µl haben.
Bevorzugt liegen die Volumina der einzelnen Reagenzkammern 13 zwischen 3 µl und 10
µl. Reagenzkammern mit einem Volumen von 2 µl oder nur 1 µl sind ebenfalls denkbar,
genauso Reagenzkammern 13 mit einem Volumen von 20 µl, 50 µl, 100 µl, 500 µl.
[0047] Figur 6 zeigt eine weitere bevorzugte Ausführungsform mit einer Mischkammer 22, in
der zwei Reagenzkammern 13a, 13b integriert sind. Auch hier ist ein kapillarer Transportkanal
31 vorgesehen, durch den in die Mischkammer 22 eintretende Flüssigkeit zu der rotationsachsenfernen
Reagenzkammer 13a geführt wird. Die verrundeten Reagenzkammern 13, mit den gerundeten
Böden, die bevorzugt als Halbkugel 24 ausgebildet sind, sorgen nicht nur für eine
homogene Reagenzapplikation des noch flüssigen Reagenz. Sie erweisen sich auch als
äußerst geeignet, wenn der Testträger 3 in einem Shake-Mode betrieben wird, bei dem
die Rotationsgeschwindigkeit und Drehrichtung gemäß einer bevorzugt sägezahnförmigen
Ansteuerungskurve verändert wird. Bei diesem als "Euler-Mischen" bekannten Verfahren,
dass eine gute Homogenisierung und Auflösung der Trockenreagenzien garantiert, kann
durch die verrundete Geometrie das Vermischen weiter gesteigert werden. Im Rahmen
der Erfindung wurde erkannt, dass der effektivste Austausch und das effektivste Durchmischen
an den Rändern und Wänden der Reagenzkammern 13 stattfindet. Bevorzugt sind deshalb
in wenigstens einer der zwei benachbarten Reagenzkammern 13 die Verbindungskanäle
14 randlagig, z. B. tangential zu den Reagenzkammern 13, angeordnet. Dabei hat es
sich als vorteilhaft erwiesen, die Verbindungskanäle 14 ohne Kantenübergänge an den
Reagenzkammern 13 anzuformen.
[0048] Darüber hinaus wurde im Rahmen der Erfindung erkannt, dass mehrere Reagenzkammern
mit Verbindungskanälen während des "Euler-Mischens" das Fluid durch die Verbindungskanäle
14 von Kammer 13 zu Kammer 13 transportiert und in Kombination mit den gerundeten
Flächen ein diffuser Austausch und eine gute Mischeffizienz geschaffen werden kann.
[0049] Da die Reagenzkammern 13 bevorzugt derart benachbart angeordnet sind, dass ihr Abstand
kleiner ist als die kleinste Dimension der Reagenzkammern 13 in der Testträgerebene,
ist auch ein schneller Fluidtransport von einer Kammer 13 in die andere möglich. Der
kleinste Abstand wird im Rahmen der Erfindung definiert als die kleinste Entfernung
zwischen den Reagenzkammern 13 bzw. zwischen den Reagenzkammeraußenwänden. Wenigstens
der zentral gelegene Verbindungskanal 14a zwischen zwei Reagenzkammern 13 ist deshalb
kürzer als die kleinste Dimension der Reagenzkammern 13. In dem in Fig. 6 gezeigten
Beispiel ist der zentrale Verbindungskanal 14a etwa 0,2 mm lang. Seine Breite und
Tiefe ist jeweils 0,4 mm. Die Reagenzkammern 13 haben eine Höhe von 1,4 mm. Der Durchmesser
der Reagenzkammern beträgt 1,95 mm. Durch diese geometrische Anordnung ist ein Fluidtransport
zwischen zwei benachbarten Reagenzkammern 13 ungehindert möglich. Durch die kurzen
Verbindungskanäle 14 kann das Fluid schnell von einer Kammer zur anderen transportiert
werden. Der Transport geschieht direkt ohne dazwischen liegende Ventilstrukturen,
Heberanordnungen oder siphonartige Kanalstrukturen, deren Länge ein Mehrfaches der
Reagenzkammern beträgt. Hierdurch ist der Prozessablauf mit den erfindungsgemäßen
Reagenzkammern sehr schnell und spart Zeit. Es lassen sich außerdem eine gesteuerte
und definierte Auflösung von unterschiedlichen Trockenreagenzien, die in einzelnen
Reagenzkammern 13 enthalten sind, durchführen.
[0050] Durch den modularen Aufbau mit kleinen Reagenzkammern 13, ist es möglich Testträger
3 vorzusehen, die auf diesem Prinzip beruhend beliebig erweiterbar sind. So lassen
sich nicht nur zwei oder drei, sondern auch mehrere Kammern in Reihe schalten.
[0051] Neben den runden halbkugelförmigen Reagenzkammern sind auch andere Formen der Reagenzkammern
möglich, beispielsweise tropfenförmige Reagenzkammerformen oder bei der Verwendung
von zwei Reagenzkammern, die in einer Mischkammer 22 integriert sind z. B. so genannte
"Yin-Yang-Ausformungen". Bevorzugt sind auch diese Reagenzkammern verrundet.
[0052] Figur 7 zeigt eine sternförmige Anordnung von drei Reagenzkammern 13 in einer Mischkammer
22. Auch in dieser Anordnung wird über den Transportkanal 31 die rotationsachsenferne
Mischkammer 13a zuerst befüllt. Bei einem Einfließen von weiterer Flüssigkeit werden
dann die beiden rotationsachsennäheren Reagenzkammern 13b, 13c gemeinsam gefüllt.
Zwischen den Reagenzkammern 13a und 13b ist nur ein zentraler Verbindungskanal 14a
vorgesehen, da der kapillare Transportkanal 31 als zweiter Verbindungskanal 14b dient.
[0053] In den Figuren 8a und 8b sind dreidimensionale Ansichten einer derartigen sternförmigen
Reagenzkammeranordnung gezeigt. Deutlich zu erkennen sind die verrundeten Verbindungskanäle
14 zwischen den Reagenzkammern 13 sowie die verrundeten halbkugelförmigen Reagenzkammern
13 selbst. In dieser Ausführungsform ist zu erkennen, dass der Transportkanal 31 fluidisch
auch als Verbindungskanal 14 fungiert.
[0054] Figur 9 zeigt, dass auch eine sternförmige oder kreisförmige Anordnung von Reagenzkammern
13 erweitert werden kann. So lassen sich, wie hier gezeigt, sechs Reagenzkammern 13
fluidisch zusammenschalten, wobei das Prinzip beibehalten wird, dass die rotationsachsenfernste
Reagenzkammer 13a zuerst befüllt wird. Ein Befüllen der weiteren Kammern geht dann
von der rotationsachsenfernen Kammer 13a aus.
[0055] Während des Rotierens des Testträgers wird das Fluid durch alle Reagenzkammern bewegt,
bei der sternförmigen Anordnung genauso wie bei der reihenförmigen Anordnung. Auf
diese Weise lässt sich ein sehr effizientes Anlösen und Vermischen sowie eine gezielte
Steuerung der Flüssigkeitsmengen erzielen. Die dabei erhaltene sehr kompakte und kleine
Anordnung hat den Vorteil, dass mehrere kaskadierte Kanalstrukturen 2 auf einen Testträger
3 angeordnet sein können.
1. Mikrofluidisches Element zur Analyse einer Flüssigkeitsprobe
mit einem Substrat (5) und einer von dem Substrat (5) und einer Deckschicht umschlossenen
Kanalstruktur (2),
wobei
das mikrofluidische Element (1) um eine Rotationsachse (4) rotierbar ist; die Kanalstruktur
(2) einen Zuführkanal (6) mit einer Zuführöffnung (9), einen Entlüftungskanal (10)
mit einer Entlüftungsöffnung (11) und wenigstens zwei Reagenzkammern (13) einschließt;
die Reagenzkammern (13) über zwei Verbindungskanäle (14) derart miteinander verbunden
sind, dass ein Fluidaustausch zwischen den Reagenzkammern (13) möglich ist,
eine der Reagenzkammern (13) eine Einlassöffnung (23) aufweist, die in Fluidverbindung
mit dem Zuführkanal (6) steht, so dass eine Flüssigkeitsprobe in die rotationsachsenferne
Reagenzkammer (13a) fließen kann,
wenigstens eine der Reagenzkammern (13) ein Reagenz (35) enthält, das mit der Flüssigkeitsprobe
reagiert.
2. Mikrofluidisches Element nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das mikrofluidisches Element (1) ein Testträger (3) ist, durch den sich die Rotationsachse
(4) erstreckt.
3. Mikrofluidisches Element nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Kanalstruktur (2) ein Analysefunktionskanal (15) ist, der eine Messkammer (16)
umfasst.
4. Mikrofluidisches Element nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die rotationsachsenferne Reagenzkammer (13a) die Einlassöffnung (23) aufweist.
5. Mikrofluidisches Element nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kanalstruktur (2) eine Mischkammer (22) umfasst, in der die Reagenzkammern (13)
und die Verbindungskanäle (14) zwischen den Reagenzkammern (13) integriert sind.
6. Mikrofluidisches Element nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Mischkammer (22) eine rotationsachsennahe Einlassöffnung (23) aufweist und
- in der Mischkammer (22) ein kapillarer Transportkanal (31) seitlich und radial außen
an den Reagenzkammern (13) ausgebildet ist, dessen Querschnitt geringer ist als die
Querschnitt der Verbindungskanäle (14), so dass Flüssigkeit durch den Transportkanal
(31) von der rotationsachsennahen Einlassöffnung (23) zu der rotationsachsenfernen
Reagenzkammer (13a) fließt.
7. Mikrofluidisches Element nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Reagenzkammern (13) derart in radialer Richtung in Reihe angeordnet sind, dass
die Reihe der Reagenzkammern (13) einen Winkel von maximal 80° zur Radialrichtung
einschließt.
8. Mikrofluidisches Element nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Reagenzkammern (13) im Wesentlichen halbkugelförmig sind, wobei die Öffnungsfläche
der Halbkugel (24) von der Deckschicht (34) des mikrofluidischen Elements (1) abgeschlossen
wird.
9. Mikrofluidisches Element nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen zwei in der Mischkammer (22) benachbarten Reagenzkammern (13) sich senkrecht
zur Deckschicht (34) erstreckende Stege (27) ausgebildet sind, durch die die Reagenzkammern
(13) in der Mischkammer (22) getrennt sind.
10. Mikrofluidisches Element nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die der Rotationsachse (4) benachbarte Reagenzkammer (13) die Einlassöffnung (23)
aufweist und einen Lufteinlass (12) hat, der die Reagenzkammer (13) mit dem Entlüftungskanal
(11) verbindet.
11. Mikrofluidisches Element nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der eine Verbindungskanal (14a) zwischen zwei benachbarten Reagenzkammern (13) derart
angeordnet ist, dass er mit den Zentren der beiden Reagenzkammern (13) fluchtet.
12. Mikrofluidisches Element nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Verbindungskanal (14b) derart seitlich mit den beiden Reagenzkammern (13)
verbunden ist, dass er außerhalb einer die Zentren zweier benachbarter Reagenzkammern
(13) verbindenden Zentralachse verläuft.
13. Mikrofluidisches Element nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwei benachbarte Reagenzkammern (13) derart angeordnet sind, dass ihr Abstand kleiner
ist als die kleinste Dimension der Reagenzkammern (13) in Testträgerebene.
14. Mikrofluidisches Element nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Reagenzkammern (13) so ausgebildet sind, dass ein Befüllen mit einer Flüssigkeit
und das Auflösen eines in der Reagenzkammer (13) enthaltenen Reagenz (35) erfolgt,
ohne dass Flüssigkeit in die benachbarte Reagenzkammer (13) strömt.
15. Mikrofluidisches Element nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Verbindungskanal (14) einen Querschnitt aufweist, bei dem die kleinste Querschnittdimension
mindestens 150 µm beträgt.