[0001] Die Erfindung betrifft eine Presse, umfassend ein erstes Werkzeug und ein zweites
Werkzeug, welche aus einer Ruhestellung in eine Pressstellung gegeneinander verschiebbar
sind, um in der Pressstellung eine Presskraft auf ein zwischen erstem Werkzeug und
zweitem Werkzeug angeordnetes Werkstück aufzubringen, wobei zumindest das erste Werkzeug
aus zumindest einem ersten Teil und einem zweiten Teil besteht. Weiterhin betrifft
die Erfindung ein Werkzeug für eine Presse umfassend, zumindest einen ersten Teil
und einem zweiten Teil.
[0002] Pressen kommen in modernen Fertigungsprozessen häufig vor. Beispielsweise werden
Pressen zum Fügen (z.B. Einpressen von Buchsen), Trennen (z.B. Schneiden von Blechbändern),
Urformen (z.B. Pressen von Pulvern zu Körpern) und Umformen (z.B. Biegen oder Tiefziehen
von Blechen) verwendet. Schon diese wenigen Beispiele zeigen wie vielfältig Pressen
in der Technik angewandt werden.
[0003] Wegen hochautomatisierter Fertigungsprozesse und immer steigender Qualitätsansprüche
werden hohe Ansprüche an eine Presse gestellt, insbesondere hinsichtlich der Reproduzierbarkeit
der gefertigten Werkstücke. Leider führen Schwankungen im Rohmaterial dazu, dass diese
Reproduzierbarkeit nicht immer garantiert werden kann, auch dann nicht, wenn die Parameter
der Presse (z.B. der Pressdruck, oder der Verfahrensweg der Werkzeuge) hochgenau eingehalten
werden. Beispielsweise hängen die Eigenschaften eines Stahlblechs nämlich maßgeblich
vom Gefüge, der Walzrichtung und der Dicke des Blechs ab, welche leider von Blech
zu Blech oder auch innerhalb des Blechs variieren können.
[0004] Systembedingt führt die bloße Steuerung der Pressparameter also nicht unbedingt zu
einem befriedigenden Ergebnis, was insbesondere für Biegepressen gilt, bei denen variierende
Eigenschaften des Blechs zu starken Streuungen des Biegewinkels führen können. Bei
hohen Qualitätsanforderungen muss daher das Ergebnis, also das fertige Werkstück,
kontrolliert und gegebenenfalls nachgearbeitet werden. Um das Messergebnis nicht zu
verfälschen, muss das Werkstück dazu entlastet werden, welches dann um einen bestimmten
Winkel zurückfedert. Soll zum Beispiel ein rechter Winkel gebogen werden, dann muss
das Werkstück wegen seiner Elastizität beim Pressvorgang etwas stärker gebogen werden.
[0005] Stellt sich nun heraus, dass der Biegewinkel etwas zu flach ist, dann kann das Werkstück
nachgebogen werden. Häufig verrutscht das Werkstück beim Entlasten aber im Werkzeug
oder fällt sogar aus diesem heraus, sodass dieses erst wieder mühselig positioniert
werden muss, bevor der Biegevorgang wiederholt werden kann. Dies ist einerseits sehr
zeitaufwändig, aber auch fehleranfällig, da das Werkstück mit hoher Wahrscheinlichkeit
nicht mehr in seine ursprüngliche Position gebracht werden kann, was das Risiko einer
erneuten Fehl-Biegung deutlich erhöht.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine verbesserte Presse anzugeben, insbesondere
eine, bei der ein Werkstück auch dann sicher in einem Werkzeug gehalten wird, wenn
der Pressvorgang unterbrochen wird.
[0007] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass der zweite Teil bei einer Presse
der eingangs genannten Art gegenüber dem ersten Teil derart bewegbar ist, dass dieser
in der Pressstellung verbleibt, um dort eine gegenüber der Presskraft verringerte
Haltekraft auf das Werkstück auszuüben, wenn sich der erste Teil a) in der Ruhestellung
oder b) in einer zwischen Ruhestellung und Pressstellung vorgesehenen Zwischenstellung
befindet.
[0008] Die Aufgabe der Erfindung wird auch durch ein Werkzeug der eingangs genannten Art
gelöst, bei dem der zweite Teil im ersten Teil federnd und in einer für einen Pressvorgang
vorgesehenen Bewegungsrichtung verschiebbar gelagert ist.
[0009] Erfindungsgemäß wird erreicht, dass ein Werkstück auch dann noch in seiner für einen
Pressvorgang vorgesehenen Position verbleibt, wenn dieses entlastet wird. Somit kann
das Ergebnis des Pressvorgangs leicht kontrolliert werden und dieser gegebenenfalls
wiederholt werden, wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist. Insbesondere eignet
sich die Erfindung für Biegepressen, bei denen eine Entlastung des Werkstücks zu einem
Zurückfedern desselben führt. Somit kann einerseits der korrekte Biegewinkel am fertigen
unbelasteten Werkstück gemessen werden, andererseits kann der Biegevorgang schnell
und auch von derselben Position des Werkstücks ausgehend wiederholt oder fortgesetzt
werden, wenn eine Abweichung des gemessenen Biegewinkels von einem Sollwert vorliegt.
[0010] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den
Unteransprüchen sowie aus der Beschreibung in Zusammenschau mit den Figuren.
[0011] Vorteilhaft ist es, wenn der zweite Teil unabhängig vom ersten Teil bewegbar ist.
Auf diese Weise kann der Pressvorgang sehr flexibel gestaltet werden. Beispielsweise
können die ersten Teile auf eine beliebige Höhe zurückgefahren werden, um beispielsweise
bei weit zurückgefahrenen ersten Teilen bestmöglichen Zugang zum Werkstück zu gewährleisten
oder um bei nur wenig zurückgefahrenem ersten Teilen eine schnelle Wiederaufnahme
des Pressvorgangs zu ermöglichen.
[0012] Vorteilhaft ist es aber auch, wenn der zweite Teil auf dem ersten Teil gelagert ist.
Auf diese Weise wird der zweite Teil automatisch mit dem ersten Teil mit bewegt, was
insbesondere dann von Vorteil, wenn ein Mitnehmer für den zweiten Teil derart ausgestaltet
ist, dass erste und der zweite Teil beim Pressvorgang automatisch ausgerichtet werden.
Beispielsweise kann ein Anschlag für den zweiten Teil vorgesehen werden, der so eingestellt
wird, dass der erste und der zweite Teil beim Pressvorgang fluchten.
[0013] Besonders vorteilhaft ist es, wenn der zweite Teil federnd gelagert ist. Bei dieser
Ausgestaltungsvariante wird der zweite Teil auch dann noch gegen das Werkstück gedrückt,
wenn der erste Teil in eine Zwischenstellung zurückgefahren wird. Dabei nimmt die
aufgebrachte Haltekraft mit zunehmendem Abstand zwischen erstem und zweitem Teil ab.
Der besagte Abstand ist somit ein Maß für die aufgebrachte Haltekraft. Ein Operateur
der Presse kann die Haltekraft somit "optisch sehen". Mit etwas Übung kann so eine
gewisse Haltekraft gezielt eingestellt werden, wenn dies nicht ohnehin von einer Steuerung
der Presse übernommen wird.
[0014] Dabei ist es von Vorteil, wenn für die Federung eine Schraubenfeder, eine Tellerfeder,
eine Blattfeder, eine pneumatische Federung oder eine hydropneumatische Federung vorgesehen
ist. Dies sind erprobte und zuverlässige Mittel für die Aufbringung einer Federkraft
und eignen sich deshalb besonders für die raue Betriebsumgebung einer Presse.
[0015] In einer bevorzugten Ausführungsform der Presse ist die Haltekraft des zweiten Teils
derart gesteuert, dass diese mit zunehmender Distanz zwischen erstem Teil und zweiten
Teil sinkt. Auf diese Weise lässt sich - auch wenn der zweite Teil direkt, also ohne
Zwischenschaltung einer Federung, angetrieben wird - mit Hilfe einer Steuerung eine
"virtuelle Federung" realisieren. Dabei wird die Kraft auf den zweiten Teil mit zunehmendem
Abstand zwischen erstem Teil und Werkstück reduziert, etwa durch entsprechendes Senken
des Drucks im betreffenden Hydraulikzylinder, sodass der besagte Abstand wieder ein
optischer Indikator für die Haltekraft ist.
[0016] Vorteilhaft ist es, wenn der erste Teil und der zweite Teil dasselbe Profil aufweisen.
Auf diese Weise kann die Gefahr verringert werden, dass sich auf dem Werkstück unschöne
Abdrücke oder Marken bilden.
[0017] Vorteilhaft ist es aber auch, wenn der erste Teil und der zweite Teil ein unterschiedliches
Profil aufweisen. Auf diese Weise kann der zweite Teil besonders einfach hergestellt
werden. Denkbar ist ein zylindrischer Stift mit einer halbkugelförmigen Spitze.
[0018] An dieser Stelle wird darauf hingewiesen, dass sich die für die erfindungsgemäße
Presse erläuterten Varianten und die daraus resultierenden Vorteile sinngemäß auch
auf das erfindungsgemäße Werkzeug beziehen.
[0019] Die obigen Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung können auf beliebige
Art und Weise kombiniert werden.
[0020] Zum besseren Verständnis der Erfindung wird diese anhand der nachfolgenden Figuren
näher erläutert.
[0021] Es zeigen jeweils in stark schematisch vereinfachter Darstellung:
- Fig. 1
- eine Presse nach dem Stand der Technik in Schrägansicht;
- Fig. 2a
- eine erfindungsgemäße Presse, bei der sich alle Teile eines ersten Werkzeugs in einer
Ruhestellung befinden;
- Fig. 2b
- eine erfindungsgemäße Presse, bei der sich alle Teile eines ersten Werkzeugs in einer
Pressstellung befinden;
- Fig. 2c
- eine erfindungsgemäße Presse, bei der sich Teile eines ersten Werkzeugs in einer Zwischenstellung,
andere in einer Haltestellung befinden;
- Fig. 2d
- eine erfindungsgemäße Presse, bei der sich Teile eines ersten Werkzeugs in einer Ruhestellung,
andere in einer Haltestellung befinden;
- Fig. 3
- eine Variante eines ersten Werkzeugs. bei dem die Teile unabhängig voneinander bewegbar
sind;
- Fig. 4
- eine Variante eines ersten Werkzeugs bei dem ein zweiter Teil des Werkzeugs auf einem
ersten Teil des Werkzeugs gelagert ist;
- Fig. 5
- eine Federung für ein erstes Werkzeug mit Hilfe von Tellerfedern;
- Fig. 6
- eine Federung für ein erstes Werkzeug mit Hilfe von Zugfedern;
- Fig. 7
- eine Federung für ein erstes Werkzeug mit Hilfe einer Blattfeder;
- Fig. 8
- eine pneumatische Federung für ein erstes Werkzeug;
- Fig. 9
- eine hydro-pneumatische Federung für ein erstes Werkzeug;
- Fig. 10a
- eine Seitenansicht einer ersten konkreten Ausführungsform eines erfindungsge- mäßen
Werkzeugs;
- Fig. 10b
- eine Vorderansicht einer ersten konkreten Ausführungsform eines erfindungsge- mäßen
Werkzeugs;
- Fig. 11a
- eine Vorderansicht einer zweiten konkreten Ausführungsform eines erfindungs- gemäßen
Werkzeugs;
- Fig. 11b
- eine Seitenansicht einer zweiten konkreten Ausführungsform eines erfindungsge- mäßen
Werkzeugs.
[0022] Einführend wird festgehalten, dass in den unterschiedlich beschriebenen Ausführungsformen
gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen bzw. gleichen Bauteilbezeichnungen, gegebenenfalls
mit unterschiedlichen Indizes, versehen werden, wobei die in der gesamten Beschreibung
enthaltenen Offenbarungen sinngemäß auf gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen bzw.
gleichen Bauteilbezeichnungen übertragen werden können. Auch sind die in der Beschreibung
gewählten Lageangaben, wie z.B. oben, unten, seitlich usw. auf die unmittelbar beschriebene
sowie dargestellte Figur bezogen und sind bei einer Lageänderung sinngemäß auf die
neue Lage zu übertragen. Weiterhin können auch Einzelmerkmale oder Merkmalskombinationen
aus den gezeigten und beschriebenen unterschiedlichen Ausführungsbeispielen für sich
eigenständige, erfinderische oder erfindungsgemäße Lösungen darstellen.
[0023] Die Ausführungsbeispiele zeigen mögliche Ausführungsvarianten einer erfindungsgemäßen
Presse sowie eines erfindungsgemäßen Werkzeugs, wobei an dieser Stelle bemerkt sei,
dass die Erfindung nicht auf die speziell dargestellten Ausführungsvarianten derselben
eingeschränkt ist, sondern vielmehr auch diverse Kombinationen der einzelnen Ausführungsvarianten
untereinander möglich sind und diese Variationsmöglichkeit aufgrund der Lehre zum
technischen Handeln durch gegenständliche Erfindung im Können des auf diesem technischen
Gebiet tätigen Fachmannes liegt. Es sind also auch sämtliche denkbaren Ausführungsvarianten,
die durch Kombinationen einzelner Details der dargestellten und beschriebenen Ausführungsvariante
möglich sind, vom Schutzumfang mit umfasst.
[0024] Fig. 1 zeigt eine schematisch dargestellte Presse 1 in Schrägansicht nach dem Stand
der Technik mit einem ersten, oberen Werkzeug 2' und einem zweiten, unteren Werkzeug
3`. Das erste Werkzeug 2' ist an einem oberen Pressbalken 4, das zweite Werkzeug 3'
an einem unteren Pressbalken 5 befestigt. Sowohl das erste Werkzeug 2', als auch das
zweite Werkzeug 3' bestehen jeweils aus mehreren Teilen, die in den jeweiligen Pressbalken
4 und 5 eingeschoben werden. Die Werkzeuge 2' und 3' werden nach dem Stand der Technik
vor allem deswegen geteilt ausgeführt, weil einzelne Teile einerseits leichter und
damit billiger herstellbar sind, andererseits aber auch, weil die Presse 1' so optimal
auf eine bestimmte Werkstücklänge eingestellt werden kann. Auch kann die Presse 1'
für verschiedene Biegevorgänge ausgerüstet sein, wenn verschiedenartige Werkzeuge
2' und 3' in die Pressbalken 4 und 5 eingeschoben werden.
[0025] In diesem Beispiel kann der obere Pressbalken 4 mit Hilfe eines nicht dargestellten
Antriebs (z.B. Hydraulikzylinder, Spindelantrieb, usw.) vertikal verschoben werden,
Auf diese Weise sind die beiden Werkzeuge 2' und 3' aus einer Ruhestellung in eine
Pressstellung gegeneinander verschiebbar. Diese Anordnung ist für die Erfindung aber
nicht zwingend erforderlich, vielmehr ist auch vorstellbar, dass der untere Pressbalken
5 oder auch beide Pressbalken 4 und 5 verschiebbar sind. Die beiden Pressbalken 4
und 5 sind ihrerseits mit zwei C-förmigen Rahmenteilen 6 und 7 verbunden. In Fig.
1 ist weiterhin das erste Werkzeug 2' als Stempel, das zweite Werkzeug 3' als Matrize
(Gesenk) ausgeführt. Selbstverständlich ist es auch vorstellbar, dass die Werkzeuge
2' und 3' umgekehrt montiert werden.
[0026] Die Figuren 2a bis 2d zeigen nun eine erfindungsgemäße Presse 1 mit einem ersten
Werkzeug 2a, das aus mehreren Teilen 2a
1, 2a
2 und 2a
3 besteht, und mit einem einteiligen zweiten Werkzeug 3. In das zweite Werkzeug 3 ist
ein noch ungeformtes Werkstück 8 eingelegt. Zum besseren Verständnis ist die Presse
1 in den Figuren 2a bis 2d stark vereinfacht dargestellt. So fehlen beispielsweise
Pressbalken, Rahmen und Antrieb.
[0027] In Fig. 2a befinden sich alle Teile des ersten Werkzeugs 2a
1..2a
3 in der Ruhestellung. In Fig. 2b befinden sich alle Teile des Werkzeugs 2a
1..2a
3 in Pressstellung. Gut zu sehen ist, dass das Werkstück 8 hier bereits verformt wurde.
In der Fig. 2c befinden sich die ersten Teile 2a
1 und 2a
3 in einer zwischen Pressstellung und Ruhestellung vorgesehenen Zwischenstellung. Der
zweite Teil 2a
2 befindet sich nach wie vor in der Pressstellung, drückt aber mit einer gegenüber
der Presskraft reduzierten Haltekraft auf das Werkstück 8. Alternativ können die ersten
Teile 2a
1 und 2a
3 auch in ihre Ruhestellung verfahren werden. Dieser Zustand ist in Fig. 2d dargestellt.
[0028] In den in den Figuren 2c und 2d dargestellten Zuständen wird das Werkstück 8 also
im unteren Werkzeug 3 gehalten, sodass dieses kontrolliert werden kann. Beispielsweise
kann geprüft werden, ob der geforderte Biegewinkel erreicht wurde. Trotz genauer Messung
des Pressdrucks ist es nämlich nicht oder nur schwer möglich, einen gewünschten Biegewinkel
zu erreichen, denn Inhomogenitäten im Werkstück, beispielsweise hervorgerufen durch
einen Walzvorgang, beziehungsweise Dickenunterschiede führen immer wieder zu Abweichungen
desselben. Stimmt der Biegewinkel nicht, so kann das noch immer im Gesenk gehaltene
Werkstück 8 nachgebogen werden. Die in Fig. 2c dargestellte Variante bietet dabei
den Vorteil, dass die Biegung vergleichsweise rasch wiederholt werden kann, da die
beiden Teile 2a
1 und 2a
3 nur geringfügig angehoben werden. Die in Fig. 2d dargestellte Variante bietet dagegen
den Vorteil der besseren Zugänglichkeit zum Werkstück 8.
[0029] Fig. 3 zeigt nun eine erste Variante eines ersten Werkzeugs 2b, das wiederum aus
drei Teilen 2b
1..2b
3 besteht. Die beiden ersten, äußeren Teile 2b
1 und 2b
3 entsprechen im Wesentlichem dem Stand der Technik, der mittlere, zweite Teil 2b
2 ist aber besonders aufgebaut. In diesem Beispiel ist der eigentliche Stempel (unten)
mit Hilfe einer Druckfeder 9 federnd auf einem linear angetriebenen Balken (oben)
gelagert. Der zweite Teil 2b
2 kann somit unabhängig von den anderen Teilen 2b
1 und 2b
3 bewegt werden. Sobald der Stempel mit einem Werkstück in Berührung kommt, steigt
die Presskraft mit dem Zustellweg an. Selbstverständlich kann die Feder auch weggelassen
werden und eine gewünschte Presskraft über den Druck auf den Teil 2b
2 eingestellt werden. In der Fig. 3 ist der zweite Teil 2b
2 in der Pressstellung dargestellt. Gut zu sehen ist, das hier alle drei Teile 2b
1..2b
3 fluchten.
[0030] Fig. 4 zeigt eine weitere Variante, bei der ein Werkzeug 2c aus einem ersten Teil
2c
1 besteht, in dem zwei zweite Teile 2c
2 und 2c
3 mit Hilfe einer Druckfeder 9 federnd gelagert sind. Bei dieser Variante wird bloß
der erste Teil 2c
1 angetrieben. Die zweiten Teile 2c
2 und 2c
3 sind wiederum in der Pressstellung dargestellt. Vorteilhaft wird konstruktiv vorgesehen,
dass die Presskraft in der Pressstellung vom ersten Teil 2c
1 auf die zweiten Teile 2c
2 und 2c
3 übertragen wird, beispielsweise über einen Anschlag für die Teile 2c
2 und 2c
3. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Teile 2c
1..2c
3 fluchten, sodass ein optimales Biegeergebnis erreicht werden kann. Wenn die Teile
2c
1..2c
3 nicht fluchten, dann können unschöne Abdrücke oder Marken im Werkstück entstehen.
Natürlich sollten die zweiten Teile 2c
2 und 2c
3 auch gegen Herausfallen gesichert sein, sodass sie sich auch in der Ruhestellung
nicht vom ersten Teil 2c
1 lösen können.
[0031] Fig. 5 zeigt eine erste konkrete Ausführungsform einer Federung für ein erstes Werkzeug
2d, bei dem ein Stempel (unten) mit Hilfe von Tellerfedern 10 federnd auf einem Widerlager
(oben) gefedert ist. Für die Fig. 5 und die folgenden Figuren 6 bis 9 gilt, dass das
Widerlager so wie in Fig. 3 angetrieben sein kann, aber auch so wie in Fig. 4 durch
den ersten Teil des ersten Werkzeugs gebildet werden kann.
[0032] Fig. 6 zeigt eine weitere Variante einer Federung, bei der der Stempel mit Zugfedern
11 auf einem Widerlager gelagert ist.
[0033] Fig. 7 zeigt eine weitere Variante einer Federung, bei der der Stempel mit Hilfe
einer Blattfeder 12 auf einem Widerlager gelagert ist.
[0034] Fig. 8 zeigt eine weitere Variante einer Federung, bei der der Stempel pneumatisch
auf dem Widerlager gelagert ist. Hier befindet sich Luft in einem Zylinder 13a, welche
von einem Kolben 13b komprimiert wird. Durch entsprechende Druckbeaufschlagung kann
eine gewünschte Federkennlinie leicht eingestellt werden. Fig. 8 kann aber auch als
mögliche Ausführungsvariante eines hydraulischen Antriebs verstanden werden. Hier
sind aber jedenfalls Zu- und Ableitungen für das Hydraulik-Öl vorzusehen, da sich
dieses nicht, beziehungsweise nur minimal komprimieren lässt.
[0035] Fig. 9 zeigt noch eine Variante einer Federung, bei der der Stempel hydro-pneumatisch
auf dem Widerlager gelagert ist. Hier befindet sich Hydraulik-Öl in einem Zylinder
13a, welches von einem Kolben 13b in einen Ausgleichsbehälter 14 verschoben wird.
Dort komprimiert es einen Luftpolster. Durch entsprechende Druckbeaufschlagung kann
wieder eine gewünschte Federkennlinie eingestellt werden. Diese Variante eignet sich
besonders dann, wenn eine pneumatische Federung gewünscht wird, die Platzverhältnisse
im ersten Werkzeug 2h den Einbau eines vergleichsweise voluminösen Pneumatikzylinders
aber nicht erlauben.
[0036] In den Figuren 10a (Seitenansicht) und 10b (Vorderansicht) ist nun eine konkrete
Ausführungsform der Erfindung dargestellt. Die Figuren 10a und 10b zeigen ein erstes
Werkzeug 2i, das wiederum aus einem ersten Teil 2i
1 und einem darin gefedert gelagerten zweiten Teil 2i
2 besteht. Zu diesem Zweck ist zwischen erstem Teil 2i
1 und zweitem Teil 2i
2 eine Druckfeder 9 angeordnet. Die Lagerung wird mit Hilfe von Bolzen 15 bewerkstelligt,
welche durch den ersten Teil 2i
1 und den zweiten Teil 2i
2 geschoben werden. In diesem Beispiel findet die Kraftübertragung beim Pressvorgang
über die Bolzen 15 statt. Gleichermaßen ist aber vorstellbar, dass die obere Fläche
des zweiten Teils 2i
2 beim Pressvorgang auf die untere Fläche des ersten Teils 2i
1 anschlägt und so die Presskraft übertragen wird. Die Bolzen 15 würden dann nur für
die Führung des zweiten Teil 2i
2, beziehungsweise die Sicherung gegen Herausfallen bilden. In den Figuren 10a und
10b ist das erste Werkzeug 2i in eine Führung im oberen Pressbalken 4 eingeschoben
und wird dort mit Schrauben 16 gesichert. Weiterhin ist das zweite Werkzeug 3 in eine
Führung im unteren Pressbalken 5 eingeschoben. Zwischen den Werkzeugen 2i und 3 befindet
sich schließlich ein (bereits gebogenes) Werkstück 8. Die Teile 2i
1 und 2i
2 des Werkzeugs 2i befinden sich in der Darstellung in der Pressstellung. Wird der
obere Pressbalken 4 nun angehoben, so bleibt der zweite Teil 2i
2 weiterhin in Pressstellung, während der erste Teil 2i
1 angehoben wird. Von der Druckfeder 9 wird aber eine immer geringer werdende Haltekraft
auf das Werkstück 8 ausgeübt, bis schließlich die Bolzen 15 am oberen Ende der Langlöcher
im zweiten Teil 2i
2 anliegen und diesen nach oben hin mitnehmen. Vorteilhaft ist hier der Abstand des
ersten Teils 2i
1 zum Werkstück 8 auch ein Maß für die Haltekraft. Ein Operateur der Presse kann die
Haltekraft somit "optisch sehen". Mit etwas Übung kann so eine gewisse Haltekraft
gezielt eingestellt werden, wenn dies nicht ohnehin von einer Steuerung der Presse
übernommen wird.
[0037] An dieser Stelle wird auch darauf hingewiesen, dass sich auch mit einem zweiten Teil,
der direkt (also ohne Federung) angetrieben wird mit Hilfe einer Steuerung eine "virtuelle
Federung" realisieren lässt. Dabei wird die Kraft auf den zweiten Teil mit zunehmendem
Abstand zwischen erstem Teil und Werkstück reduziert, sodass der besagte Abstand wieder
ein optischer Indikator für die Haltekraft ist.
[0038] Die Figuren 11a (Vorderansicht) und 11b (Seitenansicht) zeigen nun eine letzte konkrete
Ausführungsform der Erfindung. Hier wird der zweite Teil 2j
2 eines ersten Werkzeugs 2j durch einen Stift mit einer halbkugelförmigen Spitze und
einer Verdickung am anderen Ende gebildet. In ein Loch 17 im ersten Teil 2j
1 wird zuerst eine Druckfeder 9 und dann der zweite Teil 2j
2 eingesetzt. Schließlich wird eine Mutter 18 als Sicherung gegen Herausfallen eingesetzt,
die am unteren Ende beispielsweise Löcher oder einen Schlitz zum Anziehen aufweist.
In den Figuren 11a und 11b ist der zweite Teil 2j
2 in ausgefahrener Stellung gezeigt. In Fig. 11b ist dieser zusätzlich strichliert
in eingefahrener Stellung dargestellt. Die Druckfeder 9 wurde in Fig. 11b der besseren
Darstellbarkeit halber jedoch weggelassen.
[0039] Die Figuren 11a und 11b zeigen, dass der zweite Teil 2j
2 nicht notwendigerweise dasselbe Profil aufweisen muss wie der erste Teil 2j
1. Zwar ist der zweite Teil 2j
2 sehr leicht herstellbar, doch muss gegebenenfalls mit Abdrücken im Werkstück gerechnet
werden. Wir dagegen dasselbe Profil für den ersten und zweiten Teil verwendet (wie
etwa in den Figuren 10a und 10b), dann besteht diese Gefahr weniger, jedoch ist die
Herstellung der Teile unter Umständen aufwändiger.
[0040] An dieser Stelle wird darauf hingewiesen, dass beispielsweise die in den Figuren
10a und 10b beziehungsweise in den Figuren 11a und 11b dargestellten Werkzeuge beliebig
mit Werkzeugen nach dem Stand der Technik kombiniert werden können. Beispielsweise
können die relativ schmalen Werkzeug 2i, 2j jeweils links und rechts eines längeren
Biegewerkzeugs nach dem Stand der Technik angeordnet, d.h. in eine Führung im oberen
Pressbalken eingeschoben werden. Selbstverständlich können auch mehrere solche Werkzeuge
2i und 2j vorgesehen werden, beispielsweise alle 50 cm.
[0041] Der Ordnung halber sei weiterhin darauf hingewiesen, dass zum besseren Verständnis
des Aufbaus der erfindungsgemäßen Anordnung diese bzw. deren Bestandteile teilweise
unmaßstäblich und/oder vergrößert und/oder verkleinert dargestellt wurden.
[0042] Selbstverständlich gelten obige Ausführungen für das obere Werkzeug sinngemäß auch
für das untere Werkzeug, d.h. die Haltevorrichtung kann auch unten angeordnet werden,
wenngleich der besseren Zugänglichkeit zum Werkstück wegen, der dargestellten Anordnung
der Vorzug gegeben werden sollte. Möglich wäre auch oben und unten Haltevorrichtungen
vorzusehen, das Werkstück würde dann sozusagen zwischen den beiden Werkzeugen "schweben".
[0043] Abschließend wird angemerkt, dass sich - obwohl in den Figuren stets eine Biegepresse
dargestellt ist - die Erfindung keineswegs ausschließlich auf eine Biegepresse oder
eine Biegepresse des dargestellten Typs bezieht. Vielmehr bezieht sich die Erfindung
auch auf andere Pressen, zum Beispiel Stanzpressen, Tiefziehpressen, Schmiedepressen,
Prägepressen, usw., kurzum auf alle Pressen, bei denen die Prüfung des Press- oder
Stanzvorgang möglich sein sollte, ohne das dazu das Werkstück aus dem Werkzeug genommen
werden muss, um den Press- oder Stanzvorgang gegebenenfalls leicht wiederholen zu
können. Der Press- bzw. Prüfvorgang kann dabei sowohl manuell als auch automatisch
ablaufen. Beispielsweise kann der Biegewinkel eines Werkstücks mit Hilfe einer Videokamera
und einer entsprechenden Bildverarbeitung automatisch ausgewertet werden.
[0044] Weiterhin bezieht sich die Erfindung natürlich nicht nur auf Pressen mit dem dargestellten
C-förmigen Rahmen, sondern auch auf Pressen mit zum Beispiel O-förmigen Rahmen. Schließlich
ist die Erfindung unabhängig von der Art des Antriebs der Presse und bezieht sich
daher gleichermaßen auf Exzenterpressen, Kniehebelpressen, Kurbelpressen, Spindelpressen,
hydraulischen Pressen, usw.
[0045] Die den eigenständigen erfinderischen Lösungen zugrundeliegende Aufgabe kann der
Beschreibung entnommen werden.
[0046] Vor allem können die einzelnen in den Fig. 2 bis 11b gezeigten Ausführungen den Gegenstand
von eigenständigen, erfindungsgemäßen Lösungen bilden. Die diesbezüglichen, erfindungsgemäßen
Aufgaben und Lösungen sind den Detailbeschreibungen dieser Figuren zu entnehmen.
[0047] Bezugszeichenaufstellung
- 1, 1'
- Presse
- 2a..2j, 2'
- erstes Werkzeug
- 2a1..2j1, 2a3, 2b3
- erster Teil des ersten Werkzeugs
- 2a2..2j2, 2c3
- zweiter Teil des ersten Werkzeugs
- 3, 3'
- zweites Werkzeug
- 4
- oberer Pressbalken
- 5
- unterer Pressbalken
- 6
- erster Rahmenteil
- 7
- zweiter Rahmenteil
- 8
- Werkstück
- 9
- Druckfeder 10 Tellerfeder
- 11
- Zugfeder
- 12
- Blattfeder
- 13a
- Zylinder
- 13b
- Kolben
- 14
- Ausgleichsbehälter
- 15
- Bolzen
- 16
- Schraube
- 17
- Sackloch
- 18
- Mutter
1. Presse (1), umfassend ein erstes Werkzeug (2a..2j) und ein zweites Werkzeug (3), welche
aus einer Ruhestellung in eine Pressstellung gegeneinander verschiebbar sind, um in
der Pressstellung eine Presskraft auf ein zwischen erstem Werkzeug (2a..2j) und zweitem
Werkzeug (3) angeordnetes Werkstück (8) aufzubringen, wobei zumindest das erste Werkzeug
(2a..2j) aus zumindest einem ersten Teil (2a1..2j1, 2a3, 2b3) und einem zweiten Teil (2a2..2j2, 2c3) besteht,
dadurch gekennzeichnet, dass
der zweite Teil (2a2..2j2, 2c3) gegenüber dem ersten Teil (2a1..2j1, 2a3, 2b3) derart bewegbar ist, dass der zweite Teil (2a2..2j2, 2c3) in der Pressstellung verbleibt, um dort eine gegenüber der Presskraft verringerte
Haltekraft auf das Werkstück (8) auszuüben, wenn sich der erste Teil (2a1..2j1, 2a3, 2b3) a) in der Ruhestellung oder b) in einer zwischen Ruhestellung und Pressstellung
vorgesehenen Zwischenstellung befindet.
2. Presse (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Teil (2b2) unabhängig vom ersten Teil (2b1, 2b3) bewegbar ist.
3. Presse (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Teil (2c2, 2c3, 2i2, 2j2) auf dem ersten Teil (2c1, 2i1, 2j1) gelagert ist.
4. Presse (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Teil (2b2..2j2, 2c3) federnd gelagert ist.
5. Presse (1) nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass für die Federung eine Schraubenfeder (9, 11), eine Tellerfeder (10), eine Blattfeder
(12), eine pneumatische Federung oder eine hydropneumatische Federung vorgesehen ist.
6. Presse (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Haltekraft des zweiten Teils (2b2) derart gesteuert ist, dass diese mit zunehmender Distanz zwischen erstem Teil (2b1, 2b3) und zweiten Teil (2b2) sinkt.
7. Presse (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Teil (2a1..2j1, 2a3, 2b3) und der zweite Teil (2a2..2j2, 2c3) dasselbe Profil aufweisen.
8. Presse (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Teil (2j1) und der zweite Teil (2j2) ein unterschiedliches Profil aufweisen.
9. Werkzeug (2a..2j) für eine Presse (1) umfassend, zumindest einen ersten Teil (2a1..2j1, 2a3, 2b3) und einem zweiten Teil (2a2..2j2, 2c3),
dadurch gekennzeichnet, dass
der zweite Teil (2a2..2j2, 2c3) im ersten Teil (2a1..2j1, 2a3, 2b3) federnd und in einer für einen Pressvorgang vorgesehenen Bewegungsrichtung verschiebbar
gelagert ist.