[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Papier, Pappe und Karton
in Gegenwart mindestens eines kationischen polymeren Retentionsmittels und/oder Retentionsmittelsystems
unter Verwendung von Endo-β-1,4-glucanasen als Entwässerungsmittel, sowie die nach
diesem Verfahren hergestellten Papiere.
[0002] Der Einsatz von Entwässerungs- und Retentionsmitteln bei der Herstellung von Papier,
Pappe und Karton ist seit langem bekannt. Als Retentionsmittel kommen insbesondere
kationische Polymere wie Polyacrylamide, Polyethylenimine, Polyvinylamine, Polydimethyldiallylammoniumchlorid
und beliebige Mischungen davon in Betracht, aber auch Retentionsmittelsysteme aus
mindestens einem kationischen Polymeren in Kombination mit einer organischen und/oder
anorganischen Komponente sind bekannt.
[0003] Kationische Polyacrylamide sind beispielsweise aus der
EP 0 176 757 A2 bekannt. Dabei kann es sich um lineare Polyacrylamide aber auch um verzweigte Polyacrylamide
handeln, wie in
US 2003/0150575 und in der deutschen Offenlegungsschrift
DE 10 2004 058 587 A1 beschrieben.
[0004] Als kationische polymere Retentionsmittel kommen auch Polyethylenimine und modifizierte
Polyethylenimine in Betracht, wie sie aus der deutschen Offenlegungsschrift
DE 24 34 816 bekannt sind. In der
DE 24 34 816 und der dort zitierten Literatur sind die Umsetzungen aus Polyethylenimin mit Vernetzern
wie Epichlorhydrin, Umsetzungen von Polyethylenimin oder anderen Oligoaminen mit Oligocarbonsäuren
zu Polyamidoaminen, vernetzte Produkte dieser Polyamidoamine sowie Umsetzungen der
Polyamidoamine mit Ethylenimin und bifunktionellen Vernetzern beschrieben. Andere
modifiezierte Polyethylenimine sind aus
WO 00/67884 A1 und
WO 97/25367 A1 bekannt.
[0005] Der Einsatz von Polyvinylaminen bei der Herstellung von Papier wird beispielsweise
in
US 2003/0192664 offenbart, wobei man gemäß dieser Schrift zu einer wässrigen Faseraufschlämmung ein
Vinylamineinheiten enthaltendes Polymer und ein teilchenförmiges, organisches, vernetztes
Polymer dosiert.
[0006] Ein weiteres Retentionsmittelsystem, welches kationisches Polyvinylamin enthält,
ist in der deutschen Offenlegungsschrift
DE 10 2005 043 800 A1 beschrieben. Dort wird ein Verfahren zur Herstellung von Papier offenbart, in dem
das Retentionsmittelsystem aus (i) mindestens einem Vinylamineinheiten enthaltenden
Polymeren, (ii) mindestens einem linearen, anionischen Polymeren mit einer Molmasse
M
w von mindestens 1 Million und/oder mindestens einem verzweigten, anionischen wasserlöslichen
Polymeren und/oder einem Bentonit und/oder Kieselgel und (iii) mindestens einem teilchenförmigen,
anionischen, vernetzten Polymer mit einem mittleren Teilchendurchmesser von mindestens
1 µm und einer intrinsischen Viskosität von weniger als 3 dl/g besteht.
[0007] Retentionsmittelsysteme sind auch sogenannte Mikropartikelsysteme, die neben mindestens
einer polymeren Komponente noch eine organische und/oder anorganische Komponente enthalten.
Allgemein werden in den Mikropartikelsystemen Polymere, wie modifizierte Polyethylenimine,
Polyacrylamide oder Polyvinylamine, als Flockungsmittel zugesetzt, die durch anschließende
Zugabe von beispielsweise anorganischen Mikropartikeln wie Bentonit oder kolloidales
Silica weiter geflockt werden. Die Reihenfolge der Zugabe der Komponenten kann auch
umgekehrt erfolgen.
[0008] Ein solches Mikropartikelsystem ist aus
EP 0 235 893 A1 bekannt. Darin wird ein Verfahren zur Herstellung von Papier beschrieben, in dem
man zu einer wässrigen Fasersuspension zunächst ein im wesentlichen lineares synthetisches
Polymer mit einer Molmasse von mehr als 500 000 in einer Menge von mehr als 0,03 Gew.-%,
bezogen auf trockenen Papierstoff, zugibt, die Mischung anschließend der Einwirkung
eines Scherfeldes unterwirft, und nach der letzten Scherstufe einen Bentonit zudosiert.
[0009] Ein anderes Mikropartikelsystem ist in
DE 102 36 252 A1 beschrieben.
DE 102 36 252 A1 offenbart eine Verfahren zur Herstellung von Papier, wobei als kationisches Polymer
des Mikropartikelsystems kationische Polyacrylamide, Vinylamineinheiten enthaltende
Polymere und/oder Polydiallyldimethylammoniumchlorid mit einer mittleren Molmasse
M
w von jeweils mindestens 500 000 Dalton und einer Ladungsdichte von jeweils höchstens
4,0 meq./g eingesetzt werden. Die anorganische Komponente wird ebenso wie das kationische
Polymer vor der letzten Scherstufe vor dem Stoffauflauf der Fasersuspension zugegeben.
Darüber hinaus ist das Retentionsmittelsystem frei von Polymeren mit einer ladungsdichte
von mehr als 4 meq./g.
[0010] Allen genannten Kombinationen ist gemeinsam, dass nur die Retention verbessert werden
kann.
[0011] Darüber hinaus ist aus der Literatur der Einsatz von Enzymen, insbesondere Cellulasen,
als Hilfsmittel bei der Herstellung von Papier bekannt.
[0012] Aus der
EP 0 524 220 B1 ist ein Verfahren zur Herstellung von Pulpe bekannt, in dem Cellulasen zur Verbesserung
der Entwässerung der Pulpe eingesetzt werden. Dabei werden die Cellulasen in eine
mindestens 8 gew.-%ige Stoffaufbereitung dosiert, vorzugsweise hat die Stoffaufbereitung
einen Anteil von 10 - 20 Gew.-% Fasern. Nachteilig an diesem Verfahren ist, dass nur
die Entwässerung verbessert wird.
[0013] Ein Verfahren zur Verbesserung der Entwässerung von Papierpulpe unter Einsatz einer
Cellulase ist auch aus
EP 0 536 580 A1 bekannt. Demgemäß wird zunächst eine Cellulase in einer Menge von mindestens 0,05
Gew.-%, bezogen auf den trockenen Papierstoff, in den Papierstoff dosiert. Die Kontaktdauer
der Cellulase mit dem Papierstoff beträgt mindestens 20 Minuten bei einer Temperatur
von mindestens 20 °C, bevor anschließend ein wasserlösliches kationisches Polymer
in einer Menge von mindestens 0,007 Gew.-%, bezogen auf den trockenen Papierstoff
zugegeben wird. Nachteilig an diesem Verfahren ist, dass die Cellulase in hohen Mengen
eingesetzt werden muss, um eine gute Entwässerungswirkung zu erzielen.
[0014] WO97/38164 beschreibt ein Verfahren zur Bildung von Papier aus wiederverwendetem Papierzellstoff,
durch Zugabe einer die Entwässerung verbessernden Menge eines Stärke hydrolysierenden
Enzyms, vorzugsweise Amylase, zur Faserstoffsuspension. Dieses Dokument nimmt auch
Bezug auf die Verwendung einer Amylase in Kombination mit einer Cellulase wie Endoglucanase.
[0015] Es besteht daher in der Papierindustrie ein ständiger Bedarf an verbesserten und
neuen Papierhilfsmitteln und Papierhilfsmittelsystemen, die die Retention und Entwässerung
gleichermaßen verbessern.
[0016] Der vorliegenden Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung
von Papier, Pappe und Karton unter Einsatz eines Papierhilfsmittelsystems zur Verfügung
zu stellen, welches eine verbesserte Retention und Entwässerung bewirkt.
[0017] Die Aufgabe wurde gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung von Papier, Pappe und
Karton durch Entwässern eines Papierstoffs auf einem Sieb in Gegenwart mindestens
eines kationischen polymeren Retentionsmittels und/oder Retentionsmittelsystems unter
Blattbildung und Trocknung der Blätter, wobei vor der Zugabe des mindestens einen
kationischen polymeren Retentionsmittels und/oder Retentionsmittelsystems eine Endo-β-1,4-glucanase
in einer Menge von 0,00001 bis 0,01 Gew.-%, bezogen auf den trockenen Papierstoff,
in den Papierstoff dosiert wird,
wobei das kationische polymere Retentionsmittel ein Polyacrylamid ist und die intrinsische
Viskosität des Polyacrylamids im Bereich von 7 bis 15 dL/g liegt.
[0018] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren werden Endo-β-1,4-glucanasen als Entwässerungsmittel
in einer Menge von 0,00001 bis 0,01 Gew.-%, bezogen auf den trockenen Papierstoff
eingesetzt. Bevorzugt werden die Endo-β-1,4-glucanasen in einer Menge von 0,00001
bis 0,005 Gew.-%, besonders bevorzugt im Bereich von 0,00001 bis 0,001 Gew.-%, jeweils
bezogen auf den trockenen Papierstoff, eingesetzt.
[0019] Endo-β-1,4-glucanasen sind Enzyme, die zur Gruppe der Cellulasen gehören. Diese sind
in der Hydrolyse von Cellulose involviert. Für die Hydrolyse von nativer Cellulose
sind drei Haupttypen von Cellulasen bekannt: Endoglucanasen, Exoglucanasen und β-Glucosidasen.
Erfindungsgemäß wirken Endo-β-1,4-glucanasen, die zur Gruppe der Endoglucanasen gehören.
[0020] Endoglucanasen wirken zufällig an löslichen und unlöslichen Celluloseketten. Am reaktivsten
sind sie bei nicht-kristalliner oder amorpher Cellulose, wohingegen sie eine sehr
geringe Reaktivität gegenüber kristalliner Cellulose aufzeigen. Beispiele für Endo-β-1,4-gluconasen
(EC Nr. 3.2.1.4) sind die Handelsprodukte Novozym® 476 der Firma
[0021] Novozymes und Polymin® PR 8336 der BASF SE. Das Handelsprodukt Novozym® 476 der Firma
Novozymes weist eine Aktivität von 4500 ECU/g gemäß der gängigen Unit-Defintion der
Firma Novozymes auf.
[0022] Endoglucanasen werden ausführlich in
WO 98/12307 A1 und der darin zitierten Literatur beschrieben, worauf an dieser Stelle ausdrücklich
Bezug genommen wird. Darüber hinaus sind modifizierte Endoglucanasen in
EP 0 937 138 B1 offenbart, worauf ebenfalls an dieser Stelle Bezug genommen wird.
[0023] Im Allgemeinen werden Cellulasen durch eine große Anzahl von Mikroorganismen wie
beispielsweise Pilzen, Actinobakterien und Myxobakterien aber auch durch Pflanzen
produziert. Besonders Endoglucanasen aus einer breiten Vielzahl von Spezies sind bisher
identifiziert worden. Für die kommerzielle Nutzung werden sie meist aus Kulturen mikroskopischer
Pilze der Gattung Trichoderma (z.B. T. reesei) isoliert, die im Erdboden vorkommen
und zu den Deuteromyceten (Fungi imperfecti) gerechnet werden.
[0024] Die Endo-β-1,4-glucanase kann sowohl in den Dickstoff als auch in den Dünnstoff des
Papierstoffs dosiert werden. Der Dickstoff weist üblicherweise eine Stoffdichte von
mehr als 2 Gew.-%, beispielsweise 2,5 bis 6 Gew.-%, bevorzugt 3,0 bis 4,5 Gew.-%,
jeweils bezogen auf den trockenen Papierstoff, auf. Anschließend wird der Dickstoff
durch Zuführen von Wasser in den sogenannten Dünnstoff überführt, der eine Stoffkonzentration
unterhalb von 1,5 Gew.-%, bezogen auf den trockenen Papierstoff, hat. Meistens liegt
die Stoffkonzentration des Dünnstoffs unterhalb von 1,2 Gew.-%, beispielsweise bei
0,5 bis 1,1 Gew.-%, vorzugsweise 0,6 bis 0,9 Gew.-%, jeweils bezogen auf den trockenen
Papierstoff.
[0025] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Endo-β-1,4-glucanase
in den Dickstoff des Papierstoffs dosiert.
[0026] Erfindungswesentlich ist, dass die Dosierung der Endo-β-1,4-glucanase vor der Zugabe
des mindestens einen kationischen polymeren Retentionsmittels und/oder Retentionsmittelsystems
erfolgt.
[0027] Retentionsmittelsysteme im Sinne dieser Erfindung bestehen aus kationischen Polyacrylamiden
in Kombination mit einer organischen und/oder anorganischen Komponente.
[0028] In dem erfindungsgemäßen Verfahren können lineare, verzweigte oder vernetzte Polyacrylamide
als kationische polymere Retentionsmittel eingesetzt werden.
[0029] Kationische Polyacrylamide sind beispielsweise Copolymerisate, die durch Copolymerisieren
von Acrylamid und mindestens einem Di-C
1-bis C
2-alkylamino-C
2-bis C
4-alkyl(meth)acrylat oder einem basischen Acrylamid in Form der freien Basen, der Salze
mit organischen oder anorganischen Säuren oder der mit Alkylhalogeniden quaternierten
Verbindungen erhältlich sind. Beispiele für solche Verbindungen sind Dimethylaminoethylmethacrylat,
Diethylaminoethylmethacrylat, Dimethylaminoethylacrylat, Diethylaminoethyloacrylyat,
Dimethylaminopropylmethacrylat, Dimethylaminopropylacrylat, Diethylaminopropylmethacrylat,
Diethylaminopropylacrylat und/oder Dimethylaminoethylacrylamid. Weitere Beispiele
für kationische Polyacrylamide können den zum Stand der Technik genannten Literaturstellen
wie
EP 0 910 701 A1 und
US 6,103,065 entnommen werden. Man kann sowohl lineare als auch verzweigte oder vernetzte Polyacrylamide
verwenden. Solche Polymere sind handelsübliche Produkte.
[0030] Verzweigte Polymere, die z. B. durch Copolymerisation von Acrylamid oder Methacrylamid
mit mindestens einem kationischen Monomer in Gegenwart geringer Mengen an Vernetzern
herstellbar sind, werden beispielsweise in den zum Stand der Technik angegebenen Literaturstellen
US 5,393,381,
WO 99/66130 A1 und
WO 99/63159 A1 beschrieben. Weitere verzweigte kationische Polyacrylamide sind als Komponente (b)
in
DE 10 2004 058 587 A1 offenbart, auf die an dieser Stelle ausdrücklich Bezug genommen wird.
[0031] Bevorzugt ist in der Praxis das verzweigte oder vernetzte (Co)polyacrylamid ein kationisches
Copolymer von Acrylamid und eines nicht gesättigten kationischen Ethylenmonomers,
das ausgewählt ist aus Dimethylaminoethylacrylat (ADAME), Dimethylaminoethylacrylamid,
Dimethylaminoethylmethacrylat (MADAME), die durch verschiedene Säuren und Quaternisierungsmittel
quaternisiert oder salzbildend gemacht werden wie Benzylchlorid, Methylchlorid, Alkyl-
oder Arylchlorid, Dimethylsulfat, weiterhin Dimethyldiallylammoniumchlorid (DADMAC),
Acrylamidopropyltrimethylammoniumchlorid (APTAC) und Methacrylamidopropyltrimethylammoniumchlorid
(MAPTAC). Bevorzugte kationische Comonomere sind Dimethylaminoethylacrylat-methochlorid
und Dimethylaminoethylacrylamid-methochlorid, die durch Alkylierung von Dimethylaminoethylacrylat
bzw. Dimethylaminoethylacrylamid mit Methylchlorid erhalten werden.
[0032] Dieses Copolymer wird durch dem Fachmann bekannte Weise durch ein Verzweigungsmittel
verzweigt, das aus einer Verbindung besteht, die mindestens zwei reaktive Gruppierungen
aufweist, die aus der Gruppe ausgewählt sind, die Doppel-, Aldehyd- oder Epoxybindungen
umfassen. Diese Verbindungen sind bekannt und sind beispielsweise in der Druckschrift
EP 0 374 458 A1 beschrieben.
[0033] Selbstverständlich können nach dem erfindungsgemäßen Verfahren auch verzweigte kationische
Polyacrylamide eingesetzt werden, die aus einer Mischung aus verzweigten und linearen
Polyacrylamiden, wie sie im Stand der Technik beschrieben sind, bestehen. Eine solche
Mischung besteht in der Regel aus einem verzweigten kationischen Polyacrylamid wie
oben beschrieben und einem linearen Polyacrylamid in einem Verhältnis von 99:1 bis
1:2, bevorzugt in einem Verhältnis von 90:1 bis 2:1 und besonders bevorzugt in einem
Verhältnis von 90:1 bis 3:1.
[0034] Das kationische Polyacrylamid kann auch vernetzt sein, wobei die Polymerisation der
Monomeren in Gegenwart eines üblichen Vernetzers durchgeführt wird. Vernetzer sind
bekanntlich, Verbindungen, die mindestens zwei ethylenisch ungesättigte Doppelbindungen
im Molekül enthalten wie Methylenbisacrylamid, Pentaerythrittriacrylat oder Glykoldiacrylate.
[0035] Selbstverständlich können in dem erfindungsgemäßen verfahren auch Mischungen von
linearen, verzweigten und vernetzten Polyacrylamiden eingesetzt werden, bevorzugt
wird jedoch nur ein Polyacrylamid eingesetzt.
[0036] Die intrinsische Viskosität wird gemäß ISO 1628/1, October 1988, "Guidelines for
the standardization of methods for the determination of viscosity number and limiting
viscosity number of polymers in dilute solution" bestimmt.
[0037] Selbstverständlich können die genannten kationischen polymeren Retentionsmittel allein
oder in beliebiger Mischung untereinander in dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt
werden. Bevorzugt wird nur ein kationisches polymeres Retentionsmittel eingesetzt.
[0038] Üblicherweise wird das mindestens eine kationische polymere Retentionsmittel in einer
Menge von 0,001 bis 0,1, bevorzugt 0,03 bis 0,5 Gew.-%, jeweils bezogen auf den trockenen
Papierstoff, zudosiert.
[0039] Weiterhin können Retentionsmittelsystem, wie sie aus dem Stand der Technik bekannt
sind, in dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt werden. Diese Retentionsmittelsysteme
bestehen aus den genannten kationischen Polymeren und einer weiteren organischen und/oder
anorganischen Komponente.
[0040] Ein Retentionsmittelsystem mit einer weiteren organischen Komponente, das sich in
dem erfindungsgemäßen Verfahren eignet, enthält neben einem der zuvor genannten kationischen
Polymere noch eine wasserunlösliche, anionische, organische Komponente, die vernetzt
einen Durchmesser von weniger als 750 nm und unvernetzt einen Durchmesser von weniger
als 60 nm aufweist. Bevorzugt handelt es sich bei dieser anionischen Komponente um
ein anionisches, vernetztes Polyacrylamid. Ein solches System ist in
EP 0 462 365 A1 beschreiben. Optional kann ein solches System noch eine anorganische Komponente wie
unten beschrieben enthalten.
[0041] Weiterhin eignet sich ein Retentionsmittelsystem, in dem die organische Komponente
ein anionisches Polymer wie bevorzugt Polyacrylamid ist. Dieses Polyacrylamid kann
linear, verzweigt oder vernetzt sein. Ein solches System aus kationischem Polymer,
anionisch, verzweigtem Polymer und anorganische Komponente ist beispielsweise in
EP 1 328 683 A1 beschrieben. Ähnliche Retentionssysteme sind in
WO 02/33171 A1 beschrieben, wobei hier ein anionisches, vernetztes Polyacrylamid als organische
Komponenten verwendet wird. Darüber hinaus eignet sich das in
WO 01/34910 A1 offenbart Retentionssystem, das ein anionisches, lineares Polyacrylamid als organische
Komponente enthält.
[0042] Bevorzugt sind sogenannte Mikropartikelsysteme, in denen zusammen mit den genannten
kationischen Polymeren eine anorganische Komponente zum Papierstoff dosiert wird.
Bei dieser anorganischen Komponente handelt es sich bevorzugt um Bentonit und/oder
Kieselgel. Bentonite sind feinteilige, in Wasser quellbare Mineralien, wie z.B. Bentonit
selbst, Hectorit, Attapulgit, Montmorillonit, Nontronit, Saponit, Sauconit, Hormit
und Sepiolit. Als Kieselgel eignen sich beispielsweise modifizierte und nicht modifizierte
Kieselsäuren. Bentonit und/oder Kieselgel werden üblicherweise in Form einer wässrigen
Aufschlämmung verwendet. Falls man bei dem erfindungsgemäßen Verfahren ein Mikropartikelsystem
mit einer anorganischen Komponente einsetzt, so beträgt Im Falle von Bentonit die
Menge 0,05 bis 0,5, vorzugsweise 0,1 bis 0,3 Gew.-%, jeweils bezogen auf den trockenen
Papierstoff, und im Falle von Kieselgel üblicherweise 0,005 bis 0,5, vorzugsweise
0,01 bis 0,3 Gew.-%, kalkuliert auf der Basis des SiO
2-Anteils im Kieselgel und jeweils bezogen auf den trockenen Papierstoff.
[0043] Falls ein Mikropartikelsystem in dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendet wird,
kann die anorganische Komponente sowohl vor als auch nach der letzten Scherstufe vor
dem Stoffauflauf in den Papierstoff dosiert werden. Bevorzugt erfolgt die Dosierung
vor der letzten Scherstufe vor dem Stoffauflauf.
[0044] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhält man überraschenderweise eine beträchtlich
verbesserte Entwässerung bei gleich guter Retention gegenüber der Verwendung von kationischen
polymeren Retentionsmitteln und/oder Retentionsmittelsystemen. Die Verwendung von
Endo-β-1,4-glucanasen in einer gegenüber dem Stand der Technik niedrigeren Dosierung
in Kombination mit der Verwendung von Retentionsmitteln und Retentionsmittelsystemen
führt zu einer deutlichen Verbesserung der Entwässerungseigenschaften.
[0045] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren können sämtliche Papierstoffe verarbeitet werden.
Man kann beispielsweise von Cellulosefasern aller Art ausgehen, sowohl von natürlichen
wie auch von zurück gewonnenen Fasern, insbesondere von Fasern aus Altpapier. Als
Faserstoffe zur Herstellung der Pulpen kommen sämtliche dafür gebräuchlichen Qualitäten
in Betracht, z.B. Holzstoff, gebleichter und ungebleichter Zellstoff sowie Papierstoffe
aus allen Einjahrespflanzen. Zu Holzstoff gehören beispielsweise Holzschliff, thermomechanischer
Stoff (TMP), chemo-thermomechanischer Stoff (CTMP), Druckschliff, Halbzellstoff, Hochausbeute-Zellstoff
und Refiner Mechanical Pulp (RMP). Als Zellstoff kommen beispielsweise Sulfat-, Sulfit-
und Natronzellstoffe in Betracht. Vorzugsweise verwendet man ungebleichten Zellstoff,
der auch als ungebleichter Kraftzellstoff bezeichnet wird. Geeignete Einjahrespflanzen
zur Herstellung von Papierstoffen sind beispielsweise Reis, Weizen, Zuckerrohr und
Kenaf. Zur Herstellung der Pulpen kann auch mit Vorteil Altpapier bzw. Altkarton,
das entweder allein oder in Mischung mit anderen Faserstoffen eingesetzt wird, oder
man geht von Fasermischungen aus einem Primärstoff und zurückgeführtem gestrichenen
Ausschuss aus, z.B. gebleichtes Kiefernsulfat in Mischung mit zurückgeführtem gestrichenen
Ausschuss.
[0046] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren werden die Endo-β-1,4-glucanasen als Entwässerungsmittel
vor der Zugabe des kationischen polymeren Retentionsmittels und/oder Retentionsmittelsystems
dem Papierstoff zugesetzt. Selbstverständlich können bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
zusätzlich noch die üblichen Prozesschemikalien zur Herstellung von Papier und Papierprodukten
eingesetzt werden. Übliche Prozesschemikalien sind beispielsweise Additive wie Stärke,
Pigmente, optische Aufheller, Farbstoffe, Biozide, Verfestiger für Papier, Leimungsmittel,
Fixiermittel, Entschäumer und Entlüfter. Die genannten Additive werden dabei in den
sonst üblichen, den Fachmann bekannten Mengen eingesetzt. Als Stärke kann man beispielsweise
sämtliche Stärkesorten wie native Stärken oder modifizierte Stärken, insbesondere
kationisch modifizierte Stärken, verwenden. Als Fixiermittel eignen sich beispielsweise
gegebenenfalls modifizierte Polyethylenimine, Polydimethyldiallylammoniumchlorid,
Dicyandiamid-Harze, mit Epichlorhydrin vernetzte Kondensationsprodukte aus einer Dicarbonsäure
und einem Polyamin, Poly-Aluminiumchlorid, Aluminiumsulfat und Poly-Aluminiumchlorsulfat.
Als Leimungsmittel kommen z.B. Harzleim, Alkyldiketene, Alkenylbernsteinsäureanhydride
oder polymere Leimungsmittel sowie Mischungen davon in Betracht.
[0047] Insbesondere der Einsatz von Verfestigern für Papier ist im erfindungsgemäßen Verfahren
vorteilhaft. Als Verfestiger kommen beispielsweise auch die zuvor genannten Polyvinylamine
bzw. Vinylamineinheiten enthaltenden Polymere in Betracht, die üblicherweise in einer
Menge von 0,01 bis 0,5, vorzugsweise 0,1 bis 0,3 Gew.-%, jeweils bezogen auf den trockenen
Papierstoff, eingesetzt werden. Darüber hinaus eignen sich als Verfestiger auch sogenannte
Carriersysteme, bei denen es sich um mit amphoteren Polymerisaten behandelte Füllstoffe
wie Calciumcarbonat handelt. Derartige Carriersystem sind beispielsweise in der deutschen
Offenlegungsschrift
DE 10 334 133 A1 offenbart.
[0048] Die Erfindung wird anhand der folgenden, nicht einschränkenden Beispiele näher erläutert.
[0049] Die Prozentangaben in den Beispielen bedeuten Gewichtsprozent, sofern aus dem Zusammenhang
nichts anderes hervorgeht. Die Dosierung der einzelnen Komponenten Enzym, Polymer,
Fixiermittel und Bentonit ist in Gew.-% angegeben und bezieht sich auf die trockene
Menge der jeweilige Komponente pro Tonne Papier In den Beispielen wurden folgende
Komponenten verwendet:
| Enzym A: |
Endo-β-1,4-glucanase (Polymin® PR 8336 der BASF SE) |
| Polymer A: |
hochmolekulare kationische Polyacrylamidemulsion mit einem Molekulargewicht von ca.
5 000 000, einer Ladungsdichte von 1,8 meq./g und einer intrinsischen Viskosität von
10,5 dL/g (Polymin® KE 440 der BASF SE) |
| Fixiermittel A: |
niedermolekulares Polyethylenimin mit einem Molekulargewicht von ca. 800 000 und einer
Ladungsdichte von ca. 11 meq./g (Catiofast® SF der BASF SE) |
| Bentonit: |
Microfloc® XFB der BASF SE |
[0050] Die Retentionswirkung (Gesamtretention FPR) wurde nach Britt Jarr bestimmt.
[0051] Die Entwässerungszeit wurde nach ISO Standard 5267 mit einem Schopper-Riegler-Testgerät
bestimmt, in dem man jeweils 1 L der zu prüfenden Faseraufschlämmung mit einer Stoffdichte
von 2 g/L darin entwässerte und die Zeit in Sekunden bestimmte, die für den Durchlauf
von 600 mL Filtrat notwendig war. In den Beispielen wurde die Verbesserung der Entwässerungszeit
in % angegeben, die sich aus der Formel [1 - (Entwässerungszeit (Versuch)/Entwässerungszeit(Vergleich)]
x 100 ergibt.
[0052] Zur Bestimmung des Zeta-Potentials (Oberflächenladung von Fasern) wurde ein SZP-06
System Zeta Potential der Firma Mütek verwendet.
[0053] Der Wasserretentionswert (water retention value, WRV) wurde durch eine empirische
Messung der Wasseraufnahmekapazität einer Fasermatte bestimmt. Dazu wurden 2,50 mL
einer 4 gew.-%igen Faseraufschlämmung in eine Anionenaustauscherextraktionssäule gefüllt,
die auf ca. halber Höhe eine Glasfritte eingebaut enthält (Fa. Merck, SAX, 1.02025.0001
oder Fa. Strata, C8, 8B-S005-HBJ). Anschließend wurde die Suspension bei 3000g für
15 Minuten zentrifugiert. Die feuchte Fasermatte wurde vom Sieb genommen und gewogen
(Gewicht G1). Dann wurde die Fasermatte bei 105 °C bis zur Massenkonstanz getrocknet
und erneut gewogen (Gewicht G2). Der WRV wurde in den Beispielen in % angegeben und
ergibt sich aus der Formel (G1 - G2)/G2 x 100.
Beispiel 1
[0054] In einem 2 L Becherglas wurde eine 1 gew.-%ige Stoffsuspension aus 100 % Altpapier
(old courrugated container) eingefüllt. In einem zweiten 2 L Becherglas wurde eine
3 gew.-%ige Stoffsuspension aus 100 % Altpapier (old corrugated container) eingefüllt.
Der pH-Wert der Stoffsuspensionen wurde, soweit erforderlich, mit einer wässrigen
Natriumhydroxidlösung oder mit Salzsäure auf pH 7,5 eingestellt. Anschließend wurden
die in Tabelle 1 angegeben Mengen des Enzyms A zu den verschiedenen Stoffsuspensionen
gegeben und mit Hilfe eines Heiltof-Rührers bei 800 Umdrehungen pro Minute (UpM) für
eine Stunde bei einer Temperatur von 55 °C gerührt. Nach dieser Behandlung wurden
die Stoffsuspensionen mit Wasser auf eine Stoffdichte von 2 g/L verdünnt und die Entwässerungszeit
bestimmt.
[0055] Zum Vergleich wurde jeweils die Entwässerungszeit einer 1- bzw. 3 gew.%-igen Stoffsupension
als Vergleichswert bestimmt, die derselben Behandlung unterzogen wurden, jedoch kein
Enzym A enthielten. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
Tabelle 1: Verbesserung der Entwässerungszeit bei verschiedenen Enzymkonzentrationen
in Abhängigkeit von der initialen Stoffkonzentration
| Test Nr. |
Enzym A [Gew.-%] |
Verbesserung der Entwässerungszeit [%], 1 gew.-%ige Stoffsuspension |
Verbesserung der Entwässerungszeit [%], 3 gew.-%ige Stoffsuspension |
| 1 |
0,001 |
2,41 |
11,11 |
| 2 |
0,005 |
7,23 |
19,75 |
| 3 |
0,01 |
13,25 |
25,93 |
| 4 |
0,05 |
21,69 |
32,10 |
| 5 |
0,1 |
22,89 |
35,80 |
| 6 |
0,3 |
26,51 |
38,27 |
| 7 |
0,5 |
32,53 |
43,21 |
[0056] Aus Tabelle 1 wird ersichtlich, dass bei einer initialen Stoffkonzentration von 3
Gew.-% die Effizienz des Enzyms deutlich besser ist.
Beispiel 2
[0057] Beispiel 1 wurde wiederholt, allerdings wurden nur 1 gew.-%ige Stoffsupensionen eingesetzt.
Diese wurden nach der Enzymzugabe mit Hilfe eines Heiltof-Rührers bei unterschiedlichen
Rührgeschwindigkeiten (250 UpM bzw. 800 UpM) gerührt. Die weitere Behandlung erfolgte
wie in Bespiel 1. Anschließend wurde die Entwässerungszeit bestimmt.
[0058] Zum Vergleich wurde jeweils die Entwässerungszeit einer 1 gew.-%igen Stoffsuspension
als Vergleichswert bestimmt, die derselben Behandlung unterzogen wurden, jedoch kein
Enzym A enthielten. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammengefasst.
Tabelle 2: Verbesserung der Entwässerungszeit bei verschiedenen Enzymkonzentrationen
in Abhängigkeit von der Rührgeschwindigkeit (initiale Stoffkonzentration 1 Gew.-%)
| Test Nr. |
Enzym A [Gew.-%] |
Verbesserung der Entwässerungszeit [%], 250 UpM |
Verbesserung der Entwässerungszeit [%], 800 UpM |
| 8 |
0,005 |
23,91 |
7,23 |
| 9 |
0,01 |
28,26 |
13,25 |
| 10 |
0,05 |
31,52 |
21,69 |
| 11 |
0,1 |
34,78 |
22,89 |
| 12 |
0,3 |
39,13 |
26,51 |
| 13 |
0,5 |
43,48 |
32,53 |
[0059] Aus Tabelle 2 wird ersichtlich, dass eine Reduzierung der Rührgeschwindigkeit zu
einer erhöhten Effizienz des Enzyms führt.
Beispiel 3
[0060] Beispiel 1 wurde wiederholt, allerdings wurden nur 3 gew.-%ige Stoffsuspensionen
eingesetzt. Diese wurden nach der Enzymzugabe mit Hilfe eines Heiltof-Rührers bei
unterschiedlichen Rührgeschwindigkeiten (250 UpM bzw. 800 UpM) gerührt. Die weitere
Behandlung erfolgte wie in Bespiel 1. Anschließend wurde die Entwässerungszeit bestimmt.
[0061] Zum Vergleich wurde jeweils die Entwässerungszeit einer 3 gew.-%igen Stoffsuspension
als Vergleichswert bestimmt, die derselben Behandlung unterzogen wurden, jedoch kein
Enzym A enthielten. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 zusammengefasst.
Tabelle 3: Verbesserung der Entwässerungszeit bei verschiedenen Enzymkonzentra tionen
in Abhängigkeit von der Rührgeschwindigkeit (initiale Stoffkonzentration 3 Gew.-%)
| Test Nr. |
Enzym A [Gew.-%] |
Verbesserung der Entwässerungszeit [%], 250 UpM |
Verbesserung der Entwässerungszeit [%], 800 UpM |
| 14 |
0,001 |
34,12 |
11,11 |
| 15 |
0,005 |
42,35 |
19,75 |
| 16 |
0,01 |
44,71 |
25,93 |
| 17 |
0,05 |
45,88 |
32,10 |
| 18 |
0,1 |
45,88 |
35,80 |
| 19 |
0,3 |
47,06 |
38,27 |
| 20 |
0,5 |
48,24 |
43,21 |
[0062] Es zeigt sich, dass die Reduzierung der Rührgeschwindigkeit in Kombination mit einer
erhöhten initialen Stoffkonzentration zu einer deutlichen Effizienzsteigerung des
Enzyms beiträgt.
Beispiel 4
[0063] In einem 2 L Becherglas wurde eine 6 gew.-%ige Stoffsuspension aus 100 % Altpapier
(old corrugated container) eingefüllt. Der pH-Wert der Stoffsuspension wurde, soweit
erforderlich, mit einer wässrigen Natriumhydroxidlösung oder Salzsäure auf pH 7,5
eingestellt. Anschließend wurden die in Tabelle 4 angegebenen Mengen des Enzyms A
zugegeben und mit Hilfe eines Heiltof-Rührers bei 250 UpM für eine Stunde bei 55 °C
gerührt. Nach dieser Behandlung wurden 500 mL dieser Stoffsuspension entnommen und
mit Wasser auf eine Stoffkonzentration von 0,5 Gew.-% verdünnt.
[0064] Von dieser verdünnten Stoffsuspension wurde das Zeta Potential bestimmt. Darüber
hinaus wurde die Retentionswirkung (Gesamtretention FPR) nach Britt Jarr von dieser
verdünnten Stoffsuspension, sowie der chemische Sauerstoffbedarf (COD) des Weißwassers
(Filtrat) bestimmt, wobei folgende Zeitsequenz eingehalten wurde:
| t = 0 s |
Start des Rührers |
| t = 10 s |
optional Zugabe von 0,03 Gew.-% Polymer A) |
| t = 30 s |
Abnahme von 100 mL der Suspension zur Messung der Retentionswirkung (FPR) oder des
chemischen Sauerstoffbedarfs (COD) des Weißwassers (Filtrat) |
[0065] Zum Vergleich wurde das Zeta-Potential, die Retentionswirkung (FPR) und der chemische
Sauerstoffbedarf (COD) einer Stoffsuspension bestimmt, die derselben Behandlung unterzogen
wurde, jedoch der 0,46 Gew.-% des Enzyms Celluclast® 1,5L (Firma Novozymes, entsprechend
EP 536 580 A) zugefügt wurden. Die Ergebnisse sind in Tabelle 4 zusammengefasst
Tabelle 4: Zeta-Potential, Retentionswirkung (FPR) und chemischer Sauerstoffbedarf
(COD)
| Enzym [Gew.-%] |
Zeta-Potential [mV] |
COD ohne Zugabe von Polymer A [µeq/L] |
COD mit Zugabe von Polymer A [µeq/L] |
FPR ohne Zugabe von Polymer A [%] |
FPR mit Zugabe von Polymer A [%] |
| Enzym A, 0 |
-23,6 |
142 |
31,1 |
73,9 |
82,2 |
| Enzym A, 0,0001 |
-24,4 |
186 |
154 |
77,9 |
81,5 |
| Enzym A, 0,0003 |
-25,0 |
221 |
186 |
77,9 |
78,8 |
| Enzym A, 0,01 |
-24,9 |
293 |
257 |
75,7 |
79,0 |
| Enzym A, 0,03 |
-24,8 |
413 |
312 |
75,4 |
78,9 |
| Enzym A, 0,46 |
-19,4 |
2020 |
2037 |
73,6 |
78,8 |
| Celluclast® 1,5L, 0,46 |
-10,4 |
2023 |
2020 |
70,5 |
78,4 |
[0066] Anhand der Ergebnisse wird deutlich, dass ein großer Überschuss des Enzyms die Effektivität
des Retentionsmittels Polymer A bei gleichzeitiger starker Zunahme des COD im Weißwasser
(Filtrat) erheblich beeinträchtigt. Durch die Zugabe des Enzyms in einer Konzentration
von 0,46 Gew.-% werden große Mengen an Störstoffen produziert.
[0067] Ohne Zugabe des Retentionsmittels Polymer A wird im Bereich der erfindungsgemäßen
niedrigen Dosierung des Enzyms die Gesamtretentionswirkung (FPR) deutlich verbessert.
Durch die Zugabe des Retentionsmittels Polymer A in Verbindung mit der erfindungsgemäßen
niedrigen Dosierung des Enzyms zeigt sich eine darüber hinaus gehende Wirkung in der
Gesamtretention (FPR).
Beispiel 5
[0068] In einem 2 L Becherglas wurde eine 6 gew.-%ige Stoffsuspension aus 100 % Altpapier
(old corrugated container) eingefüllt. Der pH-Wert der Stoffsuspension wurde, soweit
erforderlich, mit einer wässrigen Natriumhydroxidlösung oder Salzsäure auf pH 7,5
eingestellt. Anschließend wurden die in Tabelle 5 angegebenen Mengen des Enzyms A
zugegeben und mit Hilfe eines Heiltof-Rührers bei 250 UpM für eine Stunde bei 55 °C
gerührt. Nach dieser Behandlung wurde die Stoffsuspension mit Wasser auf eine Stoffdichte
von 2 g/L verdünnt. Zu dieser verdünnten Stoffsuspension wurden optional unter Rühren
0,03 Gew.-% Polymer A zugegeben. Anschließend wurde die Entwässerungszeit bestimmt,
die Ergebnisse sind in Tabelle 5 zusammengefasst.
Tabelle 5: Verbesserung der Entwässerungszeit bei verschiedenen Enzymkonzentrationen
in Abhängigkeit von der Zugabe eines polymeren Retentionsmittels
| Test Nr. |
Enzym A [Gew.-%] |
Verbesserung der Entwässerungszeit [%], ohne Zugabe von Polymer A |
Verbesserung der Entwässerungszeit [%], mit Zugabe von Polymer A |
| 21 |
0 |
-- |
41,7 |
| 22 |
0,0001 |
27,4 |
51,2 |
| 23 |
0,0003 |
39,3 |
58,3 |
[0069] Diese Ergebnisse zeigen den synergistischen Effekt bei einer erfindungsgemäßen niedrigen
Dosierung eines Enzyms in Kombination mit einem kationischen polymeren Retentionsmittel.
Bei einer Enzymdosierung von 0,003 Gew.-% bewirkt die Zugabe des kationischen polymeren
Retentionsmittels eine Erhöhung der Entwässerungsleistung um ca. 20 %.
Beispiel 6
[0070] Beispiel 5 wurde wiederholt, allerdings wurde Enzym A nur in einer Menge von 0,001
Gew.-% zugegeben. Weiterhin wurden optional ein Fixiermittel A, Polymer A und ein
Bentonit zugegeben. Anschließend wurde die Entwässerungszeit bestimmt, die Ergebnisse
sind in Tabelle 6 zusammengefasst.
Tabelle 6: Verbesserung Entwässerungszeit in Abhängigkeit von der Zugabe eines Fixiermittels,
eines polymeren Retentionsmittels und eines Bentonits
| Test Nr. |
Enzym A [Gew.-%] |
Fixiermittel A [Gew.-%] |
Polymer A [Gew.-%] |
Bentonit [Gew.-%] |
Verbesserung der Entwässerungszeit [%] |
| 24 |
0 |
0 |
0 |
0 |
-- |
| 25 |
0,001 |
0 |
0 |
0 |
35,0 |
| 26 |
0 |
0,01 |
0 |
0 |
3,3 |
| 27 |
0,001 |
0,01 |
0 |
0 |
32,5 |
| 28 |
0 |
0 |
0,03 |
0 |
41,7 |
| 29 |
0 |
0,01 |
0,03 |
0 |
39,2 |
| 30 |
0,001 |
0,01 |
0,03 |
0 |
51,7 |
| 31 |
0 |
0,01 |
0,03 |
0,2 |
46,7 |
| 32 |
0,001 |
0,01 |
0,03 |
0,2 |
54,2 |
[0071] Anhand der Ergebnisse wird deutlich, dass die Kombination von niedrig dosiertem Enzym
mit einem kationischen polymeren Retentionsmittel als auch mit einem Retentionsmittelsystem
aus kationischem Polymer und anorganischer Mikropartikelkomponente zu einer erheblichen
Verbesserung der Entwässerung führt.
Beispiel 7
[0072] In einem 2 L Becherglas wurde eine 4 gew.-% Stoffsuspension aus 100 % Altpapier (old
corrugated container) eingefüllt. Der pH-Wert der Stoffsuspension wurde, soweit erforderlich,
mit einer wässrigen Natriumhydroxidlösung oder Salzsäure auf pH 7,5 eingestellt. Anschließend
wurden die in Tabelle 7 angegebenen Mengen des Enzyms A zugegeben und mit Hilfe eines
Heiltof-Rührers bei 800 UpM für eine Stunde bei 55 °C gerührt. Nach dieser Behandlung
wurde die Stoffsuspension mit Wasser auf eine Stoffdichte von 2 g/L verdünnt. Zu dieser
verdünnten Stoffsuspension wurden optional unter Rühren 0,03 Gew.-% Polymer A zugegeben.
Anschließend wurde der Wasserretentionswert (water retention value, WRV) bestimmt,
die Ergebnisse sind in Tabelle 7 zusammengefasst.
Tabelle 7: Wasserretentionswert bei verschiedenen Enzymkonzentrationen in Abhängigkeit
von der Zugabe eines polymeren Retentionsmittels
| Test Nr. |
Enzym A [Gew.-%] |
WRV ohne Zugabe von Polymer A [%] |
WRV mit Zugabe von Polymer A [%] |
| 33 |
0 |
116 |
112 |
| 34 |
0,001 |
103 |
98 |
| 35 |
0,005 |
99 |
101 |
| 36 |
0,01 |
101 |
99 |
| 37 |
0,05 |
102 |
102 |
| 38 |
0,1 |
104 |
98 |
| 39 |
0,3 |
103 |
101 |
| 40 |
0,5 |
102 |
101 |
[0073] Die Ergebnisse zeigen, dass die Zugabe des Enzyms in einer niedrigen Dosierung zu
einer Verbesserung der Fasermodifikation führen.
1. Verfahren zur Herstellung von Papier, Pappe und Karton durch Entwässern eines Papierstoffs
auf einem Sieb in Gegenwart mindestens eines kationischen polymeren Retentionsmittels
und/oder Retentionsmittelsystems unter Blattbildung und Trocknung der Blätter, dadurch gekennzeichnet, dass vor der Zugabe des mindestens einen kationischen polymeren Retentionsmittels und/oder
Retentionsmittelsystems eine Endo-β-1,4-glucanase in einer Menge von 0,00001 bis 0,01
Gew.-%, bezogen auf den trockenen Papierstoff, in den Papierstoff dosiert wird,
wobei das kationische polymere Retentionsmittel ein Polyacrylamid ist und die intrinsische
Viskosität des Polyacrylamids im Bereich von 7 bis 15 dL/g liegt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Endo-β-1,4-glucanase in einer Menge von 0,00001 bis 0,005 Gew.-%, bezogen auf
den trockenen Papierstoff, in den Papierstoff dosiert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Endo-β-1,4-glucanase in einer Menge von 0,00001 bis 0,001 Gew.-%, bezogen auf
den trockenen Papierstoff, in den Papierstoff dosiert wird.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Endo-β-1,4-glucanase in den Dickstoff des Papierstoffs dosiert wird.
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein lineares, verzweigtes oder vernetztes Polyacrylamid eingesetzt wird.
6. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das kationische polymere Retentionsmittel in einer Menge von 0,001 bis 0,1 Gew.-%,
bezogen auf den trockenen Papierstoff dosiert wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Retentionsmittelsystem ein Mikropartikelsystem mit einer anorganischen Komponente
ist.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die anorganische Komponente ausgewählt ist aus Bentonit und Kieselgel.