[0001] Die Erfindung betrifft eine Rollenwickelvorrichtung zum Aufwickeln einer Materialbahn,
insbesondere einer Papier- oder Kartonbahn, auf mindestens einen Wickelkern, vorzugsweise
eine Wickelhülse, zu mindestens einer Wickelrolle, an der beim Wickeln mindestens
eine in einem bewegbaren Walzenlager gelagerte Walze anliegt, und mindestens ein bewegbares
Walzenlager über ein Dämpfungsmittel, mit einer Abstützung verbunden ist.
[0002] Die Erfindung betrifft ferner Verfahren zum Aufwickeln einer Materialbahn, insbesondere
einer Papier- oder Kartonbahn, auf mindestens einen Wickelkern, vorzugsweise eine
Wickelhülse, zu mindestens einer Wickelrolle, mittels einer erfindungsgemäßen Rollenwickelvorrichtung.
[0003] Die Erfindung wird im Folgenden im Zusammenhang mit der Behandlung einer Papierbahn
erläutert. Sie ist jedoch auch bei anderen Bahnen entsprechend anwendbar, die ähnlich
zu handhaben sind. Dabei handelt es sich beispielsweise, jedoch nicht erschöpfend,
um Bahnen aus Karton, Kunststoff- oder Metallfolien.
[0004] Papierbahnen werden in relativ großen Breiten von bis zu über 11 m in einer Papiermaschine
produziert. Die Produktion erfolgt quasi endlos. Dabei definiert die Warenlaufrichtung
der Papiermaschine für alle in der Papierfabrik befindlichen Maschinen und Einrichtungen
die Längs- und in horizontaler Ebene senkrecht dazu die Querrichtung. Zur Vereinfachung
der vorliegenden Schrift wird im Weiteren an geeigneten Stellen die Längsrichtung
als X-Richtung, die Querrichtung als Y-Richtung und die auf einer durch diese beiden
Richtungen aufgespannten Ebene senkrecht stehende Höhenrichtung als Z-Richtung bezeichnet.
Am Ende der Papiermaschine wird die erzeugte Papierbahn in voller Breite auf einen
Wickelkern aufgewickelt. Dieser Wickelkern wird zyklisch, in aller Regel bei laufender
Produktion, ersetzt. Der auf diese Weise entstehende, bahnbreite Wickel wird üblicherweise
als Mutterrolle oder Volltambour bezeichnet. Um für einen späteren Verwender, beispielsweise
eine Druckerei, handhabbar zu sein, muss die, auf einer Mutterrolle gewickelte, Papierbahn
in mehrere, parallel verlaufende Teilbahnen geschnitten werden, deren Breiten für
den jeweiligen späteren Verwender geeignet ist. Diese Breiten können fallweise stark
variieren, sodass die Aufteilung der Papierbahn üblicherweise nach einem individuell
definierbaren Schnittmuster vorgenommen wird. Die Teilbahnen werden dann zu so genannten
Teilbahn- oder Fertigrollen aufgewickelt und gemeinsam als sogenannter Rollenwurf
ausgegeben, Das Schnittmuster ist von Rollenwurf zu Rollenwurf änderbar. Das Längsschneiden
und Aufwickeln erfolgt zweckmäßigerweise in einer einzigen Maschine, der sogenannten
Rollenschneidmaschine, die für die Zwecke der vorliegenden Anmeldung allgemein als
Rollenwickelvorrichtung bezeichnet wird, da beispielsweise bei dem reinen Umrollen
einer Mutterrolle, ohne Formatänderungen mindestens ein Tei! der möglichen Wickelprobleme
auftreten kann. Im Wesentlichen besteht eine solche Rollenwickelvorrichtung aus einer
Abrolleinrichtung, einer Schneidpartie und einer Aufrolleinrichtung, wobei die Schneidpartie
eine entsprechend der möglichen Teilungen angepassten Anzahl von meist scheibenförmig
ausgebildeten Schneiden aufweist.
Bei der Ausgestaltung einer Rollenwickelvorrichtung unterscheidet der Fachmann zwischen
zwei grundsätzlichen Bautypen, nämlich dem Tragwalzenroller und dem Stützwalzenroller.
Kennzeichnend für den Tragwalzenroller-Typ ist eine Aufrolleinrichtung, bei der der
gesamte Rollenwurf in einem Wickelbett, das aus zwei Tragwalzen besteht, auf Wickelhülsen
aufgewickelt wird. Die Wickelhülsen des Rollenwurfes können achslos durch Spannbeziehungsweise
Führungsköpfe oder, in selteneren Fällen, durch in die Wickelhülsen eingeführte Wickelwellen
gehalten werden. Die Rollen werden gemeinsam, als kompletter Wurf, aufgewickelt. In
der Regel geschieht dies mittels einer Umfangswicklung, wozu mindestens eine der beiden
Tragwalzen antreibbar ist. Wird eine Wickelwelle verwendet kann auch eine Zentrumswicklung
oder eine Kombination von beidem stattfinden.
In einer für den Stützwalzenroller-Typ kennzeichnenden Aufrolleinrichtung wird jede
einzelne zu wickelnde Rolle in einer eigenen Wickelstation gewickelt. Die Rollen stützen
sich während des Wickelvorgangs auf einer Stützwalze ab. Je nach Bauart werden ein
bis zwei Stützwalzen und fallweise zusätzliche Stützrollen verwendet. Die Teilbahnbeziehungsweise
Fertigrollen werden in ihren Wickelstationen auf Wickelhülsen gewickelt, die jeweils
von einem eingeführten Paar Spannbeziehungsweise Führungsköpfen gehalten werden. Die
Rollen werden entweder über diese Spann- beziehungsweise Führungsköpfe mit Zentrumswicklung
oder über die mindestens eine Stützwalze mit Umfangswicklung oder kombiniert angetrieben.
Beide Maschinentypen verwenden im Allgemeinen zusätzliche Andruckwalzen, die im Anfangsstadium
jeder Wicklung für ein gewünschtes Maß an Wickelhärte sorgen.
[0005] Die Typenfestlegung der zu verwendenden Rollenwickelvorrichtungen ist in der Regel
von der herzustellenden Papiersorte und der gewünschten Wickelqualität abhängig. Unabhängig
davon steht der Betreiber einer Papierfabrik einer anderen, grundsätzlichen Problematik
gegenüber:
Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Erreichung einer hohen Produktivität
ist man bestrebt, hohe Produktionsgeschwindigkeiten zu erreichen. Dabei haben sich
alle in der Produktionskette einer Papierfabrik befindlichen Einrichtungen beziehungsweise
Maschinen an der durch die Papiermaschine vorgegebenen Produktionsgeschwindigkeit
beziehungsweise deren Produktionsausstoß zu orientieren. Da eine Papiermaschine, einmal
von Störungsfällen abgesehen, kontinuierlich arbeitet, ist es für eine diskontinuierlich
arbeitende Rollenwickelvorrichtung schwierig, der vorgelegten Geschwindigkeit zu folgen,
da Rüst-, Beschleunigungs- und Verzögerungszeiten entsprechend der Aufgabe der Formatreduzierung
relativ häufig anfallen und deshalb nur durch deutlich höhere Produktionsgeschwindigkeiten
auszugleichen sind.
[0006] Solche hohen Anforderungen an die Wickelgeschwindigkeiten bergen jedoch ein hohes
Gefährdungspotential auf Grund auftretender Schwingungen.
Der zu erzeugende Wickel nimmt kaum eine ideale runde Form an. Kleine Wickelfehler,
beispielsweise auf Grund leichter Profilschwarkungen der zu wickelnden Papierbahn,
addieren sich bei jeder vollen Umwicklung. Im weiteren Verlauf bilden die Wickelrollen
in diesen Bereichen Verhärtungen aus. Auf Grund der periodischen Wiederkehr der jeweiligen
Wickelfehler des rotierenden Wickels, bilden sich in Abhängigkeit von dessen Umfang
und Umfangsgeschwindigkeit Schwingungen entsprechender Frequenz aus.
[0007] Mit zunehmender Produktionsgeschwindigkeit wird die Erregerfrequenz immer größer
(bei steigender Umfangsgeschwindigkeit durchläuft dieselbe Position des Wickels immer
häufiger denselben Wickelspalt) und die Erregeramplitude wird immer heftiger (gleichzeitig
wächst mit zunehmendem Wickelrollendurchmesser auch dessen Unebenheit und das wirksames
Gewicht). Dabei nimmt die Wahrscheinlichkeit stark zu, dass sich während dieses komplexen
Prozesses Schwingungen ausbilden, die (über ganzzahlige Harmonische) geeignet sind,
mit den Tragwalzen der Wickelmaschine Resonanzen auszubilden, die zu einem heftigen,
teilweise raschen "Aufschaukeln" der gesamten Maschine führen können. Wie bekannt
können dabei im Extremfall Wickel aus dem Wickelbett ausgeworfen werden.
[0008] Bei heute angestrebten Produktionsgeschwindigkeiten von 3000 m/min besteht kaum noch
die wirtschaftlich nutzbare Möglichkeit die Eigenfrequenzen der beteiligten Tragwalzen
derart auszulegen, dass eine mögliche Eigenstimmulierung des Systems zuverlässig ausgeschlossen
werden kann.
[0009] Überlagernd dazu treten noch weitere Schwingungsproblematiken auf. Beispielsweise
nimmt die sich bildende Wickelrolle den Zustand eines anisotropen Rotors an. Ursächlich
dafür sind Querprofilschwankungen der Papierbahn, die sich bei jeder Umwicklung addieren.
Es kann dann bei jeder Umdrehung auch zu Kontaktverlusten oder mindestens unterschiedlichen
Linienlasten kommen. Über papiertechnologische Zusammenhänge, wie Kompressibilität
oder Reibwert der Bahn, bilden sich dann inhomogene Rollen aus.
Bereits bei einer halbkritischen Geschwindigkeit, die etwa der halben Resonanzdrehzahl
der Rolle entspricht, kommt es zu starken Verformungen der Rolle. Diese Verformungen
werden auch als s2-Schlag oder 2f-Schlag bezeichnet. Sie stehen abermals in massiver
Wechselwirkung mit den anderen am gesamten Wickelsystem beteiligten Komponenten und
können mitverantwortlich für einen Exzentrischen Rollenaufbau sein.
[0010] Zur Bekämpfung der daraus resultierenden Schwingungen und der dann folgenden Schäden
ist es bekannt eine auf den oder die zu wickelnden Wickel einwirkende Walze zu dämpfen
um einem, sich bildenden Schwingungsprozess Energie zu entziehen. Dabei ist man bestrebt,
den Wickelaufbau zu verbessern, verfolgt jedoch in erster Linie das Ziel, gefährliche
Wickelrollenauswürfe zu vermeiden. Deshalb wurde bisher stets angenommen, man müsse
resonanzkritische Zustände vermeiden, indem man effektiv gegen bereits gefährliche
Schwingungsbereiche vorgehe, sodass Dämpfungssysteme nach dem Stand der Technik entsprechend
dahin gehend ausgelegt sind, dass sie vor Erreichung kritischer Schwingungszustände
besonders effektiv arbeiten. In der Praxis bedeutet dies jedoch, dass die Rollenwickelvorrichtungen,
insbesondere Rollenschneidvorrichtungen, im Betrieb recht häufig in Grenzbereichen
betrieben werden. Einmal angeregte beziehungsweise selbsterregte Wickelrollen lassen
sich nur noch auf ein eben nötiges Maß beruhigen, um den Wickelprozess meist sicher
beenden zu können. Der Wickelaufbau ist dabei jedoch im Ergebnis häufig nicht zufrieden
stellend. Außerdem ist die Produktivität, dass heißt in erster Linie die Wickelgeschwindigkeit,
insbesondere bei wickelkritischen Papiersorten, kaum über ein sicher umsetzbares Maß
von 2800 m/min steigerbar.
[0011] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung und ein Verfahren
zum Aufwickeln einer Materialbahn auf eine Wickelrolle derart weiterzuentwickeln,
dass der Wickelaufbau verbessert und insbesondere die Verhältnisse im Aufwickelbereich
stabilisiert werden.
[0012] Die Aufgabe der Erfindung wird vorrichtungsgemäß dadurch gelöst, dass das Walzenlager
einen notwendigen Bestandteil des Dämpfungsmittels bildet.
[0013] Unter einem notwendigen Bestandteil eines Dämpfungsmittels versteht die vorliegende
Schrift genau diejenigen Bauteile, die zur Erzeugung eines funktionsfähigen Dampfungsmittels,
das einem Schwingungssystem mittels Formänderungsarbeit Energie entzieht, unbedingt
nötig sind. Im Falle eines fluidgestützten Dämpfungsmittels, beispielsweise eines
Hydraulikdämpfungszylinders, sind dies die Druckkammer bildenden Bauteile, also der
Zylinder und der Kolben, sowie das Druckmedium.
[0014] Es kann also bevorzugt sein, dass das Walzenlager und das Dämpfungsmittel eine Baueinheit
bilden. Dazu wäre es beispielsweise denkbar, dass das Walzenlager aus einem, möglicherweise
durch Stahleinlagen oder Ähnlichem, verstärkten, Gummielement besteht.
[0015] Durch die erfinderische Lösung ist eine sehr Kompakte Bauweise möglich. Die Anzahl
der Bauteile verringert sich, damit sinken Anschaffungskosten und Haltungskosten,
da auch weniger Verschleißmöglichkeiten vorhanden sind Von ganz besonderem Vorteil
hinsichtlich einer Rollenwickelvorrichtung ist dabei jedoch der Aspekt, dass, auf
das Walzenlager wirksam werdende Erregungen somit auch direkt an dem Dämpfungsmittel
wirksam werden. So sind Reaktionszeiten erzielbar, die bisher als nicht erreichbar
galten.
[0016] Es ist bevorzugt, dass das Walzenlager einen Teil einer, Druckkammer bildet, die
zur Aufnahme mindestens eines Druckmediums geeignet ist.
[0017] Dabei kann es fallweise bevorzugt sein, dass die Druckkammer das, dann vorzugsweise
kompremierbare. Druckmedium stationär beinhaltet oder von dem Druckmedium druchströmbar
ist.
[0018] Somit steht das Walzenlager direkt mit dem Druckmedium in Kontakt, wobei die aufgenommene
Erregung, also die Schwingungsenergie in Formänderungsarbeit des Druckmediums umgewandelt
wird, und hier schließlich zumindest teilweise in Wärme emmitiert.
[0019] Somit sind auch die Dichtflächen der Druckkammer zumindest teilweise durch die Kontaktzonen
zwischen Walzenlager und Druckmedium ausbildbar. Somit entsteht eine Dichtung, die
frei von der Berührung zweier Festkörper ist. Eine solche berührungsfreie Dichtung
kann im technischen Sinne als reibungsfrei betrachtet werden. Eine Dichtung wird als
berührungsfrei bezeichnet, wenn die beiden Dichtspalt bildenden Teile mit und ohne
Bewegung und ohne Hilfsenergie dauerhaft voneinander durch einen endlichen Spalt getrennt
sind.
Derartige Dichtungen bieten unter anderem den Vorteil verschleißfrei zu sein und keine
Änderungen in ihren Dichtwirkungen aufzuweisen. Auch sind Wärmeübertragung der Dichtspalt
bildenden Teile gering und keine Beschränkung zulässiger Relativgeschwindigkeiten
zu beachten.
Somit sind Slip-Stick-Effekte über den gesamten Wickelprozess auch bei dauerhafter
dynamischer Belastung der Rollenwickelvorrichtung wirkungsvoll vermeidbar.
Unter einer reibungsfreien Dichtung wird also eine Dichtung verstanden, die im technischen
Sinne reibungsfrei, oder zumindest weitgehend reibungsfrei ist. Das heißt, dass hier
zu vernachlässigende kleine Reibbeiwerte durchaus von dem Begriff "reibungsfrei" mit
erfasst werden sollen.
[0020] Auf diese Weise ist es möglich, dass das Dämpfungsmittel selbst auf kleinste Erregungen
reagiert. Damit wird es erstmals möglich, selbst kleinste schwingungsinduzierte Anfangsfehler
im sich bildenden Wickelaufbau effektiv zu bekämpfen oder idealer Weise zu verhindern.
Eine reibungsbehaftete Dichtung wirkt nämlich, bis zur Überwindung ihres Haftreibbeiwertes,
wie eine Verriegelung des Dämpfungsmittels. Das heißt, dass die zu wickelnden Wickelrollen,
solange auf einer "starren" Wickeleinrichtung, also einer starr gelagerten Walze,
gewickelt werden, bis die Haftreibung der Dichtung plötzlich überwunden wird, was
eine kurzzeitig wirkende, zusätzliche Beunruhigung im Wickelrollenaufbau verursacht.
Dabei kann der Haftreibbeiwert handelsüblicher Dichtungen durchaus 0,6 bis 0,85 betragen,
sodass hier zunächst erhebliche Energien starr an die Abstützung durchgestellt werden,
beziehungsweise sich in nachteiligem Wickelaufbau, insbesondere in Unrundheitsbildungen
und bereichsweisen Verhärtungen niederschlagen, bis das Dämpfungsmittel überhaupt
anfängt wirksam zu werden.
[0021] Ein Dämpfungsmittel entzieht einem System über Formänderungsarbeit Energie. Auf diese
Weise verringern sich die Amplituden der Schwingungen und damit auch das Risiko gefährlicher
Resonanzen. Zur technischen Umsetzung wird die Energie meist mittels Reibung in thermische
Energie umgesetzt, weshalb es besonders überraschend ist, erfindungsgemäß einen solchen
Effekt an einer ganz bestimmten Stelle auszuschließen, um eine möglichst gute Dämpfungswirkung
zu erzielen. Ein Dämpfungsmittel, das einen Zylinder und einen darin bewegbaren Kolben,
der hier durch das Walzenlager ausgebildet ist, aufweist, umfasst mindestens eine
Druckkammer, in der sich ein Dämpfungsmedium befindet, dass unter Kolbenbelastung
einem Druck aussetzbar ist und dessen Reibarbeit, und damit dessen Dämpfungsgrad,
im Allgemeinen über eine Ventilstellung einstell- oder regelbar ist.
[0022] Eine mittels einer erfindungsgemäßen Vorrichtung von Anfang an beruhigbare Wickelrolle
bildet sich wesentlich homogener aus und verursacht weit weniger selbsterregte Schwingungen
im weiteren Wickelprozess. Der gesamte Prozess läuft wesentlich ruhiger und stabiler
ab und erzeugt Wickelrollen höherer Qualität. Auch sind so höherer Produktionsgeschwindigkeiten
und schärfere Beschleunigungsbeziehungsweise Verzögerurgsvorgänge möglich.
[0023] Es ist bevorzugt, dass der Zylinder als doppeltwirkender Dämpfungszylinder ausgebildet
ist. Auf diese Weise können die positiven und negativen Amplituden aufkeimender oder
anliegender Schwingungen besonders wirksam reduziert werden.
[0024] Dazu ist es denkbar, dass das Walzenlager selbst eine zweite Druckkammer umfasst,
die zum Austausch des Druckmediums mit der notwendig vorhandenen Druckkammer geeignet
ist. Es ist also von Vorteil, wenn die Druckkammer wenigstens zwei Druckmediumzuführungen
aufweist. Dabei kann es von besonderem Vorteil sein, wenn die Druckkammer im Walzenlager
und/oder in der Abstützung angeordnet ist. Ebenso kann es von besonderem Vorteil sein,
eine
Druckmediumzuführung oder mehrere über die Druckflächen verteilte Druckmediumzuführungen
vorzusehen. Somit läßt sich fallweise ein guter Kompromiss zwischen Herstellkosten
und Betriebsanforderungen erzielen.
[0025] Es ist von Vorteil, wenn die Druckkammer mechanisch verriegelt, selbstverriegelnd
oder mechanisch unverriegelt ausgebildet ist.
[0026] Unter einer mechanisch verriegelten Druckkammer versteht die vorliegende Schrift
eine Druckkammer, wie sie in einem normalen Dämpfungszylinder üblich ist. Die Druckkammer
ist belastbar, Strömungsbewegungen des Druckmediums sind nur durch vorbestimmte Leitungen,
insbesondere durch Ventile möglich. Das Walzenlager arbeitet also wie ein Kolben in
einem Zylinder und kann möglicherweise dazu auch eine zylindrische Form annehmen,
wenn seine bauliche Umgebung einen zylinderförmigen Innenraum ausbildet. Es ist denkbar,
dass das Walzenlager auch über einen nennenswerten Bereich, beispielsweise über 2
mm bis 150 mm, seiner Stirnseiten eine berührungsfreie Dichtfläche mit der Innenseite
des Zylinders bildet.
[0027] Unter einer mechanisch selbstverriegelnden Druckkammer versteht die vorliegende Schrift,
eine Einrichtung die erst unter einer Belastung eine druckbelastbare Druckkammer ausbildet.
Im vorliegenden Fall kann die Druckkammer also durch die Bewegung des Walzenlagers
zumindest teilweise verschließbar sein.
Eine derartige Ausbildung kann besonders preiswert herstellbar sein und bei entsprechender
Auswahl des Druckmediums, insbesondere hinsichtlich seiner Viskosität, können der
Selbstverriegelungsmechanismus auch direkt als Ventil dienen, sodass bei hoher Belastung
entsprechend viel Energie in Formänderungsarbeit umsetzbar ist, während bei einer
eher geringen Belastung auch die Durchströmungswiderstände für das Druckmedium eher
gering sind. Somit ist in einfachster Weise ein Automatismus umsetzbar, mittels dessen
für einen breiten Schwingungsbereich ein geeignetes Dämpfungsverhalten erzielbar ist.
[0028] In anderen Fällen kann auch eine mechanisch unverriegelte Druckkammer vorteilhaft
sein. Hier steht dann das Druckmedium in direktem Kontakt mit der Umwelt, wobei die
Umwelt möglicherweise unter einem Kompressionsdruck steht. Die Grenzen der Druckkammer
werden also durch die innere Reibung des Druckmediums gebildet, sodass die Druckkammer
nur imaginär vorhanden ist und ihr Volumen in einer weitgehend proportionalen Abhängigkeit
zur Belastung wächst.
Ein derartiges Dämpfungsmittel weist einen eher geringen Wirkungsgrad auf, der jedoch
dann in praxistaugliche Bereiche eindringt, wenn die Druckkammer aus zwei relativ
eng benachbarten relativ großen Flächen ausgebildet wird. Dann bildet sich ein Quetschölspalt
aus, dessen Dämpfungsverhalten überraschender Weise dem eines handelüblichen Dämpfungszylinders
relativ nahe kommt.
[0029] Mit Vorteil ist dafür gesorgt, dass die Druckkammer eine Spalthöhe zwischen 0,10
mm und 10,0 mm, bevorzugt zwischen 0,6 mm und 6,0 mm, ganz bevorzugt zwischen 0,8
mm und 3,5 mm zwischen Walzenlager und Abstützeinrichtung aufweist.
[0030] In Versuchen wurden dazu Flächen von etwa 65 mm x 65mm bis 400 x 400 mm beziehungsweise
entsprechenden Durchmesser mit jeweiligen Anfangsspathöhen von 0,45 mm bis 3,85 mm
gegeneinander bewegt. Dabei wurde das Dämpfungsverhalten bis zum Erreichen von Funktionsgrenzen
tendenziell mit zunehmender Fläche und geringerer Anfangsspalthöhe besser.
[0031] Mit Vorteil handelt es sich bei der mindestens einen Walze um eine Stützwalze, eine
Tragwalze oder eine Auflagewalze.
[0032] Im Sinne der vorliegenden Schrift werden auch mit einem Band umschlungene und/oder
um die sich bildenden Wickelrollen aus einer Trag- in eine Stützposition bewegbare
Wickelwalzen als Trag- oder Stützwalzen verstanden.
[0033] Mit Tragwalzen ausgestattete Rollenwickelvorrichtungen sind generell am stärksten
Schwingungsgefährdet und bieten das Hauptzielfeld der vorliegenden Erfindung.
Stützwalzen-Rollenwickelvorrichtungen sind zwar im Allgemeinen nicht so stark schwingungsgefährdet,
werden aber zur Bearbeitung besonders empfindlicher und kritischer Papiersorten verwendet
und können aus diesem Grund auch ein wichtiges Einsatzfeld für die vorliegende Erfindung
bieten.
Auflagewalzen werden neben ihrer Grundfunktion, der Erhöhung der Wickelhärte zu beginn
des Wickelprozesses, heute häufig zur Stabiliserung der sich bereits im fortschreitenden
Bildungsstadium befindlichen Wickelrollen verwendet und sind dann zunehmend mit einem
Dämpfungseinrichtung ausgerüstet. Unter Berücksichtigung des eingangs genannten Effekts,
dass ein Dämpfungsmittel, das eine reibungsbehaftete Dichtung aufweist, bis zur Überwindung
der Haftreibung wie eine starre Lagerung wirkt, wirkt die Auflagewalze in dieser Phase
als zusätzlich auf die Wickelrollen einwirkenden Störgröße. Dies ist erfindungsgemäß
erstmals vermeidbar.
[0034] Es kann von Vorteil sein, wenn das Dämpfungsmittel mindestens einen Teil einer Dämpfungseinrichtung
bildet, wobei die Dämpfungseinrichtung als aktive oder passive Dämpfungseinrichtung
ausgebildet ist.
[0035] Eine passive Dämpfungseinrichtung bietet generell die Möglichkeit, anliegende Schwingungsenergie
abzubauen, dass heißt den Amplitudenausschalg des vorlegenden Schwingungszustandes
zu verringern. Insbesondere unter Verwendung des vorliegenden Erfindungsgedanken kann
eine solche Dämpfungseinrichtung sehr wirkungsvoll sein, da mittels einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung bereits geringste Schwirtgungsenergienen mindestens teilweise aufzehrbar
sind. Dann bietet eine passive Dämpfungseinrichtung eine hohe Wirkung bei einem sehr
übersichtlichen Kostenaufwand.
Dabei ist es auch denkbar, dass das Dämpfungsmittel den einzigen Teil einer passiven
Dämpfungseinrichtung bildet.
[0036] Während eine passive Dämpfungseinrichtung naturgemäß einem "feed-back"-Prinzip unterliegt,
dass heißt stets nur reagierend wirksam sein kann, ist mit einer aktiven Dämpfung
auch ein "feed-forward"-Prinzip umsetzbar, in dem man aus Messsignalen oder Erfahrungswerten
vorausschauend auf Schwingungsbildungen einwirkt, beziehungsweise diesen entgegenwirkt.
Dazu kann beispielsweise der über das Dämpfungsmedium ausübbare (gegen-)Druck auf
den Kolben veränderbar sein und beispielsweise eine bevorstehenden Belastung entgegen
wirken. Da auch der Kolben eine Masse besitzt, ist er über rasche Druckänderungen
in Schwingungen zu versetzen, die in Überlagerung mit den zu bekämpfenden Schwingungen
bringbar sind, wodurch diese reduzierbar sind. Dann spricht man technisch korrekt
von einer Tilgung, die im Sinne der vorliegenden Schrift von dem Begriff "Dämpfung"
mit erfasst sein soll.
[0037] Mit Vorteil ist dafür gesorgt, dass eine Ausrichtvorrichtung vorgesehen ist, mittels
der eine Bewegungsrichtung des mindestens einen Walzenlagers ausrichtbar ist.
[0038] Auf diese Weise ist eine exakte Justierung sowohl bei der Inbetriebnahme der Rollenwickelvorrichtung,
wie auch nach längerem Gebrauch gewährleistet. Auch kann es fallweise von Bedarf sein,
dass die Wirkungsrichtung des Dämpfungsmittels - die sinnvoller Weise in Niprichtung
weisen sollte nachjustierbar oder gar änderbar ist.
[0039] Mit besonderem Vorteil ist dafür gesorgt, dass das Dämpfungsmittel einen Leistungsbereich
aufweist, der durch ein Dämpfungsvermögen bereits geringster Bewegungen des Walzenlagers
von unter 1 mm pro Sekunde, ganz bevorzugt von unter 0,5 mm pro Sekunde definierbar
ist.
[0040] Somit sind entstehende Schwingungen bereits in frühestem Stadium ihrer Entwicklung
wirkungsvoll dämpfbar.
Auch ist so ein Übergang aus den sich periodisch über die vorliegenden Makroschwingungen
überlagernden Mikroschwingungen, zu sich im Wiederaufbau abbildenden Makroschwingungen
ist damit verhinderbar. Ein Aufschaukeln von Schaden verursachenden Schwingungen,
hier Makroschwingungen genannt, also verhinderbar.
Dabei spricht die vorliegende Schrift auch von Makroschwingungsbereichen und Mikroschwingungsbereichen,
wobei die Makroschwingungsbereiche die üblicherweise wahrgenommenen, resultierenden
Schwingungen beschreiben sollen, während unter den Mikroschwingungen überlagerte Schwingungen,
meist höherer Frequenz, zum Teil von über 8 Hz oder 10 Hz, und geringerer Amplitude,
verstanden werden.
Ferner ist es von Vorteil, wenn mindestens ein Sensor, vorzugsweise mehrere Sensoren
zur Erfassung mindestens eines, vorzugsweise mindestens zwei, der genannten Parameter
vorgesehen ist:
mindestens ein Sensor () zur Erfassung mindestens einer der
nachgenannten Parameter vorgesehen ist:
- Frequenz der Walzenlagerbewegung
- Amplitude der Walzenlagerbewegung
- Druck innerhalb des Druckkammerbereichs
- Druck innerhalb des Druckmittels
- Temperatur des Druckmediums
- Viskosität des Druckmediums
- Verschmutzungsgrad des Druckmediums
- Umgebungsdruck
- Umgebungstemperatur
[0041] Die erfassten Daten sind dann mit Vorteil einer Steuer- /Regelungseinheit zuführbar
sind, die in bevorzugter Weise mit einer übergeordneten Steuerungs-/Regelungseinheit
in Verbindung bringbar.
[0042] Durch die Erfassung einzelner, insbesondere mehrere, der genannten Parameter ist
eine seriöse Datenversorgung der Steuerungs-/Regelungseinheit gewährleistet und moderne
Regelungsmechanismen verwendbar, insbesondere ist die Steuerungs-/Regekmgsenheit den
im Prozess augenblicklich vorliegenden Anforderungen blitzschnell anpassbar und Fehlberechnungen
auf Grund sich ändernden Prozessparametern vermeidbar.
[0043] Verfahrensgemäß wird die Aufgabe der Erfindung dadurch gelöst, dass die sich im Wickelprozess
zwischen der mindestens einen Wickelrolle und der mindestens einen anlegenden Walze
ausbildende und über die Walze an das Walzenlager übertragenden Schwingungen über
ihren gesamten Schwingungsbereich gedämpft werden. Dies geschieht bevorzugt mit Unterstützung
einer Steuerungs-/Regelungseinheit.
[0044] Auf diese Weise kann der gesamte Wickelprozess beruhigt werden, was beste Wickelergebnisse
verspricht. Insbesondere werden Schwingungen, die merkliche Auswirkungen auf das Wickelergebnis
haben, während ihres Entstehungsprozesses verhindert. Dabei nimmt man auch schon auf
kleinste Erregungen, insbesondere im Bereich von unter 1 mm pro Sekunde, bevorzugt
von unter 0,5 mm pro Sekunde Einfluss. Man verwendet dazu vorzugsweise eine Rollenwickelvorrichtung
nach einem der vorrichtungsgemäßen Ansprüchen.
[0045] Es ist von Vorteil, wenn das Walzenlager über den gesamten, sich von der Wickelrolle
auf das Walzenlager übertragenden, Schwingungsfrequenzbereich übergangsfrei gedämpft
wird.
[0046] Dies bildet die beste Voraussetzung für einen gleichmäßigen und qualitativ hochwertigen
Wickelaufbau. Insbesondere möchte man hierbei einen abrupten Übergang durch ein Einsetzen
des Dampfungsprozesses in den bestehenden Schwingungsprozess vermeiden, da ein derartiges
abruptes Einsetzen der Wirksamkeit der angewendeten Dämpfungsmittel und/oder -einrichtungen
häufig zunächst als Störgröße auf den Wickelprozess Einfluss nimmt. Stattdessen lassen
sich auf diese Weise die Schwingungen über den gesamten Wickelprozess in engen, wohl
beherrschbaren Grenzen.
[0047] Bevorzugt wird der Dämpfungsgrad über eine Druckänderung des Druckmediums während
des Wickelprozesses kontinuierlich oder diskret geändert.
[0048] Der Grad, also die Intensität der einwirkenden Dämpfungsmaßnahmen ist dagegen ohne
Störeinfluss, auf den Wickelprozess, änderbar. Eine Änderung des Dämpfungsgrades kann
den Wirkbereich der angewendeten Dämpfungseinrichtung /-mittel wesentlich verbreitern
und die Auswirkungen sich darin auf einzelne schwingende Elemente, hier insbesondere
Wickelrollen und Walzen, befindlicher kritischer Schwingungsbereiche durch rasches
Umgehen oder Durchfahren, verringern.
[0049] Bevorzugt wird der Dämpfungsprozess mindestens abschnittsweise hochfrequent gesteuert
und/oder geregelt.
[0050] Damit kann der Anwender auch sich, aus überlagernden Schwingungen zusammengesetzten
Schwingungen, wirksam entgegentreten. Insbesondere kann er auf die in dieser Schrift
bereits beschriebenen Mikro- und Makroschwingungen Einfluss nehmen. Auch treten die
kleinen Anfangserregungen zu Beginn des Wickelprozesses häufig hochfrequent und oft
mit nur minimalen Bewegungsgeschwindigkeiten von unter 1mm pro Sekunde, oft sogar
von unter 0,5 mm pro Sekunde auf.
[0051] Es ist von praktischem Nutzen wenn ein inkompressibles Druckmedium, insbesondere
ein niedrig viskoses Öl verwendet wird.
[0052] Auf diese Weise läßt sich ein geeignetes Dämpfungsverhalten sehr sicher erziehen.
Auch lassen sich Betriebskosten sparen. Ferner ist die Versorgung mit handelüblichen
Ölen, beispielsweise Motorölen, gewährleistet und Recyclingmaßnahmen einfach umzusetzen.
[0053] Es kann von Vorteil sein, wenn sowohl ein kompressibles, wie auch ein inkompressibles
Druckmedium verwendet wird.
[0054] Somit kann man besonders einfach zwischen zwei Dämpfungsstufen umstellen. Auch ist
es denkbar, dass das eine Dämpfungsmedium das andere beeinflusst. Beispielsweise kann
ein kompressibles Dämpfungsmedium in Form von einem Gas als Vorspannung für ein inkommpressibles
Druckmedium dienen. Unter den Begriffen kompressibel und inkompressibel versteht die
vorliegende Schrift das allgemeine technische Verständnis im Umgang mit diesen Medien.
Also hauptsächlich Gase als kompressibel und Flüssigkeiten, insbesondere Öle, als
inkompressibel.
[0055] Die Erfindung wird im Folgenden anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme
auf die Zeichnungen naher erläutert. In diesen zeigen:
- Figur 1
- Rollenwickelvorrichtung
- Figur 2
- Walzenanordnung
- Figuren 3 bis 5
- Detailansichten mit notwendigen Bestandteilen eines Dämpfungsmittels
[0056] Die in den Figuren 1 und 2 dargestellte bevorzugte Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
Rollenwickelvorrichtung 1 ist im Zusammenhang mit einer Tragwalzenwickelvorrichtung
realisiert, die im Bereich ihrer Aufwicklung eine Walzenanordnung aufweist. Die Walzenanordnung
weist zwei als Tragwalzen ausgebildete Walzen 6 auf, von denen mindestens eine antreibbar
ist. Vorzugsweise sind beide Walzen 6 antreibbar und stehen über eine gemeinsame Steuerungs-/Regelungseinheit
15 in Verbindung. Dabei hat es sich bewährt, wenn die, in Laufrichtung, der Materialbahn
M, insbesondere der Papierbahn, also in x-Richtung, erste Walze 6 drehzahlgeregelt
und die zweite Walze 6 drehmomentengeregelt ist. Die Achsen der Walzen 6 sind in Walzenlagern
4,5 gelagert, die sich auch auf unterschiedlichen Höhenniveaus in z-Richtung befinden
können Weiterhin können die Walzen 6 unterschiedlich starke Durchmesser aufweisen.
Selbstverständlich kann mindestens eine der beiden Walzen 6 auch eine, an der Materialbahn
M wirksam werdende Beschichtung 17 oder Ummantelung aufweisen, während beispielsweise
die andere Walze 6 als Stahlwalze ausgebildet ist.
Neben den Tragwalzen 6 bilden die mindestens eine auf einem Wickelkern, hier einer
Wickelhülse 2 zu wickelnde Wickelrolle 3 und eine nicht immer nötige Auflagewalze
6 wesentliche Elemente einer Wickelanordnung einer Rollenwickelvorrichtung 1. Aus
Gründen der Übersicht ist in der Figur 2 näher dargestellten Walzenanordnung auf die
Darstellung der Auflagewalze 6 verzichtet worden, obwohl mit ihr gleichsam auf die
sich bildende Wickelrolle 3 eingewirkt werden kann und sie gleichsam der hier dargestellten
Tragwalzen 6 gelagert sein kann.
[0057] Die im Ausführungsbeispiel gezeigten beiden bewegbaren Walzenlager 4,5 der Walzen
6 sind über Dämpfungsmittel 7 mit der Abstützung 8 verbunden. Das im Bild rechts dargestellten
Dämpfungsmittel 7 ist Teil einer aktiven Dämpfungseinrichtung 13, die über eine Steuerungs-/Regelungseinheit
19 auch derart ansteuerbar ist, dass sie auftretenden Schwingungen mit gezielten Schwingungsbewegungen
entgegen wirken kann.
Zur Änderung des Dämpfungsgrades kann beispielsweise die aktive Dämpfungseinrichtung
13 zusätzlich mit einer nicht näher dargestellten Änderungseinheit ausgestattet, die
auf die Viskosität des verwendeten Druckmediums 10, dann vorzugsweise einem elektrorheologischen
Öl, einwirken kann. Das Dämpfungsverhalten ändert sich dann mit der Viskosität. Neben
dieser besonders eleganten und raschen Möglichkeit, läßt sich der Dämpfungsgrad jedoch
auch über diskret oder kontinuierlich verstellbare Ventilöffnungen im zu und Ablaufbereich
des Druckmediums 10 bewerkstelligen. Dann ist ein preiswertes Maschinenöl, beispielsweise
in Form eines Hydrauliköls, oder sogar eines, möglicherweise niedrigviskosen Synthetik-
oder Mineralöls, verwendbar.
[0058] Das zu der im linken Bildbereich abgebildeten Walzenlagerung gehörige Dämpfungsmittel
7 ist Teil einer passiven Dämpfungseinrichtung 12. wobei die Dämpfungseinrichtung
12 auch ein Gummielement 14 umfasst.
[0059] In Figuren 3 bis 5 sind Detailansichten mit notwendigen Bestandteilen eines Dämpfungsmittels
dargestellt. Figur 3 bildet dabei ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel mit in positiver
und negativer x-Richtung offener Druckkammer 9 ab, wobei die Spalthöhe h des Quetschölspaltes
gering gegenüber der Fläche A (vergleiche Figur 4) eines, die in Druckkammer 9 ausbildenden
Bauteils, hier also des Walzenlagers 4,5, ist.
In Figur 4 ist ein Beispiel einer Ausgestaltung mit mechanisch verriegelten Druckkammer
9 abgebildet. Die Spalthöhe h an der Stirnseite des Walzenlagers kann dabei noch wesentlich
geringer als die Spalthöhe h ausfallen. Sie liegt bevorzugt bei h' = 0,20 mm bis 0,45
mm. Damit wird eine genügende Dichtwirkung erzielt, ohne das Wälzlager durch unkalkulierbare
Reibarbeit, insbesondere ohne Übergang zwischen Haft-und Glietreibung, in seiner Bewegung
zu beeinflussen.
In Figur 5 ist schließlich eine Ausgestaltung mit selbstverriegelnder Druckkammer
9 dargestellt, wozu die Stirnseiten des Walzenlagers 4,5 in Aussparungen in der Abstützung
bewegbar sind. Ab einem, bevorzugt einstellbaren, Maß an Walzenlagerbewegung verschließen
sich also automatisch die Seitenbereiche zur Ausbildung einer geschlossenen Druckkammer
9. Das Druckmedium kann dann nur noch über die Druckmediumzuführung 11 entweichen,
die vorzugsweise mit einem, nicht dargestellten, verstellbaren Ventil ausgestattet
ist.
[0060] Alle Ausführungsformen bieten auf Grund ihrer reibungsfrei (mehr oder weniger) abgedichteten
Druckkammern die Möglichkeit auch kleinste Erregungen zu dämpfen, da die dargestellten
Dämpfungsmittel frei von Übergängen zwischen Haft- und Gleitreibung sind. In Versuchen
sogar Schwingbewegungen von unter 0.15 Meter pro Sekunde wirksam in Formänderungsarbeit
umgesetzt werden. So sind auch kleinste schwingungsinduzierte Wickelfehler vermeidbar.
[0061] Zur bewegbaren Anordnung ist das rechte Walzenlager über eine Federanordnung 18 mit
der Abstützung 8 verbunden, die hier auch das Widerlager für die Dampfungsmittel 7
beziehungsweise Dämpfungseinrichtungen 12, 13 bildet. Die Federanordnung 18 ist symmetrisch
um das Walzenlager 5 angeordnet und läßt eine, im technischen Sinne reibungsfreie,
lineare Bewegung des Walzenlagers 5 zu. Dazu besteht die Federanordnung 18 aus einzelnen
Blattfedern, die sich berührungsfrei verformen können. Die Stärke der einzelnen Blattfedern
kann gleich oder unterschiedlich sein, ihre Kennlinien degressiven oder progressiven
Charakter annehmen. Die einzelnen Blattfedern sind austauschbar und die Gesamtfederstärke
damit in diskreten Schritten wählbar. Auch über die Federanordnung 18 läßt sich schließlich
der Dämpfungsgrad beeinflussen.
Für das im Bildbereich links dargestellte Walzenlager 4 übernehmen die bereits angesprochenen,
auch dämpfende Aufgaben übernehmenden, Gummielemente 14 weitgehend die beschriebenen
Aufgaben der Federanordnung, ohne jedoch die auf sie wirkenden Erregungen reibungsfrei
an den beschrieben Druckkammerbereich durchzustehen. Damit die Steuerungs-/Regelungseinheit
15 korrekt arbeiten kann sind drei Sensoren 16 vorgesehen, die im vorliegenden Fall
die Frequenz und die Amplitude der Walzenlager 4,5, sowie verschiedene Parameter der
beiden unterschiedlichen Druckmedien erfassen.
[0062] Von den dargestellten Ausführungsformen kann in vielfacher Hinsicht abgewichen werden,
ohne den Grundgedanken der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0063]
- 1
- Rollenwickelorrichtung
- 2
- Wickelhülse
- 3
- Wickelrolle
- 4
- Walzenlager
- 5
- Walzenlager
- 6
- Walze
- 7
- Dämpfungsmittel
- 8
- Abstützung
- 9
- Druckkammer
- 10
- Druckmedium
- 11
- Druckmediumzuführung
- 12
- Passive Dämpfungseinrichtung
- 13
- Aktive Dämpfungseinrichtung
- 14
- Gummielement
- 15
- Steuerungs-/Regelungseinheit
- 16
- Sensor
- 17
- Beschichtung
- 18
- Federanordnung
- A
- Fläche
- h
- Spalthöhe
- M
- Materialbahn (Papierbahn)
- x
- x-Richtung
- Y
- y-Richtung
- z
- z-Richtung
1. Rollenwickelvorrichtung (1) zum Aufwickeln einer Materialbahn, insbesondere einer
Papier- oder Kartonbahn (M), auf mindestens einen Wickelkern, vorzugsweise eine Wickelhülse
(2), zu mindestens einer Wickelrolle (3), an der beim Wickeln mindestens eine in einem
bewegbaren Walzenlager (4,5) gelagerte Walze (6) anliegt, und mindestens ein bewegbares
Walzenlager (4,5) über ein Dämpfungsmittel (7), mit einer Abstützung (8) verbunden
ist, dadurch gekennzeichnet, dass
das Walzenlager (4,5) einen notwendigen Bestandteil des Dämpfungsmittels (7) bildet.
2. Rollenwickelvorrichtung (1) nach dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Walzenlager (4,5) einen Teil einer, Druckkammer (9) bildet, die zur Aufnahme mindestens
eines Druckmediums (10) geeignet ist.
3. Rollenwickelvorrichtung (1) nach dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Druckkammer (9) mechanisch verriegelt, selbstverriegelnd oder mechanisch unverriegelt
ausgebildet ist.
4. Pollenwsckelvorrichtung (1) dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Druckkammer (9) wenigstens zwei Druckmediumzuführungen (11) aufweist.
5. Rollenwickelvorrichtung (1) einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
die Druckkammer (9) im Walzenlager (4,5) und/oder in der Abstützung (8) angeordnet
ist.
6. Rollenwickelvorrichtung (1) nach der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
das Dämpfungsmittel (7) mindestens einen Teil einer Dämpfufigseinrichtung (12,13)
bildet, wobei die Dämpfungseinrichtung (12,13) als aktive oder passive Dämpfungseinrichtung
(12,13) ausgebildet ist.
7. Rollenwickelvorrichtung (1) nach der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, das
die Dämpfungseinrichtung (12,13) ein Gummielement (14) umfasst.
8. Rollenwickelvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens ein Sensor (16) zur Erfassung mindestens einer der nachgenannten Parameter
vorgesehen ist:
- Frequenz der Walzenlagerbewegung
- Amplitude der Walzenlagerbewegung
- Druck innerhalb des Druckkammerbereichs
- Druck innerhalb des Druckmittels
- Temperatur des Druckmediums
- Viskosität des Druckmediums
- Verschmutzungsgrad des Druckmediums
- Umgebungsdruck
- Umgebungstemperatur
9. Rollenwickelvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Druckkammer (9) eine Spalthöhe (h) zwischen 0,10 mm und 10,0 mm, bevorzugt zwischen
0,6 mm und 6,0 mm, ganz bevorzugt zwischen 0,8 mm und 3,5 mm zwischen Walzenlager
(4,5) und Abstützeinrichtung (8) aufweist.
10. Verfahren zum Aufwickeln einer Materialbahn (M), insbesondere einer Papier- oder Kartonbahn,
auf mindestens einen Wickelkern, vorzugsweise eine Wickelhülse (2), zu mindestens
einer Wickelrolle (3), mittels einer Rollenwickelvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden
Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die sich im Wickelprozess zwischen der mindestens einen Wickelrolle (3) und der mindestens
einen anliegenden Walze (6) ausbildende und über die Walze (6) an das Walzenlager
(4,5) übertragenden Schwingungen über ihren gesamten Schwingungsbereich, vorzugsweise
mit Unterstützung einer Steuerungs-/Regeiungsenheit (15), gedämpft werden.
11. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Walzenlager (4,5) über den gesamten, sich von der Wickelrolle (3) auf das Walzenlager
(4,5) übertragenden, Schwingungsfrequenzbereich übergangsfrei gedämpft wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 oder 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Dämpfungsgrad über eine Druckänderung des Druckmediums (10) während des Wickelprozesses
kontinuierlich oder diskret geändert wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 12,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Dämpfungsprozess mindestens abschnittsweise hochfrequent gesteuert und/oder geregelt
wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein inkompressibles Druckmedium (10), insbesondere ein niedrig viskoses Öl verwendet
wird.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 14,
dadurch gekennzeichnet, dass
sowohl ein kompressibles, wie auch ein inkompressibles Druckmedium (10) verwendet
wird.