[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Fahrwerk für ein Fahrzeug sowie ein Fahrzeug
mit einem solchen Fahrwerk gemäss den Oberbegriffen der unabhängigen Patentansprüche.
[0002] Bei gefederten Fahrzeugen ergibt sich bei Kurvenfahrt das Problem, dass durch die
Fliehkraft ein mit zunehmender Geschwindigkeit zunehmendes Wankmoment auf das Fahrwerk
übertragen wird, wodurch die kurvenäusseren Räder stärker belastet werden als die
kurveninneren Räder, so dass es infolge eines Einfederns der kurvenäusseren Räder
und eines Ausfederns der kurveninneren Räder zu einem Neigen des Fahrzeugs zum Kurvenäusseren
hin kommt, welches auch als Wanken bezeichnet wird.
[0003] Dieses Wanken ist unerwünscht und führt zu einer Verlagerung des Schwerpunkts des
Fahrzeugs zum Kurvenäusseren hin und damit zu einer erhöhten Kippneigung.
[0004] Bei Schienenfahrzeugen ergibt sich zudem das Problem, dass im Betrieb ein vorgegebenes
Lichtraumprofil einzuhalten ist, so dass grössere Wankbewegungen problematisch sind.
[0005] Grundsätzlich kann die Wankneigung von Fahrzeugen dadurch reduziert werden, dass
diese mit einer möglichst steifen Fahrwerksfederung ausgestattet werden.
[0006] Bei Schienenfahrzeugen, insbesondere mit langen Fahrwerksabständen, grosser Auflastdifferenz
und hohem Schwerpunkt, ergibt sich dabei ein Auslegungskonflikt bezüglich der Fahrwerksfederung,
da durch die steife Fahrwerksfederung zwar die Wankneigung verringert und damit die
Lichtraumprofiltreue verbessert wird, es jedoch gleichzeitig zu einer Verschlechterung
bei der Entgleisungssicherheit kommen kann. Um eine möglichst grosse Entgleisungssicherheit
zu erzielen, sollte die Fahrwerkfederung im Rahmen der Traglasterfordernisse möglichst
weich ausgelegt sein.
[0007] In der Praxis führt dieser Auslegungskonflikt dazu, dass ein Kompromiss zwischen
steifer und weicher Fahrwerksfederung eingegangen wird mit dem Resultat, dass die
realisierbaren Kurvengeschwindigkeiten beschränkt sind und gleichzeitig ein Kompromiss
beim Fahrkomfort eingegangen wird.
[0008] Bei technisch aufwendigen Fahrzeugen ist es zudem bekannt, dass aktive Fahrwerke
zum Einsatz kommen, bei denen die Steifigkeit der Fahrwerksfederung und/oder die Neigung
des Fahrzeugs durch aktive Eingriffe am Fahrwerk beeinflusst werden kann, wie z.B.
bei der Neigezugtechnik. Solche aktiven Fahrwerkstechnologien sind jedoch aufgrund
der erhöhten Investitions- und Unterhaltskosten im Vergleich zu passiven Systemen
zumindest für kommerziell genutzte Fahrzeuge wirtschaftlich weniger interessant.
[0009] Es stellt sich deshalb die Aufgabe, ein Fahrwerk für ein Fahrzeug und ein Fahrzeug
zur Verfügung zu stellen, welche die zuvor erwähnten Nachteile des Standes der Technik
nicht aufweisen oder diese zumindest teilweise vermeiden.
[0010] Diese Aufgabe wird durch das Fahrwerk und das Fahrzeug gemäss den unabhängigen Patentansprüchen
gelöst.
[0011] Demgemäss betrifft ein erster Aspekt der Erfindung ein Fahrwerk für ein Fahrzeug,
z.B. für ein Strassen-, Gelände- oder Schienenfahrzeug. Das Fahrwerk umfasst zwei
in Fahrtrichtung gesehen hintereinander angeordnete Radsätze oder Radsatzgruppen und
einen federnd auf den Radsätzen bzw. Radsatzgruppen abgestützten Fahrwerksrahmen.
Dabei ist jedem der beiden Radsätze bzw. Radsatzgruppen auf jeder der beiden Radseiten
derselben, also in Fahrtrichtung gesehen auf der linken und der rechten Radseite,
jeweils ein hydraulischer Stabilisator zugeordnet, derart, dass bei einem Einfedern
dieses Radsatzes oder dieser Radsatzgruppe auf der jeweiligen Radseite Hydraulikflüssigkeit
aus einer ersten Hydraulikkammer des Stabilisators verdrängt wird und beim Ausfedern
Hydraulikflüssigkeit aus einer zweiten Hydraulikkammer des Stabilisators verdrängt
wird. Die ersten Hydraulikkammern der Stabilisatoren, welche einer gemeinsamen ersten
Radseite zugeordnet sind, und die zweiten Hydraulikkammern der Stabilisatoren, welche
der anderen der beiden Radseiten zugeordnet sind, sind über erste hydraulische Verbindungsleitungen
zu einem ersten Hydraulikkreis miteinander verbunden. Ebenso sind die zweiten Hydraulikkammern
der Stabilisatoren, welche der gemeinsamen ersten Radseite zugeordnet sind und die
ersten Hydraulikkammern der Stabilisatoren, welche der anderen Radseite zugeordnet
sind, über zweite hydraulische Verbindungsleitungen zu einem zweiten Hydraulikkreis
miteinander verbunden.
[0012] Durch die ersten und zweiten Verbindungsleitungen ist jeweils ein Austausch von Hydraulikflüssigkeit
zwischen den miteinander verbundenen Hydraulikkammern der Stabilisatoren möglich,
also zwischen den zu dem ersten Hydraulikkreis miteinander verbundenen Hydraulikkammern
und zwischen den zu dem zweiten Hydraulikkreis miteinander verbundenen Hydraulikkammern.
Ein Austausch von Hydraulikflüssigkeit zwischen dem ersten und dem zweiten Hydraulikkreis
ist nicht möglich.
[0013] Werden nun beispielsweise die Räder der beiden Radsätze bzw. Radsatzgruppen des Fahrwerks
auf unterschiedlichen Radseiten, d.h. in Fahrtrichtung gesehen diagonal, stärker belastet,
wie dies z.B. bei Fahrwerken von Schienenfahrzeugen im verwundenen Gleis der Fall
ist, so federn die beiden Radsätze bzw. Radsatzgruppen auf unterschiedlichen Radseiten
ein. Hierbei wird jeweils Hydraulikflüssigkeit aus der ersten Hydraulikkammer des
der Einfederungsseite des jeweiligen Radsatzes oder der jeweiligen Radsatzgruppe zugeordneten
Stabilisators verdrängt und über die zugeordneten Verbindungsleitungen der ersten
Kammer des Stabilisators des anderes Radsatzes oder der anderen Radsatzgruppe zugeführt,
welcher derselben Radseite zugeordnet ist, so dass die in Fahrtrichtung gesehen über
die Diagonale weniger belasteten Räder durch die ihnen zugeordneten hydraulischen
Stabilisatoren nach unten gedrückt werden und einen sicheren Kontakt zur jeweiligen
Unterlage, z.B. zur Strasse oder Schiene, beibehalten.
[0014] Werden die Räder einer der beiden Radsätze bzw. Radsatzgruppen des Fahrwerks gleichmässig
stärker belastet als die Räder des anderen Radsatzes oder der anderen Radsatzgruppe,
wie dies z.B. bei Fahrwerken von Schienenfahrzeugen beim Nicken im ebenen Gleis der
Fall ist, so federt der stärker belastete Radsatz bzw. die stärker belastete Radsatzgruppe
auf beiden Radseiten ein. Hierbei wird Hydraulikflüssigkeit aus den ersten Hydraulikkammern
der beiden Stabilisatoren dieses Radsatzes oder dieser Radsatzgruppe verdrängt und
über die Verbindungsleitungen den zweiten Kammern dieser Stabilisatoren zugeführt.
[0015] Werden die Räder der beiden Radsätze bzw. Radsatzgruppen des Fahrwerks gleichmässig
stärker belastet, wie dies z.B. bei Fahrwerken von Schienenfahrzeugen beim Tauchen
im ebenen Gleis der Fall ist, so federn beide Radsätze bzw. Radsatzgruppen auf beiden
Radseiten ein. Hierbei wird Hydraulikflüssigkeit aus den ersten Hydraulikkammern der
Stabilisatoren dieser Radsätze oder Radsatzgruppen verdrängt und über die Verbindungsleitungen
den zweiten Kammern der Stabilisatoren zugeführt.
[0016] Erfolgt indes eine einseitig höhere Belastung beider Radsätze oder Radsatzgruppen
auf derselben Radseite, wie dies z.B. bei Fahrwerken von Schienenfahrzeugen beim schnellen
Durchfahren von Gleisbögen der Fall ist, so besteht ein Bestreben der beiden Radsätze
oder Radsatzgruppen, einseitig auf derselben Seite einzufedern, was auch als "Wanken"
bezeichnet wird. Hierdurch wird Hydraulikflüssigkeit aus den ersten Hydraulikkammern
der hydraulischen Stabilisatoren, welche der höher belasteten Radseite zugeordnet
sind, über die Verbindungsleitungen den zweiten Hydraulikkammern der beiden anderen
Stabilisatoren, welche der weniger belasteten Radseite zugeordnet sind, zugeführt,
wodurch die Stabilisatoren der weniger belasteten Fahrwerksseite gegen die Fahrwerkfederung
dieser Fahrwerksseite arbeiten und diese am Ausfedern hindern oder sogar zusammendrücken.
Gleichzeitig kommt es zu einem Druckaufbau in den ersten Hydraulikkammern der hydraulischen
Stabilisatoren, welche der höher belasteten Fahrwerksseite zugeordnet sind, so dass
das Einfedern auf dieser Fahrwerksseite durch die Stabilisatoren behindert wird. Entsprechend
wird die durch die einseitige Belastung angestrebte Wankbewegung des Fahrwerks behindert
bzw. in eine Tauchbewegung umgewandelt.
[0017] Durch die erfindungsgemässe hydraulische Verschaltung der Hydraulikkammern der Stabilisatoren
wird auf einfache und kostengünstige Weise erreicht, dass das Fahrwerk sich im verwundenen
Gleis, beim Nicken im ebenen Gleis und beim Tauchen im ebenen Gleich wie ein "normales
Fahrwerk" verhält, d.h. bei diesen Betriebszuständen normal ein- und ausfedern kann,
während hingegen eine seitliche Wankbewegung des Fahrwerks durch die Stabilisatoren
behindert wird. Durch die hydraulische Zwangskopplung ergibt sich zudem ein äusserst
zuverlässiges und wartungsarmes System.
[0018] Sind die hydraulischen Stabilisatoren derartig ausgebildet, dass das je Millimeter
Einfederungs- bzw. Ausfederungsweg aus den jeweiligen ersten bzw. zweiten Hydraulikkammern
verdrängte Hydraulikflüssigkeitsvolumen bei allen Hydraulikkammern gleich gross ist,
was bevorzugt ist, so ergibt sich der Vorteil eines symmetrischen Betriebsverhaltens
des Fahrwerks.
[0019] Bevorzugterweise sind die hydraulischen Stabilisatoren als doppelt wirkende, hydraulische
Zylinder-Kolben-Anordnungen (auch als doppelt wirkende Hydraulikzylinder bezeichnet)
ausgebildet, vorteilhafterweise mit identischen Wirkflächen pro Kolbenseite. Solche
Zylinder-Kolben-Anordnungen sind in verschiedensten Dimensionierungen kommerziell
erhältlich.
[0020] Mit Vorteil ist jedem Radsatz bzw. jeder Radsatzgruppe je Radseite ein Federelement
zugeordnet, über welches der Fahrwerksrahmen federnd auf dem Radsatz bzw. der Radsatzgruppe
abgestützt ist. Derartige Fahrwerke weisen typischerweise federungsseitig bereits
eine gewisse Wanksteifigkeit auf. Als Federelemente kommen bevorzugterweise Spiralfeder-
oder Luftfederanordnungen zum Einsatz.
[0021] Auch ist es von Vorteil, dass jedem Radsatz bzw. jeder Radsatzgruppe je Radseite
ein Dämpferelement zugeordnet ist, zur Dämpfung der Ein- und Ausfederungsbewegung
des Radsatzes bzw. der Radsatzgruppe. Als Dämpferelemente kommen bevorzugterweise
hydraulische Dämpfer zum Einsatz.
[0022] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des Fahrwerks sind die Radsätze bzw.
Radsatzgruppen in Achslenkern gelagert und die hydraulischen Stabilisatoren jeweils
zwischen den Achslenkern und dem Rahmen angeordnet. Eine derartige Konstruktionsweise
begünstigt den problemlosen Einbau der hydraulischen Stabilisatoren.
[0023] Bevorzugterweise sind der erste Hydraulikkreis und der zweite Hydraulikkreis jeweils
mit einer Druckquelle verbunden, zur Bereitstellung eines statischen Überdruckes in
dem jeweiligen Hydraulikkreis. Hierdurch ist eine einfache Überwachung des Systems
auf Dichtheit mittels Drucksensoren möglich.
[0024] Auch ist es bevorzugt, dass in den Verbindungsleitungen zwischen den Hydraulikkammern
bevorzugterweise einstellbare Drosselelemente angeordnet sind, zur Erzeugung eines
hydraulischen Widerstands beim Durchströmen der Verbindungsleitungen. Hierdurch kann
die Ansprechcharakteristik des Systems beeinflusst bzw. eingestellt werden und es
wird möglich, auf zusätzliche Dämpfer für die Fahrwerksfederung zu verzichten.
[0025] Ist das Fahrwerk ein Laufwerk oder ein Drehgestell für ein Schienenfahrzeug, was
bevorzugt ist, so kommen die Vorteile der Erfindung besonders deutlich zum tragen,
da hier neben einer geringen Wankneigung eine gute Sicherheit gegen Entgleisung gewährleistet
werden muss.
[0026] Ein zweiter Aspekt der Erfindung betrifft ein Fahrzeug mit mindestens einem Fahrwerk
gemäss dem ersten Aspekt der Erfindung. Derartige Fahrzeuge können z.B. Strassen-,
Gelände- oder Schienenfahrzeuge sein, mit zwei oder mehr Radsätzen. Insbesondere bei
langen Fahrzeugen mit hohem Schwerpunkt treten die Vorteil der Erfindung besonders
deutlich zu Tage.
[0027] In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Fahrzeug ein Strassenfahrzeug mit genau
einem Fahrwerk gemäss dem ersten Aspekt der Erfindung. In diesem Fall bildet bei Fahrzeugen
mit selbsttragender Karosserie die Karosserie den Fahrwerksrahmen.
[0028] In einer anderen bevorzugten Ausführungsform ist das Fahrzeug ein Schienenfahrzeug
mit zwei Fahrwerken gemäss dem ersten Aspekt der Erfindung, deren Rahmen direkt (z.B.
indem die Rahmen der beiden Fahrwerke durch einen Fahrzeugrahmen des Schienenfahrzeugs
gebildet sind) oder indirekt (z.B. indem die beiden Fahrwerke jeweils einen eigenen
Rahmen aufweisen, welcher mit einem Fahrzeugrahmen des Schienenfahrzeugs, z.B. über
ein Sekundärfedersystem, verbunden ist) miteinander verbunden sind.
[0029] Dabei ist es bevorzugt, dass die ersten Hydraulikkreise und die zweiten Hydraulikkreise
der beiden Fahrwerke gemäss dem ersten Aspekt der Erfindung jeweils über Verbindungsleitungen
miteinander verbunden sind, so dass sich ein gemeinsamer erster und ein gemeinsamer
zweiter Hydraulikkreis ergeben. Durch diese hydraulische Koppelung jeweils der ersten
Hydraulikkreise und der zweiten Hydraulikkreise wird ein gegensinniges Wanken der
Fahrwerke zugelassen, während ein gleichsinniges Wanken weiterhin behindert wird.
[0030] Auch ist es bevorzugt, dass in den Verbindungsleitungen zwischen den beiden ersten
Hydraulikkreisen und zwischen den beiden zweiten Hydraulikkreisen der beiden Fahrwerke
jeweils mit Vorteil einstellbare Drosselelemente vorhanden sind, zur Erzeugung eines
hydraulischen Widerstands beim Durchströmen der Verbindungsleitungen. Hierdurch kann
die Ansprechcharakteristik des Systems beeinflusst bzw. eingestellt werden.
[0031] Weitere bevorzugte Ausführungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen
und aus der nun folgenden Beschreibung anhand der Figuren. Dabei zeigen:
Fig. 1 einen schematisierten Schnitt durch ein Schienenfahrzeug gemäss dem Stand der
Technik im Bereich eines Drehgestells quer zur Fahrtrichtung;
Fig. 2 einen schematisierten Schnitt durch ein erfindungsgemässes Schienenfahrzeug
im Bereich eines Drehgestells quer zur Fahrtrichtung;
Fig. 3 eine schematische Darstellung des Rahmens und der hydraulischen Stabilisatoren
des erfindungsgemässen Fahrwerks, insbesondere von Fig. 2;
Fig. 4 eine Darstellung wie Fig. 3 bei belastetem Fahrwerk im verwundenen Gleis;
Fig. 5 eine Darstellung wie Fig. 3 bei einem Nicken des Fahrwerks im ebenen Gleis;
Fig. 6 eine Darstellung wie Fig. 3 bei belastetem Fahrwerk beim Tauchen im ebenen
Gleis;
Fig. 7 eine Darstellung wie Fig. 3 bei belastetem Fahrwerk beim Wanken im Gleisbogen;
Fig. 8 eine schematische Darstellung der Rahmen und hydraulischen Stabilisatoren der
beiden Fahrwerke eines erfindungsgemässen Schienenfahrzeugs bei belastetem Fahrzeugchassis
im verwundenen Gleis;
Fig. 9 eine Darstellung wie Fig. 8, jedoch beim Wanken im Gleisbogen; und
Fig. 10 einen Längsschnitt durch einen Teil eines erfindungsgemässen Fahrwerks im
Bereich einer Radsatzlagerung.
[0032] Fig. 1 zeigt, stark schematisiert, einen Schnitt durch ein Schienenfahrzeug gemäss
dem Stand der Technik im Bereich eines als Drehgestell ausgebildeten Fahrwerks desselben
quer zur Fahrtrichtung. Wie zu erkennen ist, umfasst das Drehgestell zwei Radsätze
1 (nur einer gezeigt), auf welchen sich der Drehgestellrahmen 2 über Primärfedern
3 abstützt. Parallel zu den Primärfedern 3 sind üblicherweise hydraulische Dämpfer
(nicht gezeigt) angeordnet. Auf dem Drehgestellrahmen 2 ist die Sekundärfederung 5,
6 angeordnet, mittels welcher sich das Fahrzeugchassis 4 auf dem Drehgestellrahmen
2 abstützt. Die Sekundärfederung 5, 6 umfasst je Radseite eine Luftfederanordnung
mit einem Luftfederbalg 5, der sich über eine Schichtfeder 6 auf dem Drehgestellrahmen
2 abstützt. Innerhalb der Luftfederanordnung ist mit einer Konus-Elastomerfeder 7,
die sich ebenfalls über die Schichtfeder 6 auf dem Drehgestellrahmen 2 abstützt, ein
Notfedersystem gebildet, welches das Fahrzeugchassis 4 bei Ausfall der Luftfederung
trägt.
[0033] Fig. 2 zeigt, ebenfalls stark schematisiert, einen Schnitt durch ein erfindungsgemässes
Schienenfahrzeug im Bereich eines als Drehgestell ausgebildeten Fahrwerks desselben
quer zur Fahrtrichtung. Wie zu erkennen ist, unterscheidet sich dieses Schienenfahrzeug
lediglich dadurch von dem in Fig. 1 gezeigten, dass parallel zu den Primärfedern 3
hydraulische Stabilisatoren 8a, 8b in Form von doppelt wirkenden Hydraulikzylindern
vorhanden sind, deren Hydraulikkammern mit Verbindungsleitungen (hier nicht dargestellt)
auf anspruchsgemässe Weise wie in Fig. 3 dargestellt miteinander verbunden sind.
[0034] Fig. 3 zeigt eine schematische Darstellung des Rahmens 2 und der hydraulischen Stabilisatoren
8a, 8b, 8c, 8d eines erfindungsgemässen Fahrwerks eines Schienenfahrzeugs, insbesondere
des Drehgestells des in Fig. 2 teilweise im Schnitt dargestellten Fahrzeugs. Nicht
dargestellt sind die parallel zu den Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d angeordneten Primärfedern
und die beiden Radsätze, auf denen sich die Primärfedern und die Stabilisatoren 8a,
8b, 8c, 8d abstützen. Die bevorzugte Fahrtrichtung ist mit dem Pfeil F angegeben.
[0035] Die hydraulischen Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d sind als doppelt wirkende Kolben-Zylinder-Anordnungen
(auch als doppelt wirkende Hydraulikzylinder bezeichnet) ausgebildet und weisen entsprechend
jeweils eine obere Hydraulikkammer 9a, 9c, 9e, 9g (anspruchsgemässe erste Hydraulikkammern)
und eine untere Hydraulikkammer 9b, 9d, 9f, 9h (anspruchsgemässe zweite Hydraulikkammern)
auf, welche durch einen Kolben getrennt und durch verschieben des Kolbens im Zylinder
in ihrem Volumen veränderbar sind. Die Wirkflächen der Kolben sind für alle Hydraulikkammern
9a-9g gleich gross, so dass bei allen Hydraulikkammern 9a-9g die pro Millimeter Kolbenverschiebeweg
erzeugte Volumenänderung gleich gross ist. Die Zylinder sind jeweils am Fahrwerksrahmen
2 angelenkt während die Kolben über eine Kolbenstange an den (nicht dargestellten)
Radsätzen angelenkt sind.
[0036] Dabei sind die oberen Hydraulikkammern 9a, 9e der Stabilisatoren 8a, 8c, welche der
in Fahrtrichtung F gesehen rechten Radseite (anspruchsgemässe gemeinsame erste Radseite)
zugeordnet sind, mit den unteren Hydraulikkammern 9d, 9h der Stabilisatoren 8b, 8d,
welche der in Fahrtrichtung gesehen linken Radseite (anspruchsgemässe andere Radseite)
zugeordnet sind, über Verbindungsleitungen (anspruchsgemässe erste Verbindungsleitungen)
zu einem ersten Hydraulikkreis 10a miteinander verbunden.
[0037] Auch sind die unteren Hydraulikkammern 9b, 9f der Stabilisatoren 8a, 8c, welche der
in Fahrtrichtung F gesehen rechten Radseite (anspruchsgemässe gemeinsame erste Radseite)
zugeordnet sind, mit den oberen Hydraulikkammern 9c, 9g der Stabilisatoren 8b, 8d,
welche der in Fahrtrichtung gesehen linken Radseite (anspruchsgemässe andere Radseite)
zugeordnet sind, über Verbindungsleitungen (anspruchsgemässe zweite Verbindungsleitungen)
zu einem zweiten Hydraulikkreis 10b miteinander verbunden.
[0038] Auf diese Weise kann jeweils ein Austausch von Hydraulikflüssigkeit zwischen den
über den ersten Hydraulikkreis 10a miteinander verbundenen Hydraulikkammern 9a, 9e,
9d, 9h stattfinden, sowie zwischen den über den zweiten Hydraulikkreis 10b miteinander
verbundenen Hydraulikkammern 9b, 9f, 9c, 9g. Ein Austausch von Hydraulikflüssigkeit
zwischen dem ersten Hydraulikkreis 10a und dem zweiten Hydraulikkreis 10b ist nicht
möglich.
[0039] Fig. 4 zeigt die in Fig. 3 dargestellten Komponenten des erfindungsgemässen Fahrwerks
in einer Situation bei belastetem Fahrwerk im verwundenen Gleis, also in einer Situation,
in welcher die beiden Radsätze zueinander verschränkt sind. Entsprechend sind die
Kolben in den Zylindern der sich diagonal gegenüberliegenden hydraulischen Stabilisatoren
8a, 8d bzw. 8b, 8c gegenüber der in Fig. 3 gezeigten neutralen Situation nach oben
bzw. nach unten verschoben. Die jeweilige Verschieberichtung ist durch die Pfeile
unter den Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d angegeben. Um ausgehend von der in Fig. 3
gezeigten Situation in diesen Zustand zu gelangen, muss über den ersten Hydraulikkreis
10a eine Förderung von Hydraulikflüssigkeit von den Hydraulikkammern 9e und 9h der
Stabilisatoren 8c, 8d des hinteren Radsatzes zu den Hydraulikkammern 9a und 9d der
Stabilisatoren 8a, 8b des vorderen Radsatzes stattfinden und über den zweiten Hydraulikreis
10b eine Förderung von Hydraulikflüssigkeit von den Hydraulikkammern 9b und 9c der
Stabilisatoren 8a, 8b des vorderen Radsatzes zu den Hydraulikkammern 9f und 9g der
Stabilisatoren 8c, 8d des hinteren Radsatzes.
[0040] Die jeweilige Fliessrichtung der Hydraulikflüssigkeit beim Wechseln von der in Fig.
3 gezeigten Grundsituation zu der jeweils in einer der Figuren 4 bis 9 gezeigten Situation
ist an den Verbindungsleitungen der Hydraulikkreise 10a, 10b durch Pfeile dargestellt
und ist bei einer Rückstellung in die in Fig.3 gezeigte Situation entsprechend umgekehrt.
[0041] Fig. 5 zeigt die in Fig. 3 dargestellten Fahrwerkskomponenten in einer Situation
beim Nicken im ebenen Gleis, also in einer Situation, in welcher die beiden Radsätze
parallel zueinander sind, jedoch unterschiedlich tief einfedern bzw. einer der Radsätze
einfedert während der andere Radsatz ausfedert. Entsprechend sind die Kolben in den
Zylindern der hydraulischen Stabilisatoren 8a, 8b des vorderen Radsatzes gegenüber
der in Fig. 3 gezeigten neutralen Situation nach oben verschoben, während die Kolben
in den Zylindern der hydraulischen Stabilisatoren 8c, 8d des hinteren Radsatzes nach
unten verschoben sind. Die jeweilige Verschieberichtung ist wiederum durch die Pfeile
unter den Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d angegeben.
[0042] Um ausgehend von der in Fig. 3 gezeigten Situation in diesen Zustand zu gelangen,
muss lediglich ein Austausch von Hydraulikflüssigkeit zwischen den Hydraulikkammern
9a und 9d bzw. 9b und 9c der Stabilisatoren 8a, 8b des vorderen Radsatzes stattfinden
sowie ein Austausch von Hydraulikflüssigkeit zwischen den Hydraulikkammern 9e und
9h bzw. 9f und 9g der Stabilisatoren 8c, 8d des hinteren Radsatzes, nicht jedoch zwischen
Stabilisatoren unterschiedlicher Radsätze, was durch die schräggestellten Doppelstriche
auf den Verbindungsleitungen zwischen den Stabilisatoren des vorderen Radsatzes und
des hinteren Radsatzes symbolisiert wird.
[0043] Fig. 6 zeigt die in Fig. 3 dargestellten Fahrwerkskomponenten in einer Situation
beim Tauchen im ebenen Gleis, also in einer Situation, in welcher die beiden Radsätze
parallel zueinander sind und gleichmässig einfedern. Entsprechend sind die Kolben
sämtlicher hydraulischer Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d gegenüber der in Fig. 3 gezeigten
Situation in den Zylindern der hydraulischen Stabilisatoren nach oben verschoben.
Diese Verschieberichtung ist wiederum durch die Pfeile unter den Stabilisatoren 8a,
8b, 8c, 8d angegeben.
[0044] Um ausgehend von der in Fig. 3 gezeigten Situation in diesen Zustand zu gelangen,
muss wiederum lediglich ein Austausch von Hydraulikflüssigkeit zwischen den Hydraulikkammern
9a und 9d bzw. 9b und 9c der Stabilisatoren 8a, 8b des vorderen Radsatzes stattfinden
sowie zwischen den Hydraulikkammern 9e und 9h bzw. 9f und 9g der Stabilisatoren 8c,
8d des hinteren Radsatzes, nicht jedoch zwischen Stabilisatoren unterschiedlicher
Radsätze, was wiederum durch schräggestellte Doppelstriche auf den Verbindungsleitungen
zwischen den Stabilisatoren des vorderen Radsatzes und des hinteren Radsatzes symbolisiert
ist.
[0045] Wie zu erkennen ist, wird durch die erfindungsgemässe Verbindung der Hydraulikkammern
9a-9h der hydraulischen Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d die Primärfederung weder im
verwundenen Gleis (Fig.4), noch bei Nicken im ebenen Gleis (Fig. 5), noch beim Tauchen
im ebenen Gleis (Fig.6) behindert und allfällige weniger belastete Räder werden durch
die hydraulischen Stabilisatoren auf die Schiene gedrückt.
[0046] Fig. 7 zeigt die in Fig. 3 dargestellten Fahrwerkskomponenten in einer Situation,
welche das Fahrwerk beim schnellen Durchfahren eines in Fahrtrichtung F nach links
führenden Gleisbogens einnehmen möchte, da die bogenäusseren Räder (hier die Räder
auf der in Fahrtrichtung F gesehen rechten Seite) aufgrund der Fliehkraft höher belastet
werden und tiefer einfedern möchten als die bogeninneren Räder.
[0047] Entsprechend möchten sich die Kolben in den Zylindern der hydraulischen Stabilisatoren
8a, 8c der in Fahrtrichtung gesehen rechten Fahrwerksseite gegenüber der in Fig. 3
gezeigten neutralen Situation nach oben verschieben, während sich die Kolben in den
Zylindern der hydraulischen Stabilisatoren 8c, 8d der linken Fahrwerksseite nach unten
verschieben möchten. Die jeweilige angestrebte Verschieberichtung ist wiederum durch
die Pfeile unter den Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d angegeben.
[0048] Wie bei genauer Betrachtung erkennbar wird, ist der hier dargestellte Betriebszustand
ausgehend von der in Fig. 3 dargestellten Situation bei der erfindungsgemässen hydraulischen
Verschaltung der Hydraulikkammern 9a-9h jedoch nicht möglich.
[0049] Da die in den Hydraulikkammern der hydraulischen Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d und
in den Verbindungsleitungen befindliche Hydraulikflüssigkeit im Wesentlichen nicht
kompressibel ist und die aus diesen Komponenten gebildeten Hydraulikkreise 10a, 10b
im Wesentlichen hydraulisch starr sind, führt die durch die Fliehkräfte hervorgerufene
höhere Belastung der bogenäusseren Räder zu einem Druckaufbau in den oberen Hydraulikkammern
9a und 9e der bogenäusseren Stabilisatoren 8a, 8c und damit zu einem Druckaufbau im
ersten Hydraulikkreis 10a, welcher aufgrund der Verbindung dieser Hydraulikkammern
9a, 9e mit den unteren Hydraulikkammern 9d und 9h der bogeninneren Stabilisatoren
8b, 8d nicht abgebaut werden kann und dazu führt, dass die bogeninneren Stabilisatoren
8b, 8d aktiv gegen die bogeninneren Primärfedern arbeiten und diese zusammendrücken.
Hierdurch bleibt der Fahrwerksrahmen im Wesentlichen parallel zu den Schienenoberkanten
und die angestrebte Wankbewegung wird in eine Tauchbewegung umgewandelt, wobei das
Fahrwerk sich stabilisiert. Dasselbe Verhalten ergibt sich sinngemäss über den zweiten
Hydraulikkreis 10b beim schnellen Durchfahren eines in Fahrtrichtung nach rechts führenden
Gleisbogens.
[0050] Wie weiter zu erkennen ist, erfolgt bei gleichmässiger Belastung der bogenäusseren
Räder kein Austausch von Hydraulikflüssigkeit zwischen Stabilisatoren unterschiedlicher
Radsätze, was hier ebenfalls durch schräggestellte Doppelstriche auf den Verbindungsleitungen
zwischen den Stabilisatoren des vorderen Radsatzes und des hinteren Radsatzes symbolisiert
ist.
[0051] Die jeweilige angestrebte Fliessrichtung der Hydraulikflüssigkeit beim Wechseln von
der in Fig. 3 gezeigten Grundsituation zu der in Fig. 7 gezeigten Situation ist an
den Verbindungsleitungen der Hydraulikkreise 10a, 10b, durch Pfeile dargestellt und
ist bei einer Rückstellung in die in Fig.3 gezeigte Situation entsprechend umgekehrt.
[0052] Fig. 8 zeigt eine schematische Darstellung des Rahmens 2 und der hydraulischen Stabilisatoren
8a, 8b, 8c, 8d der beiden Fahrwerke eines erfindungsgemässen Schienenfahrzeugs bei
belastetem Fahrzeugchassis im verwundenen Gleis, also in einer Situation, in welcher
die beiden Fahrwerke zueinander verschränkt sind. Nicht dargestellt sind die parallel
zu den Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d angeordneten Primärfedern und die Radsätze, auf
denen sich die Primärfedern und die Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d abstützen. Die bevorzugte
Fahrtrichtung des Schienenfahrzeugs ist mit dem Pfeil F angegeben. Jedes der beiden
Fahrwerke entspricht dem in den Figuren 3 bis 7 schematisch dargestellten Fahrwerk.
[0053] Wie zu erkennen ist, sind die Kolben in den Zylindern der hydraulischen Stabilisatoren
8a, 8d bzw. 8b, 8c des vorderen Fahrwerks wie in Fig. 7 gezeigt gegenüber der in Fig.
3 gezeigten neutralen Situation nach oben bzw. nach unten verschoben und die des hinteren
Fahrwerks genau umgekehrt zu denen des ersten Fahrwerks nach oben bzw. nach unten
verschoben. Die jeweilige Verschieberichtung ist durch die Pfeile unter den Stabilisatoren
8a, 8b, 8c, 8d angegeben. Um diesen Betriebszustand erreichen zu können, sind die
ersten Hydraulikkreise 10a und die zweiten Hydraulikkreise 10b der beiden Fahrwerke
jeweils über Verbindungsleitungen hydraulisch miteinander verbunden, so dass sich
ein gemeinsamer erster Hydraulikkreis 10A und ein gemeinsamer zweiter Hydraulikkreis
10B ergibt. Durch diese Koppelung der Hydraulikkreise 10a. 10b der beiden Fahrwerke
wird ein gegensinniges Wanken der beiden Fahrwerke möglich, was insbesondere dann
von grosser Wichtigkeit ist, wenn die Wanknachgiebigkeit der Sekundärstufe nicht ausreichend
ist und die Nachgiebigkeit der Primärstufe zwingend gebraucht wird, da in solchen
Fällen das entkoppelte Blockieren des Wankens in der Primärstufe der einzelnen Fahrwerke
in der langwelligen Gleisverwindung (Bogeneinfahrt und Bogenausfahrt) zu Problemen
mit der Sicherheit gegen Entgleisen führen kann.
[0054] Die jeweilige Fliessrichtung der Hydraulikflüssigkeit beim Wechseln der beiden Fahrwerke
von der in Fig. 3 gezeigten Grundsituation zu der in Fig. 8 gezeigten Situation ist
an den Verbindungsleitungen der Hydraulikkreise 10a, 10b, 10A, 10B durch Pfeile dargestellt
und ist bei einer Rückstellung der Fahrwerke jeweils in die in Fig.3 gezeigte Situation
entsprechend umgekehrt.
[0055] Wie aus Fig. 9 hervorgeht, welche die in Fig. 3 dargestellten Fahrwerkskomponenten
der beiden Fahrwerke des erfindungsgemässen Schienenfahrzeugs aus Fig. 8 in einer
Situation zeigt, welche die beiden Fahrwerke beim schnellen Durchfahren eines in Fahrtrichtung
nach links führenden Gleisbogens einnehmen möchten, wird auch bei gekoppelten ersten
und zweiten Hydraulikkreisen 10a, 10b ein gleichsinniges Wanken verhindert. Die bogenäusseren
Räder (hier die Räder auf der in Fahrtrichtung F gesehen rechten Seite) der beiden
Fahrwerke werden aufgrund der Fliehkraft höher belastet werden und möchten einfedern,
während die bogeninneren Räder ausfedern möchten.
[0056] Entsprechend möchten sich je Fahrwerk die Kolben in den Zylindern der hydraulischen
Stabilisatoren 8a, 8c der in Fahrtrichtung gesehen rechten Fahrwerksseite gegenüber
der in Fig. 3 gezeigten neutralen Situation nach oben verschieben, während sich die
Kolben in den Zylindern der hydraulischen Stabilisatoren 8c, 8d der linken Fahrwerksseite
nach unten verschieben möchten. Die jeweilige angestrebte Verschieberichtung ist wiederum
durch die Pfeile unter den Stabilisatoren 8a, 8b, 8c, 8d angegeben.
[0057] Wie schon bei Fig. 7 ist auch der hier in Fig. 9 dargestellte Betriebszustand ausgehend
von der in Fig. 3 dargestellten Grundsituation der beiden Fahrwerke bei der erfindungsgemässen
hydraulischen Verschaltung der Hydraulikkammern 9a-9h nicht möglich, aus denselben
Gründen und mit denselben Wirkungen wie bereits zu Fig. 7 dargelegt, da trotz der
Kopplung der beiden ersten Hydraulikkreise 10a der beiden Fahrwerke zu einem gemeinsamen
ersten Hydraulikkreis 10A kein Druckabbau in diesen Hydraulikkreisen möglich ist.
[0058] Die jeweilige angestrebte Fliessrichtung der Hydraulikflüssigkeit beim Wechseln der
beiden Fahrwerke von der in Fig. 3 gezeigten Grundsituation zu der in Fig. 9 gezeigten
Situation ist an den Verbindungsleitungen der Hydraulikkreise 10a, 10b, 10A, 10B durch
Pfeile dargestellt und ist bei einer Rückstellung in die in Fig.3 gezeigte Situation
entsprechend umgekehrt.
[0059] Wie weiter zu erkennen ist, erfolgt bei gleichmässiger Belastung der bogenäusseren
Räder auch kein Austausch von Hydraulikflüssigkeit zwischen den ersten bzw. zwischen
den zweiten Hydraulikkreisen 10a bzw. 10b der beiden Fahrwerke, was hier durch schräggestellte
Doppelstriche auf den Verbindungsleitungen zwischen diesen Hydraulikkreisen 10a bzw.
10b symbolisiert ist.
[0060] Fig. 10 zeigt einen teilweise schematisierten Längsschnitt durch einen Teil eines
erfindungsgemässen Fahrwerks im Bereich einer Radsatzlagerung. Wie zu erkennen ist,
ist der Radsatz 1 in zwei Radlenkern 11 (nur einer sichtbar) gelagert, welche über
Radlenkerlager 13 am Fahrwerksrahmen 2 angelenkt sind. Der Fahrwerksrahmen 2 stützt
sich über die Primärfedern 3 auf dem Lagergehäuse 12 ab. Zwischen dem freien Ende
des jeweiligen Radlenkers 11 und dem Fahrwerksrahmen 2 ist jeweils ein als doppelt
wirkender Hydraulikzylinder ausgebildeter hydraulischer Stabilisator 8a angeordnet,
mit einer oberen Hydraulikkammer 9a und einer unteren Hydraulikkammer 9b.
[0061] Während in der vorliegenden Anmeldung bevorzugte Ausführungen der Erfindung beschrieben
sind, ist klar darauf hinzuweisen, dass die Erfindung nicht auf diese beschränkt ist
und auch in anderer Weise innerhalb des Umfangs der nun folgenden Ansprüche ausgeführt
werden kann.
1. Fahrwerk für ein Fahrzeug mit zwei in Fahrtrichtung gesehen hintereinander angeordneten
Radsätzen (1) oder Radsatzgruppen und einem federnd auf den Radsätzen (1) oder Radsatzgruppen
abgestützten Rahmen (2), wobei jedem der Radsätze (1) oder Radsatzgruppen je Radseite
ein hydraulischer Stabilisator (8a, 8b, 8c, 8d) zugeordnet ist, welcher beim Einfedern
dieses Radsatzes (1) oder dieser Radsatzgruppe auf dieser Radseite Hydraulikflüssigkeit
aus einer ersten Hydraulikkammer (9a, 9c, 9e, 9g) verdrängt und beim Ausfedern dieses
Radsatzes (1) oder dieser Radsatzgruppe auf dieser Radseite Hydraulikflüssigkeit aus
einer zweiten Hydraulikkammer (9b, 9d, 9f, 9h) verdrängt, wobei
die ersten Hydraulikkammern (9a, 9e) derjenigen Stabilisatoren (8a, 8c), welche einer
gemeinsamen ersten Radseite zugeordnet sind und die zweiten Hydraulikkammern (9d,
9h) derjenigen Stabilisatoren (8b, 8d), welche der anderen Radseite zugeordnet sind,
über erste Verbindungsleitungen zu einem ersten Hydraulikkreis (10a) miteinander verbunden
sind und
die zweiten Hydraulikkammern (9b, 9f) derjenigen Stabilisatoren (8a, 8c), welche der
gemeinsamen ersten Radseite zugeordnet sind und die ersten Hydraulikkammern (9c, 9g)
derjenigen Stabilisatoren (8b, 8d), welche der anderen Radseite zugeordnet sind, über
zweite Verbindungsleitungen zu einem zweiten Hydraulikkreis (10b) miteinander verbunden
sind,
so dass jeweils ein Austausch von Hydraulikflüssigkeit zwischen den miteinander verbundenen
Hydraulikkammern (9a, 9d, 9e, 9h; 9b, 9c, 9f, 9g) stattfinden kann.
2. Fahrwerk nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die hydraulischen Stabilisatoren (8a, 8b, 8c, 8d) derartig ausgebildet sind, dass
das je Millimeter Einfederungs- bzw. Ausfederungsweg aus den jeweiligen ersten bzw.
zweiten Hydraulikkammern (9a-9h) verdrängte Hydraulikflüssigkeitsvolumen bei allen
Hydraulikkammern (9a-9h) gleich gross ist.
3. Fahrwerk nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die hydraulischen Stabilisatoren (8a, 8b, 8c, 8d) als doppelt wirkende, hydraulische
Zylinder-Kolben-Anordnungen ausgebildet sind, insbesondere mit identischen Wirkflächen
pro Kolbenseite.
4. Fahrwerk nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass jedem der Radsätze (1) oder Radsatzgruppen je Radseite ein Federelement (3), insbesondere
eine Spiralfederanordnung (3) oder eine Luftfederanordnung, zugeordnet ist, über welches
der Rahmen (2) federnd auf dem Radsatz (1) oder der Radsatzgruppe abgestützt ist.
5. Fahrwerk nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass jedem der Radsätze (1) oder Radsatzgruppen je Radseite ein Dämpferelement, insbesondere
ein hydraulischer Dämpfer, zugeordnet ist, zur Dämpfung der Ein- und Ausfederungsbewegung
dieses Radsatzes (1) oder dieser Radsatzgruppe auf dieser Radseite.
6. Fahrwerk nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Radsätze (1) oder Radsatzgruppen in Achslenkern (11) gelagert sind und die hydraulischen
Stabilisatoren (8a, 8b, 8c, 8d) jeweils zwischen einem der Achslenker (11) und dem
Rahmen (2) angeordnet sind.
7. Fahrwerk nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Hydraulikkreis (10a) und der zweite Hydraulikkreis (10b) jeweils mit einer
Druckquelle verbunden sind, zur Bereitstellung eines statischen Überdruckes in dem
jeweiligen Hydraulikkreis.
8. Fahrwerk nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in den Verbindungsleitungen insbesondere einstellbare Drosselelemente vorhanden sind,
zur Erzeugung eines hydraulischen Widerstands beim Durchströmen der Verbindungsleitungen.
9. Fahrwerk nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Fahrwerk ein Laufwerk oder ein Drehgestell für ein Schienenfahrzeug ist.
10. Fahrzeug umfassend mindestens ein Fahrwerk nach einem der vorangehenden Ansprüche.
11. Fahrzeug nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Fahrzeug ein Strassenfahrzeug ist und insbesondere, dass das Strassenfahrzeug
genau ein Fahrwerk nach einem der Ansprüche 1 bis 9 umfasst.
12. Fahrzeug nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Fahrzeug ein Schienenfahrzeug ist und zwei Fahrwerke nach Anspruch 9 umfasst,
deren Rahmen (2) direkt oder indirekt miteinander verbunden sind.
13. Fahrzeug nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die ersten Hydraulikkreise (10a) und die zweiten Hydraulikkreise (10b) der beiden
Fahrwerke jeweils über Verbindungsleitungen miteinander verbunden sind, so dass sich
ein gemeinsamer erster (10A) und ein gemeinsamer zweiter Hydraulikkreis (10B) ergeben.
14. Fahrzeug nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass in den Verbindungsleitungen zwischen den beiden ersten Hydraulikkreisen (10a) und
zwischen den beiden zweiten Hydraulikkreisen (10b) jeweils insbesondere einstellbare
Drosselelemente vorhanden sind, zur Erzeugung eines hydraulischen Widerstands beim
Durchströmen der Verbindungsleitungen.
15. Fahrzeug nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Rahmen (2) der beiden Fahrwerke durch einen Fahrzeugrahmen des Schienenfahrzeugs
gebildet sind.
16. Fahrzeug nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Fahrwerke jeweils einen eigenen Rahmen (2) aufweisen, welcher mit einem
Fahrzeugrahmen des Schienenfahrzeugs verbunden ist.
17. Fahrzeug nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, dass sich der Fahrzeugsrahmen über Federelemente auf dem jeweiligen Fahrwerksrahmen (2)
abstützt, insbesondere über Luftfederelemente.