[0001] Die Erfindung betrifft ein textiles mit einer hohen Temperaturisolierwirkung ausgestattetes
atmungsaktives Flächengebilde aus funktionellen Mehrkomponentengarnen sowie Garnen
zur Stabilisierung und/oder strukturellen Gestaltung, wobei das funktionelle Mehrkomponentengarn
aus synthetischen Garnkomponenten einbahnig in einen Mehrflächentextil angeordnet
ist. Der Einsatz derart ausgebildeter textiler Flächenmaterialen wird vorwiegend für
den Einsatz als Isolierrollo für wenigstens einseitig offene Kühlregale im Ausstellungsbereich
von Verkaufsräumen gesehen, welche in der verkaufsfreien Zeit damit isoliert abgedeckt
oder abgehangen werden können, um den Kälteverlust im Kühlregal während dieser Zeit
effizient zu verringern. Aber auch der Einsatz bei der Herstellung von textilen Tapeten
mit einer besonderen Wärmeisolierung und/oder Akustikisolierung ist vorgesehen.
[0002] Derartige Isoliergewebe für den Einsatz als Isolierrollo von Kühlregalen sind bereits
in der Praxis bekannt. Dort werden zu diesem Zweck textile Bahnen , vorzugsweise Bändchengewebebahnen
wenigstens mit einer Aluschicht mittels Aufdampftechnik beschichtet. Derartig ausgestattete
Gewebebahnen sind nicht nur mit einem geringen Temperaturisolationswert ausgestattet
sondern auch dampfdiffusionsdicht. Dadurch kommt es auf Grund der Größe der Temperaturunterschiede
zwischen Raumtemperatur und Temperatur im Kühlregal zur Schwitzwasserbildung an der
Gewebebahn, wobei das sich bildende Schwitzwasser in den unteren Bereich des Kühlregal
gelangen kann, was wiederum aufwendig vermieden werden muß.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es eine textile Gewebebahn zu schaffen, welche die Nachteile
des Standes der Technik überwindet und zudem einen verbesserten Temperaturisolationsgrad
aufweist, wenn notwendig mit oder ohne Dampfdiffusionssperre ausgestattet werden kann
und welche mit herkömmlichen textilen Verarbeitungsmaschinen in einem Herstellungsverfahren
kontinuierlich hergestellt werden kann, wobei auf technische und gestalterische Kundenwünsche
ideal und flexibel eingegangen werden kann, ohne dass komplizierte Vorbereitungsarbeiten
notwendig werden.
[0004] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch die Merkmale der Ansprüche 1 und 7 gelöst,
wobei die vorteilhaften Ausgestaltungen in den Unteransprüchen beschrieben sind.
[0005] Danach ist ein textiles mit einer hohen Temperaturisolierwirkung ausgestattetes atmungsaktives
Flächengebilde einbahnig als Mehrflächentextil, also mit mehreren Flächenebenen ausgebildet,
wobei zwischen den Flächenebenen ein Füllschuss eingearbeitet ist. Die Flächenebenen
sind aus funktionellen synthetischen Mehrkomponentengarnen gebildet und weisen stabilisierungs-
und/oder strukturbildende Maßnahmen auf.
[0006] Das zur Fertigung der Flächenebenen des Mehrflächentextils benutzte Mehrkomponentengarn
besteht erfindungsgemäß aus wenigstens einem ersten Garnmaterialanteil mit einer definierten
Schmelztemperatur und einem zweiten Garnmaterialanteil mit einer gegenüber der Schmelztemperatur
des ersten Garnmaterialanteils niedrigeren Schmelztemperatur, wobei das Mehrkomponentengarn
in wenigstens einer der gebildeten Flächenebenen angeordnet ist. Der Füllschuss zwischen
jeweils zwei Gewebeflächenebenen ist dabei als bauschige Füllung infolge der Einarbeitung
des Füllschusses als texturiert bauschig aufbereitetem belassenem Garn ausgebildet.
[0007] Desweiteren ist zur Stabilisierung und/oder zur strukturellen Gestaltung ein die
gebildeten einzelnen Flächenebenen partiell und definiert angeordneter Verbindungsschuss
so angeordnet, dass er eine Textilebenenverbindung zwischen den äußeren Flächenebenen
bildet, dadurch die bauschige Füllung mit einbezieht und somit zur Formstabilität
beiträgt und gleichzeitig eine Musterstruktur auf den textilen äußeren sichtbaren
Oberflächen bildet.
[0008] Sowohl das Mehrkomponentengarn als auch das Garnmaterial zur Stabilisierung und/oder
strukturellen Gestaltung sind dabei in geordneter Verteilung im textilen Flächengebilde
angeordnet, um eine definierte Qualität und Stabilität an den gewünschten Bereichen
schaffen zu können.
[0009] Zur Erzielung der gewünschten Eigenschaften des textilen Flächengebildes ist zwischen
den im textilen Flächengebilde eingearbeiteten Garnen infolge einer der Flächengebilde-
und Strukturausbildung dienenden nachfolgenden thermischen Behandlung des vorgefertigten
textilen Flächengebildes zumindest im Bereich der geordneten Verteilung des Mehrkomponentengarns
eine stoffschlüssige Verbindung sowohl der Bestandteile des Mehrkomponentengarns als
auch mindestens der Garnmaterialanteile zur Stabilisierung und/oder strukturellen
Gestaltung ausgebildet. Die bauschige Füllung ist von dieser Maßnahme nicht betroffen,
sofern diese keine Mehrkomponentengarne mit einem Schmelzpunktbereich kleiner der
Temperaturbeaufschlagung beinhaltet.
[0010] Die stoffschlüssige Verbindung im Bereich der geordneten Anordnung von Mehrkomponentengarnen
mit einem Schmelzpunktbereich kleiner der Temperaturbeaufschlagung wird erreicht indem
das Mehrflächentextil mit einer Temperatur bis zum Erreichen wenigstens des niedrigsten
Schmelzpunktes einer Garnkomponente der verwendeten Mehrkomponentengarne beaufschlagt
wird. Dadurch kommt es zur Auflösung der Garnkomponentenstruktur und somit zum partiellen
Verschmelzen und stofflichem Verbinden mit benachbarten Garnkomponenten und Garnen,
wobei ein partieller stoffschlüssiger Verbund an diesen Stellen innerhalb der Textilstruktur
entsteht, ohne dass es zu einer völlig geschlossenen Oberflächenbildung kommt.
[0011] Das textile Flächengebilde ist durch diese Anordnung und Verbindung von Garnen und
Garnkomponenten innerhalb eines Flächengebildes mit den vorteilhaften gewünschten
Eigenschaften, wie einer sehr hohen Dampfdurchlässigkeit als auch einer sehr hohen
Wärmeisolierwirkung ausgestattet. Mit der Wahl der Garnkomponentenzusammenstellung
und der Schmelzpunkteinstellung beim Temperaturbeaufschlagen des Mehrflächentextils
kann der Grad der Dampfdurchlässigkeit und zusammen mit der Wahl und Gestaltung des
Füllschusses zusätzlich auch die Wirksamkeit der Wärmeisolierwirkung wirksam variiert
und eingestellt werden.
[0012] Das erfindungsgemäße textile Flächengebilde kann dabei vorteilhafter Weise als Gewebe,
Gestrick, Kett- oder Nähgewirk oder als Flachkulier mit wenigstens zwei bindungstechnisch
voneinander getrennt ausgebildeten textilen Flächenebenen, welche mittels Füllschuss
und/oder Struktur- und Stabilisierungsbindung zwischen den textilen Oberflächen miteinander
verbunden sind und deren unterschiedliche Garnkomponenten anschließend mittels Temperaturbeaufschlagung
wenigstens teilweise miteinander verschmolzen sind, ausgebildet sein.
[0013] Damit besteht die Möglichkeit, dass das erfindungsgemäße textile Flächengebilde auf
den jeweils hierfür herkömmlichen Fertigungsanlagen gefertigt werden kann.
[0014] Die Möglichkeit, zusätzlich zum Füllschuss eine bei der Herstellung des Mehrflächentextils
gleichzeitig eingearbeitete Verbindungsfadenbindung mit Struktur-und Stabilisierungsausbildung
anzuordnen, hat den Vorteil, dass bereits bei der Herstellung des Mehrflächengebildes
eine formstabile Ausrichtung und Fixierung zwischen den einzelnen Flächenebenen vor
dem Erreichen von stoffschlüssigen Verbindungen infolge Temperaturbeaufschlagung erfolgt.
Die damit entstehenden Textilebenenverbindungen sind variabel gestaltbar und dienen
zudem zur Strukturbildung auf der Oberfläche des textilen Flächengebildes.
[0015] Wenn die Ausbildung der Struktur- und Stabilisierungsbindung zwischen den textilen
Oberflächen versetzt angeordnet wird, kann der Vorteil entstehen, dass beim Aufwickeln
der textilen Flächengebilde keine durchgängige Überlagerung der eingearbeiteten Textilebenenverbindungen
erfolgt. Dadurch kann enorm Platz eingespart werden und der Durchmesser im aufgewickelten
Zustand verringert werden.
[0016] Infolge der Möglichkeit von unterschiedlich verwendeten Garnqualitäten der Mehrkomponentengarne
und deren unterschiedliche Einbindung in einzelnen Flächenebenen des textilen Flächengebildes
kann erreicht werden, dass die bindungstechnisch voneinander getrennt gebildeten textilen
Oberflächen eine voneinander abweichende Steifigkeit aufweisen, was wiederum für das
Handling der textilen Flächengebilde in der Praxis eine Rolle spielen kann.
[0017] Bei Einsatz der einzelnen Garne für die Flächenbildung, den Füllschuss und den Verbindungsfadenbindungen
ist es erforderlich, dass wenigstens das Mehrkomponentengarn ein Polyester, ein Polyamidgarn
und/oder ein Garn mit wenigstens einer schmelzfähigen Garnkomponente ist, um eine
stoffschlüssige Verbindung von Teilbereichen der eingesetzten Garne zu erreichen.
[0018] Die Erfindung beinhaltet weiterhin ein Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen
textilen mit einer hohen Temperaturisolierwirkung ausgestattetem atmungsaktivem Flächengebildes
unter verarbeitungstechnischer Bildung eines Mehrflächentextiles bei Einsatz von synthetischen
Mehrkomponentengaren und einer thermischen Nachbehandlung.
[0019] Da die zur Herstellung des Mehrflächentextiles verwendeten synthetischen Mehrkomponentengarne
einzelnen Garnkomponenten mit unterschiedlichen Schmelzpunkttemperaturen ausgestattet
sind führt diese Eigenschaft bei der thermischen Nachbehandlung wenigstens bis zu
Erreichung des niedrigsten eingearbeiteten Schmelzpunktes zu einer nachträglichen
partiellen stoffschlüssigen Verbindung zwischen den im Flächengebilde mit diesen Garnkomponenten
unmittelbar in Kontakt stehenden eingearbeiteten Garnkomponenten.
[0020] Vorteilhaft ist die Bildung eines Mehrflächengebildes mit einer bauschigen Füllung,
einer Fixierung der einzelnen Flächenebenen zueinander vor der Temperaturbeaufschlagung,
dem Einbringen von Stabilisierungsverbindungen durch Verbindungsfadenbindungen und
dem anschließenden Temperaturbeaufschlagen mit einer partiellen Stoffschlussbildung
zwischen den verwendeten Garnen und/oder Garnkomponenten in einem durchgängigen Verfahrensablauf
unter Einsatz von Bei speziellen Einsatzfällen des textilen Flächengebildes in der
Praxis kann es notwenig sein, dass die Einordnung der synthetischen Mehrkomponentengarne
innerhalb des Flächengebildes definiert lokal erfolgt. Dann kann dennoch die vollflächige
Temperaturbeaufschlagung erfolgen, da nur dort, wo die Mehrkomponentengarne mit ihrem
unterschiedlichen Schmelzverhalten angeordnet sind der stoffschlüssige Verbund zwischen
den Garnkomponenten partiell erfolgen kann.
[0021] Um das Wärmeisolierverhalten des textilen Flächengebildes weiter zu verbessern, ist
es notwendig, dass als Füllschuss zwischen den gebildeten Teilebenen des Flächengebildes
zur Verhinderung einer stoffschlüssigen Verbindung der beiden Teilebenen des Flächengebildes
nichtschmelzendes Garnmaterial in bauschiger oder texturierter Form eingebracht wird.
Der bauschige Zustand wird zwar bei der Temperaturbeaufschlagung des Mehrflächentextils
minimiert, behält jedoch durch den Einschluss von sehr viel Luftvolumen und dem Einsatz
von Garnen aus Wärmeisoliermaterial seine positive Wirkung auf das entstehende textile
Flächengebilde in Bezug auf dessen Wärmeisoliereigenschaften.
[0022] Diese Eigenschaft kann durch die Variabilität der gewählten Einsatzmaterialien, den
Bauschcharakter des Füllschussmaterials und vielen weiteren Eigenschaften der ausgewählten
Einsatzmaterialien für den Füllschuss beeinflusst und eingestellt werden.
[0023] Für spezielle Einsatzfälle kann es auch notwenig sein, dass als Füllschuss zwischen
den gebildeten Teilebenen des Flächengebildes zur Herstellung einer stoffschlüssigen
Verbindung auch der beiden Teilebenen des Flächengebildes Garnmaterial mit einem Schmelzpunkt
im annähernd gleichen Temperaturbereich wie der niedrigste Schmelzpunkt-Temperaturbereich
des verwendeten Mehrkomponentengarnes eingebracht wird. Damit wird vordergründig das
Dampfdiffusionsverhalten des textilen Flächengebildes beeinflusst.
[0024] Um die Formstabilität des textilen Flächengebildes zu erhöhen, kann es notwendig
sein, dass das Flächengebilde während der thermischen Beaufschlagung trotz seiner
beinhaltenden Stabilisierungsbindung zusätzlich fixiert wird. Aber auch mit einer
zusätzlichen Druckbeaufschlagung während der thermischen Behandlung können die gewünschten
Eigenschaften variiert werden.
[0025] Die Erfindung beansprucht die Realisierung einer aus der vorbestimmten, geordneten
Einarbeitung von funktionellen Mehrkomponentengarnen folgenden Strukturbildung innerhalb
ein- und derselben Fertigungsstufe zur textilen Flächenbildung, wobei mittels einer
nachfolgenden thermischen Behandlung aus Anteilen des Mehrkomponentengarnes eine Strukturstabilisierung
erreicht wird. Mithin ist das eingearbeitete funktionelle Mehrkomponentengarn im ersten
Verfahrensabschnitt "Textite Flächenbildung" strukturbildende Komponente, aus welcher
im zweiten Verfahrensabschnitt "Thermische Behandlung" unmittelbar Anteile als strukturstabilisierende
Komponenten der zu erzielenden Erzeugnisstruktur eines bestimmten Anwendungsproduktes
gewonnen werden.
[0026] Im Falle einer geordneten sequentiellen Einarbeitung von funktionellen Mehrkomponentengarnen
innerhalb der textilen Flächenbildung erfolgt eine ergänzende Einarbeitung zusätzlicher
Garne bzw. Garnsysteme, die nicht als Mehrkomponentengarne ausgeprägt sein müssen.
[0027] Das Mehrkomponentengarn setzt sich vorzugsweise aus polymeren Garnkomponenten zusammen.
Mindestens eine Polymerkomponente weist dabei gegenüber den anderen Garnkomponenten
eine deutlich niedrigere Schmelztemperatur auf. Durch Erweichung dieser Garnkomponente
mittels einer thermischen Behandlung wird eine gezieltes stoffschlüssiges Verbinden
zwischen den weiteren Garnkomponenten des Mehrkomponentengarnes selbst als auch zu
weiteren, im textilen Flächengebilde enthaltenen strukturbildenden Garnen und Garnsystemen
erreicht. Das Mehrkomponentengarn kann als Kem-Mantel-Kombinationsgarn, als Faser-
oder Filament-Mischgarn ausgebildet sein.
[0028] Durch die präzise Bestimmung des Ortes der Einarbeitung des Mehrkomponentengarnes
innerhalb des textilen Flächenbildungsprozesses erfolgt unmittelbar eine textiltechnologische
Dosierung der strukturstabilisierenden Komponentenanteile sowohl im Verhältnis zu
den strukturbildenden Anteilen des Mehrkomponentengarnes als auch zu zusätzlich enthaltenen,
ausschließlich strukturbildenden Garnanteilen innerhalb der textilen Konstruktionen.
Diese Dosierung zwischen Mehrkomponentengarnen und ggf. weiterhin im Flächengebilde
befindlichen strukturbildenden Garnanteilen kann im Verlauf des textilen Flächenbildungsprozesses
lokal variiert werden, wodurch mittels der nachfolgenden thermischen Behandlung im
ausgerüsteten Erzeugnis Bereiche mit unterschiedlicher Steifigkeit/Strukturstabilität,
Wärmeisoliereigenschaft und/oder Dampfdiffusionsdurchlässigkeit entstehen. Darüber
hinaus besteht in der wechselnden, lokal definierten Einarbeitung von funktionellen
synthetischen Mehrkomponentengarnen, die selbst unterschiedliche Garnanteile mit niedrigerer
und höherer Schmelztemperatur aufweisen, eine weitere Möglichkeit der Ausprägung variabler
Strukturstabilität.
[0029] Offen strukturierte textile Flächengebilde, wie sie beispielsweise aus dem Bereich
der Weberei durch sogenannte Ajour-Bindungen oder aus dem Bereich der Wirkerei durch
sogenannte Filetbindungen bekannt sind, bleiben mittels der beschriebenen Erfindung
in ihrer textiltechnologisch eingearbeiteten Perforation erhalten. Die Einarbeitung
des Mehrkomponentengarnes kann in derart vordefinierter Menge erfolgen, dass der aufgeschmolzene
Materialanteil des Mehrkomponentengarnes hauptsächlich die bindungstechnisch unmittelbar
an seinem Ort der Einarbeitung miteinander im Flächenbildungsprozess zusammengeführten
Garnkomponenten stoffschlüssig verbindet.
[0030] Textiltechnologisch im Flächenbildungsprozess grundsätzlich eingearbeitete Eigenschaften
der textilen Struktur wie Luftdurchlässigkeit oder Blickdichte erfahren bei verfahrensgemäß
erzielter struktureller Stabilisierung nahezu keine Veränderungen.
[0031] Durch den Gegenstand der Erfindung wird bei der Herstellung biegeschlaffer, textiler
Erzeugnisse, unter Verwendung eines z. B. polymeren Matrixmaterials in Kombination
mit einer Temperaturbeaufschlagung eine Strukturstabilität verliehen. Es ist keine
zusätzliche aufwändige Anlagentechnik zum Auftragen und zum Verbinden strukturstabilisierender
Materialien mit einer textilen Grundstruktur wie Rakel, Kalander, Band- insbesondere
Doppelbandtrockner, Kombinationen mit Bandpressen oder ähnliche Kaschiertechniken
und Auftragswerke notwendig. Eine erhebliche Vereinfachung der veredlungstechnischen
Prozesse im Vergleich zu Arbeitsabläufen für mit Matrices stabilisierte textile Flächengebilde
nach dem Stand der Technik ist die Folge.
[0032] Dies erklärt sich insbesondere dadurch, dass durch die erfindungsgemäße textile Konstruktion
die Beanspruchung des zu veredelnden Textiles mit einem Flächen-oder Liniendruck zum
Auf- bzw. Eintrag der Strukturstabilisierenden Komponente vollständig entfällt. Ein
wesentlicher Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht deshalb darin, dass
mit Beschränkung des Veredlungsverfahrens auf die thermische Behandlung ein kontinuierlicher
Arbeitsprozess mit geringstem Regelungs- oder Steuerungsaufwand benötigt wird. Lediglich
die thermische Behandlung, die bezüglich der Behandlungsdauer und der Behandlungstemperaturen
in einem proportionalen Verhältnis zu den Komponentenanteilen des erfindungsgemäßen
Materials steht, ist im Veredlungsprozess für die Strukturstabilität bestimmend.
[0033] Die Dosierung der stabilisierenden Komponenten ist insbesondere bei typischen, offenporigen,
permeablen textilen Konstruktionen präziser. Der Vorteil liegt darin, dass sie dem
textilen Flächengebilde innewohnend (inhärent) und keinen Schwankungen infolge eines
üblicherweise externen, nachträglichen Auftrages auf wellige textile Oberflächen unterworfen
sind. Hierdurch werden gegenüber dem Stand der Technik sowohl Materialmengen als auch
Energieaufwand erheblich reduziert.
[0034] Ein maßgeblicher produktspezifischer Vorteil der Erfindung hinsichtlich der Gestaltungsfreiheit
der Erzeugnisstrukturen ergibt sich daraus, dass die optische Anmutung des erfindungsgemäß
hergestellten und gleichzeitig veredelten Textiles nahezu ausschließlich aus seiner
speziell gewählten bindungstechnischen Konstruktionsweise innerhalb des textilen Flächenbildungsprozesses
resultiert und von der Veredlung unbeeinträchtigt bleibt, da kein äußerer Druck zum
Zwecke der Strukturstabilisierung innerhalb des Veredlungsprozesses ausgeübt werden
muß, es sei denn es ist gewollt, wobei dadurch lediglich die Materialstärke des entstandenen
textilen Flächengebildes verändert wird. Bindungstechnisch eingetragene Hoch-Tief-Effekte,
Reliefs bis hin zu partiellen Einarbeitungen von Motiven z.B. durch Jacquardbindungen
oder ähnliche Musterungsmethoden im textilen Fertigungsverfahren bleiben in nahezu
unveränderter Sichtbarkeit erhalten bzw. können durch die gezielte geordnete Einarbeitung
des Bi- oder Mehrkomponentengarnes in diesen Bereichen sogar durch die thermische
Behandlung hervorgehoben werden.
[0035] Andere spezielle eingearbeitete Funktionsgarne, z. B. elektrisch leitende Materialien
bleiben unbeeinträchtigt von einer sie umgebenden Strukturstabilisierung.
[0036] Die Erfindung soll nachstehend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden.
Ausführungsbeispiel:
[0037] Benötigt wird ein geeignetes textiles Flächengebilde mit einer sehr hohen Wärmeisoliereigenschaft
und einer dennoch hohen Dampfdurchlässigkeit, welches mit herkömmlichen Verarbeitungsmaschinen
in einem Arbeitsprozess hergestellt werden kann, um für den Einsatz für Kühlregalrollos
effektiv hergestellt werden zu können.
[0038] Dazu wird dieses Flächengebilde auf herkömmlichen Webmaschinen einbahnig als Mehrflächengewebe
unter Einsatz von funktionellen synthetischen Mehrkomponentengarnen hergestellt, wobei
das Mehrkomponentengarn aus einem ersten Garnmaterialanteil mit einer definierten
Schmelztemperatur und einem zweiten Garnmaterialanteil mit einer gegenüber der Schmelztemperatur
des ersten Garnmaterialanteils niedrigeren Schmelztemperatur besteht. Bevorzugt kann
hierfür sowohl für den Schussfaden als auch für den Kettfaden oder auch für Beides
das handelübliche Mehrkomponentengarn mit der Bezeichnung Pemotex, ein Polyestergarn,
zum Einsatz gebracht werden. Dabei ist es notwendig dass zumindest in einer der entstehenden
Flächenebenen des Mehrflächentextils das Mehrkomponentengarn als Polyestergarn angeordnet
ist. Zwischen jeweils zwei entstehende Flächenebenen des Mehrflächentextils wird ein
Füllschuss aus texturiert, bauschig ausgebildetem Polyestergarn angeordnet, wodurch
zunächst eine bauschige Füllung entsteht. Zur Stabilisierung und auch zur Strukturbildung
werden die gebildeten äußeren Flächenebenen mit einer Verbindungsfadenbindung während
des Herstellungsprozesses miteinander verbunden und somit sowohl die Lage der Flächenebenen
zueinander als auch die Schussfadenfüllung zwischen den Flächenebenen zueinander fixiert
angeordnet. Dabei werden sowohl das Mehrkomponentengarn als auch das Garnmaterial
zur Stabilisierung und/oder strukturellen Gestaltung in geordneter Verteilung im textilen
Flächengebilde angeordnet. Dadurch wird eine gezielte Form- und Flächenstabilität
des Mehrflächentextils erreicht, bevor eine flächenmäßige oder partielle Temperaturbeaufschlagung
des gebildeten Mehrflächentextils erfolgt. Die Temperatureinstellung für die Beaufschlagung
wird so gewählt, dass zumindest der geringste eingearbeitete Schmelztemperaturpunkt
einer Garnkomponente des eingearbeiteten Mehrkomponentengarns erreicht wird. Dadurch
wird erzielt, dass zwischen den im textilen Flächengebilde eingearbeiteten Garnen
infolge einer der Flächengebilde- und Strukturausbildung dienenden nachfolgenden thermischen
Behandlung des vorgefertigten textilen Flächengebildes zumindest im Bereich der geordneten
Verteilung des Mehrkomponentengarns eine stoffschlüssige Verbindung sowohl der Bestandteile
des Mehrkomponentengarns als auch mindestens der Garnmaterialanteile zur Stabilisierung
und/oder strukturellen Gestaltung ausgebildet ist.
[0039] Das textile Mehrflächengebilde ist in diesem Fall als Gewebe ausgebildet. Es besteht
jedoch auch die Möglichkeit, das Mehrflächentextil als Strickware, Kett- oder Nähgewirk
oder als Flachkulier, jedoch mit wenigstens zwei bindungstechnisch voneinander getrennt
ausgebildeten textilen Flächenebenen auszubilden, welche mittels Füllschuss voneinander
getrennt gehalten und mittels Struktur- und Stabilisierungsbindung (Verbindungsfadenbindung)
miteinander verfahrenstechnisch verbunden sind und deren unterschiedliche Garnkomponenten
anschließend mittels Temperaturbeaufschlagung wenigstens teilweise miteinander verschmolzen
werden.
[0040] Dabei kann es von Vorteil sein, dass die Ausbildung der Struktur- und Stabilisierungsbindung
zwischen den äußeren textilen Oberflächen, welche als Verbindungsfadenbindung ausgebildet
ist, innerhalb der textilen Oberfläche versetzt angeordnet ist. Damit wird nicht nur
optisch eine plastische Struktur erreicht, es wird auch die platzsparende Aufrollfähigkeit
des textilen Flächengebildes erreicht. Dies kann auch dadurch unterstützt werden,
dass die bindungstechnisch voneinander getrennt gebildeten textilen Oberflächen eine
voneinander abweichende Steifigkeit aufweisen.
[0041] Die bei der Herstellung des Mehrflächentextil verwendeten synthetischen funktionellen
Mehrkomponentengarne mit ihren verschiedenen einzelnen Garnkomponenten mit unterschiedlichen
Schmelztemperaturpunkten, haben den Vorteil, dass bei der thermischen Nachbehandlung
eine nachträgliche partielle stoffschlüssige Verbindung gezielt zwischen ausgewählten
eingearbeiteten Garnkomponenten, wie auch wenn gewünscht dem Stabilisierungs- und
Strukturbildungsgarn erwirkt und in die Textilstruktureingebracht wird. Dabei kann
ebenso die Einordnung der synthetischen Mehrkomponentengarne innerhalb des Flächengebildes
definiert lokal vorbestimmt werden und erfolgt, um das erfindungsgemäße textile Flächengebilde
optimal auf die speziellen Einsatzfälle auszurichten.
[0042] Für eine optimale Ausrichtung zur Wärme- bzw. Kälteisolierung wird als Füllschuss
zwischen den gebildeten textilen Flächenebenen des Flächengebildes zur Verhinderung
einer stoffschlüssigen Verbindung dieser Ebenen ein texturiertes und/oder bauschiges
nichtschmelzendes bzw. ein mit einem höheren Schmelzpunkt als der Temperaturbeaufschlagung
ausgestattetes Garnmaterial eingebracht. Mit der eingebrachten Füllschussgarnqualität
und dessen Quantität kann das Wärme- bzw. Kälteisolierverhalten sehr differenziert
auf den gewünschten Wert eingestellt werden. Mit einer konfigurierten Verwendung von
auf den jeweiligen Einsatzfall abgestimmten Mehrkomponentengaren und deren Temperaturverhalten
kann die Oberfläche des erfindungsgemäßen textilen Flächengebildes optimal auf die
gewünschte bzw. notwenige Dampfdiffusionsfähigkeit abgestimmt werden. Je größer der
Anteil an stoffschlüssigen Verbindungen in den Gewebeflächen und/oder höher die Fadendichte
und -anordnung in der Gewebekonstruktion ist, um so geringer die Dampfdurchlässigkeit.
[0043] Mit der erfindungsgemäßen Lösung ist es möglich, ein auf die Kundenwünsche optimal
abgestimmtes textiles Flächengebilde zu fertigen, welches den Kundenwünschen in Bezug
auf Temperaturisolierwirkung und Dampfdurchlässigkeit effektiv gerecht wird.
1. Textiles mit einer hohen Temperaturisolierwirkung ausgestattetes atmungsaktives Flächengebilde
aus funktionellen Mehrkomponentengarnen sowie Garnen zur Stabilisierung und/oder strukturellen
Gestaltung, wobei das funktionelle Mehrkomponentengarn aus synthetischen Garnkomponenten
einbahnig in einem Mehrflächentextil eingeordnet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
- das Mehrkomponentengarn aus wenigstens einem ersten Garnmaterialanteil mit einer
definierten Schmelztemperatur und einem zweiten Garnmaterialanteil mit einer gegenüber
der Schmelztemperatur des ersten Garnmaterialanteils niedrigeren Schmelztemperatur
besteht,
- in mindestens einer der entstehenden Flächenebenen des Mehrflächentextils das Mehrkomponentengarn
angeordnet ist,
- der Füllschuss als eine bauschige Füllung bildendes, zwischen zwei Gewebeflächenebenen
als texturiert bauschig ausgebildetes Garn angeordnet ist,
- das Mehrkomponentengarn und das Garnmaterial zur Stabilisierung und/oder strukturellen
Gestaltung in geordneter Verteilung im textilen Flächengebilde angeordnet sind,
- zwischen den im textilen Flächengebilde eingearbeiteten Garnen infolge einer der
Flächengebilde- und Strukturausbildung dienenden nachfolgenden thermischen Behandlung
des vorgefertigten textilen Flächengebildes zumindest im Bereich der geordneten Verteilung
des Mehrkomponentengarns eine stoffschlüssige Verbindung sowohl der Bestandteile des
Mehrkomponentengarns als auch mindestens der Garnmaterialanteile zur Stabilisierung
und/oder strukturellen Gestaltung wie auch der Füllung ausgebildet ist.
2. Textiles mit einer hohen Temperaturisolierwirkung ausgestattetes atmungsaktives Flächengebilde
nach dem Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das textile Flächengebilde als Gewebe, Strickware, Kett- oder Nähgewirk oder als
Flachkulier mit wenigstens zwei bindungstechnisch voneinander getrennt ausgebildeten
textilen Flächenebenen, welche mittels Füllschuss voneinander getrennt gehalten und
mittels Struktur- und Stabilisierungsbindung (Verbindungsfadenbindung) miteinander
verfahrenstechnisch verbunden sind und deren unterschiedliche Garnkomponenten anschließend
mittels Temperaturbeaufschlagung wenigstens teilweise miteinander verschmolzen sind,
ausgebildet ist.
3. Textiles mit einer hohen Temperaturisolierwirkung ausgestattetes atmungsaktives Flächengebilde
nach einem der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Mehrflächentextil zusätzlich zum Füllschuss eine bei seiner Herstellung gleichzeitig
eingearbeitete Verbindungsfadenbindung mit Struktur- und Stabilisierungsausbildung
innerhalb des Flächengebildes aufweist.
4. Textiles mit einer hohen Temperaturisolierwirkung ausgestattetes atmungsaktives Flächengebilde
nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausbildung der Struktur- und Stabilisierungsbindung zwischen den textilen Oberflächen
versetzt angeordnet ist.
5. Textiles mit einer hohen Temperaturisolierwirkung ausgestattetes atmungsaktives Flächengebilde
nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die bindungstechnisch voneinander getrennt gebildeten textilen Oberflächen eine voneinander
abweichende Steifigkeit aufweisen.
6. Textiles mit einer hohen Temperaturisolierwirkung ausgestattetes atmungsaktives Flächengebilde
nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens das Mehrkomponentengarn ein Polyestergarn ist.
7. Verfahren zur Herstellung eines textilen mit einer hohen Temperaturisolierwirkung
ausgestattetem atmungsaktivem Flächengebilde nach den Ansprüchen 1 bis 6 unter verarbeitungstechnischer
Bildung eines Mehrflächentextil als Mehrflächentextil bei Einsatz von synthetischen
Mehrkomponentengaren und einer thermischen Nachbehandlung dadurch gekennzeichnet, dass die zur Herstellung des Mehrflächentextil verwendeten synthetischen Mehrkomponentengarne
einzelnen Garnkomponenten mit unterschiedlichen Schmelzpunkttemperaturen aufweisen,
um bei der thermischen Nachbehandlung eine nachträgliche partiellen stoffschlüssige
Verbindung zwischen allen in das Flächengebilde eingearbeiteten Garnkomponenten, wie
dem Füllschussgarn als auch dem Stabilisierungs-und Strukturbildungsgarn, zu erwirken.
8. Verfahren zur Herstellung eines textilen mit einer hohen Temperaturisolierwirkung
ausgestattetem atmungsaktivem Flächengebilde nach dem Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Einordnung der synthetischen Mehrkomponentengarne innerhalb des Flächengebildes
definiert lokal erfolgt.
9. Verfahren zur Herstellung eines textilen mit einer hohen Temperaturisolierwirkung
ausgestattetem atmungsaktivem Flächengebilde nach einem der Ansprüche 7 und 8, dadurch gekennzeichnet, dass als Füllschuss zwischen den gebildeten Teilebenen des Flächengebildes zur Verhinderung
einer stoffschlüssigen Verbindung der beiden Teilebenen des Flächengebildes nichtschmelzendes
Garnmaterial eingebracht wird.
10. Verfahren zur Herstellung eines textilen mit einer hohen Temperaturisolierwirkung
ausgestattetem atmungsaktivem Flächengebilde nach einem der Ansprüche 7 und 8, dadurch gekennzeichnet, dass als Füllschuss zwischen den gebildeten Teilebenen des Flächengebildes zur Herstellung
einer stoffschlüssigen Verbindung auch der beiden Teilebenen des Flächengebildes Garnmaterial
mit einem Schmelzpunk im annähernde gleichen Temperaturbereich wie der niedrigste
Schmelzpunkt-Temperaturbereich des verwendeten Mehrkomponentengarnes eingebracht wird.
11. Verfahren zur Herstellung eines textilen mit einer hohen Temperaturisolierwirkung
ausgestattetem atmungsaktivem Flächengebilde nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Flächengebilde während der thermischen Beaufschlagung fixiert wird.
12. Verfahren zur Herstellung eines textilen mit einer hohen Temperaturisolierwirkung
ausgestattetem atmungsaktivem Flächengebilde nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das textile Flächengebilde während der thermischen Beaufschlagung fixiert und zusätzlich
mit Druck beaufschlagt wird.