[0001] Die Erfindung betrifft eine Anlage zur Herstellung von Betonfertigteilen nach dem
Oberbegriff des Patentanspruchs 1. Ein Beispiel hierfür ist in
DE 40 37 222 A1 beschriebenbeschrieben und dargestellt.
[0002] Derartige Anlagen setzen sich in bekannter Weise aus einer Vielzahl von Komponenten
zusammen, die in einem Fabrikationsbetrieb fest installiert sind, um die jeweils gewünschten
Betonteile in automatisierter Weise herstellen zu können. Zu diesen Komponenten zählen
ein Regal oder eine Stapelanlage für die Fertigungspaletten zum Aushärten der auf
diesen gegossenen Betonfertigteile. Alternativ können zwei Regale oder Stapelanlagen
getrennt voneinander vorgesehen sein, von denen eines die Fertigungspaletten aufnimmt,
während in dem anderen Regal die Betonfertigteile aushärten. In beiden Fällen ist
ein Regalbediengerät oder Stapelkran als weitere Komponente notwendig. In einem Magazin
sind die Schalelemente untergebracht, die nach Bedarf abgerufen und zu den Fertigungspaletten
transportiert werden. Arbeitsstationen dienen zum Schalen, zum Bewehren, zum Gießen
und zum Verdichten.
[0003] Derartige Betonfertigteilwerke sind so konzipiert, dass in ihnen qualitativ einwandfreie
Betonfertigteile wirtschaftlich und in automatisierter Weise produziert werden können.
Dabei handelt es sich immer um örtlich gebundene Industrieanlagen, die eine Region
in einem definierten Umkreis beliefern, beispielsweise im Städtebau, für Industrieanlagen
oder für Ferienanlagen.
[0004] Wenn jedoch in einer Region die notwendige Infrastruktur unzureichend ist oder gar
fehlt, ist der Einsatz von automatisierten Anlagen zur Herstellung von Betonfertigteilen
unwirtschaftlich, da insbesondere die Kosten für den Transport der Bauteile zur Baustelle
unverhältnismäßig hoch sind. Dies betrifft insbesondere Entwicklungsländer, in denen
die hohen Investitionen für die jeweiligen Projekte wirtschaftlich nicht vertretbar
sind. Ein weiteres Argument gegen den Einsatz von Betonfertigteilwerken in den Entwicklungsländern
ist, dass nach Abschluss des Projekts kein Folgeauftrag zu erwarten ist und daher
die Anlagenkosten nicht auf mehrere Projekte umgelegt werden können.
[0005] Gegenstand der
EP 1 881 130 A1 ist eine transportierbare Fabrik zum Herstellen vorfabrizierter Bauelemente aus Backsteinmaterial
und Zementmörtel für das Erstellen von Tafeln für das Bauwesen. Die einzelnen Arbeitsstationen
sind dabei auf fahrbaren Containern oder Wagen untergebracht, auf denen auch die Fertigung
durchgeführt wird. Die Wagen sind dabei lose unter einem Zeltdach gruppiert, das auf
dem Boden verankert ist.
[0006] In
DE 198 36 320 C2 ist eine Vorrichtung zu variablen Fertigung von Betonschwellen erläutert, deren Komponenten
in Containerbaueinheiten untergebracht werden können, um die Kapazität der gesamten
Anlage an den jeweiligen Bedarf anzupassen.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Konzept für ein automatisiertes Betonfertigteilwerk
zu entwickeln, mit dessen Hilfe vor allem die Kosten für Realisierung und Transport
deutlich reduziert werden können, so dass die Anlage auch in infrastrukturschwachen
Regionen wirtschaftlich einsetzbar ist.
[0008] Zur Lösung dieser Aufgabe ist gemäß der Erfindung vorgesehen, dass die eingangs angegebenen
Komponenten der Anlage als transportable Moduleinheiten ausgebildet sind, die aus
zusammensetzbaren Teilelementen bestehen und abnehmbar auf einer Fundamentplatte montiert
werden können, und dass diese Komponenten auch als Tragkonstruktionen für Krananlagen
oder Halleneinkleidung wie Wand- oder Deckenelemente eingesetzt sind, die abnehmbar
an der Anlage befestigt sind.
[0009] Dank dieser Lösung steht eine universell einsetzbare, mobile Produktionsanlage für
Betonfertigteile zur Verfügung, die in der Nähe eines Großprojektes wie z. B. Siedlungsbau,
Industrieanlage o. dgl. einfach und schnell montiert werden kann und innerhalb kürzester
Zeit einsatzbereit ist. Nach Fertigstellung des Projektes kann die Anlage ebenso rasch
und ohne große Kosten wieder abgebaut werden, um sie an einem anderen Einsatzort wieder
aufzubauen. Als einzige ortsfeste Komponente ist lediglich eine Fundamentplatte erforderlich,
die nach dem Abzug der Anlage entweder wieder beseitigt oder für andere Zwecke benutzt
werden kann. Auf dieser Fundamentplatte werden alle Anlagenteile und Komponenten befestigt,
ohne dass Gruben oder aufwendige Einbauteile in der Fundamentplatte erforderlich sind.
Notwendige Kabelverbindungen werden steckbar und fertig konfektioniert an den Komponenten
angeschlossen. Leerrohre für Elektroverkabelung in der Fundamentplatte sind nicht
erforderlich, weil alle notwendigen Kabeltrassen über die Komponenten zugeführt werden
können.
[0010] Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung sind für den Transport aller Teilelemente
und Segmente Container vorgesehen. Diese sind als Standardcontainer mit genormten
Abmessungen in der Lage, die Teilelemente und Segmente aufzunehmen, wozu diese lediglich
an die Containermaße angepasst werden. Dies betrifft beispielsweise auch die Fertigungspaletten,
die aus Segmenten zusammengesetzt sind, welche für den Einsatz miteinander verbunden
werden.
[0011] In Weiterführung dieses Gedankens dienen die Container nach dem Transport als Tragkonstruktionen
und/oder Wandelemente der Anlage, an denen beispielsweise Kranbahnen, Tore, Unterzüge,
Tragkonstruktionen oder andere Bauteile befestigt sind, beispielsweise über Twistlocks.
[0012] Darüber hinaus können die Container zum Teil auch die Steuerungsanlagen für das Betonfertigteilwerk
oder Büro-, Wohn- oder Sozialräume aufnehmen.
[0013] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Patentansprüchen
und aus der folgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels, das in der Zeichnung
dargestellt ist. Es zeigen:
Figur 1 die Draufsicht auf eine gemäß der Erfindung ausgebildete Anlage zur Herstellung
von Betonfertigteilen,
Figur 2 eine Schnittdarstellung in der Ebene II-II der Figur 1,
Figur 3 eine Ansicht der Anlage in Richtung des Pfeiles III der Figur 1,
Figur 4 einen Querschnitt durch die Anlage in der Ebene IV-IV der Figur 1,
Figur 5 einen Schnitt in der Ebene V-V der Figur 1,
Figur 6 in vergrößertem Maßstab die Einzelheit VI der Figur 4,
Figur 7 in vergrößertem Maßstab das Detail VII der Figur 5,
Figur 8 einen Schnitt durch einen Teil einer erfindungsgemäß ausgebildeten Fertigungspalette,
Figur 9 in vergrößertem Maßstab die Einzelheit IX der Figur 8.
[0014] Figur 1 zeigt in Draufsicht eine insgesamt mit 10 bezeichnete, mobile Anlage für
die Herstellung von Betonfertigteilen. Sie hat in diesem Beispiel eine innere Breite
b von etwa 30 Meter und eine innere Länge 1 von etwa 65 Meter. Auf der in Figur 1
rechten Seite ist die Anlage 10 offen und hat einen Lagerplatz 12 für fertige Betonteile
106, die von einem Gabelstapler 14 abtransportiert werden können.
[0015] Der größte Teil der Anlage 10 ist seitlich durch Wände 16 abgeschlossen, die aus
leeren Containern 18 bestehen. In den Figuren 2 bis 5 ist zu erkennen, dass zur Realisierung
der gewünschten Wandhöhen die Container 18 auch übereinander angeordnet sein können.
In allen Fällen sind die Container 18 über an sich bekannte Twistlocks miteinander
verbunden.
[0016] Das in Figur 1 rechte Ende der Anlage 10 ist als Ein- und Ausfahrt für Lastzüge 20
ausgebildet und durch ein Tor 22, beispielsweise ein Rolltor verschlossen, das zwischen
zwei Containern 18 fixiert ist.
[0017] Den Kernbereich 24 der Anlage 10 wird gebildet durch ein Regal 26 für die Aufnahme
von Fertigungspaletten und ein Regal 28 zum Aushärten der auf den Fertigungspaletten
gegossenen Betonteile. Die beiden Regale 26 und 28 sind durch ein Regalbediengerät
30 miteinander verbunden, das gemäß Figur 2 nach Art eines Portalkrans 32 ausgebildet
ist, der auf Schienen 34 verfahrbar ist, welche auf einer Fundamentplatte 36 befestigt
sind. Die Fundamentplatte 36 nimmt daneben auch die beiden Regale 26 und 28 sowie
alle weiteren Komponenten der Anlage 10 auf, darunter auch die Container 18, welche
die Wände 16 bilden.
[0018] In Figur 1 ist zu erkennen, dass die beiden Regale 26 und 28 aus Fächern 38 zusammengesetzt
sind, die so bemessen sind, dass sie für den Transport in den Containern 18 untergebracht
werden können. Gleiches gilt auch für die noch zu erläuternden anderen Komponenten,
die wie das Regalbediengerät 30 aus Teilelementen zusammengesetzt sind, deren Abmessungen
so gewählt sind, dass eine Unterbringung in den Containern 18 mit Standardmaß möglich
ist.
[0019] Aus den Figuren 1 und 2 geht hervor, dass auf der Oberseite des zum Lagerplatz 12
weisenden Endes des Regals 28 eine Kranbahn 40 für einen Halbportalkran 42 mit einer
Laufkatze 44 angebracht ist, dessen dem Regal 28 gegenüberliegende Säule 46 auf einer
Schiene 48 verfahrbar ist, die auf der Fundamentplatte 36 befestigt ist. Der Halbportalkran
42 verbindet eine Station 50 zum Kippen der fertigen ausgehärteten Betonteile 106
in senkrechte Stellung und zu deren Überführung in den Lagerplatz 12.
[0020] Die Figuren 1 und 2 zeigen weiter, dass auch auf dem Regal 26 eine Laufbahn 52 angebracht
ist, die parallel zur Kranbahn 40 verläuft. Auf dieser Laufbahn 52 stützt sich ein
Wendekran 54 ab, der auf der Laufbahn 52 und einer dieser gegenüberliegenden, parallelen
Laufbahn 52' verfahrbar ist. Die Laufbahn 52' ist ihrerseits auf den Containern 18
der in Figur 2 linken Wand 16 abgestützt.
[0021] Wie die Figuren 2 und 3 erkennen lassen, sind der Kernbereich 24 und im Anschluss
daran die dem Wendekran 54 zugeordnete Station 56 zum Wenden zweischaliger Betonfertigteile
von miteinander verbundenen Deckenelementen einer ersten Dachkonstruktion 58 überdeckt,
die sich einerseits im Bereich der Kranbahn 40 und andererseits auf Säulen 60 abstützt,
die ihrerseits auf den Containern 18 der in Figur 2 linken Wand 16 abgestützt sind.
Eine zweite Dachkonstruktion 62, die ebenfalls aus Deckenelementen zusammengesetzt
ist, überdeckt die auf der Längsseite vor dem Kernbereich 24 angeordneten Arbeitsstationen,
deren Funktionen nachstehend erläutert werden und die von einem gemeinsamen Kran 64
bedient werden (vgl. Figur 4). Dieser gemeinsame Kran 64 mit Laufkatze 66 ist auf
zwei parallelen Kranbahnen 68 verfahrbar, die einerseits auf den Containern 18 der
in Figur 4 rechten Wand 16 und andererseits auf einer Konsole 70 befestigt sind, die
von einer Zwischenwand 72 absteht, welche die Anlage 10 in Längsrichtung durchläuft
und den Kernbereich 24 von den nachstehend erläuterten Arbeitsstationen trennt.
[0022] Im Anschluss an die in Figur 1 rechte Wand 16 mit Rolltor 22 ist ein Magazin 74 für
Schalelemente 76 vorgesehen, dem ein Multifunktions-Schalungsroboter 78 zugeordnet
ist. Dieser ist beispielsweise wie in
EP 1 179 401 B1 erläutert ausgebildet und dient dazu, die benötigten Schalelemente 76 aus dem Magazin
74 zu entnehmen und in einer Schalungsstation 80 auf die jeweilige Fertigungspalette
94 zu legen. Daran schließt sich in Richtung der in Figur 1 eingezeichneten Pfeile
des Palettenumlaufs eine Arbeitsstation 82 zum Bewehren an, auf die eine Arbeitsstation
84 zum Gießen folgt. Über dieser befindet sich ein Betonverteiler 86, der auch in
der Schnittdarstellung der Figur 5 zu erkennen ist.
[0023] Wie Figur 1 zeigt, befindet sich außerhalb der dort linken Wand 16 mit einem weiteren
Rolltor 22 eine Mischanlage 88, der Zementsilos 90 sowie Silos 92 für Zuschlagstoffe
zugeordnet sind.
[0024] Nach dem Gießen der Betonfertigteile gelangt die jeweilige Fertigungspalette 94 in
eine Arbeitsstation 96 zum Verdichten und danach - sofern erforderlich - in die Wendestation
56.
[0025] Wie bereits erwähnt, sind alle erläuterten Komponenten aus Teilelementen zusammengesetzt,
deren Abmessungen an die Standardmaße der Container 18 angepasst sind. Dies gilt auch
für die Fertigungspaletten 96, welche aus miteinander verbundenen Segmenten 98 zusammengesetzt
sind (vgl. Figuren 8 und 9). Diese sind über konische Verbindungselemente 100 so miteinander
verschraubt, dass ihre Oberfläche einen durchgehend ebenen Schalungstisch 102 bilden,
der im Bereich der Stoßfuge 104 keine die Ebene unterbrechende Stufe bildet.
[0026] Die Container 18 können auch zur Aufnahme von Steuerungseinrichtung für die gesamte
Anlage 10 sowie von Büro-, Wohn- oder Sozialräumen verwendet werden. Da die Container
18 Standardcontainer sind, z. B. mit den Maßen 40x2,5 Fuß, können diese in üblicher
Weise transportiert werden, ohne dass Sondertransportbedingungen beachtet werden müssten.
[0027] Mit der Erfindung steht eine mobile Anlage zur Verfügung, die universell einsetzbar
ist und erheblich zur Reduzierung von Investitionskosten und Transportkosten beiträgt.
Dabei ist es von besonderem Vorteil, dass die Komponenten bzw. die Container, die
zu ihrem Transport dienen, im Betrieb der aufgebauten Anlage sowohl als Wandelemente
als auch als Tragkonstruktionen für die Deckenelemente und für die notwendigen Krananlagen
dienen. Insbesondere die Container haben dabei eine Doppelfunktion, da sie nicht nur
für den Transport eingesetzt sind, sondern auch als Stützelemente für die Arbeitsgeräte
und die Dachabdeckung dienen.
1. Anlage zur Herstellung von Betonfertigteilen mit den folgenden Komponenten:
- Regal (26, 28) oder Stapelanlage für die Aufnahme von Fertigungspaletten (94) und/oder
zum Aushärten der auf diesen gegossenen Betonfertigteile (106),
- Regalbediengerät (30) oder Stapelkran,
- ein Magazin (74) für Schalelemente (76),
- Arbeitsstationen zum Schalen (80), Bewehren (82), Gießen (84) und Verdichten (96),
dadurch gekennzeichnet, dass die Komponenten als transportable Moduleinheiten ausgebildet sind, die aus zusammensetzbaren
Teilelementen bestehen und abnehmbar auf einer Fundamentplatte (26) montiert sind,
wobei die Komponenten als Tragkonstruktionen für Krananlagen und/oder Halleneinkleidung
eingesetzt sind.
2. Anlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass an der Tragkonstruktion Wand-und/oder Deckenelemente der Anlage (10) abnehmbar befestigt
sind.
3. Anlage nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass für den Transport aller Teilelemente und Segmente Container (18) vorgesehen sind,
die nach dem Transport als Tragkonstruktionen und/oder Wandelemente der Anlage (10)
dienen.
4. Anlage nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass ein Teil der Container (18) eine Steuerungseinrichtung sowie Büro-, Wohn- oder Sozialräume
aufnimmt.
5. Anlage nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Container (18) über Twistlocks miteinander verbunden sind.
6. Anlage nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass an den Containern (18) Anbauelemente wie Kranbahnen (40, 68), Unterzüge, Tore (22)
und/oder Tragkonstruktionen über Twistlocks befestigt sind.
7. Anlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Regal (26, 28) mit Regalbediengerät (30) bzw. die Stapelanlage mit
Stapelkran in einem Kernbereich (30) angeordnet ist, der als Tragkonstruktion für
alle Komponenten der Anlage (10) ausgebildet ist.
8. Anlage nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass angrenzend an den Kernbereich (24) die Arbeitsstationen zum Schalen (80), Bewehren
(82), Gießen (84) und Verdichten (96) angeordnet sind.
9. Anlage nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass angrenzend an den Kernbereich (24) weitere, als transportable Moduleinheiten ausgebildete
Komponenten für Stationen zum Wenden (56) und/oder Kippen (50) angeordnet sind.
10. Anlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Fertigungspaletten (94) aus miteinander verbindbaren Segmenten (98) zusammengesetzt
sind.