[0001] Die Erfindung betrifft Verfahren und Vorrichtungen zur Extraktion von Kohlenwasserstoffen
aus Ölsand.
[0002] Bei einem Ölsand handelt es sich üblicherweise um eine Mischung aus Tonsubstanz,
Silikaten, Wasser und Kohlenwasserstoffen. Die in Ölsanden bis zu etwa 18 % enthaltene
Ölphase aus diversen Kohlenwasserstoffen weist eine sehr unterschiedliche, oft Abbaugebiet-spezifische
Zusammensetzung auf, wobei Bitumen, Rohöl und Asphalt enthalten sein können. Die Aufbereitung
von Ölsand wird mit dem Ziel der Trennung der Gesteins- bzw. Sandfraktion umfassend
Tonsubstanz und Silikate vom eigentlichen Wertstoff, also der Ölphase umfassend die
Kohlenwasserstoffe, durchgeführt.
[0003] Der Abbau von Ölsanden erfolgt häufig im Tagebau. Bei einem Abbaus aus tieferen Erdschichten
erfolgt oft eine Vorbearbeitung, bei der Dampf in die Lagerstätte eingeleitet, die
Kohlenwasserstoffe verflüssigt und an Bohrstellen gesammelt und zutage gefördert werden.
[0004] Die
US 4,240,897 beschreibt ein Verfahren zur Extraktion von Bitumen aus Ölsand mittels heißen Wassers.
[0005] Die
DE 10 2007 039 453 A1 beschreibt ein Verfahren zur Gewinnung von Bitumen aus Ölsand-Wasser-Mischungen mittels
Flotation.
[0006] Gemäß dem sogenannten CLARK-ROWE-Prozess wird Ölsand mit Natronlauge gemischt und
dadurch die Ölphase mobilisiert. Es erfolgt eine Phasentrennung wässerig-ölig primär
durch Flotation. Der verbleibende Gesteins- oder Sandanteil enthält nach der Extraktion
noch bis zu 10% der Ölphase, das zum Teil an der Oberfläche der Feinstpartikel adsorptiv
gebunden ist.
[0007] Dies führt zu einer sterischen Stabilisierung dieser Partikel im Abwasserstrom des
Prozesses, wodurch eine Abtrennung dieser Partikel stark erschwert ist. Ferner wird
eine merkliche Menge an Tonsubstanz durch eine adsorptive Anlagerung der Ölphase so
stark hydrophobisiert, dass diese während einer Flotation in das Produkt, d.h. die
abgetrennte Ölphase, gelangt. Dort stellt die Tonsubstanz eine qualitätsmindernde
Verunreinigung dar, die nur schwer wieder abgeschieden werden kann. Je nach Ölsand-Zusammensetzung
wird daher zur Gewinnung eines Barrels an Ölphase etwa die drei- bis vierfache Menge
an nicht recycelbarem Frischwasser benötigt. Das Wasser wird mit der abgetrennten
Gesteins- oder Sandfraktion in Auffangbecken zwischen- oder endgelagert.
[0008] Die
US 4,968,412 beschreibt ein zweistufiges Verfahren zur Entfernung von Bitumen aus Ölsand, bei
dem in einem ersten Schritt eine Zugabe von organischem Lösungsmittel und eine Abtrennung
der Tonsubstanz erfolgen. In einem zweiten Schritt wird eine Waschung des aufbereiteten
Ölsands mit Wasser unter Tensid-Zugabe durchgeführt.
[0009] Die
US 2008/0060978 A1 beschreibt ein Verfahren zur Extraktion von Kohlenwasserstoffen aus Ölsand, bei dem
der Ölsand mit organischen Lösemitteln versetzt und einem Fliehkraftabscheider zugeführt
wird.
[0010] Ein Problem bei der Extraktion von Kohlenwasserstoffen aus Ölsanden mit Hilfe von
organischen Lösungsmitteln liegt unter anderem in der Aufbereitung der abgetrennten,
noch Lösemittel enthaltenden Gesteins- oder Sandfraktion.
[0011] Es ist Aufgabe der Erfindung, Verfahren und Vorrichtungen bereitzustellen, die eine
Effizienz des Extraktionsvorgangs unter Verwendung organischer Lösemittel noch erhöhen
und eine lösemittelfreie abgetrennte Gesteins- oder Sandfraktion bereitstellen.
[0012] Die Aufgabe wird für ein erstes Verfahren zur Extraktion von Kohlenwasserstoffen
aus Ölsand, umfassend folgende Schritte, gelöst:
- a) Herstellen einer Suspension aus Ölsand und einem organischen ersten Extraktionsmittel;
- b) Überführen der Suspension in mindestens eine Filterapparatur, mittels welcher ein
Filterkuchen umfassend filtrierbare Partikel der Suspension von einer Hauptmenge an
Extraktphase abgetrennt wird;
- c) Austreiben einer Restmenge an Extraktphase aus dem Filterkuchen; und
- d) Abführen und/oder Zusammenführen der Hauptmenge und der Restmenge der Extraktphase
enthaltend die extrahierten Kohlenwasserstoffe.
[0013] Die Aufgabe wird für ein zweites Verfahren zur Extraktion von Kohlenwasserstoffen
aus Ölsand, umfassend folgende Schritte, gelöst:
a1) Herstellen einer ersten Suspension aus Ölsand und einem organischen ersten Extraktionsmittel;
a2) Überführen der ersten Suspension in mindestens ein Absetzbecken, in dessen unterem
Bereich sich durch Sedimentation Partikel der ersten Suspension absetzen;
a3) Abführen einer ersten Teilmenge der ersten Suspension aus einem oberen Bereich
des mindestens einen Absetzbeckens in mindestens eine sedimentierende Zentrifuge,
insbesondere einen Dekanter, mittels welcher eine erste Extraktphase von einer Restphase
abgetrennt wird;
a4) Ausbilden einer zweiten Suspension umfassend eine zweite Teilmenge der ersten
Suspension aus einem unteren Bereich des mindestens einen Absetzbeckens und der Restphase;
b1) Überführen der zweiten Suspension in mindestens eine Filterapparatur, mittels
welcher ein Filterkuchen umfassend filtrierbare Partikel der zweiten Suspension von
einer Hauptmenge an zweiter Extraktphase abgetrennt wird;
c1) Austreiben einer Restmenge an zweiter Extraktphase aus dem Filterkuchen; und
d1) Abführen und/oder Zusammenführen der ersten und der zweiten Extraktphasen enthaltend
die extrahierten Kohlenwasserstoffe.
[0014] Es hat sich überraschend gezeigt, dass eine Verwendung rein organischer Extraktionsmittel
in den beiden erfindungsgemäßen Verfahren dazu führt, dass Feinstbestandteile im Ölsand,
die überwiegend aus Tonsubstanz bestehen, agglomerieren und die Agglomerate zudem
ein hydrophobes Verhalten zeigen. Dies ermöglicht eine Abtrennung der Tonsubstanz
mit der Gesteins-und Sandfraktion mittels einer besonders kostengünstigen und einfach
durchzuführenden mechanischen Fest-Flüssig-Filtration.
[0015] Die Aufgabe wird für eine erste Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen
ersten Verfahrens gelöst, indem sie folgendes umfasst:
- mindestens eine erste Dosiereinrichtung zur Zugabe des ersten Extraktionsmittels zum
Ölsand;
- mindestens einen Mischer zur Herstellung der Suspension;
- mindestens eine Filterapparatur;
- optional mindestens eine weitere Dosiereinrichtung zur Aufgabe mindestens eines zweiten
Extraktionsmittels und/oder eines dritten Extraktionsmittels auf den Filterkuchen;
- mindestens eine erste Einheit zur Durchführung des Verfahrensschritts c); und
- mindestens eine zweite Einheit zum Abführen und/oder Zusammenführen der Hauptmenge
und der Restmenge der Extraktphase enthaltend die extrahierten Kohlenwasserstoffe.
[0016] Die Aufgabe wird für eine zweite Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen
zweiten Verfahrens gelöst, indem sie folgendes umfasst:
- mindestens eine erste Dosiereinrichtung zur Zugabe des ersten Extraktionsmittels zum
Ölsand;
- mindestens einen Mischer zur Herstellung der ersten Suspension;
- mindestens ein Absetzbecken;
- optional mindestens eine zweite Dosiereinrichtung zur Zugabe des mindestens einen
Additivs zur ersten Suspension;
- mindestens eine, dem mindestens einen Absetzbecken nachgeordnete sedimentierende Zentrifuge,
insbesondere in Form eines Dekanters;
- mindestens ein, dem mindestens einen Absetzbecken und der mindestens einen sedimentierenden
Zentrifuge nachgeordnetes Sammelbecken zur Bildung der zweiten Suspension;
- mindestens eine, dem mindestens einen Sammelbecken nachgeordnete Filterapparatur;
- optional mindestens eine dritte Dosiereinrichtung zur Aufgabe mindestens eines zweiten
Extraktionsmittels und/oder eines dritten Extraktionsmittels auf den Filterkuchen;
- mindestens eine erste Einheit zur Durchführung des Verfahrensschritts c1); und
- mindestens eine zweite Einheit zum Abführen und/oder Zusammenführen der ersten und
der zweiten Extraktphasen enthaltend die extrahierten Kohlenwasserstoffe.
[0017] Die erfindungsgemäßen Verfahren und Vorrichtungen ermöglichen einen hocheffektiven
Extraktionsprozess, bei dem mindestens 85 bis 98 % der im Ölsand enthaltenen Kohlenwasserstoffe
abgetrennt werden können. Die erfindungsgemäßen Vorrichtungen sind ohne weiteres in
einer Größenordnung auslegbar, so dass eine Gewinnung von mindestens 100000 Barrel
Ölphase pro Tag möglich wird. Die abgetrennte Gesteins- und Sandfraktion, enthaltend
Tonsubstanz, ist im Wesentlichen frei von Extraktionsmitteln und Ölphase und kann
in der Regel unmittelbar am Abbauort des Ölsands ins Erdreich rückverfüllt werden.
Dies ist besonders kostengünstig, umweltfreundlich und spart Speicherflächen.
[0018] Es hat sich bewährt, wenn in Schritt a2) des zweiten Verfahrens eine Zugabe mindestens
eines Additivs zur Beeinflussung eines Absetzverhaltens von in der ersten Suspension
enthaltenen Partikeln erfolgt. Als Additiv wird vorzugsweise ein Verdickungsmittel
zugegeben. Dadurch wird das Absetzen von Partikeln in der Suspension bzw. der Gesteins-
oder Sandfraktion inklusive der Tonsubstanz des Ölsands unterstützt.
[0019] Bevorzugt wird das Austreiben einer Restmenge an Extraktphase bzw. zweiter Extraktphase
aus dem Filterkuchen in Schritt c) oder Schritt c1) der beiden Verfahren durchgeführt,
indem Wasserdampf durch den Filterkuchen gedrückt wird. Eine derartige Vorgehensweise
wird in der Literatur auch als Dampf-Druckfiltration (engl.: Steam Pressure Filtration)
bezeichnet.
[0020] Die Grundlagen zur Dampf-Druckfiltration sind bekannt und beispielsweise in den folgenden
Veröffentlichungen beschrieben:
"Steam Pressure Filtration: Mechanical-Thermal Dewatering Process", U.A. Peuker, W.
Stahl, Drying Technology, 19(5), Seiten 807-848 (2001);
"Applying mechanical-thermal fitration processes for purification, e.g. solvent removal",
U. A. Peuker, Proc. Filtech Europe, 12.-23. Oktober 2003, Düsseldorf, Deutschland; "Abtrennung von organischen Lösemitteln aus Filterkuchen mit Dampf", U.A. Peuker, F
& S Filtrieren und Separieren, Jahrgang 17 (2003), Nr. 5, Seiten 230 bis 236;
"Steam Pressure Filtration for the treatment of limey soils contaminated with aliphatic
hydrocarbons", von M. Bottlinger, H. B. Bradl, A. Krupp, U. Peuker, 2nd Int. Containment
& Remediation Technology Conference, 10.-13. Juni 2001, Orlando, Florida, USA;
[0021] Der Filterkuchen, umfassend die Gesteins- oder Sandfraktion des Ölsands, wird beim
Hindurchdrücken des Wasserdampfs von organischem Extraktionsmittel befreit und eine
darin gelöste Menge an Kohlenwasserstoffen bzw. Ölphase mit dem Extraktionsmittel
ausgetrieben. Dies erhöht die Ausbeute an Kohlenwasserstoffen bzw. verbessert den
Trennungsgrad auf etwa 95 bis 98 %, welcher den Trennerfolg charakterisiert.
[0022] Die Dicke des derart zu behandelnden Filterkuchens liegt dabei bevorzugt im Bereich
von 2 bis 100 mm, vorzugsweise im Bereich von 5 bis 25 mm. Der behandelte Filterkuchen
ist danach frei von organischen Lösungsmitteln und flüchtigen Kohlenwasserstoffen
und kann unmittelbar, z.B. im Bereich der Abbaustelle des Ölsands, ins Erdreich rückverfüllt
werden. Eine separate Lagerung der abgetrennten Gesteins- oder Sandfraktion entfällt.
Lediglich ein geringer Anteil an schwerflüchtigen Kohlenwasserstoffen kann noch enthalten
sein.
[0023] Die erste Einheit der erfindungsgemäßen Vorrichtungen ist zur Durchführung der Schritte
c) bzw. c1) der Verfahren bevorzugt als eine Bedampfungseinheit ausgebildet. Die Bedampfungseinheit
ist dabei in einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung in der Filterapparatur
integriert angeordnet. Dadurch wird eine Platz und Ressourcen sparende Anordnung erreicht.
[0024] Alternativ kann der Filterkuchen in Schritt c) oder c1) der beiden Verfahren auch
durch eine Vakuum-Trocknung oder ein Heißdampfstrippen handelt werden. Dies ist allerdings
weniger effizient als die oben beschriebene Behandlung des Filterkuchens mittels einer
Dampf-Druckfiltration.
[0025] Die Filterapparatur umfasst bevorzugt einen kontinuierlichen Filter, insbesondere
in Form eines Drehfilters. Der Drehfilter ist dabei insbesondere ein Scheiben- oder
Trommelfilter. Bevorzugt ist der Drehfilter mit einer Bedampfungseinheit in Form einer
Dampfhaube ausgestattet. Dadurch können die Schritte b) und c) oder die Schritte b1)
und c1) nacheinander direkt innerhalb der Filterapparatur durchgeführt werden. Die
spart Zeit und verringert den Platzbedarf für die jeweilige Vorrichtung.
[0026] Als erstes Extraktionsmittel, welches mit dem Ölsand suspendiert wird, wird vorzugsweise
ein Gemisch von mindestens zwei unterschiedlichen organischen Lösungsmitteln eingesetzt.
Besonders bevorzugt sind hierbei Gemische umfassend mindestens zwei organische Lösungsmittel
aus der Gruppe Toluol, Benzol, Heptan und Hexan, aber auch andere organische Lösungsmittel
sind hier einsetzbar. Auch ein reines organisches Lösungsmittel, vorzugsweise in Form
von Toluol oder Heptan, kann alternativ zusammen mit dem Ölsand zur Bildung der Suspension
bzw. ersten Suspension eingesetzt werden. Ebenso ist es möglich, technische Lösungsmittel,
wie Paraffin, Naphta, Benzin oder Kerosin mit herstellungsbedingt schwankender chemischer
Zusammensetzung einzusetzen.
[0027] Der Filterkuchen wird in einer besonders bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung
zwischen den Schritten c) und d) oder den Schritten c1) und d1) einem ersten Waschschritt
unterzogen, wobei der Filterkuchen mit mindestens einem organischen zweiten Extraktionsmittel
gewaschen wird. Die chemische Zusammensetzung des ersten Extraktionsmittels und des
mindestens einen zweiten Extraktionsmittels ist dabei bevorzugt unterschiedlich.
[0028] Die chemischen Zusammensetzungen des ersten Extraktionsmittels und gegebenenfalls
des mindestens einen zweiten Extraktionsmittels werden dabei bevorzugt in Abhängigkeit
von einem Gehalt des Ölsands an Molekülen enthaltend ≥ 10 Kohlenstoffatome, insbesondere
voluminösen Molekülen aus der Gruppe der Cycloalkane und/oder Naphthensäuren und/oder
Asphaltene, eingestellt.
[0029] Dazu weist die erfindungsgemäße Vorrichtung vorzugsweise eine Analyseeinrichtung
zur Bestimmung des Gehalts des Ölsands an solchen Molekülen auf, welche mit einer
Regelungseinrichtung zur Einstellung der chemischen Zusammensetzung des ersten Extraktionsmittels
und gegebenenfalls des mindestens einen zweiten Extraktionsmittels in Abhängigkeit
von dem bestimmten Gehalt verbunden ist. Die Regelungseinrichtung gibt ein entsprechendes
Regelsignal an die erste Dosiereinrichtung und gegebenenfalls die weitere oder dritte
Dosiereinrichtung weiter.
[0030] Bei einer rein aliphatischen Extraktion hat sich nämlich eine Löslichkeit von derartigen
voluminösen Molekülen in einigen organischen Lösungsmitteln als problematisch erwiesen.
So fallen beispielsweise bei einem Einsatz von Paraffinen als Extraktionsmittel die
Cycloalkane und Naphthensäuren als gelartige Feststoffstrukturen aus. Dies reduziert
die Ausbeute und verschlechtert die Prozessierbarkeit der Ölphase.
[0031] Die Durchführung des ersten Waschschritts verbessert die Effizienz der Extraktion.
Dabei ist es unproblematisch, wenn das erste Extraktionsmittel und das mindestens
eine zweite Extraktionsmittel unterschiedlich zusammengesetzt sind. Das mindestens
eine zweite Extraktionsmittel ist dabei vollständig im ersten Extraktionsmittel löslich.
[0032] Als zweites Extraktionsmittel wird bevorzugt ein Gemisch aus mindestens zwei unterschiedlichen
organischen Lösungsmitteln eingesetzt. Der Filterkuchen wird dabei bevorzugt während
des ersten Waschschrittes in zeitlicher Abfolge nacheinander mit sich in ihrer chemischen
Zusammensetzung unterscheidenden zweiten Extraktionsmitteln gewaschen.
[0033] Die zweiten Extraktionsmittel umfassen bevorzugt sich in ihren Siedetemperaturen
unterscheidende organische Lösungsmittel, wobei eine Konzentration desjenigen Lösungsmittels,
welches eine im Vergleich zu den übrigen Lösungsmitteln geringste Siedetemperatur
aufweist, in den aufeinander folgend eingesetzten zweiten Extraktionsmitteln jeweils
zunimmt. Im Verlauf der ersten Waschung nimmt damit der Anteil an leicht flüchtigen
Lösungsmitteln im zweiten Extraktionsmittel zu. Dies ermöglicht eine besonders effektive
Auswaschung schwerflüchtiger Lösungsmittel und Kohlenwasserstoffe aus dem Filterkuchen.
[0034] Insbesondere wird der Filterkuchen zwischen dem ersten Waschschritt und dem Schritt
d) oder d1) einem zweiten Waschschritt unterzogen, wobei der Filterkuchen mit mindestens
einem organischen dritten Extraktionsmittel aus einem organischen Lösungsmittel gewaschen
wird, das eine niedrigere Siedetemperatur aufweist als Wasser. Dabei weist es bevorzugt
auch eine niedrigere Siedetemperatur auf als das erste Extraktionsmittel und gegebenenfalls
das mindestens eine zweite Extraktionsmittel. Hierdurch kann die Effizienz der Extraktion
weiter gesteigert werden.
[0035] Wenn in diesem Dokument von einer Siedetemperatur die Rede ist, ist darunter immer
die Siedetemperatur eines Stoffs unter Normaldruck zu verstehen.
[0036] Nach dem zweiten Waschschritt liegt im Filterkuchen eine Flüssigkeit vor, die im
Wesentlichen dem dritten Extraktionsmittel entspricht. In dem sich anschließenden
Schritt c) oder c1) des jeweiligen Verfahrens kann das dritte Extraktionsmittel aufgrund
seiner unterhalb der von Wasser liegenden Siedetemperatur, insbesondere mittels einer
Dampf-Druckfiltration, besonders effektiv aus dem Filterkuchen entfernt werden.
[0037] Basierend auf einer Durchführung sowohl des ersten und des zweiten Waschschritts
können etwa 98 % der Ölphase aus dem Ölsand extrahiert werden.
[0038] Nach Schritt d) des ersten Verfahrens erfolgt insbesondere ein Abtrennen der Kohlenwasserstoffe
von der Extraktphase oder nach Schritt d1) des zweiten Verfahrens ein Abtrennen der
Kohlenwasserstoffe von der ersten und der zweiten Extraktphase. Ein verbleibendes
Flüssigkeitsgemisch wird verarbeitet, indem die enthaltenen organischen Lösungsmittel
sortenrein abgetrennt und zur Bildung des ersten Extraktionsmittels und/oder des mindestens
einen zweiten Extraktionsmittels und/oder des dritten Extraktionsmittels eingesetzt
werden. Die zur Extraktion und Bildung der diversen Extraktionsmittel eingesetzten
organischen Lösungsmittel werden demnach einzeln recycelt und im Extraktionsprozess
wiederverwendet.
[0039] Die Vorrichtungen umfassen dazu bevorzugt mindestens eine Aufbereitungsanlage zur
Verarbeitung des nach Abtrennen der Kohlenwasserstoffe von der Extraktphase oder der
ersten und der zweiten Extraktphase verbleibenden Flüssigkeitsgemischs. Weiterhin
ist bevorzugt, wenn mindestens eine Rückführeinrichtung zur Rückführung mindestens
eines aus dem Flüssigkeitsgemisch abgetrennten organischen Lösungsmittels zu mindestens
einer der Dosiereinrichtungen vorhanden ist.
[0040] Die Figuren 1 bis 4 sollen mögliche erfindungsgemäße Verfahren und Vorrichtungen
beispielhaft erläutern. So zeigt
- FIG 1
- schematisch ein Verfahren und eine Vorrichtung unter Verwendung der Dampf-Druckfiltration;
- FIG 2
- schematisch ein weiteres Verfahren und eine weitere Vorrichtung unter Verwendung der
Dampf-Druckfiltration;
- FIG 3
- einen Ausschnitt aus den FIG 1 und 2 im Bereich der die Dampf-Druckfiltration durchführenden
Filterapparatur; und
- FIG 4
- schematisch ein Verfahren und eine Vorrichtung ohne Einsatz einer Dampf-Druckfiltration.
[0041] FIG 1 zeigt schematisch ein Verfahren und eine Vorrichtung unter Verwendung der Dampf-Druckfiltration.
Aus Ölsand 1 und einem organischen ersten Extraktionsmittel 2a wird eine Suspension
3 hergestellt. Das erste Extraktionsmittel 2a wird über eine erste Dosiereinrichtung
20a bereitgestellt, welche ein Gemisch aus organischen Lösungsmitteln 2, hier beispielsweise
unter anderem Toluol und Heptan, im gewünschten Mischverhältnis erzeugt. Der Ölsand
1 und das erste Extraktionsmittel 2a werden in einem Mischer 21 suspendiert. Die gebildete
Suspension 3 wird in eine Filterapparatur 25 zur Durchführung einer Dampf-Druckfiltration
überführt.
[0042] Der Aufbau einer möglichen Filterapparatur 25 zur Durchführung einer Dampf-Druckfiltration
ist im Querschnitt der FIG 3 zu entnehmen. Alternativ dazu kann die Filterapparatur
auch als hyperbarer Filter ausgeführt sein. Die Filterapparatur 25 umfasst ein Becken
25c zur Aufnahme der Suspension 3 sowie eine mit Filtergewebe 25e bespannte Trommel,
also einen Trommelfilter 25a, mit mehreren, voneinander getrennten Filterkammern.
Der Trommelfilter 25a wird in Pfeilrichtung um eine Trommelachse 25d rotiert, wobei
zumindest in einem Teil der Filterkammern ein Druck herrscht, der geringer ist als
jener oberhalb des Filtergewebes 25e. Dadurch wird Flüssigkeit aus der Suspension
3 durch das Filtergewebe 25e in die jeweilige Filterkammer abgesaugt und es bildet
sich auf dem Filtergewebe 25e ein Filterkuchen 25b aus, dessen Dicke mit zunehmender
Verweilzeit des Filtergewebes 25e in der Suspension 3 zunimmt. Der Filterkuchen 25b
umfasst filtrierbare Partikel der Suspension 3, d.h. Tonsubstanz-Agglomerate 11a sowie
sonstige Partikel der Gesteins- und Sandfraktion 11b. Es wird eine Hauptmenge an Extraktphase
5 umfassend eine erste Menge an Kohlenwasserstoffen und erstem Extraktionsmittel 2a
abgetrennt und im Bereich der Trommelachse 25d aus den Filterkammern abgeführt.
[0043] Der Trommelfilter 25a dreht sich kontinuierlich weiter, so dass der Filterkuchen
25d aus der Suspension 3 auftaucht. Es erfolgt nun bevorzugt ein erster Waschschritt
am Filterkuchen 25b, bei dem mindestens ein organisches zweites Extraktionsmittel
2b, hier beispielsweise aus Toluol und Heptan, auf einer dem Filtergewebe 25e abgewandten
Seite auf den Filterkuchen 25b aufgegeben wird. Das zweite Extraktionsmittel 2b verdrängt
eine Menge an Extraktphase 5 umfassend das erste Extraktionsmittel 2a aus dem offenen
Porenraum des Filterkuchens 25b. Dabei ist in FIG 3 zur besseren Übersicht lediglich
eine Zugabe eines zweiten Extraktionsmittels 2b dargestellt, das auf den Filterkuchen
25b aufgebracht wird. Es werden hier allerdings bevorzugt mehrere unterschiedliche
zweite Extraktionsmittel 2b nacheinander auf den Filterkuchen 25b aufgebracht.
[0044] Anschließend erfolgt bevorzugt ein zweiter Waschschritt, bei dem der Filterkuchen
25b auf seiner dem Filtergewebe 25e abgewandten Seite mit einem dritten Extraktionsmittel
2c, hier beispielsweise reinem Hexan oder Heptan, beaufschlagt wird.
[0045] Das dritte Extraktionsmittel 2c verdrängt eine Menge an Extraktphase 5 umfassend
das zweite Extraktionsmittel 2b aus dem offenen Porenraum des Filterkuchens 25b.
[0046] In die Filterapparatur 25 ist eine erste Einheit 26 in Form einer Bedampfungseinheit
integriert. Die Bedampfungseinheit umfasst eine Dampfhaube, welche einen Teil des
Trommelfilters 25a umgibt. Wasserdampf 8 wird in die Dampfhaube über dem Filterkuchen
25b eingeleitet und durch diesen abgesaugt. Dabei wird eine sich noch im Filterkuchen
befindende Menge an Extraktphase 5 umfassend das dritte Extraktionsmittel 2c entfernt.
Der Wasserdampf 8 wird durch den Filterkuchen 25b gedrückt und der Filterkuchen 25b
von Extraktphase 5 umfassend das dritte Extraktionsmittel befreit.
[0047] Die jeweils in die Filterkammern eindringenden Mengen an Extraktphase 5 werden im
Bereich der Trommelachse 25d gesammelt und aus der Filterapparatur 25 mittels einer
hier nicht im Detail dargestellten zweiten Einheit, beispielsweise in Form eines Rohres,
abgeführt. Als Filterrückstand 25b' verbleibt ein weitgehend entfeuchteter, lösemittelfreier
Filterkuchen, der vom Filtergewebe 25e beispielsweise durch Druckluft und/oder einen
mechanischen Abstreifer entfernt und z.B. am Abbauort des Ölsands 1 ins Erdreich rückverfüllt
werden kann.
[0048] FIG 2 zeigt schematisch ein weiteres Verfahren und eine weitere Vorrichtung unter
Verwendung einer Dampf-Druckfiltration. Aus Ölsand 1 und einem organischen ersten
Extraktionsmittel 2a wird eine erste Suspension 3' hergestellt. Das erste Extraktionsmittel
2a wird über eine erste Dosiereinrichtung 20a bereitgestellt, welche ein Gemisch aus
organischen Lösungsmitteln 2, hier unter anderem beispielsweise Toluol und Heptan,
im gewünschten Mischungsverhältnis erzeugt. Das Mischungsverhältnis wird durch eine
Regelungseinrichtung 29 vorgegeben. Die Regelungseinrichtung 29 erhält den Sollwert
für das Mischungsverhältnis von einer Analyseeinrichtung 28, welche in regelmäßigen
zeitlichen Abständen eine Probennahme 28a am Ölsand 1 und eine chemische Analyse des
Ölsands 1 durchführt.
[0049] Mittels der chemischen Analyse wird ein Anteil der Kohlenwasserstoffe im Ölsand 1
mit voluminösen Molekülen und einer Anzahl an Kohlenstoffatomen von ≥ 10, insbesondere
an Cycloalkanen, Naphthensäuren und Asphaltenen, bestimmt. Je nachdem, welche Kohlenwasserstoffverbindungen
mit voluminösen Molekülen vorhanden sind und in welchen Mengen, ermittelt die Analyseneinrichtung
28 eine optimale Zusammensetzung für das erste Extraktionsmittel 2a und gibt ein entsprechendes
Signal an die Regelungseinrichtung 29 weiter, die die erste Dosiereinrichtung 20a
veranlasst, das erste Extraktionsmittel 2a in der ermittelten Zusammensetzung bereitzustellen
und dem Ölsand 1 zuzumischen. Dadurch wird verhindert, dass die voluminösen Moleküle
gelartige Verbindungen mit einem Lösungsmittel 2 aus dem ersten Extraktionsmittel
2a bilden, die nur schwer extrahiert werden können.
[0050] Der Ölsand 1 und das erste Extraktionsmittel 2a werden in einem Mischer 21 suspendiert.
Die gebildete erste Suspension 3' wird unter Zugabe eines Additivs 4 in ein Absetzbecken
22 überführt. Das Additiv 4 wird durch ein Verdickungsmittel gebildet, das der Suspension
3' mittels einer zweiten Dosiereinrichtung 20b zudosiert wird. Im unteren Bereich
des Absetzbeckens 22 setzen sich durch Sedimentation Partikel der ersten Suspension
3' ab. Nun wird eine erste Teilmenge 3'a der ersten Suspension 3' aus einem oberen
Bereich des Absetzbeckens 22 in mindestens eine sedimentierende Zentrifuge, hier in
Form eines Dekanters 23 überführt, mittels welchem eine erste Extraktphase 5a umfassend
eine erste Menge an extrahierten Kohlenwasserstoffen 10 und erstem Extraktionsmittel
2a von einer Restphase 6 abgetrennt wird.
[0051] Nun wird eine zweite Suspension 7 umfassend eine zweite Teilmenge 3'b der ersten
Suspension 3' aus dem unteren Bereich des mindestens einen Absetzbeckens 22 und der
Restphase 6 gebildet. Die zweite Suspension 7 wird in eine Filterapparatur 25 überführt,
mittels welcher ein Filterkuchen 25b umfassend filtrierbare Partikel der zweiten Suspension
7 von einer Hauptmenge an zweiter Extraktphase 5b umfassend eine zweite Menge an extrahierten
Kohlenwasserstoffen 10 und erstem Extraktionsmittel 2a abgetrennt wird. Weiterhin
wird eine Restmenge an zweiter Extraktphase 5b aus dem Filterkuchen 25b ausgetrieben.
Zum genauen Ablauf der in der Filterapparatur 25 durchgeführten Dampf-Druckfiltration
vergleiche auch FIG 3 und die zugehörige Beschreibung.
[0052] Das mindestens eine, zur Durchführung des ersten Waschschritts eingesetzte zweite
Extraktionsmittel 2b und das zur Durchführung des zweiten Waschschritts eingesetzte
dritte Extraktionsmittel 2c werden über mindestens eine dritte Dosiereinrichtung 20c
dosiert auf den zu waschenden Filterkuchen 25b aufgegeben (vergleiche FIG 3).
[0053] Die Zusammensetzung des mindestens einen zweiten Extraktionsmittels wird in Abhängigkeit
von der chemischen Analyse des Ölsands 1 von der Regelungseinrichtung 29 vorgegeben.
So wird bei einer Änderung der Zusammensetzung des ersten Extraktionsmittels 2a bevorzugt
auch die Zusammensetzung des mindestens einen zweiten Extraktionsmittels verändert
und angepasst. Nacheinander während des ersten Waschschritts eingesetzte zweite Extraktionsmittel
2b umfassen bevorzugt sich in ihren Siedetemperaturen unterscheidende organische Lösungsmittel
2, wobei eine Konzentration desjenigen Lösungsmittels 2, welches eine im Vergleich
zu den übrigen Lösungsmitteln 2 geringste Siedetemperatur aufweist, in den aufeinander
folgend eingesetzten zweiten Extraktionsmitteln 2b jeweils zunimmt. Im Verlauf des
ersten Waschschritts nimmt damit der Anteil an leicht flüchtigen Lösungsmitteln 2
im zweiten Extraktionsmittel 2b zu. Dies ermöglicht eine besonders effektive Auswaschung
schwerflüchtiger Kohlenwasserstoffe und Lösungsmittel aus dem Filterkuchen 25b sowie
eine effektive vollständige Entfernung der Lösungsmittel aus dem Filterkuchen 25b
durch Dampf-Druckfiltration.
[0054] Die zweite Extraktphase 5b, welche aus der Filterapparatur 25 abgeführt werden kann,
wird in einer zweiten Einheit 27 mit der ersten Extraktphase 5a, welche aus dem Dekanter
23 stammt, zur Extraktphase 5 zusammengeführt. Diese wird zu einer Aufbereitungsanlage
30 gefördert, welche die aus dem Ölsand 1 extrahierten Kohlenwasserstoffe 10 abtrennt
und die organischen Lösungsmittel 2 sortenrein trennt. Die sortenrein zurückgewonnenen
Lösungsmittel 2' können der ersten Dosiereinrichtung 20a oder der dritten Dosiereinrichtung
20c zugeführt und zur Bildung der gewünschten Extraktionsmittel 2a, 2b, 2c eingesetzt
werden. Auch der zweiten Dosiereinrichtung 20b können bei Bedarf Lösungsmittel 2,
2'zugeführt werden, um beispielsweise das Additiv 4 vor Zugabe zur ersten Suspension
3' damit zu mischen oder darin zu lösen. Verbleibende geringe Mengen an Reststoffen
aus der Aufbereitungsanlage 30, wie z.B. in Form von Wasser 9 usw., werden gesondert
abgeführt.
[0055] FIG 4 zeigt schematisch ein Verfahren und eine Vorrichtung ohne Einsatz einer Dampf-Druckfiltration.
Dabei entspricht der Verfahrensablauf bis zur Bildung der zweiten Suspension 7 prinzipiell
dem in FIG 2 dargestellten. Gleiche Bezugszeichen wie in FIG 2 bezeichnen gleiche
Elemente. Allerdings wurde hier auf eine Analyseeinrichtung und eine Regelungseinrichtung
verzichtet. Diese sind insbesondere dann nicht erforderlich, wenn die Zusammensetzung
des verarbeiteten Ölsands 1 über einen längeren Zeitraum gesehen nicht oder nur geringfügig
schwankt. Auch auf die Darstellung einer Aufbereitungsanlage 30 und eine Rückführung
der sortenrein gewonnenen Lösungsmittel 2' wurde hier verzichtet. Dies wäre hier aber
ebenso vorteilhaft möglich.
[0056] Die zweite Suspension 7 wird gemäß FIG 4 einer Filterapparatur 25' in Form einer
Vakuumfilterpresse zugeführt. Dabei wird eine Hauptmenge 5'b an zweiter Extraktphase
5b umfassend extrahierte Kohlenwasserstoffe und erstes Extraktionsmittel 2a von einem
Filterkuchen 25b abgetrennt. Der Filterkuchen 25b wird, gegebenenfalls nach Durchführung
eines ersten Waschschritts und eventuell eines zweiten Waschschritts, in eine erste
Einheit 26 in Form eines Vakuumtrockners überführt. Hier wird der Filterkuchen 25b
erwärmt und noch enthaltene zweite Extraktphase verdampft und abgeführt. Der resultierende
Rückstand 25b' umfassend die Gesteins- oder Sandfraktion enthaltend Tonsubstanz ist
lösemittelfrei und kann, z.B. unmittelbar am Abbauort des Ölsands 1, ins Erdreich
rückverfüllt werden. Die verdampften Extraktionsmittel und flüchtigen extrahierten
Kohlenwasserstoffe werden über eine Kondensiereinrichtung 31 geführt und als Restmenge
5"b an zweiter Extraktphase 5b der ersten Extraktphase 5a zur Bildung der Extraktphase
5 zugeführt.
[0057] Die FIG 1 bis 4 zeigen lediglich Beispiele möglicher erfindungsgemäßer Verfahren
und Vorrichtungen. Ein Fachmann ist beispielsweise ohne weiteres in der Lage, mehrere
Mischer und/oder Absetzbecken parallel zu betreiben und diesen lediglich eine sedimentierende
Zentrifuge, insbesondere einen Dekanter, und/oder eine Filterapparatur nachzuordnen.
Ebenso können einem Absetzbecken und einer sedimentierenden Zentrifuge, insbesondere
einem Dekanter, mehrere parallel geschaltete Filterapparaturen nachgeordnet sein,
usw.
1. Verfahren zur Extraktion von Kohlenwasserstoffen (10) aus Ölsand (1), umfassend die
Schritte:
a) Herstellen einer Suspension (3) aus Ölsand (1) und einem organischen ersten Extraktionsmittel
(2a);
b) Überführen der Suspension (3) in mindestens eine Filterapparatur (25, 25'), mittels
welcher ein Filterkuchen (25b) umfassend filtrierbare Partikel der Suspension (3)
von einer Hauptmenge an Extraktphase (5) abgetrennt wird;
c) Austreiben einer Restmenge an Extraktphase (5) aus dem Filterkuchen (25b); und
d) Abführen und/oder Zusammenführen der Hauptmenge und der Restmenge der Extraktphase
(5) enthaltend die extrahierten Kohlenwasserstoffe (10).
2. Verfahren zur Extraktion von Kohlenwasserstoffen (10) aus Ölsand (1), umfassend die
Schritte:
a1) Herstellen einer ersten Suspension (3') aus Ölsand (1) und einem organischen ersten
Extraktionsmittel (2a);
a2) Überführen der ersten Suspension (3') in mindestens ein Absetzbecken (22), in
dessen unterem Bereich sich durch Sedimentation Partikel der ersten Suspension (3')
absetzen;
a3) Abführen einer ersten Teilmenge (3'a) der ersten Suspension (3') aus einem oberen
Bereich des mindestens einen Absetzbeckens (22) in mindestens eine sedimentierende
Zentrifuge, insbesondere in Form eines Dekanters (23), mittels welcher eine erste
Extraktphase (5a) von einer Restphase (6) abgetrennt wird;
a4) Ausbilden einer zweiten Suspension (7) umfassend eine zweite Teilmenge (3'b) der
ersten Suspension (3') aus einem unteren Bereich des mindestens einen Absetzbeckens
(22) und der Restphase (6);
b1) Überführen der zweiten Suspension (7) in mindestens eine Filterapparatur (25,
25'), mittels welcher ein Filterkuchen (25b) umfassend filtrierbare Partikel der zweiten
Suspension (7) von einer Hauptmenge (5'b) an zweiter Extraktphase (5b) abgetrennt
wird;
c1) Austreiben einer Restmenge (5"b) an zweiter Extraktphase (5b) aus dem Filterkuchen
(25b); und
d1) Abführen und/oder Zusammenführen der ersten und der zweiten Extraktphasen (5a,
5b) enthaltend die extrahierten Kohlenwasserstoffe (10).
3. Verfahren nach Anspruch 2, wobei in Schritt a) eine Zugabe mindestens eines Additivs
(4) zur Beeinflussung eines Absetzverhaltens von in der ersten Suspension (3') enthaltenen
Partikeln erfolgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei Schritt c) oder Schritt c1) durchgeführt
wird, indem Wasserdampf (8) durch den Filterkuchen (25b) gedrückt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei als Filterapparatur (25) ein kontinuierlicher
Filter eingesetzt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei der kontinuierliche Filter in Kombination mit einer
ersten Einheit (26) in Form einer Bedampfungseinheit eingesetzt wird und die Schritte
b) und c) oder die Schritte b1) und c1) nacheinander in der Filterapparatur (25) durchgeführt
werden.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei als erstes Extraktionsmittel (2a)
ein Gemisch von mindestens zwei unterschiedlichen organischen Lösungsmitteln (2) eingesetzt
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei der Filterkuchen (25b) zwischen
den Schritten c) und d) oder den Schritten c1) und d1) einem ersten Waschschritt unterzogen
wird, wobei der Filterkuchen (25b) mit mindestens einem organischen zweiten Extraktionsmittel
(2b) gewaschen wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei eine chemische Zusammensetzung des
ersten Extraktionsmittels (2a) und gegebenenfalls des mindestens einen zweiten Extraktionsmittels
(2b) in Abhängigkeit von einem Gehalt des Ölsands (1) an Molekülen enthaltend ≥ 10
Kohlenstoffatome, insbesondere an Cycloalkanen und/oder Naphthensäuren und/oder Asphaltenen,
eingestellt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder Anspruch 9, wobei als zweites Extraktionsmittel (2b)
ein Gemisch aus mindestens zwei unterschiedlichen organischen Lösungsmitteln (2) eingesetzt
wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 10, wobei der Filterkuchen (25b) während
des ersten Waschschrittes in zeitlicher Abfolge nacheinander mit sich in ihrer chemischen
Zusammensetzung unterscheidenden zweiten Extraktionsmitteln (2b) gewaschen wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, wobei die zweiten Extraktionsmittel (2b) sich in ihren
Siedetemperaturen unterscheidende organische Lösungsmittel (2) umfassen, wobei eine
Konzentration desjenigen Lösungsmittels, welches eine im Vergleich zu den übrigen
Lösungsmitteln (2) geringste Siedetemperatur aufweist, in den aufeinander folgend
eingesetzten zweiten Extraktionsmitteln (2b) jeweils zunimmt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 12, wobei der Filterkuchen (25b) zwischen
dem ersten Waschschritt und dem Schritt d) oder d1) einem zweiten Waschschritt unterzogen
wird, wobei der Filterkuchen (25b) mit einem organischen dritten Extraktionsmittel
(2c) aus einem reinen organischen Lösungsmittel (2) gewaschen wird, das eine niedrigere
Siedetemperatur aufweist als Wasser.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, wobei nach Schritt d) ein Abtrennen der
Kohlenwasserstoffe (10) von der Extraktphase (5) oder nach Schritt d1) ein Abtrennen
der Kohlenwasserstoffe (10) von der ersten und der zweiten Extraktphase (5a, 5b) erfolgt,
und ein verbleibendes Flüssigkeitsgemisch verarbeitet wird, indem die enthaltenen
organischen Lösungsmittel (2) sortenrein abgetrennt und zur Bildung des ersten Extraktionsmittels
(2a) und/oder des mindestens einen zweiten Extraktionsmittels (2b) und/oder des dritten
Extraktionsmittels (2c) eingesetzt werden.
15. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder nach mindestens einem
der darauf rückbezogenen Ansprüche, umfassend
- mindestens eine erste Dosiereinrichtung (20a) zur Zugabe des ersten Extraktionsmittels
(2a) zum Ölsand (1);
- mindestens einen Mischer (21) zur Herstellung der Suspension (3);
- mindestens eine Filterapparatur (25, 25');
- optional mindestens eine weitere Dosiereinrichtung zur Aufgabe des mindestens einen
zweiten Extraktionsmittels (2b) und gegebenenfalls des dritten Extraktionsmittels
(2c) auf den Filterkuchen (25b);
- mindestens eine erste Einheit (26) zur Durchführung des Verfahrensschritts c); und
- mindestens eine zweite Einheit (27) zum Abführen und/oder Zusammenführen der Hauptmenge
und der Restmenge der Extraktphase (5) enthaltend die extrahierten Kohlenwasserstoffe
(10).
16. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 2 oder mindestens einem
der darauf rückbezogenen Ansprüche, umfassend
- mindestens eine erste Dosiereinrichtung (20a) zur Zugabe des ersten Extraktionsmittels
(2a) zum Ölsand (1);
- mindestens einen Mischer (21) zur Herstellung der ersten Suspension (3');
- mindestens ein Absetzbecken (22);
- optional mindestens eine zweite Dosiereinrichtung (20b) zur Zugabe mindestens einen
Additivs (4) zur ersten Suspension (3');
- mindestens eine, dem mindestens einen Absetzbecken (22) nachgeordnete sedimentierende
Zentrifuge, insbesondere in Form eines Dekanters (23);
- mindestens ein, dem mindestens einen Absetzbecken (22) und der mindestens einen
sedimentierenden Zentrifuge nachgeordnetes Sammelbecken (24) zur Bildung der zweiten
Suspension (7);
- mindestens eine, dem mindestens einen Sammelbecken (24) nachgeordnete Filterapparatur
(25, 25');
- optional mindestens eine dritte Dosiereinrichtung (20c) zur Aufgabe des mindestens
einen zweiten Extraktionsmittels (2b) und gegebenenfalls des dritten Extraktionsmittels
(2c) auf den Filterkuchen (25b);
- mindestens eine erste Einheit (26) zur Durchführung des Verfahrensschritts c1);
und
- mindestens eine zweite Einheit (27) zum Abführen und/oder Zusammenführen der ersten
und der zweiten Extraktphasen (5a, 5b) enthaltend die extrahierten Kohlenwasserstoffe
(10).
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 oder 16, wobei die erste Einheit (26) als
eine Bedampfungseinheit ausgebildet ist.
18. Vorrichtung nach Anspruch 17, wobei die Bedampfungseinheit in die Filterapparatur
(25) integriert ist.
19. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 18, wobei die mindestens eine Filterapparatur
(25) einen kontinuierlichen Filter, insbesondere einen Drehfilter, umfasst.
20. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 19, wobei weiterhin eine Analyseeinrichtung
(28) zur Bestimmung des Gehalts des Ölsands (1) an Molekülen mit ≥ 10 Kohlenstoffatomen,
insbesondere vom Typ der Cycloalkane und/oder Naphthensäuren und/oder Asphaltene,
vorhanden ist, welche mit einer Regelungseinrichtung (29) zur Einstellung der chemischen
Zusammensetzungen des ersten Extraktionsmittels (2a) und gegebenenfalls des mindestens
einen zweiten Extraktionsmittels (2b) in Abhängigkeit von dem ermittelten Gehalt verbunden
ist.
21. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 20, umfassend weiterhin mindestens eine
Aufbereitungsanlage (30) zur Verarbeitung des nach Abtrennen der Kohlenwasserstoffe
(10) von der Extraktphase (5) oder der ersten und der zweiten Extraktphase (5a, 5b)
verbleibenden Flüssigkeitsgemischs.
22. Vorrichtung nach Anspruch 21, umfassend weiterhin mindestens eine Rückführeinrichtung
zur Rückführung mindestens eines aus dem Flüssigkeitsgemisch sortenrein abgetrennten
organischen Lösungsmittels (2') zu mindestens einer der Dosiereinrichtungen (20a,
20b, 20b).