(57) Um eine Blaslanze mit einem Düsenkopf auszubilden, bei der der Kantenverschleiß an
den Düsenaustrittsöffnungen erheblich reduziert und die Standzeit des Blaslanzendüsenkopfes
verlängert ist, wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, den Düsenkopf der Blaslanze pulvermetallurgisch
aus einem Dispersionsgemisch mit einem hochtemperaturleitfähigen Metall wie beispielsweise
Kupfer oder Aluminium als Basis und einem die thermische und und/oder die mechanische
Eigenschaft des Basismetalls verbessernden Zusatzmaterial wie beispielsweise Kohlenstoff-Nanoröhren
(
Carbon
Nano
Tubes = CNT) oder Titandiborid (TiB
2) herzustellen.
[0001] Die Erfindung betrifft eine Blaslanze mit einem Düsenkopf aus einem hochtemperaturleitfähigen
Material zum Aufblasen von Gasen, insbesondere von Sauerstoff auf Metallschmelzen.
[0002] Derartige Blaslanzen werden zum Beispiel in Stahlwerken eingesetzt, die nach dem
Sauerstoff- Aufblasverfahren, vorzugsweise nach dem LD-Verfahren, arbeiten. Bei diesem
Stahlherstellungsverfahren werden im Roheisen enthaltene Begleitelemente mit Hilfe
von Sauerstoff aufoxidiert und als Schlacke entfernt. Der Sauerstoff wird dazu mit
einer hohen Geschwindigkeit auf das in einem Konverter befindliche flüssige Roheisen
aufgeblasen. Durch die aus dem Lanzenkopf austretenden Sauerstoffstrahlen wird das
Roheisenbad intensiv durchmischt und unerwünschte Bestandteile wie Kohlenstoff, Phosphor,
Schwefel, Silizium usw. werden verbrannt.
[0003] Der Blaslanzenkopf wird innenseitig Sauerstoffdrücken bis 15 bar und den genannten
hohen Strömungsgeschwindigkeiten ausgesetzt. Das erfordert in diesem Bereich absolut
glatte und geometrisch absolut richtige Konturen. Außenseitig wird der Blaslanzenkopf
durch Strahlungshitze bis 2000 °C und durch aufgeschäumte Schlacke mit Eisengehalten
bis zu 20 %, beaufschlagt. Diesen Anforderungen ist der Blaslanzenkopf während der
Aufblasdauer bis zu 20 Minuten ausgesetzt. Daher muss der Lanzenkopf durch beispielsweise
Wasser gekühlt werden.
[0004] Damit ein Blaslanzenkopf im Hinblick auf die Metallurgie des Stahlherstellungsprozesses
in der gewünschten Weise arbeiten kann, muss die erforderliche Sauerstoffmenge möglichst
optimal über die Düsenaustrittsöffnungen mit der Metallschmelze, zum Beispiel dem
Roheisenbad, in Berührung gebracht werden. Der aufgrund der vorliegenden Betriebsdaten
konzipierte Blaslanzenkopf arbeitet naturgemäß nur so lange optimal, wie seine mit
hoher Präzision gefertigten Düsen ihre ursprüngliche, nach den Gesetzen der Strömungslehre
bestimmte Form behalten. Dies gilt insbesondere für die Kanten der Düsenaustrittsöffnungen.
Die Geometrie der Düsen, insbesondere Lavaldüsen, ist so ausgelegt, dass der Gasstrahl
unter strömungstechnisch einwandfreien Bedingungen austritt. Kommt es während des
Betriebes zum sogenannten Kantenverschleiß, ist ein optimales Arbeiten der Düsen nicht
mehr gewährleistet. Unter Kantenverschleiß ist eine mehr oder weniger ausgeprägte
Abrundung oder Ausfransung der ursprünglich scharfkantigen Düsenaustrittsöffnungen
zu verstehen. Die Folgen eines solchen Kantenverschleißes sind in erster Linie zu
hohe Verschlackung des Eisens und damit unzureichendes Stahlausbringen und als dessen
Folge zu hoher Verschleiß an sehr teurem Feuerfestmaterial, also Verminderung der
Konverterhaltbarkeit.
[0005] Ein Blaslanzenkopf kann also metallurgisch ungeeignet und damit für den Stahlwirtschaftsbetrieb
unwirtschaftlich werden, lange bevor er in Folge von Undichtigkeiten im Wasserkühlsystem
ausgewechselt werden muss.
[0006] Zur Erhöhung der Standzeiten einer Blaslanze für Konverter oder dergleichen wird
in der
JP 63206420 A vorgeschlagen, die Endbereiche der Düsenöffnungen mit hitzebeständigem Metall oder
Keramik auszukleiden.
[0007] In der
DE 101 02 854 C2 wird eine Sauerstoffblaslanze beschrieben, bei der die Düsenmündungen des Lanzenkopfes
durch Mündungsringe aus einem feuerfesten Keramikmaterial, die in einer Umfangsfalz
der Düsenmündung befestigt sind, verstärkt sind.
[0008] Um das Ankleben von schmelzflüssiger Schlacke im Bereich der Düsenöffnungen und der
damit verbundenen Korrosion des Blaslanzenkopfes zu verhindern, werden gemäß der
JP 61295313 A diese gefährdeten Bereiche mit einer Schichtdicke von ca. 5 µm mit Titannitrid (TiN),
Titancarbid (TiC) oder Ti (N,C) überdeckt.
[0009] Die
JP 8311524 A offenbart eine Blaslanze, bei der zum Schutz des Lanzenkopfes auf dem Lanzenkopf
Formstücke (tiles) mit einer Kantenlänge von max. 100 mm aus Zirkonoxid (ZrO
2) oder Aluminiumoxid (Al
2O
3) befestigt und die Fugen zwischen den Formstücken mit einer feuerfesten Masse gefüllt
werden.
[0010] Schließlich ist aus der
DE 33 22 556 A1 eine Blaslanze mit einem auswechselbaren Mundstück aus Zirkonoxid (ZrO
2) bekannt.
[0011] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht ausgehend vom geschilderten Stand
der Technik darin, eine Blaslanze mit einem Düsenkopf auszubilden, bei der der Kantenverschleiß
an den Düsenaustrittsöffnungen erheblich reduziert und die Standzeit des Blaslanzendüsenkopfes
verlängert wird
[0012] Die gestellte Aufgabe wird mit den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruchs 1 dadurch
gelöst, dass der Düsenkopf der Blaslanze pulvermetallurgisch aus einem Dispersionsgemisch
mit einem hochtemperaturleitfähigen Metall als Basis und einem die thermische und
und/oder die mechanische Eigenschaft verbessernden Zusatzmaterial hergestellt ist.
[0013] Auf Grund der Eigenschaften von Kohlenstoff-Nanoröhren mit einer Wärmeleitfähigkeit
λ von ca. 6000 W/m•K und einem dem Grafit entsprechenden hohen Sublimationspunkt oberhalb
von 3800 °C, einer geringen Dichte von 1,3 bis 1,4 g/cm
3 sowie einer mechanischen Zugfestigkeit von bis zu 63 GPa (Stahl besitzt eine Zugfestigkeit
von nur 2 GPa) sind durch eine gesteuerte Einlagerung bezüglich der Menge von Kohlenstoff-Nanoröhren
als Zusatzmaterial in das Basismetall Aluminium bzw. Kupfer deren relevante Eigenschaften
hinsichtlich ihrer Verwendung in Düsenköpfen wesentlich höher und gut einstellbar.
[0014] Die Wärmeleitfähigkeit λ von ca. 400 W/m•K von Kupfer und die Wärmeleitfähigkeit
λ von ca. 220 W/m•K von Aluminium würde durch die Einlagerung von Kohlenstoff-Nanoröhren
deutlich erhöht werden. Ebenso wird auch die thermische Belastbarkeit durch den hohen
Sublimationspunkt der Kohlenstoff-Nanoröhren und die Schlag- und Zugfestigkeit durch
diese Einlagerung von Kohlenstoff-Nanoröhren gesteigert, sodass erfindungsgemäß der
pulvermetallurgisch gefertigte Düsenkopf eine hohe Verschleißfestigkeit und eine Erhöhung
der Wärmeleitfähigkeit aufweist. Die Erhöhung der Verschleißfestigkeit führt zu einer
wesentlichen Steigerung der Stand-/Betriebszeiten gegenüber den zurzeit gefertigten
Düsenköpfen aus Kupfer oder Kupferlegierungen und dadurch zur Steigerung der Produktionszeit/Menge
und die Erhöhung der Wärmeleitfähigkeit führt zu einer Produktionssteigerung und/oder
zur Verminderung der Produktionskosten.
[0015] Da Aluminium eine wesentlich niedrigere Dichte als Kupfer hat, besitzen die pulvermetallurgisch
gefertigten Düsenköpfe aus Aluminium mit eingelagerten Kohlenstoff-Nanoröhren einen
erheblichen Gewichtsvorteil, was zu konstruktiven Vorteilen in der Gesamtanlage führt.
[0016] Das alternativ zu den Kohlenstoff-Nanoröhren einlagerbare Titandiborid besitzt nur
eine unterhalb von Kupfer bzw. Aluminium liegende Wärmeleitfähigkeit λ von ca. 27
W/m•K. Der Vorteil einer Einlagerung von Titandiborid in das Basismetall Kupfer bzw.
Aluminium ist begründet durch seinen hohen Schmelzpunkt mit ca. 2900 °C, seiner chemischen
Beständigkeit und seiner hohen mechanischen Festigkeit, die in gleicher Weise wie
bei der Einlagerung von Kohlenstoff-Nanoröhren zu einer Erhöhung der Verschleißfestigkeit
der pulvermetallurgisch gefertigten Düsenköpfe führt, während eine Erhöhung der Wärmeleitfähigkeit
durch das Titandiborid nicht möglich ist.
1. Blaslanze mit Düsenkopf aus einem hochtemperaturleitfähigen Material zum Aufblasen
von Gasen, insbesondere von Sauerstoff auf Metallschmelzen, dadurch gekennzeichnet, dass der Düsenkopf der Blaslanze pulvermetallurgisch aus einem Dispersionsgemisch mit
einem hochtemperaturleitfähigen Metall als Basis und einem die thermische und und/oder
die mechanische Eigenschaft des Basismetalls verbessernden Zusatzmaterial hergestellt
ist.
2. Blaslanze nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Dispersionsgemisch aus Aluminium als Basismaterial mit eingelagerten Kohlenstoff-Nanoröhren
(Carbon Nano Tubes = CNT) als Zusatzmaterial besteht.
3. Blaslanze nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Dispersionsgemisch aus Aluminium als Basismaterial mit eingelagertem Titandiborid
(TiB2) als Zusatzmaterial besteht.
4. Blaslanze nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Dispersionsgemisch aus Kupfer als Basismaterial mit eingelagerten Kohlenstoff-Nanoröhren
(Carbon Nano Tubes = CNT) als Zusatzmaterial besteht.
5. Blaslanze nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Dispersionsgemisch aus Kupfer als Basismaterial mit eingelagertem Titandiborid
(TiB2) als Zusatzmaterial besteht.