[0001] Die Erfindung betrifft eine Kopfhörer-Vorrichtung zur Wiedergabe binauraler räumlicher
Audiosignale gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie ein damit ausgestattetes
System zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale gemäß dem Oberbegriff des
nebengeordneten Anspruchs.
[0002] Die Realisierung plausibler oder gar authentischer virtueller akustischer Umgebungen
ist seit längerer Zeit Ziel technischer Entwicklung im Bereich binauraler Audiosysteme.
Die wesentlichen Eigenschaften und Kenngrößen des räumlichen Hörens werden hierbei
durch richtungs- und frequenzabhängige Laufzeit- und Pegeldifferenzen bestimmt, die
die Schallsignale einer Quelle beim Eintreffen an beiden Ohren bzw. Trommelfellen
eines Hörers aufweisen (Duplextheorie des Hörens nach Lord Rayleigh). Man spricht
dabei von der interauralen Laufzeitdifferenz (Englisch: "interaural time difference"
- ITD) oder der interauralen Pegeldifferenz ("interaural level difference" - ILD).
Eine vollständige, frequenzabhängige Beschreibung sowohl der zeitlichen als auch der
spektralen Informationen des Schallfelds stellt die sog. kopfbezogene oder Außenohrübertragungsfunktion
(HRTF: "head related transfer function") dar. Mittels dieser Übertragungsfunctionen
kann man den akustischen Eindruck sog. virtueller Schallquellen mit hoher Plausibilität
erzeugen. Filtert man ein beliebiges nachhallfreies, monophones Quellsignal mit den
Außenohrübentragungsfunktionen des linken und rechten Ohres, stellt sich bei der Wiedergabe,
z.B. über Kopfhörer, ein Schallereignis mit mehr oder minder korrektem Richtungs-
und Entfemungseindruck (auch außerhalb des Kopfes!) ein. Ein solches Verfahren bezeichnet
man im Allgemeinen als Auralisation. Den gleichen Eindruck nahezu realer Schallereignisse
erzeugen Tonaufnahmen, die mit Mikrofonen erzielt werden, die im Ohr plaziert werden,
sog. Im-Ohr-Mikrofonen (im Englischen auch "real head recordings" genannt) oder die
mit sog. Kunstkopfmikrofonen erzielt werden ("artificial head recordings"). Dabei
wird die Filterung der Signale einer akustischen Szene mit Außenohrübertragungsfunktionen
durch die jeweilige individuelle Kopf- und Ohrform bestimmt bzw. durch die spezielle
Formgebung der Kunstkopfmikrofone, welche natürlichen menschlichen Köpfen mit detaillierten
Außenohren nachempfundenen sind. Ein kopfbezogene (sog. "binaurale" bzw. "beidohrige"),
räumliche Audiowiedergabe wird heute z.B. eingesetzt bei der kommerziellen computergestützten
numerischen Akustiksimulation, in Computerspielen mit "Raumklang"-Unterstützung oder
in Form binauraler Aufnahmen von Soundwalks oder Soundscapes für Dokumentations- oder
Analysezwecke. Auch gibt es Bestrebungen, die binaurale, räumliche Audiowiedergabe
in der Telekommunikation einzusetzen, z.B. in virtuell-räumliche Telekonferenzsystemen.
[0004] Demnach ist bekannt, dass die Klangfarbenverfälschung, die sowohl auf der Aufnahmeseite
wie auf der Wiedergabeseite auftritt, einen wesentlichen Qualitätsmangel darstellt
und möglichst eliminiert werden sollte. Auf der Aufnahmeseite ist die Klangfarbenverfälschung
im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die verwendeten Außenohrübertragungsfunktionen
bzw. Kunstkopfmikrofone immer auf der Anthropometrie eines einzigen Individuums beruhen.
Dadurch ergeben sich zwangsweise geometrische Abweichungen, die sich in individuell
mehr oder weniger starken Frequenzgangsverzerrungen der resultierenden Ohrübertragungsfunktionen
äußern. Ein vorteilhafter Lösungsvorschlag wird in der früheren, noch nicht veröffentlichten
Patentanmeldung
DE 10 2010 004 171 vorgeschlagen.
[0005] Auf der Wiedergabeseite, mit deren Technologien sich die vorliegende Erfindung befasst,
sind als wesentliche Ursachen von Klangfarbenverfälschungen die verwendeten Kopfhörer
selbst zu nennen. Diese sind üblicherweise herstellerseitig mit bestimmten Frequenzgängen
versehen ("Frei-" oder "Diffusfeldentzerrung"), welche dazu dienen, eine bessere klangfarbliche
Vergleichbarkeit der Kopfhörerwiedergabe mit der von normalen stereophonen Lautsprechersignalen
zu erreichen. Die Eignung konventioneller Kopfhörer zur binauralen Wiedergabe ist
sehr beschränkt, da eine klanglich unverfärbte Reproduktion der kopfbezogenen Aufnahmen
am Trommelfell bzw. am Ohrkanaleingang (offener oder geschlossener Ohrkanal) erreicht
werden muss; also ein Kriterium, das aufgrund der vorgeschriebenen Schallfeldanpassungen
übliche Kopfhörer nicht erfüllen. In diesem Zusammenhang sind insbesondere folgende
Probleme bekannt: Die Frequenzgänge verschiedener Kopfhörer, sei es zwischen Produkten
verschiedener Hersteller oder zwischen verschiedenen Modeltypen eines Herstellers,
können signifikant voneinander unterscheiden. Auch besteht eine intra-individuelle
Varianz der Kopfhörer-Frequenzgänge (Frequenzgangsvariation beim wiederholten Aufsetzen)
und eine interindividuelle Frequenzgangsvariation. Die herkömmlichen Systeme zeigen,
in Abhängigkeit vom Prinzip der akustischen Ankopplung an das Ohr, eine mehr oder
weniger starke Variabilität bzgl. des wiederholten Auf- und Absetzens. Die schlechtesten
Eigenschaften zeigen dabei die suprauauralen (ohraufliegenden) Systeme, wenig besser
verhalten sich circumaurale (ohrumschließende) Systeme, am Besten verhält sich ein
'extraaurales' Modell mit "frei vor dem Ohr schwebenden" Lautsprechern. Ein weiteres
Problem der nicht-extraauralen Systeme ist das sog. leckage, bzw. der Leck-Betrieb.
Dabei wirken sich kleine, bewegungs-oder aufsetzpositionsbedingte Undichtigkeiten
an der Körperschlussstelle Polster-Ohr, bzw. Polster-Kopf in Form stark veränderter
Tiefbassfrequenzgänge aus. Unter dem Begriff ,extraaural' wird die nahe Ohrbeschallung
mit einem maximalen Ohr-Quellen-Abstand von etwa 0,5m verstanden bzw. auch jede "transaurale"
Wiedergabe, die mit einem solchen Ohr-Quellen-Abstand durchgeführt wird.
[0006] Aufgrund der genannten Einschränkungen wird die geforderte Frequenzgangslinearisierung
bei den verfügbaren konventionellen Systemen bisher meist durch nachträgliches individuelles
oder generisches Einmessen erreicht. Dazu werden Kompensationsfilter auf Basis empirischer
Kopfhörer-Ohr-Übeilragungsfunktion erstellt. Als ein allgemeiner Mangel der Kopfliörerwiedergabe
ist zudem die unplausible Wiedergabe sehr tiefer Frequenzen (< 100 Hz) bekannt. Trotz
nominell identischer Frequenzgänge zeigt sich beim direkten Vergleich mit Lautsprechersystemen
ein fühlbarer Unterschied bei der Reproduktion sehr tieffrequenter Signale, der auf
eine mangelhafte Körperschallanregung bei der Wiedergabe mit Kopfhörern zurückführbar
ist. Die genannten Mängel der herkömmlichen Systeme führen zu mehr oder minder starken,
positions- und individuell bedingten Frequenzgangsverzemmgen. Diese äußern sich besonders
in einer Verfälschung der Klangfarbe, damit einhergehender verringerter Natürlichkeit
und Lokalisationsfehlem v.a. in der Medianebene, z.B. in Form einer Verschlechterung
der Vome-Hinten-Diskrimination von Klangquellen. Im Stand der Technik finden sich
lediglich mehrkanalige Kopfhörersysteme zur näherungsweisen Darstellung von Surroundsignalen
oder Systemen mit inhärenter Raumklangemulation. Wünschenswert sind neue Lösungen
mit dem Ziel einer Verbesserung der bestehenden Kopfliörertechnik unter dem expliziten
Aspekt der optimalen Wiedergabe räumlicher, binauraler Signale.
[0007] Daher ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung eine Kopfhörer-Verrichtung und ein
damit ausgestattetes System vorzuschlagen, welche die oben genannten Nachteile überwinden.
Insbesondere sollen die Kopfhörer-Vorrichting und das System für die einfache und
naturgetreue Wiedergabe räumlicher, kopfbezogener Audiosignale geeignet sein, ohne
dass die oben genannten Einschränkungen konventioneller Kopfhörersysteme in Kauf genommen
werden müssen.
[0008] Gelöst wird die Aufgabe durch eine Kopfhörer-Verrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs
1 sowie durch ein damit ausgestattetes System zur Wiedergabe binauraler räumlicher
Audiosignale mit den Merkmalen des nebengeordneten Anspruchs.
[0009] Demnach wird eine Kopfhörer-Vorrichtung mit einem Kopfbügel vorgeschlagen, der zwei
Kopfbügelhälften aufweist, an deren Enden jeweils ein elektrodynamischer Treiber innerhalb
eines akustisch bedämpften, geschlossenen Gehäuses angeordnet ist, wobei die jeweilige
Kopfbügelhälfte einen Hohlraum aufweist, der akustisch mit dem bedämpften Gehäuse
verbunden ist und für den elektrodynamischen Treiber akustisch wirksam ist.
[0010] Dadurch wird erreicht, dass in dem Kopfbügel des Kopfhörers selbst akustisch wirksame
Hohlräume vorgesehen sind, die mit den beiden elektrodynamischen Treibern (z.B. Miniaturlautsprechern)
räumlich verbunden sind und durch korrekte Abstimmung eine dem Treiber angepasste
akustische Bedämpfung ermöglichen. Dadurch kann ein extraaurales Kopfhörersystem realisiert
werden, bei dem insbesondere die folgenden zwei Optimierungsmaßnalunen erzielt werden,
die im Widerspruch zueinander stehen und daher nicht zusammen erreichbar erscheinen:
- a) Eine Miniaturisierung der elektrodynamischen Treiber, um die frequenzabhängige
Bündelung und das Aufbrechen in Partialschwingungen in möglichst hohe Frequenzbereich
zu verschieben und um gleichzeitig den Schallfeldwiderstand aus Sicht des Ohrkanals
zu reduzieren;
- b) Eine möglichst große Dimensionierung von elektrodynamischem Treiber und akustisch
wirksamem Gehäuse, um den bei extraauraler Bauweise bzw. Anordnung sich einstellenden
schwächeren Tieffrequenzschalldruckfrequenzgang mittels Filterung ausgleichbar zu
machen.
[0011] Eine gemeinsame Realisierung beider Maßnahmen a) und b) stellt an sich einen Widerspruch
dar, denn die elektrodynamischen Treiber (Kopfhörer-Lautsprecher) können nicht klein
und gleichzeitig groß dimensioniert werden. Gemäß der Erfindung wird jedoch ein minaturisierter
Treiber eingesetzt, dessen Funktion durch die Ausbildung von Hohlräumen im Kopfhörerbügel
aufgewertet wird, so dass sich alle Vorteile der beiden Maßnahmen a) und b) ergeben
und ausgenutzt werden können. Es hat sich gezeigt, dass durch das Vorsehen von Hohlräumen
im Kopfbügel bzw. in dessen Bügelhälften relativ große Volumen von z.B. jeweils 200
ml realisiert werden können, so dass eine deutliche akustische Wirkung im Sinne der
Maßnahme b) erreicht werden kann.
[0012] Der jeweilige Hohlraum wird bevorzugt mit passenden akustischen Dämpfungselementen
ausgestattet. Der Kopfbügel oder zumindest die beiden Kopfbügelhälfte sind vorzugsweise
aus einem thermoplastischen Kunststoff gefertigt, wobei jeder Hohlraum möglichst kantenlos
ausgestaltet ist. Vorteilhafterweise ist der jeweilige Hohlraum über ein verstellbares
Verbindungselement mit dem bedämpften Gehäuse verbunden, in dem sich das elektrodynamische
Treiber (elektroakustischer Wandler) befindet. Dabei kann das verstellbare Verbindungselement
als ein hohlförmiges Winkelstück ausgebildet sein, das drehbeweglich an dem Ende der
Kopfbügelhälfte montiert ist. Es kann vorgesehen sein, dass jeder der elektrodynamischen
Treiber über ein Kabel mit einem ein elektrisches Audiosignal liefernden Verstärker
verbindbar ist, wobei das Kabel durch den Hohlraum der jeweiligen Kopfbügelhälfte
geführt ist. Dabei ist es vorteilhaft, wenn die Kabel am Scheitelpunkt des Kopfhörers
aus den oberen Enden der Kopfhörerhälften herausgeführt sind. Zur Fixierung des Kopfhörers
an einem menschlichen Kopf weist jede Kopfbügelhälfte vorzugsweise mindestens einen
mechanisch dämpfenden Abstandshalter auf, der den Kopfbügel auf Abstand zum Kopf hält.
[0013] Das erfindungsgemäße System zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale ist
mit mindestens einem Verstärker zur Ausgabe mindestens eines elektrischen Audiosignals
für jeden binauralen Audiokanal versehen und mit der Kopfhörer-Vorrichtung verbindbar.
Vorzugsweise weist das System eine Signalverarbeitungseinheit auf, die je einem Verstärker
vorgeschaltet ist, um das elektrische Audio-Ausgangssignal aus einem Audio-Eingangssignal
zu erzeugen, wobei die Signalverarbeitungseinheit mindestens zwei wahlweise aktivierbare
Filterstufen aufweist. Insbesondere können die wahlweise aktivierbaren Filterstufen
zumindest zwei der folgenden Filter umfassen:
ein erstes Filter, das gemäß der Inversion einer individuellen Kopfhörer-AußenohrÜbertragungsfunktion
ausgelegt ist,
ein zweites Filter, das gemäß einer Inversion einer generischen Kopfhörer-AußenohrÜbertragungsfunktion
ausgelegt ist,
ein drittes Filter, das für eine Diffusfeldentzerrung ausgelegt ist, und/oder ein
viertes Filter, das für eine Freifeldentzerrung ausgelegt ist.
[0014] Das System kann auch eine zuschaltbare Subwoofer-Vorrichtung aufweisen.
[0015] Diese und weitere Vorteile ergeben sich auch aus den Unteransprüchen.
[0016] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen beschrieben, wobei
auf die beiliegenden Zeichnungen Bezug genommen wird, die folgende schematische Darstellungen
wiedergeben:
- Fig. 1
- zeigt eine erfindungsgemäße Kopfhörer-Vorrichtung;
- Fig. 2
- zeigt ein erfindungsgemäßes System zum Anschluss der Kopfhörer-Vorrichtung nach Fig.
1.
[0017] In der Fig. 1 sind beide Kopfhörerhälften KH und KH` einer symmetrisch zur Spiegelachse
aufgebauten Kopfhörer-Vorrichtung K dargestellt. Der mechanische Aufbau der Kopfhörer-Vorrichtung,
im weiteren auch kurz Kopfhörer genannt, besteht also aus zwei spiegelbildlichen Hälften.
Wie anhand der Fig. 1 zu sehen ist, weist eine jede Kopfbügelhälfte KH einen Hohlraum
D auf, der akustisch wirksam verbunden ist mit dem jeweils am Bügelende angebrachten
elektrodynamischen Treiber, der hier in Form eines Miniaturlautsprechers L als sog.
2-Zoll-Konustreiber realisiert ist. Der Miniaturlautsprecher L befindet sich in einem
bedämpften Gehäuse A, das im oberen Bereich ein hohles Winkelstück B aufweist, welches
als akustisches und mechanisches Verbindungselement dient und drehbeweglich über ein
Gelenk C mit dem unteren Ende des Hohlraumes D verbunden ist. Durch Anbringen von
Rastungen am Gelenk C ist eine stufenweise Veränderung der horizontalen Winkeleinstellung
des Miniaturlautsprechers bzw. des Gehäuses A möglich, z.B. in 3 Stufen von -25°,
0°, 25°. Der Aufbau erfolgt durch Steckmontage am Kopfbügel.
[0018] Der mit dem Gehäuse A verbundene Hohlraum D bildet einen deutlich vergrößerten Resonanzraum,
und damit ein deutlich vergrößertes akustisches Federvolumen für den jeweiligen Miniaturlautsprecher
L aus. Im vorliegenden Beispiel wird ein Gesamtvolumen von etwa 200 ml realisiert.
Das akustisch wirksam Kopfbügelvolmnen endet kurz vor dem Scheitelpunkt des Bügels
und wird dort zu einem massiven Steg. Das Gehäuse A ist zudem ohne scharfe, akustisch
reflektierend wirkende Kanten ausgeführt, wodurch eine diffuse Streuung von zurück
geworfenen Schallanteilen und damit eine weitere Verringerung des vom Ohrkanal aus
sichtbaren Schallfeldwiderstands erreicht wird. Der Kopfhörerbügel ist aus einem thermoplastischen
Material gefertigt. Hierzu können übliche thermoplastische Kunststoffe verwendet werden,
wie z.B. Polypropylen, AcrylnitrilButadien-Styrol oder Polyamid.
[0019] Die Formgebung ist so gestaltet, dass der jeweilige Hohlraum D im Innern keine Kanten
oder Ecken aufweist. Außerdem ist der Hohlraum D im Innern akustisch gedämpft, indem
dort Dämpfungselemente DE angeordnet sind. Zur Fixierung an einem menschlichen Kopf
(nicht dargestellt) sind mehrere elastische Abstandshalter G vorgesehen, die für eine
Verringerung der mechanischen Belastung des Kopfes sorgen sollen. Die Länge des Abstandshalters
B kann durch geeignete Messungen nach an sich bekannten Verfahren unter der Prämisse
der Minimierung des Schallfeldwiderstands dimensioniert werden und beträgt etwa 1
bis 10 cm.
[0020] Die Kabelführung des Kabels E erfolgt durch den Hohlraum D und durch die verbundenen
hohlen Bauteile B und A hindurch bis zum Miniaturlautsprecher L. Das Austrittsloch
des Kabels E und befindet sich zentral am oberen Kopfende bzw. mittig im Scheitel
des Kopfbügels. Dort kann eine Durchgangsbohrung vorgesehen sein, die auch zur Befestigung
von Kopfbewegungs-Sensoren (Headtracking-Sensoren) oder zur festen Verbindung mit
HMDs (Head-Mounted Displays) dient. Soweit also räumliche Audiowiedergabe im Zusammenhang
mit multimodalen, z.B. audiovisuellen virtual reality Systemen Verwendung findet,
wird hier auch bei der konstruktiven Ausgestaltung bzw. dem Design (z.B. der Kopfbügel)
auf leichte Kombinierbarkeit mit handelsüblichen HMDs und Sensorik (head tracking)
zur Positionsverfolgung des Benutzers Wert gelegt.
[0021] Der in der Fig. 1 dargestellte Kopfhörer K erfüllt die Anforderungen eines extraauralen
Kopfhörersystems, welches aufgrund der frei vor dem Ohr angebrachten elektrodynamischen
Treibern (hier die Lautsprecherkapseln L und L') die eingangs genannten Probleme vorteilhaft
löst. Die Bestückung mit passenden elektrodynamischen Treibern ist von besonderer
Bedeutung. Hierfür besteht einerseits die Zielsetzung, dass die Dimensionierung sehr
klein sein muss, um frequenzabhängige Bündelung und das Aufbrechen in Partialschwingung
in möglichst hochfrequente Bereiche zu verschieben und gleichzeitig den Schallfeldwiderstand
aus Sicht des Ohrkanals zu reduzieren. Andererseits besteht die Zielsetzung, dass
die Dimensionierung der elektrodynamischer Treiber möglichst groß sein sollte, um
den bei extraauraler Bauweise schwächeren tieffrequenten Schalldruckfrequenzgang (bei
trotzdem ausreichenden, unverzerrten Schalldruckpegel auch bei größeren Ohrabständen)
mit Filterung ausgleichbar zu machen. Beide zueinander widersprüchlichen Zielsetzungen
können dennoch aufgrund der hier vorgeschlagenen Bauweise erreicht werden.
[0022] Mit Hilfe einer anhand der Fig. 2 noch näher beschriebenen aktiven elektrischen Entzerrung
kann eine akustische Signalbandbreite von 50 Hz - 16 kHz erzielt werden und kann damit
- bis auf den sehr tieffrequenten Bereich (ca. 20 - 50 Hz) - der volle Hörbereich
frequenzgangslinear am Ohr erzeugt werden. Somit wird hier die bei frei aufgehängten
KopfliörerkapseIn üblicherweise reduzierte Tiefbasswiedergabe überwunden.
[0023] Das in der Fig. 2 dargestellte System erzeugt für den zuvor beschriebenen Kopfhörer
ein Audio-Ausgangssignal OUT, so dass mehrere nachfolgend noch genauer beschriebene
Frequenzgangziele erreicht werden. In der Fig. 2 ist zur Vereinfachung die Schaltung
für nur einen Audio-Kanal dargestellt.
[0024] Das System enthält eine Signalverarbeitungseinheit SV, die mit einem Audio-Eingangssignal
IN gespeist wird und mehrere aktivierbare Entzerrer EQ1 bis EQ4 aufweist, denen ein
Verstärker AMP nachgeschaltet ist, der schließlich das gewünschte Audio-Ausgangssignal
an den Kopfhörer abgibt. Zusätzlich enthält das System noch einen zuschaltbaren Subwoofer
SWF, der zur optionalen Erzeugung tieffrequenter Signale mit einem Tiefpass TP, einem
Verstärker AMP* und einem Lautsprecher LS* ausgestattet ist.
[0025] Die Aktivierung der Entzerrer und des Subwoofers erfolgt über entsprechende Schalter
S und S* bzw. Schaltungen, die auch Software realisiert sein können. In dem hier dargestellten
Beispiel werden die folgenden vier Aktivierungsoptionen realisiert, die jeweils einem
bestimmten Frequenzgangziel dienen:
[0026] Das erstere Frequenzgangziel hat den Anspruch einer höchsten erreichbaren Qualitätsstufe
und basiert auf der Schallwiedergabe mit linearem Frequenzgang am Ohrkanaleingang
unter Vernachlässigung von Außenohreinflüssen. Hierzu befindet sich der Schalter S
in der ersten Position "1", wodurch das Eingangssignal IN zunächst auf einen individuellen
Entzerrer IEQ geführt wird und dann über einen Hochpass auf den Entzerrer EQ1 geführt
wird. Der individuelle Entzerrer IEQ ist durch ein Einmessen auf die persönliche Ohrübeiiragungsfunktion
konfiguriert und stellt somit ein persönliches Filter (Realisierung z.B. durch analoge
oder digitale IIR- oder FIR-Filter) dar. Das Filter kann also verschieden realisiert
und den Audiosignalen auf verschiedene Weise hinzugefügt werden, z.B. durch Vorfilterung
der Signale mit geeigneter Software, oder durch eine - als Zusatzausstattung - dem
Kopfhörer vorzuschaltende Echtzeitfilterbank (z.B. FIR-Filterung). Das vorgefilterte
Signal wird dann dem ersten Equalizer EQ1 (Sphere Flat) zugeführt und anschließend
im Verstärker AMP verstärkt bevor es aus Ausgangssignal OUT an den Kopfhörer K (s.
Fig. 1) abgegeben wird.
[0027] Das zweite Frequenzgangsziel wird in der Schalterposition "2" erreicht und basiert
auf einer generischen Inversion der Kopfhörer-Außenohrübeitragungstrecke und macht
den Kopfhörer ad hoc (ohne weiteres Zubehör oder weitere Vorverarbeitung der Signale)
für ein breites Publikum zur räumlichen Audiowiedergabe, wenn auch unter Beibehaltung
von Anteilen der o. g. interindividuellen Frequenzgangsvariationen, nutzbar. Somit
ergibt sich die Übertragungsfunktion des zweiten Entzerrers EQ2 aus einer generischen
Inversion, d.h. aus Reihenmessungen an mehreren Personen mit dem Kopfhörer-System
im ersteren Frequenzgangzustand.
[0028] In diesen beiden Betriebszuständen (Schalterpositionen "1" und "2") sollte vorzugsweise
der Tieftonfrequenzgang unterhalb der unteren Eckfrequenz des Kopfhörersystems (<
90 Hz) durch Einkopplung des Subwoofers SWF mit regelbarer Übernahmefrequenz und Pegel
realisiert werden. Dazu wird der Schalter S* aktiviert. Auf diese Weise wird das Problem
der bei Kopfhörerwiedergabe räumlicher Signale an sich auftretenden mangelhaften Tiefbasswiedergabe
und Körperschallanregung eliminiert.
[0029] Als weitere vorteilhafte Entzerrungsziele sind folgende zu nennen: Als drittes Ziel
soll eine Diffusfeld-Entzerrung durchgeführt werden. Dies geschieht in der Schalterposition
"3", also durch Aktivieren des dritten Entzerrers EQ3. Als viertes Ziel soll eine
FreifeldEntzerrung erfolgen. Dies geschieht unter Aktivieren des vierten Entzerresq
EQ4. Beide Entzerrer bzw. Filter lassen sich aus der Differenz der jeweiligen Schallfeldanpassung
zur generischen Kopmörembertragungsfunktion bestimmen. In diesem Betriebsztistand
kann das dargestellte System auch wie ein herkömmlicher Kopfhörer betrieben werden,
wodurch ein - aus Kompatibilitätsgründen ― althergebrachtes Zweitsystem dann nicht
mehr benötigt wird. Außerdem kann auch auf den Subwoofer SWF verzichtet werden.
[0030] Zum elektrischer Aufbau des in der Fig. 2 gezeigten System ist außerdem zu folgendes
zu sagen: In dem dargestellten Beispiel wird zum Betrieb des Kopfhörers ein 2-kanaliger
Kopfhörerverstärker AMP (60 W RMS-Leistung an 4 Ohm Last) mit vier schaltbaren aktiven
Filtersets (s. EQ1 bis EQ4) eingesetzt. In Filterstellung bzw. Schalterposition "1"
erzielt der Kopfhörer in einem Abstand von 1-10 cm an einem bündig in einer schallharten
Kugel (ø 18 cm) eingelassenen Mikrofon einen von 50 Hz - 16 kHz reichenden, linearen
Frequenzgang (daher die Bezeichnung "sphere flat"-EQ). In Filterstellung "2" wird
ein generisches Filter zur Kompensation der Kopfhörer-Außenohrübertragungsstrecke
realisiert. Aufgrund der tieffrequenten Auskopplung des Kopfhörers mit einer verbreiteten
und gutmütigen Hochpassfilterung von 24dB/Oktave Flankensteilheit bei 90 Hz kann in
diesem Fall nahezu jeder handelsübliche Subwoofer mit regelbarer Grenzfrequenz und
Lautstärke zur Ergänzung des tieffrequenten Frequenzgangs eingesetzt werden. In den
Filterstellungen "3" und "4" ist es möglich, den Kopfhörer als herkömmliches System
zur Wiedergabe von lautsprechstereofonen Signalen zu betreiben (dazu Filter III =
Diffusfeldentzerrung, Filter IV = Freifeldentzerrung). Dabei ist die untere Grenzfrequenz
zum Betrieb ohne Subwoofer durch aktive Filterung auf mindestens 70 Hz abzusenken.
Die notwendigen Filterkurven werden aus der Differenz der generischen Kopfhörerübertragungsfunktion
und den jeweiligen, einschlägig tabellierten Schallfeldanpassungen bestimmt.
[0031] Nachfolgend werden nach Art einer systematischen Übersicht der wesentlichsten Einflüsse,
die bei der Wiedergabe räumlicher, binauraler Signale mit Kopfhörern zu Klangfarbenverfälschungen
führen, und den Beitrag, den das hier vorgestellte System zu deren Verbesserung liefert,
zusammenfassend beschrieben. Insbesondere werden hier die wesentlichen Vorteile bzw.
Alleinstelhmgsmerkmale des Systems noch einmal überblicksartig zusammengefasst:
[0032] In Filterstellung "1" fällt die bisher übliche individuelle oder generische Entzerrung
des Systems auf Basis von Einmessungen leichter, da weder Frei- noch Diffusfeldentzerrungen
rückgängig gemacht werden muss. Zudem ist die wahre individuelle Ohrübertragungsfunktion
mit einem nach Filter EQ1 entzerrten System zum ersten Mal ohne Konfundierung mit
Kopfhörereigenschaften bestimmbar. In Filterstellung "2" ist das System sofort und
ohne weitere Signalkonditionierung zur Wiedergabe binauraler Signale einsetzbar. Zum
Erreichen der vollen Audiobandbreite kann ein handelsüblicher Subwoofer SWF eingesetzt
werden. Dessen Ankopplung wird durch das extraaurale Design stark erleichtert und
führt zu einer eine wesentlich erhöhten Natürlichkeit des Hörerlebnisses von z.B.
binauralen Computerspielsoundtracks, Kinofilmen, Pop/Rockmusik oder klassischen Konzerten.
Das extraaurale Design ermöglicht das Erzielen einer optimalen akustischen Belastung
des Ohrkanalausgangs, wie es z.B. mit
in-ear Kopfhörern transportabler MP3-Player oder mit geschlossenen Kopfhörer gar nicht,
und mit offenen, circumauralen Systemen (wie z.B. den im
virtual reality Bereich weit verbreiteten Systemen) nur in Grenzen möglich ist. Zudem führt das extraaurale
Design zu einer Minimierung der intraindividuellen Frequenzgangsvarianz und schließt
die
leakage-Problematik gänzlich aus. Dabei ist das neue System im Subwooferbetrieb breitbandiger
als auf dem Markt befindliche offene Studiokopfhörersysteme. Im Filterzustand "3"
bzw. "4" ersetzt es den standardisierten Studiokopfhörer, wobei bei vielen bekannten
Systemen bei von einer tatsächlich standardisierten Wiedergabekurve bisher gar nicht
die Rede sein kann. Mit diesen Eigenschaften wird auf die Positionierung des Systems
als Referenzverfahren für Nutzer in den - nach Einschätzung der Autoren zunehmen konvergierenden
und expandierenden - Bereichen a) herkömmlicher und b) räumlicher Audioproduktion
und -rezeption abgezielt.
[0033] Was das Problem der
inter-individuellen Varianz von Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktionen (d.h. der Varianz
zw. verschiedenen Personen) angeht, so kommt es üblicherweise zu einer Verfärbung
bei Kompensation mit einer generischen, d.h. einer aus der Mittelung mehrerer individueller
Messungen erstellten Kopmöreraußenohmbertragungsfünktion. Aufgrund der als "sphere
flat" bezeichneten Grundentzerrung, erlaubt das hier vorgestellte System erstmals
eine vom kopfhörereigenen Frequenzgang unabhängige Untersuchung bzw. Erhebung individueller
Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktionen. Es konnten folgende Abweichungen zum generischen
Wert (d.h. zum Mittelwert) festgestellt werden: 50-200 Hz ±3dB aufgrund der leakage-Problematik,
von 200 Hz bis 2 kHz geringe Unterschiede, von 2 bis 6 kHz Unterschiede bis ±3dB ipsilateral
bzw. ±6dB contralateral. Oberhalb 6kHz werden die Abweichungen zunehmend größer. Die
wesentlichen Vorteile einer generischen Inversion liegen in der Halbierung der maximalen
interindividuellen Fehlerausprägungen sowie in der hörerübergreifenden Annällerung
an ein gewünschtes Frequenzgangsziel.
[0034] Was das Problem der
intra-individuellen Varianz von Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktionen (d.h. der Varianz
der Übertragungsfunktion für eine einzelne Person, z.B. durch wiederholtes Aufsetzen)
angeht, so kommt es normalerweise zur Verfärbung bei Kompensation mit nicht-individuellen
Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktionen. Die intra-individuelle Frequenzgangsvarianz
von Kopfhörern führt zur Verfärbung bei Kompensation mit hochgenauen individuellen,
jedoch positionsspezifischen Kompensationsfiltern. Eine Bestimmung und Kompensation
der generischen Naitfeldaußenohrübertragungsfunktion ist mit dem beschriebenen System
erstmals möglich. Es konnten folgende Ausprägungen intraindividueller Varianz festgestellt
bzw. erstmals abgeschätzt werden: 50-200 Hz ±3dB ("leakage"-Problematik), 200-3 kHz
überwiegend geringer als ±1dB, 3 bis 6 kHz (vor erster Außenohrantiresonanz) ±3dB,
oberhalb 6 kHz individuell sehr verschieden, maximal +10dB bis -25dB ("notch"-Problematik),
bei einzelnen Personen jedoch auch nur ±3dB. Das System schafft hier zudem eine deutliche
Reduzierung der Varianz durch sein extraaurales Design
[0035] Bezüglich der Frequenzgangziele "standardisiert frei- bzw. diffusfeldentzerrter Kopfhörer"
ist zu sagen, dass herstellerbedingte Unterschiede von biszu ±20dB festgestellt werden
konnten. Bezogen auf eine generische Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktion kann das
System eine vollständige Eliminierung von Klangverfärbungen, d.h. eine über eine Gruppe
von Personen im Mittel fehlerfreie frei- oder diffusldentzerrte Wiedergabe erreichen.
Die auftretende Frequenzgangsvarianz "standardisierter Kopfhörer" über Hersteller
und über Modelle kann also durch das erfindungsgemäße Systeme vollständig eliminiert
werden.
[0036] Zur "Beschränkten Tiefbasswiedergabe" ist zu sagen, dass bei herkömmlichen Systemen
im Vergleich mit der Realität der Eindruck eines mangelhaften Tiefbasses entsteht.
Dies wird hier durch optionalen Einsatz eines Subwoofer gelöst.
[0037] Mit der hier vorgeschlagenen Konstruktion einer Kopfhörer-Vorrichtung (Fig. 1) und
eines Systems (Fig. 2) zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale ist es möglich,
einen miniaturisierten elektrodynamischen Treiber bzw. Miniaturlautsprecher einzusetzen,
so dass der Schallfeldwiderstand vor dem Ohrkanal möglichst reduziert ist und frequenzabhängige
Bündelungen und das Aufbrechen in Partialschwingungen in möglichst hohe Frequenzbereiche
verschoben werden. Durch die Schaffung des akustisch an den elektrodynamischen Treiber
angekoppelten Hohlraumes D innerhalb der Kopfhörerbügelhälfte KH (s. Fig. 1) stellt
sich der miniaturisierte elektrodynamische Treiber akustisch wirksam als ein hinreichend
groß dimensionerter Treiber dar, was es wiederum ermöglicht, den an sich bei extraauraler
Bauweise bzw. Anordnung sich einstellenden schwächeren Schalldruckfrequenzgang nun
mittels Filterung effektiv ausgleichen zu können. Durch den Einsatz entsprechender
Filter und durch wahlweises Einschalten verschiedener Filterstufen (s. Fig. 2) ist
ein Optimierungssystem für den jeweils vorgesehenen Anwendungsbereich erzielbar. Insbesondere
wird ein generisches Filter EQ2 zur Kompensation der Kopfliöreraußenohrübertragungsstrecke
eingesetzt (Schalterstellung "2"), wobei zusätzlich ein Subwoofer mit regelbarer Grenzfrequenz
und Lautstärke zum Einsatz kommt, um den tieffrequenten Frequenzgang darzustellen,
den der Kopfhörer an sich nicht leisten kann. In einer anderen Variante (Filterstellung
"1") wird durch Einmessen auf die persönliche Ohrübertragungsfunktion ein persönliches
Filter IEQ definert und eingesetzt, so dass eine sehr hohe Qualitätsstufe der Schallwiedergabe
mit linearen Frequenzgang am Ohrkanaleingang unter gleichzeitiger Kompensation verfälschender
Außenohreinflüssen erzielt werden kann. Auch in diesem Falle ist es von Vorteil, wenn
ein Subwoofer zugeschaltet wird.
[0038] Wahlweise kann auch ein drittes Filter EQ3 zum Einsatz kommen, welches für eine Diffusfeldentzerrung
sorgt. Alternativ kann auch ein Filter EQ4 zur Freifeldentzerrung eingesetzt werden.
Durch Absenkung der unteren Eckfrequenz auf beispielsweise 70 Hertz, welches durch
weitere aktive Filterung möglich ist, kann auf den Einsatz auf den Subwoofer hier
verzichtet werden.
[0039] In der Filterstellung "1" ("sphere flat"- Entzerrung) ist das System insbesondere
dazu geeignet, eine individuelle Entzerrung einzustellen.
[0040] In Filterstellung "2" (generische Entzerrung) ist das System insbesondere dazu geeignet,
sofort und ohne weiteres als binaurales Wiedergabesystem eingesetzt zu werden, beispielsweise
im Bereich der Widergabe von Computerspielen, Soundtracks, vielen Kinofilmen, Pop-
oder Rockmusik oder klassischen Konzerten. Dabei wird die sogenannte Leakage-Problematik
gänzlich ausgeschlossen. Zudem ist das System im Subwoofer-Bereich deutlich breitbandiger
ausführbar als dies von üblichen Kopfhörersystemen bekannt ist.
[0041] In der Filterstellung "3" bzw. "4" kann eine der Wiedergabe mit herkömmlichen Studiokopfhörer
ähnliche Schallreproduktion realisiert werden.
[0042] Die Erfindung schafft eine wesentliche Verbesserung aller bisher existierenden Anwendungen
mit räumlicher, binauraler, d. h. auf Ohrsignalen beruhender Audiowiedergabe. Dazu
zählen z.B. binaurale Raumakustiksimulationen, 3D Virtual Auditory Displays im Allgemeinen,
räumliche Akustik in Computerspielen, virtuelle Chaträume, binaurale Guidance & Alerting
Systeme, binaurale walkthroughs z.B. durch virtuelle Architektur, Ausstellungen oder
in multimodalen Mediashows, Wiedergabe von Kunstkopfaufnahmen sowie alle zukünftig
denkbaren rich-media Anwendungen mit binauraler, räumlicher Audiowiedergabe wie z.B.
binaurales Teleconferencing via VoIP oder binaurales Streaming von Livekonzerten.
Für alle diese Anwendungen ist das vorgestellte System als standardisiertes Endgerät
denkbar. Aufgrund seiner Eigenschaften wird auf die Positionierung des Systems als
Referenzwiedergabeverfahren für Nutzer in den Bereichen herkömmliche und räumliche
Audioproduktion und -rezeption abgezielt.
1. Kopfhörer-Vorrichtung (K) zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale mit einem
Kopfbügel, der zwei Kopfbügelhälften (KH, KH') aufweist, an deren Enden jeweils ein
elektrodynamischer Treiber (L, L') innerhalb eines akustisch bedämpften Gehäuses (A,
A') angeordnet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
die jeweilige Kopfbügelhälfte (KH) einen Hohlraum (D) aufweist, der akustisch mit
dem bedämpften Gehäuse (A) verbunden ist und für den elektrodynamischen Treiber (L)
akustisch wirksam ist.
2. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Hohlraum (D) mit akustischen Dämpfüngselementen (DE) ausgestattet ist.
3. Kopfhörer-Verrichtung (K) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass jede Koptbügelhälfte (KH) aus einem thermoplastischen Kunststoff gefertigt ist.
4. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Gehäuse (A) kantenlos ausgebildet ist.
5. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Hohlraum (D) über ein verstellbares Verbindungselement (B) mit dem bedämpften
Gehäuse (A) verbunden ist.
6. Kopmörer-Vorrichtung (K) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das verstellbare Verbindungselement als ein hohlförmges Winkelstück (B) ausgebildet
ist, das drehbeweglich an dem Ende der Koptbügelhälfte (KH) montiert ist.
7. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass jeder der elektrodynamischen Treiber (L) über ein Kabel (E) mit einem ein elektrisches
Audio-Ausgangssignal (OUT) liefernden Verstärker (AMP) verbindbar ist, wobei das Kabel
(E) durch den Hohlraum (D) der jeweiligen Kopfbügelhälfte (KH) geführt ist.
8. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Kabel (E) am Scheitelpunkt des Kopfhörers aus den oberen Enden der Kopmörerhälften
(KR) herausgeführt sind.
9. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zur Fixierung des Kopfhörers (K) an einem menschlichen Kopf jede Kopfbügelhälfte
(KH) mindestens einen mechanisch dämpfenden Abstandshalter (G) aufweist, der den Kopfbügel
auf Abstand zum Kopf hält.
10. System zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale mit mindestens einem Verstärker
(AMP) zur Ausgabe mindestens eines elelctrischen Audio-Ausgangssignals (OUT) für jeden
Stereokanal und mit einer daran angeschlossenen einer Kopfhörer-Vorrichtung (K), die
einen Kopfbügel mit zwei Kopfbügelhälften (KH, KH') aufweist, an deren Enden jeweils
ein elektrodynamischer Treiber (L, L') innerhalb eines akustisch bedämpften Gehäuses
(A, A') angeordnet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
die jeweilige Kopfbügelhälfte (KH) einen Hohlraum (D) aufweist, der akustisch mit
dem bedämpften Gehäuse (A) verbunden ist und für den elektrodynamischen Treiber (L)
akustisch wirksam ist.
11. System nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass jeder elektrodynamische Treiber (L) über ein Kabel (E) mit dem das elektrische Audio-Ausgangssignal
(OUT) liefernden Verstärker (AMP) verbindbar ist, wobei das Kabel (E) durch den Hohlraum
(D) der jeweiligen Kopfbügelhälfte (KH) geführt ist.
12. System nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass das System eine Signalverarbeitungseinheit (SV) aufweist, die dem mindestens einen
Verstärker (AMP) vorgeschaltet ist, um das elektrische Audio-Ausgangssignal (OUT)
aus einem Audio-Eingangssignal (IN) zu erzeugen, wobei die Signalverarbeitungseinheit
(SV) mindestens zwei wahlweise aktivierbare Filterstufen (EQ1...EQ4) aufweist.
13. System nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, dass die wahlweise aktivierbaren Filterstufen zumindest zwei der folgenden Filter umfassen:
ein erstes Filter (EQ1), das gemäß der Inversion einer individuellen Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktion
ausgelegt ist,
ein zweites Filter (EQ2), das gemäß der Inversion einer generischen Kopfhöreraußenohrübertragungsstrecke
ausgelegt ist,
ein drittes Filter (EQ3), das für eine Diffusfeldentzerrung ausgelegt ist, und/oder
ein viertes Filter (EQ4), das für eine Freifeldentzerrung ausgelegt ist.
14. System nach einem der Ansprüche 10 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass das System eine zuschaltbare Subwoofer-Vorrichtung (SWF) aufweist.
15. System nach einem der Ansprüche 14, dadurch gekennzeichnet, dass die zuschaltbare Subwoofer-Vorrichtung (SWF) mit einer Pegelregelung und/oder eines,
insbesondere im Bereich von 50-200Hz, regelbaren Tiefpassfilters zur Einstellung der
Übemahmefrequenz zum Kopfhörersystem ausgestattet ist.