[0001] Die Erfindung betrifft eine Kopfhörer-Vorrichtung zur Wiedergabe binauraler räumlicher
Audiosignale gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie ein damit ausgestattetes
System zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale gemäß dem Oberbegriff des
nebengeordneten Anspruchs.
Aus dem Stand der Technik sind verschiedenartige Kopfhörer-Vorrichtungen bekannt.
In der Patentanmeldung
US 2004/032964 A1 (s. dort Fig. 1 und 4) wird eine Kopfhörer-Vorrichtung zur Wiedergabe räumlicher
Audiosignale, insbesondere zur stereophonen Wiedergabe mit Raumklang- bzw. Surround-Effekt
einen Kopfbügel, aufweist, der innen als Hohlraum ausgebildet ist, welcher sich über
den Kopf des Benutzers von einem Ohr zum anderen Ohr erstreckt. An den beiden Enden
des Kopfbügel ist der Hohlraum jeweils ausgeweitet, um dort mehrere Lautsprecher bzw.
elektrodynamische Treiber aufzunehmen, die gerichtet auf das dortige Ohr hin abstrahlen
(siehe "speakers 22-25" in Fig. 1). Jede Gruppe dieser Lautsprecher bildet eine Ohrlautsprecher
("eaxspeaker 13"; siehe Abs. [0017]). Im mittleren Bereich des Kopfbügel, d.h. dort
wo sich der Scheitelpunkt des Benutzerkopfes befindet, ist der Hohlraum des Kopfbügels
ebenfalls aufgeweitet, um dort weitere Lautsprecher (siehe "speakers 21" in Fig. 1)
aufzunehmen, die zusammen mit den anderen Lautsprechern ("speakers 22-25") für einen
mehrkanaligen Raumklang bewirken (siehe Abs. [0018]). Der mittlere Hohlraumbereich
kann auch noch mit einem Lüfter ("fan 20") ausgestattet werden, der für eine zentrale
Entlüftung bzw. Kühlung des Benutzerkopfes sorgt (siehe Abs. [0020]).
[0002] Die Realisierung plausibler oder gar authentischer virtueller akustischer Umgebungen
ist seit längerer Zeit Ziel technischer Entwicklung im Bereich binauraler Audiosysteme.
Die wesentlichen Eigenschaften und Kenngrößen des räumlichen Hörens werden hierbei
durch richtungs- und frequenzabhängige Laufzeit- und Pegeldifferenzen bestimmt, die
die Schallsignale einer Quelle beim Eintreffen an beiden Ohren bzw. Trommelfellen
eines Hörers aufweisen (Duplextheorie des Hörens nach Lord Rayleigh). Man spricht
dabei von der interauralen Laufzeitdifferenz (Englisch: "interaural time difference"
- ITD) oder der interauralen Pegeldifferenz ("interaural level difference" - ILD).
Eine vollständige, frequenzabhängige Beschreibung sowohl der zeitlichen als auch der
spektralen Informationen des Schallfelds stellt die sog. kopfbezogene oder Außenohrübertragungsfunktion
(HRTF: "head related transfer funktion") dar. In
WO 2006 / 039748 A1 werden verbesserte Außenohrübertragungsfunktionen (HRTF) offenbart. Mittels dieser
Übertragungsfunktionen kann man den akustischen Eindruck sog. virtueller Schallquellen
mit hoher Plausibilität erzeugen. Filtert man ein beliebiges nachhallfreies, monophones
Quellsignal mit den Außenohrübertragungsfunktionen des linken und rechten Ohres, stellt
sich bei der Wiedergabe, z.B. über Kopfhörer, ein Schallereignis mit mehr oder minder
korrektem Richtungs- und Entfernungseindruck (auch außerhalb des Kopfes!) ein. Ein
solches Verfahren bezeichnet man im Allgemeinen als Auralisation. Den gleichen Eindruck
nahezu realer Schallereignisse erzeugen Tonaufuahmen, die mit Mikrofonen erzielt werden,
die im Ohr plaziert werden, sog. Im-Ohr-Mikrofonon (im Englischen auch "real head
recordings" genannt) oder die mit sog. Kunstkopfmikrofonen erzielt werden ("artifcial
head recordings"). Dabei wird die Filterung der Signale einer akustischen Szene mit
Außenohrübertragungsfunktionen durch die jeweilige individuelle Kopf- und Ohrform
bestimmt bzw. durch die spezielle Formgebung der Kunstkopfmikrofone, welche natürlichen
menschlichen Köpfen mit detaillierten Außenohren nachempfundenen sind. Der Einsatz
von Filtern, sog. "earphone correction filters" (ECF), wird in dem Artikel "
Individualized and generalized earphone correction filters for spatial sound reproduction"
von William L. Martens beschrieben; der Artikel wurde in "
Proceedings of the 2003 international conference on auditory display", Seiten 263-266
am 9. Juni 2003 (Boston, MA, USA) veröffentlicht. Ein kopfbezogene (sog. "binaurale" bzw. "beidohrige"), räumliche
Audiowiedergabe wird heute z.B. eingesetzt bei der kommerziellen computergestützten
numerischen Akustiksimulation, in Computerspielen mit "Raumklang"-Unterstützung oder
in Form binauraler Aufnahmen von Soundwalks oder Soundscapes für Dokumentations- oder
Analysezwecke. Auch gibt es Bestrebungen, die binaurale, räumliche Audiowiedergabe
in der Telekommunikation einzusetzen, z.B. in virtuell-räumliche Telekanferenzsystemen.
[0003] Als Wiedergabeverfahren binauraler, räumlicher Aufnahmen oder Simulationsergebnisse
kann entweder die sog. transaurale (nicht aufliegende) oder die kopfhörerbasierte
(aufliegende) Technik zur Anwendung kommen. Die erstere erzielt die Übertragung der
binauralen Ohrsignale durch Lautsprechersignale, die mit speziellen Verfahren so vorbehandelt
wurden, dass jedes Ohr nur von den dafür vorbestimmen Schallanteilen erreicht wird
(sog. dynamische Übersprechkompensation). Der Einfachheit wegen werden jedoch oft
kopfhörerbasierte Wiedergabeverfahren verwendet. Untersuchungen zur klanglichen Perfektionierung
der binauralen Wiedergabe sind z.B. in dem Tagungs-Vortrag "
Evaluation of Equalization Methods for Binaural Signals." von Schärer, Z. und Lindau,
A. beschrieben (veröffentlicht auf der Tagung "
126th AES Convention" in München 7-10 Mai 2009, und dokumentiert als Drucksache Nr. 7721).
[0004] Demnach ist bekannt, dass die Klangfarbenverfälschung, die sowohl auf der Aufnahmeseite
wie auf der Wiedergabeseite auftritt, einen wesentlichen Qualitätsmangel darstellt
und möglichst eliminiert werden sollte. Auf der Aufnahmeseite ist die Klangfarbenverfälschung
im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die verwendeten Außenohrübertragungsfunktionen
bzw. Kimstkopfmikrofone immer auf der Anthropometrie eines einzigen Individuums beruhen.
Dadurch ergeben sich zwangsweise geometrische Abweichungen, die sich in individuell
mehr oder weniger starken Frequenzgangsverzerrungen der resultierenden Ohrübertragungsfunktionen
äußern. Ein vorteilhafter Lösungsvorschlag wird in der früheren, noch nicht veröffentlichten
Patentanmeldung
DE 10 2010 004 171 vorgeschlagen.
[0005] Auf der Wiedergabeseite, mit deren Technologien sich die vorliegende Erfindung befasst,
sind als wesentliche Ursachen von Klangfarbenverfälschungen die verwendeten Kopfhörer
selbst zu nennen. Diese sind üblicherweise herstellerseitig mit bestimmten Frequenzgängen
versehen ("Frei-" oder "Diffusfeldentzerrung"), welche dazu dienen, eine bessere klangfarbliche
Vergleichbarkeit der Kopfhörerwiedergabe mit der von normalen stereophonen Lautsprechersignalen
zu erreichen. Die Eignung konventioneller Kopfhörer zur binauralen Wiedergabe ist
sehr beschränkt, da eine klanglich umverfärbte Reproduktion der kopfbezogenen Aufnahmen
am Trommelfell bzw. am Ohrkanaleingang (offener oder geschlossener Ohkanal) erreicht
werden muss; also ein Kriterium, das aufgrund der vorgeschriebenen Schallfeldanpassungen
übliche Kopfhörer nicht erfüllen. In diesem Zusammenhang sind insbesondere folgende
Probleme bekannt: Die Frequenzgänge verschiedener Kopfhörer, sei es zwischen Produkten
verschiedener Hersteller oder zwischen verschiedenen Modeltypen eines Herstellers,
können signifikant voneinander unterscheiden. Auch besteht eine intra-individuelle
Varianz der Kopfhörer-Frequenzgänge (Frequenzgangsvariation beim wiederholten Aufsetzen)
und eine interindividuelle Frequenzgangsvariation. Die herkömmlichen Systeme zeigen,
in Abhängigkeit vom Prinzip der akustischen Ankopplung an das Ohr, eine mehr oder
weniger starke Variabilität bzgl. des wiederholten Auf- und Absetzens. Die schlechtesten
Eigenschaften zeigen dabei die suprauauralen (ohraufliegenden) Systeme, wenig besser
verhalten sich circumaurale (ohrumschließende) Systeme, am Besten verhält sich ein
'extraaurales' Modell mit "frei vor dem Ohr schwebenden" Lautsprechern. Ein weiteres
Problem der nicht-extraauralen Systeme ist das sog. leakage, bzw. der Leck-Betrieb.
Dabei wirken sich kleine, bewegungs- oder aufsetzpositionsbedingte Undichtigkeiten
an der Körperschlussstelle Polster-Ohr, bzw. Polster-Kopf in Form stark veränderter
Tiefbassfrequenzgänge aus. Unter dem Begriff 'extraaural' wird die nahe Ohrbeschallung
mit einem maximalen Ohr-Quellen-Abstand von etwa 0,5m verstanden bzw. auch jede "transaurale"
Wiedergabe, die mit einem solchen Ohr-Quellen-Abstand durchgeführt wird.
[0006] Aufgrund der genannten Einschränkungen wird die geforderte Frequenzgangslinearisierung
bei den verfügbaren konventionellen Systemen bisher meist durch nachträgliches individuelles
oder generisches Einmessen erreicht. Dazu werden Kompensationsfilter auf Basis empirischer
Kopfhörer-Ohr-Übertragungsfunktion erstellt. Als ein allgemeiner Mangel der Kopfhörerwiedergabe
ist zudem die unplausible Wiedergabe sehr tiefer Frequenzen (< 100 Hz) bekannt. Trotz
nominell identischer Frequenzgänge zeigt sich beim direkten Vergleich mit Lautsprechersystemen
ein fühlbarer Unterschied bei der Reproduktion sehr tieffrequenter Signale, der auf
eine mangelhafte Körperschallanregung bei der Wiedergabe mit Kopfhörern zurückführbar
ist. Die genannten Mängel der herkömmlichen Systeme führen zu mehr oder minder starken,
positions- und individuell bedingten Frequenzgangsverzerrungen. Diese äußern sich
besonders in einer Verfälschung der Klangfarbe, damit einhergehender verringerter
Natürlichkeit und Lokalisationsfehlem v.a. in der Medianebene, z.B. in Form einer
Verschlechterung der Vorne-Hinten-Diskrimination von Klangquellen. Im Stand der Technik
finden sich lediglich mehrkanalige Kopfhörersysteme zur näherungsweisen Darstellung
von Surroundsignalen oder Systemen mit inhärenter Ratunklangemulation. Wünschenswert
sind neue Lösungen mit dem Ziel einer Verbesserung der bestehenden Kopthörertechnik
unter dem expliziten Aspekt der optimalen Wiedergabe räumlicher, binauraler Signale.
[0007] Daher ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung eine Kopfhörer-Vorrichtung und ein
damit ausgestattetes System vorzuschlagen, welche die oben genannten Nachteile überwinden.
Insbesondere sollen die Kopfhörer-Vorrichtung und das System für die einfache und
naturgetreue Wiedergabe räumlicher, kopfbezogener Audiosignale geeignet sein, ohne
dass die oben genannten Einschränkungen konventioneller Kopfhörersysteme in Kauf genommen
werden müssen.
Gelöst wird die Aufgabe durch eine Kopfhörer-Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs
1 sowie durch ein damit ausgestattetes System zur Wiedergabe binauraler räumlicher
Audiosignale mit den Merkmalen des nebengeordneten Anspruchs.
Demnach wird eine Kopfhörer-Vorrichtung mit einem Kopfbügel vorgeschlagen, der zwei
Kopfbügelhälften aufweist, an deren Enden jeweils ein elektrodynamischer Treiber innerhalb
eines akustisch bedämpften, geschlossenen Gehäuses angeordnet ist, wobei die jeweilige
Kopfbügelhälfte einen Hohlraum aufweist, der akustisch mit dem bedämpften Gehäuse
verbunden ist und für den elektrodynamischen Treiber akustisch wirksam ist. Dabei
ist der jeweilige Hohlraum über ein verstellbares Verbindungselement mit dem bedämpften
Gehäuse verbunden, in dem sich der elektrodynamische Treiber (elektroakustischer Wandler)
befindet. Und das verstellbare Verbindungselement ist als ein hohlförmiges Winkelstück
ausgebildet, das drehbeweglich an dem Ende der Kopfbügelhälfte montiert ist.
Dadurch wird erreicht, dass in dem Kopfbügel des Kopfhörers selbst akustisch wirksame
Hohlräume vorgesehen sind, die mit den beiden elektrodynamischen Treibern (z.B. Miniaturlautsprechern)
räumlich verbunden sind und durch korrekte Abstimmung eine dem Treiber angepasste
akustische Bedämpfung ermöglichen. Dadurch kann ein extraaurales Kopfhörersystem realisiert
werden, bei dem insbesondere die folgenden zwei Optimierungsmaßnahmen erzielt werden,
die im Widerspruch zueinander stehen und daher nicht zusammen erreichbar erscheinen:
- a) Eine Miniaturisierung der elektrodynamischen Treiber, um die frequenzabhängige
Bündelung und das Aufbrechen in Partialschwingungen in möglichst hohe Frequenzbereich
zu verschieben und um gleichzeitig den Schallfeldwiderstand aus Sicht des Ohrkanals
zu reduzieren;
- b) Eine möglichst große Dimensionierung von elektrodynamischem Treiber und akustisch
wirksamem Gehäuse, um den bei extraauraler Bauweise bzw. Anordnung sich einstellenden
schwächeren Tieffrequenzschalldruckfrequenzgang mittels Filterung ausgleichbar zu
machen.
[0008] Eine gemeinsame Realisierung beider Maßnahmen a) und b) stellt an sich einen Widerspruch
dar, denn die elektrodynamischen Treiber (Kopfhörer-Lautsprecher) können nicht klein
und gleichzeitig groß dimensioniert werden. Gemäß der Erfindung wird jedoch ein miniaturisierter
Treiber eingesetzt, dessen Funktion durch die Ausbildung von Hohlräumen im Kopfhörerbügel
aufgewertet wird, so dass sich alle Vorteile der beiden Maßnahmen a) und b) ergeben
und ausgenutzt werden können. Es hat sich gezeigt, dass durch das Vorsehen von Hohlräumen
im Kopfbügel bzw. in dessen Bügelhälften relativ große Volumen von z.B. jeweils 200
ml realisiert werden können, so dass eine deutliche akustische Wirkung im Sinne der
Maßnahme b) erreicht werden kann.
[0009] Der jeweilige Hohlraum wird bevorzugt mit passenden akustischen Dämpfungselementen
ausgestattet. Der Kopfbügel oder zumindest die beiden Kopfbügelhälfte sind vorzugsweise
aus einem thermoplastischen Kunststoff gefertigt, wobei jeder Hohlraum möglichst kantenlos
ausgestaltet ist. Es kann vorgesehen sein, dass jeder der elektrodynamischen Treiber
über ein Kabel mit einem ein elektrisches Audiosignal liefernden Verstärker verbindbar
ist, wobei das Kabel durch den Hohlraum der jeweiligen Kopfbügelhälfte geführt ist.
Dabei ist es vorteilhaft, wenn die Kabel am Scheitelpunkt des Kopfhörers aus den oberen
Enden der Kopfhörerhälften herausgeführt sind. Zur Fixierung des Kopfhörers an einem
menschlichen Kopf weist jede Kopfbügelhälfte vorzugsweise mindestens einen mechanisch
dämpfenden Abstandshalter auf, der den Kopfbügel auf Abstand zum Kopf hält.
[0010] Das erfindungsgemäße System zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale ist
mit mindestens einem Verstärker zur Ausgabe mindestens eines elektrischen Audiosignals
für jeden binauralen Audiokanal versehen und mit der Kopfhörer-Vorrichtung verbindbar.
Vorzugsweise weist das System eine Signalverarbeitungseinheit auf, die je einem Verstärker
vorgeschaltet ist, um das elektrische Audio-Ausgangssignal aus einem Audio-Eingangssignal
zu erzeugen, wobei die Signalverarbeitungseinheit mindestens zwei wahlweise aktivierbare
Filterstufen aufweist. Insbesondere können die wahlweise aktivierbaren Filterstufen
zumindest zwei der folgenden Filter umfassen:
ein erstes Filter, das gemäß der Inversion einer individuellen Kopfhörer-AußenohrÜbertragungsfunktion
ausgelegt ist,
ein zweites Filter, das gemäß einer Inversion einer generischen Kopfhörer-AußenohrÜbertragungsfunktion
ausgelegt ist,
ein drittes Filter, das für eine Diffusfeldentzerrung ausgelegt ist, und/oder ein
viertes Filter, das für eine Freifeldentzerrung ausgelegt ist.
[0011] Das System kann auch eine zuschaltbare Subwoofer-Vorrichtung aufweisen.
[0012] Diese und weitere Vorteile ergeben sich auch aus den Unteransprüchen.
[0013] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen beschrieben, wobei
auf die beiliegenden Zeichnungen Bezug genommen wird, die folgende schematische Darstellungen
wiedergeben:
- Fig. 1
- zeigt eine erfindungsgemäße Kopfhörer-Vorrichtung;
- Fig. 2
- zeigt ein erfindungsgemäßes System zum Anschluss der Kopfhörer-Vorrichtung nach Fig.
1.
[0014] In der Fig. 1 sind beide Kopfhörerhälften KH und KH' einer asymmetrisch zur Spiegelachse
aufgebauten Kopfhörer-Vorrichtung K dargestellt. Der mechanische Aufbau der Kopfhörer-Vorrichtung,
im weiteren auch kurz Kopfhörer genannt, besteht also aus zwei spiegelbildlichen Hälften.
Wie anhand der Fig. 1 zu sehen ist, weist eine jede Kopfbügelhälfte KH einen Hohlraum
D auf, der akustisch wirksam verbunden ist mit dem jeweils am Bügelende angebrachten
elektrodynamischen Treiber, der hier in Form eines Miniaturlautsprechers L als sog.
2-Zoll-Konustreiber realisiert ist. Der Miniaturlautsprecher L befindet sich in einem
bedämpften Gehäuse A, das im oberen Bereich ein hohles Winkelstück B aufweist, welches
als akustisches und mechanisches Verbindungselement dient und drehbeweglich über ein
Gelenk C mit dem unteren Ende des Hohlraumes D verbunden ist. Durch Anbringen von
Rastungen am Gelenk C ist eine stufenweise Veränderung der horizontalen Winkeleinstellung
des Minaturlautsprechers bzw. des Gehäuses A möglich, z.B. in 3 Stufen von -25°, 0°,
25°. Der Aufbau erfolgt durch Steckmontage am Kopfbügel.
[0015] Der mit dem Gehäuse A verbundene Hohlraum D bildet einen deutlich vergrößerten Resonanzraum,
und damit ein deutlich vergrößertes akustisches Federvolumen für den jeweiligen Miniaturlautsprecher
L aus. Im vorliegenden Beispiel wird ein Gesamtvolumen von etwa 200 ml realisiert.
Das akustisch wirksame Kopfbügelvolumen endet kurz vor dem Scheitelpunkt des Bügels
und wird dort zu einem massiven Steg. Das Gehäuse A ist zudem ohne scharfe, akustisch
reflektierend wirkende Kanten ausgeführt, wodurch eine diffuse Streuung von zurück
geworfenen Schallanteilen und damit eine weitere Verringerung des vom Ohrkanal aus
sichtbaren Schallfeldwiderstands erreicht wird. Der Kopfhörerbügel ist aus einem thermoplastischen
Material gefertigt. Hierzu können übliche thermoplastische Kunststoffe verwendet werden,
wie z.B. Polypropylen, AcrylnitrilButadien-Styrol oder Polyamid.
[0016] Die Formgebung ist so gestaltet, dass der jeweilige Hohlraum D im Innern keine Kanten
oder Ecken aufweist. Außerdem ist der Hohlraum D im Innern akustisch gedämpft, indem
dort Dämpfungselemente DE angeordnet sind. Zur Fixierung an einem menschlichen Kopf
(nicht dargestellt) sind mehrere elastische Abstandshalter G vorgesehen, die für eine
Verringerung der mechanischen Belastung des Kopfes sorgen sollen. Die Länge des Abstandshalters
B kann durch geeignete Messungen nach an sich bekannten Verfahren unter der Prämisse
der Minimierung des Schallfeldwiderstands dimensioniert werden und beträgt etwa 1
bis 10 cm.
[0017] Die Kabelführung des Kabels E erfolgt durch den Hohlraum D und durch die verbundenen
hohlen Bauteile B und A hindurch bis zum Miniaturlautsprecher L. Das Austrittsloch
des Kabels E und befindet sich zentral am oberen Kopfende bzw. mittig im Scheitel
des Kopfbügels. Dort kann eine Durchgangsbohrung vorgesehen sein, die auch zur Befestigung
von Kopfbewegungs-Sensoren (Headtracking-Sensoren) oder zur festen Verbindung mit
HMDs (Head-Mounted Displays) dient. Soweit also räumliche Audiowiedergabe im Zusammenhang
mit multimodalen, z.B. audiovisuellen virtual reality Systemen Verwendung findet,
wird hier auch bei der konstruktiven Ausgestaltung bzw. dem Design (z.B. der Kopfbügel)
auf leichte Kombinierbarkeit mit handelsüblichen HMDs und Sensorik (head tracking)
zur Positionsverfolgung des Benutzers Wert gelegt.
[0018] Der in der Fig. 1 dargestellte Kopfhörer K erfüllt die Anforderungen eines extraauralen
Kopfhörersystems, welches aufgrund der frei vor dem Ohr angebrachten elektrodynamischen
Treibem (hier die Lautsprecherkapseln L und L') die eingangs genannten Probleme vorteilhaft
löst. Die Bestückung mit passenden elektrodynamischen Treibern ist von besonderer
Bedeutung. Hierfür besteht einerseits die Zielsetzung, dass die Dimensionierung sehr
klein sein muss, um frequenzabhängige Bündelung und das Aufbrechen in Partialschwingung
in möglichst hochfrequente Bereiche zu verschieben und gleichzeitig den Schallfeldwiderstand
aus Sicht des Ohrkanals zu reduzieren. Andererseits besteht die Zielsetzung, dass
die Dimensionierung der elektrodynamischer Treiber möglichst groß sein sollte, um
den bei extraauraler Bauweise schwächeren tieffrequenten Schalldruckfrequenzgang (bei
trotzdem ausreichenden, unverzerrten Schalldruckpegel auch bei größeren Ohrabständen)
mit Filterung ausgleichbar zu machen. Beide zueinander widersprüchlichen Zielsetzungen
können dennoch aufgrund der hier vorgeschlagenen Bauweise erreicht werden.
[0019] Mit Hilfe einer anhand der Fig. 2 noch näher beschriebenen aktiven elektrischen Entzerrung
kann eine akustische Signalbandbreite von 50 Hz - 16 kHz erzielt werden und kann damit
- bis auf den sehr tieffrequenten Bereich (ca. 20 - 50 Hz) - der volle Hörbereich
frequenzgangslinear am Ohr erzeugt werden. Somit wird hier die bei frei aufgehängten
Kopfhörerkapseln üblicherweise reduzierte Tiefbasswiedergabe überwunden.
[0020] Das in der Fig. 2 dargestellte System erzeugt für den zuvor beschriebenen Kopfhörer-
ein Audio-Ausgangssignal OUT, so dass mehrere nachfolgend noch genauer beschriebene
Frequenzgangziele erreicht werden. In der Fig. 2 ist zur Vereinfachung die Schaltung
für nur einen Audio-Kanal dargestellt.
[0021] Das System enthält eine Signalverarbeitungseinheit SV, die mit einem Audio-Eingangssignal
IN gespeist wird und mehrere aktivierbare Entzerrer EQ1 bis EQ4 aufweist, denen ein
Verstärker AMP nachgeschaltet ist, der schließlich das gewünschte Audio-Ausgangssignal
an den Kopfhörer abgibt. Zusätzlich enthält das System noch einen zuschaltbaren Subwoofer
SWF, der zur optionalen Erzeugung tieffrequenter Signale mit einem Tiefpass TP, einem
Verstärker AMP* und einem Lautsprecher LS* ausgestattet ist.
[0022] Die Aktivierung der Entzerrer und des Subwoofers erfolgt über entsprechende Schalter
S und S* bzw. Schaltungen, die auch Software realisiert sein können. In dem hier dargestellten
Beispiel werden die folgenden vier Aktivierungsoptionen realisiert, die jeweils einem
bestimmten Frequenzgangziel dienen:
[0023] Das erstere Frequenzgangziel hat den Anspruch einer höchsten erreichbaren Qualitätsstufe
und basiert auf der Schallwiedergabe mit linearem Frequenzgang am Ohrkanaleingang
unter Vernachlässigung von Außenohreinflüssen. Hierzu befindet sich der Schalter S
in der ersten Position "1", wodurch das Eingangssignal IN zunächst auf einen individuellen
Entzerrer IEQ geführt wird und dann über einen Hochpass auf den Entzerren EQ1 geführt
wird. Der individuelle Entzerrer IEQ ist durch ein Einmessen auf die persönliche Ohrübertragungsfunktion
konfiguriert und stellt somit ein persönliches Filter (Realisierung z.B. durch analoge
oder digitale IIR- oder FIR-Filter) dar. Das Filter kann also verschieden realisiert
und den Audiosignalen auf verschiedene Weise hinzugefügt werden, z.B. durch Vorfilterung
der Signale mit geeigneter Software, oder durch eine - als Zusatzausstattung - dem
Kopfhörer vorzuschaltende Echtzeitfilterbank (z.B. FIR-Filterung). Das vorgefilterte
Signal wird dann dem ersten Equalizer EQ1 (Sphere Flat) zugeführt und anschließend
im Verstärker AMP verstärkt bevor es aus Ausgangssignal OUT an den Kopfhörer K (s.
Fig. 1) abgegeben wird.
[0024] Das zweite Frequenzgangsziel wird in der Schalterposition "2" erreicht und basiert
auf einer generischen Inversion der Kopfhörer-Außenohrübertragungstrecke und macht
den Kopfhörer ad hoc (ohne weiteres Zubehör oder weitere Vorverarbeitung der Signale)
für ein breites Publikum zur räumlichen Audiowiedergabe, wenn auch unter Beibehaltung
von Anteilen der o. g. interindividuellen Frequenzgangsvariationen, nutzbar. Somit
ergibt sich die Übertragungsfunktion des zweiten Entzerrers EQ2 aus einer generischen
Inversion, d.h. aus Reihenmessungen an mehreren Personen mit dem Kopfhörer-System
im ersteren Frequenzgangzustand.
[0025] In diesen beiden Betriebszuständen (Schalterpositionen "1" und "2") sollte vorzugsweise
der Tieftonfrequenzgang unterhalb der unteren Eckfrequenz des Kopfhörersystems (<
90 Hz) durch Einkopplung des Subwoofers SWF mit regelbarer Übemahmefrequenz und Pegel
realisiert werden. Dazu wird der Schalter S* aktiviert. Auf diese Weise wird das Problem
der bei Kopfhörerwiedergabe räumlicher Signale an sich auftretenden mangelhaften Tiefbasswiedergabe
und Körperschallanregumg eliminiert.
[0026] Als weitere vorteilhafte Entzerrungsziele sind folgende zu nennen: Als drittes Ziel
soll eine Diffusfeld-Entzerrung durchgerührt werden. Dies geschieht in der Schalterposition
"3", also durch Aktivieren des dritten Entzerrers EQ3. Als viertes Ziel soll eine
FreifeldEntzerrung erfolgen. Dies geschieht unter Aktivieren des vierten Entzerresq
EQ4. Beide Entzerrer bzw. Filter lassen sich aus der Differenz der jeweiligen Schallfeldanpassung
zur generischen Kopfhörerübertragungsfunktion bestimmen. In diesem Betriebszustand
kann das dargestellte System auch wie ein herkömmlicher Kopfhörer betrieben werden,
wodurch ein - aus Kompatibilitätsgründen - althergebrachtes Zweitsystem dann nicht
mehr benötigt wird. Außerdem kann auch auf den Subwoofer SWF verzichtet werden.
[0027] Zum elektrischer Aufbau des in der Fig. 2 gezeigten System ist Außerdem Folgendes
zu sagen: In dem dargestellten Beispiel wird zum Betrieb des Kopfhörers ein 2-kanaliger
Kopfhörerverstärker AMP (60 W RMS-Leistung an 4 Ohm Last) mit vier schaltbaren aktiven
Filtersets (s. EQ1 bis EQ4) eingesetzt. In Filterstellung bzw. Schalterposition "1"
erzielt der Kopfhörer in einem Abstand von 1-10 cm an einem bündig in einer schallharten
Kugel (ø 18 cm) eingelassenen Mikrofon einen von 50 Hz - 16 kHz reichenden, linearen
Frequenzgang (daher die Bezeichnung "sphere flat"-EQ). In Filterstellung "2" wird
ein generisches Filter zur Kompensation der Kopfhörer-Außenohrübertragungsstrecke
realisiert. Aufgrund der tieffrequenten Auskopplung des Kopfhörers mit einer verbreiteten
und gutmütigen Hochpassfilterung von 24dB/Oktave Flankensteilheit bei 90 Hz kann in
diesem Fall nahezu jeder handelsübliche Subwoofer mit regelbarer Grenzfrequenz und
Lautstärke zur Ergänzung des tieffrequenten Frequenzgangs eingesetzt werden. In den
Filterstellungen "3" und "4" ist es möglich, den Kopfhörer als herkömmliches System
zur Wiedergabe von lautsprechstereofonen Signalen zu betreiben (dazu Filter III =
Diffusfeldentzerrung, Filter IV = Freifeldentzerrung). Dabei ist die untere Grenzfrequenz
zum Betrieb ohne Subwoofer durch aktive Filterung auf mindestens 70 Hz abzusenken.
Die notwendigen Filterkurven werden aus der Differenz der generischen Kopfhörerübertragungsfunktion
und den jeweiligen, einschlägig tabellierten Schallfeldanpassungen bestimmt.
Nachfolgend werden nach Art einer systematischen Übersicht der wesentlichsten Einflüsse,
die bei der Wiedergabe räumlicher, binauraler, Signale mit Kopfhörern zu Klangfarbenverfälschungen
führen, und den Beitrag, den das hier vorgestellte System zu deren Verbesserung liefert,
zusammenfassend beschrieben. Insbesondere werden hier die wesentlichen Vorteile bzw.
Alleinstellungsmerkmale des Systems noch einmal überblicksartig zusmmnengefasst:
In Filterstellung "1" fällt die bisher übliche individuelle oder generische Entzerrung
des Systems auf Basis von Einmessungen leichter, da weder Frei- noch Diffusfeldentzerrungen
rückgängig gemacht werden muss. Zudem ist die wahre individuelle Ohrübertragungsfunktion
mit einem nach Filter EQ1 entzerrten System zum ersten Mal ohne Konfundierung mit
Kopfhörereigenschaften bestimmbar. In Filterstellung "2" ist das System sofort und
ohne weitere Signalkonditionierung zur Wiedergabe binauraler Signale einsetzbar. Zum
Erreichen der vollen Audiobandbreite kann ein handelsüblicher Subwoofer SWF eingesetzt
werden. Dessen Ankopplung wird durch das extraaurale Design stark erleichtert und
führt zu einer wesentlich erhöhten Natürlichkeit des Hörerlebnisses von z.B. binauraler
Computerspielsoundtracks, Kinofilmen, Pop/Rockmusik oder klassischen Konzerten. Das
extraaurale Design ermöglicht das Erzielen einer optimalen akustischen Belastung des
Ohrkanalausgangs, wie es z.B. mit
in-ear Kopfhörern transportabler MP3-Player oder mit geschlossenen Kopfhörern gar nicht,
und mit offenen, circumauralen Systemen (wie z.B. den im
virtual reality Bereich weit verbreiteten Systemen) nur in Grenzen möglich ist. Zudem führt das extraaurale
Design zu einer Minimierung der intraindividuellen Frequenzgangsvarianz und schließt
die
leakage-Problematik gänzlich aus. Dabei ist das neue System im Subwooferbetrieb breitbandiger
als auf dem Markt befindliche offene Studiokopfhörersysteme. Im Filterzustand "3"
bzw. "4" ersetzt es den standardisierten Studiokopfhörer, wobei bei vielen bekannten
Systemen bei von einer tatsächlich standardisierten Wiedergabekurve bisher gar nicht
die Rede sein kann. Mit diesen Eigenschaften wird auf die Positionierung des Systems
als Referenzverfahren für Nutzer in den - nach Einschätzung der Autoren zunehmend
konvergierenden und expandierenden - Bereichen a) herkömmlicher und b) räumlicher
Audioproduktion und -rezeption abgezielt.
[0028] Was das Problem der
inter-individuellen Varianz von Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktionen (d.h. der Varianz
zw. verschiedenen Personen) angeht, so kommt es üblicherweise zu einer Verfärbung
bei Kompensation mit einer generischen, d.h. einer aus der Mittelung mehrerer individueller
Messungen erstellten Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktion. Aufgrund der als "sphere
flat" bezeichneten Grundentzerrung erlaubt das hier vorgestellte System erstmals eine
vom kopfhörereigenen Frequenzgang unabhängige Untersuchung bzw. Erhebung individueller
Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktionen. Es konnten folgende Abweichungen zum generischen
Wert (d.h. zum Mittelwert) festgestellt werden: 50-200 Hz ±3dB aufgrund der leakage-Problematik,
von 200 Hz bis 2 kHz geringe Unterschiede, von 2 bis 6 kHz Unterschiede bis ±3db ipsilateral
bzw. ±6B contralateral. Oberhalb 6kHz werden die Abweichungen zunehmend größer. Die
wesentlichen Vorteile einer generischen Inversion liegen in der Halbierung der maximalen
interindividuellen Fehlerausprägungen sowie in der hörerübergreifenden Annäherung
an ein gewünschtes Frequenzgangsziel.
Was das Problem der
intra-individuellen Varianz von KopfhöreraußenohrÜbertragungsfunktionen (d.h. der Varianz
der Übertragungsfunktion für eine einzelne Person, z.B. durch wiederholtes Aufsetzen)
angeht, so kommt es normalerweise zur Verfärbung bei Kompensation mit nicht-individuellen
Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktionen. Die intra-individuelle Frequenzgangsvarianz
von Kopfhörern führt zur Verfärbung bei Kompensation mit hochgenauen individuellen,
jedoch positionsspezifischen Kompensationsfiltern. Eine Bestimmung und Kompensation
der generischen Nahfeldaußenohrübeitragungsfunktion ist mit dem beschriebenen System
erstmals möglich. Es konnten folgende Ausprägungen intraindividueller Varianz festgestellt
bzw. erstmals abgeschätzt werden: 50-200 Hz ±3db ("leakage"-Problematik), 200-3 kHz
überwiegend geringer als ±1db, 3 bis 6 kHz (vor erster Außenohrantiresonanz) ±3dB,
oberhalb 6 kHz individuell sehr verschieden, maximal +10dB bis -25dB ("notch"-Problematik
bei einzelnen Personen jedoch auch nur ±3db. Das System schafft hier zudem eine deutliche
Reduzierung der Varianz durch sein extraaurales Design
[0029] Bezüglich der Frequenzgangziele "standardisiert frei- bzw. diffusfeldentzerrter Kopfhörer"
ist zu sagen, dass herstellerbedingte Unterschiede von biszu ±20dB festgestellt werden
konnten. Bezogen auf eine generische Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktion kann das
System eine vollständige Eliminierung von Klangverfärbungen, d.h. eine über eine Gruppe
von Personen im Mittel fehlerfreie frei- oder diffusfeldentzerrte Wiedergabe erreichen.
Die auftretende Frequenzgangsvarianz "standardisierter Kopfhörer" über Hersteller
und über Modelle kann also durch das erfindungsgemäße Systeme vollständig eliminiert
werden.
[0030] Zur "Beschränkten Tiefbasswiedergabe" ist zu sagen, dass bei herkömmlichen Systemen
im Vergleich mit der Realität der Eindruck eines mangelhaften Tiefbasses entsteht.
Dies wird hier durch optionalen Einsatz eines Subwoofer gelöst.
[0031] Mit der hier vorgeschlagenen Konstruktion einer Kopfhörer-Vorrichtung (Fig. 1) und
eines Systems (Fig. 2) zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale ist es möglich,
einen miniaturisierten elektrodynamischen Treiber bzw. Miniaturlautsprecher einzusetzen,
so dass der Schallfeldwiderstand vor dem Ohrkanal möglichst reduziert ist und frequenzabhängige
Bündelungen und das Aufbrechen in Partialschwingungen in möglichst hohe Frequenzbereiche
verschoben werden. Durch die Schaffung des akustisch an den elektrodynamischen Treiber
angekoppelten Hohlraumes D innerhalb der Kopfhörerbügelhälfte KH (s. Fig. 1) stellt
sich der miniaturisierte elektrodynamische Treiber akustisch wirksam als ein hinreichend
groß dimensionerter Treiber dar, was es wiederum ermöglicht, den an sich bei extraauraler
Bauweise bzw. Anordnung sich einstellenden schwächeren Schalldruckfrequenzgang nun
mittels Filterung effektiv ausgleichen zu können. Durch den Einsatz entsprechender
Filter und durch wahlweises Einschalten verschiedener Filterstufen (s. Fig. 2) ist
ein Optimierungssystem für den jeweils vorgesehenen Anwendungsbereich erzielbar. Insbesondere
wird ein generisches Filter EQ2 zur Kompensation der Kopfhöreraußenohrübertragungsstrecke
eingesetzt (Schalterstellung "2"), wobei zusätzlich ein Subwoofer mit regelbarer Grenzfrequenz
und Lautstärke zum Einsatz kommt, um den tieffrequenten Frequenzgang darzustellen,
den der Kopfhörer an sich nicht leisten kann. In einer anderen Variante (Filterstellung
"1") wird durch Einmessen auf die persönliche Ohrübertragungsfunktion ein persönliches
Filter IEQ definiert und eingesetzt, so dass eine sehr hohe Qualitätsstufe der Schallwiedergabe
mit linearen Frequenzgang am Ohrkanaleingang unter gleichzeitiger Kompensation verfälschender
Außenohreinflüssen erzielt werden kann. Auch in diesem Falle ist es von Vorteil, wenn
ein Subwoofer zugeschaltet wird.
[0032] Wahlweise kann auch ein drittes Filter EQ3 zum Einsatz kommen, welches für eine Diffusfeldentzerrung
sorgt. Alternativ kann auch ein Filter EQ4 zur Freifeldentzerrung eingesetzt werden.
Durch Absenkung der unteren Eckfrequenz auf beispielsweise 70 Hertz, welches durch
weitere aktive Filterung möglich ist, kann auf den Einsatz auf den Subwoofer hier
verzichtet werden.
[0033] In der Filterstellung "1" ("sphere flat"- Entzerrung) ist das System insbesondere
dazu geeignet, eine individuelle Entzerrung einzustellen.
[0034] In Filterstellung "2" (generische Entzerrung) ist das System insbesondere dazu geeignet,
sofort und ohne weiteres als binauraler Wiedergabesystem eingesetzt zu werden, beispielsweise
im Bereich der Widergabe von Computerspielen, Soundtracks, vielen Kinofilmen, Pop-
oder Rockmusik oder klassischen Konzerten. Dabei wird die sogenannte Leakage-Problematik
gänzlich ausgeschlossen. Zudem ist das System im Subwoofer-Bereich deutlich breitbandiger
ausführbar als dies von üblichen Kopfllörersystemen bekannt ist.
[0035] In der Filterstellung "3" bzw. "4" kann eine der Wiedergabe mit herkömmlichen Studiokopfhörer
ähnliche Schallreproduktion realisiert werden.
[0036] Die Erfindung schafft eine wesentliche Verbesserung aller bisher existierenden Anwendungen
mit räumlicher, binauraler, d. h. auf Ohrsignalen beruhender Audiowiedergabe. Dazu
zählen z.B. binaurale Raumakustiksimulationen, 3D Virtual Auditory Displays im Allgemeinen,
räumliche Akustik in Computerspielen, virtuelle Chaträume, binaurale Guidance & Alerting
Systeme, binaurale walkthroughs z.B. durch virtuelle Architektur, Ausstellungen oder
in multimodalen Mediashows, Wiedergabe von Kunstkopfäufhahmen sowie alle zukünftig
denkbaren rich-media Anwendungen mit binauraler, räumlicher Audiowiedergabe wie z.B.
binaurales Teleconferencing via VoIP oder binaurales Streaming von Livekonzerten.
Für alle diese Anwendungen ist das vorgestellte System als standardisiertes Endgerät
denkbar. Aufgrund seiner Eigenschaften wird auf die Positionierung des Systems als
Referenzwiedergabeverfahren für Nutzer in den Bereichen herkömmliche und räumliche
Audioproduktion und -rezeption abgezielt.
1. Kopfhörer-Vorrichtung (K) zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale mit einem
Kopfbügel, der zwei Kopfbügelhälften (KH, KH') aufweist, an deren Enden jeweils ein
elektrodynamischer Treiber (L, L') innerhalb eines akustisch bedämpften Gehäuses (A,
A') angeordnet ist, wobei die jeweilige Kopfbügelhälfte (KH) einen Hohlraum (D) aufweist,
der akustisch mit dem bedämpften Gehäuse (A) verbunden ist und für den elektrodynamischen
Treiber (L) akustisch wirksam ist, dadurch gekennzeichnet, dass der Hohlraum (D) über ein verstellbares Verbindungselement (B) mit dem bedämpften
Gehäuse (A) verbunden ist, und dass das verstellbare Verbindungselement als ein hohlförmiges
Winkelstück (B) ausgebildet ist, das drehbeweglich an dem Ende der Kopfbügelhälfte
(KH) montiert ist.
2. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Hohlraum (D) mit akustischen Dämpfungselementen (DE) ausgestattet ist.
3. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass jede Kopfbügelhälfte (KH) aus einem thermoplastischen Kunststoff gefertigt ist.
4. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Gehäuse (A) kantenlos ausgebildet ist.
5. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass jeder der elektrodynamischen Treiber (L) über ein Kabel (E) mit einem ein elektrisches
Audio-Ausgangssignal (OUT) liefernden Verstärker (AMP) verbindbar ist, wobei das Kabel
(E) durch den Hohlraum (D) der jeweiligen Kopfbügelhälfte (KH) geführt ist.
6. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Kabel (E) am Scheitelpunkt des Kopfhörers aus den oberen Enden der Kopfhörerhälften
(KH) herausgeführt sind.
7. Kopfhörer-Vorrichtung (K) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zur Fixierung des Kopfhörers (K) an einem menschlichen Kopf jede Kopfbügelhälfte
(KH) mindestens einen mechanisch dämpfenden Abstandshalter (G) aufweist, der den Kopfbügel
auf Abstand zum Kopf hält.
8. System zur Wiedergabe binauraler räumlicher Audiosignale mit mindestens einem Verstärker
(AMP) zur Ausgabe mindestens eines elektrischen Audio-Ausgangssignals (OUT) für jeden
Stereokanal und mit einer daran angeschlossenen Kopfhörer-Vorrichtung (K) gemäß einem
der Ansprüche 1-7.
9. System nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass jeder elektrodynamische Treiber (L) über ein Kabel (E) mit dem das elektrische Audio-Ausgangssignal
(OUT) liefernden Verstärker (AMP) verbindbar ist, wobei das Kabel (E) durch den Hohlraum
(D) der jeweiligen Kopfbügelhälfte (KH) geführt ist.
10. System nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass das System eine Signalverarbeitungseinheit (SV) aufweist, die dem mindestens einen
Verstärker (AMP) vorgeschaltet ist, um das elektrische Audio-Ausgangssignal (OUT)
aus einem Audio-Eingangssignal (IN) zu erzeugen, wobei die Signalverarbeitungseinheit
(SV) mindestens zwei wahlweise aktivierbare Filterstufen (EQ1...EQ4) aufweist.
11. System nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, dass die wahlweise aktivierbaren Filterstufen zumindest zwei der folgenden Filter umfassen:
ein erstes Filter (EQ1), das gemäß der Inversion einer individuellen Kopfhöreraußenohrübertragungsfunktion
ausgelegt ist,
ein zweites Filter (EQ2), das gemäß der Inversion einer generischen Kopfhöreraußenohrübertragungsstrecke
ausgelegt ist,
ein drittes Filter (EQ3), das für eine Diffusfeldentzerrung ausgelegt ist, und/oder
ein viertes Filter (EQ4), das für eine Freifeldentzerrung ausgelegt ist.
12. System nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das System eine zuschaltbare Subwoofer-Vorrichtung (SWF) aufweist.
13. System nach einem der Ansprüche 12, dadurch gekennzeichnet, dass die zuschaltbare Subwoofer-Vorrichtung (SWF) mit einer Pegelregelung und/oder eines,
insbesondere im Bereich von 50-200Hz, regelbaren Tiefpassfilters zur Einstellung der
Übernahmefrequenz zum Kopfhörersystem ausgestattet ist.
1. A headphone device (K) for reproducing binaural spatial audio signals with a headband,
which has two headband halves (KH, KH'), each of which is provided with an electrodynamic
driver (L, L') within an acoustically damped housing (A, A'), the respective headband
half (KH) having a cavity (D) which is acoustically connected to the dampened housing
(A) and is acoustically active for the electrodynamic driver (L),
characterized in that the cavity (D) is connected to the dampened housing (A) by means of an adjustable
connecting element which is designed as s a hollow-shaped angle piece (B) which is
pivotably mounted on the end of the headband half (KH).
2. The headphone device (K) according to claim 1, characterized in that the cavity (D) is equipped with acoustic damping elements (DE).
3. The headphone device (K) according to claim 1 or 2, characterized in that each headband half (KH) is made from a thermoplastic.
4. The headphone device (K) according to one of the preceding claims, characterized in that the housing (A) is designed without edges.
5. The headphone device (K) according to one of the preceding claims, characterized in that each of the electrodynamic drivers (L) is connectable via a cable to an amplifier
(AMP) which supplies an electrical audio output signal (OUT), wherein the cable (E)
is guided through the cavity (D) of the respective headband half (KH).
6. The headphone device (K) according to claim 5, characterized in that the cables (E) at the apex of the headphone are led out from the upper ends of the
headphone halves (KH).
7. The headphone device (K) according to one of the preceding claims, characterized in that, for fixing the headphone (K) on a human head, each headband half (KH) has at least
one mechanically damping spacer (G) which keeps the headband at a distance from the
head.
8. System for reproducing binaural spatial audio signals with at least one amplifier
(AMP) for outputting at least one electrical audio output signal (OUT) for each stereo
channel and with a headphone device (K) according to one of claims 1-7 connected thereto.
9. The system according to claim 8, characterized in that each of the electrodynamic drivers (L) is connectable via a cable to an amplifier
(AMP) which supplies an electrical audio output signal (OUT), wherein the cable (E)
is guided through the cavity (D) of the respective headband half(KH).
10. The system according to claim 8 or 9, characterized in that the system comprises a signal processing unit (SV) which is connected upstream of
the at least one amplifier (AMP) to convert the electrical audio output signal (OUT)
from an audio input signal (IN), wherein the signal processing unit (SV) having at
least two selectively activatable filter stages (EQ1 ... EQ4).
11. System according to claim 10,
characterized in that the selectively activatable filter stages comprise at least two of the following
filters:
a first filter (EQ1) designed according to the inversion of an individual earphone
external ear transmission function,
a second filter (EQ2) designed according to the inversion of a generic headphone outer
ear transmission path,
a third filter (EQ3) designed for diffuse field equalization and/or
a fourth filter (EQ4) which is designed for a free-field equalization.
12. The system according to one of the claims 8 to 11, characterized in that the system comprises a switchable subwoofer device (SWF).
13. System according to claim 12, characterized in that the switchable subwoofer device (SWF) is equipped with a level control and/or a low-pass
filter which is controllable, in particular in the range of 50-200 Hz, for setting
the transfer frequency to the headphone system.
1. Un dispositif d'écouteurs (K) pour la reproduction de signaux audio spatiaux binauraux
avec un serre-tête, qui comporte deux demi serre-têtes (KH, KH'), chacune d'entre
eux disposant d'un transducteur électrodynamique (L, L') au sein d'un boîtier acoustiquement
amorti (A, A'), le demi serre-tête respectif (KH) ayant une cavité D qui est acoustiquement
connectée au boîtier amorti (A) et qui est acoustiquement actif pour le transducteur
électrodynamique (L),
caractérisé en ce que la cavité (D) est connectée au boîtier amorti (A) au moyen d'un élément de liaison
réglable qui est conçu sous la forme d'une pièce angulaire de forme creuse (B) montée
de manière pivotante sur l'extrémité du demi serre-tête.
2. Le dispositif d'écouteurs (K) selon la revendication 1, caractérisé en ce que la cavité (D) est équipée d'éléments d'amortissement acoustique (DE).
3. Le dispositif d'écouteurs (K) selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que chaque demi serre-tête (KH) est réalisé en matériau thermoplastique.
4. Le dispositif d'écouteurs (K) selon l'une quelconque des revendications précédentes,
caractérisé en ce que le boîtier (A) est dénué d'arête.
5. Le dispositif d'écouteurs (K) selon l'une quelconque des revendications précédentes,
caractérisé en ce que chaque transducteur électrodynamique (L) est connectable par l'intermédiaire d'un
câble à un amplificateur (AMP) qui fournit un signal de sortie audio électrique (OUT),
dans lequel le câble (E) est guidée au travers la cavité (D) du demi serre-tête respectif
(KH).
6. Le dispositif d'écouteurs (K) selon la revendication 5, caractérisé en ce que les câbles (E) au sommet de l'écouteur sortent des extrémités supérieures des demi
serre-tête (KH).
7. Le dispositif d'écouteurs (K) selon l'une quelconque des revendications précédentes,
caractérisé en ce que pour la fixation du dispositif d'écouteurs (K) sur une tête humaine, chaque demi
serre-tête (KH) présente au moins une entretoise d'amortissement mécanique (G), qui
maintient le serre-tête à distance de la tête.
8. Un système de reproduction de signaux audio spatiaux binauraux avec au moins un amplificateur
(AMP) pour générer au moins un signal de sortie audio électrique (OUT) pour chaque
canal stéréo et en connexion avec un dispositif d'écouteurs (K) selon l'une des revendications
1-7.
9. Le système selon la revendication 8, caractérisé en ce que chaque transducteur électrodynamique (L) peut être raccordé via un câble à un amplificateur
(AMP), lequel fourni un signal de sortie audio électrique (OUT), dans lequel le câble
(E) est guidé à travers la cavité (D) du demi serre-tête respectif (KH).
10. Le système selon la revendication 8 ou 9, caractérisé en ce que le système comprend une unité de traitement de signal (SV) qui est connectée en amont
au(x) amplificateur(s) (AMP) pour la conversion d'un signal de sortie audio électrique
(OUT) émanant d'un signal d'entrée audio (IN), dans lequel l'unité de traitement de
signal (SV) présent au moins deux étages de filtre sélectivement activables (EQ1 ...
EQ4).
11. Le système selon la revendication 10,
caractérisé en ce que les étages de filtre activable comportent au moins deux filtres parmi les suivants
:
un premier filtre (EQ1) qui est conçu comme l'inversion de la fonction de transmission
de l'oreille externe de l'écouteur,
un second filtre (EQ2) qui est conçu comme l'inversion du canal de transmission de
l'oreille extérieur d'un écouteur générique ;
un troisième filtre (EQ3) qui est conçu pour une égalisation de champ diffus, et 1
ou un quatrième filtre (EQ4), qui est conçu pour une égalisation en champ libre.
12. Le système selon l'une quelconque des revendications 8 à 11, caractérisé en ce que le système comprend un dispositif de subwoofer commutable (SWF).
13. Le système selon la revendication 12, caractérisé en ce que le dispositif de subwoofer commutable (SWF) est équipé d'une commande de niveau et/ou
d'un filtre passe bas qui est commandable, en particulier dans la gamme de 50-200
Hz, pour venir fixer la fréquence de transfert du dispositif d'écouteurs.