[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Mehrnadelkopf-Stickmaschine gemäss Oberbegriff
von Anspruch 1 und ein Verfahren gemäss Oberbegriff von Anspruch 12.
[0002] Gemäss dem Buch "
Stickereitechniken" von Friedrich Schöner und Klaus Freier (VEB Fachbuchverlag Leipzig,
1982, 1.Auflage) können die Stickmaschinen nach unterschiedlichen Gesichtspunkten unterteilt werden:
Eine erste Einteilungsart orientiert sich an der Anzahl der am Stickprozess beteiligten
Fadensysteme: Bei einigen Maschinen wird die Stickerei nur von einem Fadensystem erzeugt,
andere Maschinen benötigen zwei Fadensysteme, nämlich zusätzlich noch einen zweiten
Unter-, Hinter-, Spulchen-, Schiffchen- oder Bobinenfaden.
[0003] Eine zweite Einteilungsart orientiert sich an der Anzahl der gleichzeitig arbeitenden
Nadeln: Zu den einnadligen Stickmaschinen zählen die Singer-, Adler- und die Kurbelstickmaschine.
Mehrnadlige oder Rapportstickmaschinen sind Schiffchenstickmaschinen und die Handstickmaschine.
[0004] Neben diesen beiden Gruppen gibt es noch die Mehrkopf-Stickmaschine, die keiner der
beiden vorgenannten Gruppen zugeordnet werden kann. Das Prinzip dieser Maschine beruht
darauf, dass auf eine grosse Tischplatte 3, 4, 6,10 oder 12 Singerstickmaschinenköpfe
aufmontiert sind, die durch eine gemeinsame Antriebswelle in Bewegung gesetzt werden.
Der dadurch erreichte Synchronlauf der Köpfe ist notwendig, damit alle Nadeln gleichzeitig
einstechen oder aus dem Stickboden heraus sind. Dabei kann der Stickboden für jeden
Kopf einzeln in einem Stickrahmen eingespannt sein. Diese Stickrahmen werden mittels
Schraubverbindungen an einem gatterähnlichen Gebilde, das von einem kleinen Automaten
aus in der horizontalen Ebene gesteuert wird, befestigt. Bei einem Stickautomaten
mit 6 Köpfen beträgt das Stickfeld ca. 240 x 200 mm. Die Stichbildungsorgane und der
Stichbildungsprozess sind identisch mit denjenigen der Singer Stickmaschine. Einziger
Unterschied zu diesen ist, dass an jeder Nadel noch ein Stoffdrücker vorgesehen ist,
welcher den Stickboden während der Stichbildung festhält. Der Stoffdrücker wird immer
dann angehoben, wenn sich der Stickrahmen weiter bewegt. Ausserdem sind einzelnen
Stickköpfe in der Regel mit einem Fadenwächtersystem ausgestattet, das die Maschine
bei Fadenbruch automatisch abschaltet.
[0005] Die vorliegende Erfindung bezieht sich unter anderem auf Mehrkopf-Mehrnadel-Sticknähmaschinen,
bei welchen jeder Stickkopf mit einer Mehrzahl von Nadelstellen ausgestattet ist.
Nachfolgend werden diese Mehrkopf-Mehrnadel-Sticknähmaschinen in der Beschreibung
auch vereinfachend als Mehrnadelkopf- oder Mehrkopf-Stickmaschinen bezeichnet. Dabei
umfasst im Regelfall jede Nadelstelle einen Fadenwächter (optional), einen Fadenleiter
(in der Literatur auch als Fadenaufnahmehebel bezeichnet), Fadenführungseinrichtungen,
einschliesslich stichausgleichender Fadenspannungsteile, für den Oberfaden und eine
an einem Nadelstössel angeordnete Nadel, welche auf- und ab bewegbar geführt und von
einer Antriebseinheit angetrieben ist. Die vorerwähnten stichbildenden Komponenten
werden in der vorliegenden Beschreibung gesamthaft auch als Oberfadeneinheit bezeichnet.
Die Stickköpfe der Mehrkopf-Stickmaschinen sind auf einem Tragarm lateral verschiebbar
gelagert. Unterhalb jedes Stickkopfes befindet sich eine Stichplatte, in welcher ein
Nadelloch für die Nadel vorgesehen ist und welche die Stick- resp. Stichstelle örtlich
definiert. Jede Nadel eines Stickkopfes ist lateral zur erwähnten Stichstelle verschiebbar,
auf welcher im Betrieb das in einem in x- und y-Richtung verschiebbaren Spannrahmen
aufgespannte Stickgut aufliegt. Jene Nadel, welche sich an der Stichstelle befindet,
dringt bei der Nadelbewegung durch das Stickgut und in das Nadelloch. Dabei wird der
Oberfaden durch das Stickgut geführt und durch eine entsprechende Nadelbewegung eine
Schlaufe auf der Rückseite des Stickguts gebildet. Durch diese Schlaufe wird dann
der Unterfaden geführt. Beim Rückzug der Nadel wird der Oberfaden angezogen und im
Stickgut ein sogenannter Stich gebildet. Beim Sticken ist jeweils nur eine der Nadelstellen
aktiv, nämlich diejenige welche sich an der Stichstelle befindet. Die Stickköpfe der
erwähnten Mehrkopf-Stickmaschinen sind in bekannter Art in einem bestimmten Rapportverhältnis
entlang des Tragarms angeordnet.
[0006] Ein Charakteristikum dieser Mehrkopf-Mehrnadel-Sticknähmaschinen ist also, dass pro
Stickkopf eine Mehrzahl von Nadelstellen vorhanden ist. Dies hat den Vorteil, dass
jede Nadelstelle mit einem anderen Faden ausgerüstet sein kann und daher Buntstickereien
ausgeführt werden können, indem immer nur die entsprechende Nadel in Tätigkeit gesetzt
wird.
[0007] Die Nadelstössel und die ihnen zugeordneten Fadenhebel einer Nadelgruppe sind üblicherweise
in einem Nadelgehäuse oder Träger gelagert, der zum Zwecke des Fadenwechsels durch
Verschieben den ausgewählten Nadelstössel und den dazugehörigen Fadenhebel vor einen
ortsfest angebrachten Antrieb bringt.
[0008] Eine konventionelle Mehrkopf-Mehrnadel-Sticknähmaschine ist beispielhaft in den Figuren
1 und 2 dargestellt. Diese umfasst ein Gestell 201, einen am Gestell 201 angeordneten
Sticktisch 203 und eine Mehrzahl von in Reihe oberhalb des Sticktischs angeordneter
Stickköpfe 205. Wie aus Figur 2 ersichtlich ist, besitzt jeder Stickkopf 205 mehrere
mit je einer Nadel 215 ausgerüstete Nadelstellen. Jede Nadelstelle umfasst dabei stationäre
Fadenführungselemente 207 bzw. Fadenbremsen, einen auf- und ab beweglichen Fadenaufnahmehebel
resp. Fadenleiter 209, Fadenumlenkteile 211 und eine an einem Nadelkrebs 213 mit Nadelstössel
214 angeordnete Nadel 215. Wie aus Figur 2 weiter ersichtlich ist, ist jeder Nadelstössel
214 mit einem Stoffdrücker 217 ausgestattet. Unterhalb der Stickköpfe 205 sind Stickrahmen
219 vorgesehen, in welchen ein zu bestickender Stickgrund aufspannbar ist. Die Stickrahmen
219 können in einen grossen Spannrahmen 221, welcher sich über die Breite des Sticktischs
203 erstreckt, eingesetzt sein. Der Spannrahmen 221 ist in bekannter Art in x- und
y-Richtung verschiebbar. Wie oben bereits erwähnt, sind die Stickköpfe an einer Linearführung
223 angeordnet und entlang dieser in x-Richtung verschiebbar.
[0009] Für den Nadelwechsel muss der Stickkopf lateral, d.h. in x-Richtung, verschoben werden.
Dabei wird die aktive Nadelstelle vom Antrieb entkoppelt und eine andere Nadelstelle
mit dem Antrieb gekoppelt. Bekannte Schaltvorrichtungen, um die Nadelstellen zu koppeln
resp. zu entkoppeln sind meist kompliziert und teuer in der Herstellung. Ein weiterer
Nachteil ist, dass bei konventionellen Mehrkopf-Mehrnadel-Stickmaschine zum Bohren
der Nadelkopf mit Nadelkrebs gegen einen Bohrer ausgetauscht werden muss. Dies ist
sehr zeitaufwändig und verursacht einen längeren Maschinenstillstand. Als nachteilig
ist bei konventionellen Kleinstickmaschinen auch anzusehen, dass zum Bohren zuerst
auf die umfunktionierte Nadel-/Bohrstelle bewegt werden muss, d.h. es muss ein sog.
Nadelwechsel durchgeführt. Dabei wird der Stickkopf lateral wegbewegt und nach dem
Bohren wieder auf die ursprüngliche Nadelposition zurückbewegt. Noch ein Nachteil
ist, dass die Bohrtiefe nicht beliebig einstellbar ist, sondern durch den Hub des
Nadelstössels vorgegeben ist.
[0010] Die
EP-A-0 911 437 offenbart eine Stickmaschine mit einer Vielzahl von einzeln ein- und ausschaltbaren
Stickstellen. Dabei dient ein beweglicher Fadenleiter als eines der Stichbildungsorgane.
Diese Stickmaschine ist dadurch gekennzeichnet, dass die jeweilige Stickstelle einen
individuellen ein- und ausschaltbaren Fadenleiter aufweist. Im Übrigen besitzt die
Stickmaschine separate Antriebswellen für den Bohrer und den Nadelstössel, wobei die
hin- und hergehende Bewegung des Nadelstössels durch auf der Hauptantriebswelle sitzende
Kurvenscheiben erzeugt wird. Zwischen dem Kurvenhebel des Stoffdrückers und der Antriebswelle
für den Bohrerantrieb ist eine Kupplung vorgesehen, welche in den Figuren nur schematisch
eingezeichnet ist. Im Stickbetrieb der Stickmaschine, d.h. wenn der Nadelstössel hin-
und herbewegt wird, sind der Kurvenhebel des Stoffdrückers und die Antriebswelle des
Bohrers entkoppelt, weil mit einer Stickstelle nicht gleichzeitig gebohrt und gestickt
werden kann. Im Bohrbetrieb hingegen wird der Kurvenhebel des Stoffdrückers mit der
Antriebswelle des Bohrers gekoppelt, weil der Stickgrund beim Bohren analog zum Sticken
ebenfalls festgehalten sein muss. Das heisst, der Bohrerantrieb wird dazu verwendet,
im Bohrbetrieb den Stoffdrücker zu bewegen.
[0011] Das
CH Patent Nr. 691 688 beschreibt eine zweistöckige Stickmaschine, bei welcher eine oder mehrere Antriebswellen
im sogenannten Nadelwagen angeordnet sind. Im Übrigen besteht auch beim
CH Nr. 691 688 analog zur Stickmaschine der
EP-A-0 911 437 eine Kupplung zwischen dem Bohrerantrieb und dem Stoffdrückerhebel, um den Stoffdrücker
mittels des Bohrerantriebs bewegen zu können.
[0012] Die
DE-OS-30 23 160 offenbart eine Schiffchenstickmaschine mit annähernd rechtwinklig zur Ebene des Stickrahmens
verschiebbaren Nadelträgern und Bohrerträgern, sowie Antriebselementen für die Verschiebung
derselben. Dabei sind die Nadelträger und die Bohrerträger in horizontalen Führungen
einer feststehenden Schiene verschiebbar gehalten. An den Nadelträgem und Bohrerträgem
sind um eine horizontale Achse verschwenkbare Arme befestigt, welche Einschnitte,
Vorsprünge oder dergleichen für eine formschlüssige Wirkverbindung mit einem Antriebselement
aufweisen. Die Arme sind mit mechanischen, elektrischen oder pneumatischen Steuerelementen
in Wirkverbindung, um die Arme mit dem Antriebselement zu koppeln oder zu entkoppeln.
Ein Vorteil der beschriebenen Schiffchenstickmaschine ist, dass für den Antrieb von
Nadelträger und Bohrerträger ein gemeinsames Antriebselement vorgesehen ist, wodurch
wesentliche mechanische Teile eingespart werden können.
[0013] Die
EP-A-0 634 512 bezieht sich auf einen Stickstellenantrieb für eine Stickmaschine mit einer grossen
Anzahl in einer oder mehreren Reihen in gleichem Abstand angeordneten Stickstellen
mit den dazugehörigen Werkzeugen wie Nadel, Bohrer, Fadenleiter und Fadenbremse. Dabei
können die Stickwerkzeuge jeder Stickstelle an ihre jeweiligen Antriebsmittel an-
bzw. abgekoppelt werden. Dafür sind pro Stickstelle zwei oder mehrere Aktoren angeordnet,
die jeweils ein oder mehrere Stickwerkzeuge mit ihren jeweiligen Antrieben koppeln
oder entkoppeln. Das Besondere des beschriebenen Stickstellenantriebs ist, dass pro
Stickstelle nur ein Schaltelement vorgesehen ist, das alle Aktoren der Stickstelle
gemeinsam schaltet. Ansonsten sind in an sich bekannter Art die Nadeln und Bohrer
aller Stickstellen durch je eine separate Welle angetrieben.
[0014] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Mehrkopf-Mehrnadel-Stickmaschine,
nachfolgend auch Mehrnadelkopf-Stickmaschine genannt, vorzuschlagen, mit welcher ohne
langwierige Umrüstung gebohrt werden kann und welche kostengünstig herstellbar ist.
Noch ein Ziel ist es, eine Mehrkopf-Mehrnadel-Stickmaschine vorzuschlagen, mit welcher
auch gebohrt werden kann, ohne dass eine Umrüstung nötig ist.
[0015] Erfindungsgemäss wird die Aufgabe bei einer Stickmaschine gemäss Oberbegriff von
Anspruch 1 dadurch gelöst, dass eine zweite Kupplung vorgesehen ist, um die Bohrvorrichtung
resp. den Bohrer mit dem Antrieb eines der stichbildenden Organe zu koppeln oder von
diesem zu entkoppeln. Die erfindungsgemässe Mehrnadelkopf-Stickmaschine hat den grossen
Vorteil, dass für den Bohrer keine separate Antriebswelle benötigt wird, sondern eine
bereits vorhandene Antriebswelle, die Antriebswelle für den Antrieb des Nadelstössels
oder die Antriebswelle für den grossen Fadenleiter, für den Antrieb des axial beweglich
geführten Bohrers verwendet wird. Durch diese Vereinfachung ist die Maschine in der
Herstellung deutlich günstiger. Nachfolgend wird eine konkrete Ausführungsform der
Erfmdung anhand des Nadelantriebs beispielhaft dargestellt, wobei anstelle des Nadelantriebs
auch der Antrieb für den grossen Fadenleiter oder ein weiterer vorhandener Antrieb
eingesetzt sein könnte.
[0016] Ein grosser Vorteil der erfindungsgemässen Lösung ist, dass bei Mehrkopf-Mehrnadel-Stickmaschinen
von jeder Farbe aus gebohrt werden kann, ohne dass eine umständliche Umstellung nötig
wäre. Insbesondere muss der Faden hierzu auch nicht geschnitten und nach dem Bohren
wieder angestickt zu werden.
[0017] Gemäss einer bevorzugten Ausführungsform ist das stichbildende Organ ein axial beweglich
geführter Nadelstössel oder ein oszillierender, insbesondere verschwenkbarer oder
hin- und her bewegbarer Fadenleiter, welche jeweils mit einer separaten Antriebswelle
angetrieben sind. Dabei wird die hin- und hergehende Bewegung des Nadelstössels resp.
des grossen Fadenleiters durch ein Kurven- oder Koppelgetriebe in bekannter Weise
erzeugt. Vorzugsweise stehen die erwähnten separaten Antriebswellen mit einer Hauptantriebswelle
in Wirkverbindung und werden von dieser synchron angetrieben.
[0018] Vorteilhaft weist die erste Kupplung einen ersten Aktuator auf, um das stichbildende
Organ an das Antriebsglied zu koppeln oder von diesem zu entkoppeln. Die zweite Kupplung
weist vorzugsweise einen zweiten Aktuator auf, um den Bohrerstössel an das Antriebsglied
zu koppeln oder von diesem zu entkoppeln. Auf diese Weise können mit ein und demselben
Antrieb zwei unterschiedliche stichbildende Organe angetrieben werden. Denkbar ist
jedoch auch, anstelle von zwei Aktuatoren lediglich einen solchen einzusetzen, welcher
zwei Stellglieder betätigen kann.
[0019] Gemäss einer bevorzugten Ausführungsform umfasst der Antrieb ein um eine Achse verschwenkbares
Antriebsglied, welches durch eine Welle antreibbar resp. angetrieben ist. Das Antriebsglied
kann dabei Teil einer Mehrkopf-Mehrnadel-Stickmaschine sein. Zweckmässigerweise steht
das stichbildende Organe mit einem ersten Kopplungshebel und der Bohrerstössel mit
einem zweiten Kopplungshebel in Verbindung, und erste und zweite Kopplungshebel sind
mit ein und demselben Antriebsglied koppelbar. Am Antriebsglied können ein erstes
und ein zweites Kopplungselement vorhanden sein. Diese Kopplungselemente können mit
dem ersten oder dem zweiten Kopplungshebel in Eingriff gebracht werden. Dies ist eine
einfache und robuste Konstruktion. Vorteilhaft sind die Kopplungselemente an gleichen
oder einander gegenüberliegenden Seiten des Antriebsglieds vorgesehen. Auf diese Weise
ist eine platzsparende Anordnung möglich.
[0020] Vorzugsweise sind die ersten und zweiten Kopplungshebel um eine Achse verschwenkbar
und mittels eines Federelements gegen das Antriebsglied vorgespannt. Dies erleichtert
den Kopplungsvorgang, da der Kopplungshebel selbsttätig in Eingriff mit dem Antriebsglied
gelangen kann und dort ohne weiteres Zutun verbleibt. Die Kopplung kann beispielsweise
durch eine formschlüssige Verbindung zustande kommen.
[0021] In einer bevorzugen Ausführungsform ist zwischen dem Bohrerstössel und dem zweiten
Kopplungshebel ein weiterer Hebel vorgesehen, welcher mit einem ersten Ende am Bohrerstössel
und mit dem zweiten Ende an der Maschinengestell angelenkt ist. Der weitere Zwischenhebel
hat den Vorteil, dass mit diesem der Hub des Bohrwerkzeugs anpassbar ist. Zweckmässigerweise
ist der zweite Kopplungshebel ungefähr im mittleren Drittel am Zwischenhebel angelenkt.
[0022] Vorteilfterweise steht das zweite Ende des Zwischenhebels mit einer Justiervorrichtung
in Verbindung. Die Justiervorrichtung erlaubt, die Startposition des Bohrwerkzeugs
zu justieren.
[0023] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist auch ein Verfahren zum Betreiben einer
Mehrnadelkopf-Stickmaschine mit wenigstens einem Stickkopf mit einer Mehrzahl von
Stickresp. Nadelstellen, bei welchem Verfahren gemäss einem Stickprogramm Muster in
einen Stickgrund gestickt und Löcher gebohrt werden können. Dabei wird im Stickbetrieb
eine gewünschte Nadelstelle durch eine Verschiebung des Stickkopfs relativ zur Tragstruktur
in eine Aktiv-Stellung gebracht, und die stichbildenden Organe werden mit einem zugeordneten
stationären Antrieb gekoppelt. Das neue Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass
zum Bohren das stichbildende Organ vom zugehörigen Antrieb entkoppelt und der Bohrstössel
an diesen Antrieb gekoppelt wird. Dies hat den Vorteil, dass für zwei Werkzeuge nur
ein Antrieb benötigt wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass auf eine separate Antriebswelle
für den Bohrer verzichtet werden kann. Vorteilhaft kann - wenn der Nadelstösselantrieb
für den Antrieb des Bohrerstössels eingesetzt wird - zum Bohren der Fadenleiter zusätzlich
stillgelegt werden. Dies hat den Vorteil, dass der Oberfaden beim Bohren nicht unnötig
ausgezogen wird. Dies hätte den Nachteil, dass beim Ansticken zuviel Faden und dadurch
keine Fadenspannung vorhanden wäre.
[0024] Eine bevorzugte Verfahrensvariante sieht vor, dass als stichbildendes Organ, welches
den Bohrerstössel antreibt, der Trieb für den Nadelstössel eingesetzt und die Bohrbewegung
im Rückwärtslauf ausgeführt wird. Dies hat den Vorteil, dass die im Wesentlichen geradlinige
Rückwärtsbewegung sich einfacher in Bohrstufen unterteilen lässt und beim Deaktivieren
des Bohrers wird nur ein kurzer Weg zur Nullposition benötigt.
[0025] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine Stickmaschine mit einer
Mehrzahl von nebeneinander an einem Maschinengestell angeordneten Nadelstellen, wobei
mehrere Stick- resp. Nadelstellen zu einem Stickkopf zusammengefasst sind und an einem
Träger lateral verschiebbar angeordnet sind. Jede Nadelstelle umfasst einen axial
beweglichen Nadelstössel und einen Nadelantrieb für den Nadelstössel. Der Nadelantrieb
sorgt für eine hin- und her gehende Bewegung des Nadelstössels. Mittels einer ersten
Kupplung kann der Nadelantrieb mit dem Nadelstössel gekoppelt und entkoppelt werden.
Erfindungsgemäss ist bei der erwähnten Mehrkopf-Mehrnadel-Stickmaschine pro Stickkopf
ein Bohrer vorgesehen, welcher einen separaten axial beweglichen Bohrerstössel aufweist.
Für den Antrieb des Bohrers ist eine zweite Kupplung vorgesehen, um den Bohrer mit
dem Nadelantrieb zu koppeln oder von diesem zu entkoppeln. Im Unterschied zu den bekannten
Mehrkopf-Mehrnadel-Stickmaschinen ist ein fix installierter Bohrer vorgesehen. Dies
hat gegenüber den bekannten Maschinen den Vorteil, dass keine mühsames und zeitaufwändiges
Auswechseln des Nadelkopfs gegen einen Bohrer nötig ist. Weitere Vorteile der erfindungsgemässen
Mehrkopf-Mehrnadel-Stickmaschine sind in den abhängigen Ansprüchen definiert, die
bereits oben eingehend dargestellt wurden.
[0026] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend anhand der Figuren beispielhaft
beschrieben. Es zeigt:
- Fig. 1
- Eine herkömmliche Mehrkopf-Mehrnadel-Sticknähmaschine mit mehreren Stickköpfen in
einer perspektivischen Ansicht;
- Fig. 2
- Ein einzelner Stickkopf einer bekannten Mehrkopf-Mehrnadel-Sticknähmaschine mit mehreren
Nadelstellen in einer Frontansicht;
- Fig. 3
- eine perspektivische Ansicht eines einzelnen, mehrere Nadelstellen aufweisenden Stickkopfes,
welcher lateral verschiebbar an Tragschienen angeordnet ist;
- Fig. 4
- den Stickkopf von Fig. 3 in Seitenansicht;
- Fig. 5
- den Stickkopf von Fig. 3 in Frontansicht;
- Fig. 6
- eine Schalteinheit für den Nadelstössel einer einzelnen Nadelstelle mit einem Antriebsglied
und einem Aktuator in Seitenansicht, wobei der Aktuator sich in der Aktivstellung
befindet ;
- Fig. 7
- die Schalteinheit mit Antriebsglied und Aktuator von Fig. 6 mit dem Nadelstössel in
einer angehobenen und vom Antriebsglied entkoppelten Position;
- Fig. 8
- die Schalteinheit von Fig. 6, wobei der Aktuator sich in der Passivstellung befindet
Fig. 9 und der Nadelstössel auf einer Parkhilfe ruht; in perspektivischer Ansicht
eine Reihe von Fadenleitern, von denen einer sich in der Arbeitsposition und die anderen
in der Park- oder Ruheposition befinden;
- Fig. 10
- die Fadenleiter von Fig. 9 in Seitenansicht;
- Fig. 11
- Die Schalteinheit für den Nadelstössel zusammen mit einem Bohrertrieb in Seitenansicht,
wobei die Nadelstelle sich in der Aktivposition und der Bohrer in der Passivposition
befindet;
- Fig. 12
- Wie Fig. 11, jedoch in perspektivischer Ansicht;
- Fig. 13
- Die Schalteinheit für den Nadelstössel zusammen mit dem Bohrertrieb in Seitenansicht,
wobei die Nadelstelle sich in der Passivposition und der Bohrer in der Aktivposition
befindet;
- Fig. 14
- Wie Fig. 13, jedoch in perspektivischer Ansicht; und
- Fig. 15
- Die Tragkonstruktion mit daran angeordnetem Nadel- und Bohrertrieb in Seitenansicht.
[0027] Eine konventionelle Mehrkopf-Mehrnadel-Sticknähmaschine ist beispielhaft in den Figuren
1 und 2 dargestellt. Diese umfasst ein Gestell 201, einen am Gestell 201 angeordneten
Sticktisch 203 und eine Mehrzahl von in Reihe oberhalb des Sticktischs angeordneter
Stickköpfe 205, die als sogenannte Mehrnadelköpfe ausgebildet sind. Wie aus Figur
2 ersichtlich ist, besitzt jeder Stickkopf 205 mehrere mit je einer Nadel 215 ausgerüstete
Nadelstellen. Jede Nadelstelle umfasst dabei stationäre Fadenführungselemente 207
bzw. Fadenbremsen, einen auf- und ab beweglichen Fadenaufnahmehebel resp. Fadenleiter
209, Fadenumlenkteile 211 und eine an einem Nadelkrebs 213 mit Nadelstössel 214 angeordnete
Nadel 215. Wie aus Figur 2 weiter ersichtlich ist, ist jeder Nadelstössel 214 mit
einem Stoffdrücker 217 ausgestattet. Unterhalb der Stickköpfe 205 sind Stickrahmen
219 vorgesehen, in welchen ein zu bestickender Stickgrund aufspannbar ist. Die Stickrahmen
219 können in einen grossen Spannrahmen 221, welcher sich über die Breite des Sticktischs
203 erstreckt, eingesetzt sein. Der Spannrahmen 221 ist in bekannter Art in x- und
y-Richtung verschiebbar. Wie oben bereits erwähnt, sind die Stickköpfe an einer Linearführung
223 angeordnet und entlang dieser in x-Richtung verschiebbar.
[0028] Die Figuren 3 bis 5 zeigen einen einzelnen Stickkopf 11 einer Mehrnadelkopf-Stickmaschine,
mit einer Mehrzahl, vorliegend sechs, von nebeneinander angeordneten Nadelstellen
13.
[0029] Die wesentlichen Komponenten jeder Nadelstelle 13 sind Fadenführungseinrichtungen
15a, 15b,15c, ein beweglicher Fadenleiter 17 und ein Nadelstössel 19 (in den Figuren
3 bis 5 nicht ersichtlich) mit daran angeordnetem Nadelkrebs 21 zur Befestigung einer
Nadel. Die Fadenführungseinrichtungen 15a, 15b,15c, der Fadenleiter 17 und der Nadelstössel
19 mit daran angeordnetem Nadelkrebs 21 sind an einem Rahmen 23 festgelegt. Der Rahmen
23 ist an Tragschienen 25, 27 mittels aus Führungsschiene 29 und Schlitten 31 gebildeten
Führungsmitteln lateral verschiebbar angeordnet (Fig. 4). Die Tragschienen 25,27 sind
Teil einer stationären Tragstruktur resp. Tragkonstruktion 33 eines Maschinengestells.
[0030] An der Tragkonstruktion 33 sind bewegliche Antriebsglieder 35 und 37 für den Antrieb
jeweils eines Nadelstössels 19 und eines Fadenleiters 17 vorgesehen, welche weiter
unten noch näher im Detail beschrieben werden (s. Figuren 6 bis 10). Die Antriebsglieder
35,37 sind jeweils durch ein nicht näher dargestelltes Getriebe angetrieben. Diese
Getriebe sind vorzugsweise durch in den Figuren 3 bis 5 nicht näher dargestellte separate
Antriebswellen angetrieben, welche sich beispielsweise durch Bohrungen 47, 49 in den
Seitenplatten 53 der Tragkonstruktion 33 erstrecken. Die einzelnen Antriebswellen
stehen vorzugsweise mit einer Hauptantriebswelle in einer Wirkverbindung, welche diese
in den dem Fachmann bekannter Art synchron antreibt. Die Antriebswellen erstrecken
sich in der Regel über die gesamte Länge der Mehrkopfstickmaschine, damit eine Mehrzahl
von Stickstellen synchron angetrieben sind.
[0031] Neben den beweglichen Antriebsgliedern und den Getrieben sind an der Tragkonstruktion
33 beispielsweise noch Parkhilfen 55,57 für den Nadelstössel und den Fadenleiter vorgesehen.
Die Parkhilfen 55,57 sind Rastelemente, z.B. Stäbe, an welchen die Nadelstössel und
Fadenleiter der jeweils sich nicht im Betrieb befindenden Nadelstellen "geparkt" und
seitlich verschiebbar sind. Die Funktion der Parkhilfe geht aus der nachfolgenden
beispielhaften Beschreibung des Nadelantriebs hervor.
[0032] Die in den Figuren 6 bis 9 beispielhaft gezeigte Schalteinheit 61a für einen Nadelstössel
19 besteht im Wesentlichen aus dem auf und ab bewegbaren Antriebsglied 35, einem um
eine Achse 63 verschwenkbaren Kopplungshebel 65a und einem Aktuator 67a. Der Aktuator
67a kann mit dem proximalen Ende 69a des Kopplungshebels 65a zusammenwirken, um diesen
von einer Arbeitsposition, in welcher das Antriebsglied 35 in Eingriff mit dem Kopplungshebel
65a ist, in eine Ruheposition zu bewegen, in welcher das Antriebsglied 35 ausser Eingriff
mit dem Kopplungshebel 65a ist. Zu diesem Zweck ist der Aktuator 67 von einer Passivstellung
(Fig. 8) in eine Aktivstellung (Figuren 6 und 7) bewegbar. Der Aktuator 67 kann elektrisch,
magnetisch oder pneumatisch angetrieben sein. Er besitzt ein bewegliches Stellglied
71, welches einen Hebel, nachfolgend als Fanghebel 73 bezeichnet, um eine Schwenkachse
75 verschwenken kann. In der Aktivstellung des Aktuators 67 befindet sich der Fanghebel
73 in der Bewegungsbahn des Kupplungshebels 65a, sodass dieser bei der Bewegung von
unten nach oben von der Arbeitsposition in die Ruheposition bewegt wird (vgl. Figuren
6 bis 9).
[0033] Gemäss der in den Figuren 6 bis 9 gezeigten bevorzugten Ausführungsform besitzt der
Fanghebel 73 am distalen Ende eine Rampe 77, welche in der Aktivstellung des Aktuators
65 als Führung für das proximale Ende 69a des Kopplungshebels 65a dient. Vorteilhaft
ist am proximalen Ende 69a des Kopplungshebels 65a eine Nase 79 ausgebildet, welche
an der Rampe 77 anliegen resp. entlang gleiten kann. Am Ende der Rampe 77 ist eine
Ausnehmung 81 vorgesehen, in welcher der Kopplungshebel 65a mit der Nase 79 einrasten
kann. In dieser Stellung ist der Kopplungshebel 65a ausser Eingriff mit dem Antriebsglied
35.
[0034] Die lösbare Wirkverbindung zwischen dem Kopplungshebel 65a und dem Antriebsglied
35 ist vorzugsweise durch einen Formschluss realisiert. Am proximalen Ende 69a ist
eine Einbuchtung 83a (Fig. 7) vorgesehen, in welcher das Antriebsglied 35 eingreifen
kann. Das Antriebsglied besitzt am Ende ein vorzugsweise zylindrisches Kopplungselement
85a, welches in der Aufnahme resp. Einbuchtung 83 mit komplementärer Formgebung eingreifen
kann. Das Kopplungselement 85a kann beispielsweise durch ein Rohrstück oder Dom gebildet
sein, welches sich senkrecht zu einer durch die Bewegungsbahn des Antriebsglieds 35
definierten Ebene erstreckt. In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Kopplungselement
als Rollenlager ausgebildet, um die Relativdrehung zwischen Kopplungshebel 65a und
Antriebsglied 35,37 aufzunehmen. In der oberen Extremlage des Antriebsglieds fluchtet
das Kopplungselement 85a mit der Parkhilfe 55, welche sich beidseits des beweglichen
Antriebsglieds erstreckt. In dieser Stellung kann ein Nadelwechsel vorgenommen werden,
indem der Stickkopf 11 relativ zur stationären Tragkonstruktion lateral verschoben
wird. Dabei wird der Kopplungshebel 65a auf einer der beiden Parkhilfen 55 parkiert,
welche sich zu beiden Seiten der aktiven Nadelstelle erstreckt.
[0035] Zweckmäßigerweise ist der Kopplungshebel 65a durch geeignete Federmittel, wie z.B.
eine Blattfeder 70 oder eine Schenkelfeder 72 in Richtung Antriebsglied 35 vorgespannt.
Dies hat einerseits den Vorteil, dass der Kopplungshebel 65a während des Betriebs-je
nach Stellung des Stickkopfs 11 - sicher entweder an der Parkhilfe 55 oder am Antriebsglied
35 gehalten ist. Andererseits kann auf eine Rastung auch verzichtet werden. In Figur
8 ist die Schalteinheit 61a in einer Lage gezeigt, in welcher ein Kopplungshebel 65a
auf der Parkhilfe 55 parkiert ist.
[0036] Das Antriebsglied 35 kann durch ein Kurvengetriebe oder ein Exzentergetriebe resp.
Koppelgetriebe in bekannter Art angetrieben sein. Bei einem bevorzugt eingesetzten
Kurvengetriebe sind vorzugsweise zwei Kurvenscheiben auf einer Antriebswelle drehfest
angebracht. Diese können zwecks Erzeugung einer oszillierenden Bewegung mit den Rollen
95,97 eines Antriebsglieds 35 zusammenwirken, welches im Abstand zur nicht näher dargestellten
Antriebswelle angeordnet ist. Vorliegend ist das Antriebsglied 35 um eine Drehachse
89 verschwenkbar an der stationären Tragkonstruktion angeordnet. Zur Erzeugung der
Schwenkbewegung sind an Armen 91,93 Rollen 95,97 angeordnet, welche mit in den Figuren
nicht gezeigten Kurvenscheiben oder Nocken einer Antriebswelle zusammenwirken können.
Bei der Rotation der Antriebswelle kann so durch auf der Antriebswelle drehfest aufgesetzten
Kurvenscheiben in bekannter Weise eine oszillierende Bewegung des Antriebsglieds 35
erzeugt werden.
[0037] Die Schalteinheit 61b der Figuren 9 und 10 unterscheidet sich von derjenigen der
Figuren 6 bis 9 im Wesentlichen lediglich dadurch, dass anstelle eines Nadelstössels
19 ein Fadenleiter 17 angetrieben ist, welcher auch als grosser Fadenleiter bezeichnet
wird. Der Fadenleiter 17 ist um eine Drehachse 99 verschwenkbar und am maschinenseitigen
Ende an den Kopplungshebel 65b angelenkt. Der Kopplungshebel 65b kann - analog zum
Kopplungshebel 65a - mittels des Aktuators 67b in und ausser Eingriff mit dem Antriebsglied
37 gebracht werden. Gemäss diesem Ausführungsbeispiel ist das Kopplungslement 85b
in der unteren Extremlage des Antriebsglied koaxial mit der Parkhilfe 57 für den Fadenleiter.
In der untersten Position kann der Stickkopf 11 seitlich verschoben werden, wodurch
eine andere der Mehrzahl von Stickstellen aktiviert wird und die restlichen deaktiviert
sind.
[0038] In den Figuren 11 bis 15 ist eine Schalteinheit für eine Bohrvorrichtung resp. Bohrer
101 beispielhaft dargestellt. Das Besondere an dieser Schalteinheit ist, dass der
Bohrer 101 durch das Antriebsglied 35 für den Nadelstössel 19 antreibbar ist. Im Übrigen
ist die Schalteinheit für den Bohrstössel im Wesentlichen gleich aufgebaut wie die
oben bereits beschriebenen Schalteinheiten für den Nadelstössel oder den grossen Fadenleiter.
Es werden deshalb in der nachfolgenden Beschreibung lediglich die Unterschiede näher
im Detail beschrieben.
[0039] Die Schalteinheit für den Bohrer 101 besteht im Wesentlichen aus dem Bohrstössel
103, einer am Bohrstössel 103 angeordneten Bohrspitze 105, einem Kopplungshebel 65c
und einem Aktuator 67c. Der Kopplungshebel 65c ist mittels der Schenkelfeder 72 gegen
das am Antriebsglied 35 vorgesehene Kopplungselement 85c vorgespannt. Der Aktuator
67c besitzt in bereits beschriebener Art einen Fanghebel 73c, welcher zwischen zwei
Positionen, nämlich einer Aktivstellung und einer Passivstellung, verschwenkbar ist.
Eine Ausnehmung 81 c des Fanghebels 73c kann in der Aktivstellung des Aktuators 67c
mit einer Nase 79c des Kupplungshebels 65c formschlüssig zusammenwirken und den Kopplungshebel
65c mit dem Fanghebel 73c koppeln (Fig. 11). In der Passivstellung des Aktuators 67c
hingegen gelangt das Kopplungselement 85c in der oberen extremen Schwenklage des Antriebsglieds
35 in die Aufnahme 83c des Kopplungshebels 65c.
[0040] Um den Hub des Bohrers 101 auf einen gewünschten Wert einzustellen, ist vorzugsweise
ein Zwischenhebel 107 vorgesehen. Dieser Zwischenhebel 107 sorgt für eine Übersetzung
der Schwenkbewegung des Antriebsglieds 35 in einen bestimmten Hub des Bohrers 101.
Der Zwischenhebel 107 ist mit einem ersten Ende am Bohrerstößel 103 (erste Anlenkstelle
109) und mit einem zweiten Ende an der Tragkonstruktion (zweite Anlenkstelle 111)
angelenkt. Zwischen den beiden Anlenkstellen 109,111 ist der Kopplungshebel 65c am
Zwischenhebel 107 angelenkt. Die genaue Lage des Anlenkpunkts des Kopplungshebels
65c hängt unter anderem davon ab, wo das Kopplungselement 85c am Antriebsglied 35
vorgesehen ist. Sofern die Platzverhältnisse es erlauben, kann auf den Einsatz eines
Zwischenhebels 107 auch verzichtet werden. In diesem Fall könnte der Hebel 65c auch
direkt am Bohrerstössel 103 angelenkt sein.
[0041] Da der Bohrerstössel 103 mittels einer Führung 113 (Fig. 15) axial beweglich geführt
ist, ist der Zwischenhebel 107 mit seinem zweiten Ende an einem Ausgleichselement
angelenkt. Dieses Ausgleichselement ist beispielsweise durch einen Ausgleichshebel
115 realisiert, welcher mit seinem ersten Ende gelenkig mit dem zweiten Ende des Zwischenhebels
107 und mit seinem zweiten Ende an der Tragkonstruktion 33 angelenkt ist (Anlenkpunkt
119 in Fig. 13). Durch den Ausgleichshebel 115 kann der drehbare Zwischenhebel 107
im Betrieb dem axial beweglichen Bohrerstößel 103 folgen.
[0042] Gemäss einer bevorzugten Ausführungsform ist das zweite Ende des Ausgleichselements
115 mittels einer Justiervorrichtung 117 mit der Tragkonstruktion 33 verbunden (Fig.
15). Die Justiervorrichtung 117 hat die Funktion, die Position der Bohrerspitze 105
relativ zum Stickgrund zu justieren. Dadurch können Ungenauigkeiten oder Toleranzen,
die durch die Montage oder Herstellung der einzelnen Komponenten verursacht sind,
korrigiert werden. Durch die erwähnte Justiervorrichtung 117 ist es möglich, alle
Bohrerspitzen 105 an einer Stickmaschine auf exakt gleichen Abstand vom Stickgrund
einzustellen.
[0043] Vorliegend ist die Justiervorrichtung 117 durch einen Exzenter gebildet, mit welchem
die Lage des Anlenkpunkts 119 an der Tragkonstruktion 33 verstellt werden kann. Die
Exzentervorrichtung umfasst eine Achse 121, an welcher der Ausgleichshebel 115 angelenkt
ist. In der Figur 15 ist der Exzenter in der einen Extremstellung, in welcher der
Bohrerstössel maximal angehoben ist. In der in den Figuren 11 und 13 gezeigten Stellung
ist der Exzenter in einer Zwischenstellung.
[0044] In Figur 15 ist ersichtlich, dass auch der Nadelstößel mittels Führungsmitteln 123
axial beweglich geführt ist.
[0045] Zum Bohren eines Loches in den Stickgrund wird wie folgt vorgegangen: Mittels der
Hauptwelle, mit welcher das Antriebsglied 35 angetrieben ist, wird das Antriebsglied
35 in die Schaltposition bewegt (obere Extremlage). Bevor das Antriebsglied die obere
Extremlage erreicht, wird der Aktuator 67a für den Nadelstössel in die Aktivposition
gebracht. Dadurch wird der Kopplungshebel 65a durch den Fanghebel 73a vom Kopplungselement
85a entfernt. In der Schaltposition rastet die Nase 79a in die Ausnehmung 81a ein.
Dann wird der Aktuator 67c in die Passivposition geschaltet, sodass der Kopplungshebel
65c für den Bohrerstössel in Eingriff mit dem zweiten Kopplungselement 85c gelangt.
Gleichzeitig wird vorteilhaft auch der grosse Fadenleiter zum Bohren stillgelegt.
Nun kann die Hauptwelle vorzugsweise im Retourgang den Bohrer betätigen. Ist das Loch
gebohrt wird die Hauptwelle im Vorwärtsgang wieder an die Ausgangsposition gedreht.
Jetzt kann der Stickgrund neu positioniert und das nächste Loch im Rückwärtsgang gebohrt
werden. Ist das Bohren beendet, wird das Antriebsglied wieder an die Schaltposition
gefahren, der Bohrer in die Parkposition gebracht und der Nadelstössel wieder angekoppelt.
[0046] Wie oben bereits erwähnt, kann grundsätzlich auch das Antriebsglied 37 des grossen
Fadenleiters für die Erzeugung der axialen Bohrbewegung des Bohrerstössels eingesetzt
werden, wobei der Kopplungsmechanismus für den Bohrer entsprechend angepasst werden
müsste. Die Antriebsglieder 35,37 und die zugehörigen Aktuatoren 67a, 67b und 67c
sind an der Tragkonstruktion 33 festgelegt, d.h. stationär. Für einen Nadelwechsel
wird entsprechend das Nadelgehäuse mit den Stick- resp. Nadelstellen lateral verschoben,
um die gewünschten Nadelstelle mit dem dazugehörigen grossen Fadenleiter 17 an deren
Antrieb zu koppeln.
[0047] Eine Mehrnadelkopf-Stickmaschine besitzt eine Mehrzahl von nebeneinander an einem
Maschinengestell angeordneten Nadelstellen. Jede Nadelstelle hat einen axial beweglichen
Nadelstössel, welcher mit einem Nadelantrieb in Verbindung steht. Der Nadelantrieb
ist ausgelegt, um den Nadelstössel im Betrieb hin- und her zu bewegen. Er umfasst
ein Antriebsglied, an welches über eine erste Kupplung der Nadelstössel koppel- und
entkoppelbar ist. Für den Betrieb eines separaten Bohrwerkzeugs mit einem axial beweglichen
Bohrerstössel kann das gleiche Antriebsglied eingesetzt werden. Zu diesem Zweck ist
eine zweite Kupplung vorgesehen, um den Bohrer mit dem Nadeltrieb zu koppeln oder
von diesem zu entkoppeln, Grundsätzlich denkbar ist, anstellen des Nadelantriebs der
Antrieb des Fadenleiters für den Bohrvorgang einzusetzen.
Legende
[0048]
- 11
- Stickkopf
- 13
- Nadelstelle
- 15 a-c
- Fadenführungseinrichtungen
- 17
- Fadenleiter
- 19
- Nadelstössel
- 21
- Nadelkrebs
- 23
- Rahmen
- 25
- obere Tragschiene
- 27
- untere Tragschienen
- 29
- Führungsschiene
- 31
- Schlitten
- 33
- Tragkonstruktion
- 35
- Antriebsglied für Nadelstössel
- 37
- Antriebsglied für Fadenleiter
- 47,49
- Bohrungen für Antriebswellen
- 53
- Seitenplatten der Tragkonstruktion
- 55
- Parkhilfe für Nadel
- 57
- Parkhilfe für Fadenleiter
- 61 a
- Schalteinheit
- 63
- Schwenkachse des verschwenkbaren Kupplungshebels
- 65a,65b,65c
- Kupplungshebel
- 67a, 67b, 67c
- Aktuator
- 69a,69b, 69c
- proximales Ende des Kupplungshebels
- 70
- Blattfeder
- 71
- Stellglied des Aktuators
- 72
- Schenkelfeder
- 73a, 73b, 73c
- Fanghebel
- 75
- Schwenkachse des Fanghebels
- 77
- Rampe
- 79a, 79b, 79c
- Nase
- 81a, 81b, 81c
- Ausnehmung im Fanghebel
- 83a, 83b, 83c
- Einbuchtung
- 85a, 85b, 85c
- Kopplungselement
- 89
- Drehachse des Antriebsglieds
- 91,93
- Arme des Antriebsglied 35
- 95,97
- Rollen an den Armen 91,93
- 99
- Achse (Schwenkachse Fadenleiter)
- 101
- Bohrer
- 103
- Bohrstössel
- 105
- Bohrspitze
- 107
- Zwischenhebel
- 109,111
- Erste und zweite Anlenkstellen des Zwischenhebels
- 113
- Führung für Bohrerstössel
- 115
- Ausgleichselement
- 117
- Justiervorrichtung
- 119
- Anlenkpunkt des Ausgleichselements
- 121
- Achse
- 123
- Führungsmittel für Nadelstössel
1. Mehrnadelkopf-Stickmaschine mit
wenigstens einem Stickkopf (11), welcher Stickkopf (11)
- eine Mehrzahl von Nadelstellen (13) besitzt, welche an einer Tragstruktur (33) lateral
verschiebbar angeordnet sind und jede Nadelstelle (13)
- jeweils einen Nadelstössel (19) und
- einen Fadenleiter (17) aufweist, die nachfolgend jeweils auch als stichbildende
Organe (17,19) bezeichnet werden,
- pro Stickkopf (11) jeweils einem einzelnen Trieb für einen Nadelstössel (19) und
einem einzelnen Antrieb für einen Fadenleiter (17) zur Erzeugung einer hin- und hergehenden
Bewegung der jeweiligen stichbildenden Organe (17;19),
- ersten Kupplungen, um die Triebe in einer Aktiv-Stellung jeweils mit einem bestimmten
der zugeordneten stichbildenden Organe in Eingriff zu bringen,
dadurch gekennzeichnet,
- dass pro Mehrnadelkopf eine einzelne Bohrvorrichtung (101) vorgesehen ist,
- dass die Bohrvorrichtung (101) einen axial beweglichen Bohrerstössel (19) aufweist und
- dass eine zweite Kupplung vorgesehen ist, um die Bohrvorrichtung (101) mit dem Antrieb
eines der stichbildenden Organe zu koppeln oder von diesem zu entkoppeln.
2. Stickmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb ein um eine Achse (89) verschwenkbares Antriebsglied (35,37) umfasst,
welches durch eine Welle antreibbar ist.
3. Stickmaschine nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb ein Kurvengetriebe oder ein Koppelgetriebe umfasst.
4. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Kupplung einen ersten Aktuator (67a;67b) aufweist, um das stichbildende
Organ (17, 19) an das Antriebsglied (35,37) zu koppeln oder von diesem zu entkoppeln,
und die zweite Kupplung einen zweiten Aktuator (67c) aufweist, um den Bohrerstössel
(19) an das Antriebsglied (35,37) zu koppeln oder von diesem zu entkoppeln.
5. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das stichbildende Organ (17, 19) mit einem ersten Kopplungshebel (65a;65b) und der
Bohrerstössel (19) mit einem zweiten Kopplungshebel (65 c) in Verbindung steht, welche
erste und zweite Kopplungshebel (65a,65c; 65b,65c) mit dem Antriebsglied (35,37) koppelbar
sind.
6. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass am Antriebsglied (35,37) ein erstes und ein zweites Kopplungselement (85a,85c) vorhanden
sind, welche Kopplungselemente (85a,85c) mit dem ersten respektive dem zweiten Kopplungshebel
in Eingriff gebracht werden können.
7. Stickmaschine nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Kopplungselemente (85a, 85c; 85b,85c) in Abstand voneinander und vorzugsweise
an gleichen oder einander gegenüberliegenden Seiten des Antriebsglieds (35,37) vorgesehen
sind.
8. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die ersten und zweiten Kopplungshebel um eine Achse (63) verschwenkbar und mittels
eines Federelements (70,72) gegen das Antriebsglied (35,37) vorgespannt sind.
9. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Bohrerstössel (19) und dem zweiten Kopplungshebel (65c) ein weiterer
Zwischenhebel (107) vorgesehen ist, welcher mit einem ersten Ende am Bohrerstössel
(19) und mit dem zweiten Ende an der Tragkonstruktion (33) der Stickmaschine angelenkt
ist.
10. Stickmaschine nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Kopplungshebel (65c) am Zwischenhebel (107) angelenkt ist.
11. Stickmaschine nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite Ende des Zwischenhebels (107) mit einer Justiervorrichtung (117) in Verbindung
steht.
12. Verfahren zum Betreiben einer Mehrnadelkopf-Stickmaschine mit wenigstens einem Stickkopf
(11) mit einer Mehrzahl von Nadelstellen (13), welche an einer Tragstruktur (33) lateral
verschiebbar angeordnet sind, wobei im Stickbetrieb eine gewünschte Nadelstelle durch
eine Verschiebung des Stickkopfs (11) relativ zur Tragstruktur (33) in eine Aktiv-Stellung
gebracht und die stichbildenden Organe (17,19) mit einem zugeordneten stationären
Antrieb gekoppelt werden,
dadurch gekennzeichnet, dass zum Bohren die stichbildenden Organe jeweils von deren Antrieb entkoppelt werden
und der Bohrstössel an den Antrieb eines stichbildenden Organs gekoppelt wird.
13. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass als stichbildendes Organ, welches den Bohrerstössel antreibt, der Antrieb für den
Nadelstössel (19) eingesetzt und die Bohrbewegung im Rückwärtslauf ausgeführt wird.
14. Mehrnadelkopf-Stickmaschine mit
einer Mehrzahl von nebeneinander an einem Maschinengestell angeordneten Nadelstellen,
wobei mehrere Nadelstellen zu einem Stickkopf zusammengefasst sind und an einem Träger
lateral verschiebbar angeordnet sind, mit
- einem axial beweglichen Nadelstössel,
- einem Nadelantrieb für den Nadelstössel (19) zur Erzeugung einer hin-und hergehenden
Bewegung des Nadelstössels (19), und
- eine erste Kupplung, um den Nadelantrieb mit dem Nadelstössel (19) zu koppeln und
zu entkoppeln,
dadurch gekennzeichnet,
- dass pro Stickkopf eine einzelne Bohrvorrichtung (101) vorgesehen ist,
- dass die Bohrvorrichtung (101) einen axial beweglichen Bohrerstössel (19) aufweist und
- dass eine zweite Kupplung vorgesehen ist, um den Bohrer (101) mit dem Nadelantrieb zu
koppeln oder von diesem zu entkoppeln.
15. Stickmaschine nach Anspruch 15 und einem der Ansprüche 2 bis 11.