[0001] Verfahren und Ermittlungssystem zur automatischen Ermittlung von Emissionsorten,
sowie darauf basierendes Verfahren und Verkehrssteuerungssystem zur immissionsabhängigen
Verkehrssteuerung
[0002] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur automatischen Ermittlung von
Emissionsorten ausgewählter Emissionsstoffe ausgehend von einem ausgewählten Immissionsort
und damit verbunden ein Ermittlungssystem für denselben Zweck. Außerdem betrifft sie
ein Verfahren und ein Verkehrssteuerungssystem zur immissionsabhängigen Verkehrssteuerung
in einem Verkehrsbereich, bei denen das vorgenannte Verfahren zum einen und das vorgenannte
Ermittlungssystem zum anderen einsetzbar sind.
[0003] Verkehrsbedingt entstehende Emissionen haben je nach Art der Stoffe einen großen
Anteil an den durch Verbrennung erzeugten umweltrelevanten Schadstoffen. Die Emissionen
von Feinstaubund Russpartikeln beispielsweise stammten 1999 in Deutschland zu etwa
90% aus dem Verkehr, die der Stickoxide zu über 50%. Die Auswirkungen dieser Emissionen
sind als Immissionen oftmals an anderen Orten, den Immissionsorten, zu verzeichnen
als an den Emissionsorten, an denen sie emittiert wurden.
[0004] Die Ausbreitung von Schadstoffen, insbesondere von Luftschadstoffen erfolgt in Abhängigkeit
von der Art der Stoffe und von den Wind- und Wetterverhältnissen sowie vom Relief
einer Landschaft inklusive der vorhandenen Bebauung und Bepflanzung. Mit Hilfe von
komplexen Ausbreitungsmodellen kann die Immissionssituation auf Basis der Emissionssituation
und ggf. weiteren komplexen Einflussfaktoren berechnet werden. Es lässt sich also
eine Immissionslandkarte erstellen, wenn die Ausstoßmengen und Orte von Emissionen
bekannt sind. Auf dieser Landkarte sind dann für verschiedene Schadstoffe sogenannte
Hotspots, d. h. Brennpunkte mit einer besonders hohen Konzentration der jeweiligen
Schadstoffe auszumachen.
[0005] Eine andere Art der Ermittlung solcher Hotspots ist die Emissionsmessung mittels
Messgeräten. Diese Geräte werden über ein Messgebiet verteilt und ermitteln lokal
die Schadstoffkonzentrationen. Ein bekannter solcher Hotspot ist beispielsweise in
Deutschland eine Messstelle an der Landshuter Allee in München, an der oftmals Übertretungen
der zulässigen Feinstaubkonzentrationen gemessen werden.
[0006] Bei Überschreitung von Grenzwerten entsteht ein Handlungsbedarf zum Schutz der Bevölkerung
und Umwelt. Es werden daher heute verkehrsregelnde Maßnahmen eingesetzt, etwa in Deutschland
die Einführung der Feinstaubplakette in sogenannten Umweltzonen. Diese Maßnahmen greifen
jedoch nur sehr diffus an der Ursache der Immissionen an, denn es können bisher nur
pauschal Eingriffe durchgeführt werden, von denen erhofft wird, dass sie die Immissionssituation
am Hotspot lindern. Um eine zielgerichtete und effektivere Möglichkeit der Entgegenwirkung
von grenzwertüberschreitenden Immissionssituationen zu bewirken, müsste erkannt werden,
woher die Emissionen rühren, die die Immissionssituation hervorrufen.
[0007] Eine solche Methode ist jedoch bisher weder im Einsatz noch bekannt, weshalb es Aufgabe
der Erfindung ist, Möglichkeiten zur Durchführung einer solchen Methode bereitzustellen
und in der Folge auch, eine verbesserte umweltdatenabhängige Verkehrssteuerung zu
ermöglichen.
[0008] Diese Aufgaben werden durch ein Verfahren gemäß Anspruch 1 und ein Ermittlungssystem
gemäß Anspruch 13 sowie durch ein Verkehrssteuerungsverfahren gemäß Anspruch 10 und
ein Verkehrssteuerungssystem gemäß Anspruch 14 gelöst.
[0009] Entsprechend erfolgt bei einem Verfahren zur automatischen Ermittlung von Emissionsorten
ausgewählter Emissionsstoffe ausgehend von einem ausgewählten Immissionsort auf Basis
von Eingangswerten, die sich direkt oder indirekt auf die Emissionsstoffe beziehen,
unter Anwendung von definierten Regeln eines zu einer Ausbreitungsermittlung der Emissionsstoffe
geeigneten Ausbreitungsmodells eine räumliche Rückverfolgung der Emissionsstoffe unter
Angabe von Verteilungswerten.
[0010] Sowohl Emissions- als auch Immissionsorte werden in diesem Kontext generell als Ortsangaben
beliebig wählbarer Erstreckung definiert. Dies bedeutet, dass es sich bei solchen
Orten um Punkte, beispielsweise Messpunkte, handeln kann, aber auch beispielsweise
um Straßenabschnitte, sogenannte Netzlinks, oder gar um Stadtviertel.
[0011] Als Emissionen bzw. Immissionen werden im Kontext der Erfindung bevorzugt umweltrelevante
Schadstoffe definiert. Schadstoffe wiederum sind all jene Stoffe und/oder Stoffgemische,
die nach wissenschaftlicher, aber auch nach subjektiver Meinung dazu angetan sind,
Schaden an Mensch und/oder Natur und/oder Gebäuden und/oder für die Entwicklung der
Erdatmosphäre zu bewirken. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Schadstoffen,
die solche Schäden am Immissionsort verursachen können. Das erfindungsgemäße Verfahren
berücksichtigt dabei bevorzugt solche Schadstoffe, die von Verkehrsmitteln ausgestoßen
werden, besonders von Landverkehrsmitteln und hier insbesondere von solchen, die von
Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Ein ganz besonderes Augenmerk fällt dabei
auf den Individual-Landverkehr. Diese Konzentration rührt einerseits daher, dass der
landgebundene Individualverkehr zum Einen ein Hauptverursacher für Immissionen ist,
die an Immissionsorten in Bodennähe gemessen werden können und die daher die oben
genannten Schäden verursachen können. Andererseits kann Schadstoffausstößen gerade
dieser Verkehrsmittel durch geeignete Verkehrssteuerungsmaßnahmen besonders effektiv
begegnet werden. Grundsätzlich kann das erfindungsgemäße Ermittlungsverfahren auch
bei industriell bedingten Emissionen angewendet werden bzw. kann das Verfahren solche
Emissionen berücksichtigen.
[0012] Als Eingangswerte zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann eine Vielzahl
von Daten verwendet werden. Als direkt auf die Emissionsstoffe bezogen werden solche
Eingangswerte aufgefasst, die Emissions- und/oder Immissionsangaben umfassen. Hierbei
kann es sich sowohl um Messwerte als auch um Werte aus Simulationen bzw. Modellen
handeln. Indirekt auf Emissionsstoffe bezogen sind all jene Eingangswerte, aus denen
sich durch Berechnungsverfahren, beispielsweise anhand von Emissionsmodellen und/oder
Emissionsangaben ableiten lassen. Insbesondere wird bevorzugt, dass diese Eingangswerte
mindestens teilweise verkehrsbezogen sind. Sie können daher Emissionswerte umfassen,
die mindestens teilweise auf verkehrsbedingte Schadstoffe zurückzuführen sind, und/oder
beispielsweise Verkehrs-Zähl- und/oder Schätzwerte wie Autozahlen oder Geschwindigkeitsverteilungen
umfassen.
[0013] Die Erfindung verwendet diese Eingangswerte und wendet Regeln eines geeigneten Ausbreitungsmodells
für die Emissionsstoffe an, auf die Bezug genommen wird. Die Regeln dieses Ausbreitungsmodells
werden jedoch nicht zwangsläufig zur Ermittlung einer Emissionsausbreitung verwendet.
Sie können stattdessen auch in einer Art Zurück-Rechnung verwendet werden, um vom
Wirkungsort des Schadstoffe, dem Immissionsort, aufgrund der Logik des Modells auf
den Ort ihrer Verursachung, also den Emissionsort rückzuschließen. Dies kann beispielsweise
durch eine Umkehr der Regeln erfolgen, d. h. die Verwendung der inversen Regeln dieses
Ausbreitungsmodells, ggf. ergänzt durch weitere Regeln, die der Verfeinerung des Ermittlungsverfahrens
dienen. Alternativ oder ergänzend kann eine Markierung von Emissionsstoffen in Abhängigkeit
von ihrer Herkunft erfolgen (siehe unten), so dass nach Anwendung des Ausbreitungsmodells
aufgrund der Markierungen erkannt werden kann, woher die Emissionen ursprünglich stammen.
[0014] Eine dritte Variante, die ebenfalls alternativ oder ergänzend zu den vorgenannten
Varianten zum Einsatz kommen kann, besteht darin, Emissionswerte an Emissionsorten
und Immissionswerte an mindestens einem Immissionsort durch Messung und/oder Simulation
zu ermitteln und dann ein Ausbreitungsmodell auszuwählen, das die Ausbreitung der
ermittelten Emissionen in Richtung der Immissionsorte abbildet. Dadurch kann zumindest
mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit eine richtige Zuordnung von Emissions- und Immissionsorten
erfolgen.
[0015] Es existiert eine Vielzahl von Ausbreitungsmodellen, deren Regeln zur Verwendung
im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens angewandt werden können. Beispiele hierfür
sind:
[0016] Diese Referenzen sollen als Teil der Offenbarung der vorliegenden Patentanmeldung
gelten. Solche Modelle können eine Vielzahl von Faktoren für die Ausbreitung von durch
Luftströme transportierten Schadstoffen berücksichtigen. Hierzu zählen unter anderem
Faktoren der Meteorologie (Windrichtung und -geschwindigkeit, Temperatur, Inversionswetterlagen
uvm.), der Straßen (Relief, Straßenkategorie uvm.), der Emissionen selbst (beispielsweise
gemäß dem HBEFA - Handbuch für Emissionsfaktoren des Umweltbundesamts), von baulichen
Elementen (Gebäude, Lärmschutzmassnahmen uvm., die die Ausbreitung von Schadstoffen
beeinflussen, uvm.), der Topografie im Untersuchungsbereich, sowie der Rezeptoren
und der zu berechnenden Schadstoffe selbst. An dieser zusammenfassenden Aufzählung
ist ersichtlich, dass die Modellbildung in diesem Anwendungsbereich eine gewisse Feinheit
erreicht hat, die die Erfindung nun zur Rückverfolgung nutzt.
[0017] Allgemein wird im Rahmen der Erfindung der Begriff des Modells von dem des Berechnungs-
bzw. Simulationsverfahrens dadurch abgegrenzt, dass ein Modell die logischen Grundlagen
zur Durchführung eines Berechnungs- bzw. Simulationsverfahrens bereitstellt. Es basiert
hierfür auf Regeln, mit Hilfe derer Eingangsdaten, beispielsweise Emissionswerte oder
- im Falle eines Emissionsmodells - Verkehrsdaten, weiterverarbeitet werden können.
Zusätzlich können bereits im Modell Grundannahmen hinterlegt sein, etwa Angaben zur
Topologie eines Untersuchungsgebiets uvm. Im Falle eines Ausbreitungsmodells werden
als Eingangsdaten zum Beispiel die oben erwähnten Einflussfaktoren im Modell verwendet.
[0018] Die Emissionsstoffe werden räumlich zurückverfolgt. Dabei werden Verteilungswerte
ermittelt und angegeben, die einen Benutzer darüber informieren, zu wie viele Emissionsstoffe,
die an einem definitierten Immissionsort ermittelbar sind, von einem bestimmten Emissionsort
herstammen. Solche Verteilungswerte können beispielsweise als Wahrscheinlichkeitsangaben
vorgelegt werden, aus denen hervorgeht, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Schadstoffpartikel
oder eine Gruppe solcher Partikel, von dem Emissionsort herstammt. Alternativ und/oder
ergänzend können absolute Werte in Form einer Mengenangabe zu Schadstoffen aus einem
Emissionsort und/oder relative Werte im Sinne von Mengenanteilsangaben vorgelegt werden.
Die Wahl des untersuchten Parameters (Wahrscheinlichkeit, absolute oder relative Angaben
etc.) hängt dabei vor allem vom gewählten Ausbreitungsmodell und dem benutzten konkreten
Rückverfolgungsverfahren ab, wie weiter unten noch gezeigt werden wird.
[0019] Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens ist es nun also möglich, in Abhängigkeit
von einem Immissionsort einen oder mehrere Emissionsorte auszumachen, von denen eine
messtechnisch ermittelte und/oder durch Simulation berechnete Immission bzw. Emission
herrührt. Das Verfahren bedient sich dabei einer bereits vorliegenden Logik, nämlich
der des jeweils gewählten Ausbreitungsmodells, so dass keine komplett neue Modellbildung
notwendig ist, um zu den gewünschten Erkenntnissen zu gelangen. Es ist daher relativ
einfach und kostengünstig bereitzustellen und kann bei entsprechender Programmierung
auch ebenso einfach durchgeführt werden. Die Verlässlichkeit der generierten Ermittlungsdaten
hängt im Wesentlichen von der Genauigkeit des gewählten Ausbreitungsmodells ab; sie
kann also bei Verwendung eines hochgenauen Ausbreitungsmodells mindestens ähnlich
hoch sein wie das Ausbreitungsmodell selbst. Zudem bewirkt eine weitere Verfeinerung
eines gewählten Ausbreitungsmodells praktisch automatisch eine Erhöhung der Genauigkeit
der Ergebnisse des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0020] Die Erfindung umfasst zudem ein Verfahren zur immissionsabhängigen Verkehrssteuerung
in einem Verkehrsbereich, bei dem Steuersignale zur Steuerung eines Verkehrs an einem
Emissionsort generiert werden, die automatisch ausgehend von einem Immissionsort ermittelt
werden, an dem Emissionsstoffe dieses Emissionsorts als Immissionen ermittelbar sind.
[0021] Das Novum dieses Verkehrssteuerungsverfahrens besteht also ganz prinzipiell darin,
ausgehend von einem Immissionsort die entsprechenden Emissionsorte zu ermitteln und
nicht wie bisher Verkehrssteuerungsmaßnahmen entweder am Immissionsort oder unspezifisch
in einem großräumigen Verkehrsbereich durchzuführen. Die Verkehrssteuerung geschieht
stattdessen mindestens prioritär, d. h. schwerpunktmäßig am ermittelten Emissionsort,
bei mehreren ermittelten Emissionsorten bevorzugt an diesen mehreren Orten, besonders
bevorzugt mit einer Gewichtung in Abhängigkeit von ermittelten Verteilungswerten der
Emissionen auf die einzelnen Emissionsorte. Zusätzlich kann vorgesehen sein, die Verkehrssteuerung
schwerpunktmäßig oder ausschließlich an ausgewählten ermittelten Emissionsorten durchzuführen,
insbesondere dann, wenn nur in diesen Bereichen ausreichende Mittel zur entsprechenden
Verkehrssteuerung vorhanden sind.
[0022] Besonders bevorzugt wird der Emissionsort im Rahmen des erfindungsgemäßen Verkehrssteuerungsverfahrens
durch Anwendung eines erfindungsgemäßen Ermittlungsverfahrens ermittelt, da, wie oben
erläutert, die Logik dieses Verfahrens einfach und genau die notwendigen Daten zum
Emissionsort zur Verfügung stellt.
[0023] Ein erfindungsgemäßes Ermittlungssystem zur automatischen Ermittlung von Emissionsorten
ausgewählter Emissionsstoffe ausgehend von einem ausgewählten Immissionsort umfasst
mindestens
- eine Eingangsschnittstelle für Eingangswerte der oben erwähnten Art, die sich direkt
oder indirekt auf die Emissionsstoffe beziehen, und
- eine Ermittlungseinheit, die im Betrieb Regeln eines zu einer Ausbreitungsermittlung
der Emissionsstoffe geeigneten Ausbreitungsmodells dazu verwendet, auf Basis der Eingangswerte
eine räumliche Rückverfolgung der Emissionsstoffe unter Angabe von Verteilungswerten
durchzuführen,
- bevorzugt eine Ausgangsschnittstelle zur Aufgabe der Verteilungswerte und/oder von
Ortsangaben zu den ermittelten Emissionsorten.
[0024] Zusätzlich hierzu kann das Ermittlungssystem auch eine Auswahldaten-Eingangsschnittstelle
zur Einspeisung von Auswahldaten zu ausgewählten Emissionsstoffen umfassen. Diese
kann als Benutzereingangsschnittstelle realisiert sein, jedoch auch als Eingangsschnittstelle
für Auswahldaten aus einer Datenbank, in der etwa vorgehalten ist, dass für einen
bestimmten Untersuchungsbereich bestimmte Emissionsstoffe abgeprüft werden sollen.
Die Datenbank kann auch innerhalb des Ermittlungssystems angeordnet sein, beispielsweise
in Form eines Datenspeichers.
[0025] Weiterhin kann das Ermittlungssystem eine Immissionsort-Auswahleinheit zur Auswahl
eines Immissionsorts aufweisen, die bevorzugt automatisch einen geeigneten Immissionsort,
etwa einen Hotspot der oben ausgeführten Art, auswählt, auf Basis dessen die Ermittlung
des Emissionsorts erfolgen soll.
[0026] Ein erfindungsgemäßes Verkehrssteuerungssystem zur immissionsabhängigen Verkehrssteuerung
in einem Verkehrsbereich weist eine Steuerungseinheit auf, die im Betrieb Steuersignale
zur Steuerung eines Verkehrs an einem Emissionsort generiert, und ein Ermittlungssystem,
das so ausgebildet ist, dass es im Betrieb automatisch den Emissionsort ausgehend
von einen Immissionsort ermittelt, an dem Emissionsstoffe vom Emissionsort als Immissionen
messbar sind.
[0027] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verkehrssteuerungsverfahrens wird daher auch
bevorzugt ein Computerprogrammprodukt verwendet, welches direkt in einen Prozessor
einer Rechnereinrichtung ladbar ist, mit Programmcodemitteln, um alle Schritte eines
solchen Verkehrssteuerungsverfahrens auszuführen.
[0028] Besonders bevorzugt gilt, dass das erfindungsgemäße Verkehrssteuerungssystem ein
erfindungsgemäßes Ermittlungssystem umfasst.
[0029] Sowohl in einem erfindungsgemäßen Ermittlungssystem als auch in einem erfindungsgemäßen
Verkehrssteuerungssystem kann insbesondere die Ermittlungseinheit sowohl als allein
stehende Einzelkomponente hardware- und/oder softwaretechnisch ausgeführt als auch
gemeinsam mit anderen Einheiten innerhalb eines elektronischen Prozessorbausteins
integriert sein. Sie kann ganz oder teilweise auf einem Rechner des Verkehrssteuerungssystems
realisiert werden. Außerdem können die Eingangsschnittstelle und ggf. weitere Schnittstellen
sowohl als Hardware in Form von Eingangs- bzw. Ausgangsbuchsen bzw. drahtlose Schnittstellen
eines Geräts ausgebildet sein als auch in Form von Software bzw. als Kombination von
Hard- und Software-Komponenten. Schnittstellen können beispielsweise in Form von reinen
Software-Schnittstellen auch direkt Daten vom Verkehrssteuerungssystem oder vom Ermittlungssystem
übernehmen, wenn beispielsweise das Ermittlungssystem auf dem gleichen Rechner wie
das Verkehrssteuerungssystem angeordnet ist. Die Schnittstellen können weiterhin kombiniert
als Input-/Output-Schnittstelle ausgebildet sein.
[0030] Ein Aufbau des Ermittlungssystems und/oder des Verkehrssteuerungssystems in Form
von Software hat den Vorteil einer schnellen und kostengünstigen Realisierung. Daher
wird zur Durchführung der erfindungsgemäßen Verfahren bevorzugt ein Computerprogrammprodukt
verwendet, welches direkt in einen Prozessor einer Rechnereinrichtung ladbar ist,
mit Programmcodemitteln, um alle Schritte eines jeweiligen solchen Verfahrens auszuführen.
[0031] Weitere besonders vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung
ergeben sich auch aus den abhängigen Ansprüchen sowie der nachfolgenden Beschreibung.
Dabei können die erfindungsgemäßen Verfahren auch entsprechend den abhängigen Ansprüchen
zum den Systemen weitergebildet sein und umgekehrt, wobei auch die Merkmale der Verfahren
zur Weiterbildung der beiden Systeme verwendet werden können und umgekehrt, außer
wenn explizit anders verlautbart ist.
[0032] Bevorzugt wird der Immissionsort aus einer Aufstellung einer Mehrzahl von bestimmten
Immissionsorten ausgewählt, deren zugeordnete Immissionswerte auf Grundlage einer
Anwendung desselben Ausbreitungsmodells ermittelt wurden. Das Ausbreitungsmodell dient
also sowohl der Bestimmung von Immissionsorten und zur Ermittlung von an diesen Immissionsorten
vorliegenden Immissionswerten als auch der Ermittlung der mit diesen Immissionsorten
korrespondierenden Emissionsorte. Die Immissionswerte beziehen sich dabei auf Mengen-,
Volumen- bzw. Anteilsangaben zu bestimmten Emissionsstoffen, wie sie am Immissionsort
ermittelbar, d. h. durch Messung oder geeignete Berechnungsverfahren herleitbar sind.
[0033] Wie erwähnt, liegt einer der Vorteile der Erfindung darin begründet, dass ein bereits
existentes Ausbreitungsmodell dazu verwendet werden kann, Emissionsorte zu ermitteln.
Die Verwendung ein und desselben Modells dient nicht nur der Einsparung von Ressourcen,
sondern trägt vor allem entscheidend dazu bei, eine hohe Konsistenz und Stringenz
in den Aussagen zu erzielen. Dabei werden besonders bevorzugt bei der Anwendung des
Ausbreitungsmodells als Eingangswerte basierend auf Messdaten ermittelte und/oder
simulierte örtlich zugeordnete Emissionswerte verwendet. Solche Emissionswerte können
direkt auf realen Messungen an den Emissionsquellen basieren. Sie können aber auch
aus anderen Messdaten, im Straßenverkehr etwa Verkehrs-Messdaten wie der Verkehrsdichte
unter Verwendung von Emissions-Simulationsverfahren hergeleitet werden. Ein hierfür
verwendbares Simulationsmodell bietet beispielsweise das oben erwähnte HBEFA:
[0034] Das Umweltbundesamt veröffentlicht in regelmäßigen Abständen das Handbuch für Emissionsfaktoren.
Diese umfangreiche Datenbank zu den Emissionen von Luftschadstoffen des Straßenverkehrs
stellt Emissionsfaktoren von Kraftfahrzeugen für die wichtigsten Luftschadstoffe und
den Kraftstoffverbrauch zusammen. Die Daten sind nach zahlreichen technischen und
verkehrlichen Parametern wie Fahrzeugart (Pkw, Lkw, Bus etc.), Abgasreinigung (geregelter,
ungeregelter Katalysator etc.), Antriebsart (Otto, Diesel) sowie Verkehrssituationen
(Stadtverkehr, Landstraße, Autobahn etc.) gegliedert. Zudem können die unterschiedlichen
Anteile von Güter- und Personenverkehr an den Schadstoffemissionen nachvollzogen werden.
Darüber hinaus kann mit der Version für Deutschland auch der Flottenmix auf deutschen
Straßen graphisch oder tabellarisch angezeigt werden.
[0035] Als besonders vorteilhaft, weil von der Datenbasis her besonders verlässlich, hat
es sich erwiesen, wenn die Eingangswerte real ermittelte Verkehrs-Messdaten einer
Verkehrssituation umfassen. Diese Verkehrs-Messdaten, beispielsweise Angaben zur Anzahl
und/oder Geschwindigkeit von Fahrzeugen, zu Stauungen uvm., werden bevorzugt aus aktuellen
Verkehrsmessungen bezogen. Alternativ oder ergänzend können auch in Datenbanken gespeicherte
reale Messdaten verwendet werden, insbesondere solche, die in möglichst zahlreichen
Bezugsparametern (z. B. Tageszeit, Wochentag, Wetterlage) deckungsgleich mit der aktuellen
Situation zum Zeitpunkt der Ermittlung des Emissionsorts sind. Aus den Verkehrs-Messdaten
wird dann eine Emissionssituation abgeleitet und daraus mittels des Ausbreitungsmodells
eine Immisionssituation. Aus dieser Immissionssituation ergeben sich für einen Benutzer
und/oder eine Erkennungsautomatik die Immissionsorte, für die eine Ermittlung der
zugehörigen Emissionsorte besonders wichtig ist.
[0036] Bei der Anwendung des Ausbreitungsmodells wird bevorzugt eine Immissionskarte, d.
h. insbesondere eine Immissionslandkarte, oder eine Immissionsmatrix erstellt, aus
der jeweils die Immissionswerte an bestimmten Immissionsorten hervorgehen. Dies vereinfacht
einem Benutzer die Auswahl eines für sein Erkenntnisinteresse geeigneten Immissionsorts
und beschleunigt das Verfahren zudem. Insbesondere Immissionskarten sind intuitiv
bedienbar und zeigen oft auf einen Blick, wo sich beispielsweise Hotspots der oben
erwähnten Art finden.
[0037] Ein besonderer Erkenntnisvorteil ergibt sich dann, wenn die Auswahl eines Immissionsorts
- bevorzugt automatisch - aufgrund von an diesem Immissionsort vorliegenden und/oder
errechneten lokalen oder regionalen Belastungswerten einer Anzahl der Emissionsstoffe
erfolgt. Diese Anzahl kann aus einem einzelnen Stoff bestehen oder aus einer Gruppe
von Stoffen, die bevorzugt einer gemeinsamen Schadstoffgruppe zuzuordnen sind. Es
werden also beispielsweise in Bezug auf einzelne zu berücksichtigende Immissionen
Hotspots und/oder Orte ermittelt, an denen Belastungs-Grenzwerte überschritten werden.
Ausgehend von solchen Orten mit hohen oder gar Spitzenbelastungen können Emissionsorte
ermittelt werden, in denen ein Ausstoß von Schadstoffen erfolgt, der besonders stark
zur Überschreitung von Grenzwerten und daher zu Schädigungen allgemein beiträgt.
[0038] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung werden bei Anwendung des Ausbreitungsmodells
Emissionen gemäß ihrer Herkunft mit, besonders bevorzugt eindeutigen, Markierungen
versehen. Diese können beispielsweise als Kennzahlen oder in Form von Identifikationsnummern,
vorteilhafterweise ergänzt durch Angaben zum Zeitpunkt des Ausstoßes der Emissionen,
vorgehalten werden. Sie können sich dabei auf Partikelwolken bzw. -cluster beziehen
und auch nach Partikelart (Größe, Gewicht o.ä.) und/oder Partikelgruppe (insbesondere
Stoffgruppe) aufgeschlüsselt sein. Besonders bevorzugt werden einzelner Partikel mit
von ihrem Emissionsort abhängigen Herkunfts-Markern markiert. Somit ist jedes Partikel
einfach auch wieder rückverfolgbar, was die Quantifizierung in Form der Verteilungswerte
und die örtliche bzw. räumliche Zuordnungsgenauigkeit zu den Emissionsorten bedeutend
erhöhen kann. Zudem ist die Rückverfolgbarkeit der Emissionen sehr einfach: Die Emissionen
bzw. Partikel können in einem Histogramm nach Herkunftsort aufgetragen werden.
[0039] Ein positiver Zusatzeffekt kann außerdem erzielt werden, wenn zusätzlich zu den Emissionsorten
Klassen von Emittenden der ausgewählten Emissionsstoffe ermittelt werden. Diese Klassen
können sich beispielsweise auf Fahrzeugklassen des Kraftfahrtbundesamts beziehen,
bzw. auf Antriebs- bzw. Motorenklassen oder gar heruntergebrochen auf einzelne Fahrzeugtypen,
ggf. sogar gestaffelt nach Zulassungsdaten uvm. Mit einer solchen Verfeinerung der
Zuordnung von Emissionen wird die Datenbasis bereitgestellt, die beispielsweise zu
einer noch zielgerichteteren Verkehrssteuerung genutzt werden kann. Zur Ermittlung
von Fahrzeugklassen ist die Verwendung eines Ausbreitungsmodells auf Basis der oben
erwähnten Herkunftsmarkierungen besonders vorteilhaft, da auch die Herkunft nach Fahrzeugen
in einer Markierung kodiert werden kann.
[0040] Außerdem können zusätzlich zu den Emissionsorten und ggf. den Fahrzeugklassen Emissionszeiten
der ausgewählten Emissionsstoffe ermittelt werden. Dies führt zu einer Darstellbarkeit
des zeitlichen Emissionsverlaufs, was vor allem für Einschätzung der Effektivität
verkehrssteuernder Massnahmen eine bedeutende Rolle spielen kann. So können Schadstoffe
zum Beispiel bei Windstille an einem Immissionsort zu einem Zeitpunkt gemessen werden,
der lange nach dem Verursachungszeitpunkt liegt. Ein aktueller Eingriff in die Verkehrssituation
am Emissionsort kann daher ggf. überhaupt keinen Sinn machen. Andererseits können
auch Zeitkurven ermittelt werden, aus denen im Vorgriff auf mögliche Grenzwertüberschreitungen
zu einem späteren Zeitpunkt schon vorbeugende verkehrssteuerende Maßnahmen abgeleitet
werden können.
[0041] Was die ermittelten Emissionsorte betrifft, so können diese vorteilhafterweise grafisch
auf einer Landkarte hervorgehoben werden, bevorzugt durch die Farb- bzw. Kontrastgebung
in Abhängigkeit von ihrem Anteil an den Gesamtimmissionen am Immissionsort kodiert.
In Kombination mit der Darstellung von mehreren Immissionsorten auf einer solchen
Landkarte kann daraus eine übersichtliche Darstellung für einen Benutzer abgeleitet
werden, aus der er zum Beispiel erkennen kann, welche Emissionsorte eine hohe Relevanz
für mehrere Immissionsorte besitzen. Eine solche Landkarte kann auch über eine Benutzerschnittstelle
interaktiv ausgebildet sein, etwa dadurch, dass ein Benutzer mit einem Mauszeiger
einen Immissionsort auf der Karte markiert und hierzu automatisch Informationen zu
den korrespondierenden Emissionsorten dargestellt erhält.
[0042] Zudem kann es im Rahmen des Verfahrens vorteilhaft sein, eine Mehrzahl an Immissionsorten
auszuwählen und wie einen einzelnen Immissionsort für die Ermittlung von Emissionsorten
zu behandeln. Das Ergebnis ist dann eine Aufstellung, welche Emissionsorte dieser
Mehrzahl von Immissionsorten zugeordnet werden können, so dass eine Verkehrssteuerung
nicht nur zur Abmilderung der Immissionsituation an einem einzelnen ausgewählten Hotspot
erfolgt. Eine Verkehrssteuerung mit globaleren und dennoch gezielt wirkenden Maßnahmen
kann hieraus resultieren.
[0043] Was das erfindungsgemäße Verkehrssteuerungsverfahren angeht, so ist es bevorzugt,
dass die Steuersignale auch zusätzliche Informationen an durch die Verkehrssteuerung
betroffene Verkehrsteilnehmer, vorzugsweise am Emissionsort, und/oder Anwohner, vorzugsweise
am Immissionsort, betreffend eine Quantifizierung und/oder eine Ausbreitungsdarstellung
auf Basis einer räumlichen Rückverfolgung der Emissionsstoffe umfassen. Die Verkehrsteilnehmer
erhalten so Informationen, die ihnen den Sinn der verkehrstechnischen Steuerungsmaßnahme
plausibel macht, was zu einer Erhöhung des Befolgungsgrads der Verkehrsregeln führen
dürfte. Die Anwohner bekommen vermittelt, welche Maßnahmen gezielt für sie ergriffen
werden, beispielsweise um eine momentane Verschmutzungssituation schnell zu beseitigen.
[0044] Die Erfindung wird im Folgenden unter Hinweis auf die beigefügten Figuren anhand
von Ausführungsbeispielen noch einmal näher erläutert. Dabei sind in den verschiedenen
Figuren gleiche Komponenten mit identischen Bezugsziffern versehen. Es zeigen:
FIG 1 eine schematische Landkarte einer Siedlung mit zwei sich kreuzenden Straßen
mit grauwertkodierter Darstellung von Schadstoffbelastungen,
FIG 2 eine schematische Landkarte eines Ballungsgebiets mit Darstellung von Emissionsorten
und Richtungsanzeigern eines Ausbreitungsmodells,
FIG 3 eine schematische Blockdarstellung eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Ermittlungsverfahrens,
FIG 4 eine schematische Blockdarstellung eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Verkehrssteuerungsverfahrens,
FIG 5 eine schematische Blockdarstellung eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Verkehrssteuerungssystems mitsamt einem Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen
Ermittlungssystems,
FIG 6 eine schematische Blockdarstellung von Abläufen innerhalb eines Verkehrsmanagementsystems
unter Zuhilfenahme der erfindungsgemäßen Ermittlungs- und Verkehrssteuerungssysteme.
[0045] FIG 1 zeigt einen Landkartenausschnitt, in dem der Tagesmittelwert einer Feinstaubkonzentration,
gemessen in µg/m
2, grauwertkodiert (vgl. die schematische Grauwertskala an der Seite) dargestellt ist.
Die Landkarte 13 ist in Nord-Süd-Ausrichtung dargestellt. Die Windrichtung ist durch
einen Richtungspfeil 7 dargestellt. Sie verläuft hier von West nach Ost. Zu erkennen
sind drei Straßen 5a, 5b, 5c von denen die erste Straße 5a und die dritte Straße 5c
in etwa in Ost-West-Richtung verlaufen und die zweite Straße 5b in etwa in Nord-Süd-Richtung,
so dass sich zwei Kreuzungen ergeben, eine der ersten Straße 5a mit der zweiten Straße
5b und eine der dritten Straße 5c mit der zweiten Straße 5b. Oberhalb der dritten
Straße 5c, beidseits der zweiten Straße 5b befindet sich eine Siedlung, bestehend
aus mehreren Gebäuden 3.
[0046] Schadstoffe wie Kohlenmonoxid, Stickoxide, Feinstaubpartikel, Ruß, Schwefeldioxid
uva., die durch den Verkehr auf den beiden Straßen 5a, 5b, 5c hervorgerufen werden,
breiten sich aus. Dies erfolgt aufgrund einer Ausbreitungslogik, die in Form einer
Anzahl von Ausbreitungsregeln in einem Ausbreitungsmodell abbildbar ist. Die Schadstoffe
können mittels Schadstoffsensoren 1, 1a, 1b ermittelt werden, die entlang der Straßen
5a, 5b, 5c platziert sind. In der Regel wird nur eine deutlich geringere Anzahl solcher
Sensoren in einem solch kleinen Verkehrsbereich aufgestellt sein. Ein entscheidender
Faktor für die an einem Schadstoffsensor 1, 1a, 1b messbare Schadstoffmenge ist sein
Aufstellungsort. Dies ist erkennbar am Beispiel der beiden Schadstoffsensoren 1a,
1b, die an der zweiten Straße 5b gegenüberliegend an den beiden Straßenseiten aufgestellt
sind. Der weiter westlich aufgestellte Schadstoffsensor 1a steht im Windschatten eines
Gebäudes 3 und misst in der hier vorliegenden Windsituation nur eine sehr geringe
Feinstaubkonzentration. Hingegen ermittelt der weiter östlich aufgestellte Schadstoffsensor
1b nur einige Meter entfernt vom Schadstoffsensor 1a eine Feinstaubkonzentration von
mindestens 50 µg/m
2, also mehr als zehnmal so viel wie auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
[0047] Dieses instruktive Beispiel veranschaulicht, warum die Ermittlung von Schadstoffkonzentrationen
heute nicht mehr ausschließlich von Sensorsystemen durchgeführt wird. Oftmals werden
stattdessen oder ergänzend Ausbreitungsmodelle, die beispielsweise einen durch ein
Gebäude 3 verursachten Windschatten, bei der Zuweisung von virtuellen Schadstoffmesswerten
mitberücksichtigen, eingesetzt.
[0048] FIG 2 zeigt eine schematische Landkarte eines Verkehrsbereichs 15 eines Ballungsraums,
in der mehrere Straßenabschnitte als Emissionsorte 19a, 19b, ..., 19n hervorgehoben
sind. Zudem sind Richtungspfeile 17 aufgetragen, die schematisch die Logik eines Ausbreitungsmodells
für Emissionen repräsentieren. Aufgrund dieses simulatorisch ermittelten Ausbreitungsverhaltens
ergibt sich eine besondere hohe Schadstoffkonzentration an einem Hotspot 11. Dieser
Hotspot 11 kann im Rahmen des erfindungsgemäßen Ermittlungsverfahrens als Ausgangspunkt
verwendet werden, um die Emissionsorte zu bestimmen, von denen her mit (bestimmten
bzw. zu bestimmenden) Anteilen die als Immissionen am Hotspot 11 messbaren Schadstoffe
herkommen.
[0049] Dies erfolgt bei einer Variante der Erfindung durch eine Rückverfolgung der Schadstoffströme
mit derselben Logik wie der des verwendeten Ausbreitungsmodells. Bildhaft gesprochen
verfolgt diese Logik die dargestellten Pfeile in umgekehrter Richtung bis sie auf
den dazugehörigen Emissionsort 19a, 19b, ..., 19n stößt. Im Endeffekt kann mit Hilfe
des Ausbreitungsmodells und seiner Anwendung in umgekehrter Richtung zu jedem als
Immissionsort auf der Landkarte definierten Ort eine Anzahl von Emissionsorten zugeordnet
werden. Zusätzlich dazu können die Anteile, prozentual und/oder absolut der Emissionen
von einem bestimmten Emissionsort bestimmt und angezeigt werden, die für die Gesamtimmissionen
am Immissionsort verantwortlich sind. Eine andere Variante der Rückverfolgung von
Schadstoffen stellt die oben beschriebene Markierung von Emissionen gemäß ihrer Herkunft
und die nachträgliche Aufstellung dieser Emissionen in einem Histogramm dar.
[0050] In einem Visualisierungsbeispiel kann einem Benutzer eine Immissionskarte auf einer
graphischen Benutzerschnittstelle dargestellt werden. Bei Platzierung eines Markierungsinstruments
wie einem Computermauszeiger an einem beliebigen Ort, etwa einem Hotspot, auf der
Benutzerschnittstelle würden all jene Straßenabschnitte, d. h. Emissionsorte hervorgehoben,
die einen relevanten Anteil an der Immissionsbelastung an diesem Immissionsort beisteuern.
Je nach Anteil an der Gesamtbelastung kann eine Farb- bzw. Kontrastkodierung der Emissionsorte
durchgeführt werden, beispielsweise auf einer grün-gelb-rot-Skala.
[0051] Aus der Erkenntnis, von welchen Emissionsorten Immissionen an einem bestimmten Hotspot
herrühren, können für die Emissionsorte Verkehrssteuerungsmaßnahmen abgeleitet werden,
etwa:
- eine Verflüssigung des Verkehrsflusses auf den entsprechenden Strecken durch Minimierung
der Fahrzeughalte, etwa durch entsprechende Lichtsignalsteuerung, und/oder
- eine Verschiebung von Verkehrsflüssen von einer Strecke in andere, für die Schadstoffbelastung
des Hotspots weniger kritische Bereiche durch Lichtsignalanlagen, variable Beschilderung
und Verkehrsinformationsdienste.
[0052] Aus der Kenntnis der Emissionsorte lassen sich also sehr gezielte Abstellmaßnahmen
gegen eine Überschreitung von Schadstoffkonzentrationen an bestimmten Immissionsorten
bewirken. Wird bereits zur Ermittlung der Immissionsorte ein feines Ausbreitungsmodell
verwendet, so kann zudem sichergestellt werden, dass die Untersuchung tatsächlich
die richtigen Hotspots ermittelt und nicht solche, die in Wirklichkeit nicht das volle
Ausmaß einer Immissionssituation in einem Verkehrsbereich wiedergeben.
[0053] FIG 3 zeigt in einem schematischen Blockdiagramm den Ablauf eines Ausführungsbeispiels
eines erfindungsgemäßen Verfahrens F zur Ermittlung von Emissionsorten 19a, 19b, ...
19n. In einem Schritt A werden Eingangswerte in das Verfahren eingebracht, beispielsweise
in Form von Verkehrsdaten. Optional kann in einem Schritt B zusätzlich eine Auswahl
getroffen werden, welche Emissionsstoffe bei dem Verfahren berücksichtigt werden sollen.
Schritt C beinhaltet die Eingabe bzw. Definition eines Immissionsorts 11, beispielsweise
eines Hotspots, zu dem im Folgenden Emissionsorte 19a, 19b, ... 19n ermittelt werden
sollen. Diese Definition kann automatisiert erfolgen oder durch eine Benutzereingabe.
In Schritt D werden auf Basis der Regeln eines geeigneten Emissions-Ausbreitungsmodells
durch Rückverfolgung die Emissionsorte 19a, 19b, ... 19n ermittelt, von denen die
Immissionen am Immissionsort 11 herstammen. Diese werden in einem Schritt E an einen
Benutzer ausgegeben.
[0054] FIG 4 zeigt schematisch den Ablauf eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Verkehrssteuerungsverfahrens. Dabei werden zunächst in einem Schritt F Emissionsorte
19a, 19b, ... 19n ermittelt, die einem ausgewählten Immissionsort zuzuordnen sind.
Für diese Emissionsorte 19a, 19b, ... 19n, mindestens aber für einen der Emissionsorte
19a, 19b, ... 19n werden in Schritt G Steuersignale generiert und ausgegeben, durch
die dort in den Verkehr steuernd eingegriffen wird.
[0055] FIG 5 zeigt eine schematische Blockdarstellung von Ausführungsbeispielen eines erfindungsgemäßen
Verkehrssteuerungssystems 21 und eines erfindungsgemäßen Ermittlungssystems 23. Das
Ermittlungssystem 23 bildet zusammen mit einer Steuerungseinheit 25 das in Form von
Softwaremodulen auf einem Prozessor realisierte Verkehrssteuerungssystem 21.
[0056] Das Ermittlungssystem 23 weist eine Eingangsschnittstelle 27 zur Einspeisung von
Eingangswerten EW auf sowie eine Eingangsschnittstelle 29 zur Einspeisung von Schadstoffdaten
SD. Die Schadstoffdaten SD beinhalten Informationen darüber, welche Schadstoffarten
in einer Untersuchung berücksichtigt werden sollen. Eine dritte Eingangsschnittstelle
31 dient der Einspeisung von Auswahldaten IO zu zu untersuchenden Immissionsorten.
In einer Ermittlungseinheit 35 werden auf Basis dieser Eingaben EW, SD, IO und unter
Verwendung von in einem Speichermedium 39 vorgehaltenen Regeln eines Emissions-Ausbreitungsmodells
Emissionsortangaben EO generiert. Diese Angaben beinhalten Informationen darüber,
welche Emissionsorte dem jeweils ausgewählten Immissionort zugeordnet werden können
und mit welchen Verteilungswerten. Über eine Ausgangsschnittstelle 37 werden die Emissionsortangaben
EO an die Steuerungseinheit 25 weitergeleitet, die darauf basierend für einen oder
mehrere der ermittelten Emissionsorte Steuerungssignale SB ableitet, die der gezielten
Verkehrssteuerung in diesem Bereich dienen.
[0057] FIG 6 zeigt eine Ablauflogik innerhalb eines Verkehrsmanagamentsystems unter Zuhilfenahme
der erfindungsgemäßen Verfahren. Verkehrsdetektoren generieren Verkehrsdetektor-Messwerte
DW, aus denen über ein Verkehrsumlegungsmodell oder einen Verkehrszuständsschätzer
VZ Verkehrsdaten VD abgeleitet werden. Die Verkehrsdaten VD repräsentieren einen Verkehrszustand
in einem Verkehrsbereich, z. B. auf einem Straßenabschnitt. Auf Basis der Verkehrsdaten
VD werden mit Hilfe eines geeigneten Emissionsmodells EM Schadstoffkonzentrationen
SK an bestimmten Immissionsorten, z. B. den Hotspots, im Endeffekt also Immissionsdaten
generiert. Diese fließen in die Ermittlung von Emissionsorten ein, woraus Emissionsortsangaben
EO resultieren, die Angaben beinhalten, wie wieviele Anteile der Schadstoffkonzentrationen
SK an einem Immissionsort von einem bestimmten Emmissionsort herrühren. Diese finden
Eingang in die Erarbeitung einer übergeordneten Verkehrsmanagementstrategie VStrat.
Hieraus entsteht eine Wechselwirkung, da die Verkehrsmanagementstrategie VStrat Auswirkungen
auf die Emissionsorte zeitigt. Die Umsetzung der Strategien wird durch Steuersignale
SB durchgeführt.
[0058] Es wird abschließend noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich bei den vorhergehend
detailliert beschriebenen Verfahren sowie bei den dargestellten Systemen lediglich
um Ausführungsbeispiele handelt, welche vom Fachmann in verschiedenster Weise modifiziert
werden können, ohne den Bereich der Erfindung zu verlassen. Weiterhin schließt die
Verwendung der unbestimmten Artikel "ein" bzw. "eine" nicht aus, dass die betreffenden
Merkmale auch mehrfach vorhanden sein können. Außerdem können "Einheiten" aus einer
oder mehreren, auch räumlich verteilt angeordneten, Komponenten bestehen.
1. Verfahren (F) zur automatischen Ermittlung von Emissionsorten (19a, 19b, ..., 19n)
ausgewählter Emissionsstoffe ausgehend von einem ausgewählten Immissionsort (11),
wobei auf Basis von Eingangswerten (EW), die sich direkt oder indirekt auf die Emissionsstoffe
beziehen, unter Anwendung von definierten Regeln (R) eines zu einer Ausbreitungsermittlung
der Emissionsstoffe geeigneten Ausbreitungsmodells eine räumliche Rückverfolgung der
Emissionsstoffe unter Angabe von Verteilungswerten erfolgt.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass der Immissionsort (11) aus einer Aufstellung einer Mehrzahl von bestimmten Immissionsorten
ausgewählt wird, deren zugeordnete Immissionswerte auf Grundlage einer Anwendung desselben
Ausbreitungsmodells ermittelt wurden.
3. Verfahren gemäß Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass bei der Anwendung des Ausbreitungsmodells als Eingangswerte (EW) basierend auf Messdaten
ermittelte und/oder simulierte örtlich zugeordnete Emissionswerte verwendet werden.
4. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Eingangswerte (EW) auf Messdaten basierende Verkehrs-Daten einer Verkehrssituation
umfassen.
5. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch die Auswahl eines Immissionsorts (11) aufgrund von an diesem Immissionsort (11) vorliegenden
und/oder errechneten lokalen oder regionalen Belastungswerten einer Anzahl der Emissionsstoffe.
6. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei Anwendung des Ausbreitungsmodells Emissionen gemäß ihrer Herkunft mit Markierungen
versehen werden.
7. Verfahren gemäß Anspruch 6,
gekennzeichnet durch die Markierung einzelner Partikel mit von ihrem Emissionsort (19a, 19b, ..., 19n)
abhängigen Herkunfts-Markern.
8. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich zu den Emissionsorten (19a, 19b,..., 19n) Klassen von Emittenden der ausgewählten
Emissionsstoffe ermittelt werden.
9. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich zu den Emissionsorten (19a, 19b,..., 19n) Emissionszeiten der ausgewählten
Emissionsstoffe ermittelt werden.
10. Verfahren zur immissionsabhängigen Verkehrssteuerung in einem Verkehrsbereich (15),
bei dem Steuersignale (SB) zur Steuerung eines Verkehrs an einem Emissionsort (19a,
19b,..., 19n) generiert werden, die automatisch ausgehend von einem Immissionsort
(11) ermittelt werden, an dem Emissionsstoffe dieses Emissionsorts (19a, 19b,...,
19n) als Immissionen ermittelbar sind.
11. Verfahren zur Verkehrssteuerung gemäß Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Emissionsort (19a, 19b,..., 19n) durch Anwendung eines Ermittlungsverfahrens
(F) gemäß einem der Ansprüche 1 bis 10 ermittelt wird.
12. Verfahren zur Verkehrssteuerung gemäß Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuersignale (SB) Informationen an durch die Verkehrssteuerung betroffene Verkehrsteilnehmer
und/oder Anwohner betreffend eine Quantifizierung und/oder eine Ausbreitungsdarstellung
auf Basis einer räumlichen Rückverfolgung der Emissionsstoffe umfassen.
13. Ermittlungssystem (23) zur automatischen Ermittlung von Emissionsorten (19a, 19b,...,
19n) ausgewählter Emissionsstoffe ausgehend von einem ausgewählten Immissionsort (11)
mindestens umfassend
- eine Eingangsschnittstelle (27) für Eingangswerte (EW), die sich direkt oder indirekt
auf die Emissionsstoffe beziehen, und
- eine Ermittlungseinheit (35), die im Betrieb Regeln (R) eines zu einer Ausbreitungsermittlung
der Emissionsstoffe geeigneten Ausbreitungsmodells dazu verwendet, auf Basis der Eingangswerte
eine räumliche Rückverfolgung der Emissionsstoffe unter Angabe von Verteilungswerten
durchzuführen.
14. Verkehrssteuerungssystem (21) zur immissionsabhängigen Verkehrssteuerung in einem
Verkehrsbereich (15) mit einer Steuerungseinheit (25), die im Betrieb Steuersignale
(SB) zur Steuerung eines Verkehrs an einem Emissionsort (19a, 19b,..., 19n) generiert,
und einer Ermittlungssystem (23), das so ausgebildet ist, dass es im Betrieb automatisch
den Emissionsort (19a, 19b,..., 19n) ausgehend von einen Immissionsort (11) ermittelt,
an dem Emissionsstoffe vom Emissionsort als Immissionen messbar sind.
15. Verkehrssteuerungssystem gemäß Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet, dass das Verkehrssteuerungssystem ein Ermittlungssystem (23) gemäß Anspruch 13 umfasst.