[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Befüllen
und Verschließen von Faltschachteln.
[0002] In der pharmazeutischen Industrie werden eine Vielzahl von pharmazeutischen Produkten,
insbesondere Tabletten, Dragees etc., in Blisterverpackungen verpackt, welche wiederum
in Faltschachteln aufbewahrt und zum Verkauf angeboten werden. Derartige Faltschachteln
für pharmazeutische Produkte sind oftmals mittels Steckverschlüssen verschlossen,
so dass das Öffnen und Schließen des Steckverschlusses für den Patienten beliebig
oft wiederholbar ist.
[0003] Oftmals ist es jedoch stattdessen gewünscht, die Faltschachteln nach deren Befüllung
mit pharmazeutischen Produkten dauerhaft zu verschließen, so dass nach dem Öffnen
der Faltschachtel ein nochmaliges Verschließen derselben nicht möglich ist (sogenannter
Originalitätsverschluss). Für letzteren Fall werden üblicherweise im Bereich einer
Kartoniermaschine nach dem Befüllen der Faltschachteln mit Blisterverpackungen die
Faltschachteln durch eine Heißleimstation geführt, wo auf Schließlaschen der Faltschachteln
eine oder mehrere Klebestellen aus Heißleim aufgespritzt werden. Beim weiteren Durchlauf
durch die Kartoniermaschine wird die mit Kleber versehene Schließlasche gegen eine
zweite Lasche der Faltschachtel gepresst, bis der Kleber erkaltet ist und seine Festigkeit
erreicht hat.
[0004] Dieses häufig verwendete Prinzip ist mit etlichen Nachteilen verbunden. Zum einen
muss für die Heißleimstation in der Kartoniermaschine Platz vorgesehen werden, wodurch
sich der Maschinenpreis durch die zusätzliche Baulänge und das Heißleimgerät erhöht.
Bei ungeplantem Maschinenstopp muss außerdem eine Anzahl von Faltschachteln ausgeschieden
werden, da die Gefahr besteht, dass der Heißleim vor Abschluss des Schließvorgangs
erkaltet ist und die Kebestelle nicht die vorgeschriebene Festigkeit besitzt. Bei
Störungen an den Leimdüsen schließlich gelangt Kleber in die Kartoniermaschine, der
sich anschließend nur schwer entfernen lässt.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung und ein Verfahren
zum Befüllen und Verschließen von Faltschachteln anzugeben, welche für einen sauberen,
kostengünstigen, platzsparenden und sicheren Verschluss der Faltschachteln sorgen.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 bzw. der Ansprüche 11 sowie
13 gelöst.
[0006] Erfindungsgemäß weist die Vorrichtung zum Befüllen und Verschließen von Faltschachteln
eine erste Transportvorrichtung zum Transport von Faltschachteln auf, außerdem eine
Füllvorrichtung zum Befüllen der durch die erste Transportvorrichtung geförderten
Faltschachteln mit pharmazeutischen Produkten, und eine Schließvorrichtung zum dauerhaften
Verschließen von Schließlaschen der mit den pharmazeutischen Produkten befüllten Faltschachteln.
Dabei weist die Schließvorrichtung mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle
zur Aktivierung mindestens einer Klebestelle eines elektromagnetisch erwärmbaren Klebers
auf mindestens einer Schließlasche auf.
[0007] Auf diese Weise kann in der Kartoniermaschine ein sicherer Verschluss der Faltschachteln
auf berührungslose Weise erzielt werden, wobei gleichzeitig Platz eingespart und die
oben aufgeführten Nachteile vermieden werden können.
[0008] Vorzugsweise ist die mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle als Induktionsspule
ausgebildet. Alternativ kann sie auch als Mikrowellenstrahler ausgebildet sein.
[0009] In einer ersten Ausführungsform ist die mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle
im Bereich der ersten Transportvorrichtung angeordnet. Diese Ausgestaltung besitzt
den Vorteil, dass das Verschließen der Faltschachteln unmittelbar nach deren Befüllung
stattfinden kann.
[0010] Vorzugsweise weist die erste Transportvorrichtung mindestens eine seitliche Leitschiene
zur Führung der Faltschachteln auf, in deren Bereich die mindestens eine elektromagnetische
Strahlungsquelle angeordnet ist. In dieser Ausgestaltung kann die elektromagnetische
Strahlungsquelle unmittelbar angrenzend an die zu verschließenden Schließlaschen angeordnet
sein und sogar zu deren zusätzlicher Führung dienen.
[0011] Auf die erste Transportvorrichtung folgt meist eine zweite Transportvorrichtung zum
Abtransport der mit den pharmazeutischen Produkten befüllten Faltschachteln, welche
die befüllten Faltschachteln von der ersten Transportvorrichtung übernimmt. In einer
alternativen Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann die mindestens
eine elektromagnetische Strahlungsquelle dann vorzugsweise im Bereich der zweiten
Transportvorrichtung angeordnet sein.
[0012] Die zweite Transportvorrichtung weist dabei vorzugsweise zwei seitliche Transportriemen
zum Transport der Faltschachteln auf, in deren Bereich die mindestens eine elektromagnetische
Strahlungsquelle angeordnet ist. Bei einer derartigen Ausgestaltung liegt die elektromagnetische
Strahlungsquelle geringfügig weiter von den zu verschließenden Schließlaschen der
Faltschachtel entfernt und die elektromagnetische Strahlung muss den seitlichen Transportriemen
durchdringen. Auch hier ergibt sich jedoch aufgrund der integrativen Anordnung der
mindestens einen elektromagnetischen Strahlungsquelle in das Gesamtsystem eine erhebliche
Platzersparnis.
[0013] Um eine hohe Durchlaufgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Gewährleistung einer sicheren
Verbindung an der Klebestelle zu gewährleisten, ist eine Vielzahl von elektromagnetischen
Strahlungsquellen in Reihe angeordnet.
[0014] Zur Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten, insbesondere zu einer doppelseitigen Erwärmung
von Klebestellen an gegenüberliegenden Schließlaschen der Faltschachteln, kann eine
Vielzahl von elektromagnetischen Strahlungsquellen in zwei parallelen beabstandeten
Reihen angeordnet sein, zwischen denen sich die Transportvorrichtung erstreckt.
[0015] Zur weiteren Vereinfachung des Gesamtprozesses kann die Vorrichtung zum Befüllen
und Verschließen von Faltschachteln im Bereich der ersten Transportvorrichtung eine
Applikationsvorrichtung zum Aufbringen eines Folienabschnitts, welcher die Klebestelle
bildet, auf mindestens eine Schließlasche aufweisen. Dadurch entfällt eine Spezialbehandlung
der Faltschachteln beim Faltschachtelhersteller.
[0016] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Befüllen und Verschließen von Faltschachteln weist
in einer ersten Alternative folgende Schritte auf:
- Bereitstellen von Faltschachteln mit mindestens einer Klebestelle eines elektromagnetisch
erwärmbaren und dadurch aktivierbaren Klebers auf mindestens einer Schließlasche der
Faltschachteln;
- Befüllen der Faltschachteln mit pharmazeutischen Produkten;
- Falten der mindestens einen Schließlasche in den gewünschten Schließzustand; und
- indirektes Erwärmen der mindestens einen Klebestelle mittels mindestens einer elektromagnetischen
Strahlungsquelle.
[0017] Die Reihenfolge der Schritte des Befüllens und des Faltens ist dabei nicht festgelegt.
So können bestimmte Schließlaschen auf einer schmalen Längsseite der Faltschachtel
auch bereits vor oder während des Befüllens der Faltschachteln eingefaltet werden.
Mit diesem Verfahren kann eine Heißleimstation in der Kartoniermaschine komplett entfallen,
da die Klebestelle bereits während der Faltschachtelherstellung beim Faltschachtelhersteller
im Vorfeld erzeugt wird. In der Kartoniermaschine muss nach dem Befüllen der Faltschachteln
diese Klebestelle lediglich mittels der mindestens einen elektromagnetischen Strahlungsquelle
aktiviert werden. Somit entfallen die Probleme des erhöhten Platzbedarfs sowie möglicher
Störungen der Kartoniermaschine aufgrund von Störungen an den Leimdüsen.
[0018] Die Handhabung beim Faltschachtelhersteller wird erleichtert, wenn die Klebestelle
durch einen Folienabschnitt gebildet wird. Dieser Folienabschnitt ist auf einfache
Weise auf die Schließlasche aufzubringen.
[0019] In einer zweiten Alternative weist das erfindungsgemäße Verfahren folgende Schritte
auf:
- Bereitstellen von Faltschachteln;
- Befüllen der Faltschachteln mit pharmazeutischen Produkten;
- Aufbringen mindestens eines Folienabschnitts, welcher eine Klebestelle eines elektromagnetisch
erwärmbaren und dadurch aktivierbaren Klebers bildet, auf mindestens eine Schließlasche
der Faltschachteln;
- Falten der mindestens einen Schließlasche in den gewünschten Schließzustand; und
- indirektes Erwärmen der mindestens einen Klebestelle mittels mindestens einer elektromagnetischen
Strahlungsquelle.
[0020] Mit diesem nachträglichen Aufbringen des Folienabschnitts unmittelbar vor oder nach
der Befüllung herkömmlicher Faltschachteln ist der Vorteil verbunden, dass sämtliche
erfindungsgemäßen Handlungen in einer Maschine durchgeführt werden.
[0021] Dabei ist es bevorzugt, wenn der Folienabschnitt einseitig selbstklebend ausgestaltet
ist. Auf diese Weise entfällt die Notwendigkeit eines zusätzlichen Haftmittels.
[0022] Weitere Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung unter Bezugnahme auf die Zeichnungen.
- Fig. 1
- ist eine Perspektivansicht einer ersten Faltschachtel, für deren Befüllen und Verschließen
die erfindungsgemäße Vorrichtung und das Verfahren geeignet sind;
- Fig. 2
- ist eine Draufsicht auf einen Faltschachtelzuschnitt einer zweiten Faltschachtel,
für deren Befüllen und Verschließen die erfindungsgemäße Vorrichtung und das Verfahren
geeignet sind;
- Fig. 3
- ist eine Perspektivansicht einer dritten Faltschachtel, für deren Befüllen und Verschließen
die erfindungsgemäße Vorrichtung und das Verfahren geeignet sind;
- Fig. 4
- ist eine Draufsicht auf einen Faltschachtelzuschnitt einer vierten Faltschachtel,
für deren Befüllen und Verschließen die erfindungsgemäße Vorrichtung und das Verfahren
geeignet sind;
- Fig. 5
- ist eine schematische Perspektivansicht einer Vorrichtung zum Befüllen von Faltschachteln,
welche durch Ergänzung mit mindestens einer elektromagnetischen Strahlungsquelle zu
einer erfindungsgemäßen Vorrichtung umwandelbar ist;
- Fig. 6
- ist eine schematische Draufsicht auf eine erste Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Vorrichtung zum Befüllen und Verschließen von Faltschachteln, bei der mehrere elektromagnetische
Strahlungsquellen im Bereich einer ersten Transportvorrichtung angeordnet sind;
- Fig. 7
- ist ein teilweiser Querschnitt durch die Vorrichtung aus Fig. 6 quer zur Laufrichtung
der ersten Transportvorrichtung;
- Fig. 8
- ist eine Seitenansicht der ersten Transportvorrichtung aus Fig. 6 mit darauf gelagerten
Faltschachteln;
- Fig. 9
- ist eine schematische Draufsicht auf eine zweite Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Vorrichtung zum Befüllen und Verschließen von Faltschachteln, bei der mehrere elektromagnetische
Strahlungsquellen im Bereich einer zweiten Transportvorrichtung angeordnet sind;
- Fig. 10
- ist ein teilweiser Querschnitt durch die Vorrichtung aus Fig. 9 quer zur Laufrichtung
der zweiten Transportvorrichtung; und
- Fig. 11
- ist eine schematische Perspektivansicht einer Applikationsvorrichtung zum Aufbringen
eines Folienabschnitts auf eine Schließlasche.
[0023] In Fig. 1 bis 4 sind vier beispielhafte Ausführungsformen von Faltschachteln 2 dargestellt,
welche mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. dem erfindungsgemäßen Verfahren
befüllt und fest verschlossen werden können. Die in Fig. 1 und 3 dargestellten quaderförmigen
Faltschachteln 2 weisen an einer ihrer offenen Seiten eine erste Schließlasche 4 auf,
auf welcher eine Klebestelle 6 eines Klebers aufgebracht ist. Die Klebestelle 6 kann
durch einen ausgehärteten Kleber oder durch einen Folienabschnitt 7 (siehe Fig. 3)
gebildet sein. Diese Klebestelle 6 dient zur sicheren Verklebung der ersten Schließlasche
4 mit einer zweiten Schließlasche 8 der Faltschachtel 2. Die dadurch erzielte Verbindung
zwischen den Schließlaschen 4, 8 ist dauerhaft und wird bei Öffnen der Faltschachtel
2 unwiderruflich zerstört, ist also nicht reversibel. Auf der gegenüberliegenden,
nicht einsehbaren schmalen Längsseite der Faltschachtel 2 kann beispielsweise eine
identische Anordnung einer Klebestelle 6 auf einer Schließlasche 4 vorgesehen sein,
oder es kann eine Stecklasche vorgesehen sein, welche ein mehrmaliges Öffnen und Verschließen
der Faltschachtel 2 erlaubt.
[0024] Die in Fig. 2 und 4 dargestellten Faltschachteln 2 sind als Faltschachtelzuschnitt
abgebildet, wobei an zwei Schließlaschen 4 jeder Faltschachtel 2 Klebestellen 6 des
Klebers aufgebracht sind, die zum dauerhaften Verschließen der schmalen Längsseiten
der Faltschachtel 2 dienen. Damit ist ein Originalitätsverschluss erzielt. In Fig.
4 sind die Klebestellen 6 wiederum durch Folienabschnitte 7 gebildet.
[0025] Üblicherweise werden die Faltschachteln 2 bei einem Faltschachtelhersteller aus einem
Faltschachtelzuschnitt gemäß Fig. 2 hergestellt und in der Regel mittels einer zur
Klebung dienenden längslaufenden Lasche 10 in eine Gestalt gebracht, bei der die den
Körper der Faltschachtel 2 bildenden Abschnitte mittels der mit einem Kleber versehenen
Lasche 10 zu einer einen Hohlraum bildenden Einheit verbunden sind, während die an
den Schmalseiten angeordneten Laschen inklusive der Schließlaschen 4 noch nach außen
abstehen und nicht geschlossen sind. Die Verklebung an der Lasche 10 erfolgt dabei
über herkömmliche, möglichst schnell härtende Kleber. Zum Transport werden die teilweise
verklebten Faltschachtelzuschnitte in jedem Fall in eine flache Gestalt gefaltet.
[0026] Selbstverständlich ist die vorliegende Erfindung nicht auf die in Fig. 1 bis 4 dargestellten
Ausführungsbeispiele einer Faltschachtel 2 beschränkt, sondern es sind viele andere
Geometrien und Formen des Faltschachtelzuschnitts sowie der Anordnung der Schließlaschen
4 und Klebestellen 6 denkbar.
[0027] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung können die Klebestellen 6 bereits während der
Faltschachtelherstellung auf die Schließlaschen 4 aufgebracht werden und dort aushärten.
Diese Klebestellen 6 sind in den dargestellten Ausführungsbeispielen als längslaufende
gerade Linien ausgebildet, können aber auch verschiedene andere Geometrien aufweisen.
Alternativ können die Klebestellen 6 durch Folienabschnitte 7 gebildet sein.
[0028] Besonders wichtig ist es nun, dass der Kleber, aus welchem die Klebestellen 6 erzeugt
werden, ein von einem herkömmlichen Kleber (wie er beispielsweise für die Lasche 10
verwendet wird) abweichender Kleber ist.
[0029] Der für die Klebestellen 6 zu verwendende Kleber bzw. die Folienabschnitte müssen
die Eigenschaft haben, dass sie durch Einwirken elektromagnetischer Strahlung erwärmbar
und dadurch aktivierbar sind.
[0030] Ausgangsstoff dieses Klebers ist üblicherweise ein thermoplastischer Kunststoff,
der derart modifiziert ist, dass die Energie eines elektromagnetischen Feldes absorbiert
und in Wärmeenergie umgewandelt wird. Vorzugsweise wird dies durch Einbringen von
ferromagnetischen Partikeln erzielt, welche durch Induktion erwärmbar sind. Ebenso
sind mikrowellenabsorbierende Partikel denkbar.
[0031] Die Klebstoffzusammensetzung kann ein Polymer, ein Polymergemisch oder ein Reaktionsharz
sowie Vernetzerpartikel enthalten, und sollte mittels eines elektromagnetischen Feldes,
vorzugsweise eines elektromagnetischen Wechselfeldes, erwärmbar sein. Die Vernetzerpartikel
bestehen dabei aus Füllstoffpartikeln, die metallisch, ferromagnetisch, ferrimagnetisch,
superparamagnetisch oder paramagnetisch sein können, sowie Vernetzereinheiten, die
chemisch an die Füllstoffpartikel gebunden sind. Beispielsweise durch induktive Erwärmung
der Vernetzerpartikel wird eine chemische Reaktion zwischen der Vernetzereinheit und
dem Polymer bzw. dem Polymergemisch ausgelöst, wobei ein Polymernetzwerk entsteht.
Die Größe der Füllstoffpartikel ist dabei in der Regel kleiner als 200 nm, vorzugsweise
kleiner als 50 nm.
[0032] Die zum Verbinden der Schließlaschen 4, 8 notwendige Wärme wird vorzugsweise durch
Hysterese- und Wirbelstromverluste in den Füllstoffpartikeln oder mechanische Reibungsverluste
durch induzierte Schwingung oder Rotation der Füllstoffpartikel erzeugt, wenn diese
einem elektromagnetischen Wechselfeld ausgesetzt werden. Die so erzeugte Wärme führt
zu einem Aufschmelzen der Polymermatrix des Klebers und damit zu einer Benetzung der
Oberflächen der Schließlaschen 4, 8 bei Erwärmung des Klebers bzw. der Folienabschnitte
7.
[0033] Das Verfahren zum Aktivieren der Klebstoffzusammensetzungen besteht also darin, dass
der Kleber oder die Folienabschnitte 7 mittels eines elektromagnetischen Feldes, vorzugsweise
eines elektromagnetischen Wechselfeldes, vorzugsweise induktiv auf eine Temperatur
erwärmt werden, bei der sie pastös werden und somit zur klebenden Verbindung der Schließlaschen
4, 8 einsetzbar sind. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass die Dauer der Erwärmung
auf einen Bereich weniger Sekunden begrenzt werden kann.
[0034] Dabei erfolgt die Aufbringung und Vorhärtung des Klebers zu einem Adhäsivverbund
bzw. die Aufbringung der Folienabschnitte 7 in einer Anwendungsform bereits beim Faltschachtelhersteller.
Das Lösen des Adhäsivverbundes, also die Aufweichung und Aktivierung des vorgehärteten
Schmelzklebers bzw. der Folienabschnitte 7 an der Klebestelle 6, erfolgt hingegen
erst nach Befüllung der Faltschachteln 2 mit pharmazeutischen Produkten 12 (siehe
Fig. 5 und 8). Alternativ können die Folienabschnitte 7 auch erst während des Befüllvorgangs
in der Kartoniermaschine aufgebracht werden, wie unter Bezugnahme auf Fig. 11 unten
näher erläutert wird.
[0035] Am besten ist ein Schmelzkleber geeignet, der bei Raumtemperatur fest und nicht adhäsiv
ist und erst bei Aktivierung aus dem vorgehärtetem Zustand bzw. dem Folienzustand
in einen pastösen Zustand übergeht.
[0036] In Fig. 5 ist der Standardablauf einer Befüllung von Faltschachteln 4 dargestellt.
Im dargestellten Beispielsfall sind die Faltschachteln 2 in einem flachen Zustand
in einem Faltschachtelmagazin 14 gelagert. Die Schließlaschen 4, 8 der Faltschachteln
2 sind dabei geöffnet und erstrecken sich in der Ebene des Faltschachtelzuschnitts.
In der Regel ist der flache Faltschachtelzuschnitt bereits, wie oben erläutert, an
einer Stelle mit herkömmlichem Kleber mit sich selbst verklebt. Die flachen Faltschachtelzuschnitte
gelangen vom Faltschachtelmagazin 14 auf eine erste Transportvorrichtung 16, welche
im dargestellten Ausführungsbeispiel als Faltschachteltransportkette ausgebildet ist.
Die Faltschachteln 2 werden auf dieser ersten Transportvorrichtung 16 aufgefaltet
und mittels einer geeigneten Füllvorrichtung 18 mit den pharmazeutischen Produkten
12, vorzugsweise Blisterverpackungen, gefüllt. Die erste Transportvorrichtung 16 läuft
hierbei entweder im getakteten Betrieb, vorzugsweise aber kontinuierlich. Im letzteren
Fall muss die Füllvorrichtung 18 während der Befüllung der Faltschachteln 2 mit der
ersten Transportvorrichtung 16 mitbewegt werden. Vor dem Befüllen der Faltschachteln
2 werden die Schließlaschen 4, 8 an derjenigen schmalen Längsseite der Faltschachteln
2, an welcher die Befüllung nicht stattfindet, vorzugsweise mittels mechanischer Führungen
nach innen geklappt, um einen Anschlag für die einzuschiebenden pharmazeutischen Produkte
12 zu gewährleisten.
[0037] Wie am besten aus Fig. 8 hervorgeht, ist die erste Transportvorrichtung 16 vorzugsweise
als eine Gliederkette ausgebildet, auf welcher die Faltschachteln 2 zwischen einzelnen
Mitnahmeelementen 20 gelagert sind. Nach der Befüllung der Faltschachteln 2 mit den
pharmazeutischen Produkten 12 werden auch die Schließlaschen 4, 8 an der zur Befüllung
genutzten schmalen Längsseite der Faltschachtel 2 wiederum mittels mechanischer Führungen
nach innen geklappt und sind damit in ihrer gewünschten Endposition angekommen. Theoretisch
kann die mindestens eine Klebestelle 6 auch erst unmittelbar vor deren Umklappen auf
die mindestens eine Schließlasche 4 aufgebracht werden, wie in Fig. 11 gezeigt ist.
[0038] Die befüllten Faltschachteln 2 werden anschließend in der Regel von einer zweiten
Transportvorrichtung 22 übernommen, welche die Faltschachteln 2 mit einer vorzugsweise
höheren Geschwindigkeit als die erste Transportvorrichtung 16 weitertransportiert.
Die Übernahme der Faltschachteln 2 von der ersten Transportvorrichtung 17 auf die
zweite Transportvorrichtung 22 erfolgt im dargestellten Beispielsfall durch an entgegengesetzten
Seiten angeordnete, umlaufende Transportriemen 24 der zweiten Transportvorrichtung
22. Diese Transportriemen 24 sind darauf ausgerichtet, den Kontakt mit den durch die
Schließlaschen 4, 8 gebildeten schmalen Längsseiten der Faltschachteln 2 herzustellen
und sie durch beidseitigen Kraftschluss aus der ersten Transportvorrichtung 16 zu
entnehmen.
[0039] Erfindungsgemäß soll nun mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle 26 zur
Aktivierung des elektromagnetisch erwärmbaren Klebers in die Vorrichtung integriert
sein. In Fig. 6 ist ein erstes Ausführungsbeispiel der Anordnung der mindestens einen
elektromagnetischen Strahlungsquelle 26 dargestellt. Im dargestellten Beispielsfall
sind zwei Reihen von elektromagnetischen Strahlungsquellen 26 auf beiden Seiten der
ersten Transportvorrichtung 16 angeordnet, in jeder Reihe vorzugsweise unmittelbar
aneinander angrenzend. Jede elektromagnetische Strahlungsquelle 26 wird vorzugsweise
über einen Generator 28 zur Erzeugung eines elektromagnetischen Wechselfeldes aktiviert.
Es ist möglich, jeweils ein Paar von gegenüberliegenden elektromagnetischen Strahlungsquellen
26 paarweise anzusteuern, oder die gesamte Reihe von elektromagnetischen Strahlungsquellen
26 gleichzeitig anzusteuern.
[0040] Jede elektromagnetische Strahlungsquelle 26 ist vorzugsweise eine Induktionsspule.
Auch eine Ausgestaltung als Mikrowellenstrahler ist denkbar. Die von jeder elektromagnetischen
Strahlungsquelle 26 erzeugte Frequenz liegt im Bereich von 10 kHz bis 5 GHz, vorzugsweise
zwischen 3 MHz und 10 MHz. Die erzeugte Leistung liegt dabei im Bereich zwischen 100
und 3000 Watt, vorzugsweise im Bereich von 600 bis 2000 Watt.
[0041] Wie am besten aus Fig. 7 hervorgeht, sind die Faltschachteln 2 auf der ersten Transportvorrichtung
16 seitlich mittels Leitschienen 30 geführt, die vorzugsweise aus Metall gebildet
sind. Die mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle 26 ist dabei im Bereich
der seitlichen Leitschienen 30, vorzugsweise unterhalb der seitlichen Leitschienen
30, angeordnet. Im dargestellten Beispielsfall berührt die elektromagnetische Strahlungsquelle
26 die Faltschachtel 2 sogar im Bereich der Klebestelle 6 und dient ebenfalls zur
seitlichen Führung der Faltschachtel 2. Je näher die elektromagnetische Strahlungsquelle
26 an der Klebestelle 6 angeordnet ist, desto höher ist die bei vergleichbarer Leistung
der elektromagnetischen Strahlungsquelle 26 erzielte Erwärmung des Klebers. Selbstverständlich
sind auch viele andere Anordnungen bzw. Konfigurationen denkbar. Beispielsweise kann
die mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle 26 auch oberhalb der ersten
Transportvorrichtung 16 angeordnet sein.
[0042] Eine zweite alternative Ausführungsform der Anordnung der mindestens einen elektromagnetischen
Strahlungsquelle 26 ist in Fig. 9 und 10 dargestellt. Hierbei ist die mindestens eine
elektromagnetische Strahlungsquelle 26 im Bereich der zweiten Transportvorrichtung
22 angeordnet. Auch hier bietet sich eine parallele Anordnung zweier Reihen von elektromagnetischen
Strahlungsquellen 26 seitlich neben den transportierten Faltschachteln 2 an. Wie aus
Fig. 10 näher ersichtlich ist, ist jede elektromagnetische Strahlungsquelle 26 vorzugsweise
unmittelbar angrenzend an den Transportriemen 24 angeordnet, welcher die Faltschachteln
2 seitlich umfasst. Hier kann die mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle
26 auch oberhalb oder unterhalb der zweiten Transportvorrichtung 22 angeordnet sein.
[0043] In Fig. 11 ist dargestellt, dass die Vorrichtung zum Befüllen und Verschließen von
Faltschachteln im Bereich der ersten Transportvorrichtung 16 eine Applikationsvorrichtung
32 zum Aufbringen eines Folienabschnitts 7, welcher die Klebestelle 6 bildet, auf
mindestens eine Schließlasche 4 aufweisen kann. In diesem Fall entfällt eine Spezialbehandlung
der Faltschachteln 2 beim Faltschachtelhersteller. Die Aufbringung der Folienabschnitte
7 kann vor Befüllung der Faltschachteln 2, vorzugsweise aber unmittelbar nach Befüllung
der Faltschachteln 2 erfolgen. Die Applikationsvorrichtung 32 umfasst dabei z.B. ein
Saugband, von dem die etikettenartigen Folienabschnitte 7 auf die Schließlaschen 4
abgestreift werden. Im Anschluss daran erfolgt das Umklappen der Schließlaschen 4
und die Aktivierung der Klebestellen 6, die durch die Folienabschnitte 7 gebildet
sind.
[0044] Dabei ist es bevorzugt, wenn die Folienabschnitte 7 zur vorläufigen Verhaftung an
den Schließlaschen 4 einseitig selbstklebend ausgestaltet sind, wobei das Haftmittel
vorzugsweise derart durchlässig gestaltet ist, dass der Kleber, aus dem die Folienabschnitte
7 bestehen, nach seiner Aktivierung im flüssigen Zustand durch das Haftmittel hindurchdringen
kann.
[0045] Vor allem bei der Verwendung von Folienabschnitten 7 kann eine Aufbringung einer
Klebestelle 6 auf jeweils eine Schließlasche 4 und eine damit in Kontakt kommende
weitere Lasche 8 der Faltschachtel 2 sinnvoll sein.
1. Vorrichtung zum Befüllen und Verschließen von Faltschachteln (2), mit
einer ersten Transportvorrichtung (16) zum Transport von Faltschachteln (2);
einer Füllvorrichtung (18) zum Befüllen der durch die erste Transportvorrichtung (16)
geförderten Faltschachteln (2) mit pharmazeutischen Produkten (12); und
einer Schließvorrichtung zum dauerhaften Verschließen von Schließlaschen (4, 8) der
mit den pharmazeutischen Produkten (12) befüllten Faltschachteln (2);
dadurch gekennzeichnet, dass
die Schließvorrichtung mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle (26) zur
Aktivierung mindestens einer Klebestelle (6) eines elektromagnetisch erwärmbaren Klebers
auf mindestens einer Schließlasche (4) aufweist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle (26) als Induktionsspule
ausgebildet ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle (26) als Mikrowellenstrahler
ausgebildet ist.
4. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine elektromagnetische Strahlungsquelle (26) im Bereich der ersten
Transportvorrichtung (16) angeordnet ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Transportvorrichtung (16) mindestens eine seitliche Leitschiene (30) zur
Führung der Faltschachteln (2) aufweist, in deren Bereich die mindestens eine elektromagnetische
Strahlungsquelle (26) angeordnet ist.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine zweite Transportvorrichtung (22) zum Abtransport der mit den pharmazeutischen
Produkten (12) befüllten Faltschachteln (2) aufweist, welche die befüllten Faltschachteln
(2) von der ersten Transportvorrichtung (16) übernimmt, und dass die mindestens eine
elektromagnetische Strahlungsquelle (26) im Bereich der zweiten Transportvorrichtung
(22) angeordnet ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Transportvorrichtung (22) mindestens einen seitlichen Transportriemen
(24) zum Transport der Faltschachteln (2) aufweist, in dessen Bereich die mindestens
eine elektromagnetische Strahlungsquelle (26) angeordnet ist.
8. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine Vielzahl von elektromagnetischen Strahlungsquellen (26) in Reihe angeordnet
ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass eine Vielzahl von elektromagnetischen Strahlungsquellen (26) in zwei parallelen beabstandeten
Reihen angeordnet ist, zwischen denen sich die Transportvorrichtung (16, 22) erstreckt.
10. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sie im Bereich der ersten Transportvorrichtung (16) eine Applikationsvorrichtung
(32) zum Aufbringen eines Folienabschnitts (7), welcher die Klebestelle (6) bildet,
auf mindestens eine Schließlasche (4) aufweist.
11. Verfahren zum Befüllen und Verschließen von Faltschachteln (2), mit folgenden Schritten:
- Bereitstellen von Faltschachteln (2) mit mindestens einer Klebestelle (6) eines
elektromagnetisch erwärmbaren und dadurch aktivierbaren Klebers auf mindestens einer
Schließlasche (4) der Faltschachteln (2);
- Befüllen der Faltschachteln (2) mit pharmazeutischen Produkten (12);
- Falten der mindestens einen Schließlasche (4) in den gewünschten Schließzustand;
und
- indirektes Erwärmen der mindestens einen Klebestelle (6) mittels mindestens einer
elektromagnetischen Strahlungsquelle (26).
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Klebestelle (6) durch einen Folienabschnitt (7) gebildet wird.
13. Verfahren zum Befüllen und Verschließen von Faltschachteln (2), mit folgenden Schritten:
- Bereitstellen von Faltschachteln (2);
- Befüllen der Faltschachteln (2) mit pharmazeutischen Produkten (12);
- Aufbringen mindestens eines Folienabschnitts (7), welcher eine Klebestelle (6) eines
elektromagnetisch erwärmbaren und dadurch aktivierbaren Klebers bildet, auf mindestens
eine Schließlasche (4) der Faltschachteln (2);
- Falten der mindestens einen Schließlasche (4) in den gewünschten Schließzustand;
und
- indirektes Erwärmen der mindestens einen Klebestelle (6) mittels mindestens einer
elektromagnetischen Strahlungsquelle (26).
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass der Folienabschnitt (7) beim Aufbringen an der Schließlasche (4) verhaftet wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass der Folienabschnitt (7) einseitig selbstklebend ausgestaltet ist.