[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Einweisung eines Flugkörpers auf ein Ziel,
bei dem Zieldaten, anhand derer der Flugkörper auf das Ziel steuerbar ist, zusammengestellt
und an den Flugkörper zur Ansteuerung auf das Ziel gegeben werden.
[0002] Zur Bekämpfung von Bodenzielen werden die Koordinaten des Ziels oder andere das Ziel
beschreibende Zieldaten, wie das Ziel optisch beschreibende Daten, zusammengestellt
und an den Flugkörper, der das Ziel bekämpfen soll, übergeben. Anhand solcher Zieldaten
erfasst der Flugkörper bzw. dessen Suchkopf das Ziel während des Anflugs auf das Ziel
und ist hierdurch auf das Ziel eingewiesen.
[0003] Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum Einweisen eines
Flugkörpers auf ein Ziel anzugeben, mit dem das Ziel, insbesondere bei widrigen Umständen,
durch den Flugkörper zuverlässig erfasst werden kann.
[0004] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren der eingangs genannten Art gelöst, bei dem
erfindungsgemäß Aufklärungsdaten aus einem Aufklärungssensor durch ein Flugkörpereinweisungssystem
zu Erfassungsunterstützungsdaten, die über die Zieldaten hinausgehende Informationen
zur Erfassung des Ziels enthalten, verarbeitet und an den Flugkörper gegeben werden.
[0005] Die Erfindung geht von der Überlegung aus, dass bei einer Bekämpfung eines Ziels
unter Verwendung von Zieldaten allein, wie Zielkoordinaten, unter Umständen Kollateralschäden
nicht zuverlässig genug vermieden werden können. Durch eine Erfassung des Ziels als
solches durch den Flugkörper während des Anflugs, z.B. eine optische Erfassung, kann
ein Kollateralschadensrisiko verringert werden. Ist jedoch eine Erfassung des Ziels
mit Schwierigkeiten verbunden, insbesondere wenn die Sicht auf das Ziel beeinträchtigt
ist, kann es durch eine Erfassung falscher Ziele ebenfalls zu Kollateralschäden kommen.
[0006] Die Erfassung des Ziels kann zuverlässiger gemacht werden, wenn dem Flugkörper zusätzlich
zu den Zieldaten weitere Informationen mitgegeben werden, die eine Zielerfassung unterstützen.
Solche Erfassungsunterstützungsdaten können beinhalten, auf welche Art und Weise das
Ziel zum Zeitpunkt des Anflugs des Flugkörpers auf das Ziel erkannt werden kann, beispielsweise
mit welcher Art Sensor, in welchem Spektrum und/oder anhand welcher optischer Merkmale.
Die Erfassungsunterstützungsdaten können auch Information darüber beinhalten, wie
gut das Ziel zu erkennen ist. Ist das Ziel beispielsweise wegen atmosphärischer Trübungen
erst sehr spät zu erkennen, so kann einer Koordinaten gestützten Einweisung eine hohe
Gewichtung gegeben werden, ohne dass das Ziel zunächst als solches erfasst wird. Auf
diese Weise kann verhindert werden, dass bereits aus einer Entfernung, der in der
das Ziel aufgrund schlechter Sichtverhältnisse noch nicht zu erkennen ist, mit Hilfe
eines optischen Sensors das Ziel gesucht, nicht erfasst und anstelle dessen ein anderer
und optisch markanterer Gegenstand erfasst und irrtümlicherweise für das Ziel gehalten
wird, da das Prozessmittel des Flugkörpers davon ausgeht, dass das Ziel bereits erkannt
werden kann. Somit kann der Flugkörper anhand der Erfassungsunterstützungsdaten zuverlässig
auf das Ziel eingewiesen werden.
[0007] Der Flugkörper kann ein Lenkflugkörper sein mit oder ohne eigenen Antrieb. Er umfasst
zweckmäßigerweise einen Suchkopf mit einem Sensor zum Erfassen von Zieleigenschaften,
beispielsweise einen optischen Sensor. Die Zieldaten sind Daten, anhand derer der
Flugkörper auf das Ziel zu steuerbar ist. Sie können Zielkoordinaten sein, Koordinaten
eines Zielgebiets und/oder das Ziel in so weit bestimmende Daten, so dass das Ziel
als solches durch die Zieldaten, erfasst werden kann. Der Flugkörper ist zweckmäßigerweise
mit einer Prozesseinheit ausgestattet, die dazu vorbereitet ist, den Flugkörper anhand
der Zieldaten in das Ziel zu steuern, insbesondere das Ziel anhand der Zieldaten zu
erfassen. Die Erfassung kann auf optischem Wege erfolgen, sodass das Ziel als solches
erkannt wird, wobei die Verwendung jeder geeigneten Frequenz, beispielsweise im Visuellen,
im Infraroten oder im Radarbereich, möglich ist.
[0008] Der Aufklärungssensor kann jeder geeignete Sensor sein. Zweckmäßigerweise ist er
Teil eines Aufklärungsnetzwerks aus einer Vielzahl von insbesondere unterschiedlichen
Aufklärungssensoren. Die Aufklärungsdaten sind zweckmäßigerweise Daten über das Ziel
und/oder das Zielgebiet. Sie können durch das Flugkörpereinweisungssystem aus einer
Datenbank abgerufen werden und beschreiben das Ziel bzw. das Zielgebiet zweckmäßigerweise
zu einem vergangenen Zeitpunkt, sodass sie als Archiv-Informationen bezeichnet werden
können. Die Aufklärungsdaten stehen zweckmäßigerweise einer Vielzahl von Abrufempfängern
zur Verfügung, beispielsweise mehreren Flugkörpern oder Flugkörpereinweisungssystemen.
[0009] Zumindest Teile des Flugkörpereinweisungssystems befinden sich zweckmäßigerweise
außerhalb des Flugkörpers und sind vorteilhafterweise in Bezug auf ihren Ort unabhängig
vom Flugkörper. Das gleiche gilt zweckmäßigerweise für den Aufklärungssensor. Das
Flugkörpereinweisungssystem kann eine bodengebundene Prozesseinheit umfassen, die
über eine Datenfernübertragung mit dem Flugkörper verbunden ist. Die Erfassungsunterstützungsdaten
werden zweckmäßigerweise an den Flugkörper ausgegeben, bevor der Flugkörpersensor
Kontakt mit dem Ziel hat.
[0010] Die Verarbeitung der Aufklärungsdaten A zur Erfassungsunterstützungsdaten E kann
mit Hilfe einer geeigneten Funktion F erfolgen, wobei gelten kann: E = F (A, W), wobei
W weitere Informationen sein können, z. B. Flugkörperdaten, wie Art des Flugkörpers,
seine Steuerfähigkeit, die Art des Suchkopfes, die Art des Gefechtskopfs, usw. Es
ist möglich, dass W = 0 und/oder F = 1, sodass die Aufklärungsdaten direkt als Erfassungsunterstützungsdaten
verwendet werden. Der Flugkörper kann in Abhängigkeit der Erfassungsunterstützungsdaten,
also unter Verwendung der Erfassungsunterstützungsdaten, auf das Ziel gesteuert werden,
sodass die Erfassungsunterstützungsdaten direkt oder indirekt als Steuerinformation
zur Steuerung des Flugkörpers verwendet werden können. Vorteilhafterweise wird der
Flugkörper unter Verwendung der Erfassungsunterstützungsdaten auf das Ziel gesteuert
bevor der Flugkörper das Ziel erfasst.
[0011] In einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung enthalten die Aufklärungsdaten
Informationen zu einer Erkennbarkeit des Ziels. Solche Informationen können Daten
zu Sichtverhältnissen über dem Ziel sein, ein atmosphärischer Transmissionsgrad oder
eine Sichtweite, zweckmäßigerweise in Abhängigkeit des verwendeten Sensors. Weiter
können die Aufklärungsdaten Daten zu Objekten sein, die das Ziel verdecken, so dass
das Ziel unter Umständen nicht erkennbar ist.
[0012] Vorteilhafterweise enthalten die Erfassungsunterstützungsdaten Informationen über
aktuelle Bedingungen einer Erfassung des Ziels. Solche Bedingungen können sein:
- eine Erfassungsreichweite, aus der das Ziel in Abhängigkeit von den Aufklärungsdaten
mit Bordmitteln des Flugkörpers noch erfassbar ist, und die insbesondere abhängig
von der verwendeten Wellenlänge und/oder der Zielsignatur ist,
- eine voraussichtliche Güte einer Erfassung in Abhängigkeit von den Aufklärungsdaten;
die Güte kann ein Zuverlässigkeitsgrad für eine fehlerfreie Erfassung sein; sie ist
zweckmäßigerweise abhängig von einer Erfassungsentfernung, z.B. der Erfassungsreichweite,
und/oder
- Daten zu einer Sichtbarkeit des Ziels in Abhängigkeit einer Anflugrichtung, einer
Erfassungswellenlänge, insbesondere aus Sicht des anfliegenden Flugkörpers, einem
Erfassungsverfahren und/oder einem Erfassungssensor.
[0013] Eine weitere Ausführungsform der Erfindung sieht vor, dass die Aufklärungsdaten Informationen
zu einem Umgebungsmerkmal in der Umgebung des Ziels enthalten. Hieraus wird als Erfassungsunterstützungsdaten
vorteilhafterweise eine Beziehungsinformation, beispielsweise eine Relativposition
des Ziels zum Umgebungsmerkmal, bestimmt. Die Aufklärungsinformation kann ein Gelände-und/oder
Topografiemerkmal sein, das zweckmäßigerweise gut sichtbar ist, wie ein Turm, ein
Mast, eine Halle, eine Kreuzung oder dergleichen. Auf diese Weise kann das Ziel auch
dann angesteuert werden, wenn dessen Absolutposition unbekannt ist, so lange die Relativposition
bekannt ist. Der Flugkörper kann zunächst unter Verwendung der Aufklärungsinformation,
z.B. Koordinaten eines Turms, gesteuert und anschließend unter Verwendung der Erfassungsunterstützungsdaten,
z.B. der Relativposition des Ziels zum Turm, in das Ziel geführt werden. Es ist auch
möglich, zunächst die Aufklärungsinformation zu verwenden und danach die Erfassung
des Ziels unter Verwendung der Erfassungsunterstützungsdaten durchzuführen. Diese
Zielerkennung ist sehr zuverlässig, da der Flugkörper sehr nah an das Ziel herangeführt
werden kann und dieses dann unter Verwendung der Erfassungsunterstützungsdaten gezielt
suchen kann. Die Erfassungsunterstützungsdaten können eine Relativposition und/oder
optische Daten, zweckmäßigerweise aus Sicht aus einer Nähe des Umgebungsmerkmals enthalten,
sodass der Flugkörper zunächst auf das Umgebungsmerkmal und dann auf das Ziel zugeführt
werden kann. Außerdem ist es möglich, den Zielbereich anhand der Aufklärungsinformation
einzugrenzen, sodass die Gefahr einer Falschzielerkennung reduziert wird.
[0014] Weiter wird vorgeschlagen, dass die Aufklärungsdaten Bildinformationen einer Umgebung
des Ziels enthalten und die Erfassungsunterstützungsdaten ein Geländemodell einer
Umgebung des Ziels. Durch das Geländemodell, das zweckmäßigerweise ein topografisches
Modell oder ein Strahlungsmodell ist, in zwei oder drei Dimensionen, kann der Flugkörper
Zusatzinformationen über die Art der Umgebung, zweckmäßigerweise relativ zum Ziel
erhalten. Es kann eine Sichtbarkeit des Ziels in Abhängigkeit der umliegenden Topografie
ermittelt werden. Ebenfalls ist es möglich, aus einem Strahlungsmodell zu erfassen,
dass das Ziel zunächst durch einen anderen Gegenstand überblendet wird, sodass eine
Zielerfassung erst dann möglich ist, wenn der Gegenstand von dem Ziel optisch trennbar
ist.
[0015] Eine besonders vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung sieht vor, dass die Ausklärungsinformationen
Bildinformationen einer Umgebung des Ziels enthalten und die Erfassungsunterstützungsdaten
ein synthetisches Bild des Ziels und/oder einer Umgebung des Ziels. Bei der Berechnung
des synthetischen Bilds wird zweckmäßigerweise ein Flugkörperparameter berücksichtigt,
wie eine Anflugrichtung des Flugkörpers auf das Ziel oder das Zielgebiet, eine voraussichtliche
Geschwindigkeit des Flugkörpers, atmosphärische Informationen, wie eine Umgebungshelligkeit,
eine atmosphärische Transparenz und/oder dergleichen, wodurch ein besonders geeignetes
Bild für die Erfassung des Ziels erreichbar ist.
[0016] Vorteilhafterweise stellt das Bild das Ziel und/oder das Zielgebiet aus der Sicht
des anfliegenden Flugkörpers dar. Weiter ist es vorteilhaft, wenn das synthetische
Bild ein Bild auf das Ziel aus der Richtung und dem Abstand einer maximalen Erfassungsentfernung
des Flugkörpers ist, wobei Umgebungs- und/oder Atmosphärenparameter berücksichtigt
werden können. Das synthetische Bild wird erstellt und zweckmäßigerweise dem Flugkörper
zur Verfügung gestellt bevor dieser das Ziel erfassen kann, insbesondere bevor das
Ziel für den anfliegenden Flugkörper sichtbar ist. Auf diese Weise kann der Flugkörper,
bzw. dessen Suchkopf, Detektionsparameter in Abhängigkeit von Eigenschaften des Bilds
einstellen, bereits bevor das Ziel durch den Flugkörper erfasst wurde bzw. sichtbar
ist. Erreicht der Flugkörper die maximale Erfassungsreichweite, so kann er bereits
das synthetische Bild ausgewertet und die Detektionsparameter so eingestellt haben,
dass er das Ziel schnell erkennt.
[0017] Ebenfalls ist es möglich, mit Hilfe einer Bildkorrelation ein innerhalb der Erfassungsreichweite
vom Flugkörper aufgenommenes Bild der Umgebung des Ziels mit dem synthetischen Bild
zu korrelieren, sodass das Ziel, das im Bild anhand von Daten oder optischen Parametern
hervorgehoben sein kann, schnell und zuverlässig erkannt wird.
[0018] Zweckmäßigerweise beinhalten die Aufklärungsdaten Sichtverhältnisse auf der Anflugroute
des Flugkörpers auf das Ziel. Hierbei wird das synthetische Bild insbesondere unter
Berücksichtigung der Sichtverhältnisse erstellt. Die Sicht kann eine sensorielle Erfassung
des Ziels entsprechend der Empfindlichkeit eines Sensors des Flugkörpers sein.
[0019] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird vorgeschlagen, dass
die Aufklärungsdaten ein vor dem Anflug des Flugkörpers auf das Ziel erstelltes Vorabbild
des Ziels enthalten und die Erfassungsunterstützungsdaten Informationen zu einer Beziehung
des Vorabbilds mit dem Sichtbild des Ziels enthalten, das sich dem auf das Ziel anfliegenden
Flugkörpers ein Flugkörper bietet. Das Vorabbild kann ein aufgenommenes Bild oder
ein synthetisches Bild sein und dient zweckmäßigerweise als Referenzbild. Die Beziehung
kann ein Vergleich sein und insbesondere Informationen darüber enthalten, wie das
Vorabbild mit dem Sichtbild verglichen werden söll. Der Vergleich kann durch ein Bildkorrelationsverfahren
erfolgen. Die Beziehung kann Informationen darüber enthalten, aus welcher Richtung
auf das Ziel geschaut wird wenn der Flugkörper auf das Ziel zufliegt. Vorteilhafterweise
wird das Vorabbild unter Berücksichtigung einer maximal möglichen Erfassungsentfernung
erstellt, sodass das Vorabbild das Ziel und/oder eine Umgebung des Ziels aus einer
Sicht zeigt, in der der Flugkörper das Ziel tatsächlich erfassen kann, z.B. der maximal
möglichen Erfassungsentfernung.
[0020] Die Zuverlässigkeit einer richtigen Zielerfassung kann weiter erhöht werden, wenn
die Aufklärungsdaten Informationen zu einer Sicht auf das Ziel enthalten und die Erfassungsunterstützungsdaten
Informationen darüber, welches unter mehreren möglichen Zielerfassungsverfahren des
Flugkörpers das am Besten geeignete ist. So kann beispielsweise unter mehreren verschiedenen
Sensoren des Flugkörpers zum Erfassen des Ziels ausgewählt werden und/oder ein Bildkorrelationsverfahren
anhand eines Vorabbilds ausgewählt werden.
[0021] Einer Erfassung eines falschen Ziels kann entgegengewirkt werden, wenn die Aufklärungsdaten
Informationen zu einer Sicht auf das Ziel enthalten und die Erfassungsunterstützungsdaten
Informationen darüber, ob der Flugkörper ausreichend gut über eigene Sensorik an das
Ziel heranführbar ist oder ob er mit Hilfe eines anderen Verfahrens auf das Ziel hingeführt
werden muss und zweckmäßigerweise bis wohin, sodass seine eigene Sensorik das Ziel
erfassen kann. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass der Flugkörper ein für
ihn nicht erkennbares Ziel sucht und eine Operation abgebrochen werden muss oder er
ein falsches Ziel auswählt. Wird entschieden, dass eine Fremdführung notwendig ist,
beispielsweise mit Hilfe eines weiteren Flugkörpers, der sich in der Nähe oder über
dem Ziel aufhält, kann entschieden werden, ab wann bzw. ab welcher Entfernung die
Führung des Flugkörpers mit Hilfe eigener Sensorik erfolgen soll.
[0022] Ebenfalls ist es vorteilhaft, wenn die Aufklärungsdaten mehrere Zielmerkmale aus
optischen Informationen des Ziels enthalten und die Erfassungsunterstützungsdaten
Informationen enthalten, welche der Zielmerkmale das aufgefasste Ziel aufweisen muss.
Einer Verwechslung des Ziels mit einem ähnlichen Gegenstand kann so entgegengewirkt
werden. Die optischen Informationen können Informationen zu einer Zielsignatur sein,
beispielsweise einer Strahlung, die das Ziel aussendet, Information zu Strahlungsumrissen,
beispielsweise vier Personen auf einem Pick-up, die als vier leuchtende Punkte in
einem Infrarotbild erscheinen, ein Kontrast zwischen Umgebungsstrahlung und einem
Fahrzeug mit einem bestimmten Lack und dergleichen. Die Informationen können aufgenommene
oder mit Hilfe eines Modells ermittelte Zielinformationen sein. Mit Hilfe merkmalsbasierter
Algorithmen und/oder Wahrscheinlichkeitsanalyse kann der Flugkörper das Ziel aus einer
Menge verwechselbarer Gegenstände ermitteln.
[0023] Die Erfindung ist außerdem gerichtet auf ein Flugkörpereinweisungssystem mit einem
Prozessmittel, dass dazu vorbereitet ist, Zieldaten, anhand derer ein Flugkörper auf
ein Ziel steuerbar ist, zusammenzustellen und an den Flugkörper zur Ansteuerung auf
das Ziel zu übergeben. Erfindungsgemäß ist das Prozessmittel ebenfalls dazu vorbereitet,
Aufklärungsdaten aus einem Aufklärungssensor zu Erfassungsunterstützungsdaten, die
über die Zieldaten hinausgehende Informationen zur Erfassung des Ziels enthalten,
zu verarbeiten und an den Flugkörper zu übergeben und insbesondere den Flugkörper
unter Verwendung der Erfassungsunterstützungsdaten auf das Ziel hin zu steuern. Das
Prozessmittel ist außerdem zweckmäßigerweise dazu vorbereitet, einen, mehrere oder
alle der bisher genannten Verfahrensschritte durchzuführen.
[0024] Vorteilhafterweise umfasst das Prozessmittel eine bodengebundene erste Prozesseinheit
und eine zweite Prozesseinheit im Flugkörper, wobei die erste Prozesseinheit dazu
vorbereitet ist, die Aufklärungsdaten zu Erfassungsunterstützungsdaten zu verarbeiten
und die zweite Prozesseinheit dazu vorbereitet ist, den Flugkörper unter Verwendung
der Erfassungsunterstützungsdaten auf das Ziel hin zu steuern. Die zweite Prozesseinheit
kann Flugsteuerdaten und insbesondere Daten für eine Prozesseinheit eines Suchkopfs
des Flugkörpers zum Erfassen des Ziels erzeugen.
[0025] Weitere Vorteile ergeben sich aus der folgenden Zeichnungsbeschreibung, in der Ausführungsbeispiele
der Erfindung dargestellt sind. Die Zeichnung und die Beschreibung enthalten zahlreiche
Merkmale in Kombination, die der Fachmann zweckmäßigerweise auch einzeln betrachten
und zu sinnvollen weiteren Kombinationen zusammenfassen wird.
[0026] Es zeigen:
- Fig. 1
- Eine Landschaft mit einem Zielgebiet mit mehreren Objekten, von denen eines durch
einen Flugkörper bekämpft werden soll und
- Fig. 2
- ein Ablaufdiagramm eines Verfahrens zum Einweisen eines Flugkörpers auf ein Ziel.
[0027] Fig. 1 zeigt eine Landschaft mit Bergen 2 und zwei Tälern 4, 6 die durch einen Bergsattel
8 voneinander getrennt sind. Über dem Bergsattel 8 und dem zweiten Tal 6 hängt eine
tief liegende Wolke 10, die die Sicht vom Bergsattel 8 oder von darüber auf ein Zielgebiet
12 verdeckt. In dem Zielgebiet 12 befindet sich ein Dorf 14 und mehrere zu bekämpfende
Objekte 16, 18, 20 von denen eines als Ziel 20 ausgewählt wurde, das durch einen Flugkörper
22 bekämpft werden soll. Der Flugkörper 22 soll aus einer Trägerplattform 24 gestartet
werden, die in diesem Ausführungsbeispiel eine bodengebundene Trägerplattform 24 ist.
In alternativen Ausführungsbeispielen ist auch eine seegebundene oder fliegende Trägerplattform
möglich.
[0028] Der Flugkörper 22, der ein Lenkflugkörper mit einem eigenen Antrieb ist, soll aus
dem ersten Tal 4 über den Bergsattel 8 in das Zielgebiet 12 fliegen und auf das Ziel
20 eingewiesen werden. Hierzu ist die Trägerplattform 24 signaltechnisch mit einem
Flugkörpereinweisungssystem 26 verbunden, das eine bodengebundene Prozesseinheit in
Form einer Datenverarbeitungsanlage in einem Gebäude umfasst, und das Teil eines Führungssystem
oder Waffeneinsatzsystems sein kann. Das Flugkörpereinweisungssystem 26 ist wiederum
datentechnisch mit dem Flugkörper 22 verbunden, sodass es ihm vor dem Start aus der
Trägerplattform 24 und während des Anflugs auf das Ziel 20 Erfassungsunterstützungsdaten
übermitteln kann. Ebenfalls mit dem Flugkörpereinweisungssystem 26 datentechnisch
verbunden ist ein Aufklärungssensor 28 in einer Aufklärungseinheit, die im dargestellten
Ausführungsbeispiel ein Flugzeug ist, das in der Nähe des Zielgebiets 12 fliegt.
[0029] Vor dem Start des Flugkörpers 22 wird das Zielgebiet 12 durch die Aufklärungseinheit
aufgeklärt und aus der Aufklärung resultierende Aufklärungsdaten werden an das Flugkörpereinweisungssystem
26 übermittelt. Die Aufklärungsdaten beinhalten in diesem Ausführungsbeispiel mehrere
Luftaufnahmen des Zielgebiets 12 sowie Informationen über die Wolkendecke 10, deren
Dicke und Lage, insbesondere von deren Unterkante.
[0030] Mit Hilfe von Aufklärungsdaten oder anderen Daten wird das Ziel 20 ausgewählt. Außerdem
werden die weiteren Objekte 16, 18, das Dorf 14 und insbesondere eine Landmarke 30
als solche identifiziert. Aus diesen Aufklärungsdaten werden Erfassungsunterstützungsdaten
durch das Flugkörpereinweisungssystem 26 erarbeitet, die zur Einweisung des Flugkörpers
22 auf das Ziel verwendet werden. Die Erfassungsunterstützungsdaten können einige
oder alle der im Folgenden beschriebenen Daten umfassen.
[0031] Aus der Topografie der beiden Täler 4, 6 und dem dazwischen liegenden Bergsattel
8 und einem Hügel 32 vor dem Zielgebiet 12 wird eine Anflugroute 34 berechnet. Diese
darf nicht zu flach sein, da der Flugkörper 22, bzw. dessen Suchkopf, das Ziel 20
erst nach Überfliegen des Hügels 32 optisch erfassen kann. Da die Strecke vom Hügel
32 bis zum Ziel 20 zu klein ist, um aufgrund einer Erfassung des beweglichen Ziels
20 seinen genauen Standort bestimmen zu können, muss der Flugkörper 22 so fliegen,
dass ihm eine ausreichend große Zeitspanne zum Erfassen des richtigen Ziels 20 und
zur Unterscheidung des Ziels 20 von den Objekten 16, 18 zur Verfügung steht. Also
wird als Teil der Erfassungsunterstützungsdaten die Anflugroute 34 so bestimmt, dass
sie von oben auf das Ziel 20 gerichtet ist, sodass das Ziel 20 ausreichend vor einem
Erreichen als solches erkannt bzw. erfasst werden kann. Da die Anflugroute 34 ein
wesentlicher Bestandteil einer zuverlässigen Erkennung bzw. Erfassung des Ziels 20
ist, gehört sie mit zu den Erfassungsunterstützungsdaten.
[0032] Eine von oben auf das Ziel 20 gerichtete Anflugroute 34 bedingt, dass der Flugkörper
22 durch die Wolke 10 fliegen muss, in der ihm die Sicht auf das Ziel 20 versperrt
ist. Es wird daher als weitere Erfassungsunterstützungsdaten festgelegt, wie lange
der Flugkörper 22 auf seiner Anflugroute 34 mit Fremdinformationen gesteuert wird,
beispielsweise mit Zielkoordinaten und/oder den Koordinaten der Anflugroute 34, und
ab wann er seine eigene Sensorik zur Flugsteuerung bzw. Zielerfassung einsetzen kann.
So wird als Erfassungsunterstützungsdaten festgelegt, dass der Flugkörper 22 erst
dann mit Hilfe eigener Sensorik gesteuert wird, wenn er aus der Wolke 10 ausgetreten
ist, also ihre Unterkante von oben durchtreten hat, wie in Fig. 1 angedeutet ist.
Da die Anflugroute 34 und die Lage der Wolke 10 und deren Unterkante bekannt ist,
ist auch der Austrittspunkt des Flugkörpers 22 aus der Wolke 10 bekannt. Somit wird
ein Steuermoduswechselpunkt festgelegt, bei dem ein Steuermodus des Flugkörpers 22
von einem ersten Modus auf einen zweiten Modus umgeschaltet wird, in diesem Ausführungsbeispiel
von einer Koordinatensteuerung auf eine Sichtsteuerung.
[0033] Zum zuverlässigen Erfassen des Ziels 20 wird vom Flugkörpereinweisungssystem 26 ein
synthetisches Bild des Zielgebiets 12 als Erfassungsunterstützungsdaten erstellt.
Dieses synthetische Bild ist aus den Luftaufnahmen des Zielgebiets 12 des Aufklärungssensors
28 erstellt und wird dem Flugkörper 22 übermittelt, bevor dieser Sicht auf das Ziel
20 hat, also bevor dieser überhaupt in der Lage ist, das Ziel 20 zu erfassen. Zweckmäßigerweise
wird das synthetische Bild dem Flugkörper 22 übergeben, bevor dieser von der Trägerplattform
24 startet. Das synthetische Bild des Zielgebiets 12 stellt das Zielgebiet 12 oder
einen Teil davon aus Sicht des anfliegenden Flugkörpers an dem Ort dar, ab dem der
Flugkörper 22 das Ziel 20 erstmals erfassen kann. Bei dem Ausführungsbeispiel aus
Fig. 1 ist das der Punkt, an dem die Anflugroute 34 die Wolkendecke 10 nach unten
durchtritt. Das synthetische Bild beinhaltet insbesondere die Landmarke 30 und das
als solche gekennzeichnete Ziel 20 sowie die weiteren verwechslungsgefährdeten Objekte
16, 18 zur besseren Unterscheidung vom Ziel 20. Auch weitere Objekte, beispielsweise
das Dorf 14 oder weitere Landschaftsmerkmale können in dem synthetischen Bild enthalten
sein. Der Flugkörper 22 bzw. dessen Prozesseinheit kann ein aus dem Flugkörper 22
aufgenommenes Bild des Zielgebiets 12 mit dem synthetischen Bild vergleichen und beispielsweise
auf diese Weise wichtige im synthetischen Bild markierte Objekte 16, 18, 20, 30 in
einfacher Weise im aufgenommenen realen Bild wiederfinden und identifizieren.
[0034] Weiter enthält die Erfassungsunterstützungsdaten Informationen zu einer Erfassungsgüte
des Ziels 20. In dem vorliegend beschriebenen Ausführungsbeispiel beinhaltet diese
Information, dass zum Zeitpunkt, bei dem der Flugkörper 22 erstmals freie Sicht auf
das Ziel 20 hat, eine Erfassung des Ziels 20 mit Hilfe von optischen Sensoren des
Flugkörpers 22 nur mit einer geringen Güte möglich ist, da das Ziel 20 relativ gut
vor dem Hintergrund getarnt ist und eine Unterscheidung nur mit einer unzureichenden
Zuverlässigkeit möglich ist. Daher erkennen die Erfassungsunterstützungsdaten weiter,
dass die Flugsteuerung zwar visuell erfolgt, jedoch nicht auf das Ziel 20 orientiert,
sondern auf einen anderen Punkt, beispielsweise die Landmarke 30. In einer optisch
gesteuerten Flugphase orientiert sich die Flugsteuerung daher an diesem Punkt so lange,
bis eine in den Erfassungsunterstützungsdaten angegebene Erfassungsgüte ausreichend
hoch ist, beispielsweise über einen vorgegebenen Gütewert. Die Entfernung oder den
Punkt auf der Anflugroute 34, ab dem die Erfassungsgüte ausreichend gut ist, ist ebenfalls
in den Erfassungsunterstützungsdaten enthalten. Ab diesem Moment kann eine weitere
und somit spätere Phase bzw. Modus der Flugsteuerung beginnen, ab der die visuelle
Orientierung auf das Ziel 20 den Flug des Flugkörpers 22 steuert. Zur Unterstützung
der ersteren Phase kann die Richtungs- und Entfernungsinformation zwischen Landmarke
30 und Ziel 20 als Näherung gegeben werden, damit der Flugkörper 22 das Ziel 20 möglichst
direkt und nicht erst die Landmarke 30 und das Ziel 20 ansteuern muss.
[0035] Die Erfassungsunterstützungsdaten können außerdem eine Anzahl von Merkmalen des Ziels
20, die das Ziel 20 charakterisieren, enthalten. Die Merkmale umfassen visuelle Merkmale,
wobei hierunter auch nur im Infraroten oder einem anderen Spektralbereich erkennbare
Merkmale verstanden werden können. Die Merkmale beinhalten unter anderem, dass das
Ziel 20 aus Sicht des anfliegenden Flugkörpers 22 entlang der Anflugroute 34 eine
Ausdehnung von etwa 3 m x 6 m hat, das Ziel eine von dunkelgrün bis ocker gescheckte
Farbgestaltung hat und vor einem hellbraunen Hintergrund steht. Der Hintergrund ist
aus der Sicht von oben der sandige bzw. lehmige Boden, auf dem das Ziel 20 steht.
[0036] Zur Vermessung von einzelnen Gegenständen, wie den Häusern und Fahrzeugen, wird dem
Flugkörper 22 ein Maßstab als Erfassungsunterstützungsdaten zur Verfügung gestellt.
Der Maßstab kann in einem vom Flugkörper 22 leicht erkennbaren optischen Detail im
Zielgebiet 12 bestehen, beispielsweise ein Haus, dessen Maße in den Erfassungsunterstützungsdaten
angegeben sind. Durch Vergleich der Gegenstände mit dem optischen Detail kann der
Flugkörper 22 die Maße der Gegenstände einfach ermitteln.
[0037] Aus den visuellen Merkmalen kann der Flugkörper 22 das Ziel 20 von beispielsweise
Häusern des Dorfs 14 unterscheiden. Nicht unterscheiden kann er das Ziel 20 von den
Objekten 16, 18. Zur Unterscheidung des Ziels 20 von den gleich aussehenden Objekten
16, 18 vor dem gleichen Hintergrund umfassen die Erfassungsunterstützungsdaten Beziehungsinformationen
zu zumindest einem Umgebungspunkt, in diesem Fall zweckmäßigerweise die Landmarke
30. Die Erfassungsunterstützungsdaten umfassen hierbei den Abstand 36 und die Richtung
des Ziels 20 zur Landmarke 30, wobei die Richtung als geographische Richtung oder
als eine Richtung zur einer weiteren Landmarke angegeben sein, sodass Triangulation
möglich ist. Aus diesen Informationen kann der Flugkörper 22 das Ziel 20 von den beiden
anderen Objekten 16, 18 unterscheiden, die in einer anderen Entfernung und Richtung
zur Landmarke 30 stehen.
[0038] Allerdings hält sich das Ziel 20 zum Zeitpunkt des Anflugs des Flugkörpers 22 in
der Nähe eines Fahrzeugs 38 auf, das in der Aufklärung durch den Aufklärungssensor
28 nicht enthalten ist, da es erst kürzlich in das Zielgebiet 12 eingefahren ist.
Zufälligerweise hält sich das Fahrzeug 38 in der Nähe des Ziels 20 auf, hat in etwa
die gleichen Maße und durch Koffer auf dem Dach eine gleiche farbliche und scheckige
Struktur. Auch die Infrarotsignatur ist in etwa gleich zum Ziel 20. Zur Unterscheidung
des Ziels 20 vom Fahrzeug 38 enthalten die Erfassungsunterstützungsdaten die Information,
dass das Ziel 20 vor einem hellbraunen Untergrund positioniert ist. Demgegenüber fährt
das Fahrzeug 38 auf einer mittelgrauen Straße, sodass das Hintergrundmerkmal auf das
Fahrzeug 38 nicht zutrifft. Um Kollateralschäden an zivilen Fahrzeugen unbedingt zu
vermeiden, kann das Merkmal des Hintergrunds als bindendes Merkmal in den Erfassungsunterstützungsdaten
hinterlegt sein, ohne das das Ziel 20 nicht als solches erfasst oder bekämpft werden
darf. Da das Ziel 20 alle visuellen Merkmale erfüllt, ist es vom Fahrzeug 38 durch
dieses visuelle Merkmal zu erkennen und somit als Ziel 20 zu identifizieren.
[0039] Als weitere Erfassungsunterstützungsdaten kann eine Fahrtrichtung und Fahrtgeschwindigkeit
des Ziels 20 dienen, sodass aus einem Aufklärungszeitpunkt und einem Zielerfassungszeitpunkt
durch den Flugkörper 22 der Fahrtrichtung und Fahrtgeschwindigkeit ein momentaner
Aufenthaltsort errechenbar ist, an dem sich das Ziel 20 unter Annahme der aufgeklärten
Richtung und Geschwindigkeit positioniert sein müsste. Weiter können Toleranzinformationen
Bestandteil der Erfassungsunterstützungsdaten sein, z.B. eine zulässige Positionsungenauigkeit,
Farbungenauigkeit, Größenungenauigkeit, Strahlungssignaturungenauigkeit oder dergleichen.
[0040] Als Erfassungsunterstützungsdaten ist außerdem ein Geländemodell als dreidimensionales
Modell vorteilhaft, das dem Flugkörper 22 vor einem erstmals möglichen Erfassungszeitpunkt
zur Verfügung gestellt wird. Aus diesem dreidimensionalen Geländemodell kann der Flugkörper
22 die Sicht auf das Zielgebiet 12 aus jeder Perspektive in ein zweidimensionales
theoretisches Sichtbild wandeln, das eine Lokalisierung der interessierenden Objekte
16, 18, 20, 30 erleichtert, die zweckmäßigerweise in dem dreidimensionalen Geländemodell
als solche markiert sind. Ebenfalls möglich ist es, dass das dreidimensionale Geländemodell
vom Flugkörpereinweisungssystem 26 verwendet wird, um das synthetische und insbesondere
zweidimensionale Bild zu erstellen, das dem Flugkörper 22 die Sicht auf das Zielgebiet
von seiner Anflugroute 34 aus simuliert. Durch ein Vorabbild, beispielsweise das synthetische
Bild und/oder das dreidimensionale Geländemodell, kann der Flugkörper 22 durch Bildkorrelation
mit einem vom Flugkörper 22 aufgenommen Bild des Zielgebiets 12 interessierende Objekte
16, 18, 20, 30 einfach finden.
[0041] Als Erfassungsunterstützungsdaten wird dem Flugkörper 22 ein Erfassungsverfahren
unter mehreren möglichen Erfassungsverfahren mitgeteilt, mit dem er das Ziel 20 erfassen
soll. Im vorliegend beschriebenen Ausführungsbeispiel wird in einer ersteren Flugphase
ein visuelles und auf die Landmarke 30 gerichtetes Erfassungsverfahren vorgegeben.
In einer späteren Flugphase wird ein Erfassungsverfahren vorgegeben, in dem das Ziel
20 mittels Infrarotsensor erfasst wird, um es von ähnlich aussehenden und das Ziel
20 umgebenden Felsbrocken unterscheiden zu können. Eine dritte und wiederum spätere
Flugphase ist dadurch gekennzeichnet, dass das Erfassungsverfahren wiederum im sichtbaren
Frequenzbereich erfolgt, um die visuellen : Merkmale der Zielfarbe und der Hintergrundfarbe
erfassen und prüfen zu können. Auf diese Weise umfassen die Erfassungsunterstützungsdaten
mehrere Erkennungsverfahren, die hintereinander oder gleichzeitig eingesetzt werden
und mit denen der Flugkörper 22 das Ziel 20 erfassen soll. Ebenfalls umfassen die
Erfassungsunterstützungsdaten zumindest einen Ortspunkt, ab dem ein Erfassungsverfahren
gewechselt werden soll.
[0042] Fig. 2 zeigt ein Ablaufdiagramm eines Verfahrens zum Einweisen des Flugkörpers 22
auf das Ziel 20. Aus einer ersten Datenbank, die die Wissensbasis eines Führungssystems
enthält, beispielsweise ein Einsatzlagebild, wird übergeordnete Lageinformation 40
abgerufen und einer Prozesseinheit 42 des Flugkörpereinweisungssystems 26 übergeben.
Aus einer weiteren Datenbank, die alternativ ein Bestandteil der ersten Datenbank
sein kann, werden Aufklärungsdaten 44 abgerufen, beispielsweise über das Einsatzgebiet,
das darin enthaltene Zielgebiet 12 und/oder Merkmale des Ziels 20. Die übergeordnete
Wissensbasis aus der Datenbank 40 kann hierbei ebenfalls Aufklärungsdaten beinhalten.
[0043] Aus diesen oder anderen Informationen werden vom Flugkörpereinweisungssystem 26 oder
einem anderen System Zieldaten 46 erzeugt, wie die Koordinaten des Zielgebiets 12
und ggf. des Ziels 20, die dem Flugkörper 22 vor oder nach einem Start aus der Trägerplattform
24 übermittelt werden. Anhand dieser Daten kann der Flugkörper 22 gestartet und in
Richtung auf das Zielgebiet hin geführt werden.
[0044] Aus den Aufklärungsdaten 44 werden von der Prozesseinheit 42 des Flugkörpereinweisungssystems
26 außerdem Erfassungsunterstützungsdaten 48 erzeugt. Diese können - je nach Daten
- dem Flugkörper 22 auch noch nach seinem Start übergeben werden, da sie die erst
später erfolgende Erfassung unterstützen. Zur Erzeugung der Erfassungsunterstützungsdaten
48 werden zusätzlich Flugkörperinformationen 50 über den Flugkörper 22 einbezogen
werden. Diese Flugkörperinformation 50 enthält zweckmäßigerweise Information über
die Art des Flugkörpers 22 und seine Sensoren, seine Prozesseinheit und deren Fähigkeiten,
über den Suchkopf und dessen Optik, über den Gefechtskopf des Flugkörpers 22 und dessen
Einsatzmöglichkeiten und dergleichen.
[0045] Die hieraus abgeleitete Erfassungsunterstützungsdaten 48, die Zielmerkmale, ein Zielverhalten,
eine Zielposition, einen Zielkontext, eine Lenkstrategie für den Flugkörper 22, und/oder
Informationen zu Erfassungsbedingungen enthalten kann, werden einer weiteren Prozesseinheit
52 zugeführt, die Teil des Flugkörpers 22 ist. Die bodengebundene Prozesseinheit 42
und die Prozesseinheit 52 des Flugkörpers 22 bilden hierbei ein Prozessmittel des
Flugkörpereinweisungssystems 26. Alternativ ist es auch möglich, dass die Aufklärungsdaten
44 an den Flugkörper 22 übergeben werden, und die Prozesseinheit 48 des Flugkörpers
22 hieraus Erfassungsunterstützungsdaten 48 ableitet, nach denen der Flugkörper 22
das Ziel 20 erfasst. Auch möglich ist es, dass Erfassungsunterstützungsdaten 48 direkt
dem Flugkörper 22 übergeben werden zusammen mit Aufklärungsdaten, aus denen der Flugkörper
22 weitere Erfassungsunterstützungsdaten 48 erzeugt und die Zielerfassung und/oder
Flugkörpersteuerung aus der Gesamtheit der Erfassungsunterstützungsdaten 48 erfolgt.
[0046] Anhand der Erfassungsunterstützungsdaten 48 führt die Prozesseinheit 52 die Steuerung
54 des Flugkörpers 22 durch. Die Steuerung 54 kann die Steuerung von Aktuatoren zur
Lenkung des Flugkörpers 22 umfassen, von Aktuatoren zum Steuern des Suchkopfs, von
weiteren Aktuatoren zum Auslösen eines Gefechtskopfs, die Steuerung eines Auslösemodus
des Gefechtskopfes und/oder die Wahl eines Erfassungsmodus zum Erfassen des Ziels
20 und weitere Steuerungsaktionen.
Bezugszeichenliste
[0047]
- 2
- Berg
- 4
- Tal
- 6
- Tal
- 8
- Bergsattel
- 10
- Wolke
- 12
- Zielgebiet
- 14
- Dorf
- 16
- Objekt
- 18
- Objekt
- 20
- Ziel
- 22
- Flugkörper
- 24
- Trägerplattform
- 26
- Flugkörpereinweisungssystem
- 28
- Aufklärungssensor
- 30
- Landmarke
- 32
- Hügel
- 34
- Anflugroute
- 36
- Abstand
- 38
- Fahrzeug
- 40
- Lageinformationen
- 42
- Prozesseinheit
- 44
- Aufklärungsdaten
- 46
- Zieldaten
- 48
- Erfassungsunterstützungsdaten
- 50
- Flugkörperinformationen
- 52
- Prozesseinheit
- 54
- Steuerung
1. Verfahren zum Einweisung eines Flugkörpers (22) auf ein Ziel (20), bei dem Zieldaten
(46), anhand derer der Flugkörper (22) auf das Ziel (20) steuerbar ist, zusammengestellt
und an den Flugkörper (22) zur Ansteuerung auf das Ziel (20) gegeben werden,
dadurch gekennzeichnet,
dass Aufklärungsdaten (44) aus einem Aufklärungssensor (28) durch ein Flugkörpereinweisungssystem
(26) zu Erfassungsunterstützungsdaten (48), die über die Zieldaten (46) hinausgehende
Informationen zur Erfassung des Ziels (20) enthalten, verarbeitet und an den Flugkörper
(22) gegeben werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufklärungsdaten (44) Informationen zu einer Erkennbarkeit des Ziels (20) enthalten
und die Erfassungsunterstützungsdaten (48) Informationen über aktuelle Bedingungen
einer Erfassung des Ziels (20) enthalten.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufklärungsdaten (44) Informationen zu einem Umgebungsmerkmal (30) in der Umgebung
des Ziels (20) enthalten und die Erfassungsunterstützungsdaten (48) eine Beziehungsinformation
des Ziels (20) zum Umgebungsmerkmal (30) enthalten.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufklärungsdaten (44) Bildinformationen einer Umgebung des Ziels (20) enthalten
und die Erfassungsunterstützungsdaten (48) ein Geländemodell einer Umgebung des Ziels
(20).
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufklärungsdaten (40) Bildinformationen einer Umgebung des Ziels (20) enthalten,
und die Erfassungsunterstützungsdaten (48) ein synthetisches Bild des Ziels (20) aus
Sicht des anfliegenden Flugkörpers (22).
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufklärungsdaten (44) Sichtverhältnisse auf der Anflugroute (34) des Flugkörpers
(22) auf das Ziel (20) beinhalten und das synthetische Bild unter Berücksichtigung
der Sichtverhältnisse erstellt wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufklärungsdaten (44) ein vor dem Anflug des Flugkörpers (20) auf das Ziel (20)
erstelltes Vorabbild des Ziels (20) enthalten und die Erfassungsunterstützungsdaten
(48) Informationen zu einer Beziehung des Vorabbilds mit einem Sichtbild des Ziels
(20) enthalten, das sich dem auf das Ziel (20) anfliegenden Flugkörper (22) bietet.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufklärungsdaten (44) Informationen zu einer Sicht auf das Ziel (20) enthalten
und die Erfassungsunterstützungsdaten (48) Informationen darüber, welches unter mehreren
möglichen Zielerfassungsverfahren des Flugkörpers (22) das am besten geeignete ist.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufklärungsdaten (44) Informationen zu einer Sicht auf das Ziel (20) enthalten
und die Erfassungsunterstützungsdaten (48) Informationen darüber, ob der Flugkörper
(22) ausreichend gut über eigene Sensorik an das Ziel (20) heranführbar ist oder ob
er mit Hilfe eines anderen Verfahrens in Richtung auf das Ziel (20) geführt werden
muss.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufklärungsdaten (44) mehrere Zielmerkmale aus optischen Informationen des Ziels
(20) enthalten und die Erfassungsunterstützungsdaten (48) Informationen enthalten,
welche der Zielmerkmale das aufgefasste Ziel (20) aufweisen muss.
11. Flugkörpereinweisungssystem (26) mit einem Prozessmittel, das dazu vorbereitet ist,
Zieldaten (46), anhand derer ein Flugkörper (22) auf ein Ziel (20) steuerbar ist,
zusammenzustellen und an den Flugkörper (22) zur Ansteuerung auf das Ziel (20) zu
übergeben, und Aufklärungsdaten (44) aus einem Aufklärungssensor (28) zu Erfassungsunterstützungsdaten
(48), die über die Zieldaten (46) hinausgehende Informationen zur Erfassung des Ziels
(20) enthalten, zu verarbeiten und an den Flugkörper (22) zu übergeben.
12. Flugkörpereinweisungssystem nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Prozessmittel eine bodengebundene erste Prozesseinheit (42) und eine zweite Prozesseinheit
(52) im Flugkörper (22) aufweist, wobei die erste Prozesseinheit (42) dazu vorbereitet
ist, die Aufklärungsdaten (44) zu Erfassungsunterstützungsdaten (48) zu verarbeiten
und zweite Prozesseinheit (52) dazu vorbereitet ist, den Flugkörper (22) unter Verwendung
der Erfassungsunterstützungsdaten (48) auf das Ziel (20) hin zu steuern.