[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Wärmebehandeln eines aus einer Titanlegierung
hergestellten Werkstückes zum Einstellen eines feinkörnigen Gefüges durch Glühen des
Werkstückes oberhalb seiner β-Transus-temperatur (β-Glühen), wobei das Werkstück in
einem Ofen auf ein Temperaturniveau oberhalb seiner β-Transustemperatur erwärmt wird
und das Erreichen des Temperaturniveaus den Beginn einer bezüglich seiner Dauer vordefinierten
Haltezeit bestimmt und das Werkstück für die Dauer der Haltezeit auf dem Temperaturniveau
belassen wird, bevor es einem Abkühlprozess unterworfen wird.
[0002] Werkstücke, die aus einer Titanlegierung bestehen, werden in Abhängigkeit von ihrem
Chemismus und ihrem Einsatzzweck unterschiedlichen Wärmebehandlungen unterworfen,
um dem Werkstück bestimmte Eigenschaften zu verleihen bzw. einzustellen. Werkstücke
aus Titanlegierungen werden zu diesem Zwecke mitunter einem Glühverfahren unterworfen.
Hauptanwendungszweck derartiger Glühverfahren liegt je nach Legierungstyp und der
jeweils gewünschten zu erreichenden Eigenschaft in einer Steigerung der Festigkeit,
dem Einstellen einer hinreichenden Zähigkeit sowie einer thermischen Stabilität und/oder
zur Erhöhung der Kriechbeständigkeit. Eines dieser Warmbehandlungsverfahren ist das
sogenannte β-Glühen. Bei diesem Verfahren wird das Werkstück knapp oberhalb seiner
β-Umwandlungstemperatur (β-Transustemperatur) geglüht und anschließend einem definierten
Abkühlprozess unterworfen, wobei es sich hierbei um ein Abkühlen in Luft oder einem
inerten Gas auf Raumtemperatur oder auch um ein Abschrecken handeln kann. Oberhalb
der β-Transus-temperatur wird die in der Ti-Legierung enthaltene hexagonale α-Phase
in eine raumzentrierte β-Phase umgewandelt. Der sich an das β-Glühen anschließende
Abschreckprozess ist typischerweise ausgelegt, um bei der Abkühlung die Ausbildung
von α-Phase möglichst zu unterdrücken oder definiert auszuscheiden.
[0003] Bei Werkstücken aus Ti-Legierungen kann es sich um Strukturbauteile, etwa zur Verwendung
im Flugzeugbau, handeln. Derartige Strukturbauteile weisen typischerweise eine nicht
unbeträchtliche Dicke auf. Beim β-Glühen eines solchen Werkstückes ist zum Erzielen
der gewünschten Eigenschaften besondere Sorgfalt notwendig. Zu diesem Zweck sind Normen
entwickelt worden, nach deren Vorgaben derartige Ti-Strukturbauteile βgeglüht werden
müssen. Durch die Normung des β-Glühprozesses soll gewährleistet werden, dass bei
einer industriellen Anwendung des β-Glühverfahrens die Werkstücke ein möglichst einheitliches
Korngefüge aufweisen. Problematisch beim β-Glühen ist, dass ein zu langes Halten des
Werkstückes oberhalb seiner β-Transustemperatur zu einer unerwünschten Kornvergröberung
führt. Gemäß den geltenden Normen, wie AMS-H-81200B oder DIN 65084, ist gefordert,
dass das Werkstück bis auf eine Temperatur erwärmt wird, die 30°C oberhalb der β-Transustemperatur
der Ti-Legierung liegt. Das oberhalb der β-Transustemperatur liegende Temperaturniveau,
auf das das Werkstück zu erwärmen ist, weist eine ausreichende Temperaturdifferenz
zu der β-Transustemperatur auf, das auch unter Berücksichtigung der systembedingten
Temperaturtoleranzen (β-Transustemperatur, Ofentemperatur) sichergestellt ist, dass
das Werkstück insgesamt bei Erreichen des Temperaturniveaus oberhalb der β-Transustemperatur
erwärmt ist. Hinsichtlich der eingestellten Ofentemperatur wird in aller Regel ein
Toleranzbereich von ±14°C vorgegeben. Durchgeführt wird ein β-Glühen gemäß diesen
Vorgaben durch Erwärmen des Werkstückes in einem Ofen. Überschreitet die Werkstücktemperatur
die untere Toleranzgrenze des vordefinierten Temperaturniveaus (T
β+30°C-14°C) bestimmt dieses den Zeitpunkt des Beginns der Haltezeit. Die Haltezeit
selbst ist beispielsweise mit 30 Minuten vorgegeben. Demzufolge wird das Werkstück
in dem Ofen für die Dauer der Haltezeit auf einem Temperaturniveau oberhalb von T
β+30°-14°C belassen und anschließend einem Abkühlprozess unterworfen.
[0004] Ein solches Verfahren ist vom Prinzip her aus
GB 1,141,409 bekannt. Beschrieben ist in diesem Dokument ein Verfahren zur Kornfeinung der Mikrostruktur
einer α- oder α-β-Titanlegierung. Das Werkstück wird auf eine Temperatur oberhalb
der β-Transustemperatur erwärmt, um eine im Wesentlichen vollständige Umwandlung in
die β-Phase zu erhalten. Auf dieser Temperatur wird das Werkstück so lange gehalten,
bis hinreichend sichergestellt ist, dass eine vollständige Konversion in die β-Phase
stattgefunden hat. Als Beispiel wird eine Haltezeit von einer Stunde angegeben. Anschließend
wird das Werkstück abgeschreckt, und zwar auf eine Temperatur hinreichend weit unterhalb
der β-Transustemperatur, um einen wesentlichen Anteil der β-Phase in eine α-Phase
oder eine α-Äquivalent-Phase zu bringen. In einem nachfolgenden Schritt wird das Formstück
plastisch deformiert. Die Glühung bezieht sich bei diesem Dokument auf einen Zwischenschritt
in der Herstellung eines Materials im Zustand
"annealed" mit einer Gefügestruktur aus globularer α-Phase, die nach dem β-Glühen und nach einer
weiteren Verformung eingestellt wird. In diesem Dokument wird keine β-Glühung, die
eine Endwarmbehandlung darstellt beschrieben, mit dem die Korngröße des β-Gefüges
verfeinert wird, wie dieses Eingangs erwähnt ist.
[0005] Es hat sich gezeigt, dass trotz der normativen Vorgaben zum β-Glühen von Werkstücken
aus einer Titanlegierung diese nicht mit der notwendigen Prozesssicherheit hergestellt
werden können, diese sich mithin hinsichtlich ihres Gefüges und damit ihrer Eigenschaften
trotz gleicher Verfahrensparameter voneinander unterscheiden können. Dieses ist jedoch
unerwünscht.
[0006] Ausgehend von diesem diskutierten Stand der Technik liegt der Erfindung daher die
Aufgabe zugrunde, ein eingangs genanntes Verfahren dergestalt auszubilden, dass ein
β-Glühen von Werkstücken aus einer Titanlegierung mit einem höheren Maß an Prozesssicherheit
möglich ist.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren gemäß Anspruch 1 gelöst.
[0008] Im Unterschied zu der herrschenden Meinung, die Ofentemperatur lediglich knapp über
die β-Transustemperatur einzustellen, um eine Kornvergröberung durch eine zu hohe
Temperatur zu vermeiden, wird bei dem vorgeschlagenen Verfahren der Ofen auf eine
Temperatur eingestellt, die sich oberhalb desjenigen Temperaturniveaus befindet, bei
dessen Überschreiten die Haltezeit zu laufen beginnt. Ausgenutzt wird bei diesem Verfahren
die Eigenschaft, dass innerhalb des betrachteten Temperaturfensters oberhalb der β-Transustemperatur
die Temperatur nur einen untergeordneten Einfluss auf das Kornwachstum hat. Entscheidend
für das Kornwachstum und die Korngröße des β-geglühten Werkstückes ist vielmehr die
Haltezeit. Durch Einstellen der Ofentemperatur auf eine Temperatur mit einer deutlichen
Differenz zu derjenigen Temperatur, bei der die Zeitspanne des Haltens beginnt, wird
erreicht, dass die Zeitspanne zwischen dem Zeitpunkt, in dem das Werkstück seine β-Transustemperatur
überschreitet und dem Erreichen des den Beginn der Haltezeit bestimmenden Temperaturniveaus
gegenüber einem herkömmlichen β-Glühen infolge des rascheren Erwärmens des Werkstückes
durch die erfindungsgemäß eingestellte höhere Ofentemperatur erheblich kürzer ist.
Ausgenutzt wird bei diesem Verfahren auch das Aufheizverhalten eines Ti-Werkstückes,
dessen Aufheizgradient mit zunehmender Temperatur abnimmt. Der Abschnitt der Aufheizkurve
des Werkstückes zwischen seiner β-Transustemperatur und dem Temperaturniveau der Haltezeit
befindet-sich in einem Abschnitt der Aufheizkurve mit einem höheren Gradienten, verglichen
mit dem herkömmlichen β-Glühprozess. Durch Verkürzen dieser, nicht zur Haltezeit zählenden
Zeitspanne, in der eine Umwandlung in β-Phase bereits stattfindet, ist der Umfang
dieser Umwandlung und das damit einhergehende Kornwachstum deutlich reduziert. Dieses
macht sich gerade bei dickeren Werkstücken bemerkbar, die eine entsprechend geringe
Aufheizgeschwindigkeit vor allem in dem letzten Abschnitt ihrer Aufheizkurve aufweisen
und daher die Zeitspanne zwischen dem Zeitpunkt des Überschreiten der β-Transustemperatur
und dem Beginn der Haltezeit entsprecht lang ist. Bei vorbekannten Verfahren hatte
dies zur Folge, dass die vorgegebene Haltezeit erheblich kürzer war als diejenige
Zeit, die das Werkstück erwärmt werden musste, um von seiner β-Transustemperatur auf
das Temperaturniveau zum Halten erwärmt zu werden.
[0009] Die Ofeneinstelltemperatur wird man in Abhängigkeit von der Ti-Legierung und der
Geometrie des Werkstückes einstellen. Es wird als ausreichend angesehen, wenn die
Ofeneinstelltemperatur 50°C oberhalb der β-Transustemperatur liegt und damit deutlich
oberhalb des für das Halten vorgesehenen Temperaturniveaus von T
β+30°C-14°C. Aus ökonomischen Gründen wird man die Ofeneinstelltemperatur nicht zu
hoch einstellen. Die maximale Ofeneinstelltemperatur wird man in Abhängigkeit von
dem temperaturbedingten Korngrößenwachstum und der vorgesehenen Haltezeit und der
erwarteten Zeitspanne wählen, die für das Erwärmen des Werkstückes von seiner β-Transustemperatur
auf das Temperaturniveau der Haltezeit benötigt wird. Versuche haben gezeigt, dass
selbst eine Ofeneinstelltemperatur von T
β+100°C zu den erwarteten Ergebnissen führt, ohne, bedingt durch die zunehmende Erwärmung
während der Haltezeit, ein zu großes Kornwachstum hinnehmen zu müssen. Bei einer Ofeneinstelltemperatur
von T
β+100°C ist die Zeitspanne für das Erwärmen des Werkstückes von seiner β-Transustemperatur
auf das Temperaturniveau der Haltezeit entsprechend kurz. Bei einer Durchführung des
Verfahrens mit einer Ofeneinstelltemperatur zum Erwärmen des Werkstückes, die, wie
bei dem vorstehenden Beispiel beschrieben, erheblich oberhalb der β-Transustemperatur
liegt, ist es möglich, nach Erreichen der für das Halten vorgesehenen Temperatur die
Ofentemperatur eine Temperatur, die nur etwas oberhalb der β-Temperatur liegt, abzusenken.
Dieses wiederum reduziert ein temperaturbedingtes Kornwachstum.
[0010] Durch das beanspruchte Verfahren wird erstmals vorgeschlagen, die Ofentemperatur
als Stellgröße einzusetzen, um dem Prozess einer β-Glühung eines aus einer Ti-Legierung
hergestellten Werkstückes nicht unerheblich zu verbessern, insbesondere die mit diesem
Warmbehandlungsverfahren hergestellten Werkstücke prozesssicher hinsichtlich in der
gewünschten Eigenschaft herzustellen zu können. Dabei kann durchaus vorgesehen sein,
die Ofentemperatur als aktive Stellgröße einzusetzen, die, nachdem das Werkstück eine
vorbestimmte Temperatur erreicht hat, von einer ersten Einstelltemperatur abgesenkt
wird.
[0011] Nachfolgend ist die Erfindung unter Bezugnahme auf die beigefügten Figuren nochmals
eingehender beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematisiert dargestellte Aufheizkurve zum Darstellen eines aus einer Ti-Legierung
bestehenden Werkstückes zum Durchführen einer β-Glühung nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren in einer Gegenüberstellung zu der Aufheizkurve eines aus derselben Legierung
bestehenden Werkstückes gemäß dem herkömmlichen β-Glühverfahren und
- Fig. 2
- ein Diagramm darstellend das Kornwachstum eines Werkstückes aus einer Ti-Legierung
in Abhängigkeit von der Haltezeit bei unterschiedlichen Temperaturen.
[0012] In dem Diagramm der Figur 1 ist das erfindungsgemäße β-Glühen eines Werkstückes aus
einer Ti-Legierung anhand eines Temperatur/ZeitDiagramms dargestellt. Eingetragen
in das Diagramm ist die Aufheizkurve A eines Ti-Werkstückes, das bei dem dargestellten
Ausführungsbeispiel aus einer Ti6A14V-Legierung hergestellt ist. Der Chemismus einer
Ti6A14V-Legierung ist nachfolgend wiedergegeben:
| Al |
V |
Fe |
O |
C |
N |
H |
Y |
Andere, einzeln |
Andere, Summe |
Ti |
| 5,5-6,75 |
3,5-4,5 |
max. 0,30 |
max. 0,20 |
max. 0,08 |
max. 0,05 |
max. 0,0125 |
max. 0,005 |
0,10 |
0,40 |
Rest |
[0013] Das Ti-Werkstück, dessen Aufheizkurve A in Figur 1 für den Prozess des β-Glühens
schematisiert wiedergegeben ist, weist konkret folgende Zusammensetzung auf:
| Al |
V |
Fe |
O |
C |
N |
H |
Y |
Andere, einzeln |
Andere, Summe |
Ti |
| 5,98 |
3,86 |
0,18 |
0,11 |
0,006 |
0,005 |
0,0017 |
< 0,005 |
< 0,10 |
< 0,30 |
Rest |
[0014] Die β-Transustemperatur T
β der für dieses Werkstück eingesetzten Ti-Legierung liegt bei etwa 970°C. Der Ofen,
in dem das Werkstück dem β-Glühverfahren unterworfen werden soll, ist bei dem dargestellten
Ausführungsbeispiel auf eine Temperatur von T
β+50°C eingestellt. Damit beträgt die Ofeneinstelltemperatur T
F 1.020°C. Eingetragen sind in das Diagramm die β-Transustemperatur T
β sowie die eingestellten Ofentemperatur T
F als durchgehende Linie, wobei der Toleranzbereich der beiden Temperaturen T
β sowie T
F gerastert oberhalb und unterhalb der jeweiligen Temperatur T
β bzw. T
F eingetragen ist. Eingetragen ist ferner die Untergrenze des für das Halten des Werkstückes
für den β-Glühprozess bestimmten Temperaturniveaus T
H. Der Zeitpunkt des Erreichens des Werkstückes der Temperatur T
H bestimmt sodann den Beginn der Haltezeit - derjenigen Zeitspanne, die das Werkstück
zum bestimmungsgemäßen Ausführen des β-Glühens auf oder oberhalb der Temperatur T
H zu belassen ist. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist die Untergrenze des
Temperaturniveaus für die Haltezeit diejenige Temperatur, die auch bei herkömmlichen
Verfahren den Beginn der Haltezeit definiert, namentlich T
β+30°C-14°C für die in Rede stehende Ti6A14V-Legierung.
[0015] Die Erwärmung des Ti-Werkstückes kann ausgehend von einem kalten Ofen oder auch in
einem bereits vorgewärmten Ofen erfolgen. Die Aufheizkurve A ist bestimmt durch einen
sich ab einer bestimmten Temperatur zunehmend abnehmenden Erwärmungsgradienten. Je
geringer die Temperaturdifferenz zwischen der aktuellen Temperatur des Werkstückes
und der Ofeneinstelltemperatur T
F ist, je geringer ist der Erwärmungsgradient. Im Zuge der fortschreitenden Erwärmung
überschreitet die Temperatur des Werkstückes im Zeitpunkt t
1 die Obergrenze der Toleranz der β-Transustemperatur T
β. Um sicherzustellen, dass das Werkstück insgesamt auf eine Temperatur oberhalb der
Obergrenze des Toleranzbereiches der β-Transustemperatur T
β erwärmt worden ist, liegt die Untergrenze des Temperaturniveaus T
H oberhalb der Obergrenze des Toleranzbereiches der β-Transustemperatur T
β. Wenn das Werkstück im Zeitpunkt t
2 die für das Halten vorgesehene Temperatur T
H erreicht hat, beginnt die bezüglich ihrer Dauer vordefinierte Haltezeit, die im vorliegenden
Ausführungsbeispiel mit 30 Minuten gewählt ist. Nach Ablauf der Haltezeit, die in
dem Diagramm der Figur 1 im Zeitpunkt t
3 eingetragen ist, wird das Werkstück aus dem Ofen entnommen und einem definierten
Abkühlprozess unterworfen. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel der Aufheizkurve
A beträgt das Zeitintervall zwischen den Zeitpunkten t
1, t
2 etwa 15 - 20 Minuten.
[0016] Ist das Werkstück auf seine Haltetemperatur erwärmt worden, kann der Ofen auf ein
niedrigeres Temperaturniveau abgesenkt werden. Dieses reduziert den Energieverbrauch
und den, wenn auch geringen Einfluss der Temperatur auf das Kornwachstum oberhalb
der β-Transustemperatur. Dieses geschieht im Zeitpunkt t
2 oder kurz danach. Abgesenkt werden kann die Ofentemperatur auf die zum Halten vorgesehene
Temperatur, die bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel T
β+30°C-14°C beträgt.
[0017] Dem vorstehend beschriebenen β-Glühen ist in Figur 1 das herkömmliche β-Glühen eines
Ti-Werkstückes gegenübergestellt. Dieses Ti-Werkstück weist dieselbe Legierungszusammensetzung
auf, wie dasjenige, welches mit dem erfindungsgemäßen β-Glühen warmbehandelt worden
ist. Bei dem vorbekannten β-Glühen beträgt die Ofeneinstelltemperatur T
F'=T
β+30° (1.000°C). Auch zu dieser Temperatur T
F' ist der Toleranzbereich oberhalb und unterhalb durch eine Rasterung kenntlich gemacht.
Aufgrund der geringeren Ofeneinstelltemperatur T
F', verglichen mit dem Ausführungsbeispiel gemäß der Erfindung, verläuft der Erwärmungsprozess
des Werkstückes, in Figur 1 anhand seiner Aufwärmkurve A' strichpunktiert gezeigt,
insgesamt langsamer. Im Zeitpunkt t
1' wird die Obergrenze des Toleranzbereiches der β-Transustemperatur überschritten
und im Zeitpunkt t
2' die Untergrenze des Temperaturniveaus T
H der Haltezeit. Wird im Zeitpunkt t
2' das Temperaturniveau T
H überschritten, beginnt die 30-minütige Haltezeit.
[0018] Die Gegenüberstellung der beiden Aufheizkurven A, A' macht zum einen deutlich, dass
der Beginn der Haltezeit bezogen auf den Gesamtprozess bei dem herkömmlichen β-Glühen
(Aufheizkurve A') später einsetzt und daher die Prozessdauer länger ist als bei dem
zur Aufheizkurve A beschriebenen erfindungsgemäßen Verfahren. Bei dem herkömmlichen
Verfahren beträgt das Zeitintervall zwischen den Zeitpunkten t
1' und t
2' etwa 40 Minuten und ist daher etwa doppelt so lange wie bei dem zu der beanspruchten
Erfindung im Wege des vorstehenden Ausführungsbeispiels beschriebenen Verfahren. Die
bei dem erfindungsgemäßen Verfahren kürzere Zeitspanne zwischen dem Zeitpunkt des
Erreichens der β-Transustemperatur bzw. der Untergrenze des Toleranzbereiches derselben
und dem Erreichen der Temperatur T
H erklärt nicht nur die höhere Prozesssicherheit dieses Verfahrens sondern auch, dass
das mit diesem Verfahren β-geglühte Werkstück insgesamt feinkörniger ist und eine
homogenere Korngrößenverteilung aufweist.
[0019] Bei den vorbeschriebenen Ti-Werkstücken, deren Aufheizkurven A, A' in Figur gegenüber
gestellt sind, handelte es sich um zylindrische Probenkörper mit einem Durchmesser
von 200 mm und einer Höhe von 125 mm. Im Anschluss an die jeweilige β-Glühung wurde
eine Korngrößenuntersuchung an den beiden Werkstücken durchgeführt. Als Ergebnis zeigte
sich, dass bei gemäß dem Stand der Technik durchgeführtem β-Glühen eine durchschnittliche
Korngröße von 0,74 mm erzielt worden ist. Die gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren
β-geglühte Probe wies dagegen eine durchschnittliche Korngröße von nur 0,58 mm auf.
Zudem war festzustellen, dass die Abweichung der Korngrößen von dem vorgenannten Mittelwert
bei der erfindungsgemäß β-geglühten Probe kleiner ist als bei derjenigen, die einem
herkömmlichen β-Glühen unterworfen worden ist.
[0020] Figur 2 zeigt ein Korngrößenvergleichsdiagramm, in dem in Abhängigkeit von der Haltezeit
der auch für die Glühversuche verwendeten Legierung Ti6Al4V die Korngröße aufgetragen
ist. Eingetragen sind in dem Diagramm vier, sich hinsichtlich der Temperatur ihrer
Haltezeit unterscheidende Kurven. Die vier Proben wiesen folgende Legierungszusammensetzung
auf:
| Al |
V |
Fe |
O |
C |
N |
H |
Y |
Andere, einzeln |
Andere, Summe |
Ti |
| 5,92 |
3,82 |
0,18 |
0,11 |
0,006 |
0,005 |
0,0035 |
< 0,005 |
< 0,10 |
< 0,30 |
Rest |
[0021] Die in Figur 2 aufgetragenen Kurven machen deutlich, dass in dem betrachteten Temperaturfenster
(T
β+30C° bis T
β+100C°) die Korngröße maßgeblich von der Haltezeit und nur untergeordnet von dem Temperaturniveau
der Haltezeit abhängig ist. Die Kurven weichen nicht signifikant voneinander ab und
befinden sich innerhalb der Messgenauigkeit. Dieses festzustellen war unerwartet und
entsprach nicht der herrschenden Meinung.
[0022] Aus der Beschreibung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird deutlich, dass, je höher
die Ofeneinstelltemperatur ist und damit je größer die Temperaturdifferenz zwischen
der Ofeneinstelltemperatur und der Temperatur T
H, die den Beginn des Haltens definiert, ist, je kürzer ist die Zeitspanne zwischen
dem Zeitpunkt des Erreichens der β-Transustemperatur und der Temperatur T
H. Mithin befindet sich dieser Zeitabschnitt in einem Bereich der Aufheizkurve mit
einem größeren Erwärmungsgradienten. Da in dem Temperaturintervall zwischen T
β und T
H bereits Phasenänderungen eintreten können, diese Zeitspanne jedoch nicht zur Haltezeit
zählt, wird deutlich, dass diese in Bezug auf die normierten Verfahren nicht definierte
Zeitspanne bei dem erfindungsgemäßen Verfahren erheblich minimiert worden ist. Folglich
ist die Prozesssicherheit der mit diesem Verfahren warmbehandelten Ti-Werkstücke entsprechend
größer.
[0023] Die Erfindung ist anhand von Ausführungsbeispielen beschrieben worden. Versuche haben
gezeigt, dass sich ebenfalls andere Ti-Legierungen zum Durchführen dieses β-Glühens
eignen, wie beispielsweise eine Ti6Al4V ELI oder eine Ti 6-22-22-Legierung. Darüber
hinaus eignet sich dieses β-Glühverfahren auch für andere α-β-Ti-Legierungen.
1. Verfahren zum Wärmebehandeln eines aus einer Titanlegierung hergestellten Werkstückes
zum Einstellen eines feinkörnigen Gefüges durch Glühen des Werkstückes oberhalb seiner
β-Transustemperatur (Tβ) (β-Glühen), wobei das Werkstück in einem Ofen auf ein Temperaturniveau (TH) oberhalb seiner β-Transustemperatur (Tβ) erwärmt wird und das Temperaturniveau (TH) seine Untergrenze bei dem für das anschließende Halten des Werkstückes für den β-Glühprozess
bestimmten Temperatur hat, und das Erreichen des Temperaturniveaus (TH) den Beginn einer bezüglich seiner Dauer vordefinierten Haltezeit bestimmt und das
Werkstück für die Dauer der Haltezeit auf dem Temperaturniveau (TH) belassen wird, bevor es einem Abkühlprozess unterworfen wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Wärmebehandlung in einem Ofen durchgeführt wird, dessen eingestellte Ofentemperatur
(TF) zum Erwärmen des Werkstückes auf das zum Durchführen des Haltens vorgesehene Temperaturniveau
oberhalb des den Beginn der Haltezeit bestimmenden Temperaturniveaus (TH) des Werkstückes liegt, wobei die eingestellte Ofentemperatur zum Erwärmen des Werkstückes
auf seine Haltetemperatur (TH) wenigstens 20°C oberhalb des für das Halten vorgesehenen Temperaturniveaus (TH) liegt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass nach Erwärmen des Werkstückes auf das Temperaturniveau (TH) die Ofentemperatur auf eine niedrigere Ofentemperatur abgesenkt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Ofen auf das den Beginn der Haltezeit bestimmende Temperaturniveau (TH) abgesenkt wird.
4. Verfahren einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Ofeneinstelltemperatur 50°C oberhalb der β-Transustemperatur (Tβ) liegt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die eingestellte Ofentemperatur zum Erwärmen des Werkstückes auf seine Haltetemperatur
(TH) nicht mehr als 100°C oberhalb des für das Halten vorgesehenen Temperaturniveaus
(TH) liegt.
1. Procédé pour le traitement thermique d'une pièce à usiner fabriquée à partir d'un
alliage de titane pour la mise au point d'une structure à grains fins par recuit de
la pièce à usiner au-dessus de sa température transus β (Tβ) (recuit β), la pièce à usiner étant chauffée dans un four à un niveau de température
(TH) au-dessus de sa température transus β (Tβ) et le niveau de température (TH) ayant son seuil inférieur à la température définie pour le processus de recuit β
à laquelle doit ensuite être maintenue la pièce à usiner et l'atteinte du niveau de
température (TH) déterminant le début d'un temps de maintien prédéfini en ce qui concerne la durée
et la pièce à usiner étant laissée pendant le temps de maintien au niveau de température
(TH) avant de la soumettre à un processus de refroidissement, caractérisé en ce que le traitement thermique est réalisé dans un four dont la température du four (TF), réglée pour le chauffage de la pièce à usiner au niveau de température prévu pour
le maintien, se situe au-dessus du niveau de température (TH) de la pièce à usiner déterminant le début du temps de maintien, la température du
four, réglée pour le chauffage de la pièce à usiner à sa température de maintien (TH), se situant au moins 20°C au-dessus du niveau de température (TH) prévu pour le maintien.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que, après chauffage de la pièce à usiner au niveau de température (TH), la température du four est ramenée à une température du four plus basse.
3. Procédé selon la revendication 2, caractérisé en ce que le four est ramené à un niveau de température (TH) déterminant le début du temps de maintien.
4. Procédé selon l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la température de réglage du four se situe 50 °C au-dessus de la température transus
β (Tβ).
5. Procédé selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que la température du four réglée pour chauffer la pièce à usiner à sa température de
maintien (TH) se situe à pas plus de 100 °C au-dessus du niveau de température (TH) prévu pour le maintien.