(19)
(11) EP 2 397 339 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
21.12.2011  Patentblatt  2011/51

(21) Anmeldenummer: 11004860.0

(22) Anmeldetag:  15.06.2011
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B42C 7/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
CH DE IT LI
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME

(30) Priorität: 18.06.2010 DE 102010024232

(71) Anmelder: Kolbus GmbH & Co. KG
32369 Rahden (DE)

(72) Erfinder:
  • Tautz, Frank
    32369 Rahden (DE)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von Buchdecken


(57) In einer Buchdeckenmaschine (1) mit horizontalem Verarbeitungsprinzip werden Deckelpappen (2) und eine Rückeneinlage (3) aus Karton oder Pappe passgerecht mit den mit Klebstoff versehenen Bezugsnutzen (4) in einer Anrolleinrichtung (12, 15) vereinigt. Die überstehenden Kanten der Buchdecke (8) werden anschließend in hintereinander liegenden Arbeitsstationen (40, 43) entweder im fließenden Durchlauf oder jeweils im Stillstand eingeschlagen. Buchdecken (8) werden in unterschiedlichen Abmessungen hergestellt, indem bei fortdauernder Produktion zumindest die Deckelpappen (2) und Rückeneinlagen (3) ausrichtenden Führungen (29, 30) der Pappenzuführung (20) sowie die Einschlageinrichtungen (44.1, 44.2) der Seiteneinschlagstation (43) in zeitlicher Abstimmung mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken (7, 8) und ihrer zugeordneten Deckelpappen (2), Rückeneinlagen (3) und Bezugsnutzen (4) auf die für die jeweils nachfolgend herzustellende Buchdecke (8) bestimmte Arbeitsstellungen verstellt werden.




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung von Buchdecken nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bzw. 7.

[0002] In einer Buchdeckenmaschine mit horizontalem Verarbeitungsprinzip [Liebau, Heinze; Industrielle Buchbinderei; Verlag Beruf und Schule, 1997; S.: 399ff] werden Deckelpappen und eine Rückeneinlage aus Karton oder Pappe passgerecht mit den mit Klebstoff versehenen Bezugsnutzen in einer Anrolleinrichtung vereinigt. Eine gattungsgemäße Buchdeckenmaschine ist außerdem in der DE 100 57 599 A1 dargestellt und beschrieben. Die Deckelpappen werden aus einem Pappenmagazin ausgeschoben und gemeinsam mit der Rückeneinlage an Führungsschienen seitlich ausgerichtet der Anrolleinrichtung zugeführt. Synchron zur Pappenzuführung wird der Bezugsnutzen über einen Nutzenzylinder in die Anrollebene gebracht. Die überstehenden Kanten der Buchdecke werden anschließend in hintereinander liegenden Arbeitsstationen entweder im fließenden Durchlauf oder jeweils im Stillstand eingeschlagen, i.d.R. erst die an Kopf und Fuß überstehenden Kanten, und nach dem Eckeneinziehen an den Seiten. Abschließend werden die Buchdecken zwischen Presswalzen einer Andrückvorrichtung geführt zum Anreiben der Pappenteile auf den Bezugsnutzen. In einer Auslage gelangen die fertigen Buchdecken als Stapel über einen Rollentisch zur manuellen Abnahme.

[0003] Derartige Buchdeckenmaschinen dienen der Massenproduktion von identischen Buchdecken in hoher Produktionsleistung. Die ununterbrochene Herstellung von verschiedenen Buchdecken ist möglich, wenn diese das gleiche Format, d.h. die gleichen Abmessungen hinsichtlich aufgeschlagene Breite, Höhe, Deckelbreite und Rückeneinlagenbreite aufweisen und die zugeführten Bezugsnuten von gleichem Format aber lediglich unterschiedlichem Druckinhalt sind. Die bekannten Buchdeckenmaschinen werden also stets für ein bestimmtes Buchdeckenformat fest eingerichtet.

[0004] Bei einem Formatwechsel wird im Stillstand der Buchdeckenmaschine auf die neuen Abmessungen umgestellt. Obwohl mittlerweile in den gattungsgemäßen Buchdeckenmaschinen die wesentlichen Umstellvorgänge durch motorische Verstellachssysteme über eine zentrale Steuerungseinrichtung automatisiert sind und im Wesentlichen parallel erfolgen, ist dennoch mit jedem Formatwechsel ein zeitaufwendiger Rüstvorgang verbunden, der insbesondere bei kleinen Auflagen von nur wenigen gleichformatigen Buchdecken im wirtschaftlichen Missverhältnis zur eigentlichen Produktionszeit steht.

[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein gattungsgemäßes Verfahren und eine gattungsgemäße Vorrichtung zur Herstellung von Buchdecken zu schaffen, dass bzw. die die wirtschaftliche Herstellung von Buchdecken in kleinen Auflagen bis hin zur Auflage eins ermöglicht.

[0006] Diese Aufgabe wird für das gattungsgemäße Verfahren und die gattungsgemäße Vorrichtung durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 bzw. 7 gelöst. Bevorzugte Weiterausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.

[0007] Durch die Umstellung der Buchdeckenmaschine bei fortdauernder Produktion, d.h. bei laufender Maschine mit noch in der Bearbeitung befindlichen Buchdecken, entfallen die zeitaufwendigen Rüstvorgänge im Stillstand der Maschine, sodass Buchdecken in kleinen Auflagen, insbesondere der Auflage eins, wirtschaftlich hergestellt werden können. Die jeweiligen Bearbeitungseinrichtungen und -stationen werden in zeitlicher Abstimmung mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken bzw. Buchdeckenteile, wie Deckelpappen, Rückeneinlagen und Bezugsnutzen, verstellt, wobei eine jeweilige Verstellung durchgeführt wird, sobald die jeweilige Bearbeitung der vorangegangenen Buchdecke bzw. -teile abgeschlossen ist.

[0008] Für kleine Änderungen in den Arbeitstellungen kann die innerhalb eines Arbeitstaktes zur Verfügung stehende Taktlücke als Differenz aus Taktzeit und eigentlicher Bearbeitungszeit genutzt werden, um die Bearbeitungseinrichtungen über motorische Verstellsysteme auf die neuen Positionen zu verfahren. Die zur Verfügung stehende Verstellzeit kann durch einen langsameren Lauf der Buchdeckenmaschine vergrößert werden. Größere Änderungen in den Arbeitsstellungen können während des Durchlaufs eines oder mehrerer Leertakte erfolgen.

[0009] Durch die Umstellung zumindest der die Deckelpappen und Rückeneinlagen ausrichtenden Führungen der Pappenzuführung sowie der Einschlageinrichtungen der Seiteneinschlagstation wird zumindest die Herstellung von Buchdecken gleicher Höhe aber unterschiedlicher aufgeschlagener Breite ohne Unterbrechung ermöglicht. Insbesondere können damit Buchdecken mit gleichen Deckeln aber unterschiedlich breiten Rücken hergestellt werden. Dabei kann aufgrund der verhältnismäßig engen Bandbreite der Rückenbreite bzw. der aufgeschlagenen Breite von ca. +/- 15 mm mit einem einzigen Bezugsnutzenformat gearbeitet werden, da die Änderung der Breite durch die Einschlagbreite kompensierbar ist. Durch die Hinzunahme weiterer Formatverstellachsen können aber auch die übrigen Dimensionen der Buchdecke verändert werden.

[0010] Die Erfindung setzt die bisherige Vorgehensweise außer Kraft, dass eine Buchdeckenmaschine nicht eher gestartet werden kann, bis alle automatischen Verstellungen abgeschlossen und der übergeordneten Maschinensteuerung als fertig gemeldet worden sind. Dadurch dass in der Steuerung die jeweiligen, für eine bestimmte Umstellung anfallenden Verstellzeiten hinterlegt bzw. ermittelbar sind, kann die Herstellung einer nächsten Buchdecke im zeitlichen Abstand zur vorherigen Buchdecke nach der längsten Umstellzeit von den an der Umstellung beteiligten Bearbeitungseinrichtungen bei laufender Produktion fortgesetzt werden, auch wenn einige Verstellungen noch nicht abgeschlossen oder noch gar nicht gestartet sind.

[0011] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass die Rückeneinlagen von einer quer zur Pappenzuführungsrichtung zugeführten Materialbahn oder -bogen in unterschiedlichen Rückenbreiten abgetrennt wird. Dadurch dass das Rückeneinlagematerial nicht mehr wie bisher längs zum Rücken der Buchdecke sondern quer zugeführt wird, kann allein durch eine Änderung des Vorschubs eine andere Rückenbreite geschaffen werden. Der bislang erforderliche Breitenzuschnitt an der Materialbahn und der damit verbundene Umrüstaufwand und Abfall entfällt.

[0012] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass die Ecken der zugeführten Bezugsnutzen mit veränderbarer Abstoßbreite abgetrennt werden. Der Eckenabschnitt wird an die aufgeschlagene Breite und/oder Höhe der Buchdecke angepasst. Unterschiedliche Buchdeckenformate können dadurch aus einem einzigen Bezugsnutzenformat gefahren werden.

[0013] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass unterschiedlich große Bezugsnutzen aus zugeführten Standardgrößen zugeschnitten werden. Aus einem einzigen Bezugsnutzenformat kann somit eine große Bandbreite an unterschiedlichen Buchdeckenformaten gefertigt werden. Beim Bedrucken und in der Logistik und Bereitstellung der Bezugsnutzen ergeben sich erhebliche Einsparungen. Außerdem entfällt das Umrüsten des Nutzenmagazins, bei dem sonst ein aus Sicherheitsgründen verbleibender Reststapel entnommen werden müsste.

[0014] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass unterschiedliche große Deckelpappen aus einem in zumindest einem Magazin vorgehaltenen Vorrat an Deckelpappen entnommen werden. Die unterschiedlich großen Deckelpappen können in einem einzigen Magazin in der Reihenfolge angelegt werden, wie sie verarbeitet werden. Oder es sind wenigstens zwei der Pappenzuführung zugeordnete, Deckelpappen in verschiedenen Abmessungen vorhaltende Pappenmagazine vorgesehen, aus denen die Deckelpappen wahlweise entnehmbar sind.

[0015] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass die zugeführten Bezugsnutzen identifiziert werden, wodurch sich die Abmessungen und zugeordnete Arbeitsstellungen zur Verarbeitung der Deckelpappen, Rückeneinlagen und Bezugsnutzen sowie der daraus herzustellenden Buchdecken ermitteln lassen, zur automatischen Umstellung der Buchdeckenmaschine mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken (-teile).

[0016] Die für die Umstellung benötigten Daten können aus einem mit der Steuereinrichtung verbundenen Datenspeicher abgerufen werden, welcher vorzugsweise in dem betrieblichen Produktionsplanungssystem eingebunden ist. Die Buchdeckenmaschine ist vorzugsweise in einem digitalen Workflow integriert, der von dem Bedrucken und ggf. Beschneiden der Bezugsnutzen und von dem Zuschneiden der Deckelpappen über das Fügen der Buchdeckenteile zur Buchdecke bis zur Weiterverarbeitung in Bucheinhängemaschinen reichen kann und die Herstellung von digital gedruckten Büchern in kleiner Auflage automatisiert, indem von der Buchdeckenmaschine ausgegebene Meldungen über das Herstellungsergebnis ausgewertet werden und bei fehlerhafter Produktion der erneute Druck eines Bezugsnutzen angestoßen wird.

[0017] Fehlproduktionen und Stopper im Fertigungsablauf können vermieden werden, wenn nicht zusammengehörende Deckelpappen, Rückeneinlagen und/oder Bezugsnutzen durch an der Pappenzuführung und/oder Nutzenzuführung angeordnete Ausschleuseinrichtungen vor dem Zusammenfügen ausgeschleust werden. Manuelle Eingriffe werden erheblich reduziert.

[0018] Die Merkmale der vorliegenden Erfindung werden in der folgenden Beschreibung einer erfindungsgemäß ausgebildeten Buchdeckenmaschine anhand der beigefügten Zeichnung erläutert. Es zeigen
Fig. 1
eine schematische Seitenansicht einer Buchdeckenmaschine;
Fig. 2
eine Draufsicht auf die Buchdeckenmaschine;
Fig. 3
eine Schnittansicht gemäß Ansichtsdefinition in Figur 1.


[0019] Die Figuren 1 bis 3 zeigen eine Buchdeckenmaschine 1, in der Buchdecken 8 durch Zusammenfügen von Deckelpappen 2 und Rückeneinlagen 3 auf Bezugsnutzen 4 hergestellt werden. Ein jeweiliger Bezugsnutzen 4 wird aus einem Nutzenmagazin 11 vereinzelt und von einem Klemmriemenförderer 17 einer Nutzenzuführung 10 einem Nutzenzylinder 12 zugeführt, der den Bezugsnutzen 4 mit Greifern übernimmt, an einer Auftragswalze 14 eines Leimwerks 13 vorbeiführt und im Fügepunkt an die beiden synchron zugeführten Deckelpappen 2 und der einen Rückeneinlage 3 anrollt.

[0020] Andrückrollen 15 drücken im Fügepunkt die Pappen 2, 3 auf den Bezugsnutzen 4, während ein hin- und herbewegter Saugbalken 16 die montierte Buchdecke 7 von der aus Nutzenzylinder 12 und Andrückrollen 15 gebildeten Anrolleinrichtung übernimmt, um sie einer Einschlag- und Andrückstation zuzuführen, bestehend aus einer Kopf-/Fußeinschlagstation 40 und einer Seiteneinschlagstation 43 zum Einschlagen der überstehenden Bezugsnutzenkanten sowie einem Presswalzenpaar 45 zum festen Anreiben der Pappenteile 2, 3 auf den Bezugsnutzen 4. In einer Auslage 46 werden die fertigen Buchdecken 8 gestapelt und zur manuellen Abnahme ausgegeben.

[0021] Die Deckelpappen 2 befinden sich in einem Pappenmagazin 23.1. Die jeweils untersten Deckelpappen werden von einem Pappenschieber 21 einer Pappenzuführung 20 ausgeschoben und zu einer Zwischenposition 31 geführt, aus der sie von einem weiteren Pappenschieber 21 unter Ausrichtung an äußeren Pappenführungen 29 dem Fügepunkt zugeführt werden. Die Pappenschieber 21 sind in einem festen Abstand miteinander gekoppelt und werden mit einem konstanten Förderhub 22 gleich diesem Abstand taktgemäß vor und zurück bewegt.

[0022] Die Rückeneinlagen 3 werden in einem auf Rückeneinlagebreite BS einstellbaren Führungskanal 30 von den Pappenschiebern 21 vorgeschoben, wobei die Rückeneinlagen 3 hinter dem Pappenmagazin 23.1 in den durch das Pappenmagazin 23.1 hindurch verlängerten Führungskanal 30 eingebracht werden. Eine Rückeneinlagebahn 6 aus flexiblen Rollenschrenz wird von einem Abzugswalzenpaar 25 einer Schrenzzuführung 24 quer zur Pappenzuführungsrichtung in den Führungskanal 30 eingeschoben und mittels einer Schneideinrichtung 26 in Rückeneinlagebreite BS von der Rückeneinlagebahn 6 abgetrennt und dabei gänzlich in den Führungskanal 30 überführt. Mit den gekoppelten Pappenschiebern 21 wird die abgetrennte Rückeneinlage 3 über eine Zwischenposition 28 in eine Position innerhalb des Pappenmagazins 23.1 transportiert, von wo aus sie dann gemeinsam mit den Deckelpappen 2 mit dem dritten und vierten Förderhub 22 der Pappenschieber 21 bis zur Anrolleinrichtung weiter transportiert wird.

[0023] Die von der Rückeneinlagebahn 6 abgetrennte Rückeneinlage 3' kann etwas länger als die benötigte Rückeneinlagelänge sein. Die nach der Buchdeckenhöhe H bestimmte Rückeneinlagenlänge wird durch einseitiges Abtrennen eines Abfallstücks 3 a mittels einer in der Zwischenposition 28 am Führungskanal 30 angeordneten Schneideinrichtung 27 geschaffen.

[0024] Mit der erfindungsgemäß ausgebildeten Buchdeckenmaschine 1 können bei fortdauernder Produktion Buchdecken 8 in unterschiedlichen Abmessungen hergestellt werden, indem zumindest die Deckelpappen 2 und Rückeneinlagen 3 ausrichtenden Führungen 29, 30 der Pappenzuführung 20 sowie die Seiteneinschlageinrichtungen 44.1, 44.2 der Seiteneinschlagstation 43 in zeitlicher Abstimmung mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken 7, 8 und ihrer zugeordneten Deckelpappen 2, Rückeneinlagen 3 und Bezugsnutzen 4 auf die für die jeweils nachfolgend herzustellende Buchdecke 8 bestimmte Arbeitsstellungen verstellt werden.

[0025] Die Umstellung der Buchdeckenmaschine 1 erfolgt bei laufender Maschine mit noch in der Bearbeitung befindlichen Buchdecken 8. Eine jeweilige Verstellung wird durchgeführt, sobald die jeweilige Bearbeitung der vorangegangenen Buchdecke 7, 8 bzw. -teile 2, 3, 4 abgeschlossen ist, d.h. die notwendigen Verstellungen werden nicht gleichzeitig sondern sukzessiv mit dem Durchlauf der Buchdecken (-teile) durchgeführt. Für kleine Änderungen in den Arbeitstellungen wird als Verstellzeit die innerhalb eines Arbeitstaktes zur Verfügung stehende Taktlücke als Differenz aus Taktzeit und eigentlicher Bearbeitungszeit genutzt. Die zur Verfügung stehende Verstellzeit kann durch einen langsameren Lauf der Buchdeckenmaschine 1 vergrößert werden. Größere Änderungen in den Arbeitsstellungen erfolgen während des Durchlaufs eines oder mehrerer Leertakte.

[0026] Die Verstellungen erfolgen motorisch und werden von einer zentralen Steuerung 60 koordiniert. Es sind Verstellungen VBA hinsichtlich der aufgeschlagenen Breite BA der Buchdecke 8 vorgesehen, indem mittels Verstellmotore 63.2 und 63.4 die äußeren Pappenführungen 29 bzw. die Seiteneinschlageinrichtungen 44.1, 44.2 positioniert werden. Die Verstellung VBS berücksichtigt die Rückeneinlagebreite BS, wobei die Weite des Führungskanals 30 durch einen Verstellmotor 63.1 verändert wird, während durch einen geänderten Vorschub eines mit dem Abzugswalzenpaar 25 verbundenen Schrittmotors 64 eine jeweils erforderliche Rückeneinlagebreite BS der Rückeneinlage 3 zugeführt wird.

[0027] Bereits mit den vorgenannten Verstellungen VBA und VBS ist es möglich Buchdecken 8 von unterschiedlicher aufgeschlagener Breite BA bei gleicher Höhe H ohne Unterbrechung herzustellen. Die Buchdecken 8 weisen dabei gleiche Deckel aber unterschiedlich breite Rücken auf. Es wird nur die Breite der Rückeneinlage 3, wie oben beschrieben, verändert, während die darin verarbeiteten Formate der Deckelpappen 3 und Bezugsnutzen 4 gleich bleiben. Die sich ändernde aufgeschlagene Breite BA der Buchdecke 8 wird bezüglich der festen Nutzenbreite BN der Bezugsnutzen 4 durch eine geänderte Einschlagbreite in der Seiteneinschlagstation 43 kompensiert. Nach diesem Verfahren können gleichhohe Buchdecken 8 in einer Bandbreite der Rückenbreite BS bzw. der aufgeschlagenen Breite BA von ca. +/- 15 mm hergestellt werden.

[0028] Zur Herstellung von Buchdecken 8 in unterschiedlicher Höhe H und/oder aufgeschlagener Breite BA werden in dem Ausführungsbeispiel unterschiedlich große Deckelpappen 2, 2' in zwei entlang der Pappenzuführung 20 angeordneten Pappenmagazinen 23.1, 23.2 vorgehalten, wobei die Deckelpappen 2, 2' entsprechend der jeweils zu fertigen Buchdeckengröße wahlweise aus dem ersten oder dem zweiten Pappenmagazin 23.1, 23.2 von den Pappenschiebern 21 entnehmbar sind. Durch die Anordnung weiterer Pappenmagazine kann die Flexibilität und Varianz unterschiedlich große Buchdecken 8 bei laufender Produktion herzustellen, weiter erhöht werden. Eine unterbrechungsfreie Verarbeitung von unterschiedlich großen Deckelpappen 2, 2' ist aber auch möglich, indem die verschiedenen Deckelpappen 2, 2' in nur einem Pappenmagazin, bspw. in dem Pappenmagazin 23.1, in der Reihenfolge angelegt sind, wie sie verarbeitet werden.

[0029] In der dargestellten Buchdeckenmaschine 1 ist die vorlaufende Kante der Deckelpappen 2, 2' und Rückeneinlagen 3 als feste Bezugskante definiert, wie das aus den gestellfest angeordneten Vorderkantenanschlägen der Pappenmagazine 23.1, 23.2 ersichtlich ist. Die Verarbeitung von unterschiedlich hohen Deckelpappen 2, 2' und Rückeneinlagen 3 erfordert daher eine Formatverstellung VH der Hublage des konstanten Förderhubes 22, welche durch elektronische Verstellung eines als Antrieb der Pappenschieber 21 vorgesehenen Servomotors 62.1 realisiert ist. Die Buchdeckenhöhe H wird außerdem noch in der Kopf-/Fußeinschlagstation 40 eingestellt, wobei mittels eines Verstellmotors 63.3 eine Fußeinschlageinrichtung 42 relativ zu einer gestellfest angeordneten Kopfeinschlageinrichtung 41 verschoben wird.

[0030] Entlang der Nutzenzuführung 10 sind linke und rechte Eckenabstoßvorrichtungen 52.1, 52.2 angeordnet, mit denen beim Durchlauf der Bezugsnutzen 4 Eckenabschnitte 4 b in einer Abstoßbreite BE an der vor- und nachlaufende Kante abgetrennt werden. Die rotativen Werkzeuge der Eckenabstoßvorrichtungen 52.1, 52.2 sind von einem Servomotor 62.2 angetrieben, der eine elektronische Verstellung der Abstoßbreite BE entsprechend der jeweiligen Höhe H und aufgeschlagenen Breite BA der Buchdecken 8 ermöglicht. Entlang der Nutzenzuführung 10 sind außerdem linke und rechte Seitenbeschnittvorrichtungen 51.1, 51.2 mit angetriebenen Rundmessern angeordnet, mit denen beim Durchlauf der Bezugsnutzen 4 seitliche Randabschnitte 4 a von breiteren Bezugsnutzen 4' abgetrennt werden. Zur Schaffung einer jeweils benötigten Nutzenbreite BN ist eine Verstellung VBN vorgesehen, die mittels eines Verstellmotors 63.5 die Rundmesserpaare der Seitenbeschnittvorrichtungen 51.1, 51.2 auf die betreffende Nutzenbreite BN zueinander positioniert. Unterschiedliche große Bezugsnutzen 4 können dadurch aus zugeführten Standardgrößen von Bezugsnutzen 4' zugeschnitten werden. Zusätzlich kann entlang der Nutzenzuführung 10 eine im Ausführungsbeispiel nicht dargestellte Querbeschnitteinrichtung zum Beschneiden der Bezugsnutzen auf eine jeweils benötigte Nutzenhöhe angeordnet sein.

[0031] Für eine einwandfreie und vor allem automatisierte Herstellung von Buchdecken 8 in unterschiedlichen Abmessungen ist die Steuerung 60 mit an sich bekannten und an verschiedenen Stellen des Materialflusses angeordneten Sensoren verbunden zur Erfassung der zu verarbeitenden Buchdeckenteile und ihrer Ausprägungen, wodurch u.a. überprüft werden kann, ob die dem Fügepunkt zugeführten Deckelpappen 2 und Rückeneinlagen 3 sowie Bezugsnutzen 4 zueinander passen und die korrekten Abmessungen aufweisen. Nicht zusammengehörende Buchdeckenteile, wie z.B. ein falsch zugeführter Bezugsnutzen 4 werden über Ausschleusungen 18 vor dem Zusammenfügen ausgeschleust.

[0032] Beispielhaft ist im Ausführungsbeispiel am Eingang des Nutzenzuführung 10 ein Sensor 50 zur Erfassung eines auf den Bezugsnutzen 4, 4' aufgedruckten Barcodes 5 angeordnet. Die zugeführten Bezugsnutzen 4, 4' können hierüber identifiziert werden. Aus der Identifikation lassen sich die Abmessungen und zugeordnete Arbeitsstellungen zur Verarbeitung der Deckelpappen 2, Rückeneinlagen 3 und Bezugsnutzen 4 bzw. zur Herstellung der Buchdecken 8 ermitteln, worauf durch die Steuerung 60 die oben beschriebenen Bearbeitungseinrichtungen sukzessiv mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken (-teile) 2, 3, 4, 7, 8 verstellt werden.

[0033] Die für die Verstellung benötigten Daten können dabei im Barcode 5 selbst gespeichert sein oder sie werden aus einem mit der Steuerung 60 verbundenen, in ein betriebliches Produktionsplanungssystem eingebundenen Datenspeicher 61 abgerufen.


Ansprüche

1. Verfahren zum Herstellen von Buchdecken (8), bei dem taktweise über einen Nutzenzylinder (12) zugeführte und an einer Auftragswalze (14) beleimte Bezugsnutzen (4) mit von einer Pappenzuführung (20) linear zugeführten Deckelpappen (2) und einer Rückeneinlage (3) im kontinuierlichen Durchlauf durch Anrollen zusammengefügt werden, die überstehenden Bezugsnutzenkanten von Einschlageinrichtungen (41, 42, 44.1, 44.2), in nachfolgenden Kopf/Fuß- und Seiteneinschlagstationen (40, 43) um die Pappenkanten herum auf die Innenseiten der Pappen (2, 3) gelegt und angedrückt werden, und die Buchdecken (8) abschließend von Presswalzen (45) einer Andrückvorrichtung angepresst werden, dadurch gekennzeichnet, dass Buchdecken (8) in unterschiedlichen Abmessungen hergestellt werden, indem bei fortdauernder Produktion zumindest die Deckelpappen (2) und Rückeneinlagen (3) ausrichtenden Führungen (29, 30) der Pappenzuführung (20) sowie die Einschlageinrichtungen (44.1, 44.2) der Seiteneinschlagstation (43) in zeitlicher Abstimmung mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken (7, 8) und ihrer zugeordneten Deckelpappen (2), Rückeneinlagen (3) und Bezugsnutzen (4) auf die für die jeweils nachfolgend herzustellende Buchdecke (8) bestimmte Arbeitsstellungen verstellt werden.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Rückeneinlagen (3, 3') von einer quer zur Pappenzuführungsrichtung zugeführten Materialbahn (6) oder -bogen in unterschiedlichen Rückenbreiten (BS) abgetrennt werden.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Ecken der zugeführten Bezugsnutzen (4) mit veränderbarer Abstoßbreite (BE) abgetrennt werden.
 
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass unterschiedlich große Bezugsnutzen (4) aus zugeführten Standardgrößen (4') zugeschnitten werden.
 
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass unterchiedlich große Deckelpappen (2, 2') aus einem in zumindest einem Magazin (23.1, 23.2) vorgehaltenen Vorrat an Deckelpappen (2, 2') entnommen werden.
 
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die zugeführten Bezugsnutzen (4, 4') identifiziert werden, zur Ermittlung der Abmessungen und zugeordneter Arbeitsstellungen.
 
7. Vorrichtung zum Herstellen von Buchdecken (8), mit einer Pappenzuführung (20) zum taktweisen Zuführen von Deckelpappen (2) und einer Rückeneinlage (3), mit einer Nutzenzuführung (10) zum Zuführen von Bezugsnutzen (4) mit einem die zugeführten Bezugsnutzen (4) mit Greifern übernehmenden, an einer Leimauftragswalze (13) vorbeiführenden und mit den zugeführten Deckelpappen (2) und der Rückeneinlage (3) zusammenfügenden Nutzenzylinder (12), mit die überstehenden Bezugsnutzenkanten um die Pappenkanten legenden Einschlageinrichtungen (41, 42, 44.1, 44.2) in Kopf/Fuß- und Seiteneinschlagstationen (40, 43), und mit einer die Buchdecken (8) anpressenden Andrückvorrichtung (45), gekennzeichnet durch eine Steuereinrichtung (60) für die motorische Verstellung zumindest der die Deckelpappen (2, 2') und Rückeneinlagen (3) ausrichtenden Führungen (29, 30) der Pappenzuführung (20) sowie der Einschlageinrichtungen (44.1, 44.2) der Seiteneinschlagstation (43) in zeitlicher Abstimmung mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken (7, 8) und ihrer zugeordneten Deckelpappen (2, 2'), Rückeneinlagen (3) und Bezugsnutzen (4) auf die für die jeweils nachfolgend herzustellende Buchdecke (8) bestimmte Arbeitsstellungen bei fortdauernder Produktion.
 
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, gekennzeichnet durch eine Rückeneinlagen (3) in unterschiedlichen Rückenbreiten (BS) von einer quer zur Pappenzuführungsrichtung zugeführten Materialbahn (6) oder -bogen abtrennende und in einem Führungskanal (30) der Papenzuführung (20) einschiebende Schrenzzuführung (24).
 
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, gekennzeichnet durch eine an der Nutzenzuführung (10) angeordnete, die Ecken der Bezugsnutzen (4, 4') mit veränderbarer Abstoßbreite (BE) abtrennende Eckenabstoßeinrichtung (52.1, 52.2).
 
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 9, gekennzeichnet durch eine an der Nutzenzuführung (10) angeordnete, unterschiedliche große Bezugsnutzen (4) aus Standardgrößen (4') zuschneidende Schneideinrichtung (51.1, 51.2).
 
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 10, gekennzeichnet durch wenigstens zwei der Pappenzuführung (20) zugeordnete, Deckelpappen (2, 2') in verschiedenen Abmessungen vorhaltende Pappenmagazine (23.1, 23.2), aus denen die Deckelpappen (2, 2') wahlweise entnehmbar sind.
 
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 11, gekennzeichnet durch eine der Steuereinrichtung (60) zugeordnete und an der Nutzenzuführung (10) angeordnete Identifizierungseinrichtung (60) für aus einem Nutzenmagazin (11) vereinzelte oder aus einer angekoppelten Druckmaschine zugeführte Bezugsnutzen (4, 4').
 
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (60) einen Datenspeicher (61) von verschiedenen, zumindest die aufgeschlagene Breite (BA) kennzeichnenden Merkmalen der herzustellenden Buchdecken (8) aufweist.
 
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass nicht zusammengehörende Deckelpappen (2, 2'), Rückeneinlagen (3) und/oder Bezugnutzen (4) durch an der Pappenzuführung (20) und/oder Nutzenzuführung (10) angeordnete Ausschleuseinrichtungen (18) vor dem Zusammenfügen ausschleusbar sind.
 




Zeichnung














Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente




In der Beschreibung aufgeführte Nicht-Patentliteratur