[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung
von Buchdecken nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bzw. 7.
[0002] In einer Buchdeckenmaschine mit horizontalem Verarbeitungsprinzip [
Liebau, Heinze; Industrielle Buchbinderei; Verlag Beruf und Schule, 1997; S.: 399ff] werden Deckelpappen und eine Rückeneinlage aus Karton oder Pappe passgerecht mit
den mit Klebstoff versehenen Bezugsnutzen in einer Anrolleinrichtung vereinigt. Eine
gattungsgemäße Buchdeckenmaschine ist außerdem in der
DE 100 57 599 A1 dargestellt und beschrieben. Die Deckelpappen werden aus einem Pappenmagazin ausgeschoben
und gemeinsam mit der Rückeneinlage an Führungsschienen seitlich ausgerichtet der
Anrolleinrichtung zugeführt. Synchron zur Pappenzuführung wird der Bezugsnutzen über
einen Nutzenzylinder in die Anrollebene gebracht. Die überstehenden Kanten der Buchdecke
werden anschließend in hintereinander liegenden Arbeitsstationen entweder im fließenden
Durchlauf oder jeweils im Stillstand eingeschlagen, i.d.R. erst die an Kopf und Fuß
überstehenden Kanten, und nach dem Eckeneinziehen an den Seiten. Abschließend werden
die Buchdecken zwischen Presswalzen einer Andrückvorrichtung geführt zum Anreiben
der Pappenteile auf den Bezugsnutzen. In einer Auslage gelangen die fertigen Buchdecken
als Stapel über einen Rollentisch zur manuellen Abnahme.
[0003] Derartige Buchdeckenmaschinen dienen der Massenproduktion von identischen Buchdecken
in hoher Produktionsleistung. Die ununterbrochene Herstellung von verschiedenen Buchdecken
ist möglich, wenn diese das gleiche Format, d.h. die gleichen Abmessungen hinsichtlich
aufgeschlagene Breite, Höhe, Deckelbreite und Rückeneinlagenbreite aufweisen und die
zugeführten Bezugsnuten von gleichem Format aber lediglich unterschiedlichem Druckinhalt
sind. Die bekannten Buchdeckenmaschinen werden also stets für ein bestimmtes Buchdeckenformat
fest eingerichtet.
[0004] Bei einem Formatwechsel wird im Stillstand der Buchdeckenmaschine auf die neuen Abmessungen
umgestellt. Obwohl mittlerweile in den gattungsgemäßen Buchdeckenmaschinen die wesentlichen
Umstellvorgänge durch motorische Verstellachssysteme über eine zentrale Steuerungseinrichtung
automatisiert sind und im Wesentlichen parallel erfolgen, ist dennoch mit jedem Formatwechsel
ein zeitaufwendiger Rüstvorgang verbunden, der insbesondere bei kleinen Auflagen von
nur wenigen gleichformatigen Buchdecken im wirtschaftlichen Missverhältnis zur eigentlichen
Produktionszeit steht.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein gattungsgemäßes Verfahren und eine
gattungsgemäße Vorrichtung zur Herstellung von Buchdecken zu schaffen, dass bzw. die
die wirtschaftliche Herstellung von Buchdecken in kleinen Auflagen bis hin zur Auflage
eins ermöglicht.
[0006] Diese Aufgabe wird für das gattungsgemäße Verfahren und die gattungsgemäße Vorrichtung
durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 bzw. 7 gelöst. Bevorzugte Weiterausgestaltungen
ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0007] Durch die Umstellung der Buchdeckenmaschine bei fortdauernder Produktion, d.h. bei
laufender Maschine mit noch in der Bearbeitung befindlichen Buchdecken, entfallen
die zeitaufwendigen Rüstvorgänge im Stillstand der Maschine, sodass Buchdecken in
kleinen Auflagen, insbesondere der Auflage eins, wirtschaftlich hergestellt werden
können. Die jeweiligen Bearbeitungseinrichtungen und -stationen werden in zeitlicher
Abstimmung mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken bzw. Buchdeckenteile, wie Deckelpappen,
Rückeneinlagen und Bezugsnutzen, verstellt, wobei eine jeweilige Verstellung durchgeführt
wird, sobald die jeweilige Bearbeitung der vorangegangenen Buchdecke bzw. -teile abgeschlossen
ist.
[0008] Für kleine Änderungen in den Arbeitstellungen kann die innerhalb eines Arbeitstaktes
zur Verfügung stehende Taktlücke als Differenz aus Taktzeit und eigentlicher Bearbeitungszeit
genutzt werden, um die Bearbeitungseinrichtungen über motorische Verstellsysteme auf
die neuen Positionen zu verfahren. Die zur Verfügung stehende Verstellzeit kann durch
einen langsameren Lauf der Buchdeckenmaschine vergrößert werden. Größere Änderungen
in den Arbeitsstellungen können während des Durchlaufs eines oder mehrerer Leertakte
erfolgen.
[0009] Durch die Umstellung zumindest der die Deckelpappen und Rückeneinlagen ausrichtenden
Führungen der Pappenzuführung sowie der Einschlageinrichtungen der Seiteneinschlagstation
wird zumindest die Herstellung von Buchdecken gleicher Höhe aber unterschiedlicher
aufgeschlagener Breite ohne Unterbrechung ermöglicht. Insbesondere können damit Buchdecken
mit gleichen Deckeln aber unterschiedlich breiten Rücken hergestellt werden. Dabei
kann aufgrund der verhältnismäßig engen Bandbreite der Rückenbreite bzw. der aufgeschlagenen
Breite von ca. +/- 15 mm mit einem einzigen Bezugsnutzenformat gearbeitet werden,
da die Änderung der Breite durch die Einschlagbreite kompensierbar ist. Durch die
Hinzunahme weiterer Formatverstellachsen können aber auch die übrigen Dimensionen
der Buchdecke verändert werden.
[0010] Die Erfindung setzt die bisherige Vorgehensweise außer Kraft, dass eine Buchdeckenmaschine
nicht eher gestartet werden kann, bis alle automatischen Verstellungen abgeschlossen
und der übergeordneten Maschinensteuerung als fertig gemeldet worden sind. Dadurch
dass in der Steuerung die jeweiligen, für eine bestimmte Umstellung anfallenden Verstellzeiten
hinterlegt bzw. ermittelbar sind, kann die Herstellung einer nächsten Buchdecke im
zeitlichen Abstand zur vorherigen Buchdecke nach der längsten Umstellzeit von den
an der Umstellung beteiligten Bearbeitungseinrichtungen bei laufender Produktion fortgesetzt
werden, auch wenn einige Verstellungen noch nicht abgeschlossen oder noch gar nicht
gestartet sind.
[0011] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass die Rückeneinlagen von einer
quer zur Pappenzuführungsrichtung zugeführten Materialbahn oder -bogen in unterschiedlichen
Rückenbreiten abgetrennt wird. Dadurch dass das Rückeneinlagematerial nicht mehr wie
bisher längs zum Rücken der Buchdecke sondern quer zugeführt wird, kann allein durch
eine Änderung des Vorschubs eine andere Rückenbreite geschaffen werden. Der bislang
erforderliche Breitenzuschnitt an der Materialbahn und der damit verbundene Umrüstaufwand
und Abfall entfällt.
[0012] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass die Ecken der zugeführten
Bezugsnutzen mit veränderbarer Abstoßbreite abgetrennt werden. Der Eckenabschnitt
wird an die aufgeschlagene Breite und/oder Höhe der Buchdecke angepasst. Unterschiedliche
Buchdeckenformate können dadurch aus einem einzigen Bezugsnutzenformat gefahren werden.
[0013] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass unterschiedlich große Bezugsnutzen
aus zugeführten Standardgrößen zugeschnitten werden. Aus einem einzigen Bezugsnutzenformat
kann somit eine große Bandbreite an unterschiedlichen Buchdeckenformaten gefertigt
werden. Beim Bedrucken und in der Logistik und Bereitstellung der Bezugsnutzen ergeben
sich erhebliche Einsparungen. Außerdem entfällt das Umrüsten des Nutzenmagazins, bei
dem sonst ein aus Sicherheitsgründen verbleibender Reststapel entnommen werden müsste.
[0014] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass unterschiedliche große Deckelpappen
aus einem in zumindest einem Magazin vorgehaltenen Vorrat an Deckelpappen entnommen
werden. Die unterschiedlich großen Deckelpappen können in einem einzigen Magazin in
der Reihenfolge angelegt werden, wie sie verarbeitet werden. Oder es sind wenigstens
zwei der Pappenzuführung zugeordnete, Deckelpappen in verschiedenen Abmessungen vorhaltende
Pappenmagazine vorgesehen, aus denen die Deckelpappen wahlweise entnehmbar sind.
[0015] In bevorzugter Weiterausgestaltung ist vorgesehen, dass die zugeführten Bezugsnutzen
identifiziert werden, wodurch sich die Abmessungen und zugeordnete Arbeitsstellungen
zur Verarbeitung der Deckelpappen, Rückeneinlagen und Bezugsnutzen sowie der daraus
herzustellenden Buchdecken ermitteln lassen, zur automatischen Umstellung der Buchdeckenmaschine
mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken (-teile).
[0016] Die für die Umstellung benötigten Daten können aus einem mit der Steuereinrichtung
verbundenen Datenspeicher abgerufen werden, welcher vorzugsweise in dem betrieblichen
Produktionsplanungssystem eingebunden ist. Die Buchdeckenmaschine ist vorzugsweise
in einem digitalen Workflow integriert, der von dem Bedrucken und ggf. Beschneiden
der Bezugsnutzen und von dem Zuschneiden der Deckelpappen über das Fügen der Buchdeckenteile
zur Buchdecke bis zur Weiterverarbeitung in Bucheinhängemaschinen reichen kann und
die Herstellung von digital gedruckten Büchern in kleiner Auflage automatisiert, indem
von der Buchdeckenmaschine ausgegebene Meldungen über das Herstellungsergebnis ausgewertet
werden und bei fehlerhafter Produktion der erneute Druck eines Bezugsnutzen angestoßen
wird.
[0017] Fehlproduktionen und Stopper im Fertigungsablauf können vermieden werden, wenn nicht
zusammengehörende Deckelpappen, Rückeneinlagen und/oder Bezugsnutzen durch an der
Pappenzuführung und/oder Nutzenzuführung angeordnete Ausschleuseinrichtungen vor dem
Zusammenfügen ausgeschleust werden. Manuelle Eingriffe werden erheblich reduziert.
[0018] Die Merkmale der vorliegenden Erfindung werden in der folgenden Beschreibung einer
erfindungsgemäß ausgebildeten Buchdeckenmaschine anhand der beigefügten Zeichnung
erläutert. Es zeigen
- Fig. 1
- eine schematische Seitenansicht einer Buchdeckenmaschine;
- Fig. 2
- eine Draufsicht auf die Buchdeckenmaschine;
- Fig. 3
- eine Schnittansicht gemäß Ansichtsdefinition in Figur 1.
[0019] Die Figuren 1 bis 3 zeigen eine Buchdeckenmaschine 1, in der Buchdecken 8 durch Zusammenfügen
von Deckelpappen 2 und Rückeneinlagen 3 auf Bezugsnutzen 4 hergestellt werden. Ein
jeweiliger Bezugsnutzen 4 wird aus einem Nutzenmagazin 11 vereinzelt und von einem
Klemmriemenförderer 17 einer Nutzenzuführung 10 einem Nutzenzylinder 12 zugeführt,
der den Bezugsnutzen 4 mit Greifern übernimmt, an einer Auftragswalze 14 eines Leimwerks
13 vorbeiführt und im Fügepunkt an die beiden synchron zugeführten Deckelpappen 2
und der einen Rückeneinlage 3 anrollt.
[0020] Andrückrollen 15 drücken im Fügepunkt die Pappen 2, 3 auf den Bezugsnutzen 4, während
ein hin- und herbewegter Saugbalken 16 die montierte Buchdecke 7 von der aus Nutzenzylinder
12 und Andrückrollen 15 gebildeten Anrolleinrichtung übernimmt, um sie einer Einschlag-
und Andrückstation zuzuführen, bestehend aus einer Kopf-/Fußeinschlagstation 40 und
einer Seiteneinschlagstation 43 zum Einschlagen der überstehenden Bezugsnutzenkanten
sowie einem Presswalzenpaar 45 zum festen Anreiben der Pappenteile 2, 3 auf den Bezugsnutzen
4. In einer Auslage 46 werden die fertigen Buchdecken 8 gestapelt und zur manuellen
Abnahme ausgegeben.
[0021] Die Deckelpappen 2 befinden sich in einem Pappenmagazin 23.1. Die jeweils untersten
Deckelpappen werden von einem Pappenschieber 21 einer Pappenzuführung 20 ausgeschoben
und zu einer Zwischenposition 31 geführt, aus der sie von einem weiteren Pappenschieber
21 unter Ausrichtung an äußeren Pappenführungen 29 dem Fügepunkt zugeführt werden.
Die Pappenschieber 21 sind in einem festen Abstand miteinander gekoppelt und werden
mit einem konstanten Förderhub 22 gleich diesem Abstand taktgemäß vor und zurück bewegt.
[0022] Die Rückeneinlagen 3 werden in einem auf Rückeneinlagebreite B
S einstellbaren Führungskanal 30 von den Pappenschiebern 21 vorgeschoben, wobei die
Rückeneinlagen 3 hinter dem Pappenmagazin 23.1 in den durch das Pappenmagazin 23.1
hindurch verlängerten Führungskanal 30 eingebracht werden. Eine Rückeneinlagebahn
6 aus flexiblen Rollenschrenz wird von einem Abzugswalzenpaar 25 einer Schrenzzuführung
24 quer zur Pappenzuführungsrichtung in den Führungskanal 30 eingeschoben und mittels
einer Schneideinrichtung 26 in Rückeneinlagebreite B
S von der Rückeneinlagebahn 6 abgetrennt und dabei gänzlich in den Führungskanal 30
überführt. Mit den gekoppelten Pappenschiebern 21 wird die abgetrennte Rückeneinlage
3 über eine Zwischenposition 28 in eine Position innerhalb des Pappenmagazins 23.1
transportiert, von wo aus sie dann gemeinsam mit den Deckelpappen 2 mit dem dritten
und vierten Förderhub 22 der Pappenschieber 21 bis zur Anrolleinrichtung weiter transportiert
wird.
[0023] Die von der Rückeneinlagebahn 6 abgetrennte Rückeneinlage 3' kann etwas länger als
die benötigte Rückeneinlagelänge sein. Die nach der Buchdeckenhöhe H bestimmte Rückeneinlagenlänge
wird durch einseitiges Abtrennen eines Abfallstücks 3 a mittels einer in der Zwischenposition
28 am Führungskanal 30 angeordneten Schneideinrichtung 27 geschaffen.
[0024] Mit der erfindungsgemäß ausgebildeten Buchdeckenmaschine 1 können bei fortdauernder
Produktion Buchdecken 8 in unterschiedlichen Abmessungen hergestellt werden, indem
zumindest die Deckelpappen 2 und Rückeneinlagen 3 ausrichtenden Führungen 29, 30 der
Pappenzuführung 20 sowie die Seiteneinschlageinrichtungen 44.1, 44.2 der Seiteneinschlagstation
43 in zeitlicher Abstimmung mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken 7, 8 und ihrer
zugeordneten Deckelpappen 2, Rückeneinlagen 3 und Bezugsnutzen 4 auf die für die jeweils
nachfolgend herzustellende Buchdecke 8 bestimmte Arbeitsstellungen verstellt werden.
[0025] Die Umstellung der Buchdeckenmaschine 1 erfolgt bei laufender Maschine mit noch in
der Bearbeitung befindlichen Buchdecken 8. Eine jeweilige Verstellung wird durchgeführt,
sobald die jeweilige Bearbeitung der vorangegangenen Buchdecke 7, 8 bzw. -teile 2,
3, 4 abgeschlossen ist, d.h. die notwendigen Verstellungen werden nicht gleichzeitig
sondern sukzessiv mit dem Durchlauf der Buchdecken (-teile) durchgeführt. Für kleine
Änderungen in den Arbeitstellungen wird als Verstellzeit die innerhalb eines Arbeitstaktes
zur Verfügung stehende Taktlücke als Differenz aus Taktzeit und eigentlicher Bearbeitungszeit
genutzt. Die zur Verfügung stehende Verstellzeit kann durch einen langsameren Lauf
der Buchdeckenmaschine 1 vergrößert werden. Größere Änderungen in den Arbeitsstellungen
erfolgen während des Durchlaufs eines oder mehrerer Leertakte.
[0026] Die Verstellungen erfolgen motorisch und werden von einer zentralen Steuerung 60
koordiniert. Es sind Verstellungen V
BA hinsichtlich der aufgeschlagenen Breite B
A der Buchdecke 8 vorgesehen, indem mittels Verstellmotore 63.2 und 63.4 die äußeren
Pappenführungen 29 bzw. die Seiteneinschlageinrichtungen 44.1, 44.2 positioniert werden.
Die Verstellung V
BS berücksichtigt die Rückeneinlagebreite B
S, wobei die Weite des Führungskanals 30 durch einen Verstellmotor 63.1 verändert wird,
während durch einen geänderten Vorschub eines mit dem Abzugswalzenpaar 25 verbundenen
Schrittmotors 64 eine jeweils erforderliche Rückeneinlagebreite B
S der Rückeneinlage 3 zugeführt wird.
[0027] Bereits mit den vorgenannten Verstellungen V
BA und V
BS ist es möglich Buchdecken 8 von unterschiedlicher aufgeschlagener Breite B
A bei gleicher Höhe H ohne Unterbrechung herzustellen. Die Buchdecken 8 weisen dabei
gleiche Deckel aber unterschiedlich breite Rücken auf. Es wird nur die Breite der
Rückeneinlage 3, wie oben beschrieben, verändert, während die darin verarbeiteten
Formate der Deckelpappen 3 und Bezugsnutzen 4 gleich bleiben. Die sich ändernde aufgeschlagene
Breite B
A der Buchdecke 8 wird bezüglich der festen Nutzenbreite B
N der Bezugsnutzen 4 durch eine geänderte Einschlagbreite in der Seiteneinschlagstation
43 kompensiert. Nach diesem Verfahren können gleichhohe Buchdecken 8 in einer Bandbreite
der Rückenbreite B
S bzw. der aufgeschlagenen Breite B
A von ca. +/- 15 mm hergestellt werden.
[0028] Zur Herstellung von Buchdecken 8 in unterschiedlicher Höhe H und/oder aufgeschlagener
Breite B
A werden in dem Ausführungsbeispiel unterschiedlich große Deckelpappen 2, 2' in zwei
entlang der Pappenzuführung 20 angeordneten Pappenmagazinen 23.1, 23.2 vorgehalten,
wobei die Deckelpappen 2, 2' entsprechend der jeweils zu fertigen Buchdeckengröße
wahlweise aus dem ersten oder dem zweiten Pappenmagazin 23.1, 23.2 von den Pappenschiebern
21 entnehmbar sind. Durch die Anordnung weiterer Pappenmagazine kann die Flexibilität
und Varianz unterschiedlich große Buchdecken 8 bei laufender Produktion herzustellen,
weiter erhöht werden. Eine unterbrechungsfreie Verarbeitung von unterschiedlich großen
Deckelpappen 2, 2' ist aber auch möglich, indem die verschiedenen Deckelpappen 2,
2' in nur einem Pappenmagazin, bspw. in dem Pappenmagazin 23.1, in der Reihenfolge
angelegt sind, wie sie verarbeitet werden.
[0029] In der dargestellten Buchdeckenmaschine 1 ist die vorlaufende Kante der Deckelpappen
2, 2' und Rückeneinlagen 3 als feste Bezugskante definiert, wie das aus den gestellfest
angeordneten Vorderkantenanschlägen der Pappenmagazine 23.1, 23.2 ersichtlich ist.
Die Verarbeitung von unterschiedlich hohen Deckelpappen 2, 2' und Rückeneinlagen 3
erfordert daher eine Formatverstellung V
H der Hublage des konstanten Förderhubes 22, welche durch elektronische Verstellung
eines als Antrieb der Pappenschieber 21 vorgesehenen Servomotors 62.1 realisiert ist.
Die Buchdeckenhöhe H wird außerdem noch in der Kopf-/Fußeinschlagstation 40 eingestellt,
wobei mittels eines Verstellmotors 63.3 eine Fußeinschlageinrichtung 42 relativ zu
einer gestellfest angeordneten Kopfeinschlageinrichtung 41 verschoben wird.
[0030] Entlang der Nutzenzuführung 10 sind linke und rechte Eckenabstoßvorrichtungen 52.1,
52.2 angeordnet, mit denen beim Durchlauf der Bezugsnutzen 4 Eckenabschnitte 4 b in
einer Abstoßbreite B
E an der vor- und nachlaufende Kante abgetrennt werden. Die rotativen Werkzeuge der
Eckenabstoßvorrichtungen 52.1, 52.2 sind von einem Servomotor 62.2 angetrieben, der
eine elektronische Verstellung der Abstoßbreite B
E entsprechend der jeweiligen Höhe H und aufgeschlagenen Breite B
A der Buchdecken 8 ermöglicht. Entlang der Nutzenzuführung 10 sind außerdem linke und
rechte Seitenbeschnittvorrichtungen 51.1, 51.2 mit angetriebenen Rundmessern angeordnet,
mit denen beim Durchlauf der Bezugsnutzen 4 seitliche Randabschnitte 4 a von breiteren
Bezugsnutzen 4' abgetrennt werden. Zur Schaffung einer jeweils benötigten Nutzenbreite
B
N ist eine Verstellung V
BN vorgesehen, die mittels eines Verstellmotors 63.5 die Rundmesserpaare der Seitenbeschnittvorrichtungen
51.1, 51.2 auf die betreffende Nutzenbreite B
N zueinander positioniert. Unterschiedliche große Bezugsnutzen 4 können dadurch aus
zugeführten Standardgrößen von Bezugsnutzen 4' zugeschnitten werden. Zusätzlich kann
entlang der Nutzenzuführung 10 eine im Ausführungsbeispiel nicht dargestellte Querbeschnitteinrichtung
zum Beschneiden der Bezugsnutzen auf eine jeweils benötigte Nutzenhöhe angeordnet
sein.
[0031] Für eine einwandfreie und vor allem automatisierte Herstellung von Buchdecken 8 in
unterschiedlichen Abmessungen ist die Steuerung 60 mit an sich bekannten und an verschiedenen
Stellen des Materialflusses angeordneten Sensoren verbunden zur Erfassung der zu verarbeitenden
Buchdeckenteile und ihrer Ausprägungen, wodurch u.a. überprüft werden kann, ob die
dem Fügepunkt zugeführten Deckelpappen 2 und Rückeneinlagen 3 sowie Bezugsnutzen 4
zueinander passen und die korrekten Abmessungen aufweisen. Nicht zusammengehörende
Buchdeckenteile, wie z.B. ein falsch zugeführter Bezugsnutzen 4 werden über Ausschleusungen
18 vor dem Zusammenfügen ausgeschleust.
[0032] Beispielhaft ist im Ausführungsbeispiel am Eingang des Nutzenzuführung 10 ein Sensor
50 zur Erfassung eines auf den Bezugsnutzen 4, 4' aufgedruckten Barcodes 5 angeordnet.
Die zugeführten Bezugsnutzen 4, 4' können hierüber identifiziert werden. Aus der Identifikation
lassen sich die Abmessungen und zugeordnete Arbeitsstellungen zur Verarbeitung der
Deckelpappen 2, Rückeneinlagen 3 und Bezugsnutzen 4 bzw. zur Herstellung der Buchdecken
8 ermitteln, worauf durch die Steuerung 60 die oben beschriebenen Bearbeitungseinrichtungen
sukzessiv mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken (-teile) 2, 3, 4, 7, 8 verstellt
werden.
[0033] Die für die Verstellung benötigten Daten können dabei im Barcode 5 selbst gespeichert
sein oder sie werden aus einem mit der Steuerung 60 verbundenen, in ein betriebliches
Produktionsplanungssystem eingebundenen Datenspeicher 61 abgerufen.
1. Verfahren zum Herstellen von Buchdecken (8), bei dem taktweise über einen Nutzenzylinder
(12) zugeführte und an einer Auftragswalze (14) beleimte Bezugsnutzen (4) mit von
einer Pappenzuführung (20) linear zugeführten Deckelpappen (2) und einer Rückeneinlage
(3) im kontinuierlichen Durchlauf durch Anrollen zusammengefügt werden, die überstehenden
Bezugsnutzenkanten von Einschlageinrichtungen (41, 42, 44.1, 44.2), in nachfolgenden
Kopf/Fuß- und Seiteneinschlagstationen (40, 43) um die Pappenkanten herum auf die
Innenseiten der Pappen (2, 3) gelegt und angedrückt werden, und die Buchdecken (8)
abschließend von Presswalzen (45) einer Andrückvorrichtung angepresst werden, dadurch gekennzeichnet, dass Buchdecken (8) in unterschiedlichen Abmessungen hergestellt werden, indem bei fortdauernder
Produktion zumindest die Deckelpappen (2) und Rückeneinlagen (3) ausrichtenden Führungen
(29, 30) der Pappenzuführung (20) sowie die Einschlageinrichtungen (44.1, 44.2) der
Seiteneinschlagstation (43) in zeitlicher Abstimmung mit dem Durchlauf der jeweiligen
Buchdecken (7, 8) und ihrer zugeordneten Deckelpappen (2), Rückeneinlagen (3) und
Bezugsnutzen (4) auf die für die jeweils nachfolgend herzustellende Buchdecke (8)
bestimmte Arbeitsstellungen verstellt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Rückeneinlagen (3, 3') von einer quer zur Pappenzuführungsrichtung zugeführten
Materialbahn (6) oder -bogen in unterschiedlichen Rückenbreiten (BS) abgetrennt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Ecken der zugeführten Bezugsnutzen (4) mit veränderbarer Abstoßbreite (BE) abgetrennt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass unterschiedlich große Bezugsnutzen (4) aus zugeführten Standardgrößen (4') zugeschnitten
werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass unterchiedlich große Deckelpappen (2, 2') aus einem in zumindest einem Magazin (23.1,
23.2) vorgehaltenen Vorrat an Deckelpappen (2, 2') entnommen werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die zugeführten Bezugsnutzen (4, 4') identifiziert werden, zur Ermittlung der Abmessungen
und zugeordneter Arbeitsstellungen.
7. Vorrichtung zum Herstellen von Buchdecken (8), mit einer Pappenzuführung (20) zum
taktweisen Zuführen von Deckelpappen (2) und einer Rückeneinlage (3), mit einer Nutzenzuführung
(10) zum Zuführen von Bezugsnutzen (4) mit einem die zugeführten Bezugsnutzen (4)
mit Greifern übernehmenden, an einer Leimauftragswalze (13) vorbeiführenden und mit
den zugeführten Deckelpappen (2) und der Rückeneinlage (3) zusammenfügenden Nutzenzylinder
(12), mit die überstehenden Bezugsnutzenkanten um die Pappenkanten legenden Einschlageinrichtungen
(41, 42, 44.1, 44.2) in Kopf/Fuß- und Seiteneinschlagstationen (40, 43), und mit einer
die Buchdecken (8) anpressenden Andrückvorrichtung (45), gekennzeichnet durch eine Steuereinrichtung (60) für die motorische Verstellung zumindest der die Deckelpappen
(2, 2') und Rückeneinlagen (3) ausrichtenden Führungen (29, 30) der Pappenzuführung
(20) sowie der Einschlageinrichtungen (44.1, 44.2) der Seiteneinschlagstation (43)
in zeitlicher Abstimmung mit dem Durchlauf der jeweiligen Buchdecken (7, 8) und ihrer
zugeordneten Deckelpappen (2, 2'), Rückeneinlagen (3) und Bezugsnutzen (4) auf die
für die jeweils nachfolgend herzustellende Buchdecke (8) bestimmte Arbeitsstellungen
bei fortdauernder Produktion.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, gekennzeichnet durch eine Rückeneinlagen (3) in unterschiedlichen Rückenbreiten (BS) von einer quer zur Pappenzuführungsrichtung zugeführten Materialbahn (6) oder -bogen
abtrennende und in einem Führungskanal (30) der Papenzuführung (20) einschiebende
Schrenzzuführung (24).
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, gekennzeichnet durch eine an der Nutzenzuführung (10) angeordnete, die Ecken der Bezugsnutzen (4, 4')
mit veränderbarer Abstoßbreite (BE) abtrennende Eckenabstoßeinrichtung (52.1, 52.2).
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 9, gekennzeichnet durch eine an der Nutzenzuführung (10) angeordnete, unterschiedliche große Bezugsnutzen
(4) aus Standardgrößen (4') zuschneidende Schneideinrichtung (51.1, 51.2).
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 10, gekennzeichnet durch wenigstens zwei der Pappenzuführung (20) zugeordnete, Deckelpappen (2, 2') in verschiedenen
Abmessungen vorhaltende Pappenmagazine (23.1, 23.2), aus denen die Deckelpappen (2,
2') wahlweise entnehmbar sind.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 11, gekennzeichnet durch eine der Steuereinrichtung (60) zugeordnete und an der Nutzenzuführung (10) angeordnete
Identifizierungseinrichtung (60) für aus einem Nutzenmagazin (11) vereinzelte oder
aus einer angekoppelten Druckmaschine zugeführte Bezugsnutzen (4, 4').
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (60) einen Datenspeicher (61) von verschiedenen, zumindest
die aufgeschlagene Breite (BA) kennzeichnenden Merkmalen der herzustellenden Buchdecken (8) aufweist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass nicht zusammengehörende Deckelpappen (2, 2'), Rückeneinlagen (3) und/oder Bezugnutzen
(4) durch an der Pappenzuführung (20) und/oder Nutzenzuführung (10) angeordnete Ausschleuseinrichtungen
(18) vor dem Zusammenfügen ausschleusbar sind.