[0001] Die Erfindung betrifft eine Verbrennungskraftmaschine mit einer Aufladevorrichtung
zum Verdichten eines Betriebsgases nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Stand der Technik
[0002] Durch die Ausrüstung von Brennkraftmaschinen mit Aufladegeräten bzw. Verdichtern
zum Verdichten bzw. Aufladen der Ansaugluft, insbesondere mit sog. Abgasturboladern
oder dergleichen, ist es möglich, eine höhere Leistung der Brennkraftmaschine zu generieren
und/oder wenigstens einen Teil der im Abgas vorhandenen Verlustenergie zurückzugewinnen
und der Brennkraftmaschine wieder zuzuführen. Hierfür sind bereits unterschiedlichste
Systeme bekannt.
[0003] Zum Beispiel werden in der
DE 34 200 15 sowie in der
EP 025 30 76 B1 Ladersysteme beschrieben, wobei zum einen die Luft für den Verbrennungsmotor über
einen Luftfilter zu einem Abgasladegerät und von diesem zu einem Ladeluftkühler und
schließlich zum Verbrennungsmotor geleitet wird. Das Ladegerät wird durch eine Abgasturbine
angetrieben, wodurch die angesaugte Luft entsprechend verdichtet wird. Durch die Verdichtung
erhöht sich die Temperatur der Luft für den Verbrennungsmotor, was zu einer Verringerung
des Wirkungsgrades des Verbrennungsmotors führen würde. Aus diesem Grund wird diese
Temperaturerhöhung durch den vorhandenen Ladeluftkühler wenigstens teilweise ausgeglichen
bzw. vollständig kompensiert.
[0004] Für bestimmte Betriebsverhältnisse des Verbrennungsmotors wird gemäß der oben genannten
Druckschriften das Aufladegerät über einen Bypass bzw. eine Nebenschlussleitung überbrückt,
wobei der Bypass für eine direkte Zufuhr der Luft vom Luftfilter für den Verbrennungsmotor
ausgebildet ist. Das bedeutet, dass der Bypass nicht nur das Ladegerät, sondern auch
den Ladeluftkühler überbrückt.
[0005] In diesem Bypass ist gemäß den oben genannten Druckschriften ein Stellglied bzw.
ein Ventil vorgesehen, das über eine Kontrolleinheit bzw. ein elektronisches Steuergerät
gesteuert wird.
[0006] Es hat sich jedoch gezeigt, dass bei einem Fahrzeug mit einer derartigen Verbrennungskraftnaschine
die Steuerung des Bypassventils beispielsweise bei schnellen Lastwechseln oder dergleichen
nur ungenügend ist. Zudem ist der Einsatz eines entsprechenden elektronischen Steuergeräts
mit erheblichem konstruktiven als auch finanziellen Aufwand verbunden.
Aufgabe und Vorteile der Erfindung
[0007] Aufgabe der Erfindung ist es demgegenüber, eine Verbrennungskraftmaschine mit einer
Aufladevorrichtung vorzuschlagen, die nicht nur mit geringerem Aufwand betrieben werden
kann, sondern auch eine verbesserte Betriebsweise aufweist.
[0008] Diese Aufgabe wird, ausgehend von einer. Verbrennungskraftmaschine in der einleitend
genannten Art, durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Durch die in den Unteransprüchen
genannten Maßnahmen sind vorteilhafte Ausführungen und Weiterbildungen der Erfindung
möglich.
[0009] Dementsprechend zeichnet sich eine erfindungsgemäße Verbrennungskraftmaschine dadurch
aus, dass das Stellglied als selbsttätiges Rückschlagventil ausgebildet ist.
[0010] Mit Hilfe eines derartigen, selbsttätig arbeitenden Rückschlagventils kann auf eine
aufwändige elektronische Steuerung des Bypassventils wie beim Stand der Technik verzichtet
werden. Es hat sich nämlich überraschenderweise gezeigt, dass die Betriebsweise mit
einem selbsttätig arbeitenden Rückschlagventil gemäß der Erfindung zu einer Optimierung
der Steuerung des Aufladesystems für die Brennkraftmaschine führt. Es kann nicht nur
auf den konstruktiven als auch auf den finanziellen Aufwand für eine elektronische
Steuerung des Bypassventils einschließlich der hierfür notwendigen Sensorik verzichtet
werden. Es hat sich vielmehr gezeigt, dass auch die Ansprechzeit bzw. die Dynamik
des Aufladesystems durch das erfindungsgemäße selbsttätige Rückschlagventil des Bypasses
deutlich verbessert wird.
[0011] Gemäß der Erfindung öffnet der Bypass mit dem selbsttätigen Rückschlagventil in vorteilhafter
Weise dann, wenn die Aufladevorrichtung kein ausreichender Volumenstrom fördern kann,
z.B. im Leerlauf oder im Saugbetrieb der Verbrennungskraftmaschine, sodass der Druck
in Strömungsrichtung hinter dem Aufladegerät bzw. der Aufladevorrichtung geringer
ist, als im Bereich vor dem Aufladegerät bzw. der Aufladevorrichtung. Dementsprechend
ist in Strömungsrichtung der Luft bzw. des Betriebsgases am Anfang des Bypasses ein
höherer Druck als am Ende des Bypasses, sodass das selbsttätige Rückschlagventil gemäß
der Erfindung in vorteilhafter Weise automatisch so weit öffnet, bis es zu einem Druckausgleich
kommt und zusätzliches Betriebsgas bzw. Luft der Verbrennungskraftmaschine zugeführt
werden kann.
[0012] Darüber hinaus wird durch das selbsttätige Rückschlagventil gemäß der Erfindung auch
sichergestellt, dass kein Betriebsgas bzw. keine Luft rückwärts durch den Bypass strömen
kann, dass heißt vom Bereich der Brennkraftmaschine des Ansaugtrakts zurück in Richtung
des Luftfilters. Zudem ist ein Rückschlagventil weit aus weniger störanfällig als
eine aufwendige Elektroniksteuerung. Auch diese Merkmale des Rückschlagsventils gemäß
der Erfindung verbessern die Betriebssicherheit der erfindungsgemäßen Verbrennungskraftmaschine
im Vergleich zum Stand der Technik.
[0013] Vorteilhafterweise ist die Aufladevorrichtung als Volumenstrom des Betriebsgases
regelbare Aufladevorrichtung ausgebildet. Durch die Regelung des Volumenstroms der
Aufladevorrichtung, vorzugsweise durch eine Drehzahlregelung der Aufladevorrichtung,
die in vorteilhafter Weise entkoppelt vom Betrieb der Brennkraftmaschine bzw. deren
Drehzahl und/oder Abgasvolumenstromes ausgebildet ist, kann eine vorteilhafte Anpassung
an unterschiedlichste Betriebsbedingungen der Verbrennungskraftmaschine unter anderem
bei Lastwechseln bzw. hoher Dynamik erreicht werden. Vorteilhafterweise ist eine abgestufte
oder stufenlose Drehzahlregelung vorgesehen.
[0014] Die Volumenstromregelung bzw. Drehzahlregelung der Aufladevorrichtung kann beispielsweise
mit Hilfe eines Getriebes oder getriebelos durch mechanische und/oder hydraulische
und/oder pneumatische und/oder elektronische Komponenten realisiert werden. Durch
die vorteilhafte Entkopplung der Aufladevorrichtung von der Drehzahl bzw. des Betriebszustandes
der Verbrennungskraftmaschine kann eine Optimierung der zugeführten Luft bzw. der
aufgeladenen Volumenstrommenge für die Brennkraftmaschine erreicht werden.
[0015] Die Verzweigungsstelle der Bypassleitung kann beispielsweise in Strömungsrichtung
des Betriebsgases hinter dem Luftfilter bzw. unmittelbar vor der Aufladevorrichtung
angeordnet werden. Vorzugsweise umfasst der Luftfilter zumindest die Verzweigungsstelle
der Bypassleitung. Das bedeutet, dass der Luftfilter zwei Strömungsausgänge aufweist.
Einer der mittels entsprechender Leitung zum Aufladegerät bzw. zur Aufladevorrichtung
führt und eine zweite Öffnung, die zum selbsttätig arbeitenden Rückschlagventil gemäß
der Erfindung bzw. zum Bypass und somit unmittelbar zur Verbrennungskraftmaschine
führt. Hierdurch verringert sich der konstruktive Aufwand des Aufladesystems gemäß
der Erfindung. In einer besonderen Weiterbildung der Erfindung weist das Rückschlagventil
gemäß der Erfindung wenigstens eine einen Ventilkörper mit in vorteilhafter Weise
gegen die Strömungsrichtung des Betriebsgases bzw. der Ansaugluft gerichtete Federkraft
beaufschlagbare Rückstellfeder zum Verschließen eines Ventilsitzes mittels des Ventilkörpers
zumindest bei Druckausgleich in der Bypassleitung auf. Hiermit wird gewährleistet,
dass ein besonders geringer konstruktiver Aufwand zur Realisierung der selbsttätigen,
automatischen Betriebsweise des Rückschlagventils gemäß der Erfindung realisiert wird.
Durch eine vorteilhafte Auswahl/Anpassung der Rückstellfeder und/oder der Aerodynamik
des Ventilkörpers kann eine exakte Einstellung der Betriebsbedingungen bzw. Parameter
wie Größe des gewünschten/optimalen Öffnungsdifferenzdruckes etc. umgesetzt werden,
bei denen das Rückschlagventil öffnet. Zudem wird hierdurch erreicht, dass auch die
Volumenstrommenge, die durch das Rückschlagventil strömt, auch im teilgeöffneten Bereich
möglichst optimal an den Bedarf der Verbrennungskraftmaschine anpassbar ist.
[0016] Vorzugsweise ist wenigstens eine Einstelleinheit zum Einstellen eines Öffnungsdifferenzdruckes
des Rückschlagventils vorgesehen. Mit dieser vorteilhaften Einstelleinheit kann beispielsweise
eine Anpassung an unterschiedlichste Verbrennungskraftmaschinen und/oder Fahrzeuge
realisiert werden. Vorzugsweise kann die Vorspannung der Rückstellfeder und/oder die
Aerodynamik des Ventilkörpers in vorteilhafter Weise angepasst bzw. eingestellt werden.
Beispielsweise kann die Aerodynamik des Ventilkörpers durch einen Austausch bzw. den
Einsatz unterschiedlichster, ggf. standardisierter Ventilkörper realisiert werden.
Ausführungsbeispiel
[0017] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird anhand
der Figuren nachfolgend näher erläutert.
[0018] Im Einzelnen zeigt:
- Figur 1
- einen schematischen Aufbau einer erfindungsgemäßen Verbrennungskraftmaschine mit Aufladesystem,
- Figur 2
- einen schematischen Aufbau einer erfindungsgemäßen Verbrennungskraftmaschine mit einem
weiteren Aufladesystem, wobei der Bypasseingang im Luftfilter integriert ist und
- Figur 3
- eine schematische Schnittdarstellung eines erfindungsgemäßen, selbsttätigen Rückschlagventils
des Bypasses in geschlossener und in geöffneter Stellung.
[0019] In Figur 1 ist schematisch eine Verbrennungskraftmaschine 1 mit einem Aufladegerät
2 zur Aufladung einer Ansaugluft für die Verbrennungskraftmaschine 1 dargestellt.
Bei dem hier dargestellten Aufladegerät 2 handelt es sich um ein mechanisches Aufladegerät
2, das nicht über das Abgas der Verbrennungskraftmaschine 1, sondern mechanisch von
dieser aufgeladen bzw. angetrieben wird. Grundsätzlich kann jedoch gemäß der Erfindung
auch ein Abgasturbolader oder dergleichen als Aufladegerät 2 verwendet werden.
[0020] Darüber hinaus ist ein Ladeluftkühler 3 vorgesehen, der die verdichtete, erwärmte
Ladeluft in bekannter Weise abkühlt, sodass die Verbrennungskraftmaschine 1 keine
entsprechenden Wirkungsgradeinbußen durch warme Ansaugluft hinnehmen muss.
[0021] Weiterhin ist ein Bypass 4 vorgesehen, der eine in Strömungsrichtung 15 der Ansaugluft
hinter einem Luftfilter 8 angeordnete Verzweigungsstelle 5 aufweist und an einer Verbindungsstelle
6 hinter dem Ladeluftkühler 3 endet. Das bedeutet, dass durch den Bypass 4 ein Kurzschließen
bzw. Umgehen des Aufladegeräts 2 sowie des Ladeluftkühlers 3 realisiert wird.
[0022] In Figur 2 ist die Verzweigungsstelle durch eine Verzweigung 7 im Luftfilter 8 ersetzt.
Das bedeutet, dass der Luftfilter 8 gemäß dem Beispiel von Figur 2 zwei Ausströmöffnungen
für die Luft aufweist.
[0023] Wie in den Figuren 1 und 2 deutlich wird, weist der Bypass 4 ein Rückschlagventil
9 auf. Das Rückschlagventil 9 arbeitet selbsttätig bzw. öffnet automatisch, wenn in
einem Bereich I ein geringerer Druck als in einem Bereich II des Bypasses 4 vorhanden
ist. Dies kann dann entstehen, wenn das Aufladegerät 2 kein ausreichender volumenstrom
befördern kann, z.B. im Leerlauf oder im Saugbetrieb der Verbrennungskraftmaschine
1.
[0024] In Figur 3 ist ein Rückschlagventil 9 gemäß der Erfindung schematisch im Schnitt
sowohl in der geschlossenen (Figur 3a) als auch in der geöffneten Stellung (Figur
3b) dargestellt. Hierbei wird deutlich, dass ein Ventilkörper 10 in der geschlossenen
Stellung gemäß Figur 3a einen Ventilsitz 12 eines Ventilgehäuses 11 vollständig abdichtet,
insbesondere mit Hilfe eines Dichtringes 13. So wird der Ventilkörper 10 mit Hilfe
einer Rückstellfeder 14 gegen den Ventilsitz 12 bzw. die Strömungsrichtung 15 der
Luft gedrückt. Vorzugsweise kann die Vorspannung der Rückstellfeder 14 in vorteilhafter
Weise eingestellt werden, ohne dass dies in den Figuren näher dargestellt ist.
[0025] In der geöffneten Stellung gemäß Figur 3b wird deutlich, dass der Ventilkörper 10
in Strömungsrichtung 15 der Luft verstellt ist und einen freien Durchgang durch den
Bypass 4 gewährleistet.
[0026] Darüber hinaus wird in den Figuren 1 und 2 deutlich, dass im Ansaugsystem in bekannter
Weise eine Drosselklappe 16 sowie ein sogenanntes Pop-Off-Ventil 17 vorgesehen sind.
Bezugszeichenliste
[0027]
- 1
- Verbrennungsmotor bzw. Verbrennungskraftmaschine
- 2
- Aufladegerät
- 3
- Ladeluftkühler
- 4
- Bypass
- 5
- Verzweigungsstelle
- 6
- Verbindungsstelle
- 7
- Verzweigungsstelle
- 8
- Luftfilter
- 9
- Rückschlagventil
- 10
- Ventilkörper
- 11
- Ventilgehäuse
- 12
- Ventilsitz
- 13
- Dichtung
- 14
- Rückstellfeder
- 15
- Strömungsrichtung
- 16
- Drosselklappe
- 17
- Pop-Off-Ventil
1. Verbrennungskraftmaschine (1) mit einer Aufladevorrichtung (2) zum Verdichten eines
Betriebsgases, insbesondere Luft, wobei wenigstens eine Kühleinheit (3) zum Kühlen
des verdichteten Betriebsgases vorgesehen ist, wobei in Strömungsrichtung (15) des
Betriebsgases vor der Aufladevorrichtung (2) wenigstens eine Verzweigungsstelle (5,
7) einer Bypass-Leitung (4) zur Umgehung der Aufladevorrichtung (2) sowie der Kühleinheit
(3) und wobei in Strömungsrichtung (15) des Betriebsgases nach der Kühleinheit (3)
wenigstens eine Verbindungsstelle (6) der Bypass-Leitung (4) vorgesehen sind, wobei
die Bypass-Leitung (4) zumindest ein Stellglied (9) zum Kontrollieren der Durchströmung
des Betriebsgases umfasst, dadurch gekennzeichnet, dass das Stellglied (9) als selbsttätiges Rückschlagventil (9) ausgebildet ist.
2. Verbrennungskraftmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Aufladevorrichtung (2) als Volumenstrom des Betriebsgases regelbare Aufladevorrichtung
(2) ausgebildet ist.
3. Verbrennungskraftmaschine nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine Drehzahlregelung zum Regeln des Volumenstroms des Betriebsgases der Aufladevorrichtung
(2) vorgesehen ist.
4. Verbrennungskraftmaschine nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Luftfilter (8) zum Filtern des Betriebsgases zumindest die Verzweigungsstelle
der Bypass-Leitung umfasst.
5. Verbrennungskraftmaschine nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Rückschlagventil (9) wenigstens eine einen Ventilkörper (10) mit Federkraft beaufschlagbare
Rückstellfeder (14) zum Verschließen eines Ventilsitzes (12) mittels des Ventilkörpers
(10) zumindest bei Druckausgleich in der Bypass-Leitung (4) aufweist.
6. Verbrennungskraftmaschine nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine Einstelleinheit zum Einstellen eines Öffnungsdifferenzdruckes des
Rückschlagventils (9) vorgesehen ist.
7. Fahrzeug, insbesondere Landfahrzeug, mit einer Verbrennungskraftmaschine (1) nach
einem der vorgenannten Ansprüche.