[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Bereitstellung von elektrischer
und thermischer Energie, insbesondere in einer Hafenanlage, wobei verflüssigtes Erdgas
(LNG) in einem aus Schiffen befüllbaren LNG-Terminal gelagert wird, von welchem das
entstehende Boil-off-Gas abgezogen wird und in einer Verbrennungskraftmaschine unter
Erzeugung von Wärme und Strom verbrannt wird, wobei die Wärme an Wärmeverbraucher
weitergeleitet wird und die elektrische Energie ins Netz gespeist oder gespeichert
wird und flüssiges Erdgas aus dem LNG-Terminal verdampft wird und einem Gasversorgungsnetz
zugeführt wird, sowie auf eine Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens.
[0002] Verfahren und Vorrichtungen zur Nutzung und insbesondere zur Umwandlung verschiedener
Energieformen in elektrische Energie, sind in unterschiedlichen Ausbildungen bekannt
geworden. Speziell bei Wasserkraftwerken und insbesondere bei Verfahren und Vorrichtungen
zur Nutzung der Windenergie, der Sonnenenergie oder der Gezeitenenergie wird häufig
beobachtet, dass die jeweils von äußeren Bedingungen abhängige Erzeugung elektrischer
Energie nicht ohne weiteres mit dem jeweiligen Bedarf in Einklang gebracht werden
kann. So ist beispielsweise die Energiegewinnung bei Solaranlagen auf Sonnenlicht
angewiesen, wobei eine erste Spitze des Energieverbrauchs üblicherweise dann auftritt,
wenn nach Sonnenuntergang plötzlich elektrische Beleuchtungskörper eingeschaltet werden.
[0003] Zum Zwecke der Vergleichmäßigung bzw. Glättung der elektrischen Ausgangsleistung
derartiger mit regenerativer Energie betriebener Energiewandler wurde bereits vorgeschlagen,
die in Zeiten geringeren Bedarfs anfallende Energie entsprechend zu speichern. Elektrische
Energie lässt sich zwar prinzipiell in Akkumulatoren speichern. Der für eine derartige
Speicherung elektrischer Energie erforderliche Investitionsaufwand und der erforderliche
Platzbedarf machen aber derartige Anstrengungen wirtschaftlich nicht vertretbar. Auch
erscheint die Berücksichtigung standortbedingter Witterungsverhältnisse durch eine
Blattwinkelverstellung der Rotorblätter einer Windkraftanlage nicht geeignet, die
jeweils maximal erzeugbare elektrische Energie sinnvoll zu nutzen. Vielmehr wird durch
derartige Maßnahmen auf die Produktion elektrischer Energie in Zeiten geringeren Bedarfs
verzichtet, obwohl die vorhandene Windenergie eine derartige Produktion begünstigen
würde. Um Schwankungen zwischen Energieerzeugung und Energieverbrauch besser ausgleichen
zu können, ist es prinzipiell bekannt, Speichermedien einzusetzen, wobei als mechanische
Speicher beispielsweise Schwungmassenspeicher in Betracht kommen. Es wurden auch supraleitende
magnetische Energiespeicher, Batteriespeicherungsanlagen sowie chemische Energiespeicher
auf Wasserstoffbasis vorgeschlagen.
[0004] Als Flüssigerdgas (LNG für engl. liquefied natural gas) wird durch Abkühlung auf
-164 bis - 161 °C (109 K bis 112 K) verflüssigtes Erdgas bezeichnet. Flüssiges Erdgas
weist etwa 1/600stel des Volumens von Erdgas in Gasform auf.
[0005] Besonders zu Transport- und Lagerungszwecken hat flüssiges Erdgas große Vorteile.
Das Erdgas verliert durch eine derartige Abkühlung seine Eigenschaft der Leitungsgebundenheit
und kann somit auf der Straße, der Schiene und auf dem Wasser transportiert werden.
Bislang spielte diese Art des Transportes nur eine untergeordnete Rolle, da insbesondere
für die aufwendige Verflüssigung etwa 10 bis 25 Prozent des Energieinhaltes des Gases
benötigt werden. Liegen die zu überbrückenden Distanzen zwischen Erdgasquelle und
Verbraucher unter 2.000 Kilometern, ist der Transport per Erdgaspipeline bzw. als
verdichtetes Erdgas (CNG) wirtschaftlicher.
[0006] Der standardmäßige Transportweg wird dabei über Pipelines von der Erdgasförderstätte
zu einem speziell angefertigten LNG-Terminal in einem Hafen sichergestellt. Im LNG-Terminal
wird das vorher gasförmige Erdgas zu flüssigem Erdgas verflüssigt. Diese Anlagen sind
extrem kosten- und energieintensiv. Anschließend wird das flüssige Erdgas auf Spezialschiffe
gepumpt, die zu einem anderen LNG-Terminal fahren und das flüssige Erdgas dort wieder
mit den schiffseigenen Ladungspumpen an Land fördern. Die immer größer werdenden Schiffe
werden auch als 2G-Tanker bezeichnet. Der Weitertransport erfolgt meistens nach einer
Umwandlung in den gasförmigen Zustand per Pipelines zu den Ferngasgesellschaften,
überwiegend zu einem Hub.
[0007] Im Jahr 2004 wurden etwa fünf Prozent der Erdgas-Transporte weltweit in Form von
Flüssigerdgas durchgeführt. Aufgrund der aktuell hohen Gaspreise und der zu erwartenden
weiteren Steigerungen im Zuge der Preisbindung an Erdöl gewinnt diese Transportmöglichkeit
für Erdgas jedoch zunehmend an Bedeutung. Aktuell werden bei steigender Tendenz mehr
als 25 Prozent des weltweit transportierten Erdgases als flüssiges Erdgas transportiert.
[0008] Trotz der Isolierung der LNG-Tanker führt die langsame Erwärmung der Tanks zum Verdampfen
eines Teils der Ladung, dem so genannten "Boil-Off". Damit der Druck im Tank keine
unzulässig hohen Werte annimmt, muss das verdampfte Gas entweichen können. Anstelle
eines Abblasens wird dieses Gas energetisch zur Dampferzeugung und schließlich mit
zum Vortrieb und zur Stromerzeugung genutzt. LNG-Tanker sind aus diesem Grund überwiegend
als Turbinenschiffe für Schweröl- und/oder Erdgasbetrieb ausgeführt. Bei einem Überschuss
an Boil-Off-Gas wird die Überproduktion an Dampf im Hilfs- oder Hauptkondensator gegen
Seewasser kondensiert, so dass bei keinem normalen Schiffsbetriebszustand Methan (als
Erdgashauptbestandteil) in die Atmosphäre abgeblasen werden muss. Bei Überschreiten
dieser Kapazitätsgrenzen der Kondensatoren wird das "Boil Off"-Gas durch einen Mast
in die Atmosphäre geblasen oder mit schiffseigenen Verflüssigern rückverflüssigt,
um den Tankdruck im zulässigen Bereich zu halten.
[0009] Die Erfindung zielt nun darauf ab, ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen,
mit welcher ein Maximum an verfügbarer Verflüssigungsenergie und an kalorischer Energie
aus dem (flüssigen) Erdgas rückgewonnen werden kann, sodass insgesamt eine wirtschaftlichere
Vorrichtung bzw. ein wirtschaftlicheres Verfahren geschaffen wird.
[0010] Zur Lösung dieser Aufgabe wird das erfindungsgemäße Verfahren derart durchgeführt,
dass das flüssige Erdgas nach dem Verdampfen komprimiert wird und anschließend über
eine Turbine auf Einspeisdruck des Gasversorgungsnetzes entspannt wird, wobei die
gewonnene Kälte aus der Verdampfung und der Entspannung Kälteverbrauchern zugeführt
wird und die beim Entspannen des Gases über die Turbine gewonnene elektrische Energie
ins Netz gespeist oder gespeichert wird. Da in Hafenanlagen immer ein Kältebedarf
vorhanden ist, insbesondere für Kühlhallen zur Lagerung von Lebensmitteln oder frisch
gefangenem Fisch, kann die durch diese Verfahrensschritte gewonnene Kälte einfach
und ökonomisch genutzt werden. Bisher wurde die bei der Regasifizierung anfallende
Kälte in diesem Umfeld immer als Abfallprodukt gesehen und einfach an die Atmosphäre
abgegeben. Durch die Nutzung dieser Energie kann die Wirtschaflichkeit des Verfahrens
erhöht werden. Dadurch, dass das Gas nach der Regasifizierung über den Einspeisdruck
eines Gasversorgungsnetzes komprimiert wird muss das Gas nicht mit Hilfe großer Pumpen
in das Gasversorgungsnetz gedrückt werden, sondern kann über eine Turbine entspannt
werden, sodass hier zusätzliche elektrische und thermische Energie freigesetzt wird,
welche weiterverwendet werden kann.
[0011] Zur Regasifizierung und Komprimierung des Erdgases wird bevorzugt ein zyklisches,
kolbenloses Verfahren angewendet, wie dies bspw. in der
W02007/128023 beschrieben ist. Dazu wird in bevorzugter Weise derart vorgegangen, dass das flüssige
Erdgas zum Verdampfen und Komprimieren in einen Dosierbehälter verbracht wird und
eine dosierte Menge einem Verdampfer zugeführt wird, worauf der Dosierbehälter neuerlich
mit flüssigem Gas gefüllt wird und der Druck im zuletzt eingesetzten Verdampfer zum
Auspressen des flüssigen Gases aus dem Dosierbehälter in einen weiteren Verdampfer
herangezogen wird, wobei zyklisch jeweils voneinander verschiedene Verdampfer aus
dem Dosierbehälter beschickt werden und der Druck im Dosierbehälter sowie erforderlichenfalls
im jeweils zu befüllenden Verdampfer vor einem neuerlichen Einbringen einer dosierten
Menge des verflüssigten Gases abgebaut wird und das Gas anschließend über eine Turbine
auf Einspeisedruck eines Gasnetzwerkes entspannt wird. Dadurch sind keine teuren und
verschleißanfälligen Pumpen notwendig, sodass das Verfahren im Betrieb weniger Kosten
verursacht.
[0012] Um mehr Kälte bereitstellen zu können wird bevorzugt derart vorgegangen, dass eine
Biogasanlage mit angeschlossener kryogenen Gasreinigung und Verflüssigung zur Verwertung
organischer Abfälle verwendet wird, wobei das erzeugte Biogas in einer Verbrennungskraftmaschine
unter Erzeugung von Wärme und Strom verbrannt wird, wobei die Wärme an Wärmeverbraucher
weitergeleitet wird und die elektrische Energie gespeichert wird und die in der Biogasanlage
eingesetzte Kälte zurückgewonnen wird und die Kälte Kälteverbrauchern zugeführt wird.
In derartigen Biogasanlagen fällt insbesondere CO
2 als Ausgangsmaterial für Trockeneis an, welches innerhalb der Hafenanlage zu Kühlzwecken
auch einfach transportierbar ist. Ein derartiges Verfahren wird bspw. in der österreichischen
Patentanmeldung
AT508249 gezeigt und beschrieben.
[0013] Um den großen Bedarf an elektrischem Strom in der Hafenanlage zu decken wird das
Verfahren bevorzugt derart durchgeführt, dass zusätzlich ein Kraftwerk für erneuerbare
Energien, wie Gezeitenkraftwerk, Windkraftwerk, Wasserkraftwerk, etc. Verwendung findet,
um zusätzliche elektrische Energie bereit zu stellen.
[0014] Um die elektrischen Energien der einzelnen Erzeuger zu speichern, wird bevorzugt
derart vorgegangen, dass ein Gas in einer mit einer elektrische Energie erzeugenden
Vorrichtung gekoppelten Vorrichtung verflüssigt wird, dass das verflüssigte Gas vorzugsweise
drucklos gespeichert wird und dass das verflüssigte Gas bei Bedarf, vorzugsweise mit
Hilfe eines Kältekreislaufs eines Kälteverbrauchers, regasifiziert und die freiwerdende
Energie in elektrische Energie umgewandelt und entweder ins Netz eingespeist wird
oder elektrischen Verbrauchern zur Verfügung gestellt wird. Ein besonders effizientes
Verfahren, das auf diesem Prinzip beruht, ist im österreichischen Patent
AT506779 beschrieben.
[0015] Das flüssige Erdgas wird im LNG-Terminal in bevorzugter Weise in einem atmosphärischen
Tank gelagert. Dadurch, dass der Tank lediglich isoliert, nicht jedoch aktiv gekühlt
wird, fällt durch den Wärmeeintrag über die Isolierung jederzeit gleichmäßig Boil-off-gas
an, welches in der Verbrennungskraftmaschine verbrannt wird, wobei im Schnitt 33%
der Energie in elektrische Energie umgewandelt wird und 67% in kalorische Wärme. Diese
elektrische Energie kann gleich zur Versorgung des Bedarfs der Hafenanlage herangezogen
werden, oder ebenfalls in Form des verflüssigten Gases für Zeiten des erhöhten Bedarfs
vorrätig gehalten werden. Sollte insgesamt mehr elektrische Energie erzeugt werden
als verbraucht wird, so kann diese Energie auch durch Einspeisen in das Stromnetz
an Energieanbieter verkauft werden. Das flüssige Erdgas kann jedoch auch wenn nötig
dem atmosphärischen Tank entnommen werden und auf der Straße, der Schiene oder auf
dem Wasser weitertransportiert werden.
[0016] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zur Bereitstellung von elektrischer und thermischer
Energie in einer Hafenanlage, wobei das flüssige Erdgas in einem LNG-Terminal in einem
atmosphärischen Tank gelagert ist, welchem eine Verbrennungskraftmaschine für das
Verbrennen des Boil-off-Gases nachgeschaltet ist und der Verbrennungskraftmaschine
ein Energiespeicher für elektrische Energie nachgeschaltet ist, wobei die Verbrennungskraftmaschine
über einen Wärmeleiter mit Wärmeverbrauchern verbunden ist und dem atmosphärischen
Tank ein Verdampfer zum Verdampfen des flüssigen Erdgases nachgeschaltet ist, wobei
dem Verdampfer eine Turbine zur Erzeugung von Strom nachgeschaltet ist, ist erfindungsgemäß
derart weitergebildet, dass die Verdampfungs- bzw. Entspannungskälte über Wärmeleiter
zu Kälteverbrauchern transportierbar ist.
[0017] Dadurch, dass in bevorzugter Weise dem atmosphärischen Tank wenigstens zwei Verdampfer
unter Zwischenschaltung eines Dosierbehälters nachgeschalten sind, kann das oben erwähnte
Verfahren zur zyklischen, kolbenlosen Kompression durchgeführt werden, welches sich
insbesondere durch seine Effizienz und Robustheit auszeichnet.
[0018] Dadurch, dass der Verbrennungskraftmaschine eine Biogasanlage mit kryogener Gasreinigung
und Gasverflüssigung zur Verwertung organischer Abfälle vorgeschaltet ist, wobei das
erzeugte Biogas über Leitungen der Verbrennungskraftmaschine zur Erzeugung von Wärme
und Strom zugeführt wird, wobei die Wärme über Wärmeleiter an Wärmeverbraucher weitergeleitet
wird und die elektrische Energie gespeichert wird und die in der Biogasanlage gewonnene
Kälte Kälteverbrauchern zugeführt wird, kann weitere Kälte, die in der Biogasanlage
meist als Trockeneis anfällt und demnach einfach transportabel ist, für Kühlzwecke
erhalten werden.
[0019] Es können weitere Kraftwerke dazu dienen den elektrischen Bedarf der Hafenanlage
zu decken, wobei bevorzugt vorgesehen ist, dass zusätzlich ein Kraftwerk für erneuerbare
Energien, wie Gezeitenkraftwerk, Windkraftwerk, Wasserkraftwerk, etc. dem Energiespeicher
vorgeschaltet ist, um die elektrische Energie bereit zu stellen.
[0020] Zur Speicherung der elektrischen Energie wird die Vorrichtung bevorzugt derart weitergebildet,
dass eine an eine elektrische Energie erzeugende Vorrichtung gekoppelte Gasverflüssigungsvorrichtung
einen Speicherbehälter zur Speicherung des verflüssigten Gases, eine an den Speicherbehälter
angeschlossene Regasifizierungseinrichtung zum Regasifizieren des verflüssigten Gases,
eine Expansionsmaschine, insbesondere Turbine, zum Entspannen des regasifizierten
Gases und einen von der Expansionsmaschine angetriebenen elektrischen Generator aufweist,
wobei die vom Generator gelieferte elektrische Energie elektrischen Verbrauchern zur
Verfügung gestellt ist.
[0021] Die Erfindung wird nachfolgend eines in der Zeichnung schematisch dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert. In dieser zeigt Fig.1 eine Vorrichtung zur Speicherung von Energie
in einer Ausführung, die eine Pumpe erfordert, Fig.2 eine Vorrichtung zur Speicherung
von Energie in einer Ausführung, in welcher das Gas kolbenlos und zyklisch ohne Verwendung
einer Pumpe komprimiert wird, Fig.3 ein p-H-Diagramm des Arbeitsmediums und Fig.4
eine schematische Hafenanlage.
[0022] In der Zeichnung ist mit 1 ein Windgenerator bezeichnet, wobei die vom Generator
erzeugte elektrische Energie über die elektrische Leitung 2 in das Netz eingespeist
werden kann. Sobald der Bedarf an elektrischer Energie, welche über die Leitung 2
in das Netz eingespeist wird, unter der jeweils erzeugten Energie liegt, kann über
eine elektrische Leitung 3 Strom einer Luftverflüssigungsanlage 4 zugeführt werden,
wobei die verflüssigte Luft in einen kryogenen Tank 5 gelangt. Zur Regasifikation
wird die drucklos gespeicherte verflüssigte Luft über eine Leitung 6 einem Verdampfer
7 zugeführt, wobei durch die Volumszunahme bei der Verdampfung ein entsprechendes
Druckgas über die Leitung 8 einem Zwischenspeicher 9 zur Vergleichmäßigung des Drucks
zugeführt wird und über eine Turbine 10 geleitet wird, welche mit einem Generator
11 gekoppelt ist. Die im Generator 11 erzeugte elektrische Energie kann wiederum über
die Leitung 12 in das Netz gespeist werden, wenn zusätzlich und ggf. die Produktion
des Windkraftwerks 1 übersteigende Bedarfskennzahlen ermittelt werden, sodass zusätzlich
zu dem über die Leitung 2 in das Netz gespeisten Strom auch über die Leitung 12 Strom
in das Netz gespeist werden kann. In einem Abscheider 13 werden die flüssigen Gasanteile
abgetrennt und die flüssige Phase dem Tank und die Gasphase dem Verflüssiger rückgeführt.
Zu diesem Zweck und zu dem Zweck flüssiges Gas in den Verdampfer zu pressen ist eine
Pumpe 14 notwendig.
[0023] In Fig. 2 wird ein Ausführungsbeispiel gezeigt, bei welchem keine Pumpe 14 notwendig
ist. Die übrigen Bezugszeichen wurden beibehalten. Hier gelangt das flüssige Gas in
einen Dosierbehälter 15, der in weiterer Folge abwechselnd die zwei nachgeschalteten
Verdampfer 7 und 7' beschickt. In den Verdampfern 7, 7' wird die Luft auf 70 bar überhitzt
und ist überkritisch bei Temperaturen, welche weit unter der Umgebungstemperatur liegen.
Die jeweiligen Temperaturen liegen auf einem p-H-Diagramm rechts des kritischen Punktes.
Ausgehend von diesem Zustand wird im Anschluss auf 40 bar über die Turbine 10 entspannt,
welche mit dem Generator 11 gekoppelt ist, sodass über die Leitung 12 Strom ins Stromnetz
freigegeben werden kann. Durch die Entspannung fällt die Temperatur, wobei zur besseren
Nutzung dieser Energie der Abluftstrom durch den Verdampfer 7, 7' geleitet wird, der
als Kühler dient. Die Kühlung erfolgt mit flüssiger Luft, die durch den Drosselprozess
im Abscheider 13 und der Luftverflüssigungsanlage 4 entstanden ist. Auf Grund der
Druckdifferenz strömt das Gas nach der Turbine 10 in den jeweils anderen Verdampfer
7', 7, wobei die überkritische Luft weiter abgekühlt wird und ein Zustandspunkt links
des kritischen Punktes auf dem p-H-Diagramm erreicht wird.
[0024] Der Dosierbehälter 15 wird dabei über die Leitung 16 in den Abscheider 13 auf Tankdruck,
welcher bei 1-2 bar liegt, entspannt, wobei die flüssige Phase dem Tank und die Gasphase
dem Verflüssiger wieder zugeführt wird. Diesmal ist keine Pumpe 14 notwendig, da die
Gasphase von der Luftverflüssigungsanlage 4 angesaugt wird. Dies ist die Vorraussetzung
für einen weitere Befüllung des Dosierbehälters. Ebenso wird die überkritische Luft
nach der Abkühlung über die Turbine aus dem Verdampfer 7, 7', über den Abscheider
13 gedrosselt. Das anfallende Gas wird in die Luftverflüssigungsanlage 4 geleitet
und die dadurch fehlende Menge in der flüssigen Phase wird aus dem kryogenen Tank
5, in welchem verflüssigtes Gas vorrätig ist, welcher Tank durch die Luftverflüssigungsanlage
gespeist ist, nachgefüllt. Aus dem Abscheider 13 kann über die Leitung 17 auch der
Dosierbehälter wieder mit flüssigem Gas gefüllt werden.
[0025] Dadurch, dass die über die Turbine entspannte Luft den Verdampfern 7, 7' als Kühlung
wieder rückgeführt wird, herrscht dort die größte Temperaturdifferenz.
[0026] Fig. 3 zeigt ein p-H-Diagramm des arbeitenden Gases. Im Verdampfer 7, 7' befindet
sich das Gas auf 100 bar überhitzt und ist überkritisch rechts des kritischen Punktes
18 auf dem Punkt 19, wobei die Temperatur weit unter der Umgebungstemperatur liegt.
Im nächsten Schritt wird das Gas über die Turbine 13 auf 40 bar entspannt und erreicht
den Punkt 20 bei gleichzeitigem Verlust an Temperatur. Das Gas wird im Anschluss weiter
mittels flüssiger Luft, welche aus dem Drosselprozess entstanden ist, und der entspannten
Luft über die Turbine abgekühlt bis ein Punkt 21 links des kritischen Punktes auf
dem p-H-Diagramm erreicht wird. Bei dem Drosselprozess im Abscheider 13 fällt der
Gasdruck auf Punkt 22. Beim Rückführen des flüssigen Gases fällt die Temperatur des
Gases, wobei es sich an diesem Punkt im p-H-Diagramm auf Punkt 23 befindet, und wird
anschliessend wieder in den Dosierbehälter 15 geleitet.
[0027] Die Rückverflüssigung ist also prinzipiell zweimal in dem Prozess möglich. Einmal
im Bereich des überhitzten Dampfes, von Punkt 20 zu Punkt 21 im p-H-Diagramm, wobei
die Temperaturdifferenz sehr gering ist, die Wärmeaustauschflächen aber sehr groß
sind. Ein zweites Mal ist die Rückverflüssigung nach dem Kühlen mit flüssigem Produkt
im überkritischen Bereich möglich. Es wird hiermit versucht möglichst weit auf die
linke Seite des kritischen Punktes zu kommen (Punkt 21), wobei ab dem Punkt 21 in
Fig. 3 auf einen Druck nahe dem Umgebungsdruck gedrosselt werden kann (Punkt 22).
Dabei fällt zwangsläufig der größte Anteil der flüssigen Phase aus und es entsteht
der kleinste Anteil an Gas. Diese zweite Drosselung macht dieses Verfahren besonders
wirtschaftlich.
[0028] Auf die gleiche Weise wird das flüssige Erdgas zyklisch und kolbenlos verdampft,
komprimiert und über eine Turbine in ein Gasversorgungsnetz entspannt, wobei hier
zusätzlich auch die Entspannungskälte in der Hafenanlage verwertet werden kann.
[0029] In Fig.4 ist ein atmosphärischer Tank mit 23 bezeichnet, wobei eine Leitung 24 angedeutet
ist, mit welcher das flüssige Erdgas aus Transportschiffen abgesaugt werden kann.
Über die Leitung 25 kann das flüssige Erdgas auf weitere Fortbewegungsmittel verladen
werden. Durch den Wärmeeintrag über die Isolierung des atmosphärischen Tanks 23 fällt
in dem Tank 23 Boil-off Gas an, welches über eine Leitung 26 einer Verbrennungskraftmaschine
27 zugeführt wird. Die in der Verbrennungskraftmaschine 27 anfallende Wärme wird über
eine Leitung 28 an Wärmeverbraucher geleitet. Der in der Verbrennungskraftmaschine
27 erzeugte Strom wird über eine Leitung 29 an einen Transformator 30 geleitet und
von dort entweder in ein Stromnetz 31 eingespeist und verkauft oder verwendet, um
den Bedarf der Hafenanlage zu decken. Anderenfalls kann der Strom über eine Leitung
32 der Luftverflüssigungsanlage 4 zugeführt werden, um die Energie für Zeiten größeren
Bedarfs zu speichern. Die bei der Regasifizierung freigesetzte Energie kann über eine
Leitung 33 wieder dem Transformator 30 zugeführt werden.
[0030] Das flüssige Erdgas wird aus dem Tank 23 über eine Leitung 34 entnommen und dem oben
beschriebenen Verfahren der zyklischen, kolbenlosen Kompression unterworfen, wobei
die dafür notwendige Vorrichtung mit 35 bezeichnet ist. Die Verdampfungskälte wird
über die Leitung 36 den Kälteverbrauchern zugeführt. Mit 37 ist eine Turbine bezeichnet,
über welche das komprimierte Gas entspannt wird, wobei hier einerseits die Entspannungskälte
über eine Leitung 38 den Kälteverbrauchern zugeführt wird und der erzeugte Strom über
die Leitung 39 entweder dem Transformator 30 zugeführt wird oder der Luftverflüssigungsanlage
4. Mit 43 ist die Leitung bezeichnet, über welche das Erdgas in das Gasnetz eingespeist
wird.
[0031] Mit 40 ist eine Biogasanlage zur Verwertung organischer Abfälle bezeichnet, wobei
in dieser als Endprodukt bspw. Biomethan und CO
2 in Form von Trockeneis anfällt. Das Biomethan wird über die Leitung 41 der Verbrennungskraftmaschine
27 zur Verbrennung zugeführt. Über die Leitung bzw. den Weg 42 wird die Kälte bzw.
das Trockeneis den Kälteverbrauchern zugeführt.
1. Verfahren zur Bereitstellung von elektrischer und thermischer Energie, insbesondere
in einer Hafenanlage, wobei verflüssigtes Erdgas (LNG) in einem aus Schiffen befüllbaren
LNG-Terminal gelagert wird, von welchem das entstehende Boil-off-Gas abgezogen wird
und in einer Verbrennungskraftmaschine unter Erzeugung von Wärme und Strom verbrannt
wird, wobei die Wärme an Wärmeverbraucher weitergeleitet wird und die elektrische
Energie ins Netz gespeist oder gespeichert wird und flüssiges Erdgas aus dem LNG-Terminal
verdampft wird und einem Gasversorgungsnetz zugeführt wird, dadurch gekennzeichnet, dass das flüssige Erdgas nach dem Verdampfen komprimiert wird und anschließend über eine
Turbine (10, 37) auf Einspeisdruck des Gasversorgungsnetzes entspannt wird, wobei
die gewonnene Kälte aus der Verdampfung und der Entspannung Kälteverbrauchern zugeführt
wird und die beim Entspannen des Gases über die Turbine (10, 37) gewonnene elektrische
Energie ins Netz gespeist oder gespeichert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das flüssige Erdgas zum Verdampfen und Komprimieren in einen Dosierbehälter (15)
verbracht wird und eine dosierte Menge einem Verdampfer zugeführt wird, worauf der
Dosierbehälter (15) neuerlich mit flüssigem Gas gefüllt wird und der Druck im zuletzt
eingesetzten Verdampfer (7, 7') zum Auspressen des flüssigen Gases aus dem Dosierbehälter
(15) in einen weiteren Verdampfer (7, 7') herangezogen wird, wobei zyklisch jeweils
voneinander verschiedene Verdampfer (7, 7') aus dem Dosierbehälter (15) beschickt
werden und der Druck im Dosierbehälter (15) sowie erforderlichenfalls im jeweils zu
befüllenden Verdampfer (7, 7') vor einem neuerlichen Einbringen einer dosierten Menge
des verflüssigten Gases abgebaut wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Biogasanlage (40) mit angeschlossener kryogenen Gasreinigung und Verflüssigung
zur Verwertung organischer Abfälle verwendet wird, wobei das erzeugte Biogas in einer
Verbrennungskraftmaschine (27) unter Erzeugung von Wärme und Strom verbrannt wird,
wobei die Wärme an Wärmeverbraucher weitergeleitet wird und die elektrische Energie
gespeichert wird und die in der Biogasanlage (40) eingesetzte Kälte zurückgewonnen
wird und die Kälte Kälteverbrauchern zugeführt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich ein Kraftwerk für erneuerbare Energien, wie Gezeitenkraftwerk, Windkraftwerk,
Wasserkraftwerk, etc. Verwendung findet, um zusätzliche elektrische Energie bereit
zu stellen.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass ein Gas in einer mit einer elektrische Energie erzeugenden Vorrichtung gekoppelten
Vorrichtung verflüssigt wird, dass das verflüssigte Gas vorzugsweise drucklos gespeichert
wird und dass das verflüssigte Gas bei Bedarf, vorzugsweise mit Hilfe eines Kältekreislaufs
eines Kälteverbrauchers, regasifiziert und die freiwerdende Energie in elektrische
Energie umgewandelt und entweder ins Netz eingespeist wird oder elektrischen Verbrauchern
zur Verfügung gestellt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das flüssige Erdgas in einem atmosphärischen Tank (23) im LNG-Terminal gelagert ist.
7. Vorrichtung zur Bereitstellung von elektrischer und thermischer Energie in einer Hafenanlage,
wobei das flüssige Erdgas in einem LNG-Terminal in einem atmosphärischen Tank gelagert
ist, welchem eine Verbrennungskraftmaschine für das Verbrennen des Boil-off-Gases
nachgeschaltet ist und der Verbrennungskraftmaschine ein Energiespeicher für elektrische
Energie nachgeschaltet ist, wobei die Verbrennungskraftmaschine über einen Wärmeleiter
mit Wärmeverbrauchern verbunden ist und dem atmosphärischen Tank ein Verdampfer zum
Verdampfen des flüssigen Erdgases nachgeschaltet ist, wobei dem Verdampfer eine Turbine
zur Erzeugung von Strom nachgeschaltet ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Verdampfungs- bzw. Entspannungskälte über Wärmeleiter zu Kälteverbrauchern transportierbar
ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass dem atmosphärischen Tank (23) wenigstens zwei Verdampfer (7, 7') unter Zwischenschaltung
eines Dosierbehälters (15) nachgeschalten sind.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Verbrennungskraftmaschine eine Biogasanlage (40) mit kryogener Gasreinigung und
Gasverflüssigung zur Verwertung organischer Abfälle vorgeschaltet ist, wobei das erzeugte
Biogas über Leitungen der Verbrennungskraftmaschine (27) zur Erzeugung von Wärme und
Strom zugeführt wird, wobei die Wärme über Wärmeleiter an Wärmeverbraucher weitergeleitet
wird und die elektrische Energie gespeichert wird und die in der Biogasanlage (40)
gewonnene Kälte Kälteverbrauchern zugeführt wird.
10. Vorrichtung nach Anspruch 7, 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich ein Kraftwerk für erneuerbare Energien, wie Gezeitenkraftwerk, Windkraftwerk,
Wasserkraftwerk, etc. dem Energiespeicher vorgeschaltet ist, um die elektrische Energie
bereit zu stellen.
11. Vorrichtung nach Anspruch 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass eine an eine elektrische Energie erzeugende Vorrichtung gekoppelte Gasverflüssigungsvorrichtung
einen Speicherbehälter zur Speicherung des verflüssigten Gases, eine an den Speicherbehälter
angeschlossene Regasifizierungseinrichtung zum Regasifizieren des verflüssigten Gases,
eine Expansionsmaschine, insbesondere Turbine (10, 37), zum Entspannen des regasifizierten
Gases und einen von der Expansionsmaschine angetriebenen elektrischen Generator aufweist,
wobei die vom Generator gelieferte elektrische Energie elektrischen Verbrauchern zur
Verfügung gestellt ist.