[0001] Die Erfindung betrifft einen Nebelwurfkörper gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs
1.
[0002] Derartige Nebelwurfkörper sind dazu vorgesehen, einen Nebelvorhang zu bilden, um
damit Fahrzeuge oder Truppen gegen Entdeckung, Erfassung und Zielverfolgung zu schützen.
Üblicherweise werden Nebelwurfkörper an einem gepanzerten Fahrzeug in einer Mehrzahl
von Auswerferrohren mitgeführt und bei Bedarf durch Zünden einer Treibladung in einer
Flugbahn, die durch die Winkeleinstellung des Auswerferrohrs festgelegt ist, ausgeschleudert.
Nach Verlassen des Auswerferrohrs wird die pyrotechnische Wirkladung des Nebelwurfkörpers
durch Initiierung der Zerlegerladung zerlegt und angezündet.
[0003] Aus der
WO 03/106913 A1 ist ein Nebelwurfkörper bekannt, der eine Mehrzahl von Lagen von Nebeltabletten aufweist,
die über eine unterseitige pyrotechnische Wirkladung abgebrannt werden. Dies führt
dazu, dass aufgrund der Stapelbildung die einzelnen, entzündeten Nebeltabletten einzeln
zeitlich nacheinander entlang der ballistischen Flugbahn des Nebelwurfkörpers verbrennen.
Das Problem besteht jedoch hierbei darin, dass aufgrund des Verbrennens der einzelnen
Nebeltabletten sukzessive entlang der Flugbahn des Nebelwurfkörpers lediglich kleine
Nebelschwaden erzeugt werden. Hinzukommt das Problem, dass die hierdurch gebildete
Nebelwand eine vergleichsweise geringe Nebeldichte aufweist.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen neuartigen Nebelwurfkörper
zur Verfügung zu stellen, bei dem auf einfache Weise nach dem Ausstoß des Nebelwurfkörpers
die Nebelwirkmasse in einer vorgegebenen Entfernung vom zu schützenden Objekt direkt
und ohne Beeinflussung von anströmender Luft zu einer voluminösen Nebelwand mit hoher
Nebeldichte verteilt wird. Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des
Anspruchs 1 gelöst. Bevorzugte Aus- bzw. Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Nebelwurfkörpers
sind in den Unteransprüchen beschrieben.
[0005] Der erfindungsgemäße Nebelwurfkörper weist eine Nebelwirkmasse zur Erzeugung eines
Tarnnebels und eine Zerlegerladung zum Zerlegen und Zünden der Nebelwirkmasse auf.
Ferner ist eine Verzögerungsladung vorgesehen, welche ein verzögertes Wirksamwerden
der Zerlegerladung bewirkt. Durch die erfindungsgemäße Verzögerungsladung ist es möglich,
den Mechanismus zur Erzeugung des Tamnebels bereits bei Abschuss des Nebelwurfkörpers
in Gang zu setzen, zugleich die eigentliche Ausbildung des Tamnebels auf einen vordefinierten
Zeitpunkt nach Verlassen des Auswerferrohrs so zu verlagern, dass die Nebelausbildung
zu einem optimalen Zeitpunkt und damit in einer optimalen Entfernung zum zu schützenden
Objekt erfolgt.
[0006] Die Nebelwirkmasse ist dabei vorzugsweise um die Zerlegerladung herum angeordnet.
Dadurch kann die Nebelwirkmasse bei Initiierung der Zerlegerladung besonders effektiv
großvolumig ausgebracht werden. Besonders bevorzugt ist die Zerlegerladung in einem
Längskanal angeordnet, welcher sich im Bereich der Längsachse der Nebelwirkmasse befindet.
Dadurch kann eine weitgehend radialsymmetrische Verteilung der Nebelwirkmasse erzielt
werden.
[0007] Die Verzögerungsladung ist vorzugsweise auch in diesem Längskanal angeordnet, und
zwar im Anschluss an die Zerlegerladung. Dadurch ist gewährleistet, dass die mit der
Zerlegerladung in Kontakt befindliche Verzögerungsladung nach ihrem Abbrand die Zerlegerladung
initiieren kann.
[0008] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist an dem Ende
der Verzögerungsladung, welches dem der Zerlegerladung zugewandten Ende der Verzögerungsladung
gegenüberliegt, ein Anzündelement angeordnet, welches eingerichtet ist, die Verzögerungsladung
bei Abschuss des Nebelwurfkörpers anzuzünden. Dabei ist es insbesondere von Vorteil,
wenn die Verzögerungsladung eine deflagrativ umsetzende Ladung umfasst. Wenn nämlich
die Verzögerungsladung an dem der Kontaktstelle zwischen Verzögerungsladung und Zerlegerladung
abgewandten Ende der Verzögerungsladung angezündet wird, brennt die Verzögerungsladung
deflagrativ mit einer vorbestimmten Zeitkonstante in Richtung der Kontaktstelle zwischen
Verzögerungsladung und Zerlegerladung ab. Dies hat insbesondere den Vorteil, dass
der Mechanismus der Nebelerzeugung bereits beim Abschuss des Nebelwurfkörpers initiiert
werden kann, ohne dass nachfolgend noch weitere Maßnahmen notwendig wären, wie z.
B. ein Signal zur Initiierung der Zedegedadung vom Abschussmechanismus an den abgefeuerten
Nebelwurfkörper oder ein aufwendiger Zeitzünder.
[0009] Die Zerlegerladung des Nebelwurfkörpers kann eine pyrotechnische und/oder eine sprengstoffbasierte
Ladung umfassen. Dabei hat eine sprengstoffbasierte Zerlegerladung den Vorteil, dass
die Nebelwirkmasse nicht nur sehr effektiv angezündet wird, sondern die Nebelwirkmasse
auch sehr spontan und großvolumig verteilt wird, und zwar unabhängig von einer Verteilung
der Nebelwirkmasse durch die den Nebelwurfkörper anströmende Luft. Diese Spontanität
der Verteilung der Nebelwirkmasse kann in vorteilhafterweise noch dadurch gesteigert
werden, dass die Nebelwirkmasse eine detonativ umsetzende Ladung umfasst.
[0010] Bei dem erfindungsgemäßen Nebelwurfkörper wird bei den Teilen, die ausgestoßen werden,
vorzugsweise auf Metallteile verzichtet, so dass beim Ausstoß des Nebelwurfkörpers
keine Metallteile, die zu Verletzungen führen könnten, in den Bereich der eigenen
Truppen verbracht werden.
[0011] Ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Nebelwurfkörpers ist in der anliegenden
Zeichnung längsgeschnitten dargestellt und wird nachfolgend beschrieben.
[0012] Die Figur zeigt eine Ausbildung des Nebelwurfkörpers 1 mit einer Nebelwirkmasse 2
zur Erzeugung eines Tarnnebels und mit einer Zerlegerladung 3 zum Zerlegen und Zünden
der Nebelwirkmasse 2. Der Nebelwurfkörper 1 weist eine Verzögerungsladung 4 auf, welche
ein verzögertes Wirksamwerden der Zerlegerladung 3 bewirkt.
[0013] Die Zerlegerladung 3 ist in einem im Bereich der Längsachse der Nebelwirkmasse 2
befindlichen Längskanal angeordnet. Die Nebelwirkmasse 2 ist zylinderförmig um die
Zerlegerladung 3 herum angeordnet.
[0014] Die Verzögerungsladung 4 ist in dem Längskanal im Anschluss an die Zerlegerladung
3 angeordnet. Dabei steht die Verzögerungsladung 4 mit der Zerlegerladung 3 derart
in Wirkkontakt, dass bei einem Abbrennen der Verzögerungsladung 4 bis zur Kontaktstelle
zwischen Verzögerungsladung 4 und Zerlegerladung 3 die Zerlegerladung 3 initiiert
wird. Vorzugsweise erfolgt dieser Wirkkontakt bzw. die Wirkkopplung zwischen Verzögerungsladung
4 und Zerlegerladung 3 durch die Hitzeentwicklung beim Abbrennen der Verzögerungsladung
4.
[0015] An dem Ende der Verzögerungsladung 4, welches dem der Zerlegerladung 3 zugewandtem
Ende der Verzögerungsladung 4 gegenüberliegt, ist ein Anzündelement 5 angeordnet,
welches eingerichtet ist, die Verzögerungsladung 4 bei Abschuss des Nebelwurfkörpers
1 anzuzünden.
[0016] Über eine Variation der Länge der Verzögerungsladung 4 zwischen Anzündelement 5 und
Kontaktstelle zwischen Verzögerungsladung 4 und Zerlegerladung 3 kann die Verzögerungszeitspanne
zwischen Abschuss des Nebelwurfkörpers 1 und Zünden der Nebelwirkmasse 2 - und damit
die Entfernung des Tarnnebels vom zu schützenden Objekt - in definierter Weise vorgegeben
werden. Es ist beispielsweise auch denkbar, dass bei vorgegebener Länge der Verzögerungsladung
3 eine variabel einstellbare Verzögerungszeit dadurch erzielt werden kann, dass mehrere
Anzündelemente 5 der Länge nach an der Verzögerungsladung 4 angeordnet sind. Wird
eine kürzere Verzögerungszeit gewünscht, wird einfach ein Anzündelement 5 zum Anzünden
der Verzögerungsladung 4 initiiert, welches der Kontaktstelle zwischen Verzögerungsladung
4 und Zerlegerladung 3 näher ist. Die Auswahl des jeweils erforderlichen Anzündelements
5 kann dabei im Rahmen einer vollautomatisierten, softwaregestützten Hochgeschwindigkeitslageeinschätzung
automatisch erfolgen.
Bezugszeichenliste
[0017]
- 1
- Nebelwurfkörper
- 2
- Nebelwirkmasse
- 3
- Zerlegerladung
- 4
- Verzögerungsladung
- 5
- Anzündelement
1. Nebelwurfkörper (1) mit einer Nebelwirkmasse (2) zur Erzeugung eines Tarnnebels und
mit einer Zerlegerladung (3) zum Zerlegen und Zünden der Nebelwirkmasse (2),
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Verzögerungsladung (4) vorgesehen ist, welche ein verzögertes Wirksamwerden
der Zerlegerladung (3) bewirkt.
2. Nebelwurfkörper (1) nach Anspruch 1,
wobei die Nebelwirkmasse (2) um die Zerlegerladung (3) angeordnet ist.
3. Nebelwurfkörper (1) nach Anspruch 2,
wobei die Zerlegerladung (3) in einem im Bereich der Längsachse der Nebelwirkmasse
(2) befindlichen Längskanal angeordnet ist.
4. Nebelwurfkörper (1) nach Anspruch 3,
wobei die Verzögerungsladung (4) in dem Längskanal im Anschluss an die Zerlegerladung
(3) angeordnet ist.
5. Nebelwurfkörper (1) nach Anspruch 4,
wobei an dem Ende der Verzögerungsladung (4), welches dem der Zerlegerladung (3) zugewandten
Ende der Verzögerungsladung (4) gegenüberliegt, ein Anzündelement (5) angeordnet ist,
welches eingerichtet ist, die Verzögerungsladung (4) bei Abschuss des Nebelwurfkörpers
(1) anzuzünden.
6. Nebelwurfkörper (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche,
wobei die Verzögerungsladung (4) eine deflagrativ umsetzende Ladung umfasst.
7. Nebelwurfkörper (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche,
wobei die Zerlegerladung (3) eine pyrotechnische und/oder eine sprengstoffbasierte
Ladung umfasst.
8. Nebelwurfkörper (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche,
wobei die Nebelwirkmasse (2) eine detonativ umsetzende Ladung umfasst.
IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE
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