[0001] Die Erfindung betrifft einen Abgasdiffusor für eine Gasturbine, mit einer ringförmigen
Außenwand zur Führung der Diffusorströmung, in der ein zur Außenwand konzentrisch
angeordnetes ringförmiges Leitelement zur Beeinflussung der Diffusorströmung vorgesehen
ist. Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Betreiben einer Gasturbine mit
einem Abgasdiffusor der vorgenannten Art.
[0002] Gasturbinen und die für diese verwendeten Abgasdiffusoren sind aus dem Stand der
Technik längstens bekannt. Beispielsweise ist aus der
DE 198 05 115 A1 ein Abgasdiffusor mit einem vergleichsweise großen Öffnungswinkel von 10° und mehr
bekannt. Dieser eher große Öffnungswinkel wird erreicht, indem im Zentrum des Diffusorkanals
ein sich in Axialrichtung erstreckender Leitkörper zur Verlängerung einer ansonsten
kurzen Gasturbinennabe vorgesehen ist. Durch die Verwendung des Leitkörpers wird der
Abgasdiffusor als Ringdiffusor ausgebildet. Dadurch werden größere Gebiete von Rückströmungszonen
hinter der Gasturbinennabe vermieden, was sich vorteilhaft auf den Wirkungsgrad des
Abgasdiffusors auswirkt. Nachteilig ist jedoch, dass der Leitkörper vergleichsweise
lang ist und aufgrund seiner Länge deswegen durch zusätzliche Streben abgestützt werden
muss. Weiter sind die aerodynamischen Einflüsse der Lagerstreben unberücksichtigt.
[0003] Die bekannten kurzen Gasturbinennaben enden zumeist unmittelbar hinter dem turbinenseitigen
Lager des Gasturbinenrotors. Sie weisen jedoch besonders große Rückströmzonen auf.
Allerdings sind die kurzen Gasturbinennaben auch besonders preiswert.
[0004] Ferner ist aus der
EP 1 970 539 A1 ein Abgasdiffusor bekannt, der im Inneren ein zur Außenwand konzentrisches ringförmiges
Leitelement aufweist. Das Leitelement ist dabei derartig ausgestaltet, dass zwischen
Außenwand und Leitelement ein Düsenkanal ausgebildet ist, mit Hilfe dessen die wandnahe
Strömung beschleunigt werden kann. Dadurch ist es möglich, stromab des Leitelements
wandnahe Strömungsablösungen zu vermeiden. Eine Beeinflussung der Strömung im Zentrum
des Abgasdiffusors, wo Rückströmungen auftreten können, ist mit Hilfe des Leitelements
jedoch nicht möglich.
[0005] Weiter besteht das Bestreben, die hinter der Gasturbinennabe angeordnete Rückströmzone
nach Möglichkeit zu vermeiden bzw. deren Größe zu minimieren, damit selbst im Teillastbetrieb
der Gasturbine eine große Effizienz des Abgasdiffusors erreicht und eine große Betriebssicherheit
gewährleistet werden kann. Bei zu weit stromab reichenden Rückströmzonen besteht die
Gefahr, dass diese einen dem Abgasdiffusor nachgeordneten Kessel erreichen können,
was dessen Arbeitsweise signifikant verschlechtert. Auch im Falle von dort installierten
Nachbrennern würde dies zu einem Flammenrückschlag führen, wodurch der kombinierte
Betrieb von Gasturbinen und Nachbrennern stark eingeschränkt ist.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen raumsparenden Abgasdiffusor für eine
Gasturbine anzugeben, der unter Erzielung eines möglichst hohen Wirkungsgrads der
Gasturbine Strömungsablösungen und Rückströmzonen für jeden Betriebszustand der Gasturbine
vermeidet und einen sicheren Betrieb von der Gasturbine nachgeordneten Kesseln und
Nachbrennern für jeden Betriebszustand der Gasturbine gewährleistet. Weitere Aufgabe
der Erfindung ist es, dazu ein Verfahren zum Betrieb einer Gasturbine mit einem Abgasdiffusor
anzugeben.
[0007] Die auf einen Abgasdiffusor gerichtete Aufgabe wird mit einem Abgasdiffusor gemäß
den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
[0008] Die auf das Verfahren gerichtete Aufgabe wird mit einem Verfahren gemäß den Merkmalen
des Anspruchs 8 gelöst.
[0009] Der erfindungsgemäße Abgasdiffusor für eine Gasturbine weist eine ringförmige Außenwand
zur Führung der Diffusorströmung auf, in der ein zur Außenwand konzentrisch angeordnetes
ringförmiges Leitelement zur Beeinflussung der Diffusorströmung vorgesehen ist, wobei
eine radial nach innen gerichtete Fläche des Leitelements eine umlaufende, im Längsschnitt
konvexe Kontur zur Bildung eines Verdrängungselements aufweist und das Leitelement
axial zwischen zwei Positionen verschiebbar ist, derart, dass das Leitelement in einer
ersten Position eine Strömung zwischen Leitelement und Außenwand ermöglicht und in
einer zweiten Position eine Strömung zwischen Leitelement und Außenwand verhindert.
[0010] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Betreiben einer Gasturbine mit einem Abgasdiffusor
sieht vor, dass bei Vergrößerung des die Gasturbine durchströmenden Massenstroms das
Leitelement in Richtung der zweiten Position oder bis in die zweite Position und/oder
bei Verkleinerung des Massenstroms das Leitelement in Richtung der ersten Position
oder bis in die erste Position verschoben wird.
[0011] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass bei kleinen Massenströmen, wie
sie an heißen Tagen und bei Teillastbetrieb in der Gasturbine vorkommen, sich der
Hauptanteil des Massenstroms im Abgasdiffusor der Gasturbine nach außen hin, also
zur Außenwand hin, verlagert, so dass es zu einer sehr ausgeprägten und langen Rückstromzone
hinter der Nabe kommt. Bei großen Massenströmen, wie sie z.B. an kalten Tagen oder
bei Volllastbetrieb vorkommen, verlagert sich der Hauptanteil des Massenstroms eher
nach innen, also zur Nabe bzw. zum Zentrum hin. Dadurch reduziert sich der Anteil
der Strömung, welcher außenwandnah ist, was zur Strömungsablösung an der Außenwand
führen kann. Somit ist es insgesamt wünschenswert, die Massenstromverteilung innerhalb
des Abgasdiffusors zu vergleichmäßigen.
[0012] Zur Vergleichmäßigung muss jedoch je nach Betriebszustand der Gasturbine entweder
der Massenstrom mehr zur Außenwand hin verlagert werden oder zum Zentrum des Abgasdiffusors.
Um dies zu erreichen, kombiniert die Erfindung zwei Maßnahmen in nicht voraussehbarer
Weise. Zur Verschiebung des Massenstroms nach außen wird das Leitelement axial verschieblich
ausgestaltet, wodurch der Abstand zwischen Leitelement und Außenwand einstellbar wird.
Mit zunehmendem Abstand kann ein größerer Anteil der Strömung zur Außenwand hin umgelenkt
werden, was die Wahrscheinlichkeit einer wandnahen Strömungsablösung verringert. Zudem
weist das Leitelement an seiner nach innen gerichteten Fläche eine umlaufende, im
Längsschnitt konvexe Kontur zur Bildung eines Verdrängungselements auf. Dadurch erhält
die innere Kontur des ringförmigen Leitelements die Form einer Laval-Düse. Dies führt
dazu, dass die vom Leitelement eingefangene Diffusorströmung mehr zur Nabe bzw. zum
Diffusorzentrum hin umgelenkt wird. Dies gilt umso mehr, je größer der relative Flächenanteil
der Kreisöffnung des Leitelements ist in Bezug auf die positionsabhängige durchströmbare
Querschnittsfläche des Abgasdiffusors an sich. Bei dem in der zweiten Position angeordneten
Leitelement - das Leitelement liegt an der Außenwand an - entspricht die Querschnittsfläche
des Abgasdiffusors der Querschnittsfläche des Leitelements. Das Verhältnis ist somit
gleich 1. Durch axiales Verschieben des Leitelements in stromabwärtiger Richtung der
Abgasströmung nimmt der durchströmbare Querschnitt des Abgasdiffusors - an derjenigen
axialen Position, an der auch die Einström-Querschnittsfläche des Leitelements angesiedelt
ist - zu, wohingegen die Einström-Querschnittsfläche des Leitelements gleich bleibt.
Dadurch verkleinert sich der relative Anteil der Querschnittsfläche - das Verhältnis
sinkt unter 1 -, so dass die Wirkung der Einschnürung mit zunehmendem Abstand zwischen
Leitelement und Außenwand abnimmt, was auch gewünscht ist, da in diesem Fall der Anteil
der Strömung eher zur Außenwand hin verlagert werden soll, als zum Zentrum des Abgasdiffusors.
[0013] Der Erfindung liegt somit die unerwartete Erkenntnis zugrunde, dass trotz der Verwendung
einer nach innen gerichteten Einschnürung eine Stärkung der wandnahen Strömung möglich
ist. Demnach kann mit der erfindungsgemäßen Lösung der Wirkungsgrad des Abgasdiffusors
unabhängig von der Größe des Massenstroms verbessert werden, da aerodynamische Verluste,
die auf relativ großen Rückstromzonen zurückzuführen sind oder auf wandnahen Strömungsablösungen
basieren, weitgehend vermieden werden.
[0014] Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0015] Gemäß einer ersten vorteilhaften Ausgestaltung ist, wenn das Leitelement in der zweiten
Position angeordnet ist, das Verdrängungselement in demjenigen axialen Abschnitt des
Abgasdiffusors angeordnet, in dem ein im Zentrum des Abgasdiffusors angeordneter Nabenkörper
axial endet. Aufgrund des Endes des im Zentrum angeordneten Nabenkörpers entstehen
in dessen Strömungsschatten Rückstromzonen, die mit Hilfe der am Leitelement angeordneten
Einschnürung verkürzt werden können. Dazu ist es jedoch erforderlich, dass die Einschnürung
axial unmittelbar stromab des Endes des Nabenkörpers angesiedelt ist. Ein zu großer
axialer Abstand zwischen Ende des Nabenkörpers und der axialen Position der Einschnürung
muss vermieden werden, damit die Einschnürung die aerodynamisch gewünschten Effekte
- nämlich die Verdrängung eines Strömungsanteils zum Zentrum, d.h. zur Strömungsmitte
des Abgasdiffusors hin - auch erzielt.
[0016] Bevorzugt ist eine radial nach außen gerichtete Fläche des Leitelements an einem
Abschnitt der Außenwand flächig anlegbar. Durch die flächige Anlage des Leitelements
an der Außenwand wird wirksam eine minimale wandnahe Spaltströmung vermieden, da das
Leitelement besonders dicht an der Außenwand anliegt. In ihrer Größe zu kleine, und
damit wirkungslose Wandströmungen werden somit wirksam vermieden.
[0017] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist das Leitelement über von entlang
des Umfangs der Außenwand verteilten Rippen getragen. Diese Anordnung ermöglicht eine
einfache Konstruktion zum Tragen des Leitelements. Gemäß einer ersten Variante der
vorgenannten Ausgestaltung sind die Rippen starr an der Außenwand befestigt, wobei
an dem inneren Ende jeder Rippe ein Antrieb zur Axialverschiebung des Leitelements
vorgesehen ist. Zweckmäßigerweise sind dazu doppelseitig beaufschlagbare hydraulische
Kolben vorgesehen, mittels denen das Leitelement gegenüber den Rippen und somit auch
gegenüber der Außenwand axial verschoben werden kann. Diese erste Variante hat den
Vorteil, dass sowohl Rippen als auch Leitelement in ihren Abmaßen starr ausgebildet
sein können. D.h. weder der Durchmesser des Leitelements noch die Länge der Rippen
müssen variabel sein, um die Verschiebbarkeit des Leitelements gewährleisten zu können.
[0018] Gemäß einer zweiten Variante sind die Rippen jeweils an der Außenwand und am Leitelement
angelenkt, wobei die Drehachse der Gelenke sich in Tangentialrichtung des Abgasdiffusors
erstrecken. Diese Ausgestaltung bietet den Vorteil, dass der Antrieb zum axialen Verschieben
des Leitelements aus dem Strömungskanal des Abgasdiffusors in einen etwas kälteren
Bereich der Gasturbine verlagert wird, was die Anforderungen an den Antrieb hinsichtlich
der Temperaturbeständigkeit senkt. Da jedoch die Verwendung eines im Durchmesser konstanten
Leitelements bevorzugt ist, müssen für diesen Fall die Rippen in ihrer radialen Erstreckung
veränderbar sein. Zweckmäßigerweise sind die Rippen dann teleskopisch verfahrbar,
um deren Länge während der Verschiebung des Leitelements anzupassen.
[0019] Bevorzugtermaßen ist eine stationäre Gasturbine mit einem Abgasdiffusor vorgenannter
Ausgestaltungen ausgestattet.
[0020] Die Erfindung wird anhand eines Ausführungsbeispiels im Detail näher erläutert.
[0021] Es zeigen schematisch:
- FIG 1
- eine stationäre Gasturbine in einem Längs-/Teilschnitt,
- FIG 2
- den Abgasdiffusor einer stationären Gasturbine im Längsschnitt mit einem an der Außenwand
des Abgasdiffusors anliegenden Leitelement,
- FIG 3
- den Abgasdiffusor nach FIG 2, mit einem zur Außenwand beabstandeten Leitelement und
- FIG 4
- das Leitelement mit einem Antrieb zur Axialverschiebung des Leitelements.
[0022] FIG 1 zeigt eine Gasturbine 1 in einem Längsteilschnitt. Sie weist im Inneren einen
um eine Maschinenachse 2 drehgelagerten Rotor 3 auf, der auch als Turbinenläufer bezeichnet
wird. Entlang des Rotors 3 folgen aufeinander ein Ansauggehäuse 4, ein Verdichter
5, eine torusartige Ringbrennkammer 6 mit mehreren rotationssymmetrisch zueinander
angeordneten Brennern 7, eine Turbineneinheit 8 und ein Abgasgehäuse 9. Die Ringbrennkammer
6 umgibt einen Verbrennungsraum 17, der mit einem ringförmigen Heißgaskanal 16 verbunden
ist. Dort bilden vier hintereinander geschaltete Schaufelstufen 10 die Turbineneinheit
8. Jede Schaufelstufe 10 ist aus zwei Schaufelringen gebildet. In Strömungsrichtung
eines in der Ringbrennkammer 6 erzeugten Heißgases 11 gesehen, folgt im Heißgaskanal
16 jeweils einer Leitschaufelreihe 13 eine aus Laufschaufeln 15 gebildete Reihe 14.
Die Leitschaufeln 12 sind am Stator befestigt, wohingegen die Laufschaufeln 15 einer
Reihe 14 jeweils mittels einer Scheibe 19 am Rotor 3 angebracht sind. An dem Rotor
3 ist ein Generator oder eine Arbeitsmaschine (nicht dargestellt) angekoppelt.
[0023] Stromab der Turbineneinheit 8 schließt sich an den Heißgaskanal 16 das Abgasgehäuse
9 an. Das Abgasgehäuse 9 ist der einlaufseitige Teil eines Abgasdiffusors 20 der Gasturbine
1. Damit geht der Heißgaskanal 16 in den Strömungskanal 22 des Abgasdiffusors 20 über.
Die im Abgasgehäuse 9 angeordneten Rippen 24 stützen das turbinenseitige Ende des
Rotors 3 ab, wobei dieses von einem Nabenkörper 26 gekapselt ist. Der Nabenkörper
26 endet axial im Strömungskanal 22 und ist im Zentrum des Abgasdiffusors 20 angeordnet.
[0024] Die äußere Begrenzung des Abgasdiffusors 20 wird von einer Außenwand 28 gebildet,
die kreisförmig ausgebildet und konzentrisch zur Maschinenachse 2 angesiedelt ist.
Die Außenwand 28 erstreckt sich divergierend in Strömungsrichtung der Diffusorströmung
30, welches vor der Expansion in der Turbineneinheit 8 als Heißgas 11 bezeichnet ist.
[0025] Die FIG 2 zeigt einen Längsschnitt durch den einströmseitigen Abschnitt des Abgasdiffusors
20. Im axialen Abschnitt, in dem der Nabenkörper 26 axial endet, ist ein in Axialrichtung
verschiebliches Leitelement 32 angeordnet. Die nach außen gerichtete Fläche des Leitelements
32 weist dabei die gleiche Konizität auf, wie die Außenwand 28, so dass das Leitelement
32 flächig an der Außenwand 28 anliegt. Die nach innen gewandte Fläche 34 des Leitelements
32 weist eine umlaufende, im Längsschnitt konkave Kontur zur Bildung eines Verdrängungselements
auf. Die Kontur ist dabei so ausgebildet, dass der vom ringförmigen Leitelement 32
umgriffene Strömungsquerschnitt nach Art einer Laval-Düse ausgebildet ist. Mit anderen
Worten: ein einströmseitiger Strömungsquerschnitt des Leitelements 32 ist größer als
ein minimaler Strömungsquerschnitt des Leitelements 32, wobei der austrittsseitige
Strömungsquerschnitt größer ist als der einströmseitige Strömungsquerschnitt. Der
minimale Strömungsquerschnitt ist axial zwischen dem einströmseitigen Strömungsquerschnitt
und dem ausströmseitigen Querschnitt angesiedelt. Der jeweilige Strömungsquerschnitt
liegt stets senkrecht zur Maschinenachse 2.
[0026] In FIG 3 ist der identische Abschnitt des Abgasdiffusors 20 wie in FIG 2 dargestellt,
lediglich das Leitelement 32 ist gegenüber der in FIG 2 dargestellten Position in
Axialrichtung verschoben. Das Leitelement 32 befindet sich gemäß FIG 3 nun stromab
von der in FIG 2 gezeigten Position. Die in FIG 3 gezeigte Position des Leitelements
32 wird als erste Position des Leitelements 32 und die in FIG 2 gezeigte Position
des Leitelements 32 als zweite Position bezeichnet.
[0027] Durch die Verschiebung des Leitelements 32 in stromabwärtiger Richtung entsteht zwischen
der inneren Fläche der Außenwand 28 und der nach außen gewandten Fläche des Leitelements
32 eine ringförmige Strömungspassage 36, durch die ein Teil der Diffusorströmung 30
strömen kann.
[0028] Im Betrieb der mit einem Abgasdiffusor 20 der gezeigten Art ausgestatteten Gasturbine
1 können folgende Zustände auftreten: Bei variierenden Umgebungsbedingungen und bei
Teillastbetrieb wird die Gasturbine 1 von eher kleineren Massenströmen an Heißgas
11 bzw. Abgas 30 durchströmt. Aufgrund des kleineren Massenstroms verlagert sich ein
Hauptanteil der Abgasströmung nach außen, so dass es bisher zu einer sehr ausgeprägten
und langen Rückstromzone hinter dem Nabenkörper 26 kam. Erfindungsgemäß ist nun vorgesehen,
dass das Leitelement 32 in die zweite Position verfahren wird. Dadurch befindet sich
die Einschnürung vergleichsweise nahe am Nabenkörper 26. Dies bewirkt, dass das Abgas
30 in Richtung der Mittelachse 2 verstärkt abgelenkt wird (30'), was das Rückstromgebiet
im axialen Abschnitt hinter dem Nabenkörper 26 signifikant verkleinert. Dies reduziert
aerodynamisch Verluste, erhöht den Druckrückgewinn und vergleichmäßigt das Geschwindigkeits-
und Strömungsprofil im Abgasdiffusor 20.
[0029] Während eines anderen, zweiten Zustands, der beispielsweise an kalten Tagen und bei
Volllast vorkommt, wird die Gasturbine von einem vergleichsweise großen Massenstrom
durchströmt. In diesem Fall wird das Leitelement 32 in Axialrichtung in eine erste
Position verschoben. Durch die Verschiebung nimmt die relative Versperrung des Strömungsquerschnitts
des Abgasdiffusors 20 aufgrund des Leitelements 32 ab. Des Weiteren entsteht auf diese
Weise die ringförmige Strömungspassage 36 zwischen der Außenwand 28 und der Außenfläche
des Leitelements 32. Die Strömung durch diese Passage 36 führt stromab des Leitelements
32 zu einem Wandstrahl, der das für diesen Betriebszustand erhöhte Risiko der Strömungsablösung
an der Außenwand 28 reduziert.
[0030] Auch dies verhindert aerodynamische Verluste im Abgasdiffusor 20, was zu einem erhöhten
Druckrückgewinn führt. Folglich ist vorgesehen, dass bei Vergrößerung des Massenstroms
das Leitelement 32 in Richtung der zweiten Position oder bis in die zweite Position
(bis zum Anliegen an die Außenwand 28) und/oder bei Verkleinerung des Massenstroms
das Leitelement 32 in Richtung der ersten Position oder bis in die erste Position
(Leitelement 32 zur Außenwand 28 beabstandet) verschoben wird. Die Verschiebung des
Leitelements 32 erfolgt stets parallel zur Maschinenachse 2.
[0031] Aufgrund der Tatsache, dass das Leitelement 32 lediglich in Axialrichtung verschoben
wird, ist es möglich, dieses als Ring mit konstantem Durchmesser auszugestalten.
[0032] FIG 4 zeigt ein Detail zum Antrieb des axial verschieblichen Leitelements 32. Das
Leitelement 32 ist über mehrere entlang des Umfangs des Abgasdiffusors 20 verteilte
Rippen 40 gehalten. Jede der Rippen 40 ist starr an der Außenwand 28 befestigt, was
aber in FIG 4 nicht dargestellt ist. Die Rippen 40 ragen strahlenförmig in den Strömungskanal
22 hinein. Als Verstelleinrichtung sind an einem inneren Ende 42 der Rippen 40 jeweils
Hydraulikzylinder 45 vorgesehen, deren in Axialrichtung verschiebbare Kolben 46 mit
dem Leitelement 32 befestigt sind. Durch die Beaufschlagung mit Hydrauliköl kann der
Kolben 46 in Axialrichtung bewegt werden, was zur Verschiebung des Leitelements 32
in gleicher Richtung führt. Sofern erforderlich, kann aufgrund der vergleichsweise
hohen Abgastemperaturen eine Kühlung der Verstelleinrichtung und der Zuführungsleitungen
für Hydrauliköl zweckmäßig sein.
[0033] Mit der Erfindung wird ein Abgasdiffusor 20 für eine Gasturbine 1 angegeben, die
eine ringförmige Außenwand 28 zur Führung der Diffusorströmung 30 aufweist, in der
ein zur Außenwand 28 konzentrisch angeordnetes ringförmiges Leitelement 32 zur Beeinflussung
der Diffusorströmung 30 vorgesehen ist. Um die aerodynamische Wirkung des Abgasdiffusors
20 zu verbessern und diesen gleichzeitig für mehrere Betriebszustände der Gasturbine
optimal einzustellen, wird vorgeschlagen, dass das Leitelement 32 eine radial nach
innen gerichtete Fläche 34 aufweist, die eine umlaufende, im Längsschnitt konvexe
Kontur zur Bildung eines Verdrängungselements aufweist und dass das Leitelement 32
axial zwischen zwei Positionen verschiebbar ist, derart, dass das Leitelement 32 in
einer ersten Position eine Strömung zwischen Leitelement 32 und Außenwand 28 ermöglicht
und in einer zweiten Position eine Strömung zwischen Leitelement 32 und Außenwand
28 weitgehend verhindert. Weiter wird ein Verfahren zum Betreiben einer Gasturbine
1 angegeben, bei dem zur Verringerung der aerodynamischen Verluste und Erhöhung des
Druckrückgewinns bei Vergrößerung des Massenstroms das Leitelement 32 in Richtung
der zweiten Position oder bis in die zweite Position und/oder bei Verkleinerung des
Massenstroms das Leitelement 32 in Richtung der ersten Position oder bis in die erste
Position verschoben wird.
1. Abgasdiffusor (20) für eine Gasturbine (1),
mit einer ringförmigen Außenwand (28) zur Führung der Diffusorströmung (30), in der
ein zur Außenwand (28) konzentrisch angeordnetes ringförmiges Leitelement (32) zur
Beeinflussung der Diffusorströmung (30) vorgesehen ist, wobei das Leitelement (32)
axial zwischen zwei Positionen verschiebbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass eine radial nach innen gerichtete Fläche (34) des Leitelements (32) eine umlaufende,
im Längsschnitt konvexe Kontur zur Bildung eines Verdrängungselements aufweist und
dass das Leitelement (32) in einer ersten Position eine Strömung zwischen Leitelement
(32) und Außenwand (28) ermöglicht und in einer zweiten Position eine Strömung zwischen
Leitelement (32) und Außenwand (28) verhindert.
2. Abgasdiffusor (20) nach Anspruch 1,
bei dem, wenn das Leitelement (32) in der zweiten Position angeordnet ist, das Verdrängungselement
in demjenigen axialen Abschnitt des Abgasdiffusors (20) angeordnet ist, in dem ein
im Zentrum des Abgasdiffusors (20) angeordneter Nabenkörper (26) axial endet.
3. Abgasdiffusor (20) nach Anspruch 2,
bei dem eine radial nach außen gerichtete Fläche des Leitelements (32) an einen Abschnitt
der Außenwand (28) flächig anlegbar ist.
4. Abgasdiffusor (20) nach einem der vorangehenden Ansprüche,
bei dem das Leitelement (32) über eine Anzahl von entlang des Umfangs der Außenwand
(28) verteilten Rippen (40) getragen ist.
5. Abgasdiffusor (20) nach Anspruch 4,
bei dem die Rippen (40) starr an der Außenwand (28) befestigt sind und an einem inneren
Ende (42) zumindest einer der Rippen (40) ein Antrieb zur Axialverschiebung des Leitelements
(32) vorgesehen ist.
6. Abgasdiffusor (20) nach Anspruch 4,
bei dem die Rippen an der Außenwand (28) und am Leitelement (32) jeweils angelenkt
sind, wobei die Drehachse der Gelenke sich in Tangentialrichtung des Abgasdiffusors
(20) erstrecken.
7. Gasturbine (1) mit einem Abgasdiffusor (20) nach einem der vorangehenden Ansprüche.
8. Verfahren zum Betreiben einer Gasturbine (1),
mit einer Gasturbine (1) nach Anspruch 7,
die von einem Massenstrom variabler Größe durchströmt wird, dadurch gekennzeichnet, dass
bei Vergrößerung des Massenstroms das Leitelement (32) in Richtung der zweiten Position
oder bis in die zweite Position und/oder
bei Verkleinerung des Massenstroms das Leitelement (32) in Richtung der ersten Position
oder bis in die erste Position verschoben wird.