[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Überwachungsgerät für ein Straßenmautsystem
mit einer Funkbake, die Positionsdatenfolgen von Fahrzeuggeräten in ihrem Sendeempfangsbereich
empfängt und daraus anhand zumindest eines gespeicherten Ortsdatensatzes mautpflichtiger
Geoobjekte Mautinformationen berechnet und an eine Mautzentrale sendet und den Ortsdatensatz
auch in ihrem Sendeempfangsbereich aussendet.
[0002] Moderne Straßenmautsysteme folgen in ihren Funktionen, Rollenverteilungen und Schnittstellen
den im Standard ISO 17573, "Road Transport and Traffic Telematics - Electronic Fee
Collection - System Architecture for Vehicle Related Transport Services", definierten
Prinzipien. Danach gibt es derzeit im wesentlichen zwei grundlegende Arten von Systemen:
- "Infrastrukturgebundene" Systeme, z.B. DSRC-Mautsysteme (dedicated short range communication),
bei denen eine straßenseitige Infrastruktur (roadside equipment, RSE), beispielsweise
DSRC-Funkbaken, die OBUs lokalisiert und vermautet; und
- "infrastrukturlose" Systeme wie GNSS-Mautsysteme (global navigation satellite systems),
bei welchen sich die OBUs autark selbst lokalisieren und entweder "rohe" Positionsdaten
(als sog. "thin clients") oder daraus auf Grundlage von Mautkarten "fertig" berechnete
Mautinformationen (als sog. "thick clients") über ein Mobilfunknetz (cellular network,
CN) an die Mautzentrale senden.
[0003] Infrastrukturgebundene Mautsysteme erreichen eine hohe Vermautungssicherheit, benötigen
dazu jedoch eine umfangreiche straßenseitige Infrastruktur, um OBUs flächendeckend
lokalisieren zu können, weil sich die Ortsauflösung der Lokalisierung aus der Größe
der Sendeempfangsbereiche und Anzahl der Baken ergibt. Infrastrukturlose Mautsysteme
haben anderseits aufgrund der Selbstlokalisierungsfähigkeit der OBUs eine prinzipiell
unbegrenzte Flächenabdeckung, erfordern jedoch bei "thin client"-Systemen eine enorme
Rechenleistung (Serverfarm) in der Mautzentrale, um aus den rohen Positionsdaten der
OBUs Mautinformationen zu erzeugen, oder bei "thick client"-Systemen entsprechend
aufwendige OBUs, welche die gesamten Mautkarten des Mautabdeckungsgebiets aufnehmen
und verarbeiten können, was auch eine entsprechend aufwendige Verteilung und Aktualisierung
der Mautkarten über das Mobilfunknetz voraussetzt. Dieser Datenverkehr ist bandbreitenverzehrend
und nicht zuletzt kostspielig für den Benutzer.
[0004] Die in der Stammanmeldung der vorliegenden Teilanmeldung beanspruchte Erfindung setzte
sich zum Ziel, Lösungen zu schaffen, welche die Vorteile der bekannten Systeme vereinen,
ohne deren jeweilige Nachteile zu übernehmen. Dazu wurden in der Stammanmeldung u.a.
neuartige Funkbaken vorgeschlagen, welche lokale Mautkarten in Form von Ortsdatensätzen
mautpflichtiger Geoobjekte ihrer lokalen Umgebung an passierende "thick client"-OBUs
für deren autarke Mautinformationsberechnung verteilen, aber auch selbst für die Berechnung
von Mautinformationen aus von "thin client"-OBUs empfangenen rohen Positionsdaten
verwenden. Die in der vorliegenden Teilanmeldung beanspruchte Erfindung setzt sich
zum Ziel, eine Vorrichtung zur Überprüfung der korrekten Funktion von "thin-client"-OBUs
in einem solchen Szenario zu schaffen.
[0005] Dieses Ziel wird mit einem Überwachungsgerät der einleitend genannten Art erreicht,
das erfindungsgemäß dazu ausgebildet ist, Bewegungen von Fahrzeuggeräten zu detektieren
und auf Grundlage eines von einer Bake empfangenen Ortsdatensatzes und der detektierten
Bewegungen von Fahrzeuggeräten in der lokalen Umgebung dieser Bake die von der Bake
erzeugten Mautinformationen zu überprüfen.
[0006] Auf diese Weise kann die korrekte Funktion von "thin-client"-OBUs im Zusammenspiel
mit Funkbaken der Stammanmeldung, die neben ihrer Mautkarten-Verteilungsfunktion für
solche "thick client"-OBUs auch dezentrale "map matching"-Funktionen für "thin client"-OBUs
ausführen, direkt vor Ort gegen die realen Fahrtbewegungen der "thin client"-OBUs
gegengeprüft werden.
[0007] Bevorzugt ist das Überwachungsgerät dafür ausgebildet, den Ortsdatensatz über Kurzreichweiten-Funkkommunikation
von der Bake zu empfangen, besonders bevorzugt nach dem DSRC-, WAVE-oder WLAN-Standard,
so dass hiefür dieselbe Funkschnittstelle verwendet werden kann, über welche die Funkbaken
auch mit den OBUs kommunizieren.
[0008] Unter "Kurzreichweiten"-Funkkommunikationen werden in der vorliegenden Beschreibung
Funkentfernungen (Zellradien) von bis zu einigen Kilometern verstanden.
[0009] Eine besonders vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung zeichnet sich dadurch aus,
dass das Überwachungsgerät bei negativem Überprüfungsergebnis weitere Maßnahmen veranlasst,
und zwar Foto- oder Videoaufnahmen und/oder die Aufnahme und Speicherung von Daten
des Fahrzeuggeräts.
[0010] Die Erfindung wird nachstehend anhand eines in den beigeschlossenen Zeichnungen dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert. In den Zeichnungen zeigt
Fig. 1 eine ausschnittsweise und schematische Draufsicht eines Straßenmautsystems,
welches erfindungsgemäße Überwachungsgeräte umfasst;
Fig. 2 ein Blockschaltbild eines Fahrzeuggeräts des Straßenmautsystems von Fig. 1;
und
Fig. 3 ein Sequenzdiagramm eines Verfahrens, das in dem Straßenmautsystem von Fig.
1 abläuft.
[0011] In Fig. 1 ist ausschnittsweise ein Straßenmautsystem 1 mit einer Mautzentrale (central
system, CS) 2 und einer Vielzahl daran über Verbindungen 2' angeschlossener, geographisch
verteilter Kurzreichweiten-Funkbaken (kurz "Baken") 3 gezeigt.
[0012] Die Baken 3, von denen hier stellvertretend drei Baken RSE
1, RSE
2, RSE
3 (allgemein RSE
i) gezeigt sind, haben jeweils einen lokal begrenzten Sendeempfangsbereich S
1, S
2, S
3 (allgemein S
i), innerhalb dessen sie mit Fahrzeuggeräten bzw. OBUs 4 kommunizieren können. Zu diesem
Zweck sind die OBUs 4 mit entsprechenden Kurzreichweiten-Sendeempfängern 5 (Fig. 2)
zur Funkkommunikation mit den Baken 3 ausgestattet. Die Kurzreichweiten-Funkkommunikation
zwischen den Baken 3 und den OBUs 4 erfolgt bevorzugt nach dem DSRC-, WAVE- oder WLAN-Standard.
[0013] Die OBUs 4 werden von Fahrzeugen 6 mitgeführt, welche sich auf Verkehrsflächen 7,
z.B. Straßen, Autobahnen, Parkplätzen, Parkhäusern usw., des Abdeckungsgebiets 8 des
Straßenmautsystems 1 bewegen.
[0014] Das Abdeckungsgebiet 8 des Straßenmautsystems 1 ist in eine Vielzahl aneinandergrenzender
lokaler Umgebungen U
0, U
1, U
2, U
3, U
4 (allgemein U
i) aufgeteilt, denen jeweils eine der Baken 3 zugeteilt ist. Die lokale Umgebung U
i einer Bake 3 ist bevorzugt größer als ihr Sendeempfangsbereich S
i. Geographische Objekte o
ij im Abdeckungsgebiet 8 des Straßenmautsystems 1, deren Ortsbenützung durch ein Fahrzeug
6, genauer dessen OBU 4, vergebührt ("vermautet") werden soll, sog. mautpflichtige
Geoobjekte, verteilen sich dementsprechend auf die lokalen Umgebungen U
i. Jede Bake 3 ist damit für die Vermautung der Geoobjekte O
ij in ihrer Umgebung U
i zuständig.
[0015] Die mautpflichtigen Geoobjekte O
ij können beliebiger Art sein. In Fig. 1 sind einige Beispiele gezeigt, wie Straßenabschnitte
O
11, O
12 und O
21, deren Befahren vermautet werden soll, ein Parkplatz O
23, dessen Benützungszeit vergebührt werden soll, und ein Schranken O
22, dessen Passieren mautpflichtig ist.
[0016] Wie in Fig. 2 im Detail gezeigt, ist jede OBU 4 mit einer Einrichtung 9 zu ihrer
autarken Positionsbestimmung ausgestattet. Die Einrichtung 9 ist bevorzugt ein Satellitennavigationsempfänger,
z.B. GPS-Empfänger, welcher fortlaufend seine Position in einem globalen Satellitennavigationssystem
ermittelt und daraus eine Abfolge ("track") t von Positionsdaten ("position fixes")
p
1, p
2, ... erzeugt, die in einem ersten Speicher 10 der OBU 4 aufgezeichnet wird. Der Speicher
10 ist bevorzugt ein Ringspeicher, der jeweils nur die zuletzt ermittelten Positionsdaten
p
i enthält.
[0017] Zurückkehrend auf Fig. 1 stellt jede Bake 3 in einem lokalen Speicher 11 die Ortsdaten
der Geoobjekte o
ij ihrer Umgebung U
i als ein Ortsdatensatz m
i für passierende OBUs 4 bereit. Der Ortsdatensatz m
i wird lokal in die Bake 3 eingepflegt oder zentral von der Mautzentrale 2 über die
Verbindungen 2' an die Baken 3 verteilt. Bevorzugt enthält jede Bake 3 zusätzlich
zu ihrem eigenen Ortsdatensatz m
i auch die Ortsdatensätze einer oder mehrerer angrenzender Umgebungen U
i, wie hier z.B. die Bake RSE
2 für die Ortsdatensätze m
1 und m
3 der benachbarten Umgebungen U
1 und U
3.
[0018] Wenn eine OBU 4 in den Sendeempfangsbereich S
i einer Bake 3 gelangt, sendet die Bake 3 die in ihrem Speicher 11 bereitgestellten
Ortsdatensätze m
i an die OBU 4, welche diese über ihren Sendeempfänger 5 empfängt und in einem zweiten
Speicher 12 speichert. Auch der zweite Speicher 12 ist bevorzugt ein Ringspeicher,
welcher nur die zuletzt empfangenen Ortsdatensätze m
i aufnimmt.
[0019] Die OBU 4 vergleicht daraufhin die im Speicher 10 aufgezeichnete Positionsdatenfolge
t mit den empfangenen Ortsdatensätzen m
i im Speicher 12 auf geographische Ähnlichkeit bzw. Zuordenbarkeit ("map maching",
Block 14), um daraus Mautinformationen tc ("toll charge") zu erzeugen.
[0020] Die in der OBU 4 erzeugten Mautinformationen tc werden über den Sendeempfänger 5
an eine Bake 3 abgesetzt, und zwar entweder an dieselbe Bake 3, wenn sich die OBU
4 noch in deren Sendeempfangsbereich S
i befindet, oder zu einem späteren Zeitpunkt an eine nächste Bake 3, in deren Sendeempfangsbereich
S
i die OBU 4 auf ihrem Weg gelangt.
[0021] Bei dem "map matching"-Vergleich 14 werden bevorzugt auch Gebühreninformationen berücksichtigt,
welche gemeinsam mit den Ortsdatensätzen m
i von den Baken 3 empfangen wurden, z.B. geoobjekt- und/oder OBU-spezifische oder OBU-Einstellungsspezifische
Mautgebühren.
[0022] Fig. 3 zeigt den Ablauf des Verfahrens noch einmal im Detail. In einem ersten Schritt
a) werden in den Baken 3 ein oder mehrere Sätze m
i mit Ortsdaten mautpflichtiger Geoobjekte o
ij der jeweiligen Umgebung U
i einer Bake 3 bereitgestellt, beispielsweise durch Empfangen von der Mautzentrale
2 über die Verbindungen 2'.
[0023] In einem Schritt b) zeichnet eine OBU 4 eine erste Folge t
1 von Positionsdaten {p
1, p
2, p
3, ...} in ihrem Speicher 10 auf. Sobald die OBU 4 in den Sendeempfangsbereich S
1 einer ersten Bake 3, hier RSE
1, gelangt, empfängt sie von dieser - nach entsprechendem Handshake ("connect") - in
einem Schritt c) den Ortsdatensatz m
1 der Bake RSE
1 und - optional - die Ortsdatensätze m
0, m
2 der benachbarten Umgebungen U
0, U
2.
[0024] In einem anschließenden Schritt d) führt die OBU 4 einen Vergleich zwischen der aufgezeichneten
Positionsdatenfolge t
1 und dem bzw. den empfangenen Ortsdatensätzen m
0, m
1, m
2 durch ("map matching"-Block 14), gegebenenfalls unter Berücksichtigung von geoobjekt-
und/oder OBU-(Einstellungs)-spezifischen Gebühreninformationen, die zusammen mit den
Ortsdatensätzen m
i empfangen wurden, und erzeugt daraus Mautinformationen tc
1. Die Mautinformationen tc
1 werden in einem darauffolgenden Schritt e) über den Sendeempfänger 5 der OBU 4 und
über die nächstverfügbare Bake 3, hier noch die Bake RSE
1, an die Mautzentrale 2 abgesetzt.
[0025] Nach Erzeugung der ersten Mautinformationen tc
1 kann der Ringspeicher 10 gelöscht und mit der Aufzeichnung der Positionsdaten p
i neu begonnen werden, um eine nächste Positionsdatenfolge t
2{p
1,p
2,...} aufzuzeichnen.
[0026] Sobald die OBU 4 dann in den Sendeempfangsbereich S
2 einer nächsten Bake 3, hier RSE
2, auf ihrem Weg gelangt, werden wieder die Schritte c) und d) durchgeführt. Wie in
Fig. 3 gezeigt, können die erzeugten zweiten Mautinformationen tc
2 über eine der nächsten Baken 3 auf dem Weg, hier die Bake RSE
3, an die Mautzentrale 2 abgesetzt werden, z.B. wenn der Sendeempfangsbereich S
2 der zweiten Bake RSE
2 während des Schritts d) bereits verlassen wurde.
[0027] Die Ortsdatensätze m
i der Baken 3 werden auch (stationären oder mobilen) Überwachungsgeräten 15 des Straßenmautsystems
1 zur Verfügung gestellt, u.zw. bevorzugt durch direktes Senden von den Baken 3 über
die genannte Kurzreichweiten-Funkkommunikation. Die Überwachungsgeräte 15 sind in
herkömmlicher Art und Weise befähigt, die Bewegungen von Fahrzeugen 6 mit Fahrzeuggeräten
4 in ihrer Nähe zu detektieren bzw. zu erfassen, beispielsweise mittels Foto- oder
Videoüberwachung, Lichtschranken, Radar- oder Laserscannern usw. Die Überwachungsgeräte
15 überprüfen auf Grundlage des bzw. der Ortsdatensätze m
i einer Bake 3 und der detektierten Fahrzeugbewegungen in der Umgebung U
i der Bake 3 die von den Fahrzeuggeräten 4 erzeugten Mautinformationen tc
i und können so im Falle einer Divergenz, z.B. einer Fehlfunktion oder eines Mautvergehens,
weitere Maßnahmen veranlassen, beispielsweise eine Foto- oder Videoaufnahme des Fahrzeugs
6 und/oder eine Registrierung und Speicherung von Daten des Fahrzeuggeräts 4.
[0028] Neben den geschilderten "thick client"-OBUs 4 umfasst das Mautsystem 1 auch "thin
client"-OBUs, welche ihre Positionsdatenfolgen t
i direkt an eine Bake 3 senden, damit diese daraus anhand ihrer Ortsdatensätze m
i die Mautinformationen tc
i erzeugt. Die Überwachungsgeräte 15 sind in diesem Fall dazu ausgebildet, auf Grundlage
der von einer Bake empfangenen Ortsdatensätze m
i und der detektierten Bewegungen der OBUs in der lokalen Umgebung U
i einer Bake die von dieser Bake 3 erzeugten Mautinformationen tc
i zu überprüfen.
[0029] Die Erfindung ist nicht auf die dargestellten Ausführungsformen beschränkt, sondern
umfasst alle Varianten und Modifikationen, die in den Rahmen der angeschlossenen Ansprüche
fallen.