[0001] Die Erfindung betrifft eine Lackieranlage mit einem Stetigförderer, insbesondere
eine Pulverbeschichtungsanlage gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Bei der Lackierung diverser Produkte erfolgt nach der Grundierung eine Decklackierung
mittels elektrostatischer Pulverbeschichtung. Die Pulverbeschichtung wird meist in
einer eigens dafür vorgesehenen Pulverbeschichtungskabine durchgeführt. Bei einfarbigen
Produkten kann die Beschichtung meist in einfachen Kabinen aus Stahl oder Kunststoff
durchgeführt werden. In seltenen Fällen bestehen die Wände der Kabinen auch aus Glas
wegen der geringeren Anhaftung des Pulvers an Glas gegenüber Stahl. Das Pulver, das
nicht auf dem zu beschichtenden Produkt aufgetragen wurde (Overspray) wird am Boden
mittels geeigneter Bodenformgebung, Absaugungen, Farbaustragbändern, Bodenschiebern
usw. gesammelt und einem Pulverkreislauf wieder zugeführt.
[0003] Sollen mehrere Farben in diesen Kabinen beschichtet werden, so erfolgt dies heute
in so genannten Schnellfarbwechselkabinen. Diese Schnellfarbwechselkabinen sind auf
einen äußerst kurzen Farbwechsel ausgerichtet. Die Schnellfarbwechselkabinen finden
häufig Anwendung in Power & Free-Anlagen.
[0004] Mehrere Schnellfarbwechselkabinen sind hier parallel angeordnet und die Fördertechnik
ist so gestaltet, dass die Produkte je nach dem zu beschichtenden Farbton flexibel
in die richtige dafür vorgesehene Pulverkabine eingefördert und dort beschichtet werden
können. Vor den einzelnen Pulverkabinen befinden sich zudem meist Power & Frei-Speicher
in der Fördertechnik, in denen die Produkte zum Ausgleich von unterschiedlichen Beschichtungsgeschwindigkeiten
oder zur Überbrückung des Farbwechsels aufgepuffert werden können.
[0005] In der
DE 40 30 608 A1 wird beschrieben, dass nach einer vorbekannten Lösung ein Power & Free-Förderer verwendet
wird. Dabei handelt es sich um eine Antriebskette zum Transport der Teile, die eine
Verzweigung erlaubt, so dass zwei Systeme bzw. Kabinen in verschiedenen Räumen untergebracht
sind. Im Verlauf der Antriebskette sind Weichen vorgesehen. Durch eine Umschaltung
dieser Weichen erfolgt der Wechsel von einem zum anderen System. Die zu beschichtenden
Produkte werden also durch Umschalten der Weichen wahlweise einer der beiden Kabinen
zugeführt. Derartige Systeme sind jedoch sehr aufwändig und störanfällig sowie sehr
kostenintensiv.
[0006] Bei Stetigförderern, den so genannten Kreisförderanlagen, müssen die Produkte der
Reihenfolge nach durch die Pulverbeschichtungsanlage transportiert werden. Ein Ausscheren
oder Verlassen der Förderlinie ist daher nicht möglich. Aus diesem Grund sind diese
Anlagen überwiegend für den Einfarbenbetrieb vorgesehen. Um dennoch einen Farbwechsel
während der weiteren Produktion zu ermöglichen, wird eine zusätzliche Pulverkabine
vorgesehen. Diese Pulverkabine befindet sich nun auf Schienen und ist somit verfahrbar.
Werden mehrere Farbtöne beschichtet, sind meist mehrere verfahrbare Pulverkabinen
vorhanden, die abwechselnd in den unterschiedlichen Farben beschichten. Um den Verfahrweg
zu minimieren, sind diese Pulverkabinen in Querrichtung verfahrbar. Beim Farbwechsel
und der damit verbundenen Kabinenreinigung werden die Kabinen beiseite geschoben und
aus dem Eingriff genommen. Seltener werden zwei Pulverkabinen auf einen Drehteller
aufgestellt. Bei Bedarf wird durch die Drehung diese Tellers die eine Pulverkabine
aus dem Eingriff in der Fördertechnik genommen, während die andere Kabine nun für
die Beschichtung zur Verfügung steht.
[0007] Alle Verfahren mit Kreisförderern haben den Nachteil, dass zumindest über die Gesamtlänge
der Pulverkabine sich auf dem Kreisförderer keine zu beschichtenden Produkte befinden
dürfen und/oder der Kreisförderer angehalten werden muss, was eine Verringerung im
Durchsatz der Lackieranlage bedeutet.
[0008] In der
DE-OS 2555067 wird beispielsweise eine Anlage beschrieben, mit der bei geringem Zeitaufwand ein
schneller Farbwechsel ermöglicht werden soll. Zur Reinigung der Kabine muss der Beschichtungsvorgang
allerdings unterbrochen werden.
[0009] Aus der
DE 31 40 454 A1 ist eine Kabine zum elektrostatischen Auftragen pulverförmiger Stoffe wie Farben
usw. mit vorwiegend an einer Hängebahn durchlaufendem Werkstücke bekannt, die durch
eine drehbare bzw. schwenkbare Ausgestaltung der Kabinenrückwand einen raschen Farbwechsel
ermöglicht.
[0010] Um eine Pulverbeschichtungsanlage zu schaffen, die bei einem Farbwechsel mit geringer
Unterbrechung weiter betrieben werden kann, sind in der
DE 40 30 608 A1 auf einem um eine vertikale Achse drehbaren Drehteller zwei vollständige Kabinen
angeordnet.
[0011] In der
DE 102 30 595 A1 wird eine Vorrichtung zur Sprühbeschichtung von Werkzeugen, insbesondere zur Pulverbeschichtung
beschrieben, bei der an Stelle einer geschlossenen Pulverbeschichtungseinrichtung
eine wechselseitige Anordnung von Sprühständen beiderseits einer Transporteinrichtung
(Kreisförderer) eingesetzt wird, wobei jeder der Sprühstände revolvierbare Kabinensegmente
aufweist, die wechselweise einsetzbar sind. Bevorzugt sind die Sprühstände in Transportrichtung
der Werkstücke beiderseits der Transporteinrichtung sowie voneinander beabstandet
angeordnet.
[0012] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine Lackieranlage mit einem Stetigförderer,
insbesondere eine Pulverbeschichtungsanlage zu schaffen, die besonders einfache und
schnelle Farbwechsel ohne zwischengeschaltete Reinigungszyklen und ohne Unterbrechung
der Produktion, d. h. ohne Durchsatzverlust ermöglicht.
[0013] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen der Erfindung sind in den zugehörigen Ansprüchen enthalten. Demgemäß
umfasst die Erfindung eine Lackieranlage zur Lackierung von Produkten, insbesondere
Pulverbeschichtungsanlage, mit wenigstens einer Transporteinrichtung zur kontinuierlichen
Zuführung zu lackierender Produkte, mit wenigstens einer Lackiereinrichtung, die sich
mit der Transporteinrichtung in einem funktionalen Zusammenhang befindet und die Lackiereinrichtung
längs der Transportrichtung der Produkte von einer Lackierposition in mindestens eine
Reinigungsposition verfahrbar ist, wobei die Transporteinrichtung vor und/oder nach
der Lackiereinrichtung eine Niveauänderung in Form einer Steigung und/oder eines Gefälles
aufweist. Besonders bevorzugt ist dabei vorgesehen, dass die Lackiereinrichtung als
Kabine ausgebildet ist und an der Stirn- und Oberseite aufgrund einer Mechanik automatisch
vergrößerbare Öffnungen für die Durchleitung der Produktaufhängungen der Transporteinrichtung
aufweist. Vorteilhaft ist die Transporteinrichtung als Stetigförderer, insbesondere
als Kreisförderer ausgebildet und mit einer Vielzahl von Aufhängungen für zu lackierenden
Produkte versehen.
[0014] Die Erfindung wird nachstehen anhand eines in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Schematische Darstellung einer Lackieranlage,
- Fig. 2
- eine Frontansicht einer Lackiereinrichtung (Kabine),
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung einer Lackieranlage mit zusätzlicher statischer Kabine,
- Fig. 4
- eine mögliche Anlagenaufstellung mit einem Verschiebebahnhof 10.
[0015] In der Fig. 1 ist eine Lackieranlage 1 mit einer in Längsrichtung verfahrbarer Lackiereinrichtung
bzw. Kabine 2 dargestellt. Der Pfeil F gibt die Förderrichtung der Transporteinrichtung
an. Die Transporteinrichtung ist als Stetigförderer, vorzugsweise als Kreisförderer
3 ausgebildet. Die zu beschichtenden Produkte sind mit dem Bezugszeichen 5 bezeichnet.
Mit A wird die Beschichtungsposition und mit B bzw. C werden die Reinigungspositionen
(B - Steigung; C - Gefälle) der Kabine 2 bezeichnet.
[0016] Durch eine Niveauänderung (3.1 - Gefälle; 3.2 - Steigung) des Kreisförderers 3 vor
und/oder nach der Kabine 2 kann diese längs verfahren werden, auch wenn sich noch
zu beschichtende Produkte 5 auf dem Kreisförderer befinden oder dieser gestoppt werden
müsste. Die Ausbildung von Steigung/Gefälle (3.1, 3.2) ist abhängig vom zu lackierenden
Produkt. Vorstellbar sind insbesondere Steigungen bzw. Gefälle von < 90°, vorzugsweise
von 22,5° bis 45 °. Es sind natürlich auch andere Winkel denkbar. Je größer der Winkel
desto kleiner der Verfahrweg. Die Kabine 2 kann nun ohne Beeinträchtigung der Produktivität
von der Beschichtungsposition A in eine Reinigungsposition B oder C gefahren werden.
[0017] Erfindungsgemäß sind aufgrund einer Mechanik automatisch vergrößerbare Öffnungen
für die für das Produkt 5 und die Produktaufhängung (3.3) an der Stirn- und Oberseite
der Kabine 2 angeordnet, welche erst das Herausfahren der gesamten Beschichtungskabine
2 aus der Förderlinie ohne Unterbrechung der Kreisfördererbehängung ermöglichen. Die
zu beschichtenden Produkte 5 durchlaufen am Kreisförderersystem 3 hängend die Kabine
2 (siehe Fig. 2.1). Im Dach der Kabine 2 befindet sich daher für die Aufhängungen
der Produkte 5 am Kreisförderer 3 eine Öffnung 2.1 längs der Förderrichtung. Diese
Öffnung ist so klein als möglich, um während des Beschichtungsvorgangs umfangreichen
Farb- oder Pulveraustritt zu vermeiden. Beim verfahren in Längsrichtung wird die Kabine
2 entlang des Kreisfördererverlaufes bewegt (siehe Fig. 2.2). Da nun auch der Kreisförderer
3 mitsamt der Behängung ansteigt, ist die oben zur Vermeidung des Pulveraustritts
vorgesehene Durchlassöffnung 2.1 nicht mehr ausreichend. Aufgrund einer Mechanik 6
wird die Öffnung 2.1 im Dach der Kabine 2 auf ein erforderliche Maß vergrößert. Sobald
die Verfahrbewegung der Kabine 2 abgeschlossen ist, kann die Öffnung wieder verkleinert
werden (Fig. 2.3). Die Mechanik dafür könnte beispielhaft als eine im Dach der Kabine
angeordnete verstellbare Schürze ausgebildet sein.
[0018] Ein Pulveraustritt aus der Kabine kann durch geeignete Abschottung der Kabinenöffnungen
und/oder geeignete Absauganlagen vermieden werden. Für den Ein- und Austritt der Produkte
sind in der seitlichen Außenwandung der Kabine ebenfalls Öffnungen vorgesehen. Bei
der Reinigung der Kabine 2 werden die inneren Kabinenwandungen und die zur Beschichtung
erforderlichen Werkzeuge automatisch oder manuell mittels Druckluft abgeblasen. Um
den Austritt des aufgewirbelten Beschichtungsmaterials aus den Kabinenöffnungen während
des Reinigungsvorgangs zu vermeiden, können diese Öffnungen automatisch für den Reinigungsvorgang
verschlossen werden.
[0019] Verschließbare Ein- und Austrittsöffnungen gehören aber bereits zum bekannten Stand
der Technik, insbesondere bei Schnellfarbwechselkabinen. Durch die verfahrenstechnisch
erforderliche Absaugung wird im Kabineninneren ein Unterdruck erzeugt. Durch den Unterdruck
wird während der Beschichtung auch das Beschichtungsmaterial in der Kabine gehalten.
Die standardmäßig vorhandene Absaugung könnte so modifiziert werden, dass die Absaugung
auch während der Verfahrbewegung läuft und so der Unterdruck immer anliegt. Durch
einfache technische Mittel ließe sich zudem auch die Drehzahl der Umluftventilatoren
und somit die Absaugleistung während der Reinigung oder der Fahrt erhöhen.
[0020] Nach vollständiger Kabinenreinigung kann die längs verfahrbare Pulverkabine ebenfalls
wieder bei fortlaufender Kreisförderer-Anlage in die Beschichtungsposition gebracht
und bei Bedarf mit der Beschichtung einer neuen Farbe begonnen werden. Der Lackieranlagendurchsatz
wird auch hier nicht beeinträchtigt.
[0021] In den meisten Lackieranlagen gibt es einfache Standardfarbe. Vorteilhaft ist hierfür
eine stationäre Kabine (siehe Fig.3, Kabine 0.2) für den Einfarbenbetrieb vorgesehen.
Diese Kabine 0.2 befindet sich im Kreisfördererstrang 3 bevorzugt vor der verfahrbaren
Kabine 2 gemäß der vorliegenden Erfindung.
[0022] Auch ist es denkbar, dass mehrere verfahrbare Kabinen 2n abwechselnd in einem Kreisfördererstrang
3 arbeiten. In Pulverbeschichtungsanlagen mit mehreren verfahrbaren Pulverkabinen
ist die in Längsrichtung verfahrbare Pulverkabine weiterhin beliebig kombinierbar
mit den bisher bekannten Ausführungen zur Ortsveränderung der Pulverkabinen. Dadurch
ergeben sich weitere Anwendungen, mit Verschiebebahnhöfen und ähnliches.
[0023] Weiter ist es möglich, dass anstelle der Reinigungsposition sich eine Art Verschiebebahnhof
oder eine Drehscheibe (wie in einem Lokschuppen) befindet. Hier kann die für den zu
beschichtenden Farbton jeweils erforderliche Kabine dem Beschichtungsprozess zugeführt
werden. Die benötigte Kabine wird aus mehreren Wartepositionen über eine zentrale
Weiche zur Beschichtungsposition gebracht.
[0024] Auch sind mehrere verfahrbare Kabinen, aufgefädelt in Längsrichtung, denkbar. Die
Kabinenreinigung aufgrund Farbwechsel könnte hier komplett entfallen. Aufgrund der
Anlagengröße bieten sich diese umfangreichen Erweiterungsmöglichkeiten, insbesondere
für die Beschichtung von Kleinteilen, an. Ein Beispiel für eine mögliche Anlagenaufstellung
mit einem Verschiebebahnhof 10 zeigt die Fig. 4. Auch diese Varianten bieten den Vorteil,
dass die Kreisförderbehängung nicht unterbrochen werden muss. Das beschriebene System
ist auch auf andere Lackierverfahren (z.B. Nasslackierung) übertragbar.
1. Lackieranlage zur Lackierung von Produkten, insbesondere Pulverbeschichtungsanlage,
mit wenigstens einer Transporteinrichtung zur kontinuierlichen Zuführung zu lackierender
Produkte, mit wenigstens einer Lackiereinrichtung, die sich mit der Transporteinrichtung
in einem funktionalen Zusammenhang befindet, wobei die Lackiereinrichtung längs der
Transportrichtung der Produkte von einer Lackierposition in mindestens eine Reinigungsposition
verfahrbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Transporteinrichtung vor und/oder nach der Lackiereinrichtung eine Niveauänderung
in Form einer Steigung und/oder eines Gefälles aufweist.
2. Lackieranlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Lackiereinrichtung als Kabine (2) ausgebildet ist und an der Stirn- und/oder
Oberseite aufgrund einer Mechanik automatisch vergrößerbare Öffnungen für die Durchleitung
der Produkte und der Produktaufhängungen der Transporteinrichtung (3) aufweist.
3. Lackieranlage nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Niveauänderung (3.1, 3.2) einen Winkel < 90° aufweist.
4. Lackieranlage nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Transporteinrichtung (3) als Stetigförderer, insbesondere als Kreisförderer ausgebildet
ist und eine Vielzahl von Aufhängungen (3.3) für zu lackierenden Produkte (5) aufweist.
5. Lackieranlage nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass diese neben der Kabine (2) eine stationäre Kabine (0.2) umfasst, welche im Kreisfördererstrang
(3) vor oder nach der verfahrbaren Kabine (2) angeordnet ist.
6. Lackieranlage nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass mehrere verfahrbare Kabinen (2n) abwechselnd arbeitend in einem Kreisfördererstrang
(3) angeordnet sind.