[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Bauplatte aus einer primär aus Gips aufgebauten
Grundplatte und einer im Wesentlichen aus Lehm bestehenden Deckschicht, die Pflanzenfasern
enthalten kann.
[0002] In der modernen Bautechnik hat sich die Verwendung von Trockenbausystemen weithin
durchgesetzt. Dabei werden Wände und andere Gebäudeteile aus Bauplatten hergestellt,
die auf eine entsprechende Unterkonstruktion, wie etwa Ständerwände, aufgebracht werden.
Typische Bauplatten für die Herstellung von Trockenbaukonstruktionen bestehen aus
Gips, wobei als Gipswerkstoffplatten Gipskartonplatten und Gipsfaserplatten eingesetzt
werden.
[0003] Weiters ist bekannt, dass es durch die Verwendung natürlicher Baustoffe, wie etwa
Lehm, möglich ist, wesentliche Verbesserungen im Bereich der Bauphysik und der Baubiologie
zu erzielen. Aufgrund der besonderen Eigenschaften von geeigneten Lehmbaustoffen gegenüber
Feuchtigkeit (Sorptions- und Desorptionsverhalten) wird eine außerordentliche Verbesserung
des Raumklimas erreicht. Der Grundstoff ist in der Regel völlig frei von schädlichen
oder bedenklichen Chemikalien und auch in den sonstigen bauphysikalischen Eigenschaften
besonders vorteilhaft. So erzielt eine Lehmschicht mit günstigem Aufbau hervorragende
Eigenschaften hinsichtlich des Brandwiderstandes.
[0004] Aus der
AT 011.090 U ist eine Faserlehmplatte bekannt, bei der eine Lehmschicht auf eine Holzwerkstoffplatte
aufgebracht ist.
[0005] Eine weitere bekannte Lösung ist in der
AT 010.861 U gezeigt, in der eine Trägerplatte vorgeschlagen ist, die als Gipswerkstoffplatte
ausgebildet ist und auf der eine Verputzschicht aus Faserlehm aufgebracht ist.
[0006] Der Vorteil einer solchen Lösung besteht darin, dass die Biegefestigkeit und Zugfestigkeit
der Trockenbauplatte primär durch die Grundplatte aus Gipswerkstoff gegeben ist, so
dass für die Lehmschicht keinerlei Armierung und keine chemischen Stabilisierungszusätze
erforderlich sind. Im fertigen Bauwerk ist die Lehmschicht zur Rauminnenseite gerichtet
und kann ihre hervorragenden Sorptions- und Desorptionseigenschaften in vorteilhafter
Weise zur Verbesserung des Raumklimas zur Verfügung stellen. Im Brandfall verzögert
der unbrennbare und im Gegensatz zu Gips feuerbeständige Lehmputz durch die Abgabe
von Kristallwasser die Hitzeinwirkung auf die Trägerplatte, wodurch der Brandwiderstand
der Verbundplatte erheblich gesteigert wird.
[0007] Die mechanische Festigkeit der Lehmschicht wird durch die Beigabe biogener pflanzlicher
Fasern, wie etwa Bastfasern, Hanf, Flachs, Kenaf oder Nesselfasern erhöht. Weiters
wird durch diese Beigabe auch die Bearbeitbarkeit der Oberfläche verbessert. Diese
Fasern können trocken-mechanisch oder feucht-mikrobiell-mechanisch aufbereitet sein
und eine Länge von 5 mm bis 15 mm aufweisen. Der Anteil der Fasern soll über 0,1 Gewichtsprozent
der Lehmschicht betragen und die Konsistenz der Baustoffmischung soll zwischen den
Konsistenzbereichen K3 und K5 gemäß ÖNORM B4200 (Teil 10, Abschnitt 3.8) liegen. Im
Detail sind die Fragen der Faserbeimischung in der
EP 0 903 328 B diskutiert.
[0008] Nachteilig bei den oben beschriebenen Baustoffplatten ist die Tatsache, dass bei
der Formulierung der Lehmschicht Rücksicht darauf genommen werden muss, dass eine
ausreichend stabile Verbindung der Lehmschicht mit der Grundplatte gegeben ist, um
ein robustes Bauelement darzustellen.
[0009] Aus der
EP 2 039 842 A ist ein Fertigteilelement bekannt, bei dem auf einem Tragelement, das beispielsweise
als Gipskartonplatte ausgeführt sein kann, eine Lehmschicht aufgetragen wird. Ohne
besondere zusätzliche Maßnahmen ist der Einsatz eines solchen Fertigteilelementes
problematisch. Insbesondere als Trockenbauplatte ist ein solches System wenig geeignet.
[0010] In der
DE 199 50 356 A wird ein mehrschichtiges Bauelement offenbart, das eine Lehmschicht enthält. Das
Problem der Verbindung der Lehmschicht mit dem Untergrund wird über eine spezielle
Oberflächengestaltung, wie ein Profilierung oder das Vorsehen von Schwalbenschwanzverbindungen,
gelöst. Eine solche Verbindung ist sehr aufwändig und für die Massenproduktion wenig
geeignet.
[0011] Eine alternative Lösung ist in der
DE 20 2008 014 162 U1 beschrieben, bei der die Verbindung einer Lehmschicht auf einer Grundplatte zur Herstellung
eines Trockenbauelementes dadurch gelöst wird, dass ein chemische stabilisierter Lehm
verwendet wird. Damit handelt es sich nicht mehr um ein chemikalienfreies natürliches
Produkt und erfüllt nicht mehr die baubiologischen Ansprüche gemäß der nature plus
Richtlinie und ist gemäß den Regeln des Dachverbandes Lehm als chemisch stabilisiertes
Produkt kein Lehmbaustoff. Außerdem ist das Recycling solcher Bauplatten nicht mehr
in der problemlosen Weise möglich, wie bei der Verwendung von reinem Lehmputz.
[0012] Aus der
DE 101 04 737 A1 ist ferner eine Bauplatte bekannt, die aus zwei Deckschichten besteht, die als Mineralfaserplatten
ausgebildet sind, wobei zwischen diesen Deckschichten eine Kernschicht eingefügt ist,
die im Wesentlichen als Papierwabe ausgebildet ist. Alternativ zur Papierwabe kann
die Kernschicht auch als Spanplatte ausgebildet sein.
[0013] Die Verklebung der Kernschicht mit den Mineralfaserplatten erfolgt insbesondere über
eine Kleberschicht, die aus einem vollflächigen Weißleimauftrag besteht. Über die
Verbindung von Mineralfaserplatten mit Papier einerseits und mit Faserplatten andererseits
durch Weißleim hinaus enthält diese Druckschrift keine für den Fachmann verwertbare
Offenbarung.
[0014] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, diese Nachteile zu vermeiden und eine
Bauplatte anzugeben, die allen bauphysikalischen und baubiologischen Ansprüchen genügt
und gleichzeitig robust und tragfähig ist.
[0015] Erfindungsgemäß werden diese Aufgaben dadurch gelöst, dass die Grundschicht z.B.
mit Weißleim behandelt ist, um die Haftung der Deckschicht zu verbessern. Weißleim
ist ein Holzleim, der auf Polyvinylacetatbasis hergestellt ist. Als typisches Produkt
kann im Rahmen der Erfindung Synturit
® der Firma Synthesa verwendet werden. Überraschenderweise hat sich herausgestellt,
dass Weißleim ein idealer Haftvermittler zwischen der Grundplatte und der Lehmschicht
ist. Es handelt sich dabei nicht um einen üblichen Putzhaftgrund wie etwa Beto-Kontakt
® von Knauf. Es wird kein rauer üblicher Putzhaftgrund hergestellt, der eine Abbindezeit
braucht, sondern die dünn aufgetragene Leimschicht verklebt die Sand und Faserpartikel
im Trocknungsprozess mit der Grundplatte. Die Verbindung ist dabei so fest, dass bei
gewaltsamer Zerstörung bei erfindungsgemäßer Ausführung immer die Lehmschicht selbst
bricht, bevor sich diese von der Grundplatte ablöst. Gemäß einem vorteilhaften Aspekt
der vorliegenden Erfindung ist die Oberfläche der Grundplatte auch nach dem Auftrag
von Weißleim glatt.
[0016] Biofaserlehm reagiert aufgrund seiner Zusammensetzung (Sande, Schluffe, Tonminerale;
Pflanzenfasern; keine chemischen Zusätze) im Gegensatz z.B. zu konventionellen Kalkzementputzen
oder manchen stabilisierten Lehmputzen als annähernd pH neutrales Gemisch nicht chemisch
mit dem eingesetzten Leim. Dadurch kann der Leim in diesem Fall problemlos etwa gleichzeitig
mit dem Biofaserlehmputz während des Trocknungsprozesses in einer dünnen Kontaktzone
aushärten.
[0017] Diese Verbindung ist wesentlich homogener und fertigungstechnisch rationeller als
eine übliche mechanische Verbindung von Putzgrund und Lehmputz, die auf der Beschichtung
eines Haftgrundes auf einer Trägerplatte beruht.
[0018] Als Weißleim im Rahmen der Erfindung werden nicht nur Leime auf Polyvinylacetatbasis
verstanden, sondern auch alternative Anrührleime wie etwa Kaseinleime. Solche Kaseinleime
sind als reine Naturprodukte darstellbar, müssen aber bei Bedarf frisch zubereitet
werden. Auch die Abbindezeit ist länger als bei Leimen auf Polyvinylacetatbasis.
[0019] Als besonders vorteilhaft haben sich Fasern herausgestellt, die aus Typha gewonnen
werden. Typha sind Rohrkolbengewächse innerhalb der Ordnung der Süßgrasartigen. Bei
der Verwendung dieser Pflanzenfasern haben sich besonders vorteilhafte Eigenschaften
der Lehmschicht herausgestellt.
[0020] Die vorliegende Erfindung eignet sich auch in besonders bevorzugter Weise für Gipswerkstoffplatten,
die mit eingefrästen Nuten versehen sind, um Heiz- bzw. Kühlregister aufzunehmen.
Bei der erfindungsgemäßen Beschichtung entfällt das ansonsten erforderliche Einspachteln,
da die Lehmschicht die verbleibenden Hohlräume in vorteilhafter Weise ausfüllt. Auf
diese Weise können Biofaserlehmplatten mit Heizungs- bzw. Kühlungsfunktion dargestellt
werden.
[0021] Weiters betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Herstellung einer Bauplatte,
bei dem auf eine primär aus Gips aufgebaute Grundplatte eine im Wesentlichen aus Lehm
bestehende Deckschicht aufgebracht wird. Erfindungsgemäß ist dieses Verfahren dadurch
gekennzeichnet, dass vor dem Aufbringen der Deckschicht eine Haftschicht aus Weißleim
oder einem anderen geeigneten Leim auf die Grundplatte aufgetragen wird. Besonders
vorzugsweise wird der Weißleim in dünner Schicht vorzugsweise in einer Menge zwischen
80 g/m
2 und 180 g/m
2 aufgetragen.
[0022] Besonders bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren so ausgeführt, dass die Lehmschicht
direkt nass in nass auf eine dünne Leimschicht aufgebracht wird. Der besondere Vorteil
dieses Verfahrens liegt darin, dass für die Putzhaftung auf der Trägerplatte nicht
ein üblicher Haftgrund als eigenständige Werkstoffschicht hergestellt werden muss,
der danach im Trockenen abgebundenen Zustand eine mechanische Haftbrücke für den Lehmputz
darstellt, sondern dass das Aufbringen von Weißleim und Deckschicht praktisch in einem
Arbeitsgang möglich ist.
1. Bauplatte aus einer primär aus Gips aufgebauten Grundplatte und einer im Wesentlichen
aus Lehm bestehenden Deckschicht, die Pflanzenfasern enthält, dadurch gekennzeichnet, dass die Grundplatte mit Weißleim behandelt ist, um die Haftung der Deckschicht zu verbessern.
2. Bauplatte nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche der Grundplatte glatt ist.
3. Bauplatte nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Grundplatte als Gipskartonplatte ausgebildet ist.
4. Bauplatte nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Grundplatte als Gipsfaserplatte ausgebildet ist.
5. Bauplatte nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Grundplatte als Kalziumsilikatplatte ausgebildet ist.
6. Bauplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Deckschicht abgesehen von den Pflanzenfasern aus reinem Lehm ausgebildet ist.
7. Bauplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass als Pflanzenfasern Typha-Fasern vorgesehen sind.
8. Bauplatte nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Weißleim in dünner Schicht, vorzugsweise in einer Menge zwischen 80 g/m2 und 180 g/m2 aufgetragen wird.
9. Verfahren zur Herstellung einer Bauplatte, bei dem auf eine primär aus Gips aufgebaute
Grundplatte eine im Wesentlichen aus Lehm bestehende Deckschicht aufgebracht wird,
dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Aufbringen der Deckschicht eine Haftschicht aus Weißleim auf die Grundplatte
aufgetragen wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Lehm nass in nass auf den Weißleim aufgetragen wird.