[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines
bahnförmigen Materials, insbesondere von Papier, mit mindestens einem bevorzugt traversierenden
Messsystem, das innerhalb eines festen Zeitintervalls Δt über die Bahnbreite s des
bahnförmigen Materials an n verschiedenen Messpositionen pro Messposition jeweils
m Messwerte aufnimmt.
[0002] Solche Messsysteme sind insbesondere in der Papier herstellenden Industrie seit vielen
Jahren bekannt und dienen dort der laufenden Prozess- und Qualitätskontrolle.
[0003] Problematisch an den bisher bekannten Systemen ist die Tatsache, dass die bekannten
Messsysteme im Endeffekte eine riesige Zahl einzelner Messwerte oder Messprofile als
grafische Darstellung einer Vielzahl aufgenommener Messwerte generieren, die anschließend
einer subjektiven Deutung gewöhnlich durch die Produktionsverantwortlichen unterworfen
werden. Dabei kommt den Messprofilen entweder als Darstellung von hintereinander aufgenommenen
Messwerten an der gleichen Messposition (Längsprofil) oder als Darstellung von Messwerten
benachbarter Messpositionen quer über die Bahn des bahnförmig hergestellten Materials
(Querprofil) besondere Bedeutung zu, da hier mit großem Engagement nach Trends innerhalb
der Produktion gesucht werden kann. Doch selbst nach vielen Jahren Diensterfahrung
von mit der Deutung aufgenommener Messprofile beauftragten Produktionsverantwortlichen
bleibt das Ergebnis dieser Deutung oft spekulativ und stets höchst subjektiv, ist
damit stimmungs- und/oder personenabhängig und letztendlich auch nicht reproduzierbar.
Insbesondere bleibt es ein Problem, dass eine einheitliche Produktionssteuerung auf
Basis subjektiv gedeuteter Messprofile von dem individuellen Deutungsverhalten einzelner
Personen abhängig ist, bei denen die Gefahr eines Weggangs vom Unternehmen immer gegeben
ist.
[0004] Eine solche Personenabhängigkeit ist für ein Unternehmen stets mit großen Risiken
behaftet. Auch bleibt es unbefriedigend, eine industrielle Produktion auf die Basis
subjektiv und unter Zeitdruck gedeuteter Messprofile zu stellen.
[0005] Es ist also zugrundeliegende Aufgabe für die hier vorliegende Erfindung, ein Verfahren
zur Herstellung eines bahnförmigen Materials vorzustellen, das innerhalb des laufenden
Prozesses ausschließlich von nachvollziehbaren, im Vorfeld und unter Ausschluss von
Zeitdruck bestimmten Parametern bestimmt und gelenkt wird und das infolgedessen nicht
auf Basis von spekulativ und subjektiv gedeuteter Messprofile von dem individuellen
Deutungsverhalten einzelner Personen abhängig ist.
[0006] Die Lösung dieser Aufgabe geschieht mittels eines Verfahrens zur Herstellung und/oder
Verarbeitung eines bahnförmigen Materials, insbesondere von Papier, mit mindestens
einem Messsystem, das innerhalb eines festen Zeitintervalls Δt über mindestens einen
Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials an n verschiedenen Messpositionen
X
i (i = 1.... n) pro Messposition jeweils m Messwerte y
ik (i= 1, ..., n; k=1, ..., m) aufnimmt,
wobei das Verfahren dadurch gekennzeichnet ist, dass
das Verfahren die Bestimmung einer rationalen Qualitätszahl Q umfasst, deren Wert
für eine als akzeptabel angesehene Qualität des bahnförmigen Materials innerhalb eines
für den Herstellungsprozess jeweils empirisch festzulegenden Akzeptanzbereichs mit
einer unteren Grenze U und einer oberen Grenze O liegt,
wobei U und O jeweils rationale Zahlen sind mit der Bedingung gemäß:

wobei sich der Wert der Qualitätszahl Q als Funktion von Momenten M
i berechnet gemäß Formel 2 mit:

und wobei sich die Momente M
i berechnen aus der kubischen Spline-Funktion für die n verschiedenen Messpositionen
gemäß Formel 3 mit:

mit:
x ist Laufvariable in Richtung der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials im Intervall
[Xi,Xi+1]
Xi (i = 1,.., n) sind die Messpositionen, mathematisch auch als Stützstellen der kubischen Spline-Funktion
bezeichnet, für die Momente Mi,
und wobei für die Momente M
i die Formel 4 gilt mit:

[0007] Bevorzugt für das hier vorgeschlagene Verfahren ist ein Messsystem, dass traversierend
ausgebildet ist. Dabei ist das Wort Traversierung im Sinne der vorliegenden Erfindung
so zu verstehen, dass
□ entweder ein Messsystem quer über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen
Materials hin und her bewegt wird, so dass nach und nach bei Erreichen der einzelnen
n verschiedenen Messpositionen die m verschiedenen Einzelmesswerte yik aufgenommen werden,
□ oder dass ein Messsystem über n verschiedene Messköpfe verfügt, die der Reihe nach
abgefragt werden, bis nacheinander alle m Messwerte yik für alle n verschiedenen Messpositionen aufgenommen worden sind,
□ oder dass eine Kombination der beiden vorgenannten Messwertaufnahmen benutzt wird.
[0008] Die Umsetzung des hier vorgeschlagenen Verfahrens sieht zunächst die Aufnahme von
Messwerten y
ik innerhalb eines festen Zeitintervalls Δt über mindestens einen Teil der Bahnbreite
s des bahnförmigen Materials an n verschiedenen Messpositionen vor, wobei pro Messposition
jeweils m Messwerte y
ik (i = ..., n; k=1, ..., m) aufgenommen werden. Da die einzelnen Messwerte y
ik mittels eines bevorzugt traversierenden Messsystems aufgenommen werden, bedeutet
das, dass pro einer Traversierung von jeder einzelnen der n verschiedenen Messpositionen
jeweils 1 Messwert y
ik aufgenommen wird: diese jeweils einmal aufgenommenen Messwerte y
ik bilden zusammen dann ein Querprofil über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des
bahnförmigen Materials. Bei insgesamt m Traversierungen werden so die Messwerte für
m Querprofile aufgenommen.
[0009] Wie auch immer die Messwerte y
ik mittels des bevorzugt traversierenden Messsystems aufgenommen wurden, schließlich
liegen für alle n Messpositionen m einzelne Messwerte y
ik vor.
[0010] Bevorzugt sieht das hier vorgeschlagene Verfahren nunmehr die Bildung des jeweiligen
arithmetischen Mittelwertes gemäß Formel 5 vor, mit:

wobei dieser arithmetische Mittelwert für alle n Messpositionen aus den zugehörigen
m einzelnen Messwerten y
ik jeweils zu bilden ist, so dass schließlich für jede einzelne Messposition n genau
ein Mittelwert
yi vorliegt.
[0011] Die Gesamtheit aller Mittelwerte
yi für alle n Messpositionen bilden dann zusammen genau ein Querprofil über mindestens
einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials. Für dieses genau eine Querprofil
wird nunmehr bevorzugt mittels mathematischer Berechungsprogramme automatisch die
aus n Teilfunktionen bestehende, passende kubische Spline-Funktion für alle n Messpositionen
ermittelt gemäß Formel 3 mit:

innerhalb der:
x ist Laufvariable in Richtung der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials im Intervall
[Xi,Xi+1]
Xi (i = 1,.., n) sind die Messpositionen, mathematisch auch als Stützstellen der kubischen Spline-Funktion
bezeichnet, für die Momente Mi.
[0012] S(x) ist gemäß der Formel 3 Funktionswert der kubischen Spline-Funktion, wobei dieser
Funktionswert S(x) in den Messpositionen X
i (i = 1,.., n) jeweils durch den arithmetischen Mittelwert der zugehörigen m einzelnen Messwerte
für diese Messposition

gemäß Formel 5 vorgegeben ist. Das Ergebnis des mathematischen Berechungsprogramms
zur Bestimmung des aus n Teilfunktionen bestehenden, passenden kubischen Spline-Funktion
ist somit die Bestimmung aller Variablen α
i (i = 1,.., n), β
i (i = 1,.., n), γ
i (i = 1,.., n) und δ
i (i = 1,.., n).
[0013] Zur Bestimmung des Kurvenverhaltens muss nunmehr für die gesamte kubische Spline-Funktion
die zweite Ableitung gebildet werden. Die zweiten Ableitungen pro Intervall sind jeweils
gegeben durch Formel 6 mit:

[0014] Innerhalb der Stützstellen für die kubische Spline-Funktion, das sind erfindungsgemäß
die Messpositionen, gilt aber x = x
i. Damit wird für alle Messpositionen innerhalb von Formel 6 die Differenzbildung (x
- x
i) gleich Null.
[0015] Angewandt auf Formel 6 ergibt sich an den Stützstellen, das sind erfindungsgemäß
die n Messpositionen - siehe oben, für die zweiten Ableitungen Formel 7 mit:

[0016] Bei den zweiten Ableitungen gemäß Formel 7 spricht man allgemein, und so auch innerhalb
dieser Schrift, von den Momenten ( M
i ) der kubischen Spline-Funktion in den n Messpositionen. Zusätzlich gilt definitionsgemäß
für so genannte "natürliche" kubische Spline-Funktionen, dass M
1 = M
n = 0 ist. Die Verwendung von natürlichen kubischen Spline-Funktionen innerhalb des
erfindungsgemäßen Verfahrens zur Bestimmung einer rationalen Qualitätszahl Q gilt
dabei als ganz besonders bevorzugt.
[0017] Im Ergebnis der bisherigen Rechnungen liegen also schließlich n Momente ( M
i ) vor, die allesamt der Formel 4 bzw. der Formel 7 genügen. Erfindungsgemäß ist dann
gemäß Formel 2 der Wert der Qualitätszahl Q eine Funktion dieser Momente ( M
i ), was bedeutet, dass sich die Qualitätszahl Q aus den n Momente ( M
i ) berechnet.
[0018] Zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten ( M
i ) bieten sich verschiedene Funktionen an, wobei folgende Funktionen als bevorzugt
gelten:
□ Maximumwert der Absolutwerte (Maximumsnorm) aller Momente ( Mi ),
□ Wurzel aus der Summe der Quadrate der Momente Mi (Euklidische Norm), gegeben durch die Formel 8 mit:

□ Varianz aus den Momenten ( Mi ),
□ σ-Regeln beliebiger Stufe aus den Momente Mi (σ-Wert, 2-σ-Wert, 3-σ-Wert, ...),
□ Mittelwert aus den Momenten ( Mi ).
[0019] Ganz besonders bevorzugt im Sinne der vorliegenden Erfindung ist es, wenn zur Berechnung
der Qualitätszahl Q aus den Momenten ( M
i ) als Funktion die Summe der Absolutwerte der Momente ( M
i ) benutzt wird (Betragssummennorm), wenn also zur Berechnung der Qualitätszahl Q
aus den Momenten ( M
i ) die Formel 9 gilt, mit:

[0020] Um eine Endkoppelung der Qualitätszahl Q von den Absolutzahlen der Messwerte zu gewährleisten,
ist es besonders bevorzugt, wenn die Werte, die sich unmittelbar entsprechend der
obigen Vorschläge zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten ( Mi ) ergeben,
durch den Mittelwert

geteilt werden.
[0021] Demnach ist es ganz besonders bevorzugt, wenn die Funktion zur Berechnung der Qualitätszahl
Q aus den Momenten M
i die Summe der Absolutwerte der Momente M
i ist, geteilt durch den Mittelwert

gemäß Formel 10, mit:

[0022] Das hier vorgeschlagene Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen
Materials, insbesondere von Papier, mit dem mindestens einen bevorzugt traversierenden
Messsystem umfasst ganz besonders bevorzugt einen zusätzlichen Veredelungsprozess,
der verändert und/oder unterbunden bzw. gestoppt wird, wenn die Qualitätszahl Q für
das zur Veredelung vorgesehene bahnförmige Material außerhalb des Akzeptanzbereichs
mit seiner unteren Grenze U und seiner oberen Grenze O liegt. Zu diesem Zweck wird
das mindestens eine bevorzugt traversierende Messsystem zur Erfassung der erfindungsgemäß
notwendigen Messwerte y
ik (i = ..., n; k=1, ..., m) so in den Herstellungsprozess integriert, dass die Qualitätszahl Q bestimmt wird,
bevor das bahnförmige Material innerhalb des zusätzlichen Veredelungsprozesses behandelt
wird. Durch einen manuellen oder bevorzugt automatischen Vergleich dieser Qualitätszahl
Q mit den für den Herstellungsprozess empirisch festgelegten Werten zum einen für
die untere Grenze U und zum anderen für die obere Grenze O kann dann der Herstellungsprozess
verändert und/oder unterbunden bzw. gestoppt werden.
[0023] Die Festlegung des Akzeptanzbereichs mit seiner unteren Grenze U und seiner oberen
Grenze O, gegebenenfalls mit zusätzlich festgelegten Überwachungsgrenzen U
1, O
1 und/oder Sonderverwertungsgrenzen U
2, O
2, bei deren Überschreitung das derart hergestellte bahnförmige Material besonders
überwacht oder nur zur eingeschränkten Verwertung gekennzeichnet oder abgezweigt wird,
kann vor Aufnahme des normalen Herstellungsprozesses und/oder permanent, jedoch stets
außerhalb der Hektik sofort notwendiger Entscheidungen geschehen, beispielsweise im
Rahmen von Markt- und aufwendigen Produktionsuntersuchungen:
□ So werden zunächst Testproduktionen durchlaufen unter Bestimmung der jeweiligen
Qualitätszahl Q. Die fertig gestellten Produkte aus diesen Testproduktionen können
anschließend mit beliebigen weiteren Messungen untersucht und die so gewonnenen Messwerte
katalogisiert werden.
□ Gleichzeitig können die fertig gestellten Produkte aus den Testproduktionen möglichen
Kunden vorgestellt werden, um deren Einschätzung der Produkte zu erfahren. Auch ihre
jeweilige Einschätzung wird zweckmäßigerweise katalogisiert.
Anhand der so gewonnenen Messwerte und der Kundeneinschätzungen werden dann die Grenzwerte
U und O für den Akzeptanzbereich, gegebenenfalls zusätzlich die Werte U1, O1, U2 und O2 festgesetzt, die dann für die spätere laufende Normalproduktion als Entscheidungswerte
für Akzeptanz, Überwachung und/oder Sonderverwertung benutzt werden.
[0024] Es ist offensichtlich, das insbesondere der eine, gewöhnlich der obere Grenzwert
O bzw. die zusätzlichen oberen Werte O
1 und O
2 als kritische Werte hinsichtlich schlechter Qualität zur Produktionsunterbrechung
bzw. Hinweis auf sofortigen Produktionseingriff genutzt werden, während gewöhnlich
die unteren Grenzwerte U bzw. die zusätzlichen Werte U
1 und U
2 als Hinweise für besonders gute Qualität genutzt werden, die entweder einen Eingriff
in die Produktion ratsam erscheinen lassen oder eine Verwertung entsprechend gefertigter,
besonders guter Produkte für Sonderverwendungen ermöglichen.
[0025] Das hier vorgeschlagene Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen
Materials, insbesondere von Papier, mit dem mindestens einen bevorzugt traversierenden
Messsystem umfasst ganz besonders bevorzugt als zusätzlichen Veredelungsprozess das
mindestens einmalige Beschichten des bahnförmigen Materials mit einer Masse, wobei
die Masse ausgesucht ist aus der Gruppe, umfassend: Druckfarbe, Streichfarbe, Lack,
Extrudermasse.
[0026] Das hier vorgeschlagene Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen
Materials, insbesondere von Papier findet ganz besonders bevorzugt auf mindestens
zwei unabhängigen Maschinen statt. Die erste Maschine dient dann der Herstellung des
bahnförmigen Materials, während die zweite Maschine zur Veredelung des zuvor erstellten
bahnförmigen Materials dient. In einem solchen ganz besonders bevorzugten Fall ist
diese zweite Maschine ausgesucht aus der Gruppe, umfassend: Druckmaschine, Streichmaschine,
Lackiermaschine, Extrudiermaschine. Eine solche zweite Maschine kann innerhalb der
gleichen Firma wie die erste Maschine betrieben werden, sie kann aber auch in einer
Kundenfirma oder in der Firma eines beliebigen Lizenznehmers betrieben werden. Das
erfindungswesentliche Messsystem kann dabei innerhalb der ersten Maschine und/oder
innerhalb der zweiten Maschine zum Einsatz kommen.
[0027] Als Messsystem bieten sich insbesondere
- Systeme zur Bestimmung der Dicke,
- Systeme zur Bestimmung der flächenbezogenen Masse des gesamten bahnförmigen Materials
und/oder seiner Beschichtung und
- Systeme zur Bestimmung der relativen und/oder der absoluten Feuchte
an, ohne darauf jedoch im Sinne der vorliegenden Erfindung beschränkt zu sein.
[0028] Die vorliegende Erfindung soll anhand eines Beispiels weitergehend erläutert werden.
[0029] In einem Auflöser wird zur Ausbildung einer Pulpe eine Mischung aus gebleichtem Nadelholzsulfatzellstoff
und Eukalyptuszellstoff zusammen mit Wasser vorgelegt, bis ein Feststoffgehalt hier
von 4,2 % erreicht ist. Die Pulpe enthält als weitere Zuschlagstoffe beispielsweise
Pigmente in üblichen Mengen und Natronlauge. Die fertig gestellte Pulpe wird einer
Mahlung unterzogen und dann mit weiteren Zuschlagstoffe wie beispielsweise Leimungsmitteln
einer Papiermaschine zugeführt, die aus dieser Pulpe bei einer Bahngeschwindigkeit
hier von 1050 m/sec eine Rohpapierbahn mit einer flächenbezogenen Masse von 42 g/m
2 erstellt. Die Einstellungen für die Papiermaschine werden moderat in verschiedene
Richtungen verändert und dann jeweils notiert, um zum einen besonders gleichmäßiges
Rohpapier und zum anderen ungleichmäßiges, hier streifiges Rohpapier zu erhalten.
[0030] Unter Nutzung eines traversierenden Messsystems wird an n = 512 Messpositionen quer
über die 5,9 Meter breite Rohpapierbahn die jeweilige flächenbezogene Masse (otro)
bestimmt. Bei einem Zeitintervall Δt = 60 Minuten, innerhalb dessen ein Tambour mit
fertig gestelltem Rohpapier aufgewickelt wird, kommt es zu 60 Traversierungen des
Messsystems, was bedeutet, dass pro Messposition m = 60 verschiedene Einzelmesswerte
aufgenommen werden. Zahlreiche Proben zum einen mit besonders gleichmäßigem Rohpapier
und zum anderen mit auffallend ungleichmäßigem, streifigem Rohpapier aus dem Tambour
mit der fertig gestellten Rohpapierbahn werden ein erstes Mal visuell von mehreren
Produktionsverantwortlichen im Durch- und im Streiflicht begutachtet und in Relation
gesetzt zu Querprofilen, die für jede einzeln betrachtete Papiermaschineneinstellung
gebildet sind aus der jeweiligen Gesamtheit aller Mittelwerte y
i für die 512 Messpositionen. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt zeigt sich, dass eine
nach

bestimmte Qualitätszahl Q = 2,7 bei der hier genutzten Papiermaschine für das hier
betrachtete Rohpapier für eine gute und hervorragend weiterzuverarbeitende Qualität
des Rohpapiers steht, während eine Qualitätszahl Q = 4,5 bei der hier genutzten Papiermaschine
für das hier betrachtete Rohpapier für eine schlechte Qualität des Rohpapiers steht.
Für beide nach Formel 10 bestimmte Qualitätszahlen Q = 2,7 und Q = 4,5 geben die
Figuren 1 und 2 die aufgenommenen Querprofile aus der jeweiligen Gesamtheit aller Mittelwerte
yi für die n = 512 Messpositionen bei m = 60 Traversierungen wieder.
[0031] Mittels zweier Schlitzgießer-Auftragwerke (Curtain Coater) werden innerhalb ein und
desgleichen Durchgangs durch eine Streichmaschine, die als eigenständige Maschine
separat von der oben genannten Papiermaschine genutzt wird, auf die Bahn sowohl des
gleichmäßigen wie auch des streifigen Rohpapiers zunächst eine die Rohpapierbahn vollständig
abdeckende Zwischenschicht von 6 g/m
2 und anschließend eine wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht mit einer flächenbezogenen
Masse von 2,5 g/m
2 aufgetragen. Dabei kommt zur Ausbildung der Zwischenschicht eine Rezeptur zum Einsatz,
die als wesentliche Komponenten anorganisches Pigment (80 Gew.-%) und Latex-Bindemittel
(20 Gew.-%) enthält. Zur Ausbildung der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht kommt
eine Rezeptur zum Einsatz, deren wesentliche Komponenten in der folgenden Tabelle
1 wiedergegeben sind:
Tabelle 1:
Bestandteil |
Gew.-% (otro) |
Farbbildner |
9,5 |
Farbakzeptor |
21,5 |
Sensibilisator |
21,5 |
Pigment |
25,0 |
Bindemittel |
17,0 |
[0032] Nach der Trocknung von Zwischenschicht und wärmeempfindlicher Aufzeichnungsschicht
mittels mehrerer Schwebetrockner innerhalb der Streichmaschine werden die derart gestrichenen
Papierbahnen zum einen mit dem besonders gleichmäßigen Rohpapier und zum anderen mit
dem besonders ungleichmäßigen, hier streifigen Rohpapier ein zweites Mal visuell im
Durch- und im Streiflicht und zusätzlich im aufgerollten Zustand auf einem Tambour
taktil durch Abfühlen der Rollenoberfläche von mehreren Produktionsverantwortlichen
begutachtet. Während die gestrichene Papierbahn mit dem besonders gleichmäßigen Rohpapier
als Beispiel für gute Ware angesehen wird, kann die gestrichene Papierbahn mit dem
streifigen Rohpapier als Beispiel für mangelhafte Ware angesehen werden. Die zu dem
gestrichene Papierbahn mit dem besonders gleichmäßigen Rohpapier gehörige Qualitätszahl
wird dann entsprechend als Ziel-Qualitätszahl Q = 2,7 festgesetzt, der obere Wert
O ergibt sich in diesem Fall aus den Qualitätszahlen für die gestrichene Papierbahn
mit dem streifigen Rohpapier mit O = 4,2. Der untere Wert für ganz besonders gute
Rohpapiere kann hier zunächst als Schätzwert festgesetzt werden mit U = 2,2.
[0033] Im Rahmen nachfolgender Produktionen und unter Berücksichtigung von Kundenreaktionen
und/oder Kundenreklamationen können die Werte von U, Q und O immer wieder angepasst
werden.
1. Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen Materials, insbesondere
von Papier, mit mindestens einem Messsystem, das innerhalb eines festen Zeitintervalls
Δt über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials an n verschiedenen
Messpositionen X
i (i = 1,.., n) pro Messposition jeweils m Messwerte y
ik (i = 1..... n; k =, ..., m) aufnimmt,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Verfahren die Bestimmung einer rationalen Qualitätszahl Q umfasst, deren Wert
für eine als akzeptabel angesehene Qualität des bahnförmigen Materials innerhalb eines
für den Herstellungsprozess jeweils empirisch festzulegenden Akzeptanzbereichs mit
einer unteren Grenze U und einer oberen Grenze O liegt,
wobei U und O jeweils rationale Zahlen sind mit der Bedingung gemäß:

wobei sich der Wert der Qualitätszahl Q als Funktion der Momente M
i berechnet gemäß Formel 2 mit:

und wobei sich die Momente M
i berechnen aus der kubischen Spline-Funktion für die n verschiedenen Messpositionen
gemäß Formel 3 mit:

mit:
x ist Laufvariable in Richtung der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials im Intervall
[Xi,Xi+1]
Xi (i = 1,.., n) sind die Messpositionen, mathematisch auch als Stützstellen der kubischen Spline-Funktion
bezeichnet, für die Momente Mi,
und wobei für die Momente M
i die Formel 4 gilt mit:
2. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Messsystem als ein traversierendes Messsystem ausgebildet ist.
3. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die Funktion zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten M
i ausgesucht ist aus der Liste, umfassend:
□ Summe der Absolutwerte der Momente Mi (Betragssummennorm)
□ Maximumwert der Absolutwerte aller Momente Mi (Maximumsnorm)
□ Wurzel aus der Summe der Quadrate der Momente Mi (Euklidische Norm)
□ Varianz aus den Momenten Mi
σ-Regeln beliebiger Stufe aus den Momente Mi (σ-Wert, 2-σ-Wert, 3-σ-Wert, ...)
□ Mittelwert aus den absoluten Momenten Mi
4. Verfahren nach Patentanspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die Funktion zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten M
i die Summe der Absolutwerte der Momente M
i ist geteilt durch den Mittelwert gemäß Formel 10, mit:
5. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass Verfahren einen zusätzlichen Veredelungsprozess umfasst, der unterbunden wird, wenn
die Qualitätszahl Q für das zur Veredelung vorgesehene bahnförmige Material außerhalb
des Akzeptanzbereichs mit der unteren Grenze U und der oberen Grenze O liegt.
6. Verfahren nach Patentanspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der zusätzliche Veredelungsprozess das mindestens einmalige Beschichten des bahnförmigen
Materials mit einer Masse umfasst, wobei die Masse ausgesucht ist aus der Gruppe,
umfassend: Druckfarbe, Streichfarbe, Lack, Extrudermasse.
7. Verfahren nach einem der Patentansprüche 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren auf mindestens zwei unabhängigen Maschinen stattfindet, von denen die
erste Maschine zur Herstellung des bahnförmigen Materials und die zweite Maschine
zur Veredelung des zuvor erstellten bahnförmigen Materials dient.
8. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Messsystem ein System zur Bestimmung der Dicke ist.
9. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Messsystem ein System zur Bestimmung der flächenbezogenen Masse
ist.
10. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Messsystem ein System zur Bestimmung der Feuchte ist.