(19)
(11) EP 2 412 869 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
01.02.2012  Patentblatt  2012/05

(21) Anmeldenummer: 10171493.9

(22) Anmeldetag:  30.07.2010
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
D21G 9/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME RS

(71) Anmelder: Mitsubishi HiTec Paper Europe GmbH
33699 Bielefeld (DE)

(72) Erfinder:
  • Bachmann, Bernhard, Prof. Dr.
    33739 Bielefeld (DE)
  • Ueckerdt, Rainer, Prof. Dr. Dr.
    12587 Berlin (DE)
  • Penner, Hermann
    33605 Bielefeld (DE)
  • Becker, Dieter, Dr.
    49124 Georgsmarienhütte (DE)
  • Rodewald, Stefan
    33719 Bielefeld (DE)
  • Elsner, Christian
    33818 Leopoldshöhe (DE)

   


(54) Verfahren zur Herstellung von bahnförmigen Material


(57) Vorgeschlagen wird ein Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen Materials, insbesondere von Papier, mit mindestens einem Messsystem, das innerhalb eines festen Zeitintervalls Δt über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials an n verschiedenen Messpositionen pro Messposition jeweils m Messwerte yikaufnimmt,
wobei das Verfahren dadurch gekennzeichnet ist, dass
das Verfahren die Bestimmung einer rationalen Qualitätszahl Q umfasst, deren Wert für eine als akzeptabel angesehene Qualität des bahnförmigen Materials innerhalb eines für den Herstellungsprozess jeweils empirisch festzulegenden Akzeptanzbereichs mit einer unteren Grenze U und einer oberen Grenze O liegt,
wobei U und O jeweils rationale Zahlen sind mit der Bedingung gemäß:
U ≤ Q ≤ O,
wobei sich der Wert der Qualitätszahl Q als Funktion der Momente Miberechnet
und wobei sich die Momente Mi berechnen aus der kubischen Spline-Funktion für die n verschiedenen Messpositionen.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen Materials, insbesondere von Papier, mit mindestens einem bevorzugt traversierenden Messsystem, das innerhalb eines festen Zeitintervalls Δt über die Bahnbreite s des bahnförmigen Materials an n verschiedenen Messpositionen pro Messposition jeweils m Messwerte aufnimmt.

[0002] Solche Messsysteme sind insbesondere in der Papier herstellenden Industrie seit vielen Jahren bekannt und dienen dort der laufenden Prozess- und Qualitätskontrolle.

[0003] Problematisch an den bisher bekannten Systemen ist die Tatsache, dass die bekannten Messsysteme im Endeffekte eine riesige Zahl einzelner Messwerte oder Messprofile als grafische Darstellung einer Vielzahl aufgenommener Messwerte generieren, die anschließend einer subjektiven Deutung gewöhnlich durch die Produktionsverantwortlichen unterworfen werden. Dabei kommt den Messprofilen entweder als Darstellung von hintereinander aufgenommenen Messwerten an der gleichen Messposition (Längsprofil) oder als Darstellung von Messwerten benachbarter Messpositionen quer über die Bahn des bahnförmig hergestellten Materials (Querprofil) besondere Bedeutung zu, da hier mit großem Engagement nach Trends innerhalb der Produktion gesucht werden kann. Doch selbst nach vielen Jahren Diensterfahrung von mit der Deutung aufgenommener Messprofile beauftragten Produktionsverantwortlichen bleibt das Ergebnis dieser Deutung oft spekulativ und stets höchst subjektiv, ist damit stimmungs- und/oder personenabhängig und letztendlich auch nicht reproduzierbar. Insbesondere bleibt es ein Problem, dass eine einheitliche Produktionssteuerung auf Basis subjektiv gedeuteter Messprofile von dem individuellen Deutungsverhalten einzelner Personen abhängig ist, bei denen die Gefahr eines Weggangs vom Unternehmen immer gegeben ist.

[0004] Eine solche Personenabhängigkeit ist für ein Unternehmen stets mit großen Risiken behaftet. Auch bleibt es unbefriedigend, eine industrielle Produktion auf die Basis subjektiv und unter Zeitdruck gedeuteter Messprofile zu stellen.

[0005] Es ist also zugrundeliegende Aufgabe für die hier vorliegende Erfindung, ein Verfahren zur Herstellung eines bahnförmigen Materials vorzustellen, das innerhalb des laufenden Prozesses ausschließlich von nachvollziehbaren, im Vorfeld und unter Ausschluss von Zeitdruck bestimmten Parametern bestimmt und gelenkt wird und das infolgedessen nicht auf Basis von spekulativ und subjektiv gedeuteter Messprofile von dem individuellen Deutungsverhalten einzelner Personen abhängig ist.

[0006] Die Lösung dieser Aufgabe geschieht mittels eines Verfahrens zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen Materials, insbesondere von Papier, mit mindestens einem Messsystem, das innerhalb eines festen Zeitintervalls Δt über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials an n verschiedenen Messpositionen Xi (i = 1.... n) pro Messposition jeweils m Messwerte yik (i= 1, ..., n; k=1, ..., m) aufnimmt,
wobei das Verfahren dadurch gekennzeichnet ist, dass
das Verfahren die Bestimmung einer rationalen Qualitätszahl Q umfasst, deren Wert für eine als akzeptabel angesehene Qualität des bahnförmigen Materials innerhalb eines für den Herstellungsprozess jeweils empirisch festzulegenden Akzeptanzbereichs mit einer unteren Grenze U und einer oberen Grenze O liegt,
wobei U und O jeweils rationale Zahlen sind mit der Bedingung gemäß:


wobei sich der Wert der Qualitätszahl Q als Funktion von Momenten Mi berechnet gemäß Formel 2 mit:


und wobei sich die Momente Mi berechnen aus der kubischen Spline-Funktion für die n verschiedenen Messpositionen gemäß Formel 3 mit:


mit:

x ist Laufvariable in Richtung der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials im Intervall [Xi,Xi+1]

Xi (i = 1,.., n) sind die Messpositionen, mathematisch auch als Stützstellen der kubischen Spline-Funktion bezeichnet, für die Momente Mi,

und wobei für die Momente Mi die Formel 4 gilt mit:



[0007] Bevorzugt für das hier vorgeschlagene Verfahren ist ein Messsystem, dass traversierend ausgebildet ist. Dabei ist das Wort Traversierung im Sinne der vorliegenden Erfindung so zu verstehen, dass

□ entweder ein Messsystem quer über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials hin und her bewegt wird, so dass nach und nach bei Erreichen der einzelnen n verschiedenen Messpositionen die m verschiedenen Einzelmesswerte yik aufgenommen werden,

□ oder dass ein Messsystem über n verschiedene Messköpfe verfügt, die der Reihe nach abgefragt werden, bis nacheinander alle m Messwerte yik für alle n verschiedenen Messpositionen aufgenommen worden sind,

□ oder dass eine Kombination der beiden vorgenannten Messwertaufnahmen benutzt wird.



[0008] Die Umsetzung des hier vorgeschlagenen Verfahrens sieht zunächst die Aufnahme von Messwerten yik innerhalb eines festen Zeitintervalls Δt über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials an n verschiedenen Messpositionen vor, wobei pro Messposition jeweils m Messwerte yik (i = ..., n; k=1, ..., m) aufgenommen werden. Da die einzelnen Messwerte yik mittels eines bevorzugt traversierenden Messsystems aufgenommen werden, bedeutet das, dass pro einer Traversierung von jeder einzelnen der n verschiedenen Messpositionen jeweils 1 Messwert yik aufgenommen wird: diese jeweils einmal aufgenommenen Messwerte yik bilden zusammen dann ein Querprofil über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials. Bei insgesamt m Traversierungen werden so die Messwerte für m Querprofile aufgenommen.

[0009] Wie auch immer die Messwerte yik mittels des bevorzugt traversierenden Messsystems aufgenommen wurden, schließlich liegen für alle n Messpositionen m einzelne Messwerte yik vor.

[0010] Bevorzugt sieht das hier vorgeschlagene Verfahren nunmehr die Bildung des jeweiligen arithmetischen Mittelwertes gemäß Formel 5 vor, mit:


wobei dieser arithmetische Mittelwert für alle n Messpositionen aus den zugehörigen m einzelnen Messwerten yik jeweils zu bilden ist, so dass schließlich für jede einzelne Messposition n genau ein Mittelwert yi vorliegt.

[0011] Die Gesamtheit aller Mittelwerte yi für alle n Messpositionen bilden dann zusammen genau ein Querprofil über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials. Für dieses genau eine Querprofil wird nunmehr bevorzugt mittels mathematischer Berechungsprogramme automatisch die aus n Teilfunktionen bestehende, passende kubische Spline-Funktion für alle n Messpositionen ermittelt gemäß Formel 3 mit:


innerhalb der:

x ist Laufvariable in Richtung der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials im Intervall [Xi,Xi+1]

Xi (i = 1,.., n) sind die Messpositionen, mathematisch auch als Stützstellen der kubischen Spline-Funktion bezeichnet, für die Momente Mi.



[0012] S(x) ist gemäß der Formel 3 Funktionswert der kubischen Spline-Funktion, wobei dieser Funktionswert S(x) in den Messpositionen Xi (i = 1,.., n) jeweils durch den arithmetischen Mittelwert der zugehörigen m einzelnen Messwerte für diese Messposition

gemäß Formel 5 vorgegeben ist. Das Ergebnis des mathematischen Berechungsprogramms zur Bestimmung des aus n Teilfunktionen bestehenden, passenden kubischen Spline-Funktion ist somit die Bestimmung aller Variablen αi (i = 1,.., n), βi (i = 1,.., n), γi (i = 1,.., n) und δi (i = 1,.., n).

[0013] Zur Bestimmung des Kurvenverhaltens muss nunmehr für die gesamte kubische Spline-Funktion die zweite Ableitung gebildet werden. Die zweiten Ableitungen pro Intervall sind jeweils gegeben durch Formel 6 mit:



[0014] Innerhalb der Stützstellen für die kubische Spline-Funktion, das sind erfindungsgemäß die Messpositionen, gilt aber x = xi. Damit wird für alle Messpositionen innerhalb von Formel 6 die Differenzbildung (x - xi) gleich Null.

[0015] Angewandt auf Formel 6 ergibt sich an den Stützstellen, das sind erfindungsgemäß die n Messpositionen - siehe oben, für die zweiten Ableitungen Formel 7 mit:



[0016] Bei den zweiten Ableitungen gemäß Formel 7 spricht man allgemein, und so auch innerhalb dieser Schrift, von den Momenten ( Mi ) der kubischen Spline-Funktion in den n Messpositionen. Zusätzlich gilt definitionsgemäß für so genannte "natürliche" kubische Spline-Funktionen, dass M1 = Mn = 0 ist. Die Verwendung von natürlichen kubischen Spline-Funktionen innerhalb des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Bestimmung einer rationalen Qualitätszahl Q gilt dabei als ganz besonders bevorzugt.

[0017] Im Ergebnis der bisherigen Rechnungen liegen also schließlich n Momente ( Mi ) vor, die allesamt der Formel 4 bzw. der Formel 7 genügen. Erfindungsgemäß ist dann gemäß Formel 2 der Wert der Qualitätszahl Q eine Funktion dieser Momente ( Mi ), was bedeutet, dass sich die Qualitätszahl Q aus den n Momente ( Mi ) berechnet.

[0018] Zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten ( Mi ) bieten sich verschiedene Funktionen an, wobei folgende Funktionen als bevorzugt gelten:

□ Maximumwert der Absolutwerte (Maximumsnorm) aller Momente ( Mi ),

□ Wurzel aus der Summe der Quadrate der Momente Mi (Euklidische Norm), gegeben durch die Formel 8 mit:

□ Varianz aus den Momenten ( Mi ),

□ σ-Regeln beliebiger Stufe aus den Momente Mi (σ-Wert, 2-σ-Wert, 3-σ-Wert, ...),

□ Mittelwert aus den Momenten ( Mi ).



[0019] Ganz besonders bevorzugt im Sinne der vorliegenden Erfindung ist es, wenn zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten ( Mi ) als Funktion die Summe der Absolutwerte der Momente ( Mi ) benutzt wird (Betragssummennorm), wenn also zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten ( Mi ) die Formel 9 gilt, mit:



[0020] Um eine Endkoppelung der Qualitätszahl Q von den Absolutzahlen der Messwerte zu gewährleisten, ist es besonders bevorzugt, wenn die Werte, die sich unmittelbar entsprechend der obigen Vorschläge zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten ( Mi ) ergeben, durch den Mittelwert

geteilt werden.

[0021] Demnach ist es ganz besonders bevorzugt, wenn die Funktion zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten Mi die Summe der Absolutwerte der Momente Mi ist, geteilt durch den Mittelwert

gemäß Formel 10, mit:



[0022] Das hier vorgeschlagene Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen Materials, insbesondere von Papier, mit dem mindestens einen bevorzugt traversierenden Messsystem umfasst ganz besonders bevorzugt einen zusätzlichen Veredelungsprozess, der verändert und/oder unterbunden bzw. gestoppt wird, wenn die Qualitätszahl Q für das zur Veredelung vorgesehene bahnförmige Material außerhalb des Akzeptanzbereichs mit seiner unteren Grenze U und seiner oberen Grenze O liegt. Zu diesem Zweck wird das mindestens eine bevorzugt traversierende Messsystem zur Erfassung der erfindungsgemäß notwendigen Messwerte yik (i = ..., n; k=1, ..., m) so in den Herstellungsprozess integriert, dass die Qualitätszahl Q bestimmt wird, bevor das bahnförmige Material innerhalb des zusätzlichen Veredelungsprozesses behandelt wird. Durch einen manuellen oder bevorzugt automatischen Vergleich dieser Qualitätszahl Q mit den für den Herstellungsprozess empirisch festgelegten Werten zum einen für die untere Grenze U und zum anderen für die obere Grenze O kann dann der Herstellungsprozess verändert und/oder unterbunden bzw. gestoppt werden.

[0023] Die Festlegung des Akzeptanzbereichs mit seiner unteren Grenze U und seiner oberen Grenze O, gegebenenfalls mit zusätzlich festgelegten Überwachungsgrenzen U1, O1 und/oder Sonderverwertungsgrenzen U2, O2, bei deren Überschreitung das derart hergestellte bahnförmige Material besonders überwacht oder nur zur eingeschränkten Verwertung gekennzeichnet oder abgezweigt wird, kann vor Aufnahme des normalen Herstellungsprozesses und/oder permanent, jedoch stets außerhalb der Hektik sofort notwendiger Entscheidungen geschehen, beispielsweise im Rahmen von Markt- und aufwendigen Produktionsuntersuchungen:

□ So werden zunächst Testproduktionen durchlaufen unter Bestimmung der jeweiligen Qualitätszahl Q. Die fertig gestellten Produkte aus diesen Testproduktionen können anschließend mit beliebigen weiteren Messungen untersucht und die so gewonnenen Messwerte katalogisiert werden.

□ Gleichzeitig können die fertig gestellten Produkte aus den Testproduktionen möglichen Kunden vorgestellt werden, um deren Einschätzung der Produkte zu erfahren. Auch ihre jeweilige Einschätzung wird zweckmäßigerweise katalogisiert.

Anhand der so gewonnenen Messwerte und der Kundeneinschätzungen werden dann die Grenzwerte U und O für den Akzeptanzbereich, gegebenenfalls zusätzlich die Werte U1, O1, U2 und O2 festgesetzt, die dann für die spätere laufende Normalproduktion als Entscheidungswerte für Akzeptanz, Überwachung und/oder Sonderverwertung benutzt werden.



[0024] Es ist offensichtlich, das insbesondere der eine, gewöhnlich der obere Grenzwert O bzw. die zusätzlichen oberen Werte O1 und O2 als kritische Werte hinsichtlich schlechter Qualität zur Produktionsunterbrechung bzw. Hinweis auf sofortigen Produktionseingriff genutzt werden, während gewöhnlich die unteren Grenzwerte U bzw. die zusätzlichen Werte U1 und U2 als Hinweise für besonders gute Qualität genutzt werden, die entweder einen Eingriff in die Produktion ratsam erscheinen lassen oder eine Verwertung entsprechend gefertigter, besonders guter Produkte für Sonderverwendungen ermöglichen.

[0025] Das hier vorgeschlagene Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen Materials, insbesondere von Papier, mit dem mindestens einen bevorzugt traversierenden Messsystem umfasst ganz besonders bevorzugt als zusätzlichen Veredelungsprozess das mindestens einmalige Beschichten des bahnförmigen Materials mit einer Masse, wobei die Masse ausgesucht ist aus der Gruppe, umfassend: Druckfarbe, Streichfarbe, Lack, Extrudermasse.

[0026] Das hier vorgeschlagene Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen Materials, insbesondere von Papier findet ganz besonders bevorzugt auf mindestens zwei unabhängigen Maschinen statt. Die erste Maschine dient dann der Herstellung des bahnförmigen Materials, während die zweite Maschine zur Veredelung des zuvor erstellten bahnförmigen Materials dient. In einem solchen ganz besonders bevorzugten Fall ist diese zweite Maschine ausgesucht aus der Gruppe, umfassend: Druckmaschine, Streichmaschine, Lackiermaschine, Extrudiermaschine. Eine solche zweite Maschine kann innerhalb der gleichen Firma wie die erste Maschine betrieben werden, sie kann aber auch in einer Kundenfirma oder in der Firma eines beliebigen Lizenznehmers betrieben werden. Das erfindungswesentliche Messsystem kann dabei innerhalb der ersten Maschine und/oder innerhalb der zweiten Maschine zum Einsatz kommen.

[0027] Als Messsystem bieten sich insbesondere
  • Systeme zur Bestimmung der Dicke,
  • Systeme zur Bestimmung der flächenbezogenen Masse des gesamten bahnförmigen Materials und/oder seiner Beschichtung und
  • Systeme zur Bestimmung der relativen und/oder der absoluten Feuchte
an, ohne darauf jedoch im Sinne der vorliegenden Erfindung beschränkt zu sein.

[0028] Die vorliegende Erfindung soll anhand eines Beispiels weitergehend erläutert werden.

[0029] In einem Auflöser wird zur Ausbildung einer Pulpe eine Mischung aus gebleichtem Nadelholzsulfatzellstoff und Eukalyptuszellstoff zusammen mit Wasser vorgelegt, bis ein Feststoffgehalt hier von 4,2 % erreicht ist. Die Pulpe enthält als weitere Zuschlagstoffe beispielsweise Pigmente in üblichen Mengen und Natronlauge. Die fertig gestellte Pulpe wird einer Mahlung unterzogen und dann mit weiteren Zuschlagstoffe wie beispielsweise Leimungsmitteln einer Papiermaschine zugeführt, die aus dieser Pulpe bei einer Bahngeschwindigkeit hier von 1050 m/sec eine Rohpapierbahn mit einer flächenbezogenen Masse von 42 g/m2 erstellt. Die Einstellungen für die Papiermaschine werden moderat in verschiedene Richtungen verändert und dann jeweils notiert, um zum einen besonders gleichmäßiges Rohpapier und zum anderen ungleichmäßiges, hier streifiges Rohpapier zu erhalten.

[0030] Unter Nutzung eines traversierenden Messsystems wird an n = 512 Messpositionen quer über die 5,9 Meter breite Rohpapierbahn die jeweilige flächenbezogene Masse (otro) bestimmt. Bei einem Zeitintervall Δt = 60 Minuten, innerhalb dessen ein Tambour mit fertig gestelltem Rohpapier aufgewickelt wird, kommt es zu 60 Traversierungen des Messsystems, was bedeutet, dass pro Messposition m = 60 verschiedene Einzelmesswerte aufgenommen werden. Zahlreiche Proben zum einen mit besonders gleichmäßigem Rohpapier und zum anderen mit auffallend ungleichmäßigem, streifigem Rohpapier aus dem Tambour mit der fertig gestellten Rohpapierbahn werden ein erstes Mal visuell von mehreren Produktionsverantwortlichen im Durch- und im Streiflicht begutachtet und in Relation gesetzt zu Querprofilen, die für jede einzeln betrachtete Papiermaschineneinstellung gebildet sind aus der jeweiligen Gesamtheit aller Mittelwerte yi für die 512 Messpositionen. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt zeigt sich, dass eine nach


bestimmte Qualitätszahl Q = 2,7 bei der hier genutzten Papiermaschine für das hier betrachtete Rohpapier für eine gute und hervorragend weiterzuverarbeitende Qualität des Rohpapiers steht, während eine Qualitätszahl Q = 4,5 bei der hier genutzten Papiermaschine für das hier betrachtete Rohpapier für eine schlechte Qualität des Rohpapiers steht. Für beide nach Formel 10 bestimmte Qualitätszahlen Q = 2,7 und Q = 4,5 geben die Figuren 1 und 2 die aufgenommenen Querprofile aus der jeweiligen Gesamtheit aller Mittelwerte yi für die n = 512 Messpositionen bei m = 60 Traversierungen wieder.

[0031] Mittels zweier Schlitzgießer-Auftragwerke (Curtain Coater) werden innerhalb ein und desgleichen Durchgangs durch eine Streichmaschine, die als eigenständige Maschine separat von der oben genannten Papiermaschine genutzt wird, auf die Bahn sowohl des gleichmäßigen wie auch des streifigen Rohpapiers zunächst eine die Rohpapierbahn vollständig abdeckende Zwischenschicht von 6 g/m2 und anschließend eine wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht mit einer flächenbezogenen Masse von 2,5 g/m2 aufgetragen. Dabei kommt zur Ausbildung der Zwischenschicht eine Rezeptur zum Einsatz, die als wesentliche Komponenten anorganisches Pigment (80 Gew.-%) und Latex-Bindemittel (20 Gew.-%) enthält. Zur Ausbildung der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht kommt eine Rezeptur zum Einsatz, deren wesentliche Komponenten in der folgenden Tabelle 1 wiedergegeben sind:
Tabelle 1:
Bestandteil Gew.-% (otro)
Farbbildner 9,5
Farbakzeptor 21,5
Sensibilisator 21,5
Pigment 25,0
Bindemittel 17,0


[0032] Nach der Trocknung von Zwischenschicht und wärmeempfindlicher Aufzeichnungsschicht mittels mehrerer Schwebetrockner innerhalb der Streichmaschine werden die derart gestrichenen Papierbahnen zum einen mit dem besonders gleichmäßigen Rohpapier und zum anderen mit dem besonders ungleichmäßigen, hier streifigen Rohpapier ein zweites Mal visuell im Durch- und im Streiflicht und zusätzlich im aufgerollten Zustand auf einem Tambour taktil durch Abfühlen der Rollenoberfläche von mehreren Produktionsverantwortlichen begutachtet. Während die gestrichene Papierbahn mit dem besonders gleichmäßigen Rohpapier als Beispiel für gute Ware angesehen wird, kann die gestrichene Papierbahn mit dem streifigen Rohpapier als Beispiel für mangelhafte Ware angesehen werden. Die zu dem gestrichene Papierbahn mit dem besonders gleichmäßigen Rohpapier gehörige Qualitätszahl wird dann entsprechend als Ziel-Qualitätszahl Q = 2,7 festgesetzt, der obere Wert O ergibt sich in diesem Fall aus den Qualitätszahlen für die gestrichene Papierbahn mit dem streifigen Rohpapier mit O = 4,2. Der untere Wert für ganz besonders gute Rohpapiere kann hier zunächst als Schätzwert festgesetzt werden mit U = 2,2.

[0033] Im Rahmen nachfolgender Produktionen und unter Berücksichtigung von Kundenreaktionen und/oder Kundenreklamationen können die Werte von U, Q und O immer wieder angepasst werden.


Ansprüche

1. Verfahren zur Herstellung und/oder Verarbeitung eines bahnförmigen Materials, insbesondere von Papier, mit mindestens einem Messsystem, das innerhalb eines festen Zeitintervalls Δt über mindestens einen Teil der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials an n verschiedenen Messpositionen Xi (i = 1,.., n) pro Messposition jeweils m Messwerte yik (i = 1..... n; k =, ..., m) aufnimmt,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Verfahren die Bestimmung einer rationalen Qualitätszahl Q umfasst, deren Wert für eine als akzeptabel angesehene Qualität des bahnförmigen Materials innerhalb eines für den Herstellungsprozess jeweils empirisch festzulegenden Akzeptanzbereichs mit einer unteren Grenze U und einer oberen Grenze O liegt,
wobei U und O jeweils rationale Zahlen sind mit der Bedingung gemäß:


wobei sich der Wert der Qualitätszahl Q als Funktion der Momente Mi berechnet gemäß Formel 2 mit:


und wobei sich die Momente Mi berechnen aus der kubischen Spline-Funktion für die n verschiedenen Messpositionen gemäß Formel 3 mit:


mit:

x ist Laufvariable in Richtung der Bahnbreite s des bahnförmigen Materials im Intervall [Xi,Xi+1]

Xi (i = 1,.., n) sind die Messpositionen, mathematisch auch als Stützstellen der kubischen Spline-Funktion bezeichnet, für die Momente Mi,

und wobei für die Momente Mi die Formel 4 gilt mit:


 
2. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Messsystem als ein traversierendes Messsystem ausgebildet ist.
 
3. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Funktion zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten Mi ausgesucht ist aus der Liste, umfassend:

□ Summe der Absolutwerte der Momente Mi (Betragssummennorm)

□ Maximumwert der Absolutwerte aller Momente Mi (Maximumsnorm)

□ Wurzel aus der Summe der Quadrate der Momente Mi (Euklidische Norm)

□ Varianz aus den Momenten Mi

σ-Regeln beliebiger Stufe aus den Momente Mi (σ-Wert, 2-σ-Wert, 3-σ-Wert, ...)

□ Mittelwert aus den absoluten Momenten Mi


 
4. Verfahren nach Patentanspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Funktion zur Berechnung der Qualitätszahl Q aus den Momenten Mi die Summe der Absolutwerte der Momente Mi ist geteilt durch den Mittelwert gemäß Formel 10, mit:


 
5. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass Verfahren einen zusätzlichen Veredelungsprozess umfasst, der unterbunden wird, wenn die Qualitätszahl Q für das zur Veredelung vorgesehene bahnförmige Material außerhalb des Akzeptanzbereichs mit der unteren Grenze U und der oberen Grenze O liegt.
 
6. Verfahren nach Patentanspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der zusätzliche Veredelungsprozess das mindestens einmalige Beschichten des bahnförmigen Materials mit einer Masse umfasst, wobei die Masse ausgesucht ist aus der Gruppe, umfassend: Druckfarbe, Streichfarbe, Lack, Extrudermasse.
 
7. Verfahren nach einem der Patentansprüche 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren auf mindestens zwei unabhängigen Maschinen stattfindet, von denen die erste Maschine zur Herstellung des bahnförmigen Materials und die zweite Maschine zur Veredelung des zuvor erstellten bahnförmigen Materials dient.
 
8. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Messsystem ein System zur Bestimmung der Dicke ist.
 
9. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Messsystem ein System zur Bestimmung der flächenbezogenen Masse ist.
 
10. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Messsystem ein System zur Bestimmung der Feuchte ist.
 




Zeichnung










Recherchenbericht