GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Schleifring-Bürsten-System, welches vorzugsweise
für die Übertragung von Erregerstrom auf den Rotor eines stromerregten Synchronmotors
für Hauptantriebe von Elektromobilen geeignet ist.
[0002] Wie bekannt, spielt die Dimensionierung der Erregerstromübertragung vom stehenden
Motorgehäuse auf die rotierende Welle bei stromerregten Elektromotoren, insbesondere
bei stromerregten Synchronmotoren (SSM) eine wichtige Rolle. Ohne diese externe Stromzufuhr
verhält sich dieser Motor - abgesehen von der geringfügigen Magnetisierung durch allfällige
Dauermagnete - wie ein Reluktanzmotor. Die ununterbrochene Stromversorgung der Rotorwicklungen
ist somit eine Grundvoraussetzung, um die Vorteile des stromerregten Synchronmotors
praktisch nutzbar zu machen. Durch die Stromerregung kann auf die Verwendung hochwertiger
Magnete aus seltenen Erden Verzichtet werden. Der weltweit steigende Bedarf an seltenen
Erden, verbunden mit der beschränkten Förderkapazität erhöhen die Bedeutung der Entwicklung
eines stromerregten Elektromotors und damit verbunden den Bedarf einer kostengünstigen,
konduktiven Rotorstromübertragung mit Bürste und Schleifring.
STAND DER TECHNIK
[0003] Bei elektrischen Rotationsmaschinen mit einer hohen Leistungsabgabe und einem hohen
Wirkungsgrad wird bevorzugt, den elektrischen Verlust der Bürsten soweit wie möglich
zu verringern, da der elektrische Verlust in den Bürsten den Gesamtwirkungsgrad der
elektrischen Rotationsmaschine erheblich beeinträchtigt. Eine bekannte Möglichkeit
zum Verringern des elektrischen Verlusts verwendet Bürsten, die aus Graphit und einem
leitfähigen Metall, insbesondere aus Kupfer, hergestellt sind.
[0004] Das Anwendungsgebiet von Kohlebürste und Schleifring ist sehr groß und lässt sich
in zwei Bereiche aufteilen:
■ Kohlebürsten für Gleichstrommotoren (Anlasser-, Lüfter-, Scheibenwischer- und Stellmotor,
Motor der Benzinpumpe)
■ Kohlebürsten für Wechselstrommotoren (vorrangig in Haushaltsgeräten: Staubsauger,
Quirl und Mixer)
[0005] Bei der Auslegung von Bürsten und Schleifringen beim stromerregten Synchronmotor
kann jedoch nur bedingt auf den aktuellen Stand der Technik zurückgegriffen werden,
da sich die Randbedingungen von den bisherigen Einsatzgebieten unterscheiden.
[0006] Bei stromerregten Synchronmotoren werden zurzeit ausschließlich radiale Bürstenanordnung
zum Schleifring eingesetzt. Bei der radialen Bürstenanordnung herkömmlicher Generatoren
oder Motoren wird in der Regel die gesamte Motorleistung über die Bürsten geführt,
was eine besonders grosse Dimensionierung der Bürsten erfordert.
[0007] Selten werden axial angeordnete Kohlenbürsten in der Praxis, z.B. bei einer nasslaufenden
Kraftstoffpumpe, oder als Erdungskontakt einer Eisenbahn sowie für den Blitzschutz
bei Windkraftrotoren verwendet.
[0008] Typischerweise werden Kohlebürsten radial auf die Welle angeordnet.
[0009] Aus der
DE-102008059994 A1 ist eine typische elektrische Rotationsmaschine, nämlich ein Startermotor bekannt,
bei welchem radial wirkende Bürsten auf Schleifringe gedrückt werden, die an der Rotorwelle
befestigt sind, um einen Erregerstrom elektrisch zur Erregerwicklung am Rotor zu leiten.
[0010] Ein Nachteil des obigen Schleifring-Bürsten-Systems mit radialen Bürsten liegt darin,
dass es einerseits einen großen Einbauraum im Maschinengehäuse zum Einsatz von Bürsten
und Schleifring braucht, andererseits der Wechsel bzw. die Reparatur der Bürsten zu
beschwerlich und arbeitsintensiv sind. Dies spielt allerdings bei einem Startermotor
kaum eine Rolle, da seine Einschaltdauer gering ist und daher in der Regel die Lebensdauer
ohne Bürstentausch der Lebensdauer des Kraftfahrzeugs entspricht. Die Baugrösse wiederum
ist akzeptiert, da der Startermotor im Vergleich zum übrigen Motor insgesamt nur relativ
klein ist.
[0011] Anders verhält sich die Situation aber bei Rotormaschinen für den Fahrantrieb von
Elektrofahrzeugen. Dort sind diese beiden Nachteile nicht erwünscht. Insbesondere
für den Einsatz von stromerregten Synchronmotoren in Elektromobilen, ist ein geringer
Platzbedarf des elektrischen Übertragungssystems und ein geringer Servicebedarf bzw.
eine gute Zugänglichkeit für einen evtl. anstehenden Bürstenwechsel gefordert.
WESEN DER ERFINDUNG
[0012] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein verbessertes Schleifring-Bürsten-System
zur Übertragung von elektrischem Erregerstrom auf einen Rotor elektrischer Rotationsmaschinen,
z.B. Elektromotoren, insbesondere stromerregten Synchronmotoren für Elektromobile
zu schaffen, durch welches die oben erwähnten Nachteile des Standes der Technik reduziert,
bzw. eliminiert werden können. Zudem sollten spezielle Bedürfnisse des Elektromobilbaus
optimiert wahrgenommen werden, ohne dabei den Aufwand für das Bürstensystem nennenswert
zu erhöhen.
[0013] Durch das erfindungsgemäße System soll also verwirklicht werden:
■ Eine kontinuierliche und störungsfreie Stromübertragung zwischen relativ zueinander
rotierenden Elementen elektrischer Rotationsmaschinen;
■ Eine kompakte Anordnung der Bürsten-Elemente mit leichter Zugänglichkeit der Bürsten,
die als Verschleißteile einfach austauschbar sein sollten.
■ Eine geringe axiale Baulänge der Rotationsmaschine
[0014] Die gestellten Aufgaben werden durch die Merkmale des unabhängigen Anspruchs 1 gelöst.
Vorteilhafte Weiterentwicklungen der erfindungsgemäßen Lösung sind in den abhängigen
Ansprüchen angegeben.
[0015] Bei dem beispielhaft vorgeschlagenen Einsatzgebiet einer axialen Bürstenanordnung
wird jedoch lediglich circa 2% der Nennleistung - als eine Erregerleistung - über
die Bürsten geführt. Für einen sicheren Betrieb dieses Elektromotors ist bei dieser
Lösung ein kontinuierlicher Bürstenkontakt zum Schleifring besonders wichtig.
[0016] Die nachfolgenden erfinderischen Erkenntnisse beeinflussten besonders das erfinderische
Konzept und die darauf aufbauende Weiterentwicklung der Erfindung des erfindungsgemässen
Schleifring-Bürsten-Systems, wie folgt:
■ Bauraumneutralität: Dies bedeutet eine Kompatibilität zu allen herkömmlichen Elektromotoren
mit Permanentmagnetantrieb (z.B.: IPM), wobei die Außen-geometrie des Motors unverändert
beibehalten aber die Innengeometrie der Lageschilde anpassbar ist;
■ Minimaler Bauraum für das Schleifring-Bürsten-Systems trotzt axialer Bürstenposition
(Bisher wurde in der Fachwelt eher von einer Baulängenerhöhung durch axiale Bürsten
ausgegangen);
■ Bürsten sollen möglichst einfach auszuwechseln sein: Die Erfindung sieht daher ein
en bloc auswechselbares Bürstenpaket mit Steckverbindung vor, so dass bei guter Zugänglichkeit
der Bürstenwechsel schnell erfolgen kann;
■ Wicklungsverschaltung ist mithilfe einer kunststoffumspritzten Leiterplatte bewerkstelligt.
Daraus ergibt sich einerseits Variationsfreiheit in der Polverschaltung bei identischer
Rotorbewicklung, andererseits jedoch auch eine bessere und wirtschaftlichere Basis
für Schleifringe;
■ Schleifringe sind erfindungsgemäss einerseits integriert, andererseits aber voneinander
hinreichend abgetrennt, um Luft- und Kriechstrecken einzuhalten;
■ Durch die Erfindung ergibt sich eine zuverlässige mitdrehbare Befestigungsmöglichkeit
der Schleifringe stirnseitig am Rotor.
■ Durch die Erfindung wird vor allem bei den hohen Drehzahlen von Hauptantrieben (bis
ca. 12000 U/min) ein Bürstenfeuer unterbunden. Ähnlich dem Überdrehen der Schleifringe
bei radialer Anordnung bietet die Leiterplatte die Möglichkeit einer nachträglichen,
spanabtragenden Bearbeitung um damit den notwendigen Planlauf zu erreichen. Andererseits
sind die Leiterplatten problemlos plan herstellund montierbar, so dass sich diesbezüglich
ein Vorteil gegenüber den hülsenförmig aufzuziehenden Schleifringen ergibt.
■ Die erfindungsgemässe Ausbildung der Schleifringe erhöht zwar die die Umfangsgeschwindigkeit
wenigstens eines Schleifrings gegenüber einer radialen Anordnung auf der Welle, dies
hat jedoch auch den positiven Nebeneffekt, dass durch die erhöhte Fliehkraft eine
verbesserte Reinigung der Isolationsteile der Schleifringe von Kohlenstaub erfolgt.
[0017] Die erfindungsgemäße Weiterentwicklung ging also von dem oben erörterten bekannten
Schleifring-Bürsten-System für Übertragung von elektrischen Signalen bzw. Erregerstrom
auf einen Rotor von elektrischen Rotationsmaschinen, insbesondere stromerregten Synchronmotoren
aus, welches mit am Rotor befestigten Schleifringen, und mit ortsfest angeordneten
Bürsten versehen ist. Jede der Bürsten steht mit je einem der Schleifringe in einer
stromübertragenden Reibverbindung.
[0018] Das Wesen der Erfindung wird darin gesehen, dass die Schleifringe zusammen mit mindestens
einer Leiterplatte und mindestens einer isolierende Umhüllung zu einer integrierten
Schleifringeinheit vereinigt sind. In dieser integrierten Schleifringeinheit sind
die Schleifringe koaxial und voneinander in einem radialen Abstand angeordnet und
wirken mit den Bürsten zur elektrischen Stromübertragung zusammen. Die integrierte
Schleifringeinheit ist stirnseitig am Rotor zentriert und mitdrehstarr befestigt.
Die Bürsten sind in axialer Richtung des Rotors orientiert/angeordnet.
[0019] Da dieses System in gleicher Weise zur Übertragung von Signalströmen (z.B. zur Auswertung
eines Temperatursensors auf dem Rotor verwendet werden kann, ist es nicht auf die
Erregerstromübertragung eingeschränkt sondern ist allgemein auch für die Signalübertragung
zwischen Rotor und den nichtrotierenden Teilen des Motors einsetzbar.
[0020] Bei einem bevorzugten Ausführungsbeispiel ist die integrierte und axial beaufschlagte
Schleifringeinheit stirnseitig am Rotor durch einen, die Wicklungsköpfe des Rotors
gegen axiale und radiale Belastungen abstützenden Stützring befestigt. Die integrierte
Schleifringeinheit ist vorzugsweise ring-scheibenförmig ausgestaltet.
[0021] Auch eine solche Ausführung der Erfindung ist denkbar, bei welcher in den radialen
Abstand zwischen den koaxialen und im eingebautem Zustand vorzugsweise in der gleichen
vertikalen Ebene liegenden Schleifringen der integrierten Schleifringeinheit eine
zusätzliche elektrische Durchschlag-Isolierung eingebaut ist. Dadurch kann die Durchschlagsicherheit
für höhere Spannungen weiter erhöht werden.
[0022] Verfahrenstechnisch ist es vorteilhaft, wenn die isolierende Umhüllung der integrierten
Schleifringeinheit als eine Kunststoffumspritzung ausgebildet ist.
[0023] Beim bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung werden die axialen Bürsten in
einem isolierenden Gehäuse zu einer integrierten Bürsteneinheit vereinigt. Dadurch
kann die integrierte Bürsteneinheit als Ganzes einfach und schnell ausgewechselt werden.
Dazu ist es auch zweckmäßig, wenn die integrierte Bürsteneinheit mit einer elektrischen
Steckverbindung versehen ist, die sich vorzugsweise alleine durch Entfernen der Bürsteneinheit
löst und durch Anbringen der Bürsteneinheit verbindet.
[0024] Vorzugsweise sind die Bürsten der integrierten Bürsteneinheit aus Elektrographit
"E43", und die Schleifringe der integrierten Schleifringeinheit aus CuSn10 (Kupfer-Zinn)
hergestellt, um den Verschleiß beim erfindungsgemäßen Schleifring-Bürsten-System möglichst
ausschließlich auf den Bürstenverschleiß zu beschränken, den elektrischen Übergangswiderstand
zu minimieren und den Bürstenverschleiss möglichst gering zu halten. Die Auswahl des
Bürstenmaterials ist mit der Wahl des Werkstoffs für den Schleifring eng verknüpft.
Insofern können gegebenenfalls auch andere Kombinationen gewählt werden.
[0025] Das kompakte, erfindungsgemässe Schleifring-Bürsten-System kann vorzugsweise in einen
relativ kleinen Einbauraum eines stromerregten Synchronmotors eingebaut werden, welcher
axial von einem Stützring des Rotors und einem Lagerschild des Synchronmotors, sowie
in radialer Richtung von Lagerschild und Statorwicklung begrenzt ist.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNG
[0026] Die Erfindung wird eingehender anhand der beiliegenden Figuren nachstehend erläutert,
welche ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Lösung illustrieren.
Es zeigt:
- Figur 1 eine Teilschnittansicht eines stromerregten Synchronmotors mit einem Ausführungsbeispiel
des erfindungsgemäßen Schleifring-Bürsten-Systems;
- Figuren 2A-2C Ansichten der Teile der erfindungsgemäßen integrierten Schleifringeinheit
des Schleifring-Bürsten-Systems nach Fig. 1, im vergrößerten Maßstab;
- Figur 3 eine perspektivische Ansicht der integrierten Schleifringeinheit nach Fig.
2C mit zwei axial angeordneten Bürsten;
- Figur 4 eine perspektivische Ansicht des Ausführungsbeispiels der erfindungsgemäßen
integrierten Bürsteneinheit des Schleifring-Bürsten-Systems nach Fig. 1;
- Figuren 5 und 6 zerlegte perspektivische Darstellungen der integrierten Bürsteneinheit
nach Fig. 4;
- Figur 7 eine perspektivische Ansicht des Ausführungsbeispiels der erfindungsgemäßen
integrierten Bürsteneinheit nach Figuren 5 und 6 in zusammengebautem Zustand;
- Figur 8 eine Schnittansicht der integrierten Schleifringeinheit entlang der Linien
VIII-VIII in Figur 3.
BESCHREIBUNG EINES AUSFÜHRUNGSBEISPIELES DER ERFINDUNG
[0027] Fig. 1 zeigt eine Teilschnittansicht eines stromerregten Synchronmotors 1 insbesondere
für Hauptantriebe von Elektromobilen, mit einem ersten Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Schleifring-Bürsten-Systems 2, welches bezweckt, einen elektrischen Erregerstrom auf
einen Rotor 4 des stromerregten Synchronmotors 1 zuverlässig zu übertragen.
[0028] Das erfindungsgemäße Schleifring-Bürsten-System 2 kann sinngemäß in allen anderen
Anwendungsgebieten von elektrischen Drehvorrichtungen eingesetzt werden, bei welchen
zwischen sich relativ zueinander rotierenden Einheiten elektrische Signale bzw. elektrischer
Strom - insbesondere Erregerstrom - übertragen werden soll.
[0029] Am Rotor 4 ist in dieser Ausführung (Fig. 1) eine Schutzvorrichtung (so genanntes
"Rückhaltesystem") vorgesehen, um an beiden Stirnseiten des Rotors 4 aus einem Blechpaket
6 in axialer Richtung hinausragende Wickelköpfe 7 auch bei höheren Drehzahlen des
Rotors 4 gegen die Belastungen beidseitig mittels je eines Stützringes 5 abzustützen.
Die beiden Stützringe 5 werden vorzugsweise durch axiale Schrauben 9 mit einer vorgegebenen
Vorspannung verbunden; dadurch entsteht ein kompaktes und steifes Rotorpaket. In Fig.
1 ist ein Statorblechpaket mit 8, eine Statorwicklung mit 10, ein Lagerschild mit
11, eine Rotorwelle mit 12 und eine Rotationsachse des Rotors 4 mit 13 bezeichnet.
[0030] Bei der Erregerstromübertragung mit Bürsten und Schleifring ist - ähnlich wie bei
permanent erregten Motoren - die hohe Dynamik des Motos eine Grundanforderung an die
Erregerstromübertragung. Bei Elektromotoren für Elektromobile kann die Drehzahl bis
über 12000 U/min und die Leistung über 100 kW betragen.
[0031] Damit werden - neben der Vermeidung der Nachteile teuren Magnetmaterials - zugunsten
einer hohen Motordynamik die an sich bekannten Nachteile bekannter Schleifring-Bürsten-Systeme
in Kauf genommen. Der Stand der Technik ist diesbezüglich jedoch noch nicht derart
fortgeschritten, um die komplexen Anforderungen eines solchen stromerregten Synchronmotors
gerecht zu werden. Daher war zusätzlicher elektrotechnischer Entwicklungsaufwand erforderlich,
um eine Verbesserung der Erregerstromübertragung zwischen Bürsten und Schleifringen
zu bewirken. Dies wird durch die vorliegende Erfindung gelöst.
[0032] Was die mögliche Platzierung des Schleifring-Bürsten-Systems 2 im Synchronmotor 1
anbelangt, wurde zuerst gezielt die Anforderung definiert, welche an die Einbauposition
und das Übertragungssystem gestellt werden. Die Anforderung an die Bauraumneutralität,
welche eine Kompatibilität zu allen bisherigen Anwendungen und somit jederzeit einen
Wechsel bereits eingebauter Elektromotore ermöglicht, ist seitens der Anmelderin als
eine wichtige Voraussetzung anzusehen.
[0033] Erfindungsgemäss wird das folgende Konzept der Erregerstromübertragung bewerkstelligt:
■ Möglichts minimaler Bauraum für das Schleifring-Bürsten-System; Das Schleifring
Bürstensystem nutzt im Wesentlichen den Raum innerhalb der stehenden Statorwickelköpfe
der Erregerwicklung und kann von axialer Seite gewartet/ausgetauscht werden. D.h.
es kann von der Stirnseite her auf die Bürsten zugegriffen werden und benötigt das
Maschinengehäuse von radial her keine Zugriffsmöglichkeit. Dies erleichtert die Wartung
und kommt den als Mechaniker geschulten KfZ-Werkstätten-Personal entgegen.
■ Integrierte Schleifringeinheit - einfach zu montieren, geringes Gewicht, hohe Laufruhe;
minimaler axialer Bauraum
■ Wechselbares integriertes Bürstenpaket mit Steckverbindung;
■ Variationsfreiheit für die Wicklungsverschaltung mithilfe einer kunststoffumspritzten
Leiterplatte der integrierten Schleifringeinheit.
[0034] Ausgehend von der in Fig. 1 illustrierten Einbausituation konnte nun im Sinne der
Erfindung ein für Hauptantriebe von Elektromobilen neues Konzept zur Stromübertragung
vom Stator 3 auf den Rotor 4 entwickelt werden. Entgegen der traditionellen Anordnung
von Kohlebürsten in radialer Richtung, wie dies beim Stand der Technik beschrieben
ist, wurde erfindungsgemäss eine axiale Anordnung der Bürsten und ein neues Schleifring-Bürstensystem
realisiert.
[0035] Sowohl die Schleifringkonstruktion als auch die Bürsten können in den zur Verfügung
stehenden Bauraum des Motors eingebaut werden. Zusätzlich sind der Gleichstromanschluss
von einem Rotorstromumrichter/regler zum Elektromotor und gegebenenfalls einige elektronische
Bauteile (nicht dargestellt) zur verbesserten Betriebsweise im Bauraum integriert.
Dies ist möglich, da die Bürsten einseitig der Motorwelle angeordnet sind.
[0036] Im Sinne der vorliegenden Erfindung besteht das vorgeschlagene Schleifring-Bürsten-System
2 bei dem zweiten Detail-Ausführungsbeispiel (siehe Fig. 3) aus einer integrierten
Schleifringeinheit 14 und zwei, der Schleifringeinheit 14 zugeordneten und axial positionierten
Bürsten 15.
[0037] Die Bürsten 15 sind erfindungsgemäß vorzugsweise als eine komplett auswechselbare
integrierte Bürsteneinheit 16 zusammengebaut (dies wird nachstehend in Zusammenhang
mit Figuren 4-7 näher beschrieben). Selbstverständlich liegt im Rahmen der Erfindung
auch eine Variante, bei der die Bürsten einzeln getauscht werden können, indem sie
etwa - wie herkömmliche Kohlebürsten - aus dem Bürstengehäuse einzeln entfernt werden
können. Im Sinne einer kurzen Servicezeit und einfachen Montage ist jedoch die integrierte
und steckbare Lösung bevorzugt.
[0038] Die Einzelheiten der erfindungsgemäßen integrierten Schleifringeinheit 14 sind in
Figuren 2A-2C und 8 illustriert. Die bevorzugte Ausführung der Schleifringeinheit
14 besteht aus einer Leiterplatte 17 als Ausgangsmaterial (einzeln illustriert in
Fig. 2A), Schleifringen 18 und 19 und einer isolierenden Umhüllung 20 vorzugsweise
als eine Kunststoffumhüllung ausgeführt. In Fig. 2B sind die Leiterplatte 17 mit den
zugeordneten beiden Schleifringen 18 und 19, sowie in Fig. 2C die komplette integrierte
Schleifringeinheit 14, zusammen mit der Leiterplatte 17, den beiden Schleifringen
18-19 und der Umhüllung 20 (vgl. Fig.2b) zu sehen. Wie in Fig. 2C ersichtlich, ist
die integrierte Schleifringeinheit 14 hier ring-scheibenförmig ausgebildet.
[0039] In Figuren 2C und 8 sind auch koaxiale kreisförmige Nuten 21 und 22 in der Umhüllung
20 vorgesehen, um die beiden Schleifringe 18 und 19 der integrierten Schleifringeinheit
14 den Bürsten zugänglich zu machen. Die axial angeordneten Bürsten (hier nicht gezeigt)
wirken durch eine federbelastete gleit-reibschlüssige Verbindung mit den Schleifflächen
der Schleifringe 18 und 19 zusammen. Andererseits ist die Schleifringeinheit 14 entlang
ihres Umfanges mit Aussparungen 23 versehen (Fig. 3), durch welche nicht gezeigte
Schrauben hindurch geführt werden, um einerseits die Schleifringeinheit 14 stirnseitig
am Stützring 5 des Rotorpakets koaxial zu befestigen (Fig. 1), andererseits die Leiterplatte
17 mit den Wicklungen in geeigneter Weise zu verbinden.
[0040] Die integrierte Schleifringeinheit 14 ist somit erfindungsgemäß zuverlässig, steif
und mitdrehbar am Rotor 4 stirnseitig befestigt, um einen störungsfreien Reibkontakt
mit den axialen Bürsten 15 jederzeit herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten.
[0041] Diese integrierte Schleifringeinheit 14 wird beim Ausführungsbeispiel nach Fig. 1
direkt an den Stützring 5 montiert, der über Füße (nicht näher gezeigt) direkt an
dem Rotorblechpaket 6 abgestützt ist. Dadurch liegen die Schleifringe 18 und 19 die
integrierte Schleifringeinheit 14 sowie eine Stirnfläche des Stützrings 5 des Rotorpakets
im Wesentlichen in einer gemeinsamen vertikalen Ebene auf, welche senkrecht zur Rotationsachse
13 angeordnet ist.
[0042] Details des Aufbaus und der Montage des Stützrings 5 sind der Patentanmeldung
EP10169565.8 gleicher Anmelderin zu entnehmen, die hiermit auch zu späteren (gegebenenfalls prioritätsgestützten)
Kombinationen der Lehren dieser zitierten Anmeldung mit der vorliegenden, als per
Referenz vollständig eingeführt wird.
[0043] Durch diese verbesserte Befestigung der integrierten Schleifringeinheit 14 gibt es
keine solche Störungsprobleme mit den Bürsten 15 beim Drehen des Rotors 4 - sogar
bei höheren Drehzahlen um 12'000 1/min -, wie beim Stand der Technik. Durch die hohe
Umdrehungszahl wirken auch Fliehkräfte auf die Schleifringe 18 und 19. Da diese radial
weiter außerhalb der Rotorwelle 12 sind, werden sie aufgrund der höheren Fliehkräfte
besser von allfälligem Abrieb oder Staub gereinigt.
[0044] Wie in Fig. 1 ersichtlich, steht ein relativ kleiner Einbauraum für die integrierte
Schleifringeinheit 14 zur Verfügung, welcher axial links vom Rotorblechpaket 6, axial
rechts von der integrierten Bürsteneinheit 16 und von dem Lagerschild 11, sowie in
radialer Richtung durch das Lagerschild 11 und die Statorwicklung 10 begrenzt wird.
[0045] Im Sinne der Erfindung werden also in diesen Bauraum zielbewusst die folgenden Funktionen
integriert:
- a) Integration der Schleifringe, d.h. die integrierte Schleifringeinheit 14; Diese
Maßnahme ist mit dem Vorteil verbunden, dass jeder Schleifring als separates Bauelement
hergestellt werden kann, welches abhängig von den jeweiligen Prüfstandversuchen in
der Zukunft durch Veränderung des Material jederzeit einfach angepasst werden kann;
- b) Freiheit bei der Verschaltung der einzelnen Polwicklungen, d.h. Verbindung der
Drahtenden:
Bei einem sechspoligen (3 Polpaare) Blechschnitt ergeben sich damit folgende Möglichkeiten
der Wicklungsverschaltung: 3 x 2 parallel oder 6 x seriell. Dies ist vorteilhaft,
da gleicher Fertigungsprozess mit Variationsfreiheit der Wicklungsverschaltung eine
Entkopplung von Wicklungsprozess und Verbindung der zwölf Drahtenden zueinander ermöglicht
Die Erfindung kann jedoch auch bei anderen Konstruktionen mit mehr als zwei Erregerstrompolen
verwendet werden, indem entsprechend mehr konzentrische Schleifringe an der Leiterplatte
ausgebildet werden. Die erfindungsgemässe Ausführung der Schleifringeinheit ist hierbei
auch exklusive der Wicklungsverschaltung denkbar. Die Wicklungsverschaltung kann dabei
über die Drahtführung realisiert werden, wobei trotzdem die Funktionalität bzw. die
Vorzüge der beschriebenen Schleifringeinheit erhalten bleiben. In diesem Fall würden
minimal zwei Drahtenden mit der Schleifringeinheit kontaktiert werden.
- c) Isolations-Trennwand 30 der Schleifringe 18 und 19 voneinander in der integrierten
Schleifringeinheit 14 zur Kooperation mit der Bürsteneinheit 16. Diese Maßnahme ist
deshalb bevorzugt, da aufgrund der-für erhöhte Dynamikanforderungen - hohen Spannungen
die Luft- und Kriechstrecken auf diese Weise einzuhalten sind, um damit sowohl einen
Überschlag als auch einen Masseschluss unterbinden zu können.
[0046] Eine Basis zur Umsetzung der obigen drei Funktionen bildet erfindungsgemäss einerseits
die Leiterplatte 17 der integrierten Schleifringeinheit 14 (Fig. 2A), in welche die
Kupferdrahtenden (nicht gezeigt) eingelötet und durch ein entsprechendes Layout miteinander
verbunden werden können. Diese Leiterplatte 17 wird dann mit zwei Kupferringen, d.h.
den Schleifringen 18 und 19 bestückt (Fig. 2B) und somit elektrisch in entsprechender
Weise verbunden. Dies bedeutet, dass Kontakte bzw. Leiterbahnen (nicht gezeigt) der
Leiterplatte 17 polrichtig einerseits mit Rotorwindungen 7 und andererseits mit den
Schleifringen 18 und 19 verschaltet sind.
[0047] Da sich der radiale Bauraum und die einzuhaltenden Luft- und Kriechstrecken gegenläufig
verhalten, wird die mit den Schleifringen 18 und 19 bestückten Leiterplatte 17 - wie
schon erwähnt - mit einer Umhüllung 20 zur Erhöhung von Luft- und Kriechstrecken,
als drittes Element der Schleifringeinheit 14 (Fig. 2C), vorzugsweise durch Kunststoffumspritzung,
versehen. Diese Umhüllung 20 der integrierten Schleifringeinheit 14 (Fig. 2C) dient:
■ Einerseits als stoffschlüssige Verbindung zwischen den verwendeten Komponenten -
namentlich der Leiterplatte 17 und den Schleifringen 18 und 19 - da die Verbindung
z.B. durch Einlöten physikalisch aufgrund der großen Fliehkraftbelastungen nicht immer
ausreichend ist;
■ Andererseits als elektrische Isolation der integrierten Schleifringeinheit 16, welche
durch die freie geometrische Gestaltung den jeweiligen funktionalen Anforderungen
einfach angepasst werden kann.
[0048] In Figur 2C ist die integrierte Schleifringeinheit 14 als eine ringförmige Einheit
ausgebildet. Zwischen den koaxial und voneinander mit einem radialen Abstand
A angeordneten Schleifringen 18 und 19 kann die integrierte Schleifringeinheit 14 mit
einer zusätzlichen Isolier-Trennwand 30 (siehe auch Fig. 8) versehen werden.
[0049] Ein in dieser Art ausgeführtes Isolationssystem hat eigentlich mindestens zwei Effekte:
Erstens ermöglicht es eine verbesserte Isolation durch verlängerte Funken- bzw. Luft-
und Kriechstrecken, und zweitens werden durch Bürsten in der Nut allfällige Kohlenstaubablagerungen
jeweils "aufgelockert" und danach durch die Fliehkräfte vom Schleifring entfernt.
Dadurch wird eine Langzeitstabilität des Isolierkörpers ermöglicht.
[0050] Mit diesem Schleifring-Bürsten-Konzept werden alle notwendigen Funktionen im vorhandenen
Bauraum realisiert und damit die Bauraumneutralität eingehalten. Darüber hinaus wird
eine Flexibilität hinsichtlich der Motorauslegung und Anpassung z.B. in der Materialwahl
der Schleifringe oder der Verschaltung der Motorwicklungen beibehalten. Diese Variationsfreiheit
ermöglicht ein rasches Reagieren auf neue Erkenntnisse und ist daher durchaus als
bedeutender Vorteil anzusehen.
[0051] Selbstverständlich können die Schleifringe bereits integriert mit der Leiterplatte
ausgebildet sein, indem die Schleifringe selbst die Leiterbahnen der Leiterplatte
bilden. Leiterplatte und Schleifringe sind jedenfalls integriert umspritzt mit elektrisch
isolierendem Kunststoff, der zusätzlich die Funken- bzw. Luft- und Kriechstrecke erhöht
und die Steifigkeit der Schleifringeinheit 14 verbessert.
[0052] Bei einer besonderen Ausgestaltung der Erfindung kann die Kunststoff-Trennwand 30
zwischen den Schleifringen 18 und 19 (Fig. 8) so hoch ausgebildet sein, dass sie mit
einer entsprechenden Nut (andeutungsweise in Fig. 6 ersichtlich) der Bürsteneinheit
16 kooperiert und somit eine völlige Abschirmung der beiden Bürsten 15 gegeneinander
beim Kontakt mit den Schleifringen 18 bzw. 19 bewirkt. In technischer Umkehr könnte
der Bürstenkörper einen entsprechenden Vorsprung aufweisen, der mit einer Ringnut
in der Isolations-Trennwand 30 zwischen den Schleifringen 18 und 19 reibungsfrei läuft.
Gegebenenfalls kann in die Isolations-Trennwand 30 ein zusätzliches durchschlagverhinderndes
Material eingegossen.
[0053] Das Funktionsprinzip von den axialen Bürsten 15 und den Schleifringen 18 und 19 beruht
darauf, den Verschleiß durch hohe Gleiteigenschaften zu minimieren, und durch die
Wahl einer geschickten Materialpaarung den Abrieb möglicherweise auf die Bürste 15
zu beschränken, da die Bürsten, im Gegensatz zur Schleifringeinheit, einfach austauschbar
konzipiert sind und damit bewusst als Verschleisskomponente "geopfert" werden.
[0054] Nach der vorliegenden Erfindung wird jedoch eine axiale Anordnung der Bürsten 15
vorgeschlagen (Figuren 1 und 3). Nach Fig. 3 wird jede der beiden zueinander parallelen,
axialen und ortfesten Bürsten 15 - durch je eine der Nuten 21 und 22 hindurch - mit
je einem der Schleifringe 18 und 19 der rotierenden integrierten Schleifringeinheit
14 kraftschlüssig in Reibkontakt gehalten. In Fig. 3 ist es auch ersichtlich, dass
bei dieser Anordnung Kohlenstaub von der integrierten Schleifringeinheit 14 durch
die hohe Umdrehungszahl immer radial weggeschleudert wird.
[0055] Die Kohlebürsten sind zurzeit in sehr unterschiedlichen Ausführungen erhältlich.
Durch die Verwendung einer standardisierten / industrialisierten Einheit ist die Bürste
bereits samt Spannfeder und (Papier)Isolation (nicht bezeichnet) vordimensioniert
und steht in zylindrischer Bauform zur Verfügung. Es ist notwendig, die einzelnen
Bürsten am Schleifring in axialer Richtung richtig (tangential zum Schleifring) zu
positionieren, sowie ihre elektrische Anbindung an eine Erreger-Spannungsquelle so
einfach wie möglich durchzuführen. Andererseits ist es nach langem Betrieb eventuell
notwendig, aufgrund der Abnutzung einen Bürstenwechsel vorzunehmen.
[0056] In Figuren 4-7 ist ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der integrierten Bürsteneinheit
16 nach der Erfindung zu sehen. Diese integrierte Bürsteneinheit 16 ist als auswechselbare
Einheit ausgebildet. Sie besteht aus einem isolierenden Gehäuse 24, vorzugsweise aus
Kunststoff, welches mit zwei Bürsten 15, z.B. Kohlebürsten bestückt ist. Das Gehäuse
24 (Fig. 4) ist mit einem abnehmbaren Deckel 25 versehen, welcher am Gehäuse 24 -
nach Einlegen oder Wechsel mindestens von einem der beiden Bürsten 15 - durch Schrauben
26 fixiert ist. Die integrierte Bürsteneinheit 16 ist mit weiteren Schrauben 27 versehen,
die zur Befestigung der Bürsteneinheit 16 in ihrer zur Schleifringeinheit 14 axial
eingestellten bzw. orientierten Stellung, - z.B. in einer Ausnehmung (nicht dargestellt)
des Lagerschildes 11 - dienen. Die integrierte Bürsteneinheit 16 kann also als Ganzes
einfach und schnell ausgetauscht werden, wenn die Bürsten 15 abgeschliffen sind.
[0057] Zur Anbindung und Auswechselbarkeit der integrierten Bürsteneinheit 16 wird eine
Steckverbindung vorgesehen, durch welche die integrierte Bürsteneinheit 16 elektrisch
an die Erregerstromzufuhr einfach angeschlossen werden kann. Wie in Figuren 5-7 dargestellt
ist, werden zu dieser Steckverbindung zwei Steckkontakte 31 einerseits am Gehäuse
24, andererseits an einem Kontaktierungselement 32 vorgesehen. Das Gehäuse 31 kann
einfach vom Kontaktierungselement 32 abgezogen werden, um die Steckkontakte 31 zu
lösen.
[0058] Für die verschiedenen Einsatzgebiete stehen unterschiedliche Bürstenwerkstoffe zur
Verfügung. Die Bürsten 15 werden gegebenenfalls auch aus Edelmetallen (und deren Legierungen)
nur bei erhöhter Anforderung an die Kontaktgüte eingesetzt. Sind jedoch hohe Temperaturen
und erhöhte mechanische Belastungen hinsichtlich Bürstengeschwindigkeit zu erwarten,
wie z.B. bei Elektromotoren für Hauptantriebe von Elektromobilen, dann werden Kohlenstoffwerkstoffe
(z.B. Hartkohle, Kohlegraphit, Spezialgraphit, Elektrographit, Metallgraphit, usw.)
verwendet.
[0059] Die Auswahl des Bürstenmaterials ist jedoch mit der Werkstoffswahl für den Schleifring
18-19 eng verknüpft. Beispielsweise diffundiert der Kohlenstoff der Bürste 15 - bei
einer Paarung Kupfer-Graphit - in die oxidierte Oberfläche des Kupfer-Schleifrings
ein und wirkt dort sowohl härtend als auch schmierend, was ebenfalls in Betracht zu
nehmen ist.
[0060] Um Verschleiß beim erfindungsgemäßen Schleifring-Bürsten-System 2 möglicherweise
ausschließlich auf den Bürstenverschleiß zu beschränken, stehen Werkstoffe für die
Schleifringe 18-19 zur Verfügung, so z.B. ein Schleifring aus Cu oder Cu-Legierungen,
CuZn, CuSn, Ag oder Ag-Legierungen, Au oder Au-Legierungen, Stahl, bzw. ein Überzug
aus Ni oder Co, oder aus galvanisierter Au-Schicht.
[0061] Es wurde durch Prüfstand-Zyklusversuche bewiesen, dass die unsererseits vorgeschlagenen
Materialpaarungen für die Rotorstromübertragung mit der axialen Bürste 15 und Schleifring
18-19 ausgezeichnet sind. Wir haben dabei zwei Materialpaarungen bevorzugt:
- Die bevorzugte elektrische Materialpaarung ist C72/CuAg0.1 (Bürste/Schleifring).
- Die bevorzugte mechanische Materialpaarung ist E43/CuSn10 anzusehen, d.h. die Bürsten
15 sind aus Elektrographit "E43" und die Schleifringe 18-19 sind aus CuSn10 (Kupfer-Zinn)
gefertigt.
[0062] Sowohl die Materialwahl als auch die Dimensionierung der Bürsten 15 und der Schleifringe
18-19 erfordert große Erfahrung auf diesem Gebiet. Aufgrund der sensiblen, meist gegensätzlichen
Beeinflussung vieler Parameter ist in erster Linie oft nur eine Abschätzung möglich.
Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung wurden jedoch einige Parameter zusammengestellt,
mit deren Hilfe eine erfinderische Auslegung durchgeführt werden konnte.
[0063] Einer dieser Parameter ist die Stromdichte in der Bürste 15. Bekannterweise ist neben
der Limitierung durch die elektrische Überlastung auch ein unteres Limit der Stromdichte
einzuhalten, um den Verschleiß der Bürste 15 minimal zu halten. Bei einer Elektrographit-Bürste
war die Stromdichte bei unseren Versuchen zwischen 4,0-16,0 [A/cm
2], bei kurzzeitiger Überlastung um 30,0 [A/cm
2]. Diese Bürste 15 lieferte sehr gute Ergebnisse speziell bei hohen Schleifring-Geschwindigkeiten
(um 88,0 - 96,0 m/s).
[0064] Ein zweites, aber ebenfalls wichtiges Dimensionierungskriterium ist die Temperatur.
Aufgrund der mechanischen Reibung zwischen Bürste und Schleifring und der elektrischen
Verlustleistung durch den Widerstand in der Bürste ergeben sich unmittelbar an der
Bürste erhöhte Temperaturen. Die Auswirkungen der Temperatur auf das Verschleißverhalten
sind sehr komplex. Es kann festgehalten werden, dass nach unseren Versuchen ein Temperaturbereich
von 60-90°C einen bevorzugten Bereich darstellt. Damit ist eine geeignete Bildung
der Oxidschicht gewährleistet, die wiederum unabdingbar für einen geringen Bürstenverschleiß
anzusehen ist.
[0065] Über die Bürstenfläche wird Wärme in den Schleifring eingebracht, welche über die
restliche Ringfläche wieder abgegeben werden muss um im thermischen Gleichgewicht
zu bleiben. Daher bestand unser Ziel auch darin, die Bürstenfläche im Verhältnis zur
übrigen Schleifringfläche so klein wie möglich zu halten. Aufgrund der geringen Erregerleistung
kann die Querschnittsfläche der axialen Bürsten 15 (siehe Fig.1) sehr gering gehalten
werden.
[0066] In Fig. 1 sind eine Anschlussbox 28 für elektrische Sicherheitskomponenten und externe
Stromzuführung, sowie ein elektrisches Verbindungselement 29 zwischen der Bürsteneinheit
16 und der Anschlussbox 28 nur schematisch mit gestrichelten Linien dargestellt.
[0067] Zusammenfassend ist zu bemerken, dass durch das erfindungsgemäße Schleifring-Bürsten-System
2 mindestens die folgenden Vorteile erreicht werden können:
- Kontinuierliche und störungsfreie Signal- oder Stromübertragung mit hoher Dynamik
sogar bei stromerregten Synchronmotoren mit hoher Drehzahl;
- Bauraumneutralität, d.h. eine Kompatibilität hinsichtlich äusserer Motorgeometrie
für verschiedene Elektromotortypen;
- Kompakte Konstruktion und minimale Baulänge bei axialer Bürstenposition (vgl. die
Ausnutzung des Hohlraums unter bzw. innerhalb der Statorwickelköpfe 10 in Fig.1);
- Zuverlässige stirnseitige Befestigungsmöglichkeit der integrierten Schleifringeinheit
14 am Rotor;
- Kompakte und leicht auswechselbare integrierte Bürsteneinheit 16 mit elektrischer
Steckverbindung;
- Flexibilität hinsichtlich der Motorauslegung und Anpassung in der Materialauswahl
der Schleifringe 18 und 19 und der Bürsten 15, sowie der Verschaltung der Motorwicklungen;
- Kontinuierliche Gleichstromübertragung insbesondere bei Fahrzeugantrieben;
- Den Durchmesser des Motors, sowie die Bürstengeschwindigkeit zu reduzieren, was zu
einem geringeren Verschleiß führt.
[0068] Die Erfindung ist selbstverständlich nicht auf das beschriebene Ausführungsbeispiel
beschränkt. Auch weitere Ausführungsformen und Kombinationen sind denkbar innerhalb
des beanspruchten Schutzumfanges aufgrund der obigen Offenbarung.
LISTE DER BEZUGSZEICHEN:
[0069]
1 - Stromerregter Synchronmotor
2 - Schleifring-Bürsten-System
3 - Stator
4 - Rotor
5 - Stützring
6 - Rotorblechpaket
7 - Wickelkopf
8 - Statorblechpaket
9 - Schraube
10 - Statorwicklung
11 - Lagerschild
12 - Rotorwelle
13 - Rotationsachse
14 - Integrierte Schleifringeinheit
15 - Bürste
16 - Integrierte Bürsteneinheit
17 - Leiterplatte
18 - Schleifring
19 - Schleifring
20 - Umhüllung/Kunststoffumspritzung
21 - Nut
22 - Nut
23 - Bohrung
24 - Gehäuse
25 - Deckel
26 - Schraube
27 - Schraube
28 - Anschlussbox
29 - Verbindungselement
30 - Isolier-Trennwand
31 - Steckkontakt
32 - Kontaktierungselement
1. Schleifring-Bürsten-System für Übertragung von Erregerstrom auf einen Rotor elektrischer
Rotationsmaschinen, insbesondere stromerregter Synchronmotoren, mit am Rotor befestigten
Schleifringen und in einem drehfesten Teil ortsfest angeordneten Bürsten, wobei jede
der Bürsten mit je einem der Schleifringe in einer stromübertragenden Gleit-Reibungsverbindung
steht, dadurch gekennzeichnet, dass die Schleifringe (18, 19) an einer steifen Leiterplatte (17) ausgebildet sind und
mit dieser durch eine isolierende Umhüllung (20) zu einer integrierten Schleifringeinheit
(14) vereinigt sind, in welcher die Schleifringe (18, 19) koaxial und voneinander
mit einem radialen Abstand (A) angeordnet sind und mit je einer der Bürsten (15) zusammenwirken,
wobei die Bürsten (15) in axialer Richtung des Rotors (4) orientiert sind, und dass
die integrierte Schleifringeinheit (14) stirnseitig am Rotor (4) mitdrehstarr befestigt
ist.
2. Das Schleifring-Bürsten-System nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Leiterplatte (17) der integrierten Schleifringeinheit (14) Kontakte bzw. Leiterbahnen
umfasst, die polrichtig einerseits mit Rotorwindungen (7) und andererseits mit den
Schleifringen (18,19) verschaltet sind.
3. Das Schleifring-Bürsten-System nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die integrierte Schleifringeinheit (14) an einem, die Wickelköpfe (7) des Rotors
(4) abstützenden Stützring (5), stirnseitig befestigt ist.
4. Das Schleifring-Bürsten-System nach einem der Ansprüche 1-3, dadurch gekennzeichnet, dass die integrierte Schleifringeinheit (14) ring-scheibenförmig ausgestaltet ist.
5. Das Schleifring-Bürsten-System nach einem der Ansprüche 1-4, dadurch gekennzeichnet, dass im radialen Abstand (A) zwischen den koaxialen Schleifringen (18, 19) der integrierten
Schleifringeinheit (14) eine zusätzliche elektrische Isolier-Trennwand (30) vorzugsweise
aus Kunststoff eingebaut ist, in die gegebenenfalls noch weiteres durchschlagverhinderndes
Material - gegebenenfalls aus Papier o.dgl. - eingegossen ist.
6. Das Schleifring-Bürsten-System nach einem der Ansprüche 1-5, dadurch gekennzeichnet, dass die isolierende Umhüllung (20) der integrierten Schleifringeinheit (14) als eine
Kunststoffumspritzung ausgebildet ist.
7. Das Schleifring-Bürsten-System nach einem der Ansprüche 1-6, dadurch gekennzeichnet, dass die axialen Bürsten (15) in einem gemeinsamen Gehäuse (24) zu einer integrierten
Bürsteneinheit (16) vereinigt sind.
8. Das Schleifring-Bürsten-System nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die integrierte Bürsteneinheit (16) als ganzes Modul auswechselbar ausgebildet ist.
9. Das Schleifring-Bürsten-System nach einem der Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die integrierte Bürsteneinheit (16) mit einer elektrischen Steckverbindung (31, 32)
zur Verbindung mit einer Erregerstromquelle versehen ist.
10. Das Schleifring-Bürsten-System nach einem der Ansprüche 1-9, dadurch gekennzeichnet, dass die axialen Bürsten (15) aus Elektrographit "E43" bestehen.
11. Das Schleifring-Bürsten-System nach einem der Ansprüche 1-10, dadurch gekennzeichnet, dass die Schleifringe (18, 19) der integrierten Schleifringeinheit (14) aus CuSn10 (Kupfer-Zinn-Legierung)
bestehen.
12. Das Schleifring-Bürsten-System nach einem der Ansprüche 1-11, dadurch gekennzeichnet, dass das Schleifring-Bürsten-System (2) in den stromerregten Synchronmotor (1) in einen
Einbauraum einbaubar bzw. eingebaut ist, welcher axial von einem Stützring (5) des
Rotors (4) und von einem Lagerschild (11) des Synchronmotors (1), sowie in radialer
Richtung durch das Lagerschild (11) und den Wickelkopf einer Statorwicklung (10) begrenzt
ist.