[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Carbonitrierung mindestens eines
Metallteils.
Stand der Technik
[0003] Die Druckschrift
DE 199 09 694 A1 beschreibt ein Carbonitrierungsverfahren, in dem die Eindiffusion des Stickstoffs
während des gesamten Prozesses oder bei Verwendung von Stickstoff als Spendergas vorzugsweise
allein in der letzten Prozessphase erfolgt.
[0004] Die Druckschrift
DE 101 18 494 C2 beschreibt ein Niederdruck-Carbonitrierungsverfahren, in dem Stahlteile zunächst
aufgekohlt und anschließend mit einem Stickstoffspendergas aufgestickt werden.
[0005] Die Druckschrift
DE 103 22 255 A1 beschreibt ein Verfahren zur Aufkohlung von Stahlteilen, in dem sowohl während der
Aufheizphase als auch während der Diffusionsphase stickstoffabgebendes Gas zugegeben
wird.
[0006] Die
EP 1752551 A1 offenbart ein Verfahren zur Carbonitrierung eines Metallteils mit einer Aufstickungsphase,
die eine Mehrzahl von Begasungszyklen umfasst und von einer Aufkohlungsphase gefolgt
wird.
[0007] Durch ein Aufsticken nach oder während der letzten Aufkohlungsphase wird jedoch nur
in einem oberflächennahen Bereich, der eine geringere Tiefe aufweist als der aufgekohlte
Bereich, Stickstoff angereichert. Dies führt dazu, dass die Anlassbeständigkeit, Härte,
Festigkeit und Verschleißbeständigkeit im aufgekohlten Bereich nicht ausreichend erhöht
werden kann.
[0008] Eine Aufstickung während der Aufheizphase führt hingegen zu einer inhomogenen Anlassbeständigkeit,
Härte, Festigkeit und/oder Verschleißbeständigkeit innerhalb des Metallteils oder
innerhalb einer Charge von Metallteilen.
[0009] Der Erfindung liegt damit die Aufgabe zu Grunde, ein Verfahren zur Carbonitrierung
von Metallteilen zur Verfügung zu stellen, mit dem die Anlassbeständigkeit und/oder
Härtbarkeit eines Metallteils verbessert und/oder eine mit der Aufkohlungstiefe vergleichbare
Aufstickungstiefe erzielt werden kann.
Offenbarung der Erfindung
[0010] Diese Aufgabe wird durch das erfindungsgemäße Verfahren zur Carbonitrierung mindestens
eines Metallteils gelöst, in dem das Metallteil in einer Aufheizphase auf eine Behandlungstemperatur
aufgeheizt, in mindestens einer Aufstickungsphase mit einem Stickstoffspendergas aufgestickt
und in mindestens einer Aufkohlungsphase mit einem Kohlenstoffspendergas aufgekohlt
wird und das dadurch gekennzeichnet ist, dass die erste Aufstickungsphase nach dem
Abschluss der Aufheizphase und vor dem Beginn der ersten Aufkohlungsphase beginnt
und während, mit oder nach der ersten Aufkohlungsphase endet, wobei das Verfahren
zwischen der Aufheizphase und der ersten Aufstickungsphase eine Temperaturvergleichmäßigungsphase
aufweist, in welcher die Behandlungstemperatur zur Vergleichmäßigung der Temperatur
innerhalb des Metallteils oder zwischen mehreren Metallteilen, insbesondere bei einer
konstanten Atmosphäre, konstant gehalten wird, wobei das Verfahren ein Niederdruck-Carbonitrierungsverfahren
ist, wobei die Behandlungstemperatur in einem Bereich von ≥ 780 °C bis ≤ 1050 °C liegt,
und wobei während der Aufstickungsphase ein Stickstoffspendergas-Partialdruck von
unter 500 mbar vorliegt.
[0011] Dass die erste Aufstickungsphase erst nach dem Abschluss der Aufheizphase beginnt
hat den Vorteil, dass Temperaturgradienten innerhalb des Metallteils oder innerhalb
einer Charge von mehreren Metallteilen vermindert werden können und dadurch eine inhomogene
Anlassbeständigkeit, Härte, Festigkeit und/oder Verschleißbeständigkeit innerhalb
des Metallteils oder innerhalb einer Charge von Metallteilen vermieden werden kann.
[0012] Dass mit der ersten Aufkohlungsphase erst nach dem Beginn der Aufstickungsphase begonnen
wird, hat den Vorteil, dass der in die Oberfläche des Metallteils eingetragene Stickstoff
über die ganze weitere Behandlungsdauer in das Metallteil diffundieren kann und zur
Erhöhung der Anlassbeständigkeit, Härte, Festigkeit und Verschleißbeständigkeit in
der Randzone beiträgt.
[0013] Darüber hinaus wird dadurch, dass mit der ersten Aufkohlungsphase erst nach dem Beginn
der Aufstickungsphase begonnen wird, die Stickstoffdiffusion beziehungsweise Kohlenstoffdiffusion
beschleunigt. Dies liegt darin begründet, dass Stickstoffatome und Kohlenstoffatome
die gleichen Zwischengitterplätze im Kristallgitter des Metalls belegen können. Mit
der Durchführung einer Aufkohlungsphase im Anschluss an eine Aufstickungsphase können
frei werdende oberflächennahe Zwischengitterplätze durch Kohlenstoffatome belegt werden
und somit die Effusion von Stickstoffatomen und die damit verbundene Stickstoffdiffusion
zur Oberfläche hin erschwert werden. Dadurch kann mit der vorgeschlagenen Prozessführung
auch eine Reduzierung der im Niederdruckbereich vorkommenden und bekannten Stickstoffeffusion
erreicht werden.
[0014] Weiterhin kann der Stickstoff durch das frühzeitige Stickstoffangebot verhältnismäßig,
beispielsweise bis zu 1,5 mm oder sogar bis zu 6 mm, tief in die Randschicht des Metallteils
eingebracht werden. Dadurch kann bei Metallteilen, beispielsweise mit einer Betriebstemperatur
von bis zu 300 °C oder sogar bis zu 350 °C, eine Erhöhung der Anlassbeständigkeit
im Randbereich erzielt, eine ausreichende Härte, Festigkeit und/oder Verschleißbeständigkeit
erreicht und/oder eine dauerhafte Funktion des Metallteils gewährleistet werden.
[0015] Ferner kann mit dem erfindungsgemäßen Verfahren eine Randkohlenstoffkonzentration
vorn ≥ 0,3 Massenprozent bis ≤ 0,7 Massenprozent oder sogar von bis zu 1 Massenprozent,
und eine Randstickstoffkonzentration von ≥ 0,1 Massenprozent bis ≤ 0,35 Massenprozent
oder sogar von bis zu 0,5 Massenprozent erzielt werden. Zur Erhöhung der Anlassbeständigkeit,
Härte, Festigkeit und/oder Verschleißbeständigkeit kann im Bereich der Aufkohlungstiefe,
beispielsweise bis zu 1,5 mm oder sogar bis zu 6 mm tief, vorteilhafterweise eine
Stickstoffkonzentration von mindestens 0,05 Massenprozent, gegebenenfalls von mindestens
0,15 Massenprozent, erreicht werden sein.
[0016] Insbesondere kann das erfindungsgemäße Verfahren zur Carbonitrierung der Randschicht
eines Metallteils eingesetzt werden. Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch zur
Carbonitrierung von mehreren Metallteilen eingesetzt werden. Zum Beispiel kann das
erfindungsgemäße Verfahren zur Carbonitrierung von einem oder mehreren metallischen
Werkstücken eingesetzt werden.
[0017] Bei dem Metall des Metallteils kann es sich sowohl um ein Metall als auch um eine
Metalllegierung, beispielsweise Stahl, handeln.
[0018] Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens endet die erste Aufstickungsphase, insbesondere
direkt vor der ersten Aufkohlungsphase oder während der ersten Aufkohlungsphase oder
mit der ersten Aufkohlungsphase oder nach der ersten Aufkohlungsphase. Dadurch, dass
die erste Aufkohlungsphase direkt an die erste Aufstickungsphase anschließt oder zumindest
teilweise gleichzeitig mit der ersten Aufstickungsphase abläuft kann die Stickstoffeffusion
während weiterer Aufkohlungsphasen, weiterer Aufstickungsphasen oder Diffusionsphasen
reduziert oder verhindert werden.
[0019] Weiterhin kann das erfindungsgemäße Verfahren mindestens eine zweite Aufstickungsphase
aufweisen. Diese kann beispielsweise nach der ersten Aufkohlungsphase ablaufen. Insbesondere
kann die zweite Aufstickungsphase im Anschluss an die erste Aufkohlungsphase beginnen.
[0020] Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens weist das Verfahren zwischen der Aufheizphase
und der ersten Aufstickungs-phase eine Temperaturvergleichmäßigungsphase auf, in welcher
die Behandlungstemperatur zur Vergleichmäßigung der Temperatur in dem Metallteil oder
zwischen mehreren Metallteilen, insbesondere bei einer konstanten Atmosphäre, konstant
gehalten wird. Dabei kann unter einer konstanten Atmosphäre sowohl Vakuum als auch
eine, vorzugsweise inerte, Gasatmosphäre mit konstantem Druck und konstanter Zusammensetzung
verstanden werden. Insbesondere kann die Temperaturvergleichmäßigungsphase anschließend
an die Aufheizphase ablaufen. Die erste Aufstickungsphase kann wiederum anschließend
an die Temperaturvergleichmäßigungsphase ablaufen. Die Temperaturvergleichmäßigungsphase
kann zum Beispiel mindestens 5 min, insbesondere 30 min, dauern. Eine Temperaturvergleichmäßigungsphase
hat den Vorteil, dass Temperaturgradienten innerhalb des Metallteils oder innerhalb
einer Charge von mehreren Metallteilen weiter vermindert werden können und dadurch
eine inhomogene Anlassbeständigkeit, Härte, Festigkeit und/oder Verschleißbeständigkeit
innerhalb des Metallteils oder innerhalb einer Charge von Metallteilen weiter vermieden
werden kann.
[0021] In den auf die Temperaturvergleichmäßigungsphase folgenden Phasen, beispielsweise
Aufstickungsphasen, Aufkohlungsphasen und/oder Diffusionspha sen, kann die Behandlungstemperatur
weiterhin konstant, insbesondere auf der gleichen Behandlungstemperatur wie in der
Temperaturvergleichmäßigungsphase, gehalten werden. Eine Erhöhung oder Absenkung der
Temperatur bei einer anschließenden Behandlungsphase ist jedoch denkbar.
[0022] Im Rahmen einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das
Verfahren in einer, insbesondere evakuierbaren, Behandlungskammer durchgeführt.
[0023] Im Rahmen einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens weist das
Verfahren mindestens eine Diffusionsphase auf, in welcher die Behandlungskammer evakuiert
und/oder mit einem Inertgas, beispielsweise Argon, gefüllt wird. Die erste Diffusionsphase
kann beispielsweise zwischen der ersten Aufstickungsphase und der ersten Aufkohlungsphase
oder zwischen der ersten Aufkohlungsphase und der zweiten Aufstickungsphase ablaufen.
[0024] Im Rahmen einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens weist das
Verfahren neben der ersten Aufstickungsphase mindestens eine weitere Aufstickungsphase
und/oder neben der ersten Aufkohlungsphase mindestens eine weitere Aufkohlungsphase
und/oder neben der ersten Diffusionsphase mindestens eine weitere Diffusionsphase
auf. Die weiteren Aufstickungsphasen und/oder weiteren Aufkohlungsphasen können sowohl,
insbesondere direkt, hintereinander, beispielsweise alternierend, als auch teilweise
oder vollständig gleichzeitig ablaufen. Durch gleichzeitige oder hintereinander ablaufende
Aufstickungsphasen und Aufkohlungsphasen kann die Kohlenstoff- und Stickstoffdiffusion
im Gefüge des Metallteils vorteilhafterweise erhöht werden. Zwischen den weiteren
Aufstickungsphasen und/oder weiteren Aufkohlungsphasen können darüber hinaus weitere
Diffusionsphasen ablaufen. Beispielsweise kann eine weitere Aufkohlungsphase während
oder im Anschluss an eine weitere Aufstickungsphase beginnen oder eine weitere Aufstickungsphase
während oder im Anschluss an eine Aufkohlungsphase beginnen. Nach dem Abschluss dieser
beiden Phasen kann dann zum Beispiel eine weitere Diffusionsphase beginnen.
[0025] Im Rahmen einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens umfasst
das Stickstoffspendergas eine Verbindung, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus
Ammoniak, Stickstoff und Mischungen davon, insbesondere Am moniak. Insbesondere kann
das Stickstoffspendergas aus einer Verbindung, ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus Ammoniak, Stickstoff und Mischungen davon, insbesondere Ammoniak, bestehen.
[0026] Im Rahmen einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens umfasst
das Kohlenstoffspendergas eine Verbindung, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus
Acetylen, Ethylen, Propan, Propen, Methan und Mischungen davon. Insbesondere kann
das Kohlenstoffspendergas aus einer Verbindung, ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus Acetylen, Ethylen, Propan, Propen, Methan und Mischungen davon, bestehen.
[0027] Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens ist das Verfahren ein Niederdruck-Carbonitrierungsverfahren.
[0028] Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt die Behandlungstemperatur in einem
Bereich von ≥ 780 °C bis ≤ 1050 °C, insbesondere von ≥ 780 °C bis ≤ 950 °C.
[0029] Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt während der Aufstickungsphasen ein
Stickstoffspendergas-Partialdruck von unter 500 mbar, beispielsweise von unter 100
mbar, insbesondere von unter oder gleich 50 mbar, zum Beispiel von unter 20 mbar,
vor. Während der Aufkohlungsphasen kann zum Beispiel ein Kohlenstoffspendergas-Partialdruck
von unter 300 mbar, insbesondere von unter 20 mbar, beispielsweise von unter 10 mbar,
vorliegen.
[0030] Um Stickstoffverluste durch Stickstoffeffusion während einer Diffusionssequenz auszugleichen,
kann während oder vor einer, insbesondere der Diffusionsphase vorgeschalteten, Aufstickungsphase
die Temperatur, beispielsweise auf eine Temperatur, welche innerhalb eines Bereichs
von 850 °C bis 950 °C liegt angepasst/erhöht; und/oder das Stickstoffangebot, beispielsweise
durch eine Erhöhung des Stickstoffspendergas-Partialdrucks, beispielsweise auf 50
mbar oder 30 mbar, und/oder des Stickstoffspendergas-Volumendurchsatzes, beispielsweise
auf 3000 l/h, erhöht werden. Auf diese Weise kann die Stickstoffkonzentration im oberflächennahen
Bereich, beispielsweise von ≥ 0,1 mm bis ≤ 0,2 mm oder sogar von bis zu 0,3 mm, höher
als im Endprodukt eingestellt und eine Stickstoffeffusion kompensiert werden. Wird
die Stickstoffkonzentration in einer anschließenden Diffusionsphase nun aufgrund von
Stickstoffeffusion verringert und nimmt beispielsweise auf eine Randstickstoffkonzentration
von bis zu 0,5 Massenprozent oder beispielsweise auf ≥ 0,1 Massenprozent bis ≤ 0,35
Massenprozent ab, so kann eine Erhöhung der Anlassbeständigkeit und Härtbarkeit an
der Oberfläche vorteilhafterweise trotzdem gewährleistet werden.
[0031] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Metallteil, beispielsweise
ein metallisches Werkstück, bei dem die Aufstickungstiefe größer als die Aufkohlungstiefe
ist. Ein derartiges Metallteil kann durch ein erfindungsgemäßes Verfahren hergestellt
werden. Vorteilhaft dabei ist, dass das Bauteil eine tiefreichende Stützwirkung unter
mechanischer Belastung bei erhöhten Betriebstemperaturen aufweisen kann.
[0032] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Metallteil, beispielsweise
ein metallisches Werkstück, hergestellt durch ein erfindungsgemäßes Verfahren. Insbesondere
kann bei einem derartigen Metallteil die Aufstickungstiefe größer als die Aufkohlungstiefe
sein.
Zeichnungen
[0033] Weitere Vorteile und vorteilhafte Ausgestaltungen der erfindungsgemäßen Gegenstände
werden durch die Zeichnung veranschaulicht und in der nachfolgenden Beschreibung erläutert.
Dabei ist zu beachten, dass die Zeichnung nur beschreibenden Charakter hat und nicht
dazu gedacht ist, die Erfindung in irgendeiner Form einzuschränken.
[0034] Fig. 1 zeigt einen Graphen zur schematischen Veranschaulichung einer Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0035] Im Rahmen der in Figur 1 gezeigten Ausführungsform umfasst das Verfahren eine Aufheizphase
1, eine Temperaturvergleichmäßigungsphase 4, vier Aufstickungsphasen 2a, 2b, 2c, 2d,
vier Aufkohlungsphasen 3a, 3b, 3c, 3d und zwei Diffusionsphasen 5a, 5b.
[0036] Figur 1 zeigt, dass während der Aufheizphase 1 die Temperatur mit einer konstanten
Aufheizrate kontinuierlich bis auf eine Behandlungstemperatur von etwa 950 °C erhöht
wird.
[0037] In der an die Aufheizphase 1 anschließenden Temperaturvergleichmäßigungsphase 4 wird
die Behandlungstemperatur konstant auf etwa 950 °C gehalten. Während der Aufheizphase
1 und der Temperaturvergleichmäßigungsphase 4 wird dabei weder ein Stickstoffspendergas
noch ein Kohlenstoffspendergas zugeführt.
[0038] In der an die Temperaturvergleichmäßigungsphase 4 anschließenden ersten Aufstickungsphase
2a wird ein Stickstoffspendergas, beispielsweise Ammoniak, mit einem Stickstoffspendergas-Partialdruck
von etwa 50 mbar zugeführt. Die Behandlungstemperatur wird dabei ebenso wie in den
folgenden Aufstickungsphasen 2b, 2c, 2d, Aufkohlungsphasen 3a, 3b, 3c, 3d und Diffusionsphasen
5a, 5b konstant auf etwa 950 °C gehalten. An die erste Aufstickungsphase 2a schließt
sich eine erste Aufkohlungsphase 3a an, in welcher der Stickstoffspendergas-Partialdruck
wieder auf 0 mbar gesenkt und der Kohlenstoffspendergas-Partialdruck auf etwa 10 mbar
erhöht wird. An die erste Aufkohlungsphase 3a schließt sich eine erste Diffusionsphase
5a an, in welcher der Kohlenstoffspendergas-Partialdruck wieder auf 0 mbar gesenkt
wird. Dies kann beispielsweise durch Evakuieren der Behandlungskammer oder Füllen
der Behandlungskammer mit einem Inertgas erfolgen.
[0039] An die erste Diffusionsphase 5a schließt sich eine zweite Aufkohlungsphase 3b mit
einem Kohlenstoffspendergas-Partialdruck von etwa 10 mbar und eine zweite Aufstickungsphase
2b mit einem Stickstoffspendergas-Partialdruck von etwa 50 mbar an. Figur 1 zeigt,
dass die zweite Aufkohlungsphase 3b und die zweite Aufstickungsphase 2b gleichzeitig
beginnen. Die zweite Aufkohlungsphase 3b ist jedoch länger als die zweite Aufstickungsphase
2b und endet daher erst nach der Aufstickungsphase 2b. In dem Zeitraum, in dem beide
Phasen 2b, 3b gleichzeitig ablaufen, liegt ein Kohlenstoffspendergas-Partialdruck
von etwa 10 mbar und ein Stickstoffspendergas-Partialdruck von etwa 50 mbar vor. Nach
Abschluss der zweiten Aufstickungsphase 2b wird der Stickstoffspendergas-Partialdruck
jedoch auf 0 mbar gesenkt und der Kohlenstoffspendergas-Partialdruck von etwa 10 mbar
bis zum Ende der zweiten Aufkohlungsphase 3b aufrechterhalten. An die zweite Aufkohlungsphase
3b schließt eine zweite Diffusionsphase 5b an, in welcher der Aufkohlungsspendergas-Partialdruck
erneut auf 0 mbar gesenkt wird.
[0040] An die zweite Diffusionsphase 5b schließt wiederum eine dritte Aufkohlungsphase 3c
mit einem Kohlenstoffspendergas-Partialdruck von etwa 10 mbar an. Nach Abschluss der
dritten Aufkohlungsphase 3c wird der Kohlenstoffspendergas-Partialdruck auf 0 mbar
gesenkt und es läuft eine dritte Aufstickungsphase 2c mit einem Stickstoffspendergas-Partialdruck
von etwa 50 mbar ab. An diese schließt sich wiederum eine vierte Aufkohlungsphase
3d an, in welcher der Stickstoffspendergas-Partialdruck auf 0 mbar gesenkt und der
Kohlenstoffspendergas-Partialdruck auf etwa 10 mbar erhöht wird. Nach Abschluss der
vierten Aufkohlungsphase 3d wird der Kohlenstoffspendergas-Partialdruck wieder auf
0 mbar gesenkt und es läuft eine vierte Aufstickungsphase 2d mit einem Stickstoffspendergas-Partialdruck
von etwa 50 mbar ab, welche - verglichen mit den vorherigen Aufstickungsphasen 2a-2c
- sehr lang ist. Nach dieser letzten Aufstickungsphase 2d wird die Behandlungstemperatur
von 950 °C nicht weiter aufrecht gehalten und eine Abschreckung auf Raumtemperatur
durchgeführt, um die gewünschte Gefügezusammensetzung einzustellen.
[0041] Es versteht sich von selbst, dass auf diese Weise zahlreiche Verfahren zur Carbonitrierung
möglich sind und die Erfindung nicht auf die erläuterte Abfolge und Anzahl von vier
Aufstickungsphasen 2a, 2b, 2c, 2d, vier Aufkohlungsphasen 3a, 3b, 3c, 3d und zwei
Diffusionsphasen 5a, 5b beschränkt ist.
1. Verfahren zur Carbonitrierung mindestens eines metallischen Metallteils, in dem das
Metallteil
- in einer Aufheizphase (1) auf eine Behandlungstemperatur aufgeheizt wird,
- in mindestens einer Aufstickungsphase (2a-2d) mit einem Stickstoffspendergas aufgestickt
wird, und
- in mindestens einer Aufkohlungsphase (3a-3d) mit einem Kohlenstoffspendergas aufgekohlt
wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
die erste Aufstickungsphase (2a) nach dem Abschluss der Aufheizphase (1) und vor dem
Beginn der ersten Aufkohlungsphase (3a) beginnt und während, mit oder nach der ersten
Aufkohlungsphase (3a) endet, wobeidas Verfahren zwischen der Aufheizphase (1) und
der ersten Aufstickungsphase (2a) eine Temperaturvergleichmäßigungsphase (4) aufweist,
in welcher die Behandlungstemperatur zur Vergleichmäßigung der Temperatur innerhalb
des Metallteils oder zwischen mehreren Metallteilen, insbesondere bei einer konstanten
Atmosphäre, konstant gehalten wird,
wobei das Verfahren ein Niederdruck-Carbonitrierungsverfahren ist,
wobei die Behandlungstemperatur in einem Bereich von ≥ 780 °C bis ≤ 1050 °C liegt,
und
wobei während der Aufstickungsphase (2a-2d) ein Stickstoffspendergas-Partialdruck
von unter 500 mbar vorliegt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren in einer, insbesondere evakuierbaren, Behandlungskammer durchgeführt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren mindestens eine Diffusionsphase (5a, 5b) aufweist, in welcher die Behandlungskammer
evakuiert und/oder mit einem Inertgas gefüllt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren neben der ersten Aufstickungsphase (2a) mindestens eine weitere Aufstickungsphase
(2b-2d) und/oder neben der ersten Aufkohlungsphase (3a) mindestens eine weitere Aufkohlungsphase
(3b-3d) und/oder neben der ersten Diffusionsphase (5a) mindestens eine weitere Diffusionsphase
(5b) aufweist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Stickstoffspendergas eine Verbindung, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus
Ammoniak, Stickstoff und Mischungen davon, umfasst.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Kohlenstoffspendergas eine Verbindung, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus
Acetylen, Ethylen, Propan, Propen, Methan und Mischungen davon, umfasst.
1. Method for carbonitriding at least one metallic metal part, in which the metal part
- is heated in a heating-up phase (1) to a treatment temperature,
- is nitrided in at least one nitriding phase (2a-2d) using a nitrogen donor gas,
and
- is carburized in at least one carburizing phase (3a-3d) using a carbon donor gas,
characterized in that
the first nitriding phase (2a) begins after the end of the heating-up phase (1) and
prior to the beginning of the first carburizing phase (3a) and ends during, with or
after the first carburizing phase (3a), wherein the method has, between the heating-up
phase (1) and the first nitriding phase (2a), a temperature equalizing phase (4) in
which the treatment temperature is kept constant in order to equalize the temperature
within the metal part or between multiple metal parts, in particular under a constant
atmosphere,
wherein the method is a low-pressure carbonitriding method,
wherein the treatment temperature is in a range between ≥ 780°C and ≤ 1050°C, and
wherein during the nitriding phase (2a-2d) a nitrogen donor gas is present at a partial
pressure of below 500 mbar.
2. Method according to Claim 1, characterized in that the method is carried out in a treatment chamber, in particular one that can be evacuated.
3. Method according to Claim 2, characterized in that the method has at least one diffusion phase (5a, 5b) in which the treatment chamber
is evacuated and/or filled with an inert gas.
4. Method according to Claim 3, characterized in that the method has, in addition to the first nitriding phase (2a), at least one further
nitriding phase (2b-2d) and/or in addition to the first carburizing phase (3a) at
least one further carburizing phase (3b-3d) and/or in addition to the first diffusion
phase (5a) at least one further diffusion phase (5b).
5. Method according to one of Claims 1 to 4, characterized in that the nitrogen donor gas comprises a compound chosen from the group consisting of ammonia,
nitrogen and mixtures thereof.
6. Method according to one of Claims 1 to 5, characterized in that the carbon donor gas comprises a compound chosen from the group consisting of acetylene,
ethylene, propane, propene, methane and mixtures thereof.
1. Procédé de carbonitration d'au moins une pièce métallique, selon lequel la pièce métallique
- est chauffée dans une phase de chauffage (1) à une température de traitement,
- azotée avec un gaz donneur d'azote dans au moins une phase d'azotation (2a-2d),
et
- carburée avec un gaz donneur de carbone dans au moins une phase de carburation (3a-3d),
caractérisé en ce que la première phase d'azotation (2a) débute après la fin de la phase de chauffage (1)
et avant le début de la première phase de carburation (3a), et finit pendant, en même
temps que ou après la première phase de carburation (3a), le procédé comprenant entre
la phase de chauffage (1) et la première phase d'azotation (2a) une phase d'uniformisation
de la température (4), lors de laquelle la température de traitement est maintenue
constante, notamment avec une atmosphère constante, pour l'uniformisation de la température
dans la pièce métallique ou entre plusieurs pièces métalliques,
le procédé étant un procédé de carbonitration à basse pression, la température de
traitement se situant dans une plage allant de ≥ 780 °C à ≤ 1 050 °C, et
une pression partielle du gaz donneur d'azote de moins de 500 mbar étant présente
pendant la phase d'azotation (2a-2d).
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le procédé est réalisé dans une chambre de traitement, notamment pouvant être évacuée.
3. Procédé selon la revendication 2, caractérisé en ce que le procédé comprend au moins une phase de diffusion (5a, 5b), lors de laquelle la
chambre de traitement est évacuée et/ou remplie avec un gaz inerte.
4. Procédé selon la revendication 3, caractérisé en ce que le procédé comprend en plus de la première phase d'azotation (2a) au moins une phase
d'azotation supplémentaire (2b-2d) et/ou en plus de la première phase de carburation
(3a) au moins une phase de carburation supplémentaire (3b-3d) et/ou en plus de la
première phase de diffusion (5a) au moins une phase de diffusion supplémentaire (5b).
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que le gaz donneur d'azote comprend un composé choisi dans le groupe constitué par l'ammoniac,
l'azote et leurs mélanges.
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que le gaz donneur de carbone comprend un composé choisi dans le groupe constitué par
l'acétylène, l'éthylène, le propane, le propène, le méthane et leurs mélanges.