[0001] Die Erfindung betrifft eine Fersenhalterung einer Schibindung, mit einer auf dem
Schi befestigbaren Grundplatte, einem im Fersenbereich eines Schuhs lösbar verrastbaren
Halteelement, und mit einer ein Anheben des Halteelementes von der Grundplatte zulassenden
Verbindungseinrichtung, mittels der die gleichzeitige Ausdrehung des Schuhs relativ
zum Schi kompensiert wird.
[0002] Sprungschibindungen bestehen aus einem den Schuh vor dem Zehenbereich einspannenden
Vorderbacken und einer Fersenhalterung, die, wenn sie wie oben angegeben ausgebildet
ist, trotz der Vorlage des Schispringers während der Flugphase, bei der der Schuh
hinten angehoben und gegenüber der Normalstellung verdreht ist, in der Lage sein sollte,
den Schi in seiner flachen Lage möglichst unbeeinflusst und nicht nach der Seite geneigt
zu belassen, sodass eine maximale Auftriebsfläche gegeben ist.
[0003] Für Sprungschi ist beispielsweise ein diese Forderung begünstigender Vorderbacken
der
AT 407 837 B zu entnehmen, wobei für die Fersenhalterung neben den üblichen Zugbändern, die den
maximalen Hub begrenzen (
EP 1 108 453,
DE 41 43 410) auch Lösungen mit Gleitführungen bekannt sind, die eine gewisse Stabilität des Fersenbereiches
gewährleisten (
DE 41 42 390,
FI 7007 U). Bei beiden Fersenhalterungen ist dabei eine Verdrehung des Schuhs in der Gleitführung
möglich, die aber nicht aktiv beeinflussbar ist.
[0004] Die jüngste Entwicklung zeigt eine Fersenhalterung mit einem gekrümmten, zylindrischen
Stab, entlang dem das mit dem Schuh zu verbindende Halteelement gleitet, d.h. je größer
der Hub ist umso größer ist der Drehwinkel, und es kann bei Abstimmung der Krümmung
der Gleitführung auf den jeweiligen Schispringer die seitenneigungsfreie Lage des
Schis in der Luft im Wesentlichen erreicht werden, sofern es zu keiner Funktionsstörung
kommt, beispielsweise einem witterungsbedingten Klemmen auf dem Stab. Schematisch
dokumentiert ist diese Fersenhalterung z.B. unter http://www.peterwilli.ch/wpcontent/uploads/2010/02/20100220_skibindung_springen.jpg.
[0005] Ähnliche Gegebenheiten liegen auch beim Schllanglauf und beim Aufstieg mit Tourenschiem
vor. Auch bei diesen beiden Sportarten hebt sich in der Bewegung die Ferse von der
Schioberfläche ab, wobei aufgrund der Biomechanik ebenfalls eine Ausdrehung aus der
Längsrichtung erfolgt. Bekannte Langlaufbindungen tragen dem durch spezielle Vorderbackengelenke
Rechnung, beispielsweise nach der
NL 1013888,
WO 96/04825 oder
US 4498687. Der Fersenbereich des Schuhs liegt, um das Abheben zu ermöglichen, jeweils frei
auf der Grundplatte bzw. dem Schi auf.
[0006] Bei Tourenschibindungen sind ebenfalls Lösungen bekannt, bei denen der Schuh für
die Abfahrt mittels der Fersenhalterung fixiert und für den Aufstieg gelöst ist, wobei
er um eine Achse im Bereich des Vorderbackens hochschwenken kann, siehe z.B.
AT 347306. Bei dieser Schibindung ist an der Fersenhalterung eine Druckfeder vorgesehen, die
für den Aufstieg in eine Stützposition unterhalb des Fersenbereichs des Schuhs verbracht
werden kann.
[0007] Die Erfindung hat es sich nun zur Aufgabe gestellt, eine Fersenhalterung zu schaffen,
die alle biomechanisch gewünschten Freiheitsgrade während der Bewegung ermögllcht,
ohne aber die Verbindung zwischen dem Halteelement und der Grundplatte völlig zu lösen.
Insbesondere bei Sprungschibindungen soll mittels der Fersenhalterung während der
Flugphase die flache Lage des Schis sichergestellt werden, ohne eine gekrümmte Gleitführung
zu verwenden.
[0008] Erfindungsgemäß wird dies dadurch erreicht, dass die Verbindungseinrichtung zwei
Zwischenglieder umfasst, und dass zwischen dem Halteelement, den beiden Zwischengliedern
und der Grundplatte drei Drehgelenke ausgebildet sind, wobei die Achse des Drehgelenks
zwischen den beiden Zuvischengliedern nichtparallel zu den Achsen der beiden anderen
Drehgelenke ist.
[0009] Die Fersenhalterung umfasst somit vier Elemente, nämlich die Grundplatte, das erste
und zweite Zwischenglied und das Halteelement, die in der Grundstellung übereinander
liegen, sodass der Schuh in üblicher Weise flach aufliegt. Die beiden Achsen des ersten
und dritten Drehgelenks erstrecken sich parallel übereinander, und die nichtparallele
Achse des mittigen, zweiten Drehgelenks liegt zwar schräg, aber in einer parallelen
Ebene. Sobald nun die Ferse angehoben und der Schuh seitlich geneigt wird, öffnet
sich der flach übereinander liegende Stapel der vier Elemente, wobei sich die Grundplatte
nicht neigt, obwohl sich das Halteelemente mit dem Schuh verdreht, da das zweite Zwischenglied
ausschwenkt.
[0010] Die Fersenhalterung gibt auf diese Weise zu jeder Hubhöhe eine exakte Neigung zwischen
dem Halteelement und der Grundplatte vor, wobei die einfachen Drehgelenke wesentlich
funktionssicherer sind. Aus Gründen der besseren Handhabung ist es von Vorteil, wenn
die Achse des Drehgelenks zwischen der Grundplatte und dem ersten Zwischenglied parallel
zur Grundplatte und senkrecht zur Längserstreckung der Schibindung verlaufen. Diese
Ausführung ist vor allem für Sprungschibindungen von Vorteil. Funktionsfähig ist aber
auch eine Konstruktion, in der die erste und dritte Achse zwar gleichgerichtet, aber
nicht senkrecht zur Längserstreckung der Schibindung verlaufen, sodass die Zwischenglieder
nach außen abstehen. Diese Ausführung kann insbesondere für Langlaufbindungen geeignet
sein.
[0011] Die Fersenhalterung kann einstellbar ausgebildet werden, wenn die nichtparallele
Drehachse zwischen zwei, jeweils an einem der beiden Zwischenglieder verstellbar fixierten
Platten ausgebildet ist. Bevorzugt sind die verstellbaren Platten auf den Zwischengliedern
verdrehbar gehalten, sodass die maximale Seitenneigung des Halteelementes durch Verdrehen
des mittleren Drehgelenks vorbestimmt werden kann, und dadurch eine Feinabstimmung
auf den jeweiligen Schisportler erleichtert wird.
[0012] Die Stabilität der Fersenhalterung kann verbessert werden, wenn die Verbindungseinrichtung
zwei weitere Zwischenglieder umfasst, die über zusätzliche drei Drehgelenke mit der
Grundplatte und dem Halteelement verbunden sind, sodass die Zwischenglieder zweifach
hintereinander vorgesehen sind. Dies ermöglicht es, auch die Längsneigung des Halteelementes
relativ zur Grundplatte vorzugeben.
[0013] In einer weiteren bevorzugten Ausführung ist vorgesehen, dass dem Halteelement ein
Aufsprungdämpfer zugeordnet ist, beispielsweise kann zwischen zwei der vier Elemente
eine Feder angeordnet werden.
[0014] Nachstehend wird nun die Erfindung anhand der schematischen Darstellungen der beiliegenden
Zeichnung näher erläutert, ohne darauf beschränkt zu sein. Es zeigen:
- Fig. 1
- die vier wesentlichen Elemente der Fersenhalterung in Normalstellung,
- Fig. 2 und 3
- die vier wesentlichen Elemente jeweils in geöffneter Stellung, wobei Fig. 2 eine Seitenansicht
und Fig. 3 eine Hinteransicht ist, und
- Fig. 4
- ein Ausführungsbeispiel einer verstellbaren Fersenhalterung für eine Sprungschibindung
in der Stellung nach Fig. 2.
[0015] Gemäß Fig. 1 bis 3 weist eine Fersenhalterung einer Schibindung vier wesentliche
Elemente auf, nämlich eine Grundplatte 1, die auf dem nicht gezeigten Schi montiert
wird, ein über ein erstes Drehgelenk 6 bewegliches erstes Zwischenglied 5, ein über
ein zweites, mittleres Drehgelenk 7 relativ zum ersten Zwischenglied 5 bewegliches
zweites Zwischenglied 9 und ein über ein drittes Drehgelenk 8 relativ zum zweiten
Zwischenglied 9 bewegliches Halteelement 21, das lösbar mit dem Fersenbereich des
Schuhs verbunden werden kann. Für die schematische Erläuterung sind zusätzliche Details
weder zur Schibindung noch zur Sportart nicht notwendig, sodass diese auch in den
Figuren 1 bis 3 diese nicht gezeigt sind.
[0016] In der Grundstellung nach Fig. 1 liegen die vier Elemente 1, 5, 9, 21 in Art eines
Stapels flach übereinander und die Achsen 11 und 13 des ersten und des dritten Drehgelenks
6 und 8 sind parallel und jeweils senkrecht zur Längsrichtung der Bindung bzw. des
Fersenteils. Die Achse 12 des mittleren Drehgelenks 7 zwischen den Zwischengliedern
5, 9 liegt schräg dazu in einer Ebene des Stapels parallel zu den vier Elementen 1,
5, 9, 21.
[0017] Wenn der Schisportler das Bein nach vorne neigt und dabei die Ferse anhebt, wobei
ein Schispringer in diesem Fall von der Sprungschanze abhebt und in die nach vorne
geneigte Sprungstellung übergeht, verdrehen sich die Schuhe aufgrund der biomechanischen
Gegebenheiten zwangsläufig, sodass die Sohle nach vorne und nach innen geneigt ist.
Das mit dem Schuh verbundene Halteelement 21 nimmt die aus der Fig. 2 und 3 ersichtliche
Lage ein, während der Schi und die mit ihm verbundene Grundplatte 1 in unveränderter
Lage verbleibt, was für einen Sprungschi eine größtmögliche Auftriebsfläche bedeutet
und bei Langlauf- und Tourenschi die Gleiteigenschaften nicht verändert. Dabei bewirkt
die schräge Achse 12 des mittleren Drehgelenks 7 die Ausschwenkung und Verdrehung
des zweiten Zwischengliedes 9 und damit des Halteelementes 21, dessen Neigung nach
vorne durch das dritte Gelenk 8 ermöglicht wird.
[0018] Die Schräge des mittleren Drehgelenks 7 ist von den Körpermaßen und anatomischen
Gegebenheiten des jeweiligen Schispringers abhängig und kann in einfacher Weise vermessen
werden. Sie ist unter anderem abhängig von der gewünschten maximalen Hubhöhe, beispielsweise
drei bis vier Zentimeter, und von der sich ergebenden Seitenneigung des Schuhs und
des Halteelementes 21, beispielsweise bis zu 30°, sowie von der baulich möglichen
Länge der Zwischenglieder 5, 9. Ein bevorzugter Bereich für die Schräge des mittleren
Drehgelenks 7 liegt zwischen 30° und 60° zu den Achsen der beiden anderen Drehgelenke
6, 8, gemessen in der Normalstellung in Fig. 1, wobei die Länge der Zwischenstücke
5, 9 jeweils zwei bis drei Zentimeter ist. Das Verhältnis von Hubhöhe zur Schräge
ist reziprok, d. h. je kleiner die Hubhöhe ist, desto schräger verläuft die Achse
12.
[0019] In Fig. 4 ist eine Ausführung für eine Sprungschibindung im Detail gezeigt, bei der
die Seitenneigung des Halteelementes 21 auf den jeweiligen Schispringer eingestellt
werden kann, und in der eine Aufsprungdämpfung 3 vorgesehen ist. Die auf dem Schi
zu montierende Grundplatte 1 ist mit seitlichen Flanschen 2 versehen, in denen über
das erste Drehgelenk 6 mit der Achse 11 das erste Zwischenglied 5 drehbar gelagert
ist. Am freien Ende des ersten Zwischengliedes 5 ist ein Stützelement 18 angelenkt,
an dem eine Platte 14 mittels einer Schraube 16 verdrehbar fixiert ist, sodass der
Drehwinkel eingestellt werden kann. Zwischen dem Stützelement 18 und dem ersten Drehgelenk
6 sind zwei Federn 4 des Aufsprungdämpfers 3 angeordnet.
[0020] Der Platte 14 ist eine zweite Platte 15 zugeordnet, die in gleicher Weise am zweiten
Zwischenglied 9 verdrehbar mittels einer Schraube 17 fixiert ist. Zwischen den beiden
Platten 14, 15 ist das mittlere Drehgelenk 7 mit der nichtparallelen Achse 12 vorgesehen,
sodass aufgrund des eingestellten Winkels - wie bereits unter Fig. 2 beschrieben -
das zweite Zwischenglied 9 relativ zum ersten Zwischenglied 5 sich seitlich neigen
kann. Am zweiten Zwischenglied 9 ist über das dritte Drehgelenk 8, dessen Achse 13
wiederum senkrecht zur Längsrichtung der Sprungschibindung verläuft, das Halteelement
21 gelagert, das mit dem Fersenbereich des Schuhs verbunden werden kann. Beispielsweise
ist das Halteelement 21 mit einem hinterschnittenen Schlitz 22 versehen, in dem ein
entsprechendes Gegenstück des Schuhs verrastet werden kann. Zur leichteren Handhabung
weist das zweite Zwischenglied 9 einen nach hinten abstehenden Handgriff 10 auf.
1. Fersenhalterung einer Schibindung, mit einer auf dem Schi befestigbaren Grundplatte
(1), einem im Fersenbereich eines Schuhs lösbar verrastbaren Halteelement (21), und
mit einer ein Anheben des Halteelementes (21) von der Grundplatte (1) zulassenden
Verbindungseinrichtung, mittels der die gleichzeitige Ausdrehung des Schuhs relativ
zum Schi kompensiert wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Verbindungseinrichtung zwei Zwischenglieder (5, 9) umfasst, und dass zwischen
dem Halteelement (21), den beiden Zwischengliedern (5, 9) und der Grundplatte (1)
drei Drehgelenke (6, 7, 8) ausgebildet sind, wobei die Achse (12) des Drehgelenks
(7) zwischen den beiden Zwischengliedern (5, 9) nichtparallel zu den Achsen (11, 13)
der beiden anderen Drehgelenke (6, 8) ist.
2. Fersenhalterung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Achse (11) des Drehgelenks (6) zwischen der Grundplatte (1) und dem ersten Zwischenglied
(5) parallel zur Grundplatte (1) und senkrecht zur Längserstreckung der Schibindung
verlaufen.
3. Fersenhalterung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die nichtparallele Drehachse (13) zwischen zwei, jeweils an einem der beiden Zwischengliedern
(5, 9) verstellbar fixierten Platten (14, 15) ausgebildet ist.
4. Fersenhalterung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Verbindungseinrichtung zwei weitere Zwischenglieder umfasst, die über zusätzliche
drei Drehgelenke mit der Grundplatte (1) und dem Halteelement (21) verbunden sind.
5. Fersenhalterung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass dem Halteelement (21) ein Aufsprungdämpfer (3) zugeordnet ist.