[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Fahrzeug mit einer Fahrzeugkastenstruktur,
insbesondere ein Schienenfahrzeug.
[0002] Fahrzeuge, insbesondere Schienenfahrzeuge, weisen typischerweise eine Wagenkastenstruktur
auf, die zwei an den Längsseiten des Fahrzeuges verlaufende Seitenwände, zwei quer
dazu verlaufende Stirnwände, nämlich eine vordere Stirnwand und eine hintere Stirnwand,
einen Fahrzeugboden und ein Fahrzeugdach umfasst. Die Seitenwände umfassen aus statischen
Gründen jeweils einen oberen und einen unteren Langträger sowie jeweils ein Seitenwandblech.
Damit die Seitenwände eine ausreichende Stabilität haben, sind vielfach Verstrebungen
an diesen vorgesehen, um Druck- und Zugkräfte in unterschiedlichen Betriebssituationen
aufnehmen zu können, beispielsweise beim Anheben und Eingleisen des Fahrzeuges, ferner
aerodynamische Lasten oder auch einen erhöhten Pufferdruck.
[0003] Für die Wagenkastenstruktur eines Güterwaggons ist in
WO 2009/114793 A1 beispielsweise ein Aufbau gewählt worden, der ein Untergestell mit einem ersten und
einem zweiten Langträger aufweist. Die Seitenwand wird teilweise durch ein Seitenwandblech,
einen äußeren und einen inneren Stützpfosten gebildet, die mit dem Seitenwandblech
verbunden und an deren Enden zu den Langträgern benachbart angeordnet sind.
[0004] Weiterhin ist in
US 2007/013517 A1 die Wagenkastenstruktur eines Güterwaggons mit einem Untergestell und Seitenwänden
angegeben. Die Seitenwände sind aus mehreren Seitenwandblechen und Stützpfosten gebildet.
Die Stützpfosten sind an den Seitenwandblechen mittels selbst schneidender Nieten
befestigt. In einer Ausführungsform können eine oder mehrere Mulden jeweils in die
Seitenwandbleche eingeformt sein. Diese Mulden befinden sich im Bereich der Stützpfosten.
Insbesondere können vier oder fünf derartige Mulden in einer Reihe in das Seitenwandblech
eingebracht sein, die sich bis in die Nähe der oberen Seitenwandkante und bis in die
Nähe der unteren Seitenwandkante erstrecken.
[0005] In
US 6,422,156 B1 ist ebenfalls eine Wagenkastenstruktur eines Güterwaggons offenbart. Die Wagenkastenstruktur
umfasst Seitenwände mit zueinander beabstandeten vertikalen Stützpfosten und mit horizontalen
Versteifungselementen, die zwischen den Stützpfosten befestigt sind. Die horizontalen
Versteifungselemente bilden ein eingelassenes Seitenwandprofil.
[0006] Die Wagenkastenstrukturen der bekannten Schienenfahrzeuge sind aufwändig, sodass
deren Herstellung kostspielig ist. Insbesondere bestehen herkömmliche Wagenkastenstrukturen
aus einer Vielzahl von einzelnen Bauelementen, wie Streben, Versteifungspfosten, Beulsteifen,
Deckeln und dergleichen, mit denen beispielsweise ein Fachwerk gebildet werden kann
und die zusammen mit den Wandelementen verschweißt werden, sodass sich ein erheblicher
Montageaufwand ergibt. Die Langträger der Seitenwände sind darüber hinaus durch Schweißen
nur unter Aufwand montierbar, da die Verbindungsstellen häufig nicht gut zugänglich
sind. Außerdem ist es schwierig, ein optisch ansprechendes Aussehen der Außenhaut
des Wagenkastens herzustellen, insbesondere eine ebene Oberfläche der Seitenwände.
Denn durch die diversen Schweißverbindungsstellen verziehen sich die Seitenwandbleche,
sodass ein erheblicher Richtaufwand erforderlich ist. Ferner besteht stets das Problem,
dass die Wagenkastenstruktur den statischen Anforderungen an die Lastaufnahme und
Lastverteilung bei diversen Betriebssituationen genügen muss, etwa beim Anheben und
Eingleisen des Fahrzeuges, bei aerodynamischer Beanspruchung sowie bei Krafteinwirkung
auf das Fahrzeug über die Puffer.
[0007] Von daher liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Fahrzeug mit einer Fahrzeugkastenstruktur
zu finden, die leicht und damit kostengünstig herstellbar ist, die ein ansprechendes
Äußeres aufweist und die den statischen Anforderungen an die Lastaufnahme und Lastverteilung
entspricht.
[0008] Diese Aufgabe wird gelöst durch das Fahrzeug nach Anspruch 1. Bevorzugte Ausführungsformen
der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0009] Das erfindungsgemäße Fahrzeug weist eine Fahrzeugkastenstruktur auf, die zwei an
den Längsseiten des Fahrzeuges verlaufende Seitenwände umfasst. Die Seitenwände weisen
jeweils einen oberen und einen unteren Langträger sowie jeweils ein Seitenwandblech
auf. In erfindungsgemäßer Art und Weise ist in jedes Seitenwandblech zur Versteifung
mindestens eine sich vom unteren Langträger zum oberen Langträger senkrecht erstreckende
Langmulde eingebracht. Das Seitenwandblech ist mit den Langträgern bevorzugt auch
im Bereich der Langmulden verbunden. Das mit der mindestens einen Langmulde versehene
Seitenwandblech erstreckt sich vorzugsweise über die gesamte Länge des Fahrzeuges
oder zumindest über die Länge des Fahrzeugteils, der nicht von einem Führerraum /
den Führerräumen eingenommen wird, nämlich beispielsweise über die Länge des Maschinenraumes
des Fahrzeuges. Daher ist die Seitenwand des Fahrzeuges bevorzugt durch ein einziges
Seitenwandblech mit mindestens einer Langmulde gebildet.
[0010] Indem erfindungsgemäß - anders als bei herkömmlichen Konstruktionen des Wagenkastenaufbaus
- keine zusätzlichen mit den Seitenwänden und Langträgern verbundenen Versteifungen
und Seitenwandpfosten eingebaut sind, ist die Wagenkastenstruktur des erfindungsgemäßen
Fahrzeuges wesentlich einfacher, leichter und daher kostengünstiger herstellbar und
montierbar als bisher bekannte Wagenkastenstrukturen. Denn gegenüber herkömmlichen
Wagenkastenstrukturen besteht der Wagenkasten des erfindungsgemäßen Fahrzeuges aus
nur wenigen Bauelementen, die mit dem Seitenwandblech verbunden werden. Indem auf
die zusätzliche Einbindung von Versteifungsrippen, -streben, -pfosten, Beulsteifen
und Deckeln im Bereich des Seitenwandbleches verzichtet wird, lässt sich ohne weiteren
Aufwand eine lediglich durch die Langmulden unterbrochene ebene Seitenwandfläche bilden,
sodass ein ansprechendes Erscheinungsbild des Fahrzeuges erreicht wird. Dadurch wird
auch die Wärmeeinbringung bei der Montage (beim Schweißen und Richten) enorm reduziert,
sodass zeitaufwändige Richtarbeiten und gegebenenfalls Spachtelarbeiten in der Produktion
vermieden werden. Darüber hinaus ist die Herstellung und Montage der Wagenkastenstruktur
aus den Bauelementen durch Fügen vereinfacht, weil die Fügestellen (vorzugsweise Schweißnähte)
leicht zugänglich sind, sodass auch der Einsatz von Roboterschweißen mit der erforderlichen
Zuverlässigkeit möglich ist. Die erfindungsgemäße Wagenkastenstruktur ist daher eine
robotergerechte, fehlertolerante Schweißkonstruktion mit stark vereinfachter Geometrie
für die Langträger und das Seitenwandblech. Auch die Prüfung der hergestellten Fügeverbindungen
wird wesentlich vereinfacht. Beispielsweise ist eine Endoskopierung nicht erforderlich.
Durch die vereinfachte Konstruktion kann natürlich eine größere Steifigkeit erreicht
werden, wenn die durch die vereinfachte Konstruktion ermöglichte Gewichtseinsparung
zugunsten beispielsweise einer größeren Dicke des Seitenwandbleches genutzt wird.
Bei geeigneter Wahl der Dicke des Seitenwandbleches kann sogar sowohl eine moderate
Gewichtseinsparung als auch eine Verbesserung der statischen Eigenschaften der Wagenkastenstruktur
erreicht werden.
[0011] Durch das Einbringen von mindestens einer sich vom unteren Langträger zum oberen
Langträger im Wesentlichen senkrecht erstreckenden Langmulde in den Seitenwandblechen,
wobei diese bevorzugt auch im Bereich der Langmulden mit den Langträgern verbunden
sind, wird eine hervorragende Steifigkeit, insbesondere Biegesteifigkeit, des Wagenkastens
erreicht. Das Seitenwandblech ist durch die Einbringung der Langmulden schub- und
beulsteif. Mit der erfindungsgemäßen Konstruktion werden, verglichen mit der herkömmlichen
Konstruktion, gleich bleibende Spannungsniveaus und Biegefestigkeiten erreicht.
[0012] Das erfindungsgemäße Fahrzeug ist insbesondere ein Schienenfahrzeug, ganz besonders
ein Schienentriebfahrzeug. Beispielsweise ist darunter ein Güterwaggon sowie eine
Lokomotive, aber auch ein Personenbeförderungswagen, wie eine Straßenbahn oder ein
Personenbeförderungswagen für den Nah- oder Fernverkehr, zu verstehen. Das Fahrzeug
umfasst zusätzlich zum Wagenkasten typischerweise auch Frontelemente. Ferner ist der
Wagenkasten auf Fahrgestellen gelagert.
[0013] Das Seitenwandblech besteht vorzugsweise aus Stahl. Das Blech hat typischerweise
eine Dicke von ca. 4 mm. Selbstverständlich kann das Blech grundsätzlich auch dicker
als 4 mm sein, beispielsweise bis zu 10 mm, oder auch dünner, beispielsweise bis zu
1,5 mm. Allerdings sind dickere Bleche schwieriger zu bearbeiten und haben ein größeres
Gewicht. Dünnere Bleche sind zwar leichter zu bearbeiten und haben ein geringeres
Gewicht. Allerdings ist die Stabilität eines dünneren Seitenwandbleches verringert.
[0014] Typischerweise ist der Querschnitt mindestens einer Langmulde im Seitenwandblech
rechteckig, gegebenenfalls auch quadratisch, oder auch trapezförmig ausgebildet. Somit
ist in diesen Fällen ein U-Profil gebildet. Der Querschnitt kann auch eine "Hutform"
aufweisen, d.h. an die Seitenschenkel des Profils können sich weitere Schenkel anschließen
(die "Krempe"), die für eine Fügeverbindung am Langträger vorzugsweise flächig anliegen.
Es ist bevorzugt, einen Querschnitt zu wählen, der den Anforderungen an die Statik
des Wagenkastens genügt. Insbesondere sind Mindestmaße für die Tiefe des Profils (Abstand
zwischen dem Profilboden und der Seitenwandfläche) und die Breite des Profils (Abstand
der Profilschenkel am Übergang zur Seitenwandfläche) zu wählen, beispielsweise eine
Tiefe, die mindestens 20 mm (und höchstens 100 mm) beträgt, und beispielsweise eine
Breite, die mindestens dem 2-fachen (und vorzugsweise höchstens dem 15-fachen) der
Tiefe entspricht. Grundsätzlich kann die Langmulde auch einen dreieckigen Querschnitt
aufweisen. Der Querschnitt der Langmulde bleibt über deren gesamte Länge vorzugsweise
im Wesentlichen konstant.
[0015] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist jede Langmulde im Seitenwandblech
durch Abkantung hergestellt. Durch dieses Herstellverfahren wird das Seitenwandblech
sehr schonend, d.h. mit praktisch konstanter Blechdicke, erzeugt, und es werden keine
Störungen im Metallgefüge, beispielsweise Mikrorisse, verursacht. Werden die Langmulden
dagegen mit einem Umformverfahren erzeugt, beispielsweise durch Tiefziehen, so kann
das Material fließen, sodass die Dicke der Seitenwand an unterschiedlichen Stellen
unterschiedlich dick ist. Außerdem können auch Mikrorisse gebildet werden. Dies beeinträchtigt
die Festigkeit des Materials. Ein ganz wesentlicher Vorteil der Herstellmethode durch
Abkanten besteht darin, dass keine speziellen Formen für die Umformung bereitgestellt
werden müssen. Vielmehr ist es ausreichend, dass die Langmulden auf einer herkömmlichen
Abkantpresse hergestellt werden.
[0016] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist jede Langmulde als Ausbauchung
des Seitenwandbleches zur Fahrzeugaußenseite ausgebildet. Selbstverständlich können
die Langmulden grundsätzlich auch als Ausbauchung des Seitenwandbleches zur Fahrzeuginnenseite
ausgebildet sein.
[0017] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung können ferner aus statischen
Gründen in jedes Seitenwandblech mindestens drei Langmulden eingebracht sein, wobei
die Abstände zwischen benachbarten Langmulden gleich oder zumindest im Wesentlichen
(± 20%) gleich sind, sodass sich eine gleichmäßige Spannungsverteilung in der Seitenwand
ergibt.
[0018] Zusätzlich zu den Langmulden im Seitenwandblech können selbstverständlich nach Maßgabe
der erforderlichen Bauweise des Fahrzeuges zusätzlich auch weitere Bauelemente vorgesehen
sein, die der Versteifung dienen. Derartige Bauelemente können beispielsweise im Bereich
des Seitenwandbleches eingebaut sein, vorzugsweise eingeschweißt, um zum Beispiel
ein Fachwerk zu bilden. Eine derartige zusätzliche Versteifung kann unter anderem
dann erforderlich sein, wenn Öffnungen, beispielsweise Belüftungsöffnungen, oder Durchführungen
im Seitenwandblech vorgesehen werden müssen. Der Kraftfluss in der Seitenwand muss
dann im Bereich dieser Öffnungen oder Durchführungen um diese herum geleitet werden.
[0019] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist das Seitenwandblech
mit dem oberen und dem unteren Langträger durch Schweißen verbunden. Insbesondere
ist das Seitenwandblech auch im Bereich der Langmulden mit den Langträgern verschweißt.
Grundsätzlich kann das Seitenwandblech aber auch durch andere Fügetechniken mit den
Langträgern verbunden sein, beispielsweise durch Nieten.
[0020] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind der obere und der
untere Langträger jeweils in Form eines ein Stegblech und an Längskanten des Stegbleches
mit diesem verbundene Ober- und Untergurte aufweisenden I-Trägers ausgebildet. Der
untere Langträger kann aus statischen Gründen ein breiteres Stegblech aufweisen als
der obere I-Träger. Der I-Träger des unteren Langträgers und/oder des oberen Langträgers
kann alternativ auch aus einem Stegblech mit zwei als Ober- und Untergurt dienenden
rechteckigen Hohlprofilen gebildet sein. Alternativ oder zusätzlich dazu können anstelle
des einen Stegbleches des unteren Langträgers und/oder des oberen Langträgers mehrere
parallel zueinander angeordnete Stegbleche oder auch ein rechteckiges Hohlprofil vorgesehen
sein. Anstelle eines I-Trägers für den unteren Langträger und/oder den oberen Langträger
kann auch ein anderes Profil eingesetzt werden, beispielsweise ein quadratisches oder
bevorzugt ein rechteckiges Stahlbauhohlprofil.
[0021] Das Material, aus dem die Langträger, vorzugsweise in Form von I-Trägern, gebildet
sind, kann insbesondere eine Dicke von ca. 10 mm haben. Diese Dicke verleiht dem I-Träger
eine ausreichende Biege- und Torsionssteifigkeit. Selbstverständlich kann das Material
auch dicker sein, beispielsweise bis zu 25 mm, oder auch dünner, beispielsweise bis
zu 4 mm. Allerdings ist die Steifigkeit bei dünneren Blechen verringert, und die Verarbeitbarkeit
des Materials ist im Falle von dickerem Material erschwert. Außerdem ist das Gewicht
der I-Träger höher, wenn das Material dicker ist. Die Langträger bestehen vorzugsweise
aus Stahl.
[0022] Vorteilhaft ist es jedenfalls, dass eine über den unteren Langträger auf das Fahrzeug
wirkende Zug- oder Druckkraft von unten nach oben im Wesentlichen geradlinig (im Querschnitt
in oder entgegen der Transportrichtung gesehen) über das Seitenwandblech auf den oberen
Langträger weitergeleitet wird. Hierzu ist es vorteilhaft, wenn das Stegblech des
unteren Langträgers, die Teile des Seitenwandbleches, die nicht die Langmulden sondern
die ebene, wenn auch durch die Langmulden unterbrochene, Wandfläche bilden, und das
Stegblech des oberen Langträgers im Wesentlichen zueinander fluchtend ausgerichtet
sind. Durch eine geradlinige Kraftübertragung wird die Stabilität des Fahrzeuges weiter
erhöht. Auch hinsichtlich dieses Merkmals ist die vorliegende Erfindung gegenüber
den bekannten Konstruktionen vorteilhaft (vergleiche beispielsweise die nicht fluchtende
Anordnung des unteren Außenlangträgers, des Seitenwandbleches und des Obergurtes in
der Seitenwandkonstruktion, die in
WO 2009/114793 A1 gezeigt ist).
[0023] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist der obere Langträger
und/oder der untere Langträger durch jeweils mindestens ein mit dem Stegblech und
dem Obergurt und dem Untergurt verbundenes und sich senkrecht erstreckendes U-Profil
versteift.
[0024] Jedes derartige U-Profil des oberen bzw. unteren Langträgers ist mit diesem vorzugsweise
durch Schweißen verbunden. Alternativ, wenn auch nicht bevorzugt, können die U-Profile
auch durch ein anderes Fügeverfahren mit den Langträgern verbunden sein, beispielsweise
Nieten.
[0025] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung fluchtet jedes U-Profil
des oberen bzw. unteren Langträgers mit einer Langmulde im Seitenwandblech. Dadurch
wird eine noch größere Steifigkeit der gesamten Seitenwand erreicht, insbesondere
dann, wenn die Seitenwand mit den Langträgern auch im Bereich der U-Profile verschweißt
ist.
[0026] Die Langträger und das Seitenwandblech und gegebenenfalls weitere Bauelemente bestehen
bevorzugt aus Stahl. Sie können aber auch aus Aluminium bestehen.
[0027] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung können die Seitenwände
auch durch Planen verdeckt sein, um ein ästhetisch ansprechendes Erscheinungsbild
des Fahrzeuges zu erreichen. Beispielsweise kann jede Seitenwand durch eine Plane
kaschiert sein. Auf der Plane kann ein großformatiges Motiv angebracht sein, etwa
Werbung, ein Firmenlogo oder dergleichen. Die Plane kann mittels einer Befestigungsvorrichtung
an der Seitenwand befestigt sein. Beispielsweise weist die Plane zu deren Befestigung
an der Seitenwand an mindestens einem Rand einen Keder, d.h. eine Randverstärkung
der Plane, auf. Zur Befestigung der Plane an der Seitenwand des Fahrzeuges sind Befestigungsvorrichtungen
an der Seitenwand vorgesehen, die die Plane an deren Rändern halten. Über mindestens
einen Rand, vorzugsweise über drei Ränder, wird die Plane gespannt. Zum Befestigen
kann jede Befestigungsvorrichtung eine Haltevorrichtung, beispielsweise in Form einer
Halteprofilschiene, beispielsweise mit jeweils einer Führungskammer zur Aufnahme des
Keders der Plane, aufweisen. Soll die Plane mit der jeweiligen Befestigungsvorrichtung
auch gespannt werden, weist diese zusätzlich, jeder Haltevorrichtung, insbesondere
Halteprofilschiene, zugeordnet, mindestens eine an dem Fahrzeug befestigte Spannvorrichtung
zum Ausüben einer Kraft über die Haltevorrichtung, insbesondere Halteprofilschiene,
auf die Plane auf. Die Spannvorrichtung kann über eine Stellvorrichtung verfügen,
etwa einen Bolzen, der in ein Gewinde greift und über den die Haltevorrichtung, insbesondere
Halteprofilschiene, gehalten und damit die Plane gespannt werden kann. Der Keder der
Plane wird in die Führungskammer der Haltevorrichtung aufgenommen, vorzugsweise durch
seitliches Einschieben des Keders in die Führungskammer. Die Fahne des Keders oder
die Plane ragen durch einen Schlitz aus der Führungskammer heraus. Die Haltevorrichtung,
insbesondere Halteprofilschiene, hält die Plane auf diese Art und Weise an einem Rand,
sodass die zum Spannen der Plane aufgewendete Kraft über die Wand auf die Planenfläche
gleichmäßig übertragen und jede Drucklast oder Zuglast, die auf die Plane wirkt, über
den Rand gleichmäßig abgeleitet wird.
[0028] Die vorstehend beschriebene Erfindung wird nachfolgend an Hand von Figuren näher
erläutert. Diese Erläuterung und die Figuren geben lediglich Beispiele zur Ausführung
der Erfindung an und sind daher nicht einschränkend zu verstehen. Es zeigen im Einzelnen:
- Fig. 1
- eine perspektivische Darstellung eines Teils der Seitenwand eines erfindungsgemäßen
Fahrzeuges;
- Fig. 2
- eine perspektivische Darstellung eines oberen Ausschnittes der Seitenwand;
- Fig. 3
- eine perspektivische Darstellung eines unteren Ausschnittes der Seitenwand;
- Fig. 4
- eine Darstellung des Seitenwandbleches in einem horizontalen Schnitt;
- Fig. 5
- eine Darstellung des oberen Langträgers in einem horizontalen Schnitt;
- Fig. 6
- eine Darstellung des unteren Langträgers in einem horizontalen Schnitt;
- Fig. 7
- eine Darstellung der Seitenwand in einem vertikalen Schnitt;
- Fig. 8
- die Spannungsverteilung in perspektivischen Darstellungen in Seitenwänden eines herkömmlichen
Fahrzeuges (Fig. 8a) und eines erfindungsgemäßen Fahrzeuges (Fig. 8b) bei Beaufschlagung
mit einer aerodynamischen Seitenlast;
- Fig. 9
- die Spannungsverteilung in perspektivischen Darstellungen in Seitenwänden eines herkömmlichen
Fahrzeuges (Fig. 9a) und eines erfindungsgemäßen Fahrzeuges (Fig. 9b) bei Beaufschlagung
mit einer Längslast über die Puffer.
[0029] In der nachfolgenden Figurenbeschreibung bezeichnen gleiche Bezugszeichen gleiche
Elemente.
[0030] Etwa eine Hälfte einer Seitenwand 100 eines erfindungsgemäßen Fahrzeuges ist in Fig.
1 in einer isometrischen Darstellung gezeigt. In Fig. 2 und Fig. 3 ist ein oberer
bzw. ein unterer Teil der Seitenwand ausschnittsweise ebenfalls in einer isometrischen
Darstellung gezeigt. In Fig. 4 ist eine Darstellung des Seitenwandbleches, in Fig.
5 eine Darstellung des oberen Langträgers und in Fig. 6 eine Darstellung des unteren
Langträgers jeweils in einem horizontalen Längsschnitt durch die Seitenwand wiedergegeben
(Seitenwand: Schnitt C-C; oberer Langträger: Schnitt B-B; unterer Langträger: Schnitt
D-D, siehe jeweils Fig. 1). In Fig. 7 ist die Seitenwand ferner in einer vertikalen
Schnittdarstellung gezeigt (Schnitt A-A, siehe Fig. 1).
[0031] Die Seitenwand weist zwischen dem oberen Langträger 120 und dem unteren Langträger
130 einen mittigen Bereich auf, in dem sie durch ein Seitenwandblech 110 gebildet
ist. Das Seitenwandblech ist von dem oberen Langträger 120 und dem unteren Langträger
130 eingefasst. Die Langträger sind mit dem Seitenwandblech über deren gesamte Länge
verschweißt.
[0032] Im vorliegenden Beispiel besteht das Seitenwandblech 110 aus einem Stahlblech, das
eine Dicke von 4 mm hat. In das Seitenwandblech sind Langmulden in Form von U-Profilen
115 eingebracht, die sich zwischen dem oberen Langträger 120 und dem unteren Langträger
130 in senkrechter Richtung erstrecken. Beispielsweise können 22 U-Profile in der
Seitenwand durch Abkanten hergestellt werden.
[0033] Die U-Profile 115 werden durch Abkanten erzeugt. Sie ergeben jeweils Ausbauchungen
der Seitenwand zur Fahrzeugaußenseite (grundsätzlich können die U-Profile auch Ausbauchungen
zur Fahrzeuginnenseite ergeben). Diese U-Profile weisen jeweils Seitenschenkel 116,
117 und eine Stirnseite (einen Profilboden) 118 auf. Die U-Profile haben beispielsweise
eine Tiefe (Ausbauchung von der ebenen Seitenwandfläche 111) von ca. 2 cm und eine
Breite (parallel zur ebenen Seitenwandfläche) von ca. 8 cm. Der Mittenabstand zwischen
benachbarten U-Profilen beträgt ca. 50 cm, sodass der freie Bereich 111 zwischen den
U-Profilen ca. 43 cm breit ist. Die U-Profile erstrecken sich über die gesamte Höhe
des Seitenwandbleches zwischen dem oberen Langträger 120 und dem unteren Langträger
130. Das Seitenwandblech ist nicht nur im Bereich der ebenen Seitenwandfläche 111
zwischen den U-Profilen sondern auch im Bereich der U-Profile selbst mit dem oberen
Langträger und dem unteren Langträger verschweißt. Dadurch ergibt sich eine hervorragende
Steifigkeit der Gesamtkonstruktion.
[0034] Der obere Langträger 120 ist in Form eines I-Trägers gebildet. Der Langträger besteht
somit aus einem Stegblech 121, einem Untergurt 122 und einem Obergurt 123. Das Material
des Stegbleches, des Untergurtes und des Obergurtes hat eine Dicke von 10 mm. Der
Obergurt und der Untergurt sind in herkömmlicher Art und Weise an das Stegblech angeformt.
[0035] Ferner sind U-Profile 125 an das Stegblech 121 des oberen Langträgers 120 angeschweißt.
Die U-Profile weisen Seitenschenkel 126, 127 und jeweilige Stirnseiten 128 auf. Die
U-Profile erstrecken sich über die gesamte Höhe des Stegbleches und sind nicht nur
an das Stegblech sondern auch an die Unterseite des Obergurts und an die Oberseite
des Untergurts angeschweißt. Diese U-Profile sind aus einem Material mit einer Dicke
von 4 mm hergestellt.
[0036] Die U-Profile 125 sind an dem oberen Langträger 120 so angebracht, dass sie mit den
U-Profilen 115 im Seitenwandblech 110 fluchten. Somit wird eine sehr stabile Konstruktion
erreicht.
[0037] Auch der untere Langträger 130 ist in Form eines I-Trägers gebildet. Dieser Langträger
besteht somit aus einem Stegblech 131 und einem Untergurt 132 und einem Obergurt 133.
Das Material des Stegbleches, des Untergurtes und des Obergurtes hat eine Dicke von
10 mm. Der Obergurt und der Untergurt sind in herkömmlicher Art und Weise an das Stegblech
angeformt.
[0038] Ferner sind U-Profile 135 an das Stegblech 131 des unteren Langträgers 130 angeschweißt.
Die U-Profile weisen Seitenschenkel 136, 137 und jeweilige Stirnseiten 138 auf. Die
U-Profile erstrecken sich über die gesamte Höhe des Stegbleches und sind nicht nur
an das Stegblech sondern auch an die Unterseite des Obergurts und an die Oberseite
des Untergurts dieses Langprofils angeschweißt. Diese U-Profile sind aus einem Material
mit einer Dicke von 4 mm hergestellt.
[0039] Auch die U-Profile 135 des unteren Langträgers 130 sind an dem unteren Langträger
so angebracht, dass sie mit den U-Profilen 115 im Seitenwandblech 110 fluchten. Somit
wird eine sehr stabile Konstruktion erreicht.
[0040] Durch die geringe Anzahl von einzelnen Elementen, aus denen die Seitenwand 100 zusammengesetzt
ist und die geringe Anzahl von Schweißverbindungen ist es äußerst einfach, die Seitenwand
herzustellen. Insbesondere ist es möglich, die Seitenwand durch Roboterschweißen herzustellen.
[0041] Um die durch die U-Profile 115, 125, 135 und den durchgehenden Untergurt 122 des
oberen Langträgers 120 und den durchgehenden Obergurt 133 des unteren Langträgers
130 strukturierte Seitenwand 100 zu kaschieren, kann ferner eine Plane an der Außenseite
angebracht werden, auf der sich beispielsweise ein großflächiges Motiv befindet.
[0042] Um die Biegesteifigkeit der Seitenwand in der neuartigen Konstruktion zu überprüfen,
wurde die Spannungsverteilung in der Seitenwand bei unterschiedlichen Belastungen
untersucht. Es wurde jeweils ein Vergleich einer Seitenwand mit herkömmlichem Aufbau
(TRAXX 2E-Typ, Bombardier) mit einer Seitenwand mit dem Aufbau gemäß der vorliegenden
Erfindung angestellt.
[0043] In einem ersten Versuch wurde eine außergewöhnliche aerodynamische Last auf die Seitenwand
ausgeübt und die Verformung und die daraus resultierende Spannungsverteilung untersucht.
In Fig. 8 ist die Spannungsverteilung in der Seitenwand im Einzelnen dargestellt.
In Fig. 8a ist die Spannungsverteilung in der Seitenwand gemäß herkömmlicher Bauart
gezeigt, während Fig. 8b die Spannungsverteilung in der erfindungsgemäßen Seitenwand
wiedergibt. Dunklere Flächen in den Figuren zeigen Seitenwandflächen mit geringerer
Spannung an, während die Spannung umso größer ist je heller die Fläche in den Figuren
wiedergegeben ist.
[0044] Es zeigt sich, dass die Steifigkeit in der erfindungsgemäßen Seitenwand sogar noch
höher ist als bei der herkömmlich gestalteten Seitenwand, denn die Spannung ist in
der herkömmlich aufgebauten Seitenwand insgesamt größer. Insbesondere im unteren mittleren
Bereich sowie in den Endbereichen zeigen sich signifikante Verbesserungen in der erfindungsgemäßen
Seitenwand an.
[0045] In einem zweiten Versuch wurde eine Belastung auf die Seitenwand in Form eines Pufferdruckes
von 2000 kN ausgeübt. Die sich daraus ergebende Verformung und damit resultierende
Spannungsverteilung wurde untersucht. In Fig. 9 ist die Spannungsverteilung in der
Seitenwand im Einzelnen dargestellt. In Fig. 9a ist die Spannungsverteilung in der
Seitenwand gemäß herkömmlicher Bauart gezeigt, während Fig. 9b die Spannungsverteilung
in der erfindungsgemäßen Seitenwand wiedergibt. Wiederum zeigen dunklere Flächen in
den Figuren Seitenwandflächen mit geringerer Spannung an, während die Spannung umso
größer ist je heller die Fläche in den Figuren wiedergegeben ist.
[0046] Es zeigt sich, dass die Steifigkeit in der erfindungsgemäßen Seitenwand sogar noch
höher ist als bei der herkömmlich gestalteten Seitenwand, denn die Spannung ist in
der herkömmlich aufgebauten Seitenwand insgesamt größer. Insbesondere im gesamten
oberen Bereich des Seitenwandbleches zeigen sich signifikante Verbesserungen in der
erfindungsgemäßen Seitenwand an.
[0047] Von daher ist die Seitenwand mit neuartigem Aufbau nicht nur mit wesentlich weniger
einzelnen Bauelementen leichter und damit kostengünstiger herstellbar sondern weist
darüber hinaus sogar noch eine bessere Steifigkeit auf.
Bezugszeichenliste:
[0048]
- 100
- Seitenwand
- 110
- Seitenwandblech
- 111
- Seitenwandfläche
- 115
- Langmulde in Form eines U-Profils im Seitenwandblech 111
- 116, 117
- Seitenschenkel der Langmulde 115
- 118
- Profilboden des Langmulde 115
- 120
- oberer Langträger
- 121
- Stegblech des oberen Langträgers 120
- 122
- Untergurt des oberen Langträgers 120
- 123
- Obergurt des oberen Langträgers 120
- 125
- oberes U-Profil am oberen Langträger 120
- 126, 127
- Seitenschenkel des oberen U-Profils 125
- 128
- Stirnseite des oberen U-Profils 125
- 130
- unterer Langträger
- 131
- Stegblech des unteren Langträgers 130
- 132
- Untergurt des unteren Langträgers 130
- 133
- Obergurt des unteren Langträgers 130
- 135
- unteres U-Profil am unteren Langträger 130
- 136, 137
- Seitenschenkel des unteren U-Profils 135
- 138
- Stirnseite des unteren U-Profils 135
1. Fahrzeug mit einer Fahrzeugkastenstruktur, die zwei an den Längsseiten des Fahrzeuges
verlaufende Seitenwände (100) umfasst, die jeweils einen oberen Langträger (120) und
einen unteren Langträger (130) sowie jeweils ein Seitenwandblech (110) umfassen,
dadurch gekennzeichnet, dass in jedes Seitenwandblech (110) zur Versteifung mindestens eine sich vom unteren Langträger
(130) zum oberen Langträger (120) senkrecht erstreckende Langmulde (115) eingebracht
ist.
2. Fahrzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass jede Langmulde (115) im Seitenwandblech (110) durch Abkantung hergestellt ist.
3. Fahrzeug nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass jede Langmulde in Form eines U-Profils (115) gebildet ist.
4. Fahrzeug nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass jede Langmulde (115) als Ausbauchung des Seitenwandbleches (110) zur Fahrzeugaußenseite
ausgebildet ist.
5. Fahrzeug nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in jedes Seitenwandblech (110) mindestens drei Langmulden (115) eingebracht sind
und dass die Abstände zwischen benachbarten Langmulden (115) gleich sind.
6. Fahrzeug nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der obere Langträger (120) und der untere Langträger (130) jeweils in Form eines
ein Stegblech (121, 131) und an Längskanten des Stegbleches (121, 131) mit diesem
verbundene Obergurte (123, 133) und Untergurte (122, 132) aufweisenden I-Trägers ausgebildet
sind.
7. Fahrzeug nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der obere Langträger (120) und/oder der untere Langträger (130) durch jeweils mindestens
ein mit dem Stegblech (121, 131) und dem Obergurt (123, 133) und dem Untergurt (122,
132) verbundenes und sich senkrecht erstreckendes U-Profil (125, 135) versteift ist.
8. Fahrzeug nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass jedes U-Profil (125, 135) des oberen Langträgers (120) bzw. unteren Langträgers (130)
mit einer Langmulde (115) im Seitenwandblech (110) fluchtet.
9. Fahrzeug nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Schienenfahrzeug ist.
10. Fahrzeug nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Schienentriebfahrzeug ist.