[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung zur Messung der Radaufstandskraft
am gelenkten Hinterrad eines Flurförderzeugs, insbesondere eines Gegengewichtsstaplers
nach Patentanspruch 1.
[0002] Beim Transport von Lasten durch Flurförderzeuge liegt der Lastschwerpunkt in der
Regel außerhalb der Fahrzeugkontur. Es ist bekannt, zum Ausgleich hierfür ein Gegengewicht
zu verwenden (Gegengewichtsstapler), das in einem definierten Lastbereich dafür sorgt,
dass zumindest der Fahrzeugschwerpunkt in der Fahrzeugkontur liegt und das Fahrzeug
nicht umkippt. Die Aufnahme zu großer Lasten oder die Aufnahme von Lasten mit zu weit
vom liegendem Schwerpunkt, unter Umständen in Verbindung mit dynamischen Vorgängen,
wie Bremsen oder Rückwärtsbeschleunigungen bei angehobener Last führt bei derartigen
Fahrzeugen unfreiwillig zum Kippen über die Vorderachse.
[0003] Ein solches Kippen kann verhindert werden, wenn das für das Kippen verantwortliche
Lastmoment um die Vorderachse bestimmt und entsprechend reagiert wird, beispielsweise
durch Verringerung der maximalen Beschleunigung oder Verzögerung, Verringerung der
maximalen Lastneigung usw. Durch Verwendung modellbasierter Verfahren oder von Sensoren
kann das Lastmoment bestimmt und ein Kippen verhindert werden. Die Verwendung von
Sensoren bzw. das modellbasierte Verfahren ist etwa aus
DE 100 15 707 A1,
DE 103 04 658 A1 oder
DE 10 2005 012 004 A bekannt geworden.
[0004] Zur Bestimmung des Lastmoments bieten sich unterschiedliche Messpositionen und Messgrößen
an:
- Verwendung von den Dehnungsmessstreifen (DMS) an der Lastgabel oder dem Gabelträger
zur Bestimmung des Lastmoments
- Messung des Drucks des am Mast des Flurförderzeugs angreifenden Neigezylinders zur
Bestimmung der Axialkraft und des daraus resultierenden Lastmoments
- Messung der Vertikal- und Horizontalkräfte in einem oder beiden Mastlager(n) mittels
DMS, Kraftmessbolzen usw. zur Bestimmung der Last und des Lastmoments
- Bei Vierradfahrzeugen sind zwei unterschiedliche Methoden zur Bestimmung der Aufstandskraft
an der Hinterachse bekannt und dadurch eine Berechnung des anliegenden Lastmoments
möglich: einerseits durch Messung der Dehnung über Quer- und Normalkraftaufnehmern,
wie aus DE 10 2006 028 551 A1, DE 10 2006 028 550 A1 oder DE 10 2005 057 203 A1 bekannt geworden. Andererseits ist bekannt, den Abstand aufgrund der elastischen
Verformung aufgrund des anliegenden Lastmoments zu messen, wie aus DE 101 18 442 A1, DE 40 21 984 A1 oder DE 40 21 984 A1 bekannt geworden.
- Aus DE 20 2008 005 966 U1 ist ein Verfahren zur Abstandsmessung am Hinterrad mit daraus resultierender Ermittlung
des Lastenmoments bekannt geworden. Aus US 6385518 B1 und US 7216024 B1 ist bekannt geworden, mit Radlastsensoren die Längskippkräfte zu ermitteln.
[0005] Die meisten der erwähnten Konzepte sind aufwendig zu realisieren und kaum serientauglich.
Zumeist weisen diese durch nichtlineare Effekte wie reibparasitäre Kraftflussverläufe
Ungenauigkeiten auf.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung zur Messung der Radaufstandskraft
am gelenkten Hinterrad eines Dreirad-Flurförderzeugs, insbesondere eines Gegengewichtsstaplers
zu schaffen, die einfach herstellbar und einbaubar ist und die bei Unterdrückung von
Störungen genaue Messergebnisse liefert.
[0007] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0008] Bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung wird das das Hinterrad tragende Tragteil des
Lenkbocks mit einem Querschnittsprofil versehen, bei dem zwischen seiner vorderen
und hinteren Kante mindestens ein Tragabschnitt vorgesehen ist, der im Wesentlichen
nur durch die Radlast verformbar ist. Der Verformungssensor wird an diesem Tragabschnitt
angebracht.
[0009] Bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung beruht die Ermittlung der Kippgefahr auf Messung
der Radaufstandskraft am Hinterrad, da die Radaufstandskraft ein entscheidender Faktor
bei der Bestimmung der Kippsicherheit um die Querachse ist. Ist die Radaufstandskraft
Null, kippt das Fahrzeug. Bei der Erfindung wird mindestens ein Verformungssensor
eingesetzt, z.B. Dehnungsmessstreifen, Einpresssensor usw. Die Anordnung des Verformungssensors
erfolgt an einem spezifischen Ort des Lenkbocks, der so durch Formgebung des Lenkbocks
ausgebildet ist, dass er im Wesentlichen nur durch die Radlast eine Verformung erleidet,
nicht aber durch parasitäre Effekte, wie Lenkbewegungen und Quer- oder Lenkbeschleunigungen
beeinflusst wird. Alle außer der reinen Radlast auftretenden Kräfte und Momente werden
weitgehend durch Teile des Lenkbocks übertragen, die nicht zu einer Verformung des
den Verformungssensor tragenden Tragabschnitts führen.
[0010] Nach einer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Tragteil einen vorderen
und einen hinteren Träger aufweist und der dazwischen liegende Tragabschnitt gegenüber
den Trägem eine deutlich geringere Dicke aufweist. Vordere und hintere Träger werden
bei Beschleunigung und Verzögerung sowie beim Anfahren von Fahrbahnkanten verformt.
Es wird eine Biegung um die Querachse des Lenkbocks erzeugt. Kurvenfahrten und entsprechende
Querbeschleunigungen erzeugen eine Biegung um die Längsachse des Lenkbocks und die
Kräfte werden ebenfalls hauptsächlich durch die Träger übertragen. Die Übertragung
des Fahrzeugsgewichts auf das Rad resultiert in einer Druckverformung entlang der
vertikalen Achse, die vom gesamten Lenkbock übertragen wird und somit auch den Tragabschnitt
verformt und damit den Verformungssensor deutlich beeinflusst.
[0011] Die Auswahl der Sensorposition erfolgt damit in einer Art und Weise, dass die gemessene
Dehnung weitgehend unbeeinflusst von Fahrmanövern bleibt und lediglich aus der aktuellen
Radlast resultiert. Mit einem entsprechend kalibrierten Sensor kann aus der Dehnung
direkt die Radlast bestimmt werden und aus der Radlast wiederum bei bekanntem Fahrzeugleergewicht
und Fahrzeugleerschwerpunkt das anliegende Lastmoment. Dieser Wert kann entweder dem
Fahrer als Information angezeigt oder als Basis für entsprechende Schutzmaßnahmen
verwendet werden, beispielsweise durch Verringerung der Geschwindigkeit, Verringerung
der maximalen Masthöhe, Verringerung der Hubhöhe usw.
[0012] Eine besonders vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass das Tragteil
zwischen vorderem und hinterem Träger einen mittleren Träger aufweist und zwischen
hinterem und mittlerem Träger und zwischen vorderem und mittlerem Träger jeweils ein
dünner Tragabschnitt angeordnet ist und der Sensor an mindestens einem der Tragabschnitte
angebracht ist. Vorzugsweise ist der Lagerbock einteilig als Gussteil geformt.
[0013] Im Zusammenhang mit der zuletzt erwähnten Ausführungsform ist es nach einer Ausgestaltung
vorteilhaft, wenn das Querschnittsprofil des Tragteils symmetrisch zur Hochachse geformt
ist und die Tragabschnitte durch gleichgeformte seitliche Vertiefungen im Tragteil
gebildet sind. In der zuletzt erwähnten Ausführungsform beeinflussen auch Lenkbewegungen
nicht den Verformungssensor, da die Torsion des Lenkbocks um seine vertikale Achse
im Wesentlichen durch den mittleren Träger übertragen wird. Kurvenfahrten und entsprechende
Querbeschleunigungen werden dann über alle drei Träger übertragen.
[0014] Die Erfindung vermeidet bei der Messung der Radaufstandskraft parasitäre Effekte
durch Lenkbewegungen und Quer- und Längsbeschleunigungen aufgrund der mechanischen
Konstruktion des Lagerbocks und der Anordnung des Verformungssensors. Es wird eine
mechanische Funktionstrennung erreicht, die eine oder mehrere Stellen im Lenkbock
schafft, deren Verformung lediglich durch die Radaufstandskräfte beeinflusst werden.
Alle übrigen auftretenden Kräfte und Momente werden weitgehend durch andere Teile
des Lenkbocks übertragen. Eine derartige Vorrichtung weist eine Reihe von Vorteilen
auf:
- Es werden genaue Messergebnisse erhalten, da Störungen unterdrückt werden.
- Die Erfindung ermöglicht einen robusten Aufbau und einen leichten Austausch des oder
der Verformungssensoren.
- Bei der Erfindung ist eine kostengünstige Fertigung und Anbringung des Verformungssensors
möglich.
- Es kann eine redundante Anordnung der Sensoren ermöglicht werden durch Schaffung von
zwei oder mehr Messstellen.
- Die Erfindung lässt sich für alle Dreirad-Flurförderzeuge einsetzen.
[0015] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend anhand von Zeichnungen näher
erläutert.
- Fig. 1
- zeigt schematisch in Seitenansicht ein Dreirad-Flurförderzeug mit einem Lenkbock für
das Hinterrad nach der Erfindung.
- Fig. 2
- zeigt die Seitenansicht des Lenkbocks nach Fig. 1.
- Fig. 3
- zeigt die Vorderansicht des Lenkbocks nach Fig. 1.
- Fig. 4
- zeigt vergrößert einen Schnitt durch den Lenkbock nach Fig. 2.
[0016] Das in Fig. 1 dargestellte Flurförderzeug 10 weist ein Lastteil 12 und ein Antriebsteil
14 auf. Das Lastteil enthält ein Hubgerüst 16, das bei 18 um eine horizontale Achse
schwenkbar am nicht gezeigten Rahmen des Antriebsteils 14 gelagert ist. Die Neigung
des Hubgerüstes 16 kann durch einen Neigezylinder 20 verstellt werden. Am Hubgerüst
ist eine Lastgabel 22 in der Höhe verstellbar zur Aufnahme und zum Anheben einer Last
24.
[0017] Das Antriebsteil 14 weist eine Vorderachse und eine Hinterachse 26 auf. Die Vorderachse
weist zwei Räder auf, von denen eines bei 28 gezeigt ist. Die Räder 28 sind angetrieben.
Die Hinterachse besteht aus einem Lenkbock 30 mit einem gelenkten Rad 32, das auch
als Doppelrad ausgebildet sein kann. Der Lenkbock 30 ist bei 33 um eine vertikale
Achse am Rahmen des Antriebsteils 14 schwenkbar gelagert. Die Lenkung kann auf eine
gewünschte bekannte Art und Weise ausgeführt sein. 35 bezeichnet einen Lenkmotor für
den Lenkbock 30.
[0018] In den Fign. 2 bis 4 ist der Lenkbock 30 etwas detaillierter dargestellt. Er weist
ein Tragteil 34 und ein Lagerteil auf. Das Lagerteil 36 hat beidseitig des Tragteils
zwei Lagerflansche 38, 40 für die gelenkten Räder, die nicht dargestellt sind. In
Fig. 2 ist der Flansch 38 aus Darstellungsgründen nicht gezeigt.
[0019] Das Lagerteil 36 und Tragteil 34 sind einteilig aus einem Gussmaterial hergestellt.
Über das Tragteil 34 ist das Antriebsteil 14 des Flurförderzeugs hinten abgestützt.
Die Last wirkt über die Räder auf den Untergrund.
[0020] Aus den Fign. 2 und 4 geht das Querschnittsprofil des Tragteils 34 deutlicher hervor.
Man erkennt aus Fig. 4, dass das Tragteil 34 aus einem vorderen Träger 40, einem mittleren
Träger 42 und einem hinteren Träger 44 besteht, die über im Querschnitt deutlich dünnere
Tragabschnitte 46 bzw. 48 verbunden sind. Das gezeigte Profil ist symmetrisch zur
Querachse 50 und auch symmetrisch zur Längsachse 52. Bei 54 bzw. 56 sind Verformungssensoren
an den Tragabschnitten 46, 48 angeordnet bzw. angebracht. Wie zu erkennen, sind die
Tragabschnitte 46, 48 durch identische Vertiefungen 58, 60 auf gegenüberliegenden
Seiten des Tragteils 34 gebildet. Die Verformungssensoren können Dehnungsmessstreifen
sein oder ähnliche bekannte Verformungssensoren.
[0021] Mit der beschriebenen Anordnung der Verformungssensoren wird eine Funktionstrennung
im Hinblick auf die am Tragteil 34 bzw. am Lenkbock 30 angreifenden Kräfte erreicht.
Ein aktives Beschleunigen oder Verzögern sowie Anfahren von Fahrbahnkanten erzeugt
eine Biegung über die Querachse des Lenkbocks 30. Die hierbei auftretenden Kräfte
werden durch die beiden äußeren Träger 40, 44 übertragen. Lenkbewegungen erzeugen
eine Torsion des Lenkbocks 30 um seine vertikale Achse und die Kräfte werden hauptsächlich
durch den mittleren Träger 42 übertragen. Kurvenfahrten und entsprechende Querbeschleunigungen
erzeugen eine Biegung um die Längsachse 52 des Lenkbocks 30 und die Kräfte werden
hauptsächlich durch alle drei Träger 40, 42 und 44 übertragen. Die Übertragung des
Fahrzeugsgewichts auf die Räder resultiert in einer Druckverformung entlang der vertikalen
Achse des Lenkbocks 30, so dass die Kräfte über den gesamten Lenkbock übertragen werden
und damit auch die Tragabschnitte 46, 48 signifikant verformen, welche Verformung
dann von den Verformungssensoren 54, 56 ermittelt wird. Die Verwendung eines Sensors
würde bereits ausreichen, um die Radlast störungsfrei zu stimmen. Durch den Einsatz
von zwei Sensoren wird eine Redundanz erzielt.
[0022] Durch die Auswahl der Sensorpositionen bzw. der Verformung des Lenkbocks 30 bleibt
die gemessene Dehnung weitgehend unbeeinflusst von Fahrmanövern.
1. Vorrichtung zur Messung der Radaufstandskraft am gelenkten Hinterrad eines Dreirad-Flurförderzeugs,
insbesondere eines Gegengewichtsstaplers, wobei das Flurförderzeug am hinteren Ende
einen Lenkbock lagert, der mit einem aufrechten Tragteil um eine vertikale Achse am
Rahmen des Flurförderzeugs drehbar gelagert ist, wobei mindestens ein Verformungssensor
zur Messung der Radlast vorgesehen ist, dadurch gekennzeichnet, dass das Tragteil (34) ein Querschnittsprofil mit mindestens einem zwischen seiner vorderen
und hinteren Kante liegenden Tragabschnitt (46, 48) aufweist, der im Wesentlichen
nur durch die Radlast verformbar ist und der Verformungssensor (54, 56) an dem Tragabschnitt
(46, 48) angebracht ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Tragteil (34) einen vorderen und einen hinteren Träger (40, 44) aufweist und
der Tragabschnitt (46, 48) gegenüber den Trägem (40, 44) eine deutlich geringere Dicke
aufweist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Tragteil (34) zwischen vorderem und hinterem Träger (40, 44) einen mittleren
Träger (42) aufweist und zwischen hinterem und mittlerem und zwischen vorderem und
mittlerem Träger jeweils ein dünner Tragabschnitt (46, 48) angeordnet ist und der
Sensor an mindestens einem der Tragabschnitte (46, 48) angebracht ist.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Lenkbock (30) einteilig als Gussteil geformt ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Querschnittsprofil des Tragteils (34) symmetrisch zur Quer- und Längsachse des
Lenkbocks (30) geformt ist und die Tragabschnitte (46, 48) durch gleichgeformte seitliche
Vertiefungen (58, 60) gebildet sind.