[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Frequenzkompression eines in ein Hörhilfegerät
eingehenden Eingangssignals mit folgenden Schritten:
- Aufteilung eines von dem Hörhilfegerät übertragbaren Frequenzbereiches in mehrere
Frequenzbänder,
- Zusammenfassen mehrerer aneinandergrenzender Frequenzbänder zu wenigstens einer Gruppe
von Frequenzbändern,
- Auswahl eines der Frequenzbänder aus der Gruppe von Frequenzbändern,
- Überführen des ausgewählten Frequenzbandes in ein ZielFrequenzband.
[0002] Ferner betrifft die Erfindung ein Hörhilfegerät zur Durchführung eines derartigen
Verfahrens.
[0003] Zum Ausgleich eines individuellen Hörverlustes eines Benutzers erfolgt in einem Hörhilfegerät
gewöhnlich eine frequenzabhängige Verstärkung eines in das Hörhilfegerät eingehenden
Eingangssignals. In der Regel ist der Dynamikbereich, d.h. der Bereich zwischen der
Hörschwelle und der Unbehaglichkeitsschwelle, bei einem Schwerhörigen gegenüber einem
Normalhörenden stark eingeschränkt. Deshalb führen moderne Hörhilfegeräte in der Regel
mittels einer automatischen Verstärkungsregelung (AGC = automatic gain control) auch
eine Dynamikkompression durch.
[0004] Es gibt jedoch auch Hörverluste, bei denen durch eine reine frequenzabhängige Verstärkung
eines akustischen Eingangssignals der Hörverlust nicht in einer befriedigenden Weise
ausgeglichen werden kann. Beispiele hierfür sind Hörverluste mit toten Frequenzbereichen,
in denen spektrale Komponenten des akustischen Eingangssignals auch durch eine hohe
Verstärkung nicht hörbar gemacht werden können.
[0005] Aus der
DE 10 2006 019 728 A1 ist ein Verfahren zum Einstellen einer Hörhilfevorrichtung bekannt, bei dem ein Anteil
eines Eingangssignalspektrums bei einer ersten Frequenz verstärkt und zu einer zweiten
Frequenz in Abhängigkeit von der Zeit verschoben wird, um einerseits eine hohe Spontanakzeptanz
des Hörsystems durch ein zwischen zwei Adaptionsschritten nahezu unverfälschtes Klangbild
des Hörsystems zu erreichen und andererseits den Lern- und Akklimatisationsprozess
seitens des Hörgeschädigten an die neuen Frequenzmuster zu unterstützen.
[0006] Eine Möglichkeit zur Lösung des zuletzt genannten Problems bietet die sog. Frequenzkompression.
Dabei werden spektrale Komponenten innerhalb eines Quellspektralbereiches (typisch
bei höheren Frequenzen) in einen Zielfrequenzbereich (typisch bei niedrigeren Frequenzen)
verschoben. Im Unterschied zu den im Quellfrequenzbereich liegenden Signalanteilen
des akustischen Eingangssignals können die in den Zielfrequenzbereich verschobenen
Signalanteile in diesem Frequenzbereich durch Verstärkung hörbar gemacht werden.
[0007] Ein mögliches Verfahren zur Frequenzkompression sieht dabei folgende Verfahrensschritte
vor:
- Aufteilung eines von dem Hörhilfegerät übertragbaren Frequenzbereiches in mehrere
Frequenzbänder (Kanäle),
- Zusammenfassen mehrerer aneinandergrenzender Frequenzbänder zu wenigstens einer Gruppe
von Frequenzbändern,
- Auswahl eines der Frequenzbänder aus der Gruppe von Frequenzbändern,
- Überführen des ausgewählten Frequenzbandes in ein Zielfrequenzband,
- ggf. Unterdrücken der nicht ausgewählten Frequenzbänder aus der Gruppe von Frequenzbändern.
[0008] Nachteilig bei dieser Vorgehensweise ist jedoch, dass Schallsignale, die sich hauptsächlich
im Inhalt der nicht ausgewählten Kanäle unterscheiden, nach der Frequenzkompression
nur schwer oder nicht mehr unterscheidbar sind.
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Lösung für das genannte Problem
zu finden und eine bessere Unterscheidbarkeit von Schallsignalen, die sich hauptsächlich
im Inhalt nicht ausgewählter Kanäle unterscheiden, zu erreichen.
[0010] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren zur Frequenzkompression der eingangs genannten
Art dadurch gelöst, dass eine Verstärkung eines in dem ausgewählten Frequenzband liegenden
Signalanteils des Eingangssignals oder eines aus diesem Signalanteil hervorgehenden
Signals in Abhängigkeit von Signalanteilen in nicht ausgewählten Frequenzbändern der
Gruppe von Frequenzbändern erfolgt.
[0011] Durch die Bestimmung der Verstärkung in Abhängigkeit der Signalanteile in nicht ausgewählten
Frequenzbändern erfahren auch die unterdrückten Frequenzbänder (soll heißen: die Signalanteile
des Eingangssignals in den nicht ausgewählten Frequenzbändern) innerhalb einer Gruppe
von Frequenzbändern noch eine gewisse Berücksichtigung im Zielfrequenzband der Gruppe.
Beinhaltet die Gruppe unterdrückter Frequenzbänder ein hohes Maß an Schallenergie,
so resultiert daraus eine vergleichsweise hohe Verstärkung für das ausgewählte Frequenzband
der Gruppe in dem Zielfrequenzband. Im Unterschied dazu wird bei einer anderen Gruppe
von Frequenzbändern, in der die unterdrückten Frequenzbänder nur ein geringes Maß
an Schallenergie aufweisen, das von dem ausgewählten Frequenzband in das zugehörige
Zielfrequenzband überführte Signal entsprechend weniger verstärkt bzw. abgeschwächt.
Die Erfindung bewirkt somit eine unterschiedliche Gewichtung der in die einzelnen
Zielfrequenzbänder überführten Signalanteile, wobei in diese Gewichtung auch die Signalanteile
des Eingangsignals in den unterdrückten Frequenzbändern mit eingehen. Dadurch können
Schallsignale, die sich hauptsächlich in den unterdrückten Frequenzbändern unterscheiden,
besser unterschieden werden.
[0012] Die Verstärkung des Signalanteils des Eingangssignals in dem ausgewählten Frequenzband
kann entweder vor der Überführung in das Zielfrequenzband oder nach der Überführung,
also nach der Frequenzverschiebung erfolgen. Dabei kann im Zusammenhang mit der Erfindung
die Verstärkung für bestimmte ausgewählte Frequenzbänder auch kleiner 1, also eine
Dämpfung sein.
[0013] Gemäß der Erfindung erfolgt eine Verstärkung eines in dem ausgewählten Frequenzband
liegenden Signalanteils des Eingangssignals oder eines aus diesem Signalanteil hervorgehenden
Signals in Abhängigkeit eines Signalanteils des Eingangssignals aus wenigstens einem
nicht ausgewählten Frequenzband der Gruppe von Frequenzbändern. Vorteilhaft gehen
jedoch die Signalanteile mehrerer nicht ausgewählter Frequenzbänder, vorzugsweise
die Signalanteile aller nicht ausgewählten Frequenzbänder in die Berechnung der Verstärkung
ein.
[0014] Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird ein Formfaktor F bestimmt,
der vom spektralen Inhalt aller Frequenzbänder innerhalb einer Gruppe von Frequenzbändern
abhängt. Je reicher das Eingangssignal in spektraler Hinsicht innerhalb einer bestimmten
Gruppe an Frequenzbändern ist, desto größer ist der Formfaktor dieser Gruppe. Der
Formfaktor wirkt als Verstärkungsfaktor, mit dem das ausgewählte Frequenzband innerhalb
einer Gruppe an Frequenzbändern bzw. das betreffende Zielfrequenzband beaufschlagt
wird. Vorteilhaft wird der Signalanteil des Eingangssignals in dem ausgewählten Frequenzband
oder das in das betreffende Zielfrequenzband überführte Signal mit dem Formfaktor
multipliziert.
[0015] Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Möglichkeiten zur Bestimmung des Formfaktors,
die zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geeignet sind.
[0016] Gemäß einer ersten Variante der Erfindung berechnet sich ein Formfaktor FA aus dem
Quotienten aus der Summe der Beträge der Signale aller Frequenzbänder einer Gruppe
und dem Betrag des Signals des ausgewählten Frequenzbandes:

[0017] Gemäß einer zweiten Variante der Erfindung berechnet sich ein Formfaktor FB aus dem
Quotienten aus der Summe der Quadrate von den Beträgen der Signale aller Frequenzbänder
einer Gruppe und dem Quadrat des Betrages des Signals des ausgewählten Frequenzbandes:

[0018] Gemäß einer dritten Variante der Erfindung berechnet sich ein Formfaktor FC entsprechend
dem Formfaktor FA, mit dem Unterschied gegenüber FA, dass bei FC die Summe der Beträge
der der Signale aller Frequenzbänder auf die Anzahl der Frequenzbänder der betreffenden
Gruppe normiert wird:

[0019] Gemäß einer vierten Variante der Erfindung berechnet sich ein Formfaktor FD entsprechend
dem Formfaktor FB, mit dem Unterschied gegenüber FB, dass bei FD die Summe der Quadrate
von den Beträgen der Signale aller Frequenzbänder auf die Anzahl der Frequenzbänder
der betreffenden Gruppe normiert wird:

[0020] Die Erfindung ist nicht auf die beispielhaft für die Formfaktoren FA bis FD genannten
Berechnungsmethoden beschränkt. Vielmehr ist eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten
zur Bestimmung des Formfaktors denkbar. Insbesondere können in die beispielhaft genannten
Formfaktoren noch Multiplikationen mit Konstanten und/oder weiteren Variablen eingehen.
Ferner ist es möglich, dass - anders als in den obigen Beispielen - in die jeweilige
Zählerberechnung nicht stets die Signale aller Frequenzbänder der jeweiligen Gruppe
eingehen. Insbesondere ist es möglich, dass das Signal in dem jeweils ausgewählten
Frequenzband nicht in die Berechnung des Formfaktors eingeht.
[0021] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
Dabei zeigen:
- FIG 1
- ein Hörgerät nach dem Stand der Technik im vereinfachten Blockschaltbild,
- FIG 2
- die Einteilung einer Anzahl an Frequenzbändern in unterschiedliche Gruppen von Frequenzbändern,
die Auswahl eines ausgewählten Frequenzbandes aus jeder Gruppe von Frequenzbändern
und die Überführung des jeweils ausgewählten Frequenzbandes auf jeweils ein der betreffenden
Gruppe zugeordnetes Zielfrequenzband,
- FIG 3
- die Auswahl eines Frequenzbandes aus jeder Gruppe von Frequenzbändern und die Überführung
des ausgewählten Frequenzbandes auf jeweils ein der betreffenden Gruppe zugeordnetes
Zielfrequenzband, und
- FIG 4
- ein Ablaufdiagramm bei der Durchführung eines erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0022] FIG 1 zeigt im stark vereinfachten Blockschaltbild beispielhaft den Aufbau eines
Hörhilfegerätes, insbesondere eines hinter dem Ohr tragbaren Hörgerätes, nach dem
Stand der Technik. Hörgeräte umfassen prinzipiell als wesentliche Komponenten einen
Eingangswandler, einen Verstärker und einen Ausgangswandler. Der Eingangswandler ist
in der Regel ein Schallempfänger, z. B. ein Mikrofon, und/oder ein elektromagnetischer
Empfänger, z. B. eine Induktionsspule. Der Ausgangswandler ist meist als elektroakustischer
Wandler, z. B. Miniaturlautsprecher bzw. Hörer, oder als elektromechanischer Wandler,
z. B. Knochenleitungshörer, realisiert. Der Verstärker ist üblicherweise in eine Signalverarbeitungseinheit
integriert. Bei dem Ausführungsbeispiel gemäß FIG 1 sind in ein zum Tragen hinter
dem Ohr vorgesehenes Hörgerätegehäuse 1 ein oder mehrere Mikrofone 2 zur Aufnahme
des Schalls aus der Umgebung eingebaut. Eine Signalverarbeitungseinheit 3, die sich
ebenfalls in dem Hörgerätegehäuse 1 befindet, verarbeitet die Mikrofonsignale und
verstärkt sie. Das Ausgangssignal der Signalverarbeitungseinheit 3 wird an einen Lautsprecher
bzw. Hörer 4 übertragen, der ein akustisches Signal ausgibt. Der Schall wird gegebenenfalls
über einen Schallschlauch, der mit einer Otoplastik im Gehörgang fixiert ist, zum
Trommelfell des Benutzers übertragen. Die Energieversorgung des Hörgerätes und insbesondere
die der Signalverarbeitungseinheit 3 erfolgt durch eine ebenfalls in dem Hörgerätegehäuse
1 angeordnete Batterie 5.
[0023] Aus FIG 2 ist die Aufteilung des von einem Hörhilfegerät übertragbaren Frequenzbereiches
in eine Vielzahl an Frequenzbändern ersichtlich. Im Ausführungsbeispiel ist die Breite
der Frequenzbänder bei allen Frequenzbändern gleich (z.B. 200 Hz), was jedoch nicht
notwendigerweise so sein muss. Bei der Frequenzkompression wird allgemein ein Quellfrequenzbereich
S in einen Zielfrequenzbereich D abgebildet bzw. überführt. Unterhalb einer bestimmten
Grenzfrequenz f
c erfolgt im Ausführungsbeispiel keine Frequenzkompression und oberhalb der Grenzfrequenz
f
c wird jeweils eine bestimmte Anzahl nebeneinander liegender Frequenzbänder zu einer
Gruppe an Frequenzbändern zusammengefasst. Im Ausführungsbeispiel ist dies für die
Gruppen G1, G2 und G3 dargestellt. Die Anzahl der Frequenzbänder innerhalb einer Gruppe
kann zwischen den Gruppen variieren. Jeder Gruppe an Frequenzbändern G1, G2, G3 etc
ist genau ein Zielfrequenzband D1, D2, D3 etc zugeordnet. Aus jeder Gruppe von Frequenzbändern
G1, G2, G3 etc wird - z.B. für eine bestimmte Zeitdauer - ein bestimmtes Frequenzband
(das "Gewinner-Frequenzband") ausgewählt, beispielsweise das Frequenzband, in dem
der Signalanteil des Eingangssignals den höchsten Signalpegel im Vergleich zu den
Signalanteilen in den anderen Frequenzbändern der Gruppe aufweist, und in das der
Gruppe zugeordnete Zielfrequenzband verschoben. Im Ausführungsbeispiel wurden die
Gewinner-Frequenzbänder W1, W2 und W3 wie gezeigt ausgewählt und in die Frequenzbänder
D1, D2 und D3 verschoben. Die anderen, d.h. nicht ausgewählten Frequenzbänder jeder
Gruppe werden nicht auf einen anderen Frequenzbereich abgebildet und daher zumindest
aus Sicht des schwerhörigen Benutzers unterdrückt. Ggf. können nicht ausgewählte und
damit unterdrückte Frequenzbänder auch aktiv unterdrückt, das heißt durch Filtermittel
im Hörhilfegerät bezüglich des Eingangssignals gedämpft bzw. herausgefiltert werden.
Ferner ist es möglich, dass Signalanteile des Eingangssignals im Ausgangssignal eines
betreffenden Hörhilfegerätes dadurch unterdrückt sind, dass für die entsprechenden
Signalanteile nach der Aufteilung in Frequenzbänder keine weitere Signalverarbeitung
erfolgt.
[0024] In der Regel wird der aus dem ausgewählten Frequenzband W1, W2, W3 in das Zielfrequenzband
verschobene Signalanteil dem ohnehin in dem Zielfrequenzband vorhandene Signalanteil
des Eingangssignals überlagert. Dies kann durch eine einfache Addition beider Signale
erfolgen, es kann jedoch auch ein bestimmtes Mischverhältnis bzw. eine unterschiedliche
Gewichtung der Signale eingestellt werden. Dies kann sogar soweit gehen, dass z.B.
der direkt aus dem Eingangssignal resultierende Signalanteil in dem betreffenden Frequenzband
vollständig unterdrückt (herausgefiltert) wird und nur noch das aus einem anderen
Frequenzband in das betreffende Frequenzband verschobene Signal weiterverarbeitet
wird.
[0025] Gemäß der Erfindung wird vorteilhaft aus allen Frequenzbändern einer Gruppe ein Formfaktor
ermittelt und das ausgewählte Frequenzband dieser Gruppe mit dem betreffenden Formfaktor
beaufschlagt. Beispielsweise wird der in dem ausgewählten Frequenzband liegende Signalanteil
des Eingangssignals mit dem Formfaktor multipliziert, wodurch eine Verstärkung oder
Dämpfung des Signalanteils bewirkt wird. Der Formfaktor ist insbesondere ein Maß der
Schallenergie aller Kanäle der betreffenden Gruppe. Da sich die aus den einzelnen
Gruppen von Frequenzbändern resultierenden Formfaktoren in der Regel unterscheiden,
resultiert daraus eine unterschiedliche Gewichtung der aus den einzelnen Gruppen von
Frequenzbändern jeweils ausgewählten Frequenzbänder bzw. der Signalanteile des Eingangssignals
in diesen Frequenzbändern.
[0026] FIG 3 zeigt einen für die Erfindung relevanten Abschnitt eines Blockschaltbildes
eines erfindungsgemäßen Hörhilfegerätes. Daraus ist zunächst die Aufspaltung eines
von dem Hörhilfegerät übertragbaren Frequenzspektrums bzw. eines Eingangsignals in
eine Anzahl an Frequenzbändern, nämlich die Quellfrequenzbänder S ersichtlich. Dabei
sind vier nebeneinander liegende Frequenzbänder zu einer ersten Gruppe G1, fünf an
die erste Gruppe G1 anschließende und ebenfalls nebeneinander liegende Frequenzbänder
zu einer zweiten Gruppe G2 etc zusammengefasst. Die Signalanteile des Eingangssignals
in den einzelnen Frequenzbändern der ersten Gruppe G1 sind einer Signalanalyse- und
Steuereinheit AC1, die Signalanteile des Eingangssignals in den einzelnen Frequenzbändern
der zweiten Gruppe G2 einer Signalanalyse- und Steuereinheit AC2 etc zugeführt. In
der jeweiligen Signalanalyse- und Steuereinheit wird zunächst der Signalpegel in den
einzelnen Frequenzbändern bestimmt. Das Frequenzband mit dem größten Signalpegel ist
jeweils das "Gewinner-Frequenzband" W1, W2, W3 etc der betreffenden Gruppe G1, G2,
G3 etc und wird mittels einer Frequenzverschiebung in ein der jeweiligen Gruppe zugeordnetes
Zielfrequenzband D1, D2, D3 etc überführt und dem im jeweiligen Zielfrequenzband D1,
D2, D3 etc gegebenenfalls ohnehin vorhandenen Signalanteil aus dem Eingangssignal
gemischt. Insbesondere werden beide Signalanteile addiert.
[0027] Weiterhin wird mittels der jeweiligen Signalanalyse- und Steuereinheit AC1, AC2,
etc jeweils ein Formfaktor F1, F2, etc ermittelt, der vorzugsweise proportional zu
der Energie der in den Frequenzbändern der jeweiligen Gruppe G1, G2, G3 etc vorhandenen
Signalanteile des Eingangssignals ist. Berechnungsmethoden zur Bestimmung der Formfaktoren
F1, F2 etc sind beispielhaft in den Gleichungen E1 bis E4 angegeben. Die Formfaktoren
F1, F2 etc dienen jeweils als Multiplikator für das ausgewählte Frequenzband der betreffenden
Gruppe bzw. den darin enthaltenen Signalanteil des Eingangssignals. Dabei kann die
Multiplikation mit dem Formfaktor F jeweils vor der Frequenzverschiebung oder nach
der Frequenzverschiebung (wie im Ausführungsbeispiel dargestellt) erfolgen. Durch
die Multiplikation mit dem Formfaktor F nehmen auch die nicht ausgewählten Frequenzbänder
der betreffenden Gruppe Einfluss auf das resultierende Signal im Zielfrequenzband
der Gruppe. Dadurch können Schallsignale, die sich im Wesentlichen nur in den Signalanteilen
der unterdrückten Frequenzbänder einer Gruppe unterscheiden, besser voneinander unterschieden
werden.
[0028] Ein zur Durchführung eines erfindungsgemäßen Verfahrens ausgebildetes Hörhilfegerät
umfasst wenigstens eine Filterbank zur Aufteilung eines von dem Hörhilfegerät übertragbaren
Frequenzbereiches in eine Vielzahl an Frequenzbändern S. Ferner umfasst es Mittel
zur Einteilung bestimmter Frequenzbänder in unterschiedliche Gruppen G1, G2, G3 etc
von Frequenzbändern. Die Einteilung der Frequenzbänder kann beispielsweise durch Programmierung
des Hörhilfegerätes festgelegt und an den individuellen Hörverlust eines Benutzers
angepasst werden. Weiterhin umfasst ein erfindungsgemäßes Hörhilfegerät Mittel zur
Auswahl eines Frequenzbandes W1, W2 etc aus jeder Gruppe G1, G2, G3 etc von Frequenzbändern
in Abhängigkeit von den Signalanteilen eines in das Hörhilfegerät eingehenden Eingangssignals
in den einzelnen Frequenzbändern der jeweiligen Gruppe G1, G2, G3 etc von Frequenzbändern.
Zur Auswahl ist wenigstens eine Signalanalyse- und Auswerteeinheit AC1, AC2, etc im
Hörhilfegerät vorhanden, die beispielsweise die Signalpegel und/oder in den einzelnen
Kanälen vorhandene Energie bestimmt und das Frequenzband als "Gewinner-Frequenzband"
W1, W2 etc der jeweiligen Gruppe G1, G2, G3 etc festlegt, das für einen bestimmten
Zeitraum den höchsten Signalpegel und/oder die größte Energie aufweist.
[0029] Darüber hinaus umfasst das erfindungsgemäße Hörhilfegerät Mittel zum Überführen des
jeweils ausgewählten Frequenzbands W1, W2 etc in ein Zielfrequenzband D1, D2, D3 etc.
Im Ausführungsbeispiel sind hierfür die Frequenzverschiebeeinheiten FS1 und FS2 vorhanden,
die jeweils einen bestimmten Frequenzbereich in einen anderen Frequenzbereich verschieben
bzw. überführen.
[0030] Schließlich umfasst ein erfindungsgemäßes Hörhilfegerät noch Mittel zur jeweiligen
Bestimmung einer Verstärkung eines in dem ausgewählten Frequenzband W1, W2 etc liegenden
Signalanteils des Eingangssignals oder eines aus diesem Signalanteil hervorgehenden
Signals in Abhängigkeit von Signalanteilen in nicht ausgewählten Frequenzbändern der
Gruppe G1, G2, G3 etc von Frequenzbändern. Im Ausführungsbeispiel erfolgt hierzu die
Bestimmung der Formfaktoren F1, F2 etc ebenfalls durch die Signalanalyse- und Auswerteeinheiten
AC1, AC2, etc.
[0031] FIG 4 veranschaulicht grafisch nochmals die bei einem erfindungsgemäßen Verfahren
ausgeführten Verfahrensschritte bei der Frequenzkompression eines in ein Hörhilfegerät
eingehenden Eingangssignals:
[0032] In einem ersten Verfahrensschritt S1 erfolgt eine Aufteilung eines von dem Hörhilfegerät
übertragbaren Frequenzbereiches in mehrere Frequenzbänder. Dadurch wird ein in das
Hörhilfegerät eingehendes Eingangssignal in Signalanteile in den jeweiligen Frequenzbändern
aufgespaltet. Nachfolgend werden in einem Verfahrensschritt S2 jeweils mehrere aneinandergrenzende
Frequenzbänder zu wenigstens einer Gruppe von Frequenzbändern zusammengefasst. Darauf
folgt in einem Verfahrensschritt S3 für jede Gruppe von Frequenzbändern eine Auswahl
eines Frequenzbandes aus der jeweiligen Gruppe. In einem Verfahrensschritt S4 wird
für jedes ausgewählte Frequenzband jeweils ein Formfaktor bestimmt, in dessen Berechnung
jeweils auch die Signalanteile der nicht ausgewählten Frequenzbänder der betreffenden
Gruppe von Frequenzbändern eingehen. Es erfolgt dann in einem Verfahrensschritt S5
für jede Gruppe von Frequenzbändern eine Multiplikation des Signalanteils in dem ausgewählten
Frequenzband mit dem zuvor für die betreffende Gruppe ermittelten Formfaktor. Dabei
kann die Multiplikation vor oder nach der Verschiebung des Signalanteils in den betreffenden
Zielfrequenzbereich (Verfahrensschritt S6) erfolgen. Die nicht ausgewählten Frequenzbänder
einer jeden Gruppe werden nicht weiterverarbeitet und damit unterdrückt.
1. Verfahren zur Frequenzkompression eines in ein Hörhilfegerät eingehenden Eingangssignals
mit folgenden Schritten:
- Aufteilung eines von dem Hörhilfegerät übertragbaren Frequenzbereiches in mehrere
Frequenzbänder,
- Zusammenfassen mehrerer aneinandergrenzender Frequenzbänder zu wenigstens einer
Gruppe (G1, G2, G3) von Frequenzbändern,
- Auswahl eines Frequenzbandes (W1, W2, W3) aus der Gruppe (G1, G2, G3) von Frequenzbändern,
- Überführen des ausgewählten Frequenzbandes in ein Zielfrequenzband (D1, D2, D3),
dadurch gekennzeichnet, dass eine Verstärkung eines in dem ausgewählten Frequenzband (W1, W2, W3) liegenden Signalanteils
des Eingangssignals oder eines aus diesem Signalanteil hervorgehenden Signals in Abhängigkeit
eines Signalanteils des Eingangssignals aus wenigstens einem nicht ausgewählten Frequenzband
der Gruppe von Frequenzbändern erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Verstärkung eines aus dem ausgewählten Frequenzband
(W1, W2, W3) in das Zielfrequenzband (D1, D2, D3) überführten Signalanteils bestimmt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei innerhalb der Gruppe (G1, G2, G3) von Frequenzbändern
das Frequenzband mit der höchsten Schallenergie und/oder dem größten Signalpegel ausgewählt
wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei der in dem ausgewählten Frequenzband
(W1, W2, W3) liegende Signalanteil oder das aus diesem Signalanteil hervorgehende
Signal mit einem Formfaktor (F1, F2) multipliziert wird, der von dem Signalanteil
des Eingangssignals aus dem nicht ausgewählten Frequenzband der Gruppe (G1, G2, G3)
von Frequenzbändern abhängt.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5, wobei der Formfaktor (F1, F2) eine für das ausgewählte
Frequenzband (W1, W2, W3) oder das Zielfrequenzband (D1, D2, D3) des ausgewählten
Frequenzbandes maßgebliche Verstärkung beeinflusst.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 6, wobei für jede Gruppe (G1, G2, G3) von
Frequenzbändern ein Formfaktor (F1, F2) bestimmt wird.
8. Hörhilfegerät zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
mit
- einer Filterbank zur Aufteilung eines von dem Hörhilfegerät übertragbaren Frequenzbereiches
in eine Vielzahl an Frequenzbändern,
- Mitteln zur Einteilung bestimmter Frequenzbänder in unterschiedliche Gruppen (G1,
G2, G3) von Frequenzbändern,
- Mitteln zur Auswahl eines Frequenzbandes (W1, W2, W3) aus jeder Gruppe (G1, G2,
G3) von Frequenzbändern in Abhängigkeit von Signalanteilen eines in das Hörhilfegerät
eingehenden Eingangssignals in den einzelnen Frequenzbändern der jeweiligen Gruppe
(G1, G2, G3) von Frequenzbändern,
- Mitteln zum Überführen des jeweils ausgewählten Frequenzbands (W1, W2, W3) in ein
Zielfrequenzband (D1, D2, D3),
- Mitteln zur jeweiligen Bestimmung einer Verstärkung eines in dem ausgewählten Frequenzband
(W1, W2, W3) liegenden Signalanteils des Eingangssignals oder eines aus diesem Signalanteil
hervorgehenden Signals in Abhängigkeit von einem Signalanteil des Eingangssignals
in wenigstens einem nicht ausgewählten Frequenzband der Gruppe (G1, G2, G3) von Frequenzbändern.