[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Anfahren
einer Extrusionslinie gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bzw. des Anspruchs 2.
[0002] Rohrextrusionslinien weisen einen Extruder mit einem Werkzeug, einem so genannten
Rohrkopf, eine Kalibrier- und Kühleinheit und ggf. weitere Kühltanks sowie eine Abzugseinheit
auf. Im normalen Betrieb wird das extrudierte Rohr von der Abzugseinheit, die meistens
als Raupenabzug ausgebildet ist, mit der erforderlichen Geschwindigkeit durch die
Extrusionslinie gezogen.
[0003] Beim Anfahren befindet sich in aller Regel kein Rohr in der Extrusionslinie. Es wird
daher mit einem Anfahrrohr gearbeitet. Das Anfahrrohr muss vom hinteren Ende der Extrusionslinie
durch alle Einrichtungen "hindurchgefädelt" werden, bis sein vorderes Ende aus der
Kalibrier- und Kühleinheit ragt. Es kann dann mit dem aus dem Rohrkopf austretenden
Schmelzeschlauch, z. B. durch Verschweißen, verbunden werden. Nach der Herstellung
dieser Verbindung wird mit der Abzugseinheit Zug auf das Anfahrrohr ausgeübt, so dass
letztendlich das mit dem Anfahrrohr verbundene, neu produzierte Rohr in die Abzugseinheit
einläuft. Die Aufgabe des Anfahrrohrs ist damit erledigt.
[0004] Diese aus dem Stand der Technik bekannte Vorgehensweise hat einige Nachteile. So
muss das Anfahrrohr möglichst den gleichen Durchmesser haben wie das zu produzierende
Rohr, damit die Enddichtung der Kalibrier-und Kühleinheit, die gegen die Atmosphäre
abdichtet, an dem Anfahrrohr anliegt und in der Kalibrier- und Kühleinheit sofort
mit einem Unterdruck gearbeitet werden kann. Andernfalls würde sich der Ausschuss
des neu produzierten Rohres erhöhen. Zudem sollten das produzierte Rohr und das Anfahrrohr
möglichst aus dem gleichen Material bestehen, um die Schweißverbindung optimal herstellen
zu können. Ein weiterer Nachteil beim Anfahren einer Extrusionslinie mit einem Anfahrrohr
ist darin zu sehen, dass dieses von hinten in voller Länge durch die Extrusionslinie
"gefädelt" werden muss. Dabei kann es zur Beschädigung von Anlagenteilen kommen. Des
Weiteren ist dieser "Einfädelvorgang" bei großen Metergewichten des Anfahrrohrs im
wahrsten Sinne des Wortes sehr beschwerlich.
[0005] Die o. g. Nachteile werden bei einem Anfahrsystem vermieden, dass in der
DE 202 21 671 U1 offenbart ist. Bei diesem System wird mit einem so genannten Ankopplungskopf gearbeitet.
Dieser ragt zum Anfahren der Extrusionslinie in Richtung Rohrkopf aus der Kalibrier-
und Kühleinheit heraus. Der Ankopplungskopf besitzt einen zylindrischen Vorsprung,
mit dem der aus dem Rohrkopf austretende Schmelzeschlauch z. B. durch Verschweißen
oder durch Verklemmen verbunden werden kann. Der Ankopplungskopf ist mit einer Zugvorrichtung
verbunden. Diese Zugvorrichtung weist z. B. ein Seil auf, das vom Ankopplungskopf
durch die gesamte Extrusionslinie geführt und am hinteren Ende mit einer Winde verbunden
ist. Nach dem Verbinden des aus dem Rohrkopf austretenden Schmelzeschlauchs mit dem
Ankopplungskopf wird mittels der Zugvorrichtung Zug auf den Ankopplungskopf und damit
auf das produzierte Rohr ausgeübt. Sobald der Ankopplungskopf die Abzugseinheit passiert
hat, übernimmt diese den weiteren Abzug des hergestellten Rohres in der Rohrextrusionslinie.
[0006] Beim Anfahren wird in dem zwischen dem Rohrkopf und dem Ankopplungskopf befindlichen
Innenraum des Schmelzeschlauchs durch Druckluftzufuhr ein Überdruck erzeugt. Da in
der Kalibrier- und Kühleinheit noch Atmosphärendruck herrscht, wird der Schmelzeschlauch
aufgrund der Druckdifferenz gegen eine Kalibriereinrichtung, z. B. eine Kalibrierhülse,
gedrückt. Dadurch erhält das produzierte Rohr gleich zu Beginn den gewünschten Außendurchmesser,
so dass der Ausschuss beim Anfahren reduziert werden kann. Nachdem der Ankopplungskopf
eine am Auslauf der Kalibrier- und Kühleinheit angeordnete Dichtung passiert hat,
legt sich diese selbsttätig oder zwangsgesteuert dichtend an das produzierte Rohr
an, so dass in der Kalibrier- und Kühleinheit ein Vakuum erzeugt und die Druckluftzufuhr
in den Innenraum des Schmelzeschlauchs abgestellt werden kann. Da die Druckdifferenz
zwischen dem Rohrinnenraum und der Kalibrier-und Kühleinheit weiter besteht, kann
die Kalibrierung des Rohres ununterbrochen fortgesetzt werden.
[0007] Nachteilig an der in der
DE 202 21 671 U1 beschriebenen Technik ist, dass weiterhin eine Verbindung zwischen dem aus dem Rohrkopf
austretenden Schmelzeschlauch und dem Ankopplungskopf hergestellt werden muss. Des
Weiteren ist dafür Sorge zu tragen, dass das Zugseil die Extrusionslinie ziemlich
mittig durchläuft, um Verkantungen des Ankopplungskopfes zu vermeiden.
[0008] Die
DE 10 2005 028 085 A1 beschreibt eine Vorrichtung zum Verbinden von zwei Rohrenden. Bei dieser Anfahrtechnik
wird ebenfalls wieder mit einem Anfahrrohr gearbeitet, allerdings wird dieses in einem
Ausführungsbeispiel nicht direkt mit dem Schmelzeschlauch verbunden, sondern über
ein Gegenstück, um das der Schmelzeschlauch gelegt ist. Das Gegenstück ist über eine
Zugöse und ein Seil mit einem Anschlagdorn verbunden, der über Spreizmittel im Anfahrrohr
festlegbar ist.
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum
Anfahren einer Rohrextrusionslinie zur Verfügung zu stellen, das bzw. die gänzlich
ohne Zugmittel auskommt und damit deren Nachteile vermeidet.
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem Verfahren und einer Extrusionslinie
gelöst, welches bzw. welche die Merkmale des Anspruchs 1 bzw. 2 aufweist.
[0011] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird das extrudierte Rohr nicht mehr durch die
Extrusionslinie gezogen sondern geschoben. Dazu ist zumindest in der Kalibrier- und
Kühleinheit eine Schubvorrichtung vorgesehen, die eine Schubkraft auf das extrudierte
Rohr ausübt. Die aus dem Stand der Technik bekannten Anfahrhilfsmittel , wie Anfahrrohre
, Zugseile u.s.w. und die damit einher gehenden Nachteile werden somit vermieden.
[0012] Da die Kalibrier- und Kühleinheit in einer ersten Anfahrphase noch unter Atmosphärendruck
steht, weil das vorgeschobene Rohr noch nicht an einer Dichtung anliegt, die die Kalibrier-
und Kühleinheit durch Anlage an dem extrudierten Rohr gegenüber der Atmosphäre abdichtet,
muss dafür Sorge getragen werden, dass das noch nicht starre Rohr in der Kalibrier-
und Kühleinheit von innen gestützt wird, damit es nicht in sich zusammenfällt. Das
wird dadurch erreicht, dass entweder in dem Rohr gegenüber dem Innenraum der Kalibrier-
und Kühleinheit ein Überdruck erzeugt wird, z. B. durch Druckluftzufuhr, oder aber
dadurch, dass das Rohr durch eine mechanische Innenführung körperlich gestützt wird.
Sobald das produzierte Rohr die Dichtung passiert hat, wird in der Kalibrier- und
Kühleinheit ein Unterdruck erzeugt, so dass das Rohr auf den gewünschten Außendurchmesser
kalibriert werden kann. Die Druckluftzufuhr bei der ersten Stützvariante wird gestoppt.
[0013] Aufgrund der erfindungsgemäßen Lösung kann nicht nur auf die bisher üblichen Anfahrhilfen
verzichtet werden, sondern auch auf die Abzugseinheit am Ende der Extrusionslinie.
Falls der durch die in der Kalibrier- und Kühleinheit angeordneten Schubvorrichtung
auf das Rohr ausgeübte Schub nicht ausreicht, um das Rohr bis zum Ende der Extrusionslinie
vorzuschieben, können in der Extrusionslinie gegebenenfalls eine oder mehrere weitere
Schubvorrichtungen, z. B. in oder nach den Kühltanks, vorgesehen werden.
[0014] Es ist aber auch möglich, die zumindest eine Schubvorrichtung nur als Anfahrhilfe
zu verwenden und wie üblich eine Abzugseinheit am Ende der Extrusionslinie vorzusehen.
Diese übernimmt dann, wie im Normalbetrieb einer Extrusionslinie üblich, den weiteren
Antrieb des extrudierten Rohres. Der Antrieb der zumindest einen Schubvorrichtung
kann dann abgestellt werden.
[0015] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0016] Die Erfindung wird nachstehend anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
In der dazugehörigen Zeichnung zeigt:
- Fig. 1
- eine Extrusionslinie zur Herstellung von Kunststoffrohren mit ihren Hauptkomponenten
in schematischer Darstellung,
- Fig. 2
- einen schematischen Schnitt durch eine Kalibrier-und Kühleinheit zur Durchführung
eines erfindungsgemäßen Anfahrvorganges am Beginn des Durchlaufs eines Rohres durch
die Kalibrier-und Kühleinheit,
- Fig. 3
- eine Darstellung gemäß Fig. 2 in einem mittleren Stadium des Durchlaufs eines Rohres
durch die Kalibrier-und Kühleinheit,
- Fig. 4
- eine Darstellung gemäß Fig. 2 nach dem Durchlauf eines Rohres durch die Kalibrier-und
Kühleinheit,
- Fig. 5
- eine schematische Vorderansicht einer Schubvorrichtung in einer ausschnittsweisen
Darstellung, und
- Fig. 6
- eine Seitenansicht der Schubvorrichtung nach Fig. 5.
[0017] Die in Fig. 1 dargestellte Extrusionslinie umfasst einen Extruder 1 mit einem Aufgabetrichter
2, einer Extruderschnecke 3 und einem Rohrkopf 4. Über den Aufgabetrichter 2 wird
ein thermoplastischer Kunststoff 5 in Granulat- oder Pulverform dem Extruder 1 zugeführt.
In dem Extruder 1 wird das Granulat bzw. Pulver erwärmt, geknetet und plastifiziert.
Anschließend wird der Kunststoff als formbare Masse durch die Extruderschnecke in
den Rohrkopf 4 gefördert und dort durch einen ringförmigen Durchtrittsspalt gedrückt.
[0018] Nach dem Austritt aus dem Rohrkopf 4 tritt das heiße, noch verformbare Rohr (Schmelzeschlauch)
6 durch den von dem Extruder 1 erzeugten Extrusionsdruck in eine Kalibrier- und Kühleinheit
8 ein, die einen Vakuumtank 9 mit einer an dessem Einlauf angeordneten, perforierten
Kalibrierhülse 10 aufweist. Die Kalibrierhülse 10 ist stufenlos im Durchmesser einstellbar,
so dass das extrudierte, noch verformbare Rohr 6 auf den gewünschten Wert fixiert
werden kann. Nach dem Verlassen der Kalibrier- und Kühleinheit 8 tritt das Rohr 6
in einen Kühltank 11 (oder auch in mehrere nacheinander) ein, wo es auf etwa Raumtemperatur
abgekühlt wird.
[0019] Die in den Figuren 2 bis 4 dargestellte Kalibrier- und Kühleinheit 8 besitzt einen
Vakuumtank 9, der aus drei Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 zusammengesetzt ist. Diese Sektion
9.1, 9.2 und 9.3 sind auf einem Bett 12 der Kalibrier- und Kühleinheit 8 gegeneinander
verschiebbar, so dass sie voneinander beabstandet werden können, wie das in Figur
2 dargestellt ist.
[0020] In der ersten Sektion 9.1 der Kalibrier- und Kühleinheit 8 ist die Kalibrierhülse
10 angeordnet. Diese besitzt einen ringförmigen Einlaufkopf 13 und einen ringförmigen
Auslasskopf 14. Während der Einlaufkopf 13 außerhalb der Sektion 9.1 angeordnet ist,
öffnet sich der Auslasskopf 14 in die Sektion 9.1. Der Auslaufkopf 14 ist gegenüber
dem ortsfesten Einlaufkopf 13 in Axialrichtung der Kalibrierhülse 10 verlagerbar.
Dazu sind zwei Spindeleinheiten 15 vorgesehen, mit deren Hilfe der Auslaufkopf 14
zu dem Einlaufkopf 13 hin bzw. weg verlagert werden kann, wodurch sich der Durchmesser
der Kalibrierhülse 10 vergrößert bzw. verkleinert. Zum weiteren Aufbau der Kalibrierhülse
10 wird zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf die
DE 10 2005 002 820 B3 verwiesen, in der die Kalibrierhülse 10 und ihre Funktion ausführlich beschrieben
ist.
[0021] Zu den Einbauten der ersten Sektion 9.1 der Kalibrier- und Kühleinheit 8 gehört weiterhin
eine Schubvorrichtung 7, die in Durchlaufrichtung des Rohres 6 nach der Kalibrierhülse
10 angeordnet und in den Fig. 2 bis 4 nur schematisch dargestellt ist. Diese Schubvorrichtung
7 ist auf den jeweils in der Extrusionslinie gefahrenen Rohrdurchmesser einstellbar
bzw. stellt sich selbsttätig auf diesen ein. Eine mögliche Ausführungsform einer Schubvorrichtung
7 ist in den Fig. 5 und 6 dargestellt.
[0022] In den Sektionen 9.2, 9.3 des Vakuumtanks 9 sind Stützvorrichtungen 16 für das extrudierte
Rohr 6 vorgesehen, deren Aufbau im Wesentlichen dem der Kalibrierhülse 10 entspricht.
Ein wesentlicher Unterschied zu der Kalibrierhülse 10 besteht darin, dass die Einlaufköpfe
17 wie die Auslaufköpfe 14 einen fixen Durchmesser haben. Zum weiteren Aufbau der
Stützvorrichtungen 16 wird auf die
DE 103 180 037 B3 verwiesen, in der diese Stützvorrichtungen 16 ausführlich beschrieben sind.
[0023] Am Auslauf jeder der Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 ist eine Dichtung 18 angeordnet,
durch die das produzierte Rohr 6 hindurch läuft. Die Dichtungen 18 sind auf den Außendurchmesser
des produzierten Rohres 6 einstellbar. Wenn die Dichtungen 18 am Außenumfang des produzierten
Rohres 6 anliegen, dichten sie die Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 gegenüber der Atmosphäre
ab.
[0024] Zu den Einbauten der Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 gehören weiterhin Sprühdüsen 19,
mit denen zur Kühlung Wasser auf die Rohroberfläche gesprüht wird. Soweit es noch
ergänzende Erläuterungen zum Aufbau und zur Funktion der Sprühdüse 19 bedarf, wird
auf die
DE 10 2008 037 874 A1 verwiesen, die zwecks weiterer Beschreibung der Sprühdüsen 19 zum Gegenstand des
Ausführungsbeispiels gemacht wird.
[0025] Vom Rohrkopf 4 ragt axial ein Stützzylinder 20 ab, der sich durch den Einlaufkopf
13 hindurch koaxial in die Kalibrierhülse 10 hineinerstreckt. Konzentrisch zum Stützzylinder
20 ist eine Stützscheibe 21 angeordnet, die aus radial verstellbaren Segmenten besteht
und den Abstand zwischen dem Rohrkopf 4 und dem Einlaufkopf 13 im Wesentlichen ausfüllt.
[0026] Nachstehend wird anhand der Figuren 2 bis 4 der Anfahrvorgang einer Rohrextrusionslinie
beschrieben.
[0027] Nach dem Austritt aus dem Rohrkopf 4 wird das heiße, noch verformbare Rohr 6 aufgrund
des durch den Extruder 1 aufgebauten Extrusionsdruckes, außen von der Stützscheibe
21 geführt (nicht dargestellt), in den Einlauf 13 der Kalibrierhülse 10 gedrückt,
wo sich das Rohr 6 an die Außenfläche des Stützzylinders 20 anlegt. Für eine gute
Gleitreibung ist der Stützzylinder 20 mit einer PTFE-Beschichtung versehen. Das Rohr
6 wird nun weiter auf dem Stützzylinder 20 durch die Kalibrierhülse 10 geschoben.
Deren Innendurchmesser ist so eingestellt, dass ein geringfügiger Abstand zur Rohroberfläche
besteht. Während des Durchlaufs des Rohres 6 durch den Vakuumtank 9 wird es in allen
Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 durch die Sprühdüse 19 ständig gekühlt. Nach dem Austritt
des Rohres 6 aus der Kalibrierhülse 10 wird es durch die Schubvorrichtung 7 erfasst
und von dieser durch die Extrusionslinie geschoben. Die Stützscheibe 21 kann nun aufgefahren
werden, wie in den Fig, 2 bis 4 dargestellt ist, da eine Abstützung des heißen, noch
verformbaren Rohres 6 an dieser Stelle nicht mehr erforderlich ist.
[0028] Sobald das Rohr 6 aus der Sektion 9.1 austritt, wird deren Dichtung 18 radial auf
das Rohr 6 zugestellt, so dass die Dichtung 18 dichtend am Umfang des Rohres 6 anliegt.
Gleichzeitig wird in der Sektion 9.1 ein Unterdruck erzeugt, so dass das Rohr 6 aufgrund
der Druckdifferenz zwischen dem Rohrinnenraum und dem Innenraum der Sektion 9.1 an
die Innenfläche der Kalibrierhülse 10 gedrückt wird.
[0029] Nach dem Schließen der Dichtung 18 der Sektion 9.1 wird die Sektion 9.2 an die Sektion
9.1 herangefahren. Das Rohr 6 durchläuft nun die Sektion 9.2 und wird beim Verlassen
dieser Sektion 9.2 von der Dichtung 18 dichtend umschlossen. Nun wird auch in der
Sektion 9.2 Unterdruck angelegt und die Sektion 9.3 an die Sektion 9.2 herangefahren.
Das Rohr 6 durchläuft jetzt die Sektion 9.3, die nach dem Austritt des Rohres 6 und
Schließen der Dichtung 18 ebenfalls unter Unterdruck gesetzt wird.
[0030] Das Rohr 6 wird nach dem Verlassen der Kalibrier-und Kühleinheit 8 durch die nachfolgenden
Einrichtungen der Extrusionslinie bis zu deren Ende geschoben. Eine sonst üblicher
Weise am Ende einer Extrusionslinie vorgesehene Abzugseinheit kann auf Grund der Schubvorrichtung
7 entfallen. Wenn die durch die in der Kalibrier- und Kühleinheit 8 angeordneten Rohrabstützung
7 auf das Rohr 6 übertragende Schubkraft nicht ausreicht, um das Rohr 6 bis zum Ende
der Extrusionslinie zu schieben, kann bzw. können gegebenenfalls eine oder mehrere
weitere Schubvorrichtungen 7, z. B. vor, im oder hinter dem Kühltank 11 vorgesehen
werden, die dann wahlweise auch zu- oder abgeschaltet werden.
[0031] Im oben stehenden Ausführungsbeispiel wurde der Stützzylinder 20 als stationäre Einrichtung
beschrieben. Er kann vorteilhafter Weise auch so ausgeführt sein, dass er in den Rohrkopf
4 einfahrbar ist, da er nach dem Anfahren keine Funktion mehr hat.
[0032] In einem weiteren, nicht dargestellten Ausführungsbeispiel entsprechen Aufbau und
Funktion der Kalibrier- und Kühleinheit 8 dem bzw. der des vorstehenden Ausführungsbeispiels.
Bei diesem Ausführungsbeispiel wird das extrudierte Rohr 6 bei seinem Durchlauf durch
die erste Sektion 9.1 des Vakuumtanks 9 nicht durch einen Stützzylinder gestützt,
sondern durch einen Innendruck. Dazu wird in das aus dem Rohrkopf 4 austretende heiße,
noch verformbare Rohr 6 bei aufgefahrener Stützscheibe 21 ein Verschlusskörper eingelegt,
an den das Rohr 6 dichtend anbackt. Der Rohranfang wird nun mit dem einliegenden Verschlusskörper
in die Kalibrierhülse 10 eingeführt. Gleichzeitig wird über eine durch den Rohrkopf
4 geführte Druckluftleitung Druckluft in das Rohrinnere eingeführt und die Stützscheibe
21 zur äußeren Abstützung des Rohres 6 zugefahren. Aufgrund des Überdrucks im Rohrinneren
legt sich dieses an die Innenfläche der Kalibrierhülse 10 an. Nach dem Auslaufen des
Rohres 6 aus der Kalibrierhülse 10 wird es von der Schubvorrichtung 7 erfasst und
weiter durch die Extrusionslinie geschoben.
[0033] Nach dem Durchlaufen der Sektion 9.1 wird deren Dichtung 18 zugefahren. Gleichzeitig
wird in der Sektion 9.1 Unterdruck erzeugt und die Druckluftzufuhr in das Rohrinnere
gesperrt. Aufgrund der weiterhin vorliegenden Druckdifferenz bleibt das Rohr 6 in
Anlage an die Kalibrierhülse 10, d.h., das Rohr 6 wird kalibriert.
[0034] Das Rohr 6 durchläuft anschließend die beiden weiteren Sektionen 9.2 und 9.3 des
Vakuumtanks 9, wie im vorherigen Ausführungsbeispiel beschrieben.
[0035] In dem oben beschriebenen Ausführungsbeispiel sind die Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3
des Vakuumtanks 9 gegeneinander verfahrbar, so dass sie voneinander beabstandet werden
können. Diese Lösung hat den Vorteil, dass dadurch im Vakuumtank 9 Inspektionslücken
geschaffen werden können, durch die das produzierte Rohr 6 bei seinem Durchlauf durch
den Vakuumtank 9 beobachtet werden kann.
[0036] Für die vorliegende Erfindung ist eine derartige Verfahrbarkeit der Sektionen 9.1,
9.2 und 9.3 nicht erforderlich. Es reicht aus, wenn der Vakuumtank 9 schottartig in
drei Sektionen unterteilt ist, wobei jeder Sektion am Auslauf eine Dichtung 18 zugeordnet
ist. Ebenso kann der Vakuumtank 9 auch nur aus einer Sektion bestehen.
[0037] In den Fig. 5 und 6 ist eine mögliche Ausführungsform einer Schubvorrichtung 7 dargestellt.
Sie weist einen konzentrisch zum anzutreibenden Rohr 6 angeordneten, drehantreibbaren
Zahnkranz 22 sowie vier Spindeleinheiten 23 auf, von denen sich jeweils zwei diametral
gegenüber liegen.
[0038] In den Fig. 5 und 6 ist nur eine dieser Spindeleinheiten 23 dargestellt. Jede Spindeleinheit
23 besitzt eine Gewindespindel 24 und eine Spindelmutter 25. Die Spindelmuttern 25
weisen jeweils einen Außenzahnrad 26 auf, das mit dem Zahnkranz 22 kämmt, und sind
drehbar in einem ortsfesten Support 27 gelagert.
[0039] An dem dem Rohr 6 zugewandten Ende jeder Gewindespindel 24 ist drehbar eine Rolle
28 gelagert. Diese Rollen 28 sind jeweils über einen Rollenmotor 29 aktiv und synchron
drehantreibbar.
[0040] Die Schubvorrichtung 7 ist auf den jeweils in der Rohrextrusionslinie gefahrenen
Rohrdurchmesser einstellbar. Dazu wird der Zahnkranz 22 in Drehantrieb versetzt, wodurch
die mit dem Zahnkranz 22 über die Zahnräder 26 kämmenden Spindelmuttern 25 synchron
drehangetrieben werden. Die Gewindespindeln 24 und damit auch die Rollen 28 werden
dadurch translatorisch und synchron in die eine oder andere Richtung, je nach Drehrichtung
des Zahnkranzes 22, bewegt, bis die Rollen 28 die Oberfläche des Rohres 6 kontaktieren.
Da die Rollen 28 durch die Rollenmotoren 29 synchron gleichgerichtet angetrieben werden,
üben sie eine Schubkraft auf das Rohr 6 aus, so dass dieses durch die Extrusionslinie
geschoben wird.
[0041] Als Schubvorrichtung kann auch eine in der nicht vorveröffentlichten
DE 10 2009 023 438 zum Patent angemeldete Rohrunterstützung (Version Stützrollen) verwendet werden,
die hiermit zum Gegenstand der vorliegenden Anmeldung gemacht wird. Diese Vorrichtung
müsste nur so modifiziert werden, dass zumindest einige der Stützrollen durch z. B.
Rollenmotoren synchron und gleichgerichtet drehangetrieben werden.
1. Verfahren zum Anfahren einer Rohrextrusionslinie mit einem Extruder und einer Kalibrier-
und Kühleinheit, dadurch gekennzeichnet, dass das extrudierte Rohr (6) durch mindestens eine mindestens in der Kalibrier- und Kühleinheit
(8) vorgesehene, eine Schubkraft auf das extrudierte Rohr (6) übertragende Schubvorrichtung
(7) durch die Extrusionslinie geschoben wird, wobei die Kalibrier- und Kühleinheit
(8) in einer ersten Anfahrphase, in der das Rohr (6) eine Dichtung (18) der Kalibrier-
und Kühleinheit (8) gegen die Atmosphäre noch nicht passiert hat, unter Atmosphärendruck
steht, und in einer zweiten Anfahrphase, in der das Rohr (6) diese Dichtung (18) passiert
hat, unter Unterdruck gesetzt wird, wobei das Rohr (6) in der ersten Anfahrphase durch
inneren Überdruck oder eine mechanische Innenführung (20) gestützt wird.
2. Extrusionslinie zur Durchführung des Verfahrens gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in der Kalibrier- und Kühleinheit (8) nach der Kalibrierhülse (10) eine eine Schubkraft
auf das extrudierte Rohr (6) übertragende Schubvorrichtung (7) angeordnet ist.
3. Extrusionslinie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schubvorrichtung (7) auf den jeweils in der Extrusionslinie gefahrenen Rohrdurchmesser
einstellbar ist bzw. sich selbsttätig auf diesen einstellt.
4. Extrusionslinie nach einem der Ansprüche 2 oder 3,
gekennzeichnet durch:
- eine Kalibrier- und Kühleinheit (8), die mindestens zwei Sektionen (9.1, 9.2, 9.3)
mit je einer Dichtung (18) aufweist, wobei in der in Extrusionsrichtung ersten Sektion
(9.1) die Kalibrierhülse (10) angeordnet ist,
- einen Stützzylinder (20), der axial von einem Rohrkopf (4) des Extruders (1) abragt
und sich koaxial in die Kalibrierhülse (10) hineinerstreckt,
- eine Stützscheibe (21), die zwischen dem Rohrkopf (4) und einem Einlauf (13) der
Kalibrierhülse (10) angeordnet ist, und der Außenabstützung des aus dem Rohrkopf (4)
austretenden Rohres (6) dient.
5. Extrusionslinie nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Sektionen (9.1, 9.2, 9.3) gegeneinander auf Abstand verfahrbar sind.
6. Extrusionslinie nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Stützzylinder (20) in den Rohrkopf (4) einfahrbar ist.
7. Extrusionslinie nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützscheibe (21) aus radial verstellbaren Segmenten besteht.