(19)
(11) EP 2 441 561 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
18.04.2012  Patentblatt  2012/16

(21) Anmeldenummer: 11008362.3

(22) Anmeldetag:  18.10.2011
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B29C 47/90(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME

(30) Priorität: 18.10.2010 DE 102010048579

(71) Anmelder: INOEX GmbH
32547 Bad Oeynhausen (DE)

(72) Erfinder:
  • Klose, Reinhard
    31737 Rinteln (DE)
  • Diekhaus, Brigitte
    33659 Bielefeld (DE)

(74) Vertreter: Seewald, Jürgen 
Brümmerstedt Oelfke Seewald & König, Theaterstrasse 6
30159 Hannover
30159 Hannover (DE)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zum Anfahren einer Rohrextrusionslinie


(57) Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Anfahren einer Rohrextrusionslinie. Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Anfahren einer Rohrextrusionslinie zur Verfügung zu stellen, das bzw. die gänzlich ohne Zugmittel auskommt und damit deren Nachteile vermeidet. Gelöst wird diese Aufgabe dadurch, dass das extrudierte Rohr (6) nicht mehr durch die Extrusionslinie gezogen sondern geschoben wird. Dazu ist zumindest in der Kalibrier- und Kühleinheit (8) eine Schubvorrichtung (7) vorgesehen, die eine Schubkraft auf das extrudierte Rohr (6) ausübt. Die aus dem Stand der Technik bekannten Anfahrhilfsmittel , wie Anfahrrohre , Zugseile u.s.w. und die damit einher gehenden Nachteile werden somit vermieden.




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Anfahren einer Extrusionslinie gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bzw. des Anspruchs 2.

[0002] Rohrextrusionslinien weisen einen Extruder mit einem Werkzeug, einem so genannten Rohrkopf, eine Kalibrier- und Kühleinheit und ggf. weitere Kühltanks sowie eine Abzugseinheit auf. Im normalen Betrieb wird das extrudierte Rohr von der Abzugseinheit, die meistens als Raupenabzug ausgebildet ist, mit der erforderlichen Geschwindigkeit durch die Extrusionslinie gezogen.

[0003] Beim Anfahren befindet sich in aller Regel kein Rohr in der Extrusionslinie. Es wird daher mit einem Anfahrrohr gearbeitet. Das Anfahrrohr muss vom hinteren Ende der Extrusionslinie durch alle Einrichtungen "hindurchgefädelt" werden, bis sein vorderes Ende aus der Kalibrier- und Kühleinheit ragt. Es kann dann mit dem aus dem Rohrkopf austretenden Schmelzeschlauch, z. B. durch Verschweißen, verbunden werden. Nach der Herstellung dieser Verbindung wird mit der Abzugseinheit Zug auf das Anfahrrohr ausgeübt, so dass letztendlich das mit dem Anfahrrohr verbundene, neu produzierte Rohr in die Abzugseinheit einläuft. Die Aufgabe des Anfahrrohrs ist damit erledigt.

[0004] Diese aus dem Stand der Technik bekannte Vorgehensweise hat einige Nachteile. So muss das Anfahrrohr möglichst den gleichen Durchmesser haben wie das zu produzierende Rohr, damit die Enddichtung der Kalibrier-und Kühleinheit, die gegen die Atmosphäre abdichtet, an dem Anfahrrohr anliegt und in der Kalibrier- und Kühleinheit sofort mit einem Unterdruck gearbeitet werden kann. Andernfalls würde sich der Ausschuss des neu produzierten Rohres erhöhen. Zudem sollten das produzierte Rohr und das Anfahrrohr möglichst aus dem gleichen Material bestehen, um die Schweißverbindung optimal herstellen zu können. Ein weiterer Nachteil beim Anfahren einer Extrusionslinie mit einem Anfahrrohr ist darin zu sehen, dass dieses von hinten in voller Länge durch die Extrusionslinie "gefädelt" werden muss. Dabei kann es zur Beschädigung von Anlagenteilen kommen. Des Weiteren ist dieser "Einfädelvorgang" bei großen Metergewichten des Anfahrrohrs im wahrsten Sinne des Wortes sehr beschwerlich.

[0005] Die o. g. Nachteile werden bei einem Anfahrsystem vermieden, dass in der DE 202 21 671 U1 offenbart ist. Bei diesem System wird mit einem so genannten Ankopplungskopf gearbeitet. Dieser ragt zum Anfahren der Extrusionslinie in Richtung Rohrkopf aus der Kalibrier- und Kühleinheit heraus. Der Ankopplungskopf besitzt einen zylindrischen Vorsprung, mit dem der aus dem Rohrkopf austretende Schmelzeschlauch z. B. durch Verschweißen oder durch Verklemmen verbunden werden kann. Der Ankopplungskopf ist mit einer Zugvorrichtung verbunden. Diese Zugvorrichtung weist z. B. ein Seil auf, das vom Ankopplungskopf durch die gesamte Extrusionslinie geführt und am hinteren Ende mit einer Winde verbunden ist. Nach dem Verbinden des aus dem Rohrkopf austretenden Schmelzeschlauchs mit dem Ankopplungskopf wird mittels der Zugvorrichtung Zug auf den Ankopplungskopf und damit auf das produzierte Rohr ausgeübt. Sobald der Ankopplungskopf die Abzugseinheit passiert hat, übernimmt diese den weiteren Abzug des hergestellten Rohres in der Rohrextrusionslinie.

[0006] Beim Anfahren wird in dem zwischen dem Rohrkopf und dem Ankopplungskopf befindlichen Innenraum des Schmelzeschlauchs durch Druckluftzufuhr ein Überdruck erzeugt. Da in der Kalibrier- und Kühleinheit noch Atmosphärendruck herrscht, wird der Schmelzeschlauch aufgrund der Druckdifferenz gegen eine Kalibriereinrichtung, z. B. eine Kalibrierhülse, gedrückt. Dadurch erhält das produzierte Rohr gleich zu Beginn den gewünschten Außendurchmesser, so dass der Ausschuss beim Anfahren reduziert werden kann. Nachdem der Ankopplungskopf eine am Auslauf der Kalibrier- und Kühleinheit angeordnete Dichtung passiert hat, legt sich diese selbsttätig oder zwangsgesteuert dichtend an das produzierte Rohr an, so dass in der Kalibrier- und Kühleinheit ein Vakuum erzeugt und die Druckluftzufuhr in den Innenraum des Schmelzeschlauchs abgestellt werden kann. Da die Druckdifferenz zwischen dem Rohrinnenraum und der Kalibrier-und Kühleinheit weiter besteht, kann die Kalibrierung des Rohres ununterbrochen fortgesetzt werden.

[0007] Nachteilig an der in der DE 202 21 671 U1 beschriebenen Technik ist, dass weiterhin eine Verbindung zwischen dem aus dem Rohrkopf austretenden Schmelzeschlauch und dem Ankopplungskopf hergestellt werden muss. Des Weiteren ist dafür Sorge zu tragen, dass das Zugseil die Extrusionslinie ziemlich mittig durchläuft, um Verkantungen des Ankopplungskopfes zu vermeiden.

[0008] Die DE 10 2005 028 085 A1 beschreibt eine Vorrichtung zum Verbinden von zwei Rohrenden. Bei dieser Anfahrtechnik wird ebenfalls wieder mit einem Anfahrrohr gearbeitet, allerdings wird dieses in einem Ausführungsbeispiel nicht direkt mit dem Schmelzeschlauch verbunden, sondern über ein Gegenstück, um das der Schmelzeschlauch gelegt ist. Das Gegenstück ist über eine Zugöse und ein Seil mit einem Anschlagdorn verbunden, der über Spreizmittel im Anfahrrohr festlegbar ist.

[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Anfahren einer Rohrextrusionslinie zur Verfügung zu stellen, das bzw. die gänzlich ohne Zugmittel auskommt und damit deren Nachteile vermeidet.

[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem Verfahren und einer Extrusionslinie gelöst, welches bzw. welche die Merkmale des Anspruchs 1 bzw. 2 aufweist.

[0011] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird das extrudierte Rohr nicht mehr durch die Extrusionslinie gezogen sondern geschoben. Dazu ist zumindest in der Kalibrier- und Kühleinheit eine Schubvorrichtung vorgesehen, die eine Schubkraft auf das extrudierte Rohr ausübt. Die aus dem Stand der Technik bekannten Anfahrhilfsmittel , wie Anfahrrohre , Zugseile u.s.w. und die damit einher gehenden Nachteile werden somit vermieden.

[0012] Da die Kalibrier- und Kühleinheit in einer ersten Anfahrphase noch unter Atmosphärendruck steht, weil das vorgeschobene Rohr noch nicht an einer Dichtung anliegt, die die Kalibrier- und Kühleinheit durch Anlage an dem extrudierten Rohr gegenüber der Atmosphäre abdichtet, muss dafür Sorge getragen werden, dass das noch nicht starre Rohr in der Kalibrier- und Kühleinheit von innen gestützt wird, damit es nicht in sich zusammenfällt. Das wird dadurch erreicht, dass entweder in dem Rohr gegenüber dem Innenraum der Kalibrier- und Kühleinheit ein Überdruck erzeugt wird, z. B. durch Druckluftzufuhr, oder aber dadurch, dass das Rohr durch eine mechanische Innenführung körperlich gestützt wird. Sobald das produzierte Rohr die Dichtung passiert hat, wird in der Kalibrier- und Kühleinheit ein Unterdruck erzeugt, so dass das Rohr auf den gewünschten Außendurchmesser kalibriert werden kann. Die Druckluftzufuhr bei der ersten Stützvariante wird gestoppt.

[0013] Aufgrund der erfindungsgemäßen Lösung kann nicht nur auf die bisher üblichen Anfahrhilfen verzichtet werden, sondern auch auf die Abzugseinheit am Ende der Extrusionslinie. Falls der durch die in der Kalibrier- und Kühleinheit angeordneten Schubvorrichtung auf das Rohr ausgeübte Schub nicht ausreicht, um das Rohr bis zum Ende der Extrusionslinie vorzuschieben, können in der Extrusionslinie gegebenenfalls eine oder mehrere weitere Schubvorrichtungen, z. B. in oder nach den Kühltanks, vorgesehen werden.

[0014] Es ist aber auch möglich, die zumindest eine Schubvorrichtung nur als Anfahrhilfe zu verwenden und wie üblich eine Abzugseinheit am Ende der Extrusionslinie vorzusehen. Diese übernimmt dann, wie im Normalbetrieb einer Extrusionslinie üblich, den weiteren Antrieb des extrudierten Rohres. Der Antrieb der zumindest einen Schubvorrichtung kann dann abgestellt werden.

[0015] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.

[0016] Die Erfindung wird nachstehend anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert. In der dazugehörigen Zeichnung zeigt:
Fig. 1
eine Extrusionslinie zur Herstellung von Kunststoffrohren mit ihren Hauptkomponenten in schematischer Darstellung,
Fig. 2
einen schematischen Schnitt durch eine Kalibrier-und Kühleinheit zur Durchführung eines erfindungsgemäßen Anfahrvorganges am Beginn des Durchlaufs eines Rohres durch die Kalibrier-und Kühleinheit,
Fig. 3
eine Darstellung gemäß Fig. 2 in einem mittleren Stadium des Durchlaufs eines Rohres durch die Kalibrier-und Kühleinheit,
Fig. 4
eine Darstellung gemäß Fig. 2 nach dem Durchlauf eines Rohres durch die Kalibrier-und Kühleinheit,
Fig. 5
eine schematische Vorderansicht einer Schubvorrichtung in einer ausschnittsweisen Darstellung, und
Fig. 6
eine Seitenansicht der Schubvorrichtung nach Fig. 5.


[0017] Die in Fig. 1 dargestellte Extrusionslinie umfasst einen Extruder 1 mit einem Aufgabetrichter 2, einer Extruderschnecke 3 und einem Rohrkopf 4. Über den Aufgabetrichter 2 wird ein thermoplastischer Kunststoff 5 in Granulat- oder Pulverform dem Extruder 1 zugeführt. In dem Extruder 1 wird das Granulat bzw. Pulver erwärmt, geknetet und plastifiziert. Anschließend wird der Kunststoff als formbare Masse durch die Extruderschnecke in den Rohrkopf 4 gefördert und dort durch einen ringförmigen Durchtrittsspalt gedrückt.

[0018] Nach dem Austritt aus dem Rohrkopf 4 tritt das heiße, noch verformbare Rohr (Schmelzeschlauch) 6 durch den von dem Extruder 1 erzeugten Extrusionsdruck in eine Kalibrier- und Kühleinheit 8 ein, die einen Vakuumtank 9 mit einer an dessem Einlauf angeordneten, perforierten Kalibrierhülse 10 aufweist. Die Kalibrierhülse 10 ist stufenlos im Durchmesser einstellbar, so dass das extrudierte, noch verformbare Rohr 6 auf den gewünschten Wert fixiert werden kann. Nach dem Verlassen der Kalibrier- und Kühleinheit 8 tritt das Rohr 6 in einen Kühltank 11 (oder auch in mehrere nacheinander) ein, wo es auf etwa Raumtemperatur abgekühlt wird.

[0019] Die in den Figuren 2 bis 4 dargestellte Kalibrier- und Kühleinheit 8 besitzt einen Vakuumtank 9, der aus drei Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 zusammengesetzt ist. Diese Sektion 9.1, 9.2 und 9.3 sind auf einem Bett 12 der Kalibrier- und Kühleinheit 8 gegeneinander verschiebbar, so dass sie voneinander beabstandet werden können, wie das in Figur 2 dargestellt ist.

[0020] In der ersten Sektion 9.1 der Kalibrier- und Kühleinheit 8 ist die Kalibrierhülse 10 angeordnet. Diese besitzt einen ringförmigen Einlaufkopf 13 und einen ringförmigen Auslasskopf 14. Während der Einlaufkopf 13 außerhalb der Sektion 9.1 angeordnet ist, öffnet sich der Auslasskopf 14 in die Sektion 9.1. Der Auslaufkopf 14 ist gegenüber dem ortsfesten Einlaufkopf 13 in Axialrichtung der Kalibrierhülse 10 verlagerbar. Dazu sind zwei Spindeleinheiten 15 vorgesehen, mit deren Hilfe der Auslaufkopf 14 zu dem Einlaufkopf 13 hin bzw. weg verlagert werden kann, wodurch sich der Durchmesser der Kalibrierhülse 10 vergrößert bzw. verkleinert. Zum weiteren Aufbau der Kalibrierhülse 10 wird zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf die DE 10 2005 002 820 B3 verwiesen, in der die Kalibrierhülse 10 und ihre Funktion ausführlich beschrieben ist.

[0021] Zu den Einbauten der ersten Sektion 9.1 der Kalibrier- und Kühleinheit 8 gehört weiterhin eine Schubvorrichtung 7, die in Durchlaufrichtung des Rohres 6 nach der Kalibrierhülse 10 angeordnet und in den Fig. 2 bis 4 nur schematisch dargestellt ist. Diese Schubvorrichtung 7 ist auf den jeweils in der Extrusionslinie gefahrenen Rohrdurchmesser einstellbar bzw. stellt sich selbsttätig auf diesen ein. Eine mögliche Ausführungsform einer Schubvorrichtung 7 ist in den Fig. 5 und 6 dargestellt.

[0022] In den Sektionen 9.2, 9.3 des Vakuumtanks 9 sind Stützvorrichtungen 16 für das extrudierte Rohr 6 vorgesehen, deren Aufbau im Wesentlichen dem der Kalibrierhülse 10 entspricht. Ein wesentlicher Unterschied zu der Kalibrierhülse 10 besteht darin, dass die Einlaufköpfe 17 wie die Auslaufköpfe 14 einen fixen Durchmesser haben. Zum weiteren Aufbau der Stützvorrichtungen 16 wird auf die DE 103 180 037 B3 verwiesen, in der diese Stützvorrichtungen 16 ausführlich beschrieben sind.

[0023] Am Auslauf jeder der Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 ist eine Dichtung 18 angeordnet, durch die das produzierte Rohr 6 hindurch läuft. Die Dichtungen 18 sind auf den Außendurchmesser des produzierten Rohres 6 einstellbar. Wenn die Dichtungen 18 am Außenumfang des produzierten Rohres 6 anliegen, dichten sie die Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 gegenüber der Atmosphäre ab.

[0024] Zu den Einbauten der Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 gehören weiterhin Sprühdüsen 19, mit denen zur Kühlung Wasser auf die Rohroberfläche gesprüht wird. Soweit es noch ergänzende Erläuterungen zum Aufbau und zur Funktion der Sprühdüse 19 bedarf, wird auf die DE 10 2008 037 874 A1 verwiesen, die zwecks weiterer Beschreibung der Sprühdüsen 19 zum Gegenstand des Ausführungsbeispiels gemacht wird.

[0025] Vom Rohrkopf 4 ragt axial ein Stützzylinder 20 ab, der sich durch den Einlaufkopf 13 hindurch koaxial in die Kalibrierhülse 10 hineinerstreckt. Konzentrisch zum Stützzylinder 20 ist eine Stützscheibe 21 angeordnet, die aus radial verstellbaren Segmenten besteht und den Abstand zwischen dem Rohrkopf 4 und dem Einlaufkopf 13 im Wesentlichen ausfüllt.

[0026] Nachstehend wird anhand der Figuren 2 bis 4 der Anfahrvorgang einer Rohrextrusionslinie beschrieben.

[0027] Nach dem Austritt aus dem Rohrkopf 4 wird das heiße, noch verformbare Rohr 6 aufgrund des durch den Extruder 1 aufgebauten Extrusionsdruckes, außen von der Stützscheibe 21 geführt (nicht dargestellt), in den Einlauf 13 der Kalibrierhülse 10 gedrückt, wo sich das Rohr 6 an die Außenfläche des Stützzylinders 20 anlegt. Für eine gute Gleitreibung ist der Stützzylinder 20 mit einer PTFE-Beschichtung versehen. Das Rohr 6 wird nun weiter auf dem Stützzylinder 20 durch die Kalibrierhülse 10 geschoben. Deren Innendurchmesser ist so eingestellt, dass ein geringfügiger Abstand zur Rohroberfläche besteht. Während des Durchlaufs des Rohres 6 durch den Vakuumtank 9 wird es in allen Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 durch die Sprühdüse 19 ständig gekühlt. Nach dem Austritt des Rohres 6 aus der Kalibrierhülse 10 wird es durch die Schubvorrichtung 7 erfasst und von dieser durch die Extrusionslinie geschoben. Die Stützscheibe 21 kann nun aufgefahren werden, wie in den Fig, 2 bis 4 dargestellt ist, da eine Abstützung des heißen, noch verformbaren Rohres 6 an dieser Stelle nicht mehr erforderlich ist.

[0028] Sobald das Rohr 6 aus der Sektion 9.1 austritt, wird deren Dichtung 18 radial auf das Rohr 6 zugestellt, so dass die Dichtung 18 dichtend am Umfang des Rohres 6 anliegt. Gleichzeitig wird in der Sektion 9.1 ein Unterdruck erzeugt, so dass das Rohr 6 aufgrund der Druckdifferenz zwischen dem Rohrinnenraum und dem Innenraum der Sektion 9.1 an die Innenfläche der Kalibrierhülse 10 gedrückt wird.

[0029] Nach dem Schließen der Dichtung 18 der Sektion 9.1 wird die Sektion 9.2 an die Sektion 9.1 herangefahren. Das Rohr 6 durchläuft nun die Sektion 9.2 und wird beim Verlassen dieser Sektion 9.2 von der Dichtung 18 dichtend umschlossen. Nun wird auch in der Sektion 9.2 Unterdruck angelegt und die Sektion 9.3 an die Sektion 9.2 herangefahren. Das Rohr 6 durchläuft jetzt die Sektion 9.3, die nach dem Austritt des Rohres 6 und Schließen der Dichtung 18 ebenfalls unter Unterdruck gesetzt wird.

[0030] Das Rohr 6 wird nach dem Verlassen der Kalibrier-und Kühleinheit 8 durch die nachfolgenden Einrichtungen der Extrusionslinie bis zu deren Ende geschoben. Eine sonst üblicher Weise am Ende einer Extrusionslinie vorgesehene Abzugseinheit kann auf Grund der Schubvorrichtung 7 entfallen. Wenn die durch die in der Kalibrier- und Kühleinheit 8 angeordneten Rohrabstützung 7 auf das Rohr 6 übertragende Schubkraft nicht ausreicht, um das Rohr 6 bis zum Ende der Extrusionslinie zu schieben, kann bzw. können gegebenenfalls eine oder mehrere weitere Schubvorrichtungen 7, z. B. vor, im oder hinter dem Kühltank 11 vorgesehen werden, die dann wahlweise auch zu- oder abgeschaltet werden.

[0031] Im oben stehenden Ausführungsbeispiel wurde der Stützzylinder 20 als stationäre Einrichtung beschrieben. Er kann vorteilhafter Weise auch so ausgeführt sein, dass er in den Rohrkopf 4 einfahrbar ist, da er nach dem Anfahren keine Funktion mehr hat.

[0032] In einem weiteren, nicht dargestellten Ausführungsbeispiel entsprechen Aufbau und Funktion der Kalibrier- und Kühleinheit 8 dem bzw. der des vorstehenden Ausführungsbeispiels. Bei diesem Ausführungsbeispiel wird das extrudierte Rohr 6 bei seinem Durchlauf durch die erste Sektion 9.1 des Vakuumtanks 9 nicht durch einen Stützzylinder gestützt, sondern durch einen Innendruck. Dazu wird in das aus dem Rohrkopf 4 austretende heiße, noch verformbare Rohr 6 bei aufgefahrener Stützscheibe 21 ein Verschlusskörper eingelegt, an den das Rohr 6 dichtend anbackt. Der Rohranfang wird nun mit dem einliegenden Verschlusskörper in die Kalibrierhülse 10 eingeführt. Gleichzeitig wird über eine durch den Rohrkopf 4 geführte Druckluftleitung Druckluft in das Rohrinnere eingeführt und die Stützscheibe 21 zur äußeren Abstützung des Rohres 6 zugefahren. Aufgrund des Überdrucks im Rohrinneren legt sich dieses an die Innenfläche der Kalibrierhülse 10 an. Nach dem Auslaufen des Rohres 6 aus der Kalibrierhülse 10 wird es von der Schubvorrichtung 7 erfasst und weiter durch die Extrusionslinie geschoben.

[0033] Nach dem Durchlaufen der Sektion 9.1 wird deren Dichtung 18 zugefahren. Gleichzeitig wird in der Sektion 9.1 Unterdruck erzeugt und die Druckluftzufuhr in das Rohrinnere gesperrt. Aufgrund der weiterhin vorliegenden Druckdifferenz bleibt das Rohr 6 in Anlage an die Kalibrierhülse 10, d.h., das Rohr 6 wird kalibriert.

[0034] Das Rohr 6 durchläuft anschließend die beiden weiteren Sektionen 9.2 und 9.3 des Vakuumtanks 9, wie im vorherigen Ausführungsbeispiel beschrieben.

[0035] In dem oben beschriebenen Ausführungsbeispiel sind die Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 des Vakuumtanks 9 gegeneinander verfahrbar, so dass sie voneinander beabstandet werden können. Diese Lösung hat den Vorteil, dass dadurch im Vakuumtank 9 Inspektionslücken geschaffen werden können, durch die das produzierte Rohr 6 bei seinem Durchlauf durch den Vakuumtank 9 beobachtet werden kann.

[0036] Für die vorliegende Erfindung ist eine derartige Verfahrbarkeit der Sektionen 9.1, 9.2 und 9.3 nicht erforderlich. Es reicht aus, wenn der Vakuumtank 9 schottartig in drei Sektionen unterteilt ist, wobei jeder Sektion am Auslauf eine Dichtung 18 zugeordnet ist. Ebenso kann der Vakuumtank 9 auch nur aus einer Sektion bestehen.

[0037] In den Fig. 5 und 6 ist eine mögliche Ausführungsform einer Schubvorrichtung 7 dargestellt. Sie weist einen konzentrisch zum anzutreibenden Rohr 6 angeordneten, drehantreibbaren Zahnkranz 22 sowie vier Spindeleinheiten 23 auf, von denen sich jeweils zwei diametral gegenüber liegen.

[0038] In den Fig. 5 und 6 ist nur eine dieser Spindeleinheiten 23 dargestellt. Jede Spindeleinheit 23 besitzt eine Gewindespindel 24 und eine Spindelmutter 25. Die Spindelmuttern 25 weisen jeweils einen Außenzahnrad 26 auf, das mit dem Zahnkranz 22 kämmt, und sind drehbar in einem ortsfesten Support 27 gelagert.

[0039] An dem dem Rohr 6 zugewandten Ende jeder Gewindespindel 24 ist drehbar eine Rolle 28 gelagert. Diese Rollen 28 sind jeweils über einen Rollenmotor 29 aktiv und synchron drehantreibbar.

[0040] Die Schubvorrichtung 7 ist auf den jeweils in der Rohrextrusionslinie gefahrenen Rohrdurchmesser einstellbar. Dazu wird der Zahnkranz 22 in Drehantrieb versetzt, wodurch die mit dem Zahnkranz 22 über die Zahnräder 26 kämmenden Spindelmuttern 25 synchron drehangetrieben werden. Die Gewindespindeln 24 und damit auch die Rollen 28 werden dadurch translatorisch und synchron in die eine oder andere Richtung, je nach Drehrichtung des Zahnkranzes 22, bewegt, bis die Rollen 28 die Oberfläche des Rohres 6 kontaktieren. Da die Rollen 28 durch die Rollenmotoren 29 synchron gleichgerichtet angetrieben werden, üben sie eine Schubkraft auf das Rohr 6 aus, so dass dieses durch die Extrusionslinie geschoben wird.

[0041] Als Schubvorrichtung kann auch eine in der nicht vorveröffentlichten DE 10 2009 023 438 zum Patent angemeldete Rohrunterstützung (Version Stützrollen) verwendet werden, die hiermit zum Gegenstand der vorliegenden Anmeldung gemacht wird. Diese Vorrichtung müsste nur so modifiziert werden, dass zumindest einige der Stützrollen durch z. B. Rollenmotoren synchron und gleichgerichtet drehangetrieben werden.


Ansprüche

1. Verfahren zum Anfahren einer Rohrextrusionslinie mit einem Extruder und einer Kalibrier- und Kühleinheit, dadurch gekennzeichnet, dass das extrudierte Rohr (6) durch mindestens eine mindestens in der Kalibrier- und Kühleinheit (8) vorgesehene, eine Schubkraft auf das extrudierte Rohr (6) übertragende Schubvorrichtung (7) durch die Extrusionslinie geschoben wird, wobei die Kalibrier- und Kühleinheit (8) in einer ersten Anfahrphase, in der das Rohr (6) eine Dichtung (18) der Kalibrier- und Kühleinheit (8) gegen die Atmosphäre noch nicht passiert hat, unter Atmosphärendruck steht, und in einer zweiten Anfahrphase, in der das Rohr (6) diese Dichtung (18) passiert hat, unter Unterdruck gesetzt wird, wobei das Rohr (6) in der ersten Anfahrphase durch inneren Überdruck oder eine mechanische Innenführung (20) gestützt wird.
 
2. Extrusionslinie zur Durchführung des Verfahrens gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in der Kalibrier- und Kühleinheit (8) nach der Kalibrierhülse (10) eine eine Schubkraft auf das extrudierte Rohr (6) übertragende Schubvorrichtung (7) angeordnet ist.
 
3. Extrusionslinie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schubvorrichtung (7) auf den jeweils in der Extrusionslinie gefahrenen Rohrdurchmesser einstellbar ist bzw. sich selbsttätig auf diesen einstellt.
 
4. Extrusionslinie nach einem der Ansprüche 2 oder 3, gekennzeichnet durch:

- eine Kalibrier- und Kühleinheit (8), die mindestens zwei Sektionen (9.1, 9.2, 9.3) mit je einer Dichtung (18) aufweist, wobei in der in Extrusionsrichtung ersten Sektion (9.1) die Kalibrierhülse (10) angeordnet ist,

- einen Stützzylinder (20), der axial von einem Rohrkopf (4) des Extruders (1) abragt und sich koaxial in die Kalibrierhülse (10) hineinerstreckt,

- eine Stützscheibe (21), die zwischen dem Rohrkopf (4) und einem Einlauf (13) der Kalibrierhülse (10) angeordnet ist, und der Außenabstützung des aus dem Rohrkopf (4) austretenden Rohres (6) dient.


 
5. Extrusionslinie nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Sektionen (9.1, 9.2, 9.3) gegeneinander auf Abstand verfahrbar sind.
 
6. Extrusionslinie nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Stützzylinder (20) in den Rohrkopf (4) einfahrbar ist.
 
7. Extrusionslinie nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützscheibe (21) aus radial verstellbaren Segmenten besteht.
 




Zeichnung




















Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente